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Lieder aus dem Rinnstein

Hans Ostwald: Lieder aus dem Rinnstein - Kapitel 67
Quellenangabe
authorVerschiedene Autoren
editorHans Ostwald
titleLieder aus dem Rinnstein
publisherKarl Henckell & Co.
year1903
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20180126
projectid9ad00744
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Die Wölfin.

Dunkles Blut in den Adern,
dunkle Gedanken im Sinn,
treibt's mich, zu streiten, zu hadern,
treibt's zu Gefahren mich hin.
Stamm' doch von ehrsamen Leuten,
bin doch in Züchten gezeugt,
saß in den Reih'n der Gescheuten –
was will die Wildheit bedeuten?
          Eine Wölfin hat mich gesäugt.

Würdevoll sitzen die andern,
Vettern und Freunde im Amt;
rastlos durch's Leben zu wandern
bin ich vom Schicksal verdammt.
Mühsam, während in Ehren,
langohrig und kurz geäugt,
sie das Volk richten und lehren,
muß ich dem Hunger wehren –
           Eine Wölfin hat mich gesäugt.

Auf ihrem Sterbelager
sah ich das Bauernweib;
welk, verfallen und hager
waren Antlitz und Leib.
Doch in den Augen brannte
ein Trotz, den kein Elend beugt,
ein Trotz, der Wutblicke sandte –
und ich sah's und erkannte;
          Eine Wölfin hat mich gesäugt.

Martin Drescher.

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