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Lieder aus dem Rinnstein

Hans Ostwald: Lieder aus dem Rinnstein - Kapitel 23
Quellenangabe
authorVerschiedene Autoren
editorHans Ostwald
titleLieder aus dem Rinnstein
publisherKarl Henckell & Co.
year1903
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Gärtnerfreuden.

Dem Gärtner muß das Herze lachen,
wenn er in seinen Garten geht
und ihm der Wind von allen Sachen
schon den Geruch entgegenweht,
er siehet seine Blumenfelder
gewiß auch recht vergnüget an,
er freut sich, wenn er seine Wälder
von Obst und Früchten schauen kann.

Er lächelt, wenn auf den Jasminen
er ein verirrtes Bienlein sieht,
zum Riechen muß die Rose dienen,
er küßt die süße Nelkenblüt'.
Zur Lilie spricht er: Seht, wie nette
daß ihre weißen Blätter steh'n,
die Nachtviol setzt er vor's Bette,
wenn er nun will zu Bette geh n.

Und wenn er durch die Vögellieder
des Morgens von dem Schlaf erwacht,
so macht er sich in Garten wieder;
zu schauen, was sein Kirschbaum macht,
und wenn des Maulbeerbaumes Früchte
zu seiner Reifung kommen sind,
so findet er ein gut Gerüchte,
das vor dem bösen Nebel dient.

Die Äpfel nimmt er mit nach Hause
und scharrt sie in das Bettstroh ein,
damit dieselbige beym Schmausen
fein mürbe und aptitlich seyn,
so muß dem Gärtner sein Vergnügen
in lauter Gartenlust besteh'n;
ich dürfte bald ein Lüstgen kriegen,
derselben Kurzweil nachzugeh'n.

So sey's gewagt, ich will's probieren,
ich geh' zum Gärtnerorden ein,
der wird mir wohl ein Kind zuführen,
das soll gewiß mein Garten seyn;
da will ich mir Bouquete binden
von Blumen, die mein Garten hat,
ich hoff', ich werde Früchte finden,
die mich vergnügen in der That.

Von Wangen will ich Rosen pflücken
und Nelken von dem Zuckermund,
ja ihr so zartes Händedrücken
macht mir die weiße Lilie kund,
in den Jasminen ihrer Brüste,
da stell' ich mich als Biene ein;
da find' ich süße Höniglüste
und werd' auch alsbald schwärmend seyn.

Und wenn ich denn zu Bette gehe,
nehm' ich die Nachtviole mit,
damit ich schlafend auch verstehe,
wie angenehm mein Gärtgen blüht,
schlaf' ich bis an den hellen Morgen,
und wenn ich denn erwachet bin,
so mach' ich mich ganz ohne Sorgen
zu meinem Gärtgen wieder hin.

(Aus Neuvermehrte Lust-Rose, allen lustigen Gemütern zum Zeitvertreib zusammengetragen. Gedruckt in diesem Jahr.)

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