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Lieder aus dem Rinnstein

Hans Ostwald: Lieder aus dem Rinnstein - Kapitel 83
Quellenangabe
authorVerschiedene Autoren
editorHans Ostwald
titleLieder aus dem Rinnstein
publisherKarl Henckell & Co.
year1903
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20180126
projectid9ad00744
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Der Schurl von Ottakring.

Ottakring, ein Vorort Wiens.

I bin der Schurl Schurl = Wiener Deminutiv für Georg. von Ottakring,
ma' schimpft mi an Pülcher Pülcher = Lungerer, der mit der »Burgmusik« mitläuft., an Strizi Strizi = Lungerer, Lude, aber nicht notwendig Zuhälter.;
's is ja wahr, i hab' momatan ka G'schäft, –
und i geh' mit da patscherten patschert = ungeschickt, dumm, naiv. Mizi.

Aber; frag' i an Menschen, wen geht des was an?
Es tuat m'r ja kaner nix schenk'n! –
I wüll halt mei Platzerl a in der Sonn'
und mag m'r net d' Baner verrenken.

Bin i denn der Anz'ge, der was vaziert
und am Rathausplatz Maulaffen feil hat?
I man', daß a Jed's des tuat, was 'r mag,
und a Jed's an der Gauda Gauda = Freude, Unterhaltung, auch Gaudeh. sei Teil hat.

Und d' feina Gigerln mit Quäker Quäker = Bratenrock. und Knöpf',
was von Saf'n und Salberl'n duften,
hab' i a no' nie bei der Arbeit net g'seh'n: –
Zweg'n was zweg'n = was weswegen. soll der Schurl grad' schuften!? schuft'n = sich schinden, arbeiten.

Na ja! D' patscherte Mizi de geht am Strich:
Zweg'n bin i do' ka Menschertreiber?!
Kann i denn dafur, wann s' es hergeb'n tuat? –:
I war' a lieber Aktenschreiber.

Und d' patscherte Mizi, des is mei Glück.
Aber sie kann si' a net beklag'n;
mir san ja beinand'! mir san beinand' – ich bin ein strammer Kerl (pluralis majestaticus). – und, wann's glenkt g'lenken = ausreichen. mit
de Flintsch Flintsch = Guldenschein (auch »Stan«) hier: wenn das Geld ausreicht.,
nach'r tua m'r uns prächti' vertrag'n.

Ja freili, daß s' a was schwitz'n muaß,
wann s' wo an Oberma' Oberma' = Zehnguldennote. g'ramt g'ramt = ergattert. hat,
des versteht si' vo' sölber! – umsonst tuat's weh,
des glaubst! – oder was m'r 'tramt hat.

Wann's lang nix ham bringt, na' fangt's s' a paar Tetsch'n Tetsch'n = Ohrfeige.
aber i bin a immer am Posten.
Und da mußt't i do' Tinten g'soff'n haben Tinten g'soff'n hab'n = ganz und gar verrückt sein.,
ließet i des Mad'l verrosten!

Der Herr Gerichtshof hat jüngst mi vermahnt,
i sollt' »ehrlich mei Brot erwerben.« –
Sonst hab'ns kane Schmerz'? von der Fruh bis auf d' Nacht ...?
Na! – des kunntert m'r d' Gesundheit verderben!

Und i hab' eh nix ander's als des biss'l G'stell G'stell = Gestalt, hier: ich habe ohne dies nichts als meine gesunden Knochen.,
die Arbeit, seg'ns, des is zu g'fährli',
und was mit der »Ehrlichkeit« anbelangt, –
mit da Mizi teil' i eh ehrli'!

Der Herr Gerichtshof, der red't m'r längst guat
mit samt seina seidana Kutt'n seidana Kutt'n = der seidene Talar der Richter, der wie eine Mönchskutte aussieht.;
I hab' no nix g'stohl'n, und mi' kriag'ns a net dran,
und was d' Leut' simpeln, is m'r erst Butt'n des is mir butt'n = das ist mir gleichgültig..

Na, na! Oes könnt's mi alle, wann's wollt's! ...
Und schimpft's mi an Pülcher, an Strizi:
I bleib' scho' der Schurl vo' Ottakring –
und i geh mit der patscherten Mizi!

Frhr. Karl v. Levetzow.

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