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Liebeskunst

Ovid: Liebeskunst - Kapitel 5
Quellenangabe
typepoem
booktitleOvids Werke, Fünfter Theil
authorOvid
translatorHeinrich Lindemann
firstpub1861
year1861
publisherVerlag von Wilhelm Engelmann
addressLeipzig
titleLiebeskunst
created20040831
sendergerd.bouillon
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Quae dant quaeque negant, gaudent tamen esse rogatae.
    Ut iam fallaris, tuta repulsa tua est.
Sed cur fallaris, cum sit nova grata voluptas,
    Et capiant animos plus aliena suis?
Fertilior seges est alienis semper in agris,
    Vicinumque pecus grandius uber habet.
Sed prius ancillam captandae nosse puellae
    Cura sit; accessus molliet illa tuos.
Proxima consiliis dominae sit ut illa videto,
    Neve parum tacitis conscia fida iocis.
Hanc tu pollicitis, hanc tu corrumpe rogando.
    Quod petis, e facili, si volet illa, feres.
Illa leget tempus – medici quoque terapora servant –
    Quo facilis dominae mens sit et apta capi.
Mens erit apta capi tunc, cum laetissima rerum
    Ut seges in pingui luxuriabit humo.
Pectora dum gaudent nec sunt astricta dolore,
    Ipsa patent: blanda tum subit arte Venus.
Tum, cum tristis erat, defensa est Ilion armis;
    Militibus gravidum laeta recepit equum.
Tum quoque tentanda est, cum pellice laesa dolebit;
    Tum facias opera, ne sit inulta, tua.
Hanc matutinos pectens ancilla capillos
    Incitet et velo remigis addat opem.
Et, secum tenui suspirans murmure, dicat:
    Ut puto, non poteris ipsa referre vicem.
Tum de te narret, tum persuadentia verba
    Addat et insano iuret amore mori.
Sed propera, ne vela cadant auraeque residant.
    Ut fragilis glacies, interit ira mora.
Quaeris, an hanc ipsam prosit violare ministram?
    Talibus admissis alea grandis inest.
Haec a concubitu fit sedula, tardior illa;
    Haec dominae munus te parat, illa sibi.
Casus in eventu est. licet haec indulgeat ausis,
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    Die da gewährt und die da versagt, läßt gern sich doch bitten;V. 345. Läßt gern sich bitten, angehen; s. oben zu V. 277.
    Täuschtest du auch dich, es ist ohne Gefahr ja der Korb.V. 346. Ohne Gefahr, ohne Nachtheil, üble Folgen.
Aber warum dich täuschen, da neues Vergnügen so süß ist,V. 347. Neues Vergnügen, ein neuer Liebhaber.
    Und das Fremde das Herz mehr als das Eigene reizt?V. 348. Fremdes Brot &c. – Einige namhafte Handschriften haben suos, offenbar von animos, dagegen Oxon. animis, von suis veranlaßt.
Üppiger stehen ja stets auf fremdem Gefilde die Saaten,
    Und bei dem Nachbar hat größere Euter das Vieh.
Kennen zu lernen vorher die Magd des zu fahenden MädchensV. 351 f. Nur Cod. Intim. hat hier captandae erhalten; die andern alle geben captatae, das man in dem Sinne von cupitae nehmen müßte. – Für molliet a. L. molliat.
    Sorge; den Zutritt wird sie dir erleichtern zu ihr.
Siehe, daß sie ja sei die nächste im Rathe der HerrinV. 353 f. Einige Quellen haben ut nicht, andere dafür an.
    Und zu wenig nicht treu bei der verstohlenen Lust.
Sie mit Versprechungen mußt, sie mußt du bestechen mit Bitten:
    Wenn sie will, so wirst leicht du erlangen den Wunsch.
Sie wird wählen die Zeit – auch Ärzte beachten die Zeiten –V. 357. A. L. legat, schwach bezeugt.
    Wo ber Gebieterin Herz leicht ist und passend zu fahn.
Passend zu fahn wird's sein dann, wann, wie in üppigem Boden
    Wuchert die Saat, es schwelgt fröhlich in heiterster Lust.V. 360. A. Lesarten luxuriavit, luxuriatur, luxuriarit, welches Letztere Heinsius zu lesen befiehlt; mit Unrecht.
Während voll Freude die Brust und nicht beklommen vom Schmerz ist,V. 361 f. Astricta gegen attrita rechtfertigt Burmann ganz richtig theils durch die Parallele astrictum frigore pectus (Her. 15, 12) theils durch die gegenteiligen Ausdrücke diffundi und patere. – Für ipsa patent eine Handschrift ipsa patet, was Burmann vorzieht.
    Schleicht sich ins offene Herz Venus mit schmeichelnder Kunst.
Da voll Trauer es war, ward Ilium tapfer vertheidigt,V. 363. Die Form Ilios wird zwar von vielen guten Handschriften bezeugt, wäre aber bei defensa schwerlich in Ilion übergegangen, dessen Rechtfertigung man zu Verw. 14, 467 sehe.
    Während in Lust es das Pferd, schwanger von Kriegern, empfing.V. 364. In Lust, voll Freude über den angeblichen Abzug der Griechen. Als diese nämlich nach zehnjähriger Belagerung die Stadt nicht mit Gewalt erobern konnten, nahmen sie ihre Zuflucht zur List. Sie brachen das Lager ab und bestiegen die Schiffe, als ob sie abziehen und heimkehren wollten. Vorher jedoch hatten sie ein ungeheures Pferd aus Holz gezimmert und mit Bewaffneten gefüllt zurückgelassen, angeblich als ein zu Ehren der Minerva errichtetes Heiligthum. Ein Grieche, Namens Sinon, blieb zurück, ließ sich von den Trojanern gutwillig fangen, gab vor, von seinen Landsleuten schwer gemißhandelt zu sein und überredete die Trojaner, das Pferd als ein bleibendes Andenken an die erfolglose Belagerung in die Stadt zu schaffen. Dies thaten die Trojaner ungeachtet der Abmahnungen des Apollopriesters Laócoon und überließen sich nach vollbrachter Arbeit der ausgelassensten Freude. Während der Nacht, als Alles von Wein berauscht in tiefem Schlafe lag, schloß Sinon den Bauch des Pferdes auf und ließ die Bewaffneten heraus, welche nun den indeß von den Schiffen zurückgekehrten Griechen die Thore öffneten. Aller Widerstand war vergeblich. Die Stadt wurde mit Mord und Brand verwüstet.
Auch versuche sie dann, wann Kränkung sie traf durch ein Kebsweib;
    Daß sie nicht ungerächt bleibe, bemühe dich dann.
Reizen sie möge die Magd, das Haar ihr kämmend am Morgen,V. 367. Kaum erwähnenswerthe Lesarten matutino und pectentem.
    Und zu dem Segel hinzu fügen des Ruderers Dienst,
Und so sagen für sich, aufseufzend in leisem Geflüster:
    Wie ich glaube, so kannst du es vergelten ihm nicht.V. 370. Ihm, dem Manne, der die Untreue an dir begangen hat.
Von dir spreche sie dann in überredenden Worten,
    Schwöre dazu, daß du stürbest vor Liebe zu ihr.
Aber geeilt, sonst sinkt das Segel, die Winde verwehen.V. 373. Fragm. Oxon. sed properet, auf die Magd bezogen. Dann ist die gem. Lesart irae für aurae, offenbar Erklärung des letzteren. Auch vires findet sich dafür, sowie recedant und resistant für residant.
    Wie das zerbrechliche Eis, schwindet der Zorn durch Verzug.
Ob an der Dienerin selbst zu vergreifen sich, fragst du, gerathen?V. 375. Violare hat Baumgarten-Crusius auf die Autorität fast aller Hdschrften mit Recht hergestellt. Nur wenige ungenannte lesen vitiare (eine mollire), das Heinsius aufnahm und Burmann billigte.
    Solche Vergehungen sind gar ein gefährliches Spiel.
Von der Begattung wird Die ämsiger, lässiger Jene:V. 377. Ämsiger, lässiger im Dienste für dich.
    Die für die Herrin zum Schatz macht dich, die Andre für sich.V. 378. Macht dich zum Schatz, erwirbt dich als werthvoll, macht an dir einen Gewinn. – Bemerkenswerth ist die Verderbniß von te parat in temperat in einem großen Theile der Handschriften.
Sicher nicht ist der Erfolg. Sei sie auch bereit zu dem Wagniß,V. 379. Höchst unpassend ist die Lesart vieler Handschriften hic, auf casus bezogen.
    Consilium tamen est abstinuisse meum.
Non ego per praeceps et acuta cacumina vadam;
    Nec iuvenum quisquam, me duce, captus erit.
Si tamen illa tibi, dum dat recipitque tabellas,
    Corpore, non tantum sedulitate placet:
Fac domina potiare prius; comes illa sequatur.
    Non tibi ab ancilla est incipienda venus.
Hoc unum moneo, si quid modo creditur arti,
    Nec mea dicta rapax per mare ventus agit:
Aut non tentasses, aut perfice. tollitur index,
    Cum semel in partem criminis ipsa venit.
Non avis utiliter viscatis effugit alis;
    Non bene de laxis cassibus exit aper;
Saucius arrepto piscis teneatur ab hamo:
    Perprime tentatam, nec nisi Victor abi.
Tum neque te prodet communi obnoxia culpae,
    Factaque erunt dominae dictaque nota tibi.
Sed bene celetur; bene si celabitur index,
    Notitiae suberit semper amica tuae.
Tempora qui solis operosa colentibus arva
    Fallitur et nautis aspicienda putat.
Nec semper credenda ceres fallacibus arvis,
    Nec semper viridi concava puppis aquae.
Nec teneras semper tutum captare puellas:
    Saepe dato melius tempore fiet idem.
Sive dies suberit natalis, sive Calendae,
    Quas Venerem Marti continuasse iuvat;
Sive erit ornatus, non ut fuit ante, sigillis,
    Sed regum positas Circus habebit opes:
Differ Opus. tunc tristis hiems, tunc Pliades instant;
    Tunc tener aequorea mergitur hoedus aqua;
Tunc bene desinitur: tunc se qui credidit alto,
    Vix tenuit lacerae naufraga membra ratis.
Tu licet incipias, qua flebilis Allia luce
    Vulneribus Latiis sanguinolenta fuit;
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        Bleibt doch immer mein Rath, sich zu enthalten der Magd.
Nicht in den Abgrund will und auf spitzige Gipfel ich gehen;V. 381. Nicht gefährliche Wege will ich gehen und so Andere zu gehen verleiten, wie der folgende Vers lehrt. – Daher auch die an sich sehr gute Lesart ducam für vadam in zwei Handschriften. Aber sie verdankt ihre Entstehung wahrscheinlich dem folgenden me duce. In vadam liegt, wenn wir nicht irren, der Begriff des Rücksichtslosen, wie im Deutschen durch Dick und Dünn gehen.
    Keiner der Jünglinge soll werden gefangen durch mich.V. 382. Gefangen werden, eben in ungekannte Gefahr gerathen. Obgleich sich der Verfasser aber so verwahrt und die Miene der Gewissenhaftigkeit aussteckt, so guckt doch der Schalk gleich wieder heraus.
Wenn die Magd dir jedoch beim Bringen und Holen der Briefe
    Wegen der Reize, nicht blos wegen der Eile gefällt:
So erobre zuerst doch die Herrin, die Dienerin folge;
    Nicht anfangen bei der darfst du im Liebesgenuß.
Das nur sei dir gesagt, wenn Etwas Gewicht nur die Kunst hat,V. 387. Die Kunst, die Theorie, die Lehre.
    Und nicht über das Meer Winde verwehen mein Wort:V. 388. A. L. agat.
Hast den Versuch du gemacht, so vollend' auch; es schläft der Verräther,V. 389. Durch das Schwanken der Quellen zwischen non tentasses, tentares, tenabis, numquam tentes hat sich Heinsius für berechtigt gehalten, non tentaris zu vermuthen und die Änderung oder Verderbniß aus dem Umstande erklärt, daß man die natürliche Länge der Endsilbe in tentaris nicht gekannt habe. Als ob tentabis nicht ebenfalls auf eine Kürze ausginge! Wir sind keinen Augenblick zweifelhaft, daß tentasses das Echte und mit tentare debuisses oder eigentlich debebas zu erklären ist, gerade wie petisses Verw. 5, 26. 15, 637. Liebeserg. III, 8, 49. Und so hat nach Heinsiussens eigener Angabe Cod. Reg. und viele andere.
    Wann sie Theil an der Schuld selber genommen einmal.
Nicht zum Nutzen entflieht mit geleimtem Gefieder der Vogel,
    Gehet der Eber hervor aus dem gelockerten Garn.
Halt' an der Angel den Fisch, der, einmal verwundet, gefaßt hat.V. 393. Ein Theil der Handschriften hat retinetur, das Baumgarten-Crusius in der späteren Ausgabe vorgezogen hat; wir glauben, mit Unrecht; nicht weil der Vergleich als Erfahrungssatz im Indicativ steht, sondern weil er darin steht, nachdem in den beiden vorhergehenden Sätzen der Sinn der Anweisung ausgedrückt ist. Denn non utiliter effugit, non bene exit ist = (cavendum est) ne effugiat, ne exeat. Diese Mahnung ist nun hier und muß nach unserer Meinung hier ebenfalls eine entsprechende Form haben, also durch den Imperativ oder Conjunctiv ausgedrückt sein; oder es müßte beim Indicativ wenigstens bene oder utiliter stehen.
    Laß die Versuchte nicht los, geh nur als Sieger hinweg.V. 394. A. L. opprime.
Dann verräth sie dich nicht, der gemeinsamen Sünde verfallen;V. 395. Sie verräth dich nicht, daß du es hast gut mit ihr meinen wollen. – Communi obnoxia culpae hat Heinsius nach einem Patav., der obnoxia culpa. und zwei anderen, welche noxia culpae haben, gegeben. Andere lesen conscia culpa. Vielleicht hat Heinsius das Echte getroffen. Aber die gem. Lesart communi noxia culpa ist ebenfalls ohne Tadel. Denn was in obnoxia liegen soll, das liegt bei der gem. L. in communis; daher obnoxia leicht eine gelehrte Glosse sein kann, und wir uns nur schwer enthalten, die gem. Lesart herzustellen.
    Und es wird dir bekannt Sagen der Herrin und Thun.
Aber verhehle nur gut den Verräther; verhehlest du gut ihn,V. 397. Den Verräther des Sagens und Thuns der Gebieterin, die Magd.
    Wird zu Gebote dir stets Kenntniß der Freundin auch stehn.V. 398 knüpft wieder an den Hauptsatz V. 357 an.
Wer, daß Pfleger allein der einsamen Äcker und Schiffer
    Hätten zu sehn auf die Zeit, glaubet, der täuscht sich fürwahr.
Weder ist stets zu vertrauen die Saat den bezüglichen Fluren,V. 401. Die Fluren sind betrüglich, insofern man sich in dem auf sie gesetzten Vertrauen des Ertrags betrügt.
    Noch das bauchige Schiff immer der grünlichen Fluth.
Auch die lieblichen Mädchen zu fahn ist sicher nicht immer;V. 403 f. Alle Feiertage wurden von dem weiblichen Geschlechte wenigstens äußerlich sehr religiös begangen, und insbesondere männlicher Umgang streng gemieden. Besonders heilig in dieser Beziehung wurde auch der Geburtstag gehalten. In gleicher Hinsicht nennt der Dichter dann von anderen das Fest der Venus am ersten April. Der Monat April, der Frühlingsmonat, war der Venus als der Förderin aller Zeugung heilig. Da nun der vorhergehende Monat März ebenso dem Mars, von dem er auch den Namen hat, geweiht war, und Mars mit Venus nach der Mythologie in einem Liebesverhältnisse gestanden (s. Verw. 4, 167 ff.), so erklärt sich daraus die Bezeichnung des Venusfestes am ersten April durch den Ausdruck derjenige Monatserste, der sich freut, Venus (ihren Monat) mit Mars (seinem Monate) zu vereinigen, den ersteren Monat dem letzteren anzuschließen. Ganz so und jenes Liebesverhältniß noch bestimmter ausdrückend. sagt unser Dichter Festkal. 4. 129 f.
Und der reizenden Zeit ist würdig die reizende Venus,
    An sich an ihren Mars schließend, wie immer sie thut.

Von den Kalenden des Märzes, wo ebenfalls ein flottes Frauenfest, das Martial die weiblichen Saturnalien nennt, der Juno zu Ehren (Festkal. 3, 247) gefeiert wurde, können wir hier den alten Auslegern zum Trotz Nichts finden.


    Oft dasselbe geschieht besser zu anderer Zeit.
Wann der Geburtstag ist, wann ist der erste des Monats,
    Der da Venus mit Mars sich zu vereinigen freut;
Wann nicht, wie vorher, geschmückt der Circus mit Bildwerk,V. 407 f. Wann die Scenerie der Bühne nicht die gewöhnliche, aus Bildwerk an Coulissen, Vorhang (s. Verw. 3, 111 ff.) &c. bestehende, sondern eine königliche ist, welche die Aufmerksamkeit der weiblichen Zuschauer in Anspruch nimmt und fesselt, also entweder in demselben Stücke eine andere wird als sie vorher war, oder nach den Lustspielen, die in der Regel gegeben wurden, einmal ein Trauerspiel, das sich ausschließlich in den Schicksalen der altgriechischen Königsfamilien bewegte (vergl. Liebeserg. II, 18, 13.) aufgeführt wird. – Mit Recht hat Baumgarten-Crusius das von Heinsius aus zwei gewöhnlichen Handschriften aufgenommene und von allen späteren Herausgebern beibehaltene expositas wieder beseitigt, da der Begriff einer Schaustellung hier nicht paßt, sondern einfach gesagt wird, was für eine Scenerie zur Darstellung des Stückes aufgelegt, angewendet ist. Ebenso heißt es von dem gewöhnlichen Aufstellen der Tische, Auflegen der Teppiche, Auftragen des Weines beim Mahle immer positus, appositus.
    Sondern er aufgestellt zeiget der Könige Pracht:
Dann halt' ein; der Winter ist da, es nahn die Plejaden,V. 409. Der Winter ist da &c.; die Ausdrücke sind hergenommen von der Schiffahrt, die bei dem Eintritt der ungünstigen Jahreszeit (Winter) eingestellt wurde. Dies geschah zur Zeit des Spätaufganges der Plejaden oder des Siebengestirnes (s. zu Verw. 1, 670. 3, 594) und des Spätunterganges der Böcklein, (s. ebend. zu 14, 711) – die Dichter setzen auch den Singular wie bei dem Sternbilde der Fische, Verw. 10, 165, – Ende Octobers.
    Und in die Fluthen des Meers sinket das Böcklein hinab.
Dann ist räthlich der Schluß; es bringt, wer dann in die See sticht,V. 411. Die gemeine, jetzt in den Ausgaben herrschende Lesart ist si quis creditur alto. Da ist nun zuerst anstößig credi in dem Sinne sich anvertrauen; zweitens aber, daß, während die folgende Handlung im Perfect ausgedrückt ist, die vorhergehende im Präsens steht. Beide Bedenken erledigen sich durch die Lesart des Cod. Mentel. tunc se qui credidit alto, welche Bestätigung findet durch te qui credidit in Reg. und durch si quis credidit in Patav. und daher von uns unbedenklich aufgenommen worden ist.
    Kaum des lecken Gebäu's brüchige Glieder davon.
Doch an dem Tag, wo kläglich dahin die Allia strömte,V. 413 f. Der Tag, wo kläglich &c, der achtzehnte Juli, an welchem Tage im Jahre nach Erbauung der Stadt 367, vor Chr. 387, die Römer an der Allia nicht weit von Rom durch die Galler jene blutige Niederlage erlitten, in deren Folge die Stadt erobert und niedergebrannt wurde. Dieser Tag wurde jährlich als ein Trauertag gefeiert, und an einem solchen, meint der Dichter, wo das Gemüth des Weibes weder, wie am Geburts- und Feiertage, aus religiösen Rücksichten, noch wie im Circus wegen gespannter Schaulust unzugänglich ist, im Gegentheile alle anderen Quellen der Freude und des Genusses verstopft sind und die Langeweile plagt, magst du deine Bewerbung beginnen. Auf den ersten Blick scheint der Verfasser zwar hier in Widerspruch mit der oben V. 369 ff. gegebenen Lehre zu kommen; allein er sagt hier nicht, wann sie in trauriger Stimmung ist, sondern, wie gesagt, wann sie keine andere Unterhaltung, wann sie Langeweile hat. – Tu licet halten wir mit Heinsius nach Fragm. Oxon. für passender, als die Lesart aller übrigen Quellen tunc licet, deren Entstehung aus dem Vorhergehenden leicht erklärlich ist.
    Roth von Latinischem Blut, magst du beginnen das Werk;
Quaque die redeunt, rebus minus apta gerendis,
    Culta Palaestino septima festa Syro.
Magna superstitio tibi sit natalis amicae;
    Quaque aliquid dandum est, illa sit atra dies.
Cum bene vitaris, tamen auferet: invenit artem
    Femina, qua cupidi carpat amantis opes.
Institor ad dominam veniet discinctus emacem,
    Expediet merces teque sedente suas.
Quas illa inspicias, sapere ut videare, rogabit;
    Oscula deinde dabit; deinde rogabit, emas.
Hoc fore contentam multos iurabit in annos;
    Nunc opus esse sibi, nunc bene dicet emi.
Si non esse domi, quos des, causabere numos:
    Littera poscetur; nec didicisse iuvat.
Quid, quasi natali cum poscit munera libo,
    Et quoties opus est, nascitur ipsa sibi?
Quid, cum mendaci damno maestissima plorat,
    Elapsusque cava fingitur aure lapis?
Multa rogant utenda dari, data reddere nolunt.
    Perdis; et in damno gratia nulla tuo.
Non mihi, sacrilegas meretricum ut prosequar artes,
    Cum totidem linguis sint satis ora decem.
Cera vadum tentet rasis infusa tabellis,
    Cera tuae primum nuntia mentis eat.
Blanditias ferat illa tuas imitataque amantum
    Verba; nec exiguas, quisquis es, adde preces.
Hectora donavit Priamo prece motus Achilles:
    Flectitur iratus voce rogante deus.
Promittas facito: quid enim promittere laedit?
    Pollicitis dives quilibet esse potest.
Spes tenet in tempus, semel est si credita, longum:
    Illa quidem fallax, sed tamen apta dea est.
Si dederis aliquid, poteris ratione relinqui:
    Praeteritum tulerit perdideritque nihil.
At quod non dederis, semper videare daturus:
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    Auch an dem Tag, wo kehrt, nicht wohlgeeignet zur Arbeit,
    Palästinischen Volks Opfer am siebenten Tag.
Heilige Scheu einflöße dir stets der Freundin Geburtstag;V. 417 f. Nimm dich aber ja vor dem Geburtstage der Freundin und überhaupt jedem Tage, wo Geschenke zu geben sind, wie z. B. auch am Junofeste den ersten März, in Acht und komme ihr an solchem ja nicht zu nahe oder laß dich wenigstens nicht durch allerlei Künste und unter allerlei Vorwänden und Titeln ausplündern. – Schwarz heiße; vergl. Liebeserg. III, 5, 23. 26. 12, 1. – Für magna findet sich einzeln multa, auch vana.
    Und schwarz heiße der Tag, wo man Geschenke verlangt.
Weichst du auch aus, sie wird sie erlangen doch; eines Verliebten
    Beutel zu rupfen versteht Mittel zu finden das Weib.
Zur kauflustigen Dame wird kommen ein schlumpiger Krämer,V. 421 f. Einige Handschriften, auch Oxon. veniat . . expediat, was Heinsius für richtig erklärt, wenn man nachher has illa für quas illa läse. Da man aber so nicht lesen kann &c.
    Wird auslegen sein Zeug, während du sitzest dabei.
Dies dann sollst du besehn, damit du als Kenner dich zeigest;
    Dann wird küssen sie dich, bitten zu kaufen dich dann.
Damit zufrieden zu sein auf längere Jahre dir schwört sie;
    Jetzt sei nöthig es ihr, spricht sie, und billig der Kauf.
Schützest du vor, du habest kein Geld zu Hause zu geben,
    Fordert die Handschrift man; selber die Schule ist schlimm.V. 428. Die Schule, schreiben gelernt zu haben. – Einige Quellen geben ne didicisse iuvet, was Burmann so erklärt: »damit es dir Nichts nütze, wenn du sagest, du hättest schon vor langer Zeit schreiben gelernt und brauchtest es nicht jetzt erst zu lernen,« während es doch weiter Nichts heißt als: damit es dir Nichts nütze, was man doch allgemein denkt, sondern im Gegentheil schade, schreiben gelernt zu haben.
Und wie, wenn ein Geschenk zum Angebinde sie fordertV. 429. Zum Angebinde, im Lateinischen zum Geburtstagskuchen.
    Und so oft sie es braucht, selber geboren sich wird?V. 430. Selber geboren sich wird, nach eigenem Belieben, beliebig zu ihrem Vorteile ihren Geburtstag ansetzt.
Wie, wenn niedergedrückt von erlognem Verluste sie jammert,
    Sagt, aus dem Läppchen des Ohrs sei ihr gefallen ein Stein?V. 432. Theils einzelne große Perlen, theils ganze Gehänge von Perlen und wertvollen Steinen trugen die eitlen Römerinnen in den Ohren. Vergl. unten III, 129.
Vieles erbitten sie sich zum Gebrauch, was nie sie erstatten;V. 433. Vergl. Liebeserg. I, 8, 102. – A. Lesarten reddenda, optanda, credenda dari, auch tradenda sibi. Die aufgenommene wird von den besten Quellen bezeugt.
    Weg ist's; keinerlei Dank hast du bei deinem Verlust.
Wollt' ich die schurkischen Künste der Dirnen verfolgen, es wärenV. 435. A. L. perseqiar, stehende Variante von prosequar.
    Zehn der Münde mir nicht, zehen der Zungen genug.
Wachs versuche die Furth, auf geglättete Bretchen gegossen;V. 437 ff. Nach der Warnung, ja nicht zum Geburtstage zu einer Schönen zu gehen, folgt nun der Rath, sich erst schriftlich an sie zu wenden. – Wachs, auf geglättete Bretchen gegossen; s. zu Verw. 9, 522. Liebeserg. I. 12, 27. – Die Furth, den Übergangspunct bei einem Flusse, den Zugang. – Nuntia geben einige der besten Quellen gegen das mattere conscia der übrigen.
    Wachs geh' erst, ihr kund deine Gesinnung zu thun.
Zärtliche Grüße von dir und Liebe verrathende WorteV. 439 f. Wer du auch seist, wenn du auch vornehm, reich &c. bist. IImitata amantum verba muß man erklären verba imitata verba amantum, freilich auffallend. Heinsius vermuthet amantem, unterstützt durch mentem in Cod. Neap. Wir würden mentem selbst vorziehen, wenn wir uns zu einer Änderung berechtigt glaubten. Fragm. Oxon. hat amorum, wodurch Nichts gewonnen wird.
    Bring' es; und, wer du auch seist, spare nicht Bitten dabei.
Hectorn schenkte Achill dem Priamus, weichend der Bitte:V. 441. Die Angehörigen kauften die Leichname der im Kampfe Gefallenen den Siegern ab. So löste Priamus den Leichnam Hectors von Achilleus für einen ungeheuern Preis ein. Vergl. Verw. 13, 471 ff. n. A.
    Beugen durch Worte des Flehns läßt sich ein zürnender Gott.
Spar' auch Versprechungen nicht; denn was verschlägt's zu versprechen?
    Reich an Verheißungen kann immer ein Jeglicher sein.
Hoffnung, einmal gefaßt, hält lange; denn ist auch betrüglich
    Selbige Göttin und falsch, ist zu gebrauchen sie doch.
Hast du gegeben Etwas, so kann sie mit Art dich verlassen;V. 447. Mit Art, auf eine gute Art, unter einem passenden Vorwande. – G. L. dederis quicquam, vermutlich aus Unkenntniß der natürlichen Länge der Endung is.
    Früheres hat sie dahin, aber verloren gar Nichts.V. 448. Früheres, die früher, vorausgegebenen Geschenke. Verloren hat sie gar Nichts, noch Nichts dagegen gewährt. Gieb also Nichts vorweg.
Doch was nicht du noch gabst, schein' immer noch geben zu wollen:
    Sic dominum sterilis saepe fefellit ager.
Sic, ne perdiderit, non cessat perdere lusor;
    Et revocat cupidas alea saepe manus.
Hoc opus, hic labor est: primo sine munere iungi.
    Ne dederit gratis, quae dedit, usque dabit.
Ergo eat et blandis peraretur litera verbis,
    Exploretque animos primaque tentet iter.
Litera Cydippen pomo perlata fefellit;
    Insciaque est verbis capta puella suis.
Disce bonas artes, moneo, Romana iuventus,
    Non tantum trepidos ut tueare reos.
Quam populus iudexque gravis lectusque senatus,
    Tam dabit eloquio victa puella manus.
Sed lateant vires, nec sis in fronte disertus;
    Effugiant cerae verba molesta tuae.
Quis nisi mentis inops tenerae declamet amicae?
    Saepe valens odii litera causa fuit.
Sit tibi credibilis sermo consuetaque verba,
    Blanda tamen, praesens ut videare loqui.
Si non accipiet scriptum illectumque remittet:
    Lecturam spera, propositumque tene.
Tempore difficiles veniunt ad aratra iuvenci;
    Tempore lenta pati frena docentur equi.
Ferreus assiduo consumitur annulus usu;
    Interit assidua vomer aduncus humo.
Quid magis est saxo durum? quid mollius unda?
    Dura tamen molli saxa cavantur aqua.
Penelopen ipsam, persta modo, tempore vinces.
    Capta vides sero Pergama, capta tamen.
Legerit et nolit rescribere, cogere noli;
    Tu modo blanditias fac legat usque tuas.
Quae voluit legisse, volet rescribere lectis:
    Per numeros venient ista gradusque suos.
Forsitan et primo veniet tibi litera tristis,
    Quaeque roget, ne se sollicitare velis.
Quod rogat illa, timet; quod non rogat, optat, ut instes.
    Insequere, et voti postmodo compos eris.
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        So hat mageres Feld oft den Besitzer getäuscht.
So läßt, nicht zu verlieren, nicht ab zu verlieren der Spieler;V. 451 f. »Das Hazardspiel war in Rom zur verderblichsten Sucht geworden, und alle Strenge wiederholter gesetzlicher Bestimmungen konnte nicht verhindern, daß im Geheimen das verführerische Würfelspiel Vieler Glück und Vermögen zu Grunde richtete.« Beckers Gallus. – Für saepe geben einige wenige Hdschrften blanda, das zwar ein ganz passendes und nicht seltenes Beiwort der alea ist, aber eben darum auch hier nicht in saepe übergegangen sein würde, leicht aber als Reminiszenz durch einen Blick auf Vers 455 an dessen Stelle getreten sein kann. Dazu kommt, daß revocat allein nach non cessat zu schwach sein würde und eine Verstärkung, wie saepe, wesentlich erfordert.
    Oft die gierige Hand rufen die Würfel zurück.
Das ist nöthig, zuerst sie ohne Geschenk zu gewinnen;
    Daß sie umsonst nicht gab, giebt das Gegebne sie fort.V. 454. Die gem. Lsrt ist dederit: wenn sie einmal umsonst gewährt, wird sie das immerfort (umsonst) thun. Das verlangt der Lehrmeister aber nicht; er hat ja eben gesagt, zuerst ohne Geschenk. Daher ist die von Cod. Reg., Oxon. und Ambros. gebotene Lsrt. ne dederit, auch durch nec dederit in einem anderen unterstützt, unzweifelhaft allein richtig. Wenn wir übrigens in der Übersetzung quae zum Folgenden gezogen haben, so ist es nicht aus Verkennung der Beziehung in der Urschrift geschehen.
Darum gehe, gefaßt in zärtliche Worte, ein Brieflein,
    Erst zu versuchen den Weg und zu erforschen ihr Herz.
Übersendet im Apfel, betrog ein Briefchen Cydippe;V. 457 f. Die vornehme und reiche Cydippe wurde von dem armen Acontius heimlich geliebt. Da er aber ihren Besitz nicht hoffen durfte, nahm er einst die Gelegenheit wahr, wo sie im Dianentempel zu Delos opferte, und warf ihr einen Apfel vor die Füße, worauf ein Gelübde stand, ihm anzugehören. Nun war es Gesetz, daß Alles erfüllt werden mußte, was im Dianentempel gelobt oder ausgesprochen wurde. Indem sie nun die Schrift auf dem Apfel las, sprach sie unwillkührlich (ohn' es zu wissen), das Gelübde aus und war so daran gebunden (gefahn durchs eigene Wort). Dasselbe lautete angeblich:
Feierlich schwöre ich dir bei dem heiligen Opfer Dianens:
Deine Begleiterin will ich sein und künftige Gattin.

Unter den Heroenbriefen (s. zu Liebeserg. II, 18, 19) befindet sich auch einer, der zwanzigste, des Acontius an Cydippe. – Für perlata findet sich in den Hdschrften auch perlecta, praelata, prolata, delata.


    Ohn' es zu wissen, gefahn ward sie durchs eigene Wort.
Lerne die Künste des Worts, laß rathen dir, Römische Jugend,V. 459. Vergl. Liebeserg. II, 8, 1 n. A.
    Nicht blos daß du in Schutz nehmest Beklagte voll Angst.
Gleichwie das Volk und der hohe Senat und der Richter voll Strenge,
    So von der Rede besiegt wird sich ergeben das Weib.
Aber die Stärke verbirg, und zur Schau nicht zeige beredt dich;V. 463. Die Stärke, die du in der Redekunst besitzest. – Nicht übel zwei Hdschrften artes, aber doch nur Glosse.
    Lasse entschlüpfen sich nicht schwülstige Worte dein Wachs.V. 464. Ebenso ist wahrscheinlich voces wie die meisten Quellen für cereae geben, eine Glosse.
Wer, wenn nicht er beschränkt, schreibt Reden an seine Geliebte?
    Wirksame Ursach war oft schon des Hasses ein Brief.V. 466. Wirksame Ursache des Hasses, eine hinlänglich starke, hinlängliche. Vergl. Verw. 5, 174.
Glaubhaft sei die Rede und nur gewöhnlich die Worte,
    Zärtlich jedoch, als wenn selber du sprächest mit ihr.
Nimmt sie Geschriebenes nicht, schickt ungelesen zurück es;V. 469. Einige Hdschrften lesen intactumque.
    Glaube, sie liest schon noch; laß nur nicht ab vom Versuch.
Unter das Joch mit der Zeit gehn widerspenstige Stiere;
    Dulden das steife Gebiß lehrt man das Roß mit der Zeit.
Durch den steten Gebrauch nutzt ab der eiserne Ring sich;
    Stets im Boden, vergeht auch der gebogene Pflug.
Was ist härter als Stein? Und was ist weicher als Wasser?
    Aber in weicher Fluth höhlt sich das harte Gestein.
Selber Penélope wirst, halt' aus nur, du endlich besiegen;V. 477. S. Liebeserg. I, 8, 47 n. A.
    Troja erobert zwar spät siehst du, erobert jedoch.
Liest sie und will Antwort nicht geben, so nöth'ge sie ja nicht;
    Laß sie nur immerfort lesen, wie zärtlich du liebst.V. 480. Für usque andere Lsrt ipsa.
Was sie zu lesen gewünscht, wird wieder zu schreiben sie wünschen;
    Stufenweise schon kommt dies nach einander von selbst.
Kommen auch wird dir vielleicht zuerst ein trauriges Briefchen,
    Das dich bittet, ihr nicht weiter zu fallen zur Last.
Was sie bittet, ist Furcht; was nicht, Wunsch, daß du beharrest:V. 485. Was sie bittet, ist Furcht, daß es nämlich geschähe, daß du sie nicht weiter belästigtest.
    Setz' ihr nur zu, und du wirst endlich des Wunsches gewährt.
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