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Gutenberg > Ovid >

Liebeskunst

Ovid: Liebeskunst - Kapitel 8
Quellenangabe
typepoem
booktitleOvids Werke, Fünfter Theil
authorOvid
translatorHeinrich Lindemann
firstpub1861
year1861
publisherVerlag von Wilhelm Engelmann
addressLeipzig
titleLiebeskunst
created20040831
sendergerd.bouillon
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LIBER SECUNDUS.    

Zweites Buch.    

Dicite: Jo Paean! et io, bis dicite, Paean!
    Decidit in casses praeda petita meos.
Laetus amans donat viridi mea carmina palma:
    Praeferor Ascraeo Maeonioque seni.
Talis ab armiferis Priameius hospes Amyclis
    Candida cum rapta coniuge vela dedit;
Talis erat, qui te curru victore ferebat,
    Vecta peregrinis Hippodamia rotis.
Quid properas, iuvenis? Mediis tua pinus in undis
    Navigat, et longe, quem peto, portus abest.
Non satis est venisse tibi me vate puellam:
    Arte mea capta est; arte tenenda mea est.
Nec minor est virtus, quam quaerere, parta tueri:
    Casus inest illic; hic erit artis opus.
Nunc mihi, si quando, puer et Cytherea, favete;
    Nunc Erato: nam tu nomen amoris habes.
Magna paro: quas possit Amor remanere per artes,
    Dicere, tam vasto pervagus orbe puer.
Et levis est et habet geminas, quibus avolet, alas.
    Difficile est illis imposuisse modum.
Hospitis effugio praestruxerat omnia Minos;
    Audacem pennis reperit ille viam.
Daedalus ut clausit conceptum crimine matris
    Semibovemque virum semivirumque bovem:
Sit modus exilio, dixit, iustissime Minos;
    Accipiat cineres terra paterna meos.
Et quoniam in patria, fatis agitatus iniquis,
   



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    Ruft Juchheisa, Triumph! und nochmals rufet Juchheisa!V. 1 ff. Nachdem der Dichter im ersten Buche die Orte und Gelegenheiten Mädchen zu sehen und Eine zu wählen angegeben und die Mittel und Wege sie zu gewinnen auseinandergesetzt hat, lehrt er nun, wie die gemachte Eroberung zu behaupten, das ins Garn gegangene Wild festzuhalten sei.
    Eingegangen nach Wunsch ist mir die Beute in's Garn.
Fröhlich beschenkt der Erhörte mein Lied mit der grünenden Palme,V. 3. Der Liebhaber erkennt meiner Dichtung, durch deren Anweisung er eine Geliebte gefunden, den gebührenden Preis zu und giebt mir den Vorzug vor den ältesten und berühmtesten Dichtern, Hesiod (s. zu Liebeserg. I, 15, 11) und Homer (s. ebendas. V. 9). – Donat bezeugt Cod. Reg. mit einigen andern, auch Ed. pr. gegen donet (auch ornet) der übrigen. Bei donet müßte es auch praeferar heißen, wie auch der und jener alte Gelehrte vermuthet, keine Hdschrft aber bestätigt hat. Offenbar ist auch der Indicativ bedeutungsvoller als der Conjunctiv. Für carmina findet sich in einem Theile der Quellen tempora, sowie für palma in einigen myrto, in andren lauro.
    Zieht dem Ascräischen Greis mich, dem Mäonischen vor.
Also fuhr, die Segel gespannt, vom bewehrten AmycläV. 5 f. So fröhlich war Paris (der Trojanische Gast, der aus Troja als Gast gekommen war), als es ihm gelungen war, die Helena aus Amyclä, dessen Einwohner doch ein bewehrtes, streitbares Volk waren, glücklich zu entführen. Amyclä, Stadt in der Nähe von Sparta, war die Residenz des Tyndarus und Geburtsort und frühere Heimath der Helena.
    Mit dem erbeuteten Weib ab der Trojanische Gast.
So frohlockte, der dich siegreich mit dem Wagen davontrug,V. 7 f. S. zu Liebeserg. III, 2, 15. Auf fremdem Gespann, auf dem Gespanne eines Fremdlings, des Pelops.
    Hippodamia, dahin rollend auf fremdem Gespann.
Jüngling, wohin so eilig? Der Hafen, nach welchem ich steure,V. 9 f. Der Jüngling glaubt mit der Belehrung im ersten Buche, wo und wie er eine Schöne gewinnen könne, Alles zu wissen und eilt gleichsam aus der Schule fort, um die Anwendung des Gehörten und Gelernten zu machen. Daher die Mahnung des Lehrers: Du bist noch lange nicht an dem Ziele, zu welchem ich dich führen will.
    Ist noch weit, und es schwimmt mitten im Meer noch dein Schiff.
Daß ein Mädchen dir ward durch meine Dichtung, genügt nicht;V. 11. A. Lsrt. non satis invenisse tibi est aus Unkenntniß des Gebrauchs von venire in dem Sinn zu Theil werden.
    Fesseln auch meine Kunst muß sie, die erst sie gefahn.
Kleiner ist nicht das Verdienst zu erhalten, als erst zu gewinnen;
    Dies ist Zufalls Werk, jenes ist Sache der Kunst.
Jetzt, wenn irgend einmal, seid hold mir, mein Knab' und Cythéra,V. 15. Mein Knabe, Cupido. Cythera statt Cytheréa (s. zu Verw. 4, 190) haben wir nach dem Vorgange eines Lateinischen Dichters und mehrerer Deutscher Dichter uns zu sagen erlaubt.
    Erato jetzt; denn du bist von der Liebe benannt.V. 16. Erato, die Muse der Liebessänger, von dem Griechischen erán, lieben.
Großes beginn' ich: zu singen, durch welcherlei Künste man Amor
    Halte, der weit und breit schweift auf der Erde umher.
Leicht ja ist er und hat zwei Flügel von dannen zu fliegen,V. 19. A. L. evolet; nicht wenige Hdschrften advolet, das auf das richtige avolet weist.
    Flügeln aber ist schwer Schranken zu setzen und Ziel.
Minos hatte versperrt dem Gast jedwedes Entfliehen:V. 21 ff. S. zu Verw. 8, 155 ff. 183 ff. n. Anmerkungen. – A. L. praecluserat. Vergl. Verw. 8, 185.
    Kühn mit Fittichen wußt' er sich zu bahnen den Weg.
Dädalus, als er den Mann, der Ochs, und den Ochsen, der Mann war,
    Den die Mutter empfahn hatte in Sünden, verwahrt,
Sprach: Setz' endlich ein Ziel der Verbannung, o würdiger Minos;
    Lasse der Väter Land meine Gebeine empfahn.
Und dieweil ich, verfolgt von bösem Geschick, in der Heimat
    Vivere non potui, da mihi posse mori.
Da reditum puero, senis est si gratia vilis;
    Si non vis puero parcere, parce seni.
Dixerat haec; sed et haec et multo plura licebat
    Dicere: at egressus non dabat ille viro.
Quod simul ac sensit: Nunc, o nunc, Daedale, dixit,
    Materiam, qua sis ingeniosus, habes.
Possidet et terras et possidet aequora Minos:
    Nec tellus nostrae, nec patet unda fugae.
Restat iter caeli: caelo tentabimus ire.
    Da veniam coepto, Iupiter alte, meo.
Non ego sidereas affecto tangere sedes.
    Qua fugiam dominum, nulla nisi ista via est.
Per Styga detur iter; Stygias tranabimus undas.
    Sunt mihi naturae iura novanda meae.
Ingenium mala saepe movent. Quis crederet unquam,
    Aerias hominem carpere posse vias?
Remigium volucrum disponit in ordine pennas,
    Et leve per lini vincula nectit opus;
Imaque pars ceris astringitur igne solutis;
    Finitusque novae iam labor artis erat.
Tractabat ceramque puer pennasque renidens,
    Nescius haec humeris arma parata suis.
Cui pater: His, inquit, patria est adeunda carinis;
    Hac nobis Minos effugiendus ope est.
Aera non potuit Minos, alia omnia clausit.
    Quem licet, inventis aera rumpe meis.
Sed tibi nec virgo Tegeaea comesque Bootae
    Ensiger Orion aspiciendus erit;
Me pennis sectare datis; ego praevius ibo;
    Sit tua cura sequi; me duce tutus eris.
Nam sive aetherias vicino sole per auras
    Ibimus: impatiens cera caloris erit.
Sive humiles propiore freto iactabimus alas:
    Mobilis aequoreis penna madescet aquis.
Inter utrumque vola. Ventos quoque, nate, timeto;
   

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        Leben nicht konnte, so laß, lasse mich sterben darin.V. 28. Auf eine einzige Autorität hat Heinsius sit mihi für da mihi gegeben, welches Letztere daher Baumgarten-Crusius mit Recht wiederhergestellt hat.
Wenn dir der Greis Nichts gilt, so gewähre dem Knaben die Rückkehr;V. 29. Gewähre dem Knaben die Rückkehr, d. h. gewähre uns die Rückkehr um des Knaben willen.
    Thust du dem Knaben es nicht, thu' es zu Liebe dem Greis.
Dieses sprach er; doch Dies und Mehr noch mochte er sagen;
    Fortzugehen erlaubt Jener mit nichten dem Mann.V. 32. Die seit der Urausgabe nach wenigen Hdschrften herrschende Lsrt. ist dicere regressus, wogegen egrerssus von allen übrigen bezeugt wird. Letzteres steht mithin hdschrftlich fest und verdient auch rücksichtlich des Sinnes, freier Ausgang, Abzug aus der Gefangenschaft, Weggang von der Insel, den Vorzug, während regressus im eigentlichen Sinne = reditus wol selten ist. Nur ob et vor egressus, wie die meisten Quellen geben, oder at, wie einige haben, das Echte sei, ist schwer zu entscheiden. Et steht nicht selten in dem Sinne von et tamen und ist daher oft von Abschreibern und Herausgebern in at verwandelt worden (vergl. unsern Index zu Verw.). Der Gegensatz ist aber doch hier zu stark, als daß er füglich mit et eingeführt werden könnte, und et kann leicht aus dem mehrmaligen et des vorigen Verses entstanden sein.
Jetzt, o Dädalus, jetzt, beginnt er, sobald er es merkte,V. 33. Beginnt er, nämlich Dädalus zu sich selbst.
    Bietet sich Stoff dir, woran Geist du bewährest und Witz.
Minos ist im Besitze des Lands, im Besitze des Meeres;V. 35. Zwei bis drei Quellen haben possidet en terras, wonach Heinsius nicht nur für dieses et, sondern auch für das nächste en las.
    Offen ist weder das Land unserer Flucht, noch das Meer.
Übrig nur ist die Luft. Durch diese zu gehen versuch' ich.V. 37. Wenige Quellen geben iter caelo, das Heinsius nicht übel fand und seine Nachfolger bis auf Baumgarten-Crusius aufnahmen.
    Meinem Beginnen verzeih', hoher Gebieter der Luft.
Nicht zu ersteigen erkühne ich mich der Himmlischen Sitze;
    Keinen anderen Weg giebt's zu entfliehen dem Herrn.
Gehe ein Weg durch die Styx, die stygischen Wogen durchschwimm' ich.
    Wandeln meine Natur muß ich nach neuem Gesetz.V. 42. Alle bisherigen Ausgaben haben mit Heinsius allerdings nach Cod. R. und Ex. Put. sint, aber gewiß mit Unrecht. S. zu Liebeserg. II, 3, 10.
Unglück weckt die geistige Kraft. Wer glaubte es jemals,
    Daß durchschneiden ein Mensch könnte die Bahnen der Luft?
Federn, die Ruder der Vögel, der Reihe nach legt er zusammen;V. 45. Aus einer einzigen Quelle brachte Heinsius volucres auf, das erst Baumgarten-Crusius in der neuesten Ausgabe wieder beseitigte. Einige wenige Hdschrften haben volucris.
    Und mit Linnenverband knüpft er das leichte Gemächt.
Wachs, am Feuer gelöst, hält fest die untersten Theile;
    Und so war nun das Werk neuer Erfindung vollbracht.
Lachend betastet das Wachs und die Federn der Knabe; er weiß nicht,V. 49. Das seltnere renidens, das übrigens, wenn es einer Bestätigung bedürfte, dieselbe Verw. 8, 197 fände, hat zu verschiedenen Verderbnissen Veranlassung gegeben, als renitens, remittens, recudens &c.
    Daß das Geräte ihm selbst ist für die Schultern bestimmt.
Dieses Segel, beginnt der Vater, entführ' uns zur Heimat;V. 51 f. Cod. Reg. giebt Hac . . carina. Hac . . effugiendus erit. Est nach ope soll nach Heinsius blos von den »neueren« geboten werden.
    Damit müssen der Macht wir des Gebieters entfliehn.
Alles versperrt' er, die Luft nur konnt' er nicht. Diese durchschneide –
    Sie nur ist möglich – mit dem, was ich erfunden, o Sohn!V. 54. A. Lsrten qua licet, quam licet, quemlibet, quamlibet.
Doch die Tegeerin nicht und Bootes' Begleiter, OrionV. 55 f. Vergl. Verw. 8, 206 f. Die Tegeerin ist die in das hier gemeinte Sternbild des Bären verwandelte Callisto aus Arcadien (f. Verw. 2, 405–507) welches durch eine seiner vorzüglichsten Städte bezeichnet wird. Wenn Orion der Begleiter des Bootes (s. zu Verw. 2, 176) genannt wird, der ihm keineswegs so nahe steht, um diese Bezeichnung zu rechtfertigen, so muß man dies dem Dichter verzeihen, dem es nur darauf ankam, einige der namhaftesten Gestirne zu nennen. Vergl. dieselbe Zusammenstellung in derselben Erzählung Verw. 8, 206 f. – Die allein richtige Lsrt. Bootae geben nur Cod. Reg. und ein Patavinischer, die übrigen alle fehlerhaft Bootes.
    Mit dem geschwungenen Schwert, darfst du mit Augen erschaun.
Nimm im Flug die Richtung nach mir; ich werde vorangehn,
    Leiten dich ohne Gefahr; sorge zu folgen du nur.
Denn wenn wir durch die höhere Luft in der Nähe der SonneV. 59 f. S. unsern Index z. Verw. unter Sonnenwärme.
    Fliegen, so wird mit der Glut nicht sich vertragen das Wachs.
Wenn wir niedrigen Flugs hinschweben zu nahe dem Meere,
    Wird von den Wellen der See werden die Schwinge benetzt.
Halt' in der Mitte den Flug. Auch mußt du fürchten die Winde,
    Quaque ferent aurae, vela secunda dato.
Dum monet, aptat opus puero monstratque moveri,
    Erudit infirmas ut sua mater aves.
Inde sibi factas humeris accommodat alas,
    Inque novum timide corpora librat iter.
Iamque volaturus parvo dedit oscula nato,
    Nec patriae lacrimas continuere genae.
Monte minor collis, campis erat altior aequis:
    Hinc data sunt miserae corpora bina fugae.
Et movet ipse suas et nati respicit alas
    Daedalus, et cursus sustinet usque suos.
Iamque novum delectat iter, positoque timore
    Icarus audaci fortius arte volat.
Hos aliquis, tremula dum captat arundine pisces,
    Vidit, et inceptum dextra reliquit opus.
Iam Samos a laeva fuerant Naxosque relictae,
    Et Paros et Clario Delos amata deo.
Dextra Lebynthos erat silvisque umbrosa Calymne,
    Cinctaque piscosis Astypalaea vadis:
Cum puer, incautis nimium temerarius annis,
    Altius egit iter deseruitque patrem.
Vincla labant, et cera deo propiore liquescit;
    Nec tenues ventos brachia mota tenent.
Territus a summo despexit in aequora caelo:
    Nox oculis pavido venit oborta metu.
Tabuerant cerae: nudos quatit ille lacertos
    Et trepidat, nec, quo sustineatur, habet.
Decidit, atque cadens: Pater, o pater, auferor, inquit.
    Clauserunt virides ora loquentis aquae.
At pater infelix, iam non pater: Icare, clamat,
    Icare, clamat, ubi es? quove sub axe volas?
Icare, clamabat: pennas aspexit in undis.
    Ossa tegit tellus; aequora nomen habent.
Non potuit Minos hominis compescere pennas;
    Ipse deum volucrem detinuisse paro.
Fallitur, Haemonias si quis decurrit ad artes;
     
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        Mußt dem Zuge der Luft willige Segel vertraun.
So legt an er das Werk dem Knaben und zeigt die Bewegung,
    Wie die befiederte Brut mahnend die Mutter belehrt.
Dann fügt an er sich selbst an die Schultern die künstlichen Flügel,
    Und für den neuen Weg wiegt er nur schüchtern den Leib.V. 68. In novum iter, das freilich nur eine Hdschrft giebt, ist, wie der folg. Vers lehrt, allerdings passender, als per nov. it. aller übrigen.
Und zum Fluge bereit nun gab er noch Küsse dem Söhnlein;
    Thränen nicht konnte das Aug' halten des Vaters zurück.
Nicht zum Berge erhob auf dem ebenen Feld sich ein Hügel:
    Hier vertrauten sich an Beide der traurigen Flucht.
Seine Flügel bewegt und schaut auf die Flügel des Sohnes
    Dädalus, und er erhält sich in dem Lauf und den Sohn,
Und schon macht Vergnügen die Fahrt, die neue; und furchtlos
    Fliegt mit keckem Geschick Icarus stärkeren Flugs.V. 76. Icarus ist der Name des Sohnes.
Sie sah Mancher, indeß an zitternder Angel er Fische
    Fieng; und im Stiche die Hand ließ das begonnene Werk.V. 78. Für reliquit oder relinquit, wie einige wenige Quellen, von captat verführt, haben, findet sich gleich gut in einer remisit, in einer andern remittit.
Schon war Samos zur Linken zurück und Naxos gelassen,V. 79 ff. Es wäre vergebliche Mühe, nach den Angaben des Dichters den Weg der Fliegenden zu verfolgen, wenn man auch, da sie dem Zuge des Windes folgen mußten, eine höchst unregelmäßige Fahrt annehmen wollte. Der Dichter nennt, man möchte fast annehmen, aufs Gerathewohl, einige der berühmtesten von den oberhalb Creta gelegenen Inseln, nicht einmal in der natürlichen Aufeinanderfolge, blos um sie zu nennen und der Erzählung Intresse zu verleihen, die rechts liegenden aber besonders. um die Gegend des Icarischen Meeres anzudeuten. Vergl. Verw. 8, 220 ff. n. A. Baumgarten-Crusius hat die Geographie des Dichters dadurch retten wollen, daß er die Worte von fuerant bis deo parenthetisch genommen hat, eine Auffassung, die nach unserer Meinung mehr sinnreich als in den Worten begründet ist.
    Paros und Delos dazu, theuer dem Clarischen Gott;V. 80. Theuer dem Clarischen Gott ist blos auf Delos zu beziehen. S. übrigens hier sowie zu den folgenden Namen unsern Index z. Verw.
Rechtshin lagen Lebynth und das waldbedeckte Calymne,V. 81. Erat, der Singular, ist von allen Hdschrften bezeugt bis auf zwei, welche den Plural erant geben, den Heinsius und Burmann unnöthiger Weise durch eine unzählbare Menge von Beispielen gerechtfertigt und aufgenommen haben. So unbedeutend nun auch die Sache ist, so muß man doch fragen, warum hier so viele Quellen erant in erat verwandelt hätten, da gleich vorher alle ohne Abweichung fuerant haben. – Für Calymne, das durch die Parallele in den Verw. zweifellos ist, geben die Hdschrften die seltsamsten Verstümmelungen.
    Von fischwimmelnder Fluth Astypaläa umringt:V. 82. Über das Beiwort fischwimmelnd s. zu Verw. 10, 531 u. vergl. das. 12, 10.
Als der Knabe, zu keck durch das unvorsichtige Alter,V. 83. Auf die einzige Autorität einer Vaticanischen Hdschrft nahm Heinsius für die untadelhafte gemeine Lsrt. annis das an sich sehr schöne ausis auf, das bis auf die neueste Teubnersche Ausgabe herrschend blieb. Nur einzeln findet sich alis und armis, welches Letztere Ed. pr. hat.
    Höher den Lauf stets trieb, lassend den Vater im Stich.V. 84. Patrem haben wir auf die überwiegende Autorität der Hdschrften hergestellt für das von Heinsius aus Cod. Mor. und Ment. aufgebrachte ducem.
Locker wird das Gebinde, das Wachs, zu nahe dem Gott, weich;V. 85. Zu nahe dem Gott, dem Sonnengotte, der Sonne.
    Wehende Luft nicht faßt mehr der geschwungene Arm.V. 86. Ein Theil der Quellen giebt venti, eine auch aurae; die leichtere und gewöhnlichere Fügung.
Hoch vom Himmel hinab in die Meersfluth blickt er erschrocken;V. 87. Für a summo hatte Heinsius auf sehr geringe Autorität e summo gegeben.
    Und sein Auge umhüllt Nacht vor verzagender Furcht.
Nackt – es war geschmolzen das Wachs – nackt schlägt er die Arme;
    Schwankend hat er, womit er sich erhalte, nicht mehr.
Und so fiel er und rief im Fall: o Vater, ich stürze.
    Während er sprach, verschloß grünes Gewässer den Mund.V. 92. Grünes Gewässer; grau- oder blaugrün ist die Farbe des Meeres.
Doch der unglückliche Vater, schon Vater nicht, rufet: Wo bist du,V. 93. Mit Recht bemerkt Burmann, daß iam non, wie hier nicht wenige Hdschrften haben, keineswegs zu verwerfen sei gegen die Lsrt. nec iam, wie in derselben Sache Verw. 8, 231 steht. Denn wenn auch zwischen beiden Stellen eine große Übereinstimmung herrscht, so sind sie doch nicht wörtlich gleich, und iam non findet sich in ganz ähnlichen Stellen nicht nur bei Ovid, z. B. Verw. 4, 382, sondern auch bei andern Dichtern und selbst Prosaikern.
    Icarus? wo in der Luft fliegst du, in welchem Gebiet?
Icarus, rief er oft: Da sieht er im Wasser die Federn.
    Erde empfängt das Gebein, aber den Namen das Meer.V. 96. S. Verw. 8, 230. 235 n. Anmerkungen. Den in der letzteren Stelle angeführten Umstand, daß der Vater den Sohn bestattet habe, übergeht der Dichter hier als zu seinem Zwecke nicht nöthig, sowie er überhaupt dort sowohl als hier unerklärt läßt, wie die Gebeine des in das Meer gefallenen Körpers haben begraben werden können.
Nicht war Minos im Stand zu bezähmen die Flügel des Menschen:
    Ich den beflügelten Gott schicke zu halten mich an.
Der betrügt sich, der greift zu Hämonischen Künsten und giebt, was
    Datque, quod a teneri fronte revellet equi.
Non facient, ut vivat amor, Medeides herbae
    Mixtaque cum magicis naenia Marsa sonis.
Phasias Aesoniden, Circe tenuisset Ulixen,
    Si modo servari carmine possit amor.
Nec data profuerint pallentia philtra puellis:
    Philtra nocent animis vimque furoris habent.
Sit procul omne nefas. Ut ameris, amabilis esto:
    Quod tibi non facies solave forma dabit.
Sit licet antiquo Nireus adamatus Homero,
    Naiadumque tener crimine raptus Hylas:
Ut dominam teneas nec te mirere relictum,
    Ingenii dotes corporis adde bonis.
Forma bonum fragile est, quantumque accedit ad annos,
    Fit minor, et spatio carpitur ipsa suo.
Nec violae semper, nec hiantia lilia florent:
    Et riget amissa spina relicta rosa.
Et tibi iam cani venient, formose, capilli;
    Iam venient rugae, quae tibi corpus arent.
Iam molire animum, qui duret, et astrue formae.
    Solus ad extremos permanet ille rogos.
Nec levis ingenuas pectus coluisse per artes
    Cura sit, et linguas edidicisse duas.
Non formosus erat, sed erat facundus Ulixes;
    Et tamen aequoreas torsit amore deas.
O quoties illum doluit properare Calypso
    Remigioque aptas esse negavit aquas!
Haec Troiae Casus iterumque iterumque rogabat;
    Ille referre aliter saepe solebat idem.
Litore constiterant; illic quoque pulchra Calypso
    Exigit Odrysii fata cruenta ducis.
Ille levi virga – virgam nam forte tenebat –
    Quod rogat, in spisso litore pingit opus.
Haec, inquit, Troja est – muros in litore fecit –;
    Hic tibi sit Simois, haec mea castra puta,
Campus erat – campumque facit – quem caede Dolonis
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        Ab von der Stirne er reißt eben geborenen Pferds.V. 100. Das zur Welt kommende Fohlen hat nach Plinius an der Stirne ein Stückchen Fleisch, so groß wie eine getrocknete Feige, (nach Aristoteles eine Blase) von schwarzer Farbe, welches die Mutter alsbald wegleckt. Dies, Griechisch Hippómanes, Roßwuth, Roßbrunst genannt, wurde, wie der Schleim brünstiger Stuten selbst (Liebeserg. I, 8, 8), in der Zauberei, besonders zu Liebestränken gebraucht. – Revellet hat Heinsius aus Cod. R. gegeben; die andern haben revellit, einige revellat.
Nicht bewirken, daß Liebe besteht, Medeksche KräuterV. 101. Medeïsche Kräuter, Zauberkräuter, von der Zauberin Medea, deren Geschichte s. Verw. 7, 9–424. – Für vivat findet sich in einigen Hdschrften duret, erklärende Glosse.
    Und der Marsische Sang unter bezauberndem Ruf.V. 102. Die Marser, eine Völkerschaft Latiums, standen im Rufe der Zauberei. Besonders sollten sie Schlangen beschwören und deren Bisse heilen, auch Verwandlungen bewirken können. Vergl. Schönheitsmittel 39. Festkal. 6, 122. – In den meisten Hdschrften finden sich die Worte naenia Marsa in mersa, marsa venena verdorben.
Circe hätte Ulyß, Medéa Jáson gehalten,V. 103. Auf der Heimkehr von Troja kam Odysseus (Ulyß) auch zu der Zauberin Circe und blieb ein Jahr bei ihr; länger ließ er sich nicht halten. S. Verw. 14, 258 ff., besonders 297. 308. 438 f. – Über Medea und Jason s. Verw. 7, besonders zu V. 394.
    Könnte nur Liebe gebannt werden durch Zaubergesang.
Blasser Liebestrank, den Mädchen gegeben, auch nützt nicht;V. 105. Blaß heißt der Liebestrank von der Wirkung auf die Gesichtsfarbe. Vergl. Liebeserg. II, 7, 10.
    Ja er schadet dem Geist, steigert die Liebe zur Wuth.
Fern sei jegliche Schuld. Das Liebenswürdige liebt man;V. 107. Schuld, schuldvolles, verbrecherisches Thun.
    Und nicht giebt das Gesicht dies und die blose Gestalt.
Sei's, daß Nireus ward gepriesen vom alten Homerus,V. 109 f. Nireus war nach Homer, wie Thersites der häßlichste (s. zu Verw. 13, 233), so nächst Achilleus der schönste Mann unter den Griechen vor Troja. Seine Schönheit war bei den Griechen sprichwörtlich. – In Hylas, einen schönen Knaben und Liebling des Hercules, verliebten sich, als ihn Letzterer auf der Argonautenfahrt in Mysien, wo man gelandet war, ausgeschickt hatte, um Wasser zu holen, die Nymphen und raubten ihn. – Weil in einigen Handschriften fehlerhafter Weise scilicet, sic licet, si licet steht, hat Heinsius nach dem einzigen C. Mor. sis licet zu schreiben befohlen und im Pentameter nach einem Vaticanischen crimina.
    Hylas. der zarte, geraubt ward durch der Nymphen Vergehn:
Füge, damit du erhältst die Geliebte und nicht dich verlassen
    Siehst, zu den Gütern des Leibs Gaben des Geistes hinzu.
Schönheit ist vergänglich, und wie mit den Jahren sie zunimmt,
    Nimmt sie auch ab; es verzehrt eigene Dauer sie selbst.
Weder Violen auch blühn, noch prangende Lilien immer;V. 115. Prangende haben wir mehr sinngemäß als wortgetreu das Lateinische hiantia, klaffende, weit geöffnete, übersetzt, das übrigens in den meisten Hdschrften vielfach verstümmelt, nur in sehr wenigen erhalten ist.
    Und nach der Rose Verlust starrt der verbliebene Dorn.V. 116. Zwei Quellen geben Aret et am., eine Et caret amissa.
Dir auch wird, o Schöner, das Grau bald kommen des Haares,
    Kommen die Runzel dir bald, welche den Körper dir furcht.
Baue den Geist, der dauert, denn an, zu heben die Schönheit.V. 119. Nur wenige Hdschrften haben das allein richtige formae erhalten, während die übrigen den hier sinnlosen Accusativ formam geben.
    Bis zu dem Holzstoß bleibt dieser Besitz dir allein.V. 120. Holzstoß, Scheiterhaufen.
Sei nicht wenig das Herz auch zu bilden durch edele KünsteV. 121 f. Edele Künste; s. zu Liebeserg. III, 8, 1. – Beide Sprachen, die Griechische und Lateinische. Das correcte Latein mußte natürlich ebenso gut gelernt werden, als die Deutsche Schriftsprache von uns; und die Erlernung der Griechischen Sprache gehörte ebenso zur feineren Bildung, wie heutigen Tags oder vor nicht langer Zeit in weiteren Kreisen das Französische bei uns. Griechisch war die Conversationssprache der Vornehmen, und die Kenntniß desselben ward für so unerläßlich gehalten, daß Cato, der stets gegen Ausländerei gekämpft hatte, noch in hohem Alter selbst Griechisch lernte.
    Und die Sprachen mit Fleiß beide zu lernen bemüht.
Schön nicht war von Gestalt, doch war beredsam Ulysses,V. 123. Nach Homer war er kurz und gedrungen, wie ein Widder.
    Und Meergöttinnen hat Qualen der Lieb' er gemacht.V. 124. Unter den Meergöttinnen ist die im nächsten Verse genannte Nymphe Calypso gemeint. Über die Sache s. zu Liebeserg. II, 17, 15. – Der Plural Meergöttinnen ist dichterische Steigerung und daher Heinsiussens Behauptung, daß der Singular zu setzen sei oder man die Circe mit verstehen müsse, völlig unbegründet.
O, wie jammerte oft, daß fort er eile, Calypso,
    Sagte, dem Ruderschlag füge das Wasser sich nicht!
Wieder und wieder befragt sie ihn um Trojas Geschicke;
    Oft zu erzählen ihr pflegt anders das Nämliche er.
Als sie standen am Strand schon, hatte die schöne Calypso
    Nach des Odrysenhaupts blutigem Ende geforscht.V. 130. Des Odrysenhaupts, des Thracierfürsten Rhesus. S. zu Verw. 13, 98, sowie zu 6, 490.
Jener, mit leichtem Stab, den eben er hielt in der Rechten,
    Zeichnet im dichten Sand ihr die erbetene That.
Dies ist Troja, beginnt er, indem er Mauern im Sand macht,
    Das der Simois da, denke mein Lager dir hier.V. 134. Der Simois, Fluß bei Troja.
Hier auf dem Feld – und er macht ein Feld – verspritzten wir DolonsV. 135. Dolon; s. zu Verw. 13, 98. 244.
    Sparsimus, Haemonios dum vigil optat equos.
Illic Sithonii fuerant tentoria Rhesi;
    Hac ego sum raptis nocte revectus equis.
Pluraque pingebat, subitus cum Pergama fluctus
    Abstulit et Rhesi cum duce castra suo.
Tum dea: Quas, inquit, fidas tibi credis ituro,
    Perdiderint undae nomina quanta, vides?
Ergo age, fallaci timide confide figurae,
    Quisquis es; aut aliquid corpore pluris habe.
Dextera praecipue capit indulgentia mentes:
    Asperitas odium saevaque bella movet.
Odimus accipitrem, qui semper vivit in armis,
    Et pavidum solitos in pecus ire lupos.
At caret insidiis hominum, quia mitis, hirundo;
    Quasque colat turres, Chaonis ales habet.
Este procul, lites et amarae proelia linguae:
    Dulcibus est verbis mollis alendus amor.
Lite fugent nuptaeque viros nuptasque mariti,
    Inque vicem credant res sibi semper agi.
Hoc decet uxores: dos est uxoria lites.
    Audiat optatos semper amica sonos.
Non legis iussu lectum venistis in unum;
    Fungitur in vobis munere legis amor.
Blanditias molles auremque iuvantia verba
    Affer, ut adventu laeta sit illa tuo.
Non ego divitibus venio praeceptor amandi:
    Nil opus est illi, qui dabit, arte mea.
Secum habet ingenium, qui, cum libet: Accipe, dicit.
    Cedimus: inventis plus placet ille meis.
Pauperibus vates ego sum, quia pauper amavi.
    Cum dare non possem munera, verba dabam.
Pauper amet caute, timeat maledicere pauper,
    Multaque divitibus non patienda ferat.
Me memini iratum dominae turbasse capillos:
    Haec mihi quam multos abstulit ira dies!
Nec puto, nec sensi tunicam laniasse; sed ipsa
    Dixerat: et pretio est illa redemta meo.
   



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        Blut, indeß er Achills Rosse als Wächter begehrt.
Dorthin standen gereiht des Sithonischen Rhesus Gezelte;V. 137. Sithonisch; s. zu Verw. 6, 588.
    Hieher fuhr ich zurück aus dem errafften Gespann.V. 138. A. Lsrten captis für raptis und reversus für revectus. Auch für nocte findet sich in der Kopenhagener Hdschrft parte, das Heinsius vorziehen möchte, um nicht in Versuchung zu kommen, nocte mit hac zu verbinden!
Mehr noch zeichnete er, als Troja und Rhesus' Gezelte
    Sammt dem Führer hinweg spülte ein plötzlicher Schwall.
Siehst du, begann die Göttin, wie große Namen die Wellen,
    Die für die Fahrt du dir treu glaubst, ins Verderben gestürzt
Darum, wer du auch seist, trau scheu nur der trüglichen Schönheit,
    Oder besitze Etwas höheren Werths als den Leib.V. 144. A. L. atque aliquid.
Schickliche Milde gewinnt vor Allem die Herzen der Mädchen;
    Härte erregt nur Haß, führet zu widrigem Streit.V. 146. Die gegebene gemeine Lsrt halten wir für untadelhaft gegen die von Heinsius nach zwei Quellen gebilligte saevaque verba movent. In einigen findet sich auch saevaque verba movet.
Haßt man den Habicht doch, der immer nur lebt in den Waffen;
    Hasset den Wolf, der stets geht auf das schüchterne Lamm.
Aber es hat, wo hausen er mag, der Chaonische Vogel,V. 149 f. Der Chaonische Vogel ist die Taube, so genannt von den Chaonen, den alten Einwohnern von Epírus, wo zu Dodóna nicht nur aus dem Rauschen der Eichen der Wille Jupiters von den Priestern erkannt wurde (s. zu Verw. 7, 623), sondern auch Tauben, mit menschlicher Stimme begabt, Orakelsprüche ertheilten. Über Thürme s. zu Verw. 4, 48.
    Thürme; und weil sie sanft, stellt man der Schwalbe nicht nach.
Fern sei Zank und Streit und erbitterte Zungengefechte;
    Zärtliche Liebe verlangt Worte gefälligen Tons.
Weiber nur scheuchen mit Streit die Männer, und Männer die Weiber;V. 153 f. Weiber . . Männer hier in dem besonderen Sinne verheirathete. – Die Conjunctive fugent und credant geben mehrere der vorzüglichsten Quellen. Der Sinn ist völlig gleich; daher wir im Deutschen den Indicativ haben setzen können.
    Und mit einander Proceß glauben zu haben sie stets.
Streit geziemet der Frau, die Mitgift ist er der Frauen;
    Worte, dem Herzen erwünscht, höre die Freundin nur stets.
Nicht des Gesetzes Gebot hat euch im Bette vereinigt,
    Liebe verwaltet das Amt strengen Gesetzes bei euch.
Zärtliche Schmeichelei'n und Worte, das Ohr zu gewinnen,
    Sag' ihr, daß sie erfreut werde durch deinen Besuch.
Nicht für die Kinder des Glücks tret' auf ich als Lehrer des Liebens,V. 161. Die Hdschrften schwanken hier zwischen amoris und amandi. Ersteres zieht Heinsius vor unter Berufung auf unten V. 497. und oben I, 17. Allein wenn der Dichter an diesen beiden Stellen praeceptor amoris gesagt hat, so folgt daraus nicht, daß er auch hier so gesagt haben müsse. Im Gegentheil läßt sich eher denken, daß man in Erinnerung dieser Parallelen auch hier amoris für amandi geschrieben oder wenigstens beigeschrieben und dann in den Text selbst aufgenommen habe, als daß gerade nur hier amoris mit amando glossirt worden wäre, während an den beiden andern Stellen amoris ohne Abweichung steht.
    Nicht der Künste bedarf, wer da zu geben vermag.
Bei sich hat den Verstand, wer, wann's ihn gelüstet, da, nimm! spricht.
    Mehr, als was ich erfand, hat er; ich trete zurück.V. 164. Wenn wir auch mehr hat er übersetzt haben, so glauben wir darum nicht, daß die gemeine Lsrt plus habet echt sei. Auch die von übrigens guten Hdschrften bezeugte Lsrt plus valet ist schwerlich für die echte zu halten gegen die von Cod. Reg. und vielen andren vorzüglichen Quellen gebotene plus placet, obgleich oder vielmehr weil die Letztere eine eigentlich unrichtige Kürze des Ausdrucks enthält. Denn da inventis meis gleich quam inventa mea ist, so steht dies für qui inventis meis utitur.
Armen nur gilt mein Rath; denn arm selbst habe geliebt ich;
    Worte statt allen Geschenks hatte zu geben ich nur.
Hübsch mit Vorsicht liebe der Arme; er scheue das Schelten,
    Lasse gefallen sich Viel, was sich der Reiche nicht läßt.
Einmal hab' ich im Zorn das Haar verwirrt der Geliebten.
    Dieser Zorn, wie viel hat er mir Tage geraubt!V. 170. A. L. heu od. hei mihi.
Daß ich zerrissen den Rock, nicht hab' ich gemerkt es, noch glaub' ich's.
    Aber sie sagt' es, und ich mußte ersetzen den Rock.
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