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Lieder aus dem Rinnstein

Hans Ostwald: Lieder aus dem Rinnstein - Kapitel 24
Quellenangabe
authorVerschiedene Autoren
editorHans Ostwald
titleLieder aus dem Rinnstein
publisherKarl Henckell & Co.
year1903
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20180126
projectid9ad00744
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Kirmes.

Wer zur Kirm's will geh'n, muß das Ding versteh'n,
wie man denn zuvor recht hungern kann,
dann geht man früh nüchtern,
lüstern und nicht schüchtern,
ehe dann die rechte Kirm's geht an.
Sobald man zur Türe hineingetreten,
da wird man angenickt
und auch gebeten, an den zu sitzen,
daß man möchte schwitzen,
wenn man so viele dicke Kuchen sieht.

Da wird eingehauen, doch ist nicht zu trauen,
daß man alle Rinden mit verschlingt,
gleich daneben stehet, damit runtergehet,
eine Branntweinpulle, daß man trink'.
So geht von früh bis an die Mittagslauten,
da kommen die Löffel wie die Sallatstauden,
Schüssel, Töpf und Tiegel wie die Windmühlflügel,
daß ein angst und bange dabey wird.

Nun kommt gute Suppe aus 'n großen Tuppe,
mit Rindsflecken, sauer und süß gemacht,
Rindfleisch mit Gewürze, und in aller Rürze
wird Meerrettich mit dazu gebracht.
Da kommen die recht fett gebrat'neen Gänse
mit Pflaumentunk und and'rer Schwenzelenze.
Liebe Kirmisflasche, meine Kleidertasche
ist so voll, daß sie bald plagen möcht'.

Gute Gänsestiefeln, Schweinefleisch mit Zwiebeln
ist der Anfang zu dem andern Gang;
darnach Wurst und Gallert, daß der Magen knallert,
und ist wie ein seid'ner Strumpf so lang.
Da kommt ein großer brauner Schweinebraten
mit dicken steifen Krautsallaten,
Sauerkraut und Krapfen, daß die Zähne schnarzen,
und dabey wird auch recht wohl gezünkt.

Endlich kommt das letzte, eine frisch gesetzte
Semmelmilch und Hiersebrei,
Käse, frische Butter bringt die Kirmismutter,
damit alles so beschaffen sei
und fragt, ob sie sich alle satt gegessen?
wir werden balle, balle wieder essen!

Dann geht's an's Tanzen mit dem vollen Ranzen,
daß die Liese möcht' zu Specke werden.
Da gibt's feine Mücken wie die Feuerpicken,
o, die reißen en' recht zu sich 'nanl
Jauchze, liebe Waude, traute, traute, traute!
wenn man sich nur recht tummeln kann,
und kann eine mit bei Seide kriegen,
da läßt sie alles steh'n und liegen;
drauf kommt die Anneliese von der Gartenwiese,
kommt zum Essen, es ist angetan.

Will man süß und sauer, spricht man zu dem Bauer:
bringt den Tiegel mit der Lunze rein,
wird denn auch, mein alter lieber Kirmisverwalter,
noch ein bisgen Tunke drinnen sein?
O, es ist auch solches Zeug noch drinn,
es gehe auch dabey zuweilen dick und dünn:
darauf geht's ganz sachte, daß ich abends um achte
schon wiederum zu Hause bin.

(Aus Neuvermehrte Lust-Rose, allen lustigen Gemütern zum Zeitvertreib.)

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