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Gutenberg > Ovid >

Liebeskunst

Ovid: Liebeskunst - Kapitel 9
Quellenangabe
typepoem
booktitleOvids Werke, Fünfter Theil
authorOvid
translatorHeinrich Lindemann
firstpub1861
year1861
publisherVerlag von Wilhelm Engelmann
addressLeipzig
titleLiebeskunst
created20040831
sendergerd.bouillon
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At vos, si sapitis, vestri peccata magistri
    Effugite et culpae damna timete meae.
Proelia cum Parthis, cum culta pax sit amica,
    Et iocus, et causas quicquid amoris habet.
Si nec blanda satis, nec erit tibi comis amanti;
    Perfer et obdura: postmodo mitis erit.
Flectitur obsequio curvatus ab arbore ramus;
    Frangis, si vires experiere tuas.
Obsequio tranantur aquae: nec vincere possis
    Flumina, si contra, quam rapit unda, nates.
Obsequium tigresque domat Numidasque leones;
    Rustica paulatim taurus aratra subit.
Quid fuit asperius Nonacrina Atalanta?
    Succubuit meritis trux tamen illa viri.
Saepe suos casus nec mitia facta puellae
    Flesse sub arboribus Milaniona ferunt.
Saepe tulit iusso fallacia retia collo,
    Saepe fera torvos cuspide fixit apros.
Sensit et Hylaei contentum saucius arcum:
    Sed tamen hoc arcu notior alter erat.
Non te Maenalias armatum scandere silvas,
    Nec iubeo collo retia ferre tuo;
Pectora nec missis iubeo praebere sagittis.
    Artis erunt cautae mollia iussa meae.
Cede repugnanti: cedendo victor abibis;
    Fac modo, quas partes illa iubebit, agas.
Arguet, arguito; quicquid probat illa, probato.
    Quod dicet, dicas; quod negat illa, neges.
Riserit, arride; si flebit, flere memento;
    Imponat leges vultibus illa tuis.
Seu ludet numerosque manu iactabit eburnos:
    Tu male iactato, tu male iacta dato.
Seu iacies talos: victam ne poena sequatur,
    Damnosi facito stent tibi saepe canes.
Sive latrocinii sub imagine calculus ibit:
   

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    Seid ihr aber gescheit, so meidet die Fehler des Lehrers;V. 173. A. L. qui sapitis.
    Scheuet Verluste, wie mir eigene Schuld sie gebracht.
Lebt mit den Parthern in Krieg, mit der reizenden Freundin in Frieden,V. 175. Mit den Parthern, den gefürchtetsten Feinden der Römer. S. oben I. 177 ff. n. Anm.
    Freude und Lust und was fördern die Liebe nur kann.
Wenn nicht zärtlich genug und hold sie dem Liebenden sein wird,V. 177. Gem. Lsrt comis amica.
    Trag' es und habe Geduld; milder schon wird sie nachher.V. 178. A. Lsrten franges und experiare.
Durch fügsame Geduld läßt krümmen am Baume der Ast sich;
    Aber er bricht dir, versuchst du ihn zu krümmen Gewalt.
Fügsam dem Strom, durchschwimmest du ihn; du wärest die Fluthen
    Nicht zu bezwingen im Stand, schwämmest du gegen den Strom.
Tiger durch Fügsamkeit und Numidische Löwen bezwingt man;V. 183. Numidisch = Afrikanisch. – Gem. Lsrt tumidos.
    Unter des Landmanns Joch fügt mit der Zeit sich der Stier.
Was war grausamer als Atalanta, Arcadiens Tochter?V. 185 ff. S. zu Liebeserg. III, 2, 29. Den Verdiensten der Fügsamkeit gegen ihre Befehle u. Zumuthungen. Unter Bäumen; vergl. Liebeserg. III, 9, 23 n. A.
    Und es erlag ihr Trotz doch den Verdiensten des Manns.
Über sein Schicksal soll und das spröde Gebaren des Mädchens
    Unter Bäumen geweint haben Milanion oft.
Oft trug, wie sie befahl, am Hals er bezügliche Netze;
    Trotzige Eber erlegt' oft er mit sausendem Spieß.V. 190. A. Lsrten feros saeva od. iussa od. missa.
Auch empfand er, verwundet, den Pfeil, von Hyläus geschossen.V. 191. Atalanten stellten die Centauren Hyläus und Rhöcus nach. Milanion beschützte sie gegen ihre Zumuthungen (V. 195) und setzte sich dadurch der Rache derselben aus, so daß Hyläus nach ihm schoß u. ihn verwundete. Atalante erlegte die Zudringlichen mit dem Bogen.
    Aber bekannter als der, war ihm ein anderer Pfeil.
Nicht die Mänalischen Wälder jedoch zu ersteigen mit Waffen
    Will ich dir heißen, auch nicht Netze zu tragen am Hals;
Auch nicht darzubieten die Brust geschossenen Pfeilen.
    Leicht ist, was dir gebeut meine bedächtige Kunst.V. 196. Für cautae (einzeln certe, certae, tantae) hat Heinsius ohne Umstände cauto gegeben. Wir können aber in cautae durchaus nichts Unpassendes finden. Ich muthe dir keine großen Anstrengungen, nichts Gefährliches zu; meine Kunst geht bedächtig zu Werke, und ihre Vorschriften werden sanft, leicht zu erfüllen sein.
Gieb der sich Sträubenden nach, so gehst du als Sieger von dannen;
    Spiele die Rolle du nur, die sie zu spielen befiehlt.
Tadelt sie, mußt du tadeln, und billigen, was sie nur billigt;
    Nein auch, spricht sie nein, sprechen; bejaht sie, bejahn.
Lacht sie, so lache mit ihr; und weint sie, bemüh' dich zu weinen:V. 201. Burmann findet die Lsrt der Frankf. Hdschrft flerit, deflere memento treffend. Deflere sei stärker als flere und das eigentliche Wort von dem Beweinen der Todten am Scheiterhaufen. Der Dichter rathe nun dem Liebhaber, wenn das Mädchen den Tod eines Angehörigen beweine, tüchtig mit zu weinen. Schwerlich aber hat der Verfasser an etwas so Specielles gedacht; der Sinn ist vielmehr ganz allgemein: freue dich mit der Fröhlichen und traure mit ihr, wenn sie traurig ist.
    Deinem Gesicht und Blick lege Gesetze sie auf.
Spielt sie und wirft mit der Hand die elfenbeinernen Zahlen,V. 203 ff. Zum Verständnisse der hier gemeinten Spiele diene, was Becker in seinem Gallus darüber sagt. »Was das Würfelspiel, alea, anlangt, so sind zwei Arten von Würfeln zu unterscheiden: tali und tesserae. Die tali waren ursprünglich aus Thierknöcheln gefertigt; späterhin aus sehr verschiedenem Material.« Aus welchem Material sie aber auch gefertigt sein mochten, so hießen sie doch nur tali, Knöchel. »Sie hatten nur vier ebene Flächen, zwei einander gegenüberstehende waren uneben oder gerundet, so daß auf ihnen der Würfel nicht leicht zu stehen kommen konnte. Die vier ebenen Flächen waren mit Punkten oder Strichen bezeichnet, so daß auf zwei sich entgegenstehenden Seiten 1 und 6, auf den beiden andern 3 und 4 sich befanden. Die Zahlen 2 und 5 fehlten ganz. Diese vier Würfel wurden nicht aus der Hand, sondern aus einem Becher von Horn, Buchsbaum, Elfenbein und dergl. geworfen, der innerlich stufenartige Absätze hatte, damit die Würfel besser durch einander geworfen, und jeder mögliche Betrug verhütet würde. Dieser Becher war aber, anders als bei uns, oben enger als unten und hieß eben von dieser Form pyrgus oder turricula (Thurm, Thürmchen), auch phimus und am gewöhnlichsten fritillus (Becher). Der Wurf geschah auf einer besonders dazu eingerichteten Tafel, alveus, alveolus, abacus, die vermuthlich einen etwas hohen Rand hatte, damit die Würfel nicht herabfallen könnten. Das Spiel selbst kennen wir freilich nicht genau. Wir wissen im Grunde nur, welches der beste, und welches der schlechteste Wurf war. Der erstere hieß Venus oder venereus (iactus, Venuswurf), der letztere canis (Hund). Jener war, wenn alle vier Würfel verschiedene Zahlen zeigten, dieser nach der gewöhnlichen Meinung, wenn alle vier eine Zahl zeigten, richtiger aber, wenn alle vier die Eins zeigten. Das Spiel wurde aber nicht immer so gespielt, daß Gewinn oder Verlust vom venereus oder canis abhingen, sondern man ließ auch die Zahl der geworfenen Augen entscheiden (wobei wahrscheinlich eine gewisse Zusammenstellung eine höhere Zahl galt, als die gefallenen Augen ausmachten). Am häufigsten mochte dies mit den eigentlichen sechsseitigen Würfeln, tesseris, geschehen.«

»Diese (die tesserae) waren ganz wie die bei uns gebräuchlichen Würfel (und werden nie nach dem Stoffe, woraus sie gefertigt waren, und der vermuthlich kein anderer als bei den Knöcheln war, sondern eben nach der Form Würfel, aber dichterisch, wie in unserer Stelle und unten III, 355, Zahlen, numeri, genannt). Ihre sechs Seiten oder ebenen Flächen waren mit 1–6 bezeichnet. so daß jederzeit die einander entgegenstehenden Seiten zusammen sieben Augen zählten. Gehörten zum Spiele der Knöchel vier Würfel, so brauchte man der tesserae nur drei und später gar nur zwei. Ob es dabei immer darauf ankam, wer die meisten Augen geworfen hatte; ob der Pasch etwas galt, das ergiebt sich, soviel mir bekannt ist, aus keiner Stelle. Das einfache πλειστοβολίνδα παίζειν (wo die meisten Augen gelten) mochte aber jedenfalls das Gewöhnlichste sein.« Ob auch unten III, 354 ff. und Trist. II, 475 f. so zu verstehen sei, werden wir dort sehen. Übrigens gebrauchte man die Würfel beider Art nicht bloß zum Hazardspiele, sondern sie dienten theils auch anderen Gesellschaftsspielen, theils gebrauchte man sie bei der Commissatio (Trinkgelag) zur Wahl des magister convivii (Tafelmeister).« Zu der ersteren Art gehörte das hier V. 203 f. und unten III, 363 f. gemeinte, lusus duodecim scriptorum, Zwölflinienspiel, »halb ein Glücksspiel.« »Es scheint etwas unserm Puffspiele Ähnliches gewesen zu sein. Wenigstens bestimmten die Würfel (tesserae) das Rücken der Steine. Die Tafel war mit zwölf Linien bezeichnet, auf welchen die (weißen und schwarzen) Steine (calculi) gerückt wurden. Das Rücken oder Setzen der Steine nannte man dare, wie auch wir sagen: einen Wurf geben.«

Ein anderes Spiel, wo »das Gewinnen von Überlegung und Geschicklichkeit abhing,« war das V. 207 f. und unten III, 357 ff. sowie Trist. II, 477 ff. genannte Räuber- oder Soldatenspiel, lusus latrunculorum, für welches wahrscheinlich die andere Seite desselben Bretes, worauf das vorige Spiel gespielt wurde, eingerichtet war (Mart. XIV, 17). »Es war ein unserem Schach ähnliches Spiel, oder mehr eine Art Belagerungsspiel; denn die (an mehreren Stellen) erwähnten mandrae können nur für Steine gelten, die eine Art Verschanzung bildeten. Verschiedene Geltung mögen überhaupt die calculi (Steine) gehabt haben; sie mögen deßhalb auch verschieden bezeichnet gewesen sein. Allein daß sie, wie in unserem Schachspiele, als verschiedene Figuren erschienen wären, dafür scheint sich nirgends ein Beweis zu finden. Nur die mandrae unterschieden sich vielleicht von den latronibus (Räubern, Soldaten). Sie waren gewöhnlich von Glas. Doch wurden sie gewiß auch von kostbarerem Material gefertigt. Die Kunst des Spielers bestand darin, entweder die Steine des Gegners zu schlagen, oder sie festzusetzen. Das erstere geschah, wenn man einen feindlichen Stein zwischen zwei der seinigen zu stehen gebracht hatte. Daher gebot die Vorsicht, daß sich kein Stein ohne Begleiter (Deckung), compar, unter die Feinde wagte. Das Festsetzen hieß ligare, alligere, obligare, und solche Steine hießen inciti; denn ciere ist der eigentliche Ausdruck für ziehen. Ad incitas redactus aber hieß der, welcher keinen Stein mehr ziehen konnte (matt); oft figürlich gebraucht. Je weniger der Sieger Steine verloren hatte, desto rühmlicher war der Sieg.« Über andere Spiele wird an den oben angeführten Stellen gehandelt werden.
 


    Wirf du schlecht und gieb, wie du geworfen, auch schlecht.
Oder wirfst du die Knöchel, so mache, daß, um die Besiegte
    Nicht zu bestrafen, dir oft stehe der schädliche Hund.
Oder laßt ihr den Stein im Soldatenspiele marschiren,
    Fac pereat vitreo miles ab hoste tuus.
Ipse tene distenta suis umbracula virgis;
    Ipse face in turba, qua venit illa, locum.
Nec dubita tereti scamnum producere lecto,
    Et tenero soleam deme vel adde pedi.
Saepe etiam dominae, quamvis horrebis et ipse,
    Algentis manus est calfacienda sinu.
Nec tibi turpe puta – quamvis sit turpe, placebit –
    Ingenua speculum sustinuisse manu.
Ille, fatigatae perimendo monstra novercae
    Qui meruit caelum, quod prior ipse tulit,
Ionias inter calathum tenuisse puellas
    Creditur et lanas excoluisse rudes.
Paruit imperio dominae Tirynthius heros.
    I nunc et dubita ferre, quod ille tulit.
Iussus adesse foro, iussa maturius hora
    Fac semper venias, nec nisi serus abi.
Occurras aliquo, tibi dixerit: omnia differ;
    Curre, nec inceptum turba moretur iter.
Nocte domum repetens epulis perfuncta redibit:
    Tunc quoque pro servo, si vocat illa, veni.
Rure eris, et dicet: Venias – Amor odit inertes –:
    Si rota defuerit, tu pede carpe viam.
Nec grave te tempus, sitiensve Canicula tardet,
    Nec via per iactas candida facta nives.
Militiae species amor est: discedite, segnes:
    Non sunt haec timidis signa tuenda viris.
Nox et hiems longaeque viae saevique dolores
    Mollibus his castris et labor omnis inest.
Saepe feres imbrem caelesti nube solutum,
    Frigidus et nuda saepe iacebis humo.
Cynthius Admeti vaccas pavisse Pheraei
    Fertur et in parva delituisse casa.
Quod Phoebum decuit, quem non decet? Exue fastus,
    Curam mansuri quisquis amoris habes.
   

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        Mache, daß dein Soldat falle vom gläsernen Feind.
Selber auch halte gespannt in seinen Stäben das Schirmdach;V. 209. Das Schirmdach gegen die Sonne.
    Selber mach' im Gewühl, wo sie erscheinet, ihr Platz.
Sei auch bereit, an das zierliche Bett den Schemel zu rücken;V. 211. S. unfern Index zu Verw. Bett.
    Aus auch die Sohle und an ziehe dem niedlichen Fuß.V. 212. S. zu Liebeserg. III, 13, 26.
Oft auch muß ihr die Hand, obgleich es selber dich schauert,
    Wann die Gebieterin friert, werden im Busen erwärmt.
Halt' es für schimpflich auch nicht – so schimpflich es ist, es gefällt doch –V. 215. Für sit fand Heinsius tibi in zwei Hdschrften schön und nahm es auf. Die Beziehung auf den Einzelnen ist aber offenbar unpassend.
    Daß mit eigener Hand vor du den Spiegel ihr hältst.V. 216. Mit eigener Hand heißt im Original mit freier Hand, d. h. du, ein Freier, Freigeborner, während dies ein Geschäft der Sclaven war.
Er, der, auf Stiefmutters Geheiß die UngeheuerV. 217 ff. S. zu Verw. 9, 15. 190. Hercules konnte für den an Iphitus verübten Mord (s. zu Verw. 12, 549) nach dem Ausspruche des Orakels auf keine andere Weise gesühnt werden, als daß er sich als Sclaven verkaufen ließ, um durch den erlangten Kaufpreis die Kinder des Ermordeten zu entschädigen. Er ward daher an die Königin Omphale in Lydien (Ionien) verkauft und diente derselben nicht nur als Sclave, sondern bald auch als Liebhaber. Das Körbchen; s. zu Verw. 4, 10. Der Tirynthische Heros; s. zu Verw. 7, 410. – Daß wir fatigatae nicht eigentlich ausgedrückt haben, wird die Schwierigkeit der Wörter Stiefmutter und Ungeheuer für das Maß entschuldigen; es bedeutet, daß sie dadurch, daß er die Ungeheuer fällte, endlich ermüdet, befriedigt wurde. – Perimendo hat Heinsius aus Cod. Argent. gegeben, worauf auch premendo in einigen führt. Andere Hdschrften haben perdendo, das die Ed. pr. giebt und Burmann billigt. Die gem. Lsrt ist vincendo. – Ionisch im weitern Sinne, sodaß es Lydien mit inbegriffe, wollen die alten Kritiker nicht gelten lassen und vermuthen daher Maeonidas oder Maeonias, Heinsius Mygonidas. Cod. Comm. hat Achaiadas, die meisten inter Ionicas oder Ionicas inter (Ed. pr.) oder endlich Ionias inter. Die letztere Lsrt halten wir für die echte, da von Personen schwerlich Ionicus und noch viel weniger Ioniacus, wie jetzt in den Ausgaben, wir wissen nicht auf welche Autorität, steht, gebraucht worden ist, letztere Form sich auch unseres Wissens sonst nirgends findet. Die Quantität kann nach andern Stellen unseres Dichters, (s. unsern Index zu Verw.) sowie nach Virgils Vorgange kein Bedenken erregen.
    Fällend, den Himmel verdient, welchen er selber erst trug,
Unter den Töchtern Ioniens soll er gehalten das Körbchen,
    Rohe Wolle gedreht haben zu feinem Gespinnst.
Seiner Gebieterin Wink vollzog der Tirynthische Heros.
    Geh' und besinne dich noch, ob du ertragest, was er.
Sollst auf dem Forum du sein, so sorge noch früher zu kommen,V. 223. Sollst auf dem Forum (s. zu Verw. 15, 841) du sein in ihren Angelegenheiten, um ihre Sache in irgend einem Falle vor Gericht zu führen.
    Als zur befohlenen Zeit; spät auch nur gehe hinweg.
Sollst du irgendwohin ihr gehn, laß Alles im Stiche;V. 225. In dem occurras liegt: zu irgend einem Geschäfte, Auftrage &c. Man könnte glauben, es liege darin der Sinn: ihr entgegen; dann würde aber für das entbehrliche tibi gewiß sibi stehen. Statt aliquo will Heinsius alio lesen, da ja schon von einem Orte, dem Forum, die Rede gewesen sei. Hier ist aber nicht sowohl der Ort, als die Art des Geschäftes der Hauptbegriff.
    Laufe, und kein Gewühl halt' auf dem Wege dich auf.
Kehrt sie bei Nacht nach Hause zurück von beendetem Schmause,
    Statt des Sclaven auch da komme, sobald sie ihn ruft.
Läßt sie dir sagen auf's Land: Komm; mache, im Fall es am Wagen
    Fehlet – die Säumigen haßt Amor – die Reise zu Fuß.
Lästiges Wetter auch halte dich nicht und der dürstende Hundsstern,V. 231. Der durstende Hundsstern; s. zu Liebeserg. II, 16, 4.
    Nicht auch ein Weg dich auf, weiß von gefallenem Schnee.V. 232. Für iactas findet sich einzeln altas, latas, longas.
Ähnlich dem Kriegsdienst ist die Liebe: hinweg da, ihr Trägen!
    Dieses Panier nicht darf schützen ein furchtsamer Mann.V. 234. Für tuenda viele Quellen ferenda, eine tenenda; für signa zwei arma.
Weite Wege und Winter und Nacht faßt dieses so sanfteV. 235 f. Ein Theil der Quellen giebt im Hexameter saevique labores und im Pentameter omnis dolor. Das Unpassende dieser Lsrt leuchtet ein.
    Lager und tobenden Schmerz in sich und jegliche Müh'.
Ströme aus himmlischer Wolke gelöst wirst oft du ertragen,
    Liegen auf bloßer Erd' oft, von der Kälte erstarrt.
Soll doch die Kühe Admets in Pherä geweidet ApolloV. 239 f. S. zu Verw. 6, 122. – Wie so oft, ist der Eigenname am Ende des Hexameters in den meisten Hdschrften verstümmelt, und zwar in per aestus oder per herbas. Nur wenige haben denselben erhalten und entweder auf vaccas oder auf Admeti bezogen. Letzteres ziehen wir nach Cod. Reg. vor. Sodann giebt Cod. Mor. servasse für pavisse, wahrscheinlich aus I, 28. Burmann hält jedoch jenes für das Echte, dieses für Glosse.
    Haben und unter dem Dach niedriger Hütte gehaust.
Wem ziemt nicht, was Phöbus geziemt? Laß fahren den Hochmuth,
    Der du sorglich bedacht bist auf der Liebe Bestand.
Si tibi per tutum planumque negabitur ire,
    Atque erit apposita ianua fulta sera:
At tu per praeceps tecto delabere aperto;
    Det quoque furtivas alta fenestra vias.
Laeta erit, ut causam tibi se sciet esse pericli.
    Hoc dominae certi pignus amoris erit.
Saepe tua poteras, Leandre, carere puella:
    Tranabas, animum nosset ut illa tuum.
Nec pudor ancillas, ut quaeque erit ordine prima,
    Nec tibi sit servos demeruisse pudor.
Nomine quemque suo – nulla est iactura – saluta,
    Iunge tuis humiles, ambitiose, manus.
Sed tamen et servo – levis est impensa – roganti
    Porrige fortunae munera parva tuae.
Porrige et ancillae, qua poenas luce pependit
    Lusa maritali Gallica veste manus.
Fac plebem, mihi crede, tuam: sit semper in illa
    Ianitor, et thalami qui iacet ante fores.
Nec dominam iubeo pretioso munere dones:
    Parva, sed e parvis callidus apta dato.
Dum bene dives ager, dum rami pondere nutant,
    Afferat in calatho rustica dona puer.
Rure suburbano poteris tibi dicere missa,
    Illa vel in sacra sint licet emta via.
Afferat aut uvas, aut quas Amaryllis amabat,
    At nunc castaneas non amat illa nuces.
Quin etiam turdoque licet missaque columba
    Te memorem dominae testificere tuae.
Turpiter his emitur spes mortis et orba senectus.
    Ah, pereant, per quos munera crimen habent!
Quid tibi praecipiam teneros quoque mittere versus?
    Hei mihi, non multum carmen honoris habet.
Carmina laudantur, sed munera magna petuntur.
    Dummodo sit dives, barbarus ipse placet.
Aurea nunc vere sunt saecula; plurimus auro
   

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    Wenn dir den sichern und ebenen Weg zu gehen versagt wird,V. 243. Für das nur in einer Vatic. Hdschrft erhaltene planum geben alle übrigen placitum oder placidum.
    Und die Thüre verwahrt ist mit dem Riegel davor:
Nun, so laß durch das offene Dach in die Tiefe dich nieder;V. 245 f. »Das Erdgeschoß machte das Hauptgebäude aus und diente zur eigentlichen Wohnung. Da aber die einzelnen Abtheilungen desselben von sehr verschiedener Höhe waren und zum Theil von oben ihr Licht erhielten, so war es unmöglich, über das ganze Haus hinweg ein zweites Stockwerk anzulegen. Theilweise geschah es indessen, um Platz zu gewinnen (auch für Sclavenzimmer), und alle solche über dem Erdgeschosse liegenden Gemächer hießen mit einem gemeinschaftlichen Namen coenacula. Zu den coenaculis führten verschiedene Treppen, scalae, von Stein und Holz, meistens steil und unbequem. Solche Treppen führten zuweilen auch von der Straße hinauf. Über diesen coenaculis endlich, oder auch über dem ersten Stockwerke legte man Terrassen an, die man mit Bäumen, Sträuchern, Weinreben und Blumen besetzte. Solche Dachgärten hießen solaria.« Beckers Gallus. Über die Fenster s. zu Verw. 14, 752. – Für apposita gem. Lsrt opposita. Vergl. Liebeserg. III, 14, 10.
    Heimlichen Weg auch biet' oben das Fenster dir dar.
Freuen sich wird sie zu wissen, sie sei Ursach der Gefahr dir;V. 247. A. Lsrt sentiet.
    Sein wird dies der Beweis sicherer Liebe für sie.
Missen wol konntest du oft dein Mädchen, Leander; hinüberV. 249 f. Wenn du auch oft ohne sie sein konntest oder hättest sein können, so schwammst du gleichwohl hinüber, scheutest die Lebensgefahr nicht, um ihr deine Liebe zu beweisen. Daß das in der Schillerschen Ballade Hero und Leander gefeierte Liebesverhältniß gemeint ist, bedarf wol nicht der Erwähnung. – Sciret in einigen Hdschriften für nosset.
    Schwammst du über das Meer, daß sie erkenne dein Herz.
Halt' es für Schande auch nicht, der Reihe nach dir die Mägde,
    Minder die Diener auch nicht dir zu verpflichten zu Dank.V. 252. A. L. emeruisse.
Grüße – es ist kein Schaden dabei – jedweden mit Namen;
    Schließe die niedrige Hand eifrig in deine hinein.V. 254. Die niedrige Hand, die Hand der Sclavin. – Nur Cod. Reg. tuis, alle übrigen tuas.
Auf sein Bitten auch mußt du dem Sclaven – gering ist der Aufwand –
    Reichen aus deines Glücks Fülle ein kleines Geschenk.
Reich' ein Geschenk auch der Magd an dem Tag, an welchem, betrogenV. 257 f. An dem Festtage der Mägde. Als nämlich einst die Galler (die Gallische Schaar) Rom belagerte und die Belagerten aufs Äußerste gebracht sahen, erboten sie sich zum Abzuge, wenn ihnen die Römer ihre Frauen zur Benutzung überlieferten. Da gab eine Magd den Rath, die Mägde wie Römische Frauen zu kleiden und so ins Lager der Galler zu schicken. Und so geschah es. In der folgenden Nacht überfielen die Römer auf ein von den Mägden verabredetermaßen gegebenes Zeichen die in Wein, Genuß und Schlaf begrabenen Feinde und machten sie alle nieder. Zum Andenken hatten die Mägde jährlich an demselben Tage, dem 7 Juli, einen Festtag. – Wie allgemein und hartnäckig manchmal ein Fehler ist, zeigt hier quae, von ancillae veranlaßt, in allen Handschriften.
    Durch das Frauengewand, büßte die Gallische Schaar.
Glaube mir, mache das Volk dir geneigt; es befinde darunterV. 259. Das Volk, die Dienerschaft.
    Stets sich der Pförtner und der liegt vor der Thür des Gemachs.V. 260. Der liegt &c.; f. zu Liebeserg. II, 2, 1.
Nicht kostbare Geschenke auch sollst der Geliebten du geben.
    Kleinigkeiten, jedoch passende gieb mit Geschmack.
Während ergiebig das Land, und unter der Last sich der Ast beugt,
    Bringe der Knabe im Korb ländliche Gaben ihr hin.V. 264. Der Knabe, vorzugsweise der Sclave.
Daß sie vom Stadtgut wären geschickt dir, kannst du ihr sagen,
    Mögen sie immer gekauft sein auf dem heiligen Weg.V. 266. An dem heiligen Weg oder vielmehr Straße (s. zu Liebeserg. I, 8, 100) hatten die Obst- und Fruchthändler feil.
Trauben bringe er hin, er bringe Kastaniennüsse,V. 267 f. In einer Idylle Virgils (II, 52) preist der Hirt Córydon die Kastanien dadurch an, daß er sagt, seine Amaryllis, die ihn doch verschmähte, habe dieselben geliebt. Darauf beziehen sich mehrere Dichter, wenn sie Kastanien anführen; ja sie bezeichnen dieselben, ohne sie zu nennen, blos als Früchte oder Nüsse, welche Amaryllis geliebt habe. So unser Dichter wieder unten III, 183. So Petron. Catal: Ich mag nicht deine Nüsse, Amaryllis, noch Wachspflaumen. Diese Geschenke mag der Bauer Córydon für groß halten. Wenn Ovid aber hier hinzufügt, daß sie jetzt dieselben nicht oder nicht mehr liebe; so liegt darin, was eben auch Petron sagt, daß eine jetzige Amaryllis oder eine Römische Schöne mit einer solchen Hirten- oder Bauerngabe nicht zufrieden sei. – Die richtige Lsrt non amat haben nur zwei bis drei Quellen, darunter Cod. Reg. erhalten; die anderen alle wiederholen nunc. Nur noch zwei andere geben aut, worin Heinsius mit Recht haut oder haud vermuthet.
    Die Amaryllis geliebt, aber mit nichten mehr liebt.
Ja ein Täubchen sogar und eine Drossel ihr schickend,V. 269 f. Vergl. Verw. 7, 372. 10, 260. 13, 812 ff. besonders 832 f.
    Magst du beweisen, du seist deiner Geliebten gedenk.
Schande, erkauft damit man sich Hoffnung auf Tod und verwaistesV. 271 f. Zu solchem Zwecke, das Herz einer Schönen zu erfreuen und zu gewinnen, sind dergleichen Geschenke erlaubt und löblich. Schimpflich und verbrecherisch aber ist es, Erbschleicherei damit zu treiben.
    Alter! Und wehe, durch wen werden Geschenke zur Schuld!
Was soll rathen ich dir, auch zärtliche Verse zu schicken?
    Ach, es stehn nicht hoch leider, Gedichte im Preis!
Versen ertheilt man Lob, doch große Geschenke verlangt man.
    Ist er nur reich, so gefällt selber der roheste Mann.
Jetzt ist wirklich die goldene Zeit; am höchsten in Ehren
    Venit honos; auro conciliatur amor.
Ipse licet Musis venias comitatus, Homere:
    Si nihil attuleris, ibis, Homere, foras.
Sunt tamen et doctae, rarissima turba, puellae:
    Altera non doctae turba, sed esse volunt.
Utraque laudentur per carmina: carmina lector
    Commendet dulci qualiacumque sono.
His ergo atque illis vigilatum carmen in ipsas
    Forsitan exigui muneris instar erit.
At quod eris per te facturus et utile credis,
    Id tua te facito semper amica roget.
Libertas alicui fuerit promissa tuorum:
    Hanc tamen a domina fac petat ille tua.
Si poenam servo, si vincula saeva remittis:
    Quod facturus eras, debeat illa tibi.
Utilitas tua sit; titulus donetur amicae.
    Perde nihil; partes illa potentis agat.
Sed te, cuicumque est retinendae cura puellae,
    Attonitum forma fac putet esse sua.
Sive erit in Tyriis: Tyrios laudabis amictus;
    Sive erit in Cois: Coa decere puta.
Aurata est: ipso tibi sit pretiosior auro;
    Gausapa si sumsit: gausapa sumta proba.
Astiterit tunicata: Moves incendia, clama;
    Sed timida, caveat frigora, voce roga.
Compositum discrimen erit: discrimina lauda;
    Torserit igne comam: torte capille, place.
Brachia saltantis, vocem mirare canentis;
    Et, quod desierit, verba querentis habe.
Ipsos concubitus, ipsum venerere licebit,
    Quod iuvat, et [quadam] gaudia voce notes.
Ut fuerit torva violentior illa Medusa:
    Fiet amatori lenis et aequa suo.
Tantum, ne pateas verbis simulator in illis,
    Effice, nec vultu destrue dicta tuo.
Si latet ars, prodest; affert deprensa pudorem
    Atque adimit merito tempus in omne fidem.
   

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        Stehet das Gold; für Gold stehet die Liebe zu Dienst.
Möchtest du selbst auch kommen, Homer, von den Musen begleitet;
    Wenn Nichts mit du gebracht, wirft man, Homer, dich hinaus.
Aber es giebt, doch selten nur giebt's, auch gebildete Mädchen;
    Nicht ist's, aber doch sein will es der übrige Schwarm.V. 282. A. L. doctae, sed tamen esse.
Beiden ertheil' in Gedichten man Lob, die, welcherlei Art sieV. 283. Laudentur hat Heinsius nach seiner Art aus der Neap. und einer Vat. Hdschrft gegeben gegen laudetur aller übrigen.
    Seien, der vor sie liest, hebe durch lieblichen Ton.
Diesen nun wird, auch Jenen, ein nächtlich gedichtetes LiedchenV. 285. Nächtlich gedichtet, mit Entziehung des Schlafes, folglich mit großer Sorgfalt. – Nach Heinsius haben die besseren Hdschrften aut für atque. Wir bekennen jedoch, dies nicht zu verstehen. Nach unserer Meinung giebt nur atque den beabsichtigten Sinn. Diesen, sagt der Dichter, den gebildeten Mädchen, und auch wohl Jenen, fügt er gleichsam nachträglich hinzu, ganz in dem eigentlichen Gebrauche von atque.
    Auf sie selber vielleicht gelten als kleines Geschenk.V. 286. Einige wenige Quellen geben habet für erit.
Doch was selbst du zu thun vorhast und ersprießlich erachtest,V. 287. Hiermit geht der Dichter zu einem neuen Puncte über.
    Darum bitten dich erst laß die Gebieterin stets.
Hättest du zugesagt der Deinigen einem die Freiheit,
    Von der Gebieterin doch laß sie erbitten ihn erst.
Wenn du dem Sclaven die Strafe und schreckliche Fesseln erlässest,
    Habe zu danken sie dir, was du beschlossen zu thun.
Dein sei stets der Gewinn, der Gebieterin werde die Ehre;
    Ohne Verlust für dich spiele die Mächtige sie.V. 294. Die Mächtige, die Alles über dich Vermögende. – Gem. Lsrt petentis.
Bist du aber bedacht das Mädchen auch fortzubehalten,
    Laß sie glauben, du seist trunken von ihrer Gestalt.
Ist sie in Tyrischem Kleid, so lobe die Tyrische Kleidung;V. 297 f. In Tyrischem Kleid, in purpurrothem Wollenkleide. S. zu Verw. 5, 51. – Im Coergewand, in Seide. S. zu Liebeserg. I. 14, 6.
    Ist sie im Coergewand, lobe das Coergewand.
Geht sie in Gold, so sei kostbarer sie dir als das Gold selbst;
    Zieht die Kutte sie an, finde die Kutte bewährt.V. 300. Die Kutte, gausapa oder gausape (ursprünglich linnener, später wollener Stoff, der durch besondere Bearbeitung zottig wurde), trug man theils bei üblem Wetter, theils auf der Reise. Dasselbe Zeug wurde gebraucht um kostbare Tische zu bedecken, auch um sie während der Mahlzeit abzuwischen.
Steht sie im Hauskleid da, so rufe: Du stiftest ja Brand an;V. 301 f. Im Hauskleid; s. zu Liebeserg. I, 5, 9. – Du stiftest Brand an, du entzündest Herzen, so reizend bist du. – Bitte sie &c., weil sie eben dünn und knapp gekleidet ist.
    Bitte sie schüchtern jedoch, daß sie erkälte sich nicht.
Ist das Haar in Flechten gelegt, so preise die Flechten;
    Lockt sie mit Feuer das Haar, preise das lockige Haar.V. 304. Place bietet Cod. Reg. mit wenigen andern, die übrigen geben places.
Wenn sie tanzt, bewundre den Arm; und singt sie, die Stimme:V. 305 Wenn sie tanzt, bewundre den Arm; s. zu Liebeserg. II, 4, 29.
    Und daß auf sie gehört, klage bedauernden Munds.V. 306. Auch quod giebt nur Cod. Reg. mit zwei anderen gegen cum der übrigen.
Selber den Beischlaf magst du und was ihn fördert, verehren,
    Und mit besonderem Laut deuten den Liebesgenuß.V. 308. In allen Ausgaben, die uns einzusehen möglich war, steht et querula gaudia voce notes. Woher aber dieses querula rühre, finden wir nirgends bemerkt. Denn die Quellen alle geben et quaedam gaudia, sodann aber die meisten voce notes oder vocis habe, einige, worunter auch Reg., noctis habe. Dieses querula ist daher vor allen Dingen zu beseitigen, zumal da querentis unmittelbar vorhergegangen und daraus querula, wenn es handschriftliche Begründung hat, wahrscheinlich entstanden ist. Aus dem Vorhergehenden ist gewiß auch habe hierher gekommen. Denn gaudia habe ist sicher falsch. Der Liebhaber soll ja erst Mittel anwenden, die Spröde zu gewinnen, also kann er den Genuß nicht schon haben oder haben sollen. Zudem wird durch den Imperativ die begonnene Construction unpassend unterbrochen. Mit habe fällt durch prosodische Nothwendigkeit auch noctis oder vocis; und so steht also gaudia voce (denn nocte findet sich in keiner Hdschrft) notes diplomatisch fest. Quaedam gaudia aber giebt keinen passenden Sinn. Denn da ipsi concubitus und noch specieller ipsum quod iuvat vorausgegangen ist, kann nicht so unbestimmt quaedam gaudia folgen. Auch bedarf gaudia keiner näheren Bestimmung, da es schon überhaupt von dem Liebesgenusse vorzugsweise gebraucht wird und hier insbesondere, wie gesagt, concubitus und quod iuvat vorausgeht. Da das Wort gleichwohl in allen Quellen vorhanden ist, so vermuthen wir, der Verfasser habe quadam geschrieben, das vor gaudia leicht in quaedam übergehen konnte, und damit, wie wir übersetzt haben, einen besonderen, etwa schnalzenden Laut oder eine besondere Modulation der Stimme ausdrücken wollen, der eben nicht leicht anders als durch quidam bezeichnet werden konnte.
Wäre sie unerbittlicher auch als die stiere Medusa,V. 309. Die stiere Medusa; s. zu Verw. 4, 774. – Ut bietet Cod. Reg. mit wenigen anderen Quellen gegen die gem. Lsrt si.
    Gegen den Liebenden wird werden sie sanft und gefüg.
Nur daß deine Verstellung dabei nicht selbst du verrathest,
    Nicht mit der Miene zerstörst, was du mit Worten gebaut!
Nur die verborgene Kunst nützt dir, die entdeckte beschämt dich,
    Hebt für immer mit Recht auf das Vertrauen zu dir.
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