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Gutenberg > Ovid >

Liebeskunst

Ovid: Liebeskunst - Kapitel 6
Quellenangabe
typepoem
booktitleOvids Werke, Fünfter Theil
authorOvid
translatorHeinrich Lindemann
firstpub1861
year1861
publisherVerlag von Wilhelm Engelmann
addressLeipzig
titleLiebeskunst
created20040831
sendergerd.bouillon
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Interea sive illa toro resupina feretur,
    Lecticam dominae dissimulanter adi;
Neve aliquis verbis odiosas afferat aures,
    Quam potes, ambiguis callidus abde notis.
Seu pedibus vacuis illi spatiosa teretur
    Porticus, hic socias tu quoque iunge moras.
Et modo praecedas facito, modo terga sequaris;
    Et modo festines, et modo lentus eas.
Nec tibi de mediis aliquot transire columnas
    Sit pudor, aut lateri continuasse latus.
Nec sine te curvo sedeat spatiosa theatro:
    Quod spectes, humeris afferet illa suis.
Illam respicias, illam mirere licebit;
    Multa supercilio, multa loquare notis.
Et plaudas, aliquam mimo saltante puellam;
    Et faveas illi, quisquis agatur amans.
Cum surget, surges; donec sedet illa, sedebis.
    Arbitrio dominae tempora perde tuae.
Sed tibi nec ferro placeat torquere capillos,
    Nec tua mordaci pumice crura teras.
Ista iube faciant, quorum Cybeleia mater
    Concinitur Phrygiis exululata modis.
Forma viros neglecta decet. Minoida Theseus
    Abstulit, a nulla tempora comtus acu.
Hippolytum Phaedra, nec erat bene cultus, amavit.
    Cura deae silvis aptus Adonis erat.
Munditiae placeant; fuscentur corpora Campo;
    Sit bene conveniens et sine labe toga.
Linguaque ne rigeat; careant rubigine dentes;
    Nec vagus in laxa pes tibi pelle natet.
Nec male deformet rigidos tonsura capillos;
    Sit coma, sit docta barba resecta manu.
Et nihil emineant et sint sine sordibus ungues;
    Inque cava nullus stet tibi nare pilus.
Nec male odorati sit tristis anhelitus oris;
   


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    Triffst du inzwischen sie an auf dem Pfühl halbliegend getragen,V. 487 ff. Da Wagen im Innern der Stadt dem Privatmann nicht erlaubt waren, so waren Sänften, theils eigene, theils gemiethete, in häufigem Gebrauche, den die Römer wahrscheinlich im Oriente hatten kennen lernen. Die Sänfte bestand der Hauptsache nach in einem mit Gurten bezogenen Gestelle, worauf eine Matratze oder ein Pfühl (torus) und zu Kopfe ein Kissen (daher halb liegend) lag. Sie war jedenfalls mit Verdeck (von Leder) und Vorhängen versehen, die zurückgezogen oder aufgebunden werden konnten, in welchem Falle dieselbe also offen war, so daß die darin befindliche Person gesehen werden konnte, wie hier in unserer Stelle. Getragen wurde die Sänfte von Sclaven, oft sechs bis acht. S. Beckers Gallus. – Verstellt, ohne es die Träger und den etwaigen Hüter (s. zu Liebeserg. II, 2, 1), auch wol andere Vorübergehende merken zu lassen, daß du der Verehrer der Dame seist, sie kennest &c. Eine solche augenblickliche Annäherung war bei dem außerordentlich lebhaften Verkehre in den von beiden Seiten durch Buden an den Häusern eingeengten (s. oben zu V. 79) Straßen sehr leicht möglich. – Für feretur findet sich auch feratur, sowie für afferat in einigen guten Hdschrften offerat, das von Heinsius gebilligt wird, aber nach Burmanns richtiger Bemerkung mit odiosas in Widerspruch steht.
    Geh' an die Sänfte verstellt dann der Geliebten hinan;
Und daß nicht ein lästiges Ohr erlausche die Worte,
    Hüll' in Zeichen geschickt doppelter Deutung sie ein.
Wandelt sie müßigen Fußes hindurch die geräumige Halle,V. 491 ff. Vergl. oben V. 71 ff. u. s. zu Liebeserg. II, 2, 3.
    Bringe auch du hier zu müßige Weile mit ihr.
Und bald mußt du voran ihr gehn, bald folgen im Rücken,
    Bald beeilen den Schritt, wieder dann langsamer gehn.
Auch vorüber zu gehn ein Paar von den mittleren SäulenV. 495 f. Der Dichter scheint zu meinen, der Liebhaber solle sich nicht schämen, von einer Seite der Halle quer durch die Mitte bei mehreren Säulenreihen vorbei auf die andere hinüberzugehen. Daß es bei starker Frequenz auffallen mußte, wenn Einer quer durchbrach und auf die andere Seite hinüberging, läßt sich leicht denken. Ebenso war männliche Begleitung Seite an Seite oder Arm in Arm nicht Sitte und mußte sogleich das Verhältniß zwischen Beiden nebst dem Stande der Dame verrathen. – G. L. aliquam; dann auch columnis, gleich gut.
    Schäme dich nicht; auch nicht Seite an Seite zu gehn.
Ohne dich auch nicht sitze sie breit im Amphitheater;V. 497. Sie sitze nicht breit, so daß sie einen leeren Platz neben sich hätte.
    Dein Schauspiel – das bringt mit an den Schultern sie selbst.V. 498. Worauf du schauen und woran du dich weiden sollst, das ist ihr Hals und Kopf = sie selbst, wie der Dichter im nächsten Verse deutlicher wiederholt. Doch könnte der Sinn auch sein in ihren Schultern. – Denselben Sinn giebt die Lesart auferat einiger Hdschrften, nämlich: sie wird dir mit ihren schönen Schultern, die deine Aufmerksamkeit fesseln werden, das Schauspiel, das gegeben wird, entziehen, dich blind dafür machen.
Ansehn immer nur sie und sie bewundern nur magst du,
    Viel mit dem Augenlied sprechen, mit Zeichen auch Viel;
Beifall klatschen, so oft ein Mädchen vom Mimen getanzt wird;V. 501. Ein Mädchen wird vom Mimen getanzt, der Mime stellt ein tanzendes Mädchen dar. S. zu Liebeserg. II, 4, 29. – Dies ist ohne Zweifel der allein richtige Text, wie denselben Fragm. Oxon. und Cod. Reg. von erster Hand bieten, während die übrigen Hdschrften aliquo mimo saltante puellae geben. Saltare qm ist von dieser Darstellungsweise stehender Ausdruck. Vergl. Rem. V. 755:

Illic assidue ficti saltantur amantes.

Juvenal. VI, 63:

Chironomon Ledam molli saltante Bathyllo.

Horatius construirt sogar moveri so Epp. II. 124:

                                                                                ut qui
Nunc Satyrum, nunc agrestem Cyclopa movetur.

Selbst bei Prosaikern kommt saltare in diesem Sinne vor, z. B. Vell. Pat. II. 83. Macrob. Sat. II, 7.
 


    Jeden beschenken mit Gunst, welcher den Liebenden spielt.V. 502. Welcher den Liebenden spielt, die Rolle des Liebhabers in einem scenischen Stücke.
Stehet sie auf, steh' auf; bleib sitzen, so lange sie sitzet;V. 503. A. L. surgas . . sedeto.
    Bringe die Zeit nach der Wahl deiner Gebieterin zu.
Doch es gefalle dir nicht, mit dem Eisen die Haare zu kräuseln;V. 505 ff. Sehr beherzigenswerth auch für unsere jungen Männer!
    Auch mit beißendem Bims glätte die Schenkel dir nicht.V. 506. Man vergesse nicht, daß die Männer, wie noch heutzutage die Schotten, keine Beinkleider trugen, sondern die behosten Galler, Germanen u. s. w. verspotteten. Doch hatten sie bisweilen Binden oder Streifen Zeug (fasciae) um die Beine gewickelt; aber auch dies galt für Zeichen der Weichlichkeit. Beckers Gallus. Vergl. auch zu Verw. 2, 28. Kokette Frauen glätteten die bloßen Körpertheile mit Bims, und dasselbe thaten in den späteren Zeiten der Verweichlichung und Entartung auch stutzerische Männer.
Solcherlei laß die thun, aus deren Phrygischen WeisenV. 507 f. S. zu Verw. 10, 104.
    Mutter Cybeles Preis hallet in heulendem Chor.
Männern geziemt versäumte Gestalt. Die Tochter des MinosV. 509 f. Die Tochter des Minos &c.; s. ebendas. zu 8. 170 ff. und unten V. 527 ff.
    Holte sich Theseus, den Schlaf nicht von der Nadel geschmückt.
Phädra verliebt' in Hippolytus sich, so wenig er schmuck war;V. 511. S. Verw. 15, 497 ff. Im vierten Heroenbriefe, welchen der Dichter von Phädra an Hippolytus schreiben läßt, spricht sie in demselben Sinne V. 75 f.
Weg mit den Männern von mir, die weiberartig sich schmücken;
    Mäßige Pflege nur ist ziemend für Männergestalt.

Für Phaedra giebt Baumgarten-Crusius Phaedre, für welche Form in den schriftlichen Quellen nicht die mindeste Berechtigung vorliegt. Warum soll das von Natur lange Alpha des Griechischen Namens nicht auch bei dem Lateinischen Dichter lang sein und bleiben können? Daß es unten V. 744 kurz gebraucht ist, beweist nicht dagegen.


    Während Adonis, zum Wald passend, der Göttin gefiel.V. 512. S. Verw. 10, 503 ff., besonders 529 ff. – Zum Wald passend, Jäger; vergl. ebendas. zu V. 171.
Sauberkeit sei dir lieb, gebräunt der Körper vom Campus;V. 513. Unter Campus ist der campus Martius, das Marsfeld im Zwinger der Stadt zu verstehen, wo die Leibesübungen und Vorübungen zum Kriegsdienste Statt fanden. – Der Körper, nicht etwa blos das Gesicht, weil man sich nackt (s. zu Verw. 2, 28) übte.
    Passend und fleckenlos, sitze die Toga dir gut.V. 514. Die Toga, das den Römer kennzeichnende, keinem Nichtrömer erlaubte Kleidungsstück, ohne welches er das Haus nicht verließ, nicht öffentlich erscheinen durfte, war von Wolle und weiß, bei obrigkeitlichen Personen mit einem Purpurstreifen besetzt. Sie bildete, ausgebreitet, einen Halbkreis oder wenigstens einen größeren Kreisabschnitt von etwa sechs Ellen Sehne, bald mehr, bald weniger, aber vom Mittelpuncte der Sehne nach der Mitte des äußeren Randes oder der Peripherie weiter oder breiter als nach den Endpuncten derselben. »Dieses Gewand wurde zuerst mit dem einen Zipfel über die linke Schulter nach vorn geworfen und durch diesen Wurf wurde der linke Arm völlig bedeckt. Dann zog man die Toga hinter dem Rücken weg nach vorn und faßte sie etwa in der Mitte ihrer Weite faltig zusammen, so daß der obere Theil als sinus (Busen, Bausch) herabfiel, der untere Leib und Schenkel deckte. So entstand der unter dem rechten Arme hervor schräg über die Brust sich ziehende Faltenbausch. Der übrige Theil wurde dann über die linke Schulter und den Arm geschlagen, der nun doppelt bedeckt war. (Der rechte Vorderarm blieb ganz frei.) An den Zipfeln sieht man häufig Quasten oder Knöpfchen, die entweder zur Verzierung dienten oder bestimmt waren, durch ihre Schwere das Gewand niederzuhalten. Endlich wurde ein Theil des vorn herabhängenden Gewandes unter dem schrägen Faltenbausche hervorgezogen, oder es wurde etwas von der Weite des sinus nach links herübergezogen, so daß es wie ein kleiner sinus über den Bausch hing (umbo). Wer auf solchen künstlichen Wurf Werth legte, der ließ schon vor dem Umwurfe die Toga künstlich in Falten legen, und dies geschah jeden Abend wieder. Dann wurden wohl auch dünne Bretchen zwischen die Falten gelegt, um ihre Regelmäßigkeit zu erhalten, und der künstlich gefaltete Bausch oder umbo wurde durch Zangen zusammengehalten, die dazu dienten, die Falten nicht aus ihrer Lage kommen zu lassen.« Beckers Gallus. – Passend beziehe man auf den Schnitt (apte caesa).
Starr nicht klebe die Zunge, von Rost frei seien die Zähne;
    Und in zu weitem Schuh schlappe der Fuß nicht herum.V. 516. S. zu Liebeserg. III, 13, 26 und unten zu III, 271.
Auch entstelle die Schur das steife Haar nicht zum Schimpfe;V. 517 f. S. zu Verw. 4, 13. – Für docta Oxon. und Cod. Reg..
    Haar geschnitten und Bart sei dir von kundiger Hand.
Laß die Nägel auch nicht vorragen und halte sie schmutzfrei;V. 519. Der elegante Dichter wird sich schwerlich haben einfallen lassen, daß einst eine, seiner Vorschrift, die Nägel nicht hervorragen zu lassen, gerade entgegengesetzte Mode in den höchsten Kreisen der gebildeten Gesellschaft herrschen werde.
    Und aus dem Nasenloch stehe kein Haar dir heraus.
Nicht beschwerlich auch sei der Hauch schlimm riechenden Mundes;
    Nec laedat nares virque paterque gregis.
Caetera lascivae faciant, concede, puellae,
    Et si quis male vir quaerit habere virum.
Ecce, suum vatem Liber vocat! Hic quoque amantes
    Adiuvat et flammae, qua calet ipse, favet.
Gnosis in ignotis amens errabat arenis,
    Qua brevis aequoreis Dia feritur aquis.
Utque erat a somno tunica velata recincta,
    Nuda pedem, croceas irreligata comas,
Thesea crudelem surdas clamabat ad undas,
    Indigno teneras imbre rigante genas.
Clamabat flebatque simul, sed utrumque decebat;
    Nec facta est lacrimis turpior illa suis.
Iamque iterum tundens mollissima pectora palmis:
    Perfidus ille abiit: quid mihi flet? ait.
Quid mihi fiet? ait. Sonuerunt cymbala toto
    Litore, et attonita tympana pulsa manu.
Excidit illa metu rupitque novissima verba.
    Nullus in exanimi corpore sanguis erat.
Ecce, Mimallonides sparsis in terga capillis!
    Ecce, leves Satyri, praevia turba dei!
Ebrius ecce senex pando Silenus asello
    Vix sedet et pressas continet arte iubas!
Dum sequitur Bacchas, Bacchae fugiuntque petuntque,
    Quadrupedem ferula dum malus urget eques:
In caput aurito cecidit delapsus asello.
    Clamarunt Satyri: Surge age, surge, pater!
Iam deus in curru, quem summum texerat uvis,
    Tigribus adiunctis aurea lora dabat.
Et color et Theseus et vox abiere puellae;
    Terque fugam petiit, terque retenta metu.
Horruit, ut steriles, agitat quas ventus, aristae;
    Ut levis in madida canna palude tremit.
Cui deus: En, assum tibi cura fidelior, inquit:
    Pone metum; Bacchi, Gnosias, uxor eris.
Munus habe caelum; caelo spectabere sidus;
   


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        Ziegen-Vater und Mann setze der Nase nicht zu.V. 522. Ziegen- (im Original unbestimmter Herden-) Vater und Mann, eine bei den Lateinischen Dichtern gewöhnliche Bezeichnung des Ziegen- oder Schaafbockes. Vergl. Liebeserg. III, 13, 17. Die Sache sowohl, da die Römer sich doch täglich badeten, als der Ausdruck ist auffallend. Doch läßt sich die erstere aus dem heißen Klima und der wollenen Kleidung erklären. Was aber den letzteren anlangt, so war er gewöhnlich und sprichwörtlich in der Redensart: Der Bock liegt unter den Achseln. Vergl. auch unten III, 193. – Den Plural laedant sollen die vorzüglicheren Hdschrften haben. Es kann sein; er ist aber darum nicht minder widersinnig und aus Gedankenlosigkeit und Unwissenheit der Schreiber zu erklären.
Alles Übrige laß wollüstige Mädchen nur machen,V. 523. Alle Körperpflege, welche über die in Obigem gegebenen Vorschriften hinausgeht, überlaß wollüstigen Dirnen und Halbmännern.
    Und wer, ein Halbmann, Männer zu haben begehrt.
Seinen Verkündiger ruft da Liber! Auch dieser begünstigtV. 525 ff. Ein vorzügliches Mittel, eine Schöne zu gewinnen, ist der Wein. Der Gott des Weines selbst brannte für ein Weib in Liebe, deren Geschichte ich, der Liebesdichter, daher sein Dichter (vergl. Liebeserg. I, 3, 11), als Beweis erzählen will.
    Liebende, fördert die Gluth, welche ihn selber erhitzt.
Sinnlos irrte die Gnosierin an fremdem Gestade,V. 527 f. Die Gnosierin, Ariadne. Dia die Insel Naxos. S. Verw. 8, 170 ff. n. Anmerkungen.
    Wo das Wasser des Meers Dia, die kleine, bespült.
Und wie sie war vom Schlaf, umhüllt mit entgürtetem Kleide,V. 529 f. Umhüllt von entgürtetem Kleide; s. zu Liebeserg. I, 5, 9. – Das Safrangelock, das blonde Haar. Der Geruch sowohl als die Farbe des Safrans war den Römern besonders lieb. S. unsern Index z. Verw.
    Nackenden Fußes, gelöst wallend das Safrangelock,
Rief dem tauben Gewoge sie zu: O grausamer Theseus,
    Während ein Thränenstrom netzte das zarte Gesicht.V. 532. Da Strom im Deutschen von Thränen ohne nähere Bestimmung nicht füglich gesagt werden kann, so sahen wir uns genöthigt, das übrigens nicht gerade wesentliche indignus (unverdient) aufzugeben. Auch teneras hätte unübersetzt bleiben müssen:
Während ihr unverdient netzte ein Strom das Gesicht.

Laut, laut rief sie und weinte zugleich; doch zierte sie Beides,
    Und ihr thränender Blick machte sie häßlicher nicht.
Was wird werden aus mir? der Ungetreue verließ mich,
    Spricht sie, mit flacher Hand schlagend die schwellende Brust.V. 536. Mit flacher Hand &c.; s. zu Verw. 2, 335.
Was wird werden aus mir? Da erschallen am ganzen GestadeV. 537 f. Bacchus' Erscheinung kündigt sich an. S. unsern Index z.Verw.
    Cymbeln, und Paukenschlag dröhnet von donnernder Hand.
Sinnlos ward sie vor Furcht, und die letzten Worte erstarben;
    Blutlos starrte und bleich ihr der entgeisterte Leib.
Sieh, die Mimalloniden, das Haar zerstreut auf dem Rücken!V. 541 f. S. Verw. 4, 25 ff. n. A. Mimalloniden, die Bacchantinnen; Ableitung und Grund der Benennung ist unbekannt.
    Sieh, ankündend den Gott, hurtiger Satyre Schaar!
Siehe, der trunkene Alte, Silen! Auf dem bauchigen Esel
    Sitzt er mit Noth, und geschickt hält er die Mähne gefaßt.
Während den Bacchen er folgt und die Bacchen ihn fliehen und suchen,V. 545 ff. Ergötzliches Bild tollen Treibens, muthwilligen Schäkerns &c. in Folge der Trunkenheit.
    Und er, ein Reiter gar schlecht, treibt mit der Ruthe das Thier:
Vom langöhrigen Esel herab da fällt auf das Haupt er.
    Steh', o Väterchen, steh', schreien die Sátyrn, doch auf!V. 548. Für pater einige Quellen senex.
Jetzt auf dem Wagen, der oben herum mit Trauben bedeckt war,V. 549 f. Gab die Zügel, jagte mit nachgelassenen Zügeln heran. – Dem Tigergespann; s. zu Verw. 3, 368. Vergl. Liebeserg. I, 2, 48. – Aus einigen ungenannten Hdschrften hat Heinsius e curru gegeben, was an sich ganz gut, aber eben wenig beglaubigt und wahrscheinlich aus V. 559 hier heraufgekommen ist. Vergl. unten II, 433, wo ganz so wie hier in curru lora dare steht.
    Gab die Zügel von Gold Bacchus dem Tigergespann.
Theseus war und die Farb' und die Stimme vergangen dem Mädchen;V. 551. In manchen Quellen findet sich iam color für et color, dann sensus für Theseus.
    Immer versucht sie die Flucht, immer verwehrt sie die Furcht.
Schauernd erbebt sie, wie schauern im Wind unfruchtbare Ähren,V. 553. Mehrere Hdschrften aristas. Cod. Arond. giebt spectabile, vortrefflich, um das bei der gem. Lsrt spectabere zwischen diesem und dem folgenden reges vorhandene Asyndeton zu beseitigen. Auch gehört das übrigens nicht häufige Wort zu den Günstlingen Ovids. Verw. 3, 709. Liebeserg. I, 8. 59. Her. 6, 49. 12, 201. Trist. III, 8, 35. Gleichwohl wäre es nicht gerechtfertigt, die Autorität aller übrigen Quellen gegen die eine hintanzusetzen.
    Wie im morastigen Sumpf zittert das schwankende Rohr.
Und es beginnt der Gott: Hier kommt dir ein treuerer Pfleger.
    Banne die Furcht: nun sollst Bacchus' Gemahlin du sein.
Nimm zum Geschenk den Himmel; an ihm als Cretische KroneV. 557. Als Cretische Krone, als Krone der Creterin Ariadne, in der Nähe der rechten Schulter des Bärenhüters.
    Saepe reges dubiam Cressa Corona ratem.
Dixit, et e curru, ne tigres illa timeret,
    Desilit; imposito cessit arena pedi.
Implicitamque sinu – neque enim pugnare valebat –
    Abstulit, ut facile est omnia posse deo.
Pars: Hymenaee! canunt; pars clamant: Evie evoe!
    Sic coeunt sacro nupta deusque toro.
Ergo ubi contigerint positi tibi munera Bacchi,
    Atque erit in socii femina parte tori:
Nycteliumque patrem nocturnaque sacra precare,
    Ne iubeant capiti vina nocere tuo.
Hic tibi multa licet sermone latentia ficto
    Dicere, quae dici sentiat illa sibi;
Blanditiasque leves tenui perscribere vino,
    Ut dominam in mensa se legat illa tuam;
Atque oculos oculis spectare fatentibus ignem:
    Saepe tacens vocem verbaque vultus habet.
Fac primus rapias illius tacta labellis
    Pocula; quaque bibit parte puella, bibas.
Et quemcumque cibum digitis libaverit illa,
    Tu pete; dumque petes, sit tibi tacta manus.
Sint etiam tua vota, viro placuisse puellae.
    Utilior vobis factus amicus erit.
Huic, si forte bibas, sortem concede priorem;
    Huic detur capiti missa corona tuo.
Sive sit inferior, seu par, prior omnia sumat;
    Neu dubites illi verba secunda loqui.
Tuta frequensque via est, per amici fallere nomen.
    Tuta frequensque licet sit via, crimen habet.
Inde procurator nimium quoque multa procurat
    Et sibi mandatis plura videnda putat.
Certa tibi a nobis dabitur mensura bibendi:
    Officium praestent mensque pedesque suum.
Iurgia praecipue vino stimulata caveto
    Et nimium faciles ad fera bella manus.
Occidit Eurytion stulte data vina bibendo.
   

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        Sollst du erscheinen und oft leiten ein irrendes Schiff.
Sprach's, und vom Wagen herab, daß nicht sie fürchte die Tiger,
    Sprang er; es wich der Sand unter des Fußes Gewicht.V. 560. Es wich der Sand &c.; s. zu Verw. 4, 449.
Und im Busen gesaßt – nicht hatte sie Kraft ja zu kämpfen –V. 561. Der Busen, d. h. der durch die Gürtung des Kleides oder den Wurf der Toga (s. oben zu V. 514) entstehende Bausch, der als Tasche diente. Wenn nun auch der Gott nicht mit einer Tunica oder Toga bekleidet zu denken ist, so ist doch der Ausdruck daher entnommen und bezeichnet die Art des Fassens und Tragens.
    Trug er sie fort, wie leicht Alles ein Gott denn vermag.V. 562. Für ut facile est liest man in einzelnen Hdschrften in facili, auch en facile est, in Bern. Abstulerat. facile est.
Und: Hymenäus! erschallt's; Juchheisa, Evius, ruft man.V. 563. Hymenäus; s. zu Verw. 10, 1. – Evius oder vielleicht richtiger Euius, Griechischer Beiname des Bacchus von dem Jubelrufe euan oder euoi. – Die Lsrten sind in diesem Verse so abweichend, besonders im Schlusse so verdorben, daß Heinsius erklärt, es ekle ihn, sie alle anzuführen. Bemerkenswerth scheint nur Hymenaea und evion evoe zu sein, welche letztere von einigen der vorzüglichsten Quellen gegeben wird und vielleicht den Vorzug verdient, indem der (Griechische) Accus. nach dem Lateinischen Gebrauche zu erklären wäre, die gerufenen Namen in die Construction des Satzes aufzunehmen. S. unsern Index z. Verw. unter Rufe. So fiele auch der übrigens bei Eigennamen gerade nicht anstößige Hiatus zwischen Evie euoe weg. Freilich läge eine Ungleichheit des Ausdrucks in den beiden Sätzen vor, indem im ersten der eigentliche Vocativ, im zweiten der Accusativ des gerufenen Namens stände, was aber dem Dichter wohl nachzusehen wäre bei der Schwierigkeit, Hymenäus im Accusativ anzubringen.
    Also im heiligen Bett einen sich Mädchen und Gott.
Wird nun die Gabe zu Theil dir des ausgetragenen BacchusV. 565 f. knüpft wieder an V. 526 an. – Wird nun &c.; s. zu Verw. 8, 674 und vergl. oben V. 231; sowie zu Verw. 8, 566. – A. L. contingent.
    Und ein Weibchen beschert dir auf gemeinsamem Pfühl:
Rufe den Vater Nyctélius an und die nächtlichen Opfer,V. 567. Den Vater Nyctelius; s. zu Verw. 13, 669, sowie zu 4, 15.
    Daß sie dir in den Kopf steigen nicht lassen den Wein.
Viel in erdichteter Rede versteckt ist hier dir zu sagenV. 569. S. zu Liebeserg. II, 5, 19. – Denn daß der Dichter hier Dasselbe meint und die von uns gegebene Lsrt fast aller Hdschrften die echte sei, unterliegt keinem Zweifel; wiewohl auch die von Burmann aus zwei Pal. u. Commel. aufgenommene licentia tecto einen guten Sinn giebt.
    Möglich, wovon sie mag merken, ihr werd' es gesagt;
Flüchtige Zärtlichkeiten in Tropfen Weines zu schreiben,V. 571 f. Vergl. Liebeserg. I, 4, 20. – A. L. praescribere.
    Daß sie es les' auf dem Tisch, wie sie beherrsche dein Herz;
Und in das Aug' ihr zu schaun mit Liebe bekennendem Auge:
    Stimme und Wort hat oft, glaub' es, der schweigende Blick.
Trachte darnach, zu erhaschen zuerst den Becher, den ihreV. 575 f. Vergl. ebend. – A. Lsrten bibet, dann für parte puella in manchen Hdschrften tu quoque parte, wahrscheinlich Reminiscenz aus Her. 17, 80.
    Lippen berührt, und trink, wo die Gebieterin trank.
Und nach jeglicher Speise, die sie mit den Fingern berührt hat,V. 577. Um die Speisen zum Munde zu bringen, bediente man sich größtentheils der bloßen Finger. Vergl. unten III, 755. Die einzigen Werkzeuge, welche erwähnt werden – denn das Messer gehört nur dem structor (Anrichter) an, und Gabeln werden gar nicht genannt – sind zwei Arten Löffel, wovon die eine ligula unsern Suppenlöffeln gleich gewesen sein mag, die andere, kleinere, aber (cochlear) am Stiele eine Spitze hatte, um damit die Schnecken der Muscheln aus dem Gehäuse zu ziehen. Derselben Spitze bediente man sich auch, um die Eier, mit welchen die Mahlzeit in der Regel begann, zu öffnen, und vermutlich des am andern Ende befindlichen Löffels, um sie zu leeren. Beckers Gallus. Die schmierigen Finger wischte man sich an Brod ab, in späteren Zeiten an Servietten (mantele, mappa), die man wohl vor die Brust steckte, übrigens auch zum Abwischen des Tisches verwendete, da man Tischtücher nicht kannte (vergl. Verw. 8, 665). – Aus einer einzigen Quelle gab Heinsius quodcumque cibi.
    Greife und suche dabei ihr zu berühren die Hand.
Richt' auch den Wunsch darauf, dem Mann zu gefallen des Mädchens.
    Nützlicher wird er euch sein, ist er zum Freunde gemacht.V. 580. Die Lsrt votis mancher Hdschrften für vobis zieht Burmann vor, indem er eine »elegante Wiederholung« annimmt. Allein votis würde hier doch in einem anderen specielleren Sinne stehen, als im vorhergehenden Satze.
Ihm, wenn eben du trinkst, gestatte im Trinken den Vorrang,V. 581 f. Wir können nicht der Meinung sein, daß, wie Heinsius und die folgenden Herausgeber erklären, hier von einem durch das Loos zu bestimmenden Trinkkönig die Rede sei. Denn wurde ein solcher durch die Würfel bestimmt, so war er es eben und konnte das Amt nicht einem Andern abtreten. Wir verstehen daher sors prior tropisch vom Vorrange und lesen mit allen Hdschrften vorher si forte bibas, wofür Heinsius si sorte bibes auf die bloße Autorität der Exc. Put. und Scal. aufbrachte. Der Dichter räth also dem Liebhaber an, wann der Becher herumgehe, denselben, ehe er selbst zulange, dem Manne der Geliebten zukommen zu lassen. Ebenso will es uns nicht einleuchten, warum der Liebhaber, was nämlich der Sinn nach der Lsrt einiger weniger Hdschrften demta für missa sein würde, seinen eignen Kranz (vergl. Liebeserg. I, 6, 67 und s. zu Verw. 3, 665) abnehmen und dem Manne geben soll. Als ob nur ein Kranz vorhanden gewesen wäre, da doch jeder Gast oder Theilnehmer einen hatte. Vielmehr ist es ebenfalls, wie beim Becher, von der Aufmerksamkeit zu verstehen, wann die Kränze von dem Anordner, Verwalter hereingeschickt, herumgereicht werden, den Mann zuerst zugreifen und wählen zulassen. Denn man bot Kränze nicht nur von Epheu, sondern vorzüglich auch von Rosen zur Auswahl herum. Diese unsere Erklärung findet auch im nächsten Satze ihre volle Bestätigung, wenn es deren noch bedürfte.
    Ihm hinreiche den Kranz, den man dir selber geschickt.
Alles empfang' er zuerst, mag unter dir, mag er dir gleichstehn;
    Immer das erste Wort sei ihm zu lassen bereit.
Sicher und leicht ist der Weg, durch den Namen des Freundes zu täuschen.V. 585. Für amici hat Heinsius aus Cod. Iun. und einem Vat. amicum aufgebracht.
    Doch ob sicher und leicht, ist er doch frei nicht von Schuld.
Dann zum Verwalter bestellt, verwaltet zuviel er im Hause;V. 587 f. Dann &c., wenn er sich die Freundschaft und das Vertrauen des Mannes erworben hat, wird er von diesem in seiner Abwesenheit zum Verwalter seines Hauswesens bestellt – ein Fall, der nicht selten vorkam – und verwaltet nur allzuviel, nämlich auch die Frau mit. – In diesem Sinne steht hier procurator, Generalbevollmächtigter, welcher nur ein Freigeborner sein konnte und in den Rechtsquellen oft vorkommt. Dieser ist nicht zu verwechseln mit dem procurator, der die erste Stelle in dem ganzen Sklavenstande eines Hauses einnahm und die Verwaltung des Vermögens oder eines Theils desselben von dem Herrn übertragen erhielt. Beckers Gallus. – Die Lsrt propinator . . propinet . . putet in einem Theile der Hdschrften verdient keine Berücksichtigung; ebensowenig iubenda und bibenda in einigen.
    Glaubt, er müsse auf Mehr sehen, als auf man ihm trug.
Auch gegeben von uns soll werden ein Maß dir im Trinken:
    Füße müssen und Kopf fähig dir bleiben zum Dienst.
Streitsucht, die aufstachelt der Wein, vermeide vor Allem;V. 591 f. Andere nicht minder gute Lsrt stimulante. – Ebenso giebt die Lsrt verba in mehreren guten Hdschrften einen guten Sinn. Hände, die leicht und schnell bereit sind zu den Worten hinzuzutreten, den Worten Nachdruck zu geben.
    Halte nicht immer die Hand fertig zu blutigem Krieg.
Hinsank Eurytion, da thöricht den Wein er getrunken.V. 593. Eurytion oder Eurytus, wie er Verw. 12, 220 heißt, der grimmste der grimmen Centauren, der auf der Hochzeit des Pirithous die Braut Hippodame wegschleppte und von Theseus mit dem Mischkruge erschlagen wurde.
    Aptior est dulci mensa merumque ioco.
Si vox est, canta; si mollia brachia, salta;
    Et quacumque potes dote placere, place.
Ebrietas ut vera nocet, sic ficta iuvabit:
    Fac titubet blaeso subdola lingua sono,
Ut, quicquid facies dicesve protervius aequo,
    Credatur nimium causa fuisse merum.
Et: Bene, dic dominae, bene, cum quo dormiat illa:
    Sed, male sit, tacita mente precare, viro.
At cum discedet mensa conviva remota;
    Ipsa tibi accessus turba locumque dabit.
Insere te turbae, leviterque admotus eunti
    Velle latus digitis et pede tange pedem.
Colloquii iam tempus adest: fuge rustice longe
    Hinc pudor: audentem Forsque Venusque iuvant.
Non tua sub nostras veniat facundia leges:
    Fac tantum incipias, sponte disertus eris.
Est tibi agendus amans imitandaque vulnera verbis:
    Hinc tibi quaeratur qualibet arte fides.
Nec credi labor est: sibi quaeque videtur amanda.
    Pessima sit, nulli non sua forma placet.
Saepe tamen vere coepit simulator amare;
    Saepe, quod incipiens finxerat esse, fuit.
Quo magis o faciles imitantibus este puellae:
    Fiet amor verus, qui modo falsus erat.
Blanditiis animum furtim deprendere nunc sit,
    Ut pendens liquida ripa subitur aqua.
Nec faciem, nec te pigeat laudare capillos
    Et teretes digitos exiguumque pedem.
Delectant etiam castas praeconia formae:
    Virginibus curae grataque forma sua est.
Nam cur in Phrygiis Iunonem et Pallada silvis
    Nunc quoque iudicium non tenuisse pudet?
Laudatas ostentat avis Iunonia pennas:
    Si tacitus spectes, illa recondit opes.
Quadrupedes inter rapidi certamina cursus
    Depexaeque iubae plausaque colla iuvant.
   
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        Tisch und Wein sind mehr passend zu süßem Gekos.
Hast du Stimme, so singe; bewegliche Arme, so tanze:V. 595. Bewegliche Arme, so tanze; s. zu Liebserg. II. 4, 29.
    Welches Talent du nur hast, suche zu glänzen damit.
Wirkliche Trunkenheit ist schädlich, erdichtete nützt dir:
    Laß die Zunge voll Trug lallen in stammelndem Laut,
Daß als Schuld an Allem, was allzu keck und verwegen
    Thun und sprechen du magst, gelte der reichliche Wein.
Glücklich, sprich zur Geliebten, ja glücklich, bei welchem sie schlafe;V. 601 f. Nach unserem Verständnisse ist bene von dic zu trennen und das zweite bene blos eine nachdrückliche Wiederaufnahme des ersten, dic aber einfach mit dominae zu verbinden, so daß der Liebhaber die Worte bene, bene (sit ei) cum quo dormiat zu der Gebieterin und nur für sie hörbar sagen soll. Denn es ist doch nicht denkbar, daß er sie in Gegenwart des Mannes für seine Geliebte erklären soll. Sollte er aber nur im Allgemeinen die Geliebte leben lassen, dann paßte der Zusatz oder die damit verbundene Gesundheit bene cum quo d. nicht. Die früheren Erklärer construirten theils et dic: Bene (sit) dominae, bene &c., theils et bene dic dominae, bene dic.
    Aber zum Henker zu gehn wünsche im Stillen dem Mann.
Gehen nun aber hinweg nach Entfernung des Tisches die Gäste;V. 603. Nach Entfernung des Tisches. Wie die Tische beim Beginn des Essens besonders hingestellt (s. zu Ve rw. 5, 40), so wurden sie auch nach Beendigung der Mahlzeit entfernt. Vergl. Liebeserg. II, 5, 21.
    Wird das Gewühl dir selbst Möglichkeit bieten zu nahn.
Mische dich in das Gewühl; und leise genaht ihr im Gehen,
    Zupf' an der Seite sie nur, rühr' an den Fuß mit dem Fuß.
Nun ist Zeit es, zu sprechen mit ihr; hinweg nun, hinweg weit,V. 607. Colloquii hat Baumgarten-Crusius mit Recht wiederhergestellt für das von Burmann aus zwei bis drei ungenannten Hdschrften aufgebrachte colloquio.
    Tölpische Schaam! Beistehn Wagenden Liebe und Glück.V. 608. A. L. audentes. Gem. L. audacem.
Deine Beredsamkeit bedarf nicht unserer Regeln:V. 609. Wenn, wie Heinsius angiebt, veniat »die besseren« haben gegen veniet der übrigen, so ist zu erklären mag immerhin &c., nicht, wie derselbe Gelehrte will, ne für non zu lesen.
    Mache den Anfang nur, bist du von selber beredt.V. 610. A. L. fac tantum cupias.
Spielen den Liebenden mußt du, im Wort darlegen die Wunden,
    So erstreben für dich Glauben auf jeglichem Weg.V. 612. Für hinc andere Lsrten hic und haec.
Leicht auch ist es; es hält für liebenswürdig sich Jede;
    Sei sie die Häßlichste auch, Jede sich selber gefällt.
Der sich verstellte jedoch, fing oft an wirklich zu lieben,
    Ward oft, was er zuerst hatte erdichtet zu sein.
Um so gefälliger seid, o Mädchen, den scheinbar Verliebten;
    Wirkliche Lieb' oft wird, die nur geheuchelt erst war.V. 618. A. L. fictus erat, aus dem vorhergehenden finxerat.
Jetzt wol wäre das Herz unmerklich zu fahen durch Schmeicheln,V. 619. Versteht sich, daß dies wieder an den Liebhaber gerichtet ist. – Die meisten Codices geben fas sit, nunc wird aber bestätigt durch das wenn auch widersinnige non sit in Reg. Oxon. und einem andern nebst Exc. Scal..
    Wie der schleichende Bach höhlet den hangenden Rand.
Auch verdrieß' es dich nicht, das Gesicht und die Haare zu loben
    Und die Finger so rund sammt dem so niedlichen Fuß.
Ihrer Gestalt Lobpreisung erfreut die Keuschesten selber,
    Ihre Gestalt ist stets wichtig den Frauen und werth.
Denn was schämen sich heutigen Tags noch Pallas und Juno,V. 625 f. Die bekannte Geschichte, da Paris, der Sohn des Königs Priamus von Troja, der seines Vaters Herden auf dem Ida in Phrygien weidete, den Apfel mit der Aufschrift der Schönsten unter den drei Göttinnen Juno, Minerva und Venus, die sich darum stritten und Paris zum Schiedsrichter wählten, der Letzteren zusprach.
    Daß sie erhalten den Preis nicht aus dem Phrygischen Wald?
Werden die Federn gelobt, spreizt aus sie der Vogel der Juno;V. 627. Ostentat aus Sarrav. und einigen andern, bestätigt durch ostendat in Helmstad. gegen die gem. Lsrt. ostendit, in zweien auch extendit.
    Schaust du schweigend ihn an, wieder verbirgt er den Schatz.
Auch dem Rosse behagt's bei dem Kampf des flüchtigen Wettlaufs,
    Wird ihm die Mähne gekämmt, fühlt es den Hals sich geklatscht.
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