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Gutenberg > Ovid >

Liebeskunst

Ovid: Liebeskunst - Kapitel 16
Quellenangabe
typepoem
booktitleOvids Werke, Fünfter Theil
authorOvid
translatorHeinrich Lindemann
firstpub1861
year1861
publisherVerlag von Wilhelm Engelmann
addressLeipzig
titleLiebeskunst
created20040831
sendergerd.bouillon
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Parcite, Cecropides, iuranti credere Theseo:
    Quos faciet testes, fecit et ante, deos.
Et tibi, Demophoon, Thesei criminia heres,
    Phyllide decepta nulla relicta fides.
Si bene promittent, totidem promittite verbis:
    Si dederint, et vos gaudia pacta date.
Illa potest vigiles flammas extinguere Vestae
    Et rapere e templis, Inachi, sacra tuis,
Et dare mista viro tritis aconita cicutis;
    Accepto venerem munere si qua negat.
Fert animus propius consistere: supprime habenas,
    Musa, nec admissis excutiare rotis.
Verba vadum tentent abiegnis scripta tabellis;
    Accipiat missas apta ministra notas:
Inspice, quodque leges, ex ipsis collige verbis,
    Fingat, an ex animo sollicitusque roget,
Postque brevem rescribe moram: mora semper amantes
    Incitat, exiguum si modo tempus habet.
Sed neque te facilem iuveni promitte roganti:
    Nec tamen ex toto, quod petit ille, nega.
Fac timeat speretque simul; quotiesque remittes,
    Spesque magis veniat certa minorque metus.
Munda, sed e medio consuetaque verba, puellae,
    Scribite: sermonis publica forma placet.
Ah, quoties dubius scriptis exarsit amator,
    Et nocuit formae barbara lingua bonae!
Sed quoniam, quamvis vittae careatis honore,
    Est vobis vestros fallere cura viros:
Ancillae puerive manus ferat arte tabellas,
    Pignora nec iuveni credite vestra novo.
Vidi ego pallentes isto terrore puellas
    Servitium miseras tempus in omne pati.
Perfidus ille quidem, qui talia munera servat;
    Sed tamen Aetnaei fulminis instar habet,
Iudice me fraus est concessa repellere fraudem;
   


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    Hütet euch, Cecropiden, zu glauben dem schwörenden Theseus.V. 457. Cecropiden, Athenerinnen; s. unsern Index z. Verw. Da Theseus ein Athener war. so warnt der Dichter die Athenerinnen vor Männern wie Theseus. Auch Rom hat seine Theseuse, hütet euch vor ihnen, ihr Römerinnen. S. übrigens oben I, 527 ff.
    Götter, bei welchen er schwört, hat er betrogen auch sonst.
Auch Demóphoon, dir, dem Erben von Theseus' Verbrechen,V. 459 f. S. zu Liebeserg. II, 18, 22.
    Schenkt man Glauben nicht mehr, da du die Phyllis getäuscht
Wenn sie tüchtig versprechen, versprecht ihr ebenso wortreich;V. 461. Mit promittent haben wir die gem. Lsrt gegeben für den von Heinsius angeblich nach »einigen der besseren« aufgenommenen Conjunctiv promittant. Übrigens findet sich auch promittunt.
    Geben sie, gebt auch ihr dann den bedungnen Genuß.
Die kann weg aus dem Tempel die Heiligthümer der IsisV. 463 ff. Die kann &c., ist fähig die schwersten Verbrechen zu begehen. Auf Vestas Herd &c.; s. zu Verw. 15, 730. Wolfswurz oder Eisenhut, Aconit.
    Rauben, auf Vestas Herd löschen die ewige Gluth,
Wolfswurf geben dem Mann, gemischt mit geriebenem Schierling,
    Die nach empfangenem Lohn weigert den Liebesgenuß.
Näher zu halten gedenk' ich dem Ziel; straff halte die Zügel,V. 467. Bis jetzt hat der Lehrer nur allgemeinere, zum Theil negative Vorschriften gegeben, sich also mehr gleichsam in der Ferne gehalten und Vieles nur im Fluge berührt; jetzt will er näher, unmittelbar auf das Ziel halten und heißt seine Muse das rasche Gespann anhalten. Dabei malt er das Bild weiter aus, indem er sie warnt, bei dem plötzlichen Anhalten der jagenden Rosse nicht herab zu fallen.
    Muse, und laß dich nicht schleudern vom jagenden Rad.
Würde versucht die Furth mit Worten auf tännenen Bretchen,V. 469. Vergl. oben I, 437 sowie zu Liebeserg. I, 11, 27. – Die erstere Stelle meint Forcellinis Lexikon. Wir bemerken dies ausdrücklich, weil Baumgarten-Crusius hier sagt, er wisse nicht, woher Forcellini Cera vadum tentet habe. Aus alienis einiger Quellen, auch der Ed. pr., will Heinsius acernis nach Am. I, 11, 28 vermuthen, läßt es aber wieder fallen. Burmann führt auch planis inscripta aus einer Vatic. Hdschrft an und meint, es sei vielleicht plenis inscripta das Echte.
    Nähme die Dienerin schlau an den gesendeten Brief;V. 470. Über das Verhältniß dieses Satzes kann man zweifelhaft sein, ob er nämlich Nachsatz oder fortgesetzter Vordersatz sei. Für Ersteres spricht der Mangel der Verbindung, zum Theil auch der Sinn; für Letzteres, daß sich dann das Nächste eng und scharf anschließt, während außerdem wieder hier die Verbindung vermißt würde. Nach langem Schwanken haben wir uns für die letztere Auffassung entschieden.
Siehe hinein und entnimm aus den Worten selber, ob ernstlich,V. 471. A. Lsrt dumque leges.
    Was du liesest, gemeint, oder geheuchelt nur sei.
Schreib' ihm wieder nach kurzem Verzug; stets reizet das Zaudern
    Liebende, wenn der Verzug kürzere Dauer nur hat.
Weder zu leicht versprich dich jedoch dem bittenden Jüngling,
    Noch auch schlage ihm ab gänzlich, wonach er verlangt.V. 476. Nach Heinsius geben »die besseren Hdschrften« nebst der Urausgabe nec tamen e duro, quod petit ille, nega; dann »einige andere« e toto oder ex toto für e duro, endlich Reg. 3 und ein Vatic. e duro, quod petit, ore; und nach der letzteren Lsrt hat er eduro, quod petit, ore gegeben und alle folgenden Herausgeber beibehalten. Wie schwach aber diese Lsrt überhaupt und eduro als ein Wort insbesondere begründet sei, ist einleuchtend. Edurus steht unseres Wissens blos Virg. Georg. IV, 145 hdschrftlich fest; das. II, 65 ist es längst in et durae berichtigt, und oben II, 527, worauf sich Heinsius beruft, ist es seine eigne Erfindung. Ore paßt überdem schlecht zu einer schriftlichen Antwort. Dies vermuthlich fühlend, schlägt Heinsius vor, e duro adverbialisch zu fassen, wie ex facili, ex difficili &c.; und es bliebe allerdings weiter Nichts übrig, wenn man nicht e toto hätte. Warum man dies aber stillschweigend verwirft, ist nicht einzusehen. Wenn Heinsius die Quellen nicht nennt, führt er gewöhnlich Etwas im Schilde. Er wollte sein edurus einschwärzen; was ihm auch gelungen ist. Nach unserer Meinung kann es nichts Passenderes geben, als e oder ex toto – denn ein adverbialisches e duro für echt zu halten könnten wir uns nur schwer entschließen –, nur zwischen e und ex schwanken wir noch. E toto schließt sich äußerlich mehr an e duro an, ex toto ist die übliche Form dieser und aller ähnlichen Ausdrucksweisen. Die letztere Rücksicht scheint uns überwiegend.
Laß ihn fürchten und hoffen zugleich; und so oft du zurückschreibst,
    Werde die Hoffnung für ihn fester, geringer die Furcht.V. 478. A. Lsrt spes magis hinc, worin Heinsius huic vermuthet.
Artige Worte, doch nur alltäglichem Kreise entnommen,V. 479. Für munda hat eine Vat. Hdschrft blanda, wahrscheinlich aus I, 467.
    Schreibt, ihr Mädchen; es nimmt ein der gebräuchliche Stil.V. 480. Ein Theil der Quellen giebt verba placent, offenbar aus dem vorhergehenden Verse, oder Erklärung von forma, das hier von Münzen übertragen ist, Gepräge.
Oft war, über die Schrift in Zweifel, erzürnt der Bewerber,V. 481. Über die Schrift, über den Sinn der verkehrten Ausdrücke, falsche Construction &c. – Wenn wir auch im Deutschen über die Schrift mit in Zweifel verbunden haben, so haben wir darum nicht scriptis mit dubius construirt. – Dubius ist nur von wenigen Quellen, darunter Reg., erhalten; die gemeine Lsrt ist dubiis.
    War der barbarische Mund schädlich der schönen Gestalt.
Doch weil, ob es euch auch gebricht an der Ehre der Binde,V. 483. Ob es euch auch &c., obgleich ihr, als nicht zu den ehrbaren Frauen gehörend, gar nicht nöthig habt, euere Angelegenheiten heimlich zu betreiben. Über die Bedeutung der Binde s. oben zu I, 31.
    Doch zu täuschen bedacht euere Männer ihr seid;
Bringe geschickt den Brief der Magd Hand oder des Burschen,V. 485. Die von Heinsius aus Cod. Argent. Vat. und einem Pat. aufgenommene und bis jetzt in den Ausgaben herrschende Lsrt apta, so passend sie an sich ist, können wir nicht als echt anerkennen. Es ist schwer zu glauben, daß ein so einfaches und bei unserem Dichter so oft vorkommendes Wort solche Abweichungen veranlaßt hätte, als da sind ante, arce, arta, apte und, was die gemeine Lsrt ist, arte. Vielmehr ist jedenfalls dieses Letztere, arte, das Ursprüngliche und hat wegen seiner allerdings nicht ganz gewöhnlichen, bei unserem Dichter aber nicht seltenen adverbialischen Bedeutung in der Verbindung mit einem Zeitworte bei Dem und Jenem Anstoß erregt oder das Verständniß gehindert oder eine Erklärung veranlaßt. Zur Besorgung einer solchen Bestellung ist Abrichtung. Kenntniß, Geschick nöthig. Mit Geschick also händige der Bote dem Liebhaber die Brieftafel ein. Arte steht so adverbialisch z. B. oben I, 544. II, 434. In einem Codex hat die anstößige Verbindung arte ferat die Änderung in arte premat verursacht.
    Und vertrauet nicht an Neulingen euere Gunst.V. 486. Neulingen in der Liebe, Anfänger, die, wie das Nächste lehrt, die Briefe aufheben und, wenn ihnen etwa die Frau einmal nicht Recht thut, aus Rache dem Manne verrathen, während ein alter Soldat eine Laune der Geliebten geduldiger hinnimmt. Vergl. unten V. 566. Der Bote soll also die Schreibtafel, nachdem der Inhalt von dem Empfänger gelesen ist, zurückbringen; oder die Schöne soll eine schriftliche Antwort gar nicht ertheilen. – Ganz im Widerspruche mit dem Zusammenhange, wie er sich in dem Folgenden darstellt, hat man iuveni novo zum Theil von dem Besteller des Briefes verstanden; und aus diesem Mißverständnisse ist ohne Zweifel die Lsrt puero für iuveni in nicht wenigen Hdschrften entstanden. Hätte Ovid aber auch puero geschrieben, wie er denn blutjunge Liebhaber z. B. unten V. 571 wirklich pueros nennt, so dürfte es immer nicht auf den Sclaven bezogen werden.
O wie Manche schon hab' ich von solchem Schrecken erbleichen,V. 487 f. Von solchem Schrecken, von dem Schrecken darüber, daß sie einem Neulinge einen Brief anvertraut, d. h. geschrieben oder überlassen, und von demselben sich verrathen gesehen hatte. Ewige Sclaverei leiden von ihrem Manne. – Die falsche Auffassung des vorhergehenden Verses hat wieder auf diesen gewirkt und in einigen isto oder ipso latore, in vielen fallentes für pallentes veranlaßt. Für Letzteres findet sich auch deflentes.
    Ewige Sclaverei leiden die Arme gesehn!
Treulos zwar ist der, der aufhebt solche Beweise;V. 489. Für pignora andere Lsrt munera, sowie in Linc. captat für servat.
    Aber des Ätna Blitz führt er in Händen darin.V. 490. Aber es hilft dir nur Nichts, wenn er auch als treulos erkannt und erklärt wird; er ist und bleibt doch im Besitze einer Waffe gegen dich, die er wie einen zerschmetternden Blitz gebrauchen kann. Des Ätna Blitz, einen Blitz, wie ihn die Cyclopen vom Feuer des Ätna dem Jupiter schmieden (s. zu Verw. 13, 755) = einen furchtbaren.
Meines Bedünkens ist Täuschung erlaubt, um wieder zu täuschen.
    Armaque in armatos sumere iura sinunt.
Ducere consuescat multas manus una figuras.
    Ah, pereant, per quos ista monenda mihi!
Nec nisi deletis tutum rescribere ceris,
    Ne teneat geminas una tabella manus.
Femina dicatur scribenti semper amator;
    Illa sit in vestris, qui fuit ille, notis.
Sed libet a parvis animum ad maiora referre,
    Plenaque curvato pandere vela sinu.
Pertinet ad faciem rabidos compescere mores:
    Candida pax homines, trux decet ira feras.
Ora tument ira; nigrescunt sanguine venae;
    Lumina Gorgoneo saevius igne micant.
I procul hinc, dixit, non es mihi, tibia, tanti,
    Ut vidit vultus Pallas in amne suos.
Vos quoque si media speculum spectetis in ira:
    Cognoscet faciem vix satis ulla suam.
Nec tumeat vultu damnosa superbia vestro:
    Comibus est oculis alliciendus amor.
Odimus immodicos – experto credite! – fastus.
    Saepe tacens odii semina vultus habet.
Spectantem specta, ridenti mollia ride;
    Innuet, acceptas tu quoque redde notas.
Sic ubi prolusit, rudibus puer ille relictis
    Spicula de pharetra promit acuta sua.
Odimus et maestas. Tecmessam diligat Aiax;
    Nos hilarem populum femina laeta capit.
Numquam ego te, Andromache, nec te, Tecmessa, rogarem,
    Ut mea de vobis altera amica foret.
Credere vix videor, cum cogar credere partu,
    Vos ego cum vestris concubuisse viris.
Scilicet Aiaci mulier maestissima dixit:
    Lux mea, quaeque solent verba iuvare viros.
Quid vetat a magnis ad res exempla minores
    Sumere, nec nomen pertimuisse ducis?
Dux bonus huic centum commisit vite regendos,
   


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        Gegen Bewaffnete ist Waffen zu nehmen gerecht.
Vielerlei Zeichen zu ziehn gewöhne dieselbige Hand sich.V. 493. Vielerlei Zeichen, Buchstaben von vielerlei Art, viele (verschiedene) Alphabete oder Hände.
    Wehe den Männern, für die Solcherlei rathen ich muß!
Auch nicht ohne zu löschen das Wachs mögt wieder ihr schreiben,V. 495. Ohne zu löschen das Wachs die in das Wachs eingegrabene Schrift des Liebhabers. S. zu Verw. 9, 522.
    Daß der Hände nicht zwei habe das nämliche Blatt.
Frau von der Schreiberin auch werd' immer genannt der Geliebte;V. 497. Scribenti hat Heinsius aus vier ungenannten, also keinenfalls vorzüglichen Hdschrften für scribentis der übrigen gegeben. Das s kann vor semper freilich leicht hinzugekommen, aber ebenso leicht ausgefallen sein. Da jedoch der Dativ schwerer zu verstehen war, als der Genitiv, derselbe auch den Sinn schärfer ausdrückt; so haben wir den herrschenden Text beibehalten.
    Der ein Er ist, Sie heiß' er in euerer Schrift.V. 498. Fuit im Lateinischen bezieht sich auf die Zeit, ehe sie schreibt und ihn zur Sie macht.
Doch von Geringerem will den Geist ich auf Höheres richtenV. 499. Wie der Lehrer V. 467 von Allgemeinerem zu Speciellerem überging, so will er sich hier wieder von unbedeutenden Dingen zu wichtigeren wenden. – Die vorzüglicheren Hdschrften nebst alten Ausgaben haben freilich sed licet, libet nur die Hdschrft Morets mit si und die eine des Mentel.; Arondel. placet, das auch auf libet weist.
    Und zu strotzendem Bauch spannen die Segel gesammt.V. 500. Für pandere haben wir auf Burmanns Empfehlung das vielbezeugte tendere, wofür auch die Berner Hdschrft mit prendere spricht, aufgenommen. Pandere, sagt Burmann, ist einfach entfalten, tendere aber spannen. S. Her. 13, 15.
Schöner Gestalt steht's an, das wüthende Wesen zu zähmen.V. 501. Gem. Lsrt rapidos, gewöhnliche Verwechslung.
    Ruhiger Friede geziemt Menschen, dem Thiere der Zorn.
Aufschwellt Zorn das Gesicht, schwarz werden vom Blute die Adern;
    Gräßlicher funkelt der Blick als die Gorgonische Gluth.V. 504. Die Gorgonische Gluth, die Gluth in den Augen der Gorgonen; s. zu Verw. 4, 774. – Mehrere Hdschrften angue, leicht erklärlich.
Weg von mir, weit weg! so viel nicht giltst du mir, Pfeife,V. 505 f. S. zu Verw. 6, 383.
    Sprach, als ihr Gesicht Pallas erblickte im Strom.
Auch wenn ihr immitten des Zorns in den Spiegel hineinschaut,
    Wird kaum leidlich darin Eine erkennen ihr Bild.V. 508. Das bis jetzt in den Ausgaben herrschende cognoscat beruht auf schwacher Autorität; wir haben daher cognoscet hergestellt.
Auch schwell' euere Miene euch nicht von verdammlichem Hochmuth;V. 509. Obwohl Heinsius bezeugt, daß die meisten Hdschrften nebst dem Urdrucke nec tumeat vultu haben, giebt er doch, ohne eine einzige Autorität zu nennen, nec minus in vultu, weil ora tument ira kurz vorhergegangen sei. Aber liegt denn in einer Wiederholung, wie diese, etwas Ungeschicktes? Das Gesicht schwelle nicht von Zorn &c. Auch Hochmuth schwelle nicht in euer er Miene. Daß nec minus damnosa (est) prosaischer ist und einer Erklärung ähnlicher sieht als nec tumeat, bedarf keines Beweises.
    Mit sanftmüthigem Blick weckt man der Liebe Gefühl.V. 510. A. Lsrten dulcibus und mollibus.
Glaubt dem Erfahrenen es, wir hassen unmäßigen Dünkel;V. 511. Für experto haben Reg., Neap. und ein Vat. expertae, und dies erklärt Heinsius für argute. Wir gestehen aber hinter diese argutia nicht kommen zu können. Auch vermuthet er in fatus einer seiner Hdschrften flatus unter Berufung auf oben I, 715, wo er es glücklich aufgebracht hat.
    Samen des Hasses enthält öfters ein schweigend Gesicht.
Sieh den an, der dich ansieht; dem Lächelnden lächle
    Sanft zu; wenn du empfängst Winke, erwiedere sie.
Hat so vor er gespielt, dann wirft die Rapiere der KnabeV. 515. So, mit gegenseitigem Anblicken, Zulächeln, Zuwinken, vorgespielt, Einleitung getroffen. Die Rapiere; s. zu Liebeserg. II, 9, 20. Der Knabe, Cupido oder Amor. – A. Lsrt praelusit, das in diesem Sinne für unrichtig erklärt wird.
    Weg; aus dem Köcher hervor holt er das scharfe Geschoß.
Traurige hassen wir auch. Mag Ajax lieben Tecmessa;V. 517 ff. Tecmessa und And romache werden nicht etwa einer von Natur trüben Gemüthsart wegen, von welcher uns wenigstens Nichts bekannt ist, genannt, sondern wegen ihrer traurigen Schicksale und vielleicht mit besonderer Rücksicht darauf, daß sie beide Heldinnen von bekannten Trauerspielen waren. Die Andromache des Euripides besitzen wir noch, wogegen die Tecmessa des Sophokles gänzlich verloren gegangen ist. Tecmessa war übrigens die Tochter eines Phrygischen Fürsten, Namens Teuthras, die während des Trojanischen Krieges von Ajax, Telamons Sohne, gefangen und geliebt wurde. S. auch Horat. Od. II, 4, 4.
    Uns, ein fröhliches Volk, fesselt ein fröhliches Weib.
Niemals würd' ich Tecmessa, noch dich, Andrómache, bitten,
    Daß die Eine von euch wäre die Freundin von mir.
Glauben kann ich es kaum, obgleich die Geburt es beweiset,V. 521. Die Geburt; Andromache gebar den Astyanax (s. Verw. 13, 415 n. A.), Tecmessa den Eurýsaces, von welchem die edle Familie der Eurysaciden in Athen abstammte. – Ed. pr. nebst zwei Hdschrften giebt nisi cogar credere partus, Cod. Mentel. partu, die Ausgabe des Gryphius v. 1554 sehr annehmbar nisi cogat credere partus. Für videor commandirt Heinsius natürlich videar.
    Daß gelegen ihr seid eueren Männern im Arm.
Nun, es sagte das Weib voll Trauer zu Ajax: mein Leben,
    Und was Andres noch sonst pflegt zu erfreuen den Mann.
Warum sollten wir nicht Beispiele von Großem für KleinesV. 525 ff. Benutzt jeden Mann nach seinen Fähigkeiten und seinem Leistungsvermögen, gleichwie ein guter General jedem Manne nach seiner Fähigkeit und Tüchtigkeit seinen Platz anweist.
    Nehmen und rathen zu thun, was für den Führer sich schickt?
Diesem hat den Befehl von hundert ein tüchtiger Führer,V. 527. Hat . . vertraut; wann das Heer ausrückt oder aufgestellt ist, sind diese Anordnungen bereits getroffen. – Für den Lateinkundigen bemerken wir, daß der Centurio oder Hauptmann als solcher eine Weinrebe führte. Die Unkenntniß dieses Umstandes hat die fast allgemeine Verderbniß in iure (einzeln auch turre und marte) verursacht; vite haben nur Reg. und ein Vat. erhalten.
    Huic equites; illi signa tuenda dedit.
Vos quoque, de nobis quem quisque sit aptus ad usum,
    Inspicite, et certo ponite quemque loco.
Munera det dives; ius qui profitebitur, assit;
    Facundus causam saepe clientis agat.
Carmina qui facimus, mittamus carmina tantum:
    Hic chorus ante alios aptus amare sumus.
Nos facimus placitae late praeconia formae:
    Nomen habet Nemesis, Cynthia nomen habet.
Vesper et Eoae novere Lycorida terrae;
    Et multi, quae sit nostra Corinna, rogant.
Adde, quod insidiae sacris a vatibus absunt;
    Et facit ad mores ars quoque nostra suos.
Nec nos ambitio, nec amor nos tangit habendi:
    Contemto colitur lectus et umbra foro.
Sed facile haeremus validoque perurimur aestu,
    Et nimium certa scimus amare fide.
Scilicet ingenium placida mollitur ab arte,
    Et studio mores convenienter eunt.
Vatibus Aoniis faciles estote, puellae:
    Numen inest illis, Pieridesque favent.
Est deus in nobis, et sunt commercia caeli.
    Sedibus aetheriis Spiritus ille venit.
A doctis pretium scelus est sperare poetis.
    Me miserum, scelus hoc nulla puella timet.
Dissimulate tamen, nec prima fronte rapaces
    Este: novus viso casse resistet amans.
Sed neque vector equum, qui nuper sensit habenas,
    Cum paribus frenis artificemque reget.
Nec stabiles annis animos viridemque iuventam
    Ut capias, idem limes agendus erit.
Hic rudis et castris nunc primum notus Amoris,
    Qui tetigit thalamos praeda novella tuos,
Te solam norit, tibi semper inhaereat uni.
    Cingenda est altis sepibus ista seges.
Effuge rivalem: vinces, dum sola tenebis.
   

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        Diesem die Reiter, die Hut Jenem der Fahnen vertraut.
Ihr auch sehet darauf, zu welchem Gebrauche sich JederV. 529. Auffallend geben alle Codices erit, nur Neap. und der erste Ambros. sit.
    Eignet von uns, und stellt Jeden, wohin er gehört.
Schenkungen mache der Reiche, der Rechtsbeflissene helfe;
    Und der Clientin Proceß führe des Redners Talent.
Die Gedichte wir machen, uns laßt nur schicken Gedichte;
    Wir vor Anderen sind Leute, zu lieben geschickt.V. 534. Hic chorus geben die besseren mit dem Urdrucke, die übrigen nam chorus; nur Reg. nos chorus, das vielleicht den Vorzug verdient.
Wir verbreiten umher das Lob der geselligen Schönheit.
    Némesis' Name ist weit, Cynthias Name berühmt.V. 536. Wie Nemesis von Tibullus. (s. Liebeserg. III, 9, 31), so ward Cynthia von Propertius gefeiert und besungen.
Abend- und Morgenland, sie kennen den Namen Lycóris;V. 537. Lycoris, Geliebte des Dichters Gallus; vergl. Liebeserg. I, 15, 30.
    Und gern wüßte man, wer meine Corinna wol sei.V. 538. Wahrscheinlich waren die Namen aller dieser Mädchen nur erdichtet; gewiß war es der Name Corinnas, der von unserem Dichter gefeierten Schönen. S. Liebeserg. I, 5, 11. II, 8, 13. 17.
Wisset, auch Hinterlist ist fremd den heiligen Sängern;
    Wißt, daß unsere Kunst adelt auch unser Gemüth.V. 540. Die gemeine Lsrt bonos für suos ist sicher Glosse. Ovid liebt suus in dem Sinne von gehörig, zukommend ganz besonders. Vergl. z. B. oben V. 236, dann II, 334. Met. 2, 403.
Weder der Ehrgeiz reizt, noch Sucht zu haben uns Dichter;V. 541. Tangit geben die besseren Hdschrften mit der Urausgabe. Andere Lsrten sind urget und urit. Welche die echte sei, getraut sich Burmann nicht zu entscheiden; er möchte urit vorziehen. Sollte nicht tangit, abgesehen von der besseren hdschrftlichen Begründung, als das schwächste = ne tangit quidem hier das passendste Wort sein?
    Wir verachten den Markt, schätzen nur Schatten und Bett.V. 542. Den Markt; s. zu Verw. 15, 841 und vergl. Liebeserg. I, 15, 5 f. n. A. Über Schatten s. ebendas. zu I, 9, 42.
Aber wir hängen gar leicht und entbrennen in heftiger Wallung,
    Bleiben nur allzufest unserer Liebe getreu.
Denn von der friedlichen Kunst wird milder und sanfter das Herz auch,V. 545. Aus Sarr. und vier anderen Quellen hat Heinsius mollimur aufgebracht unter Berufung auf den häufigen Gebrauch dieses Gräcismus bei Ovid. Dieser Gräcismus beim verbo finito ist aber keineswegs so häufig bei Ovid, wenn man zumal die Stellen abrechnet, wo Heinsius ihn erst aufgebracht hat, und beschränkt sich meist nur auf Begriffe, die in eine mediale Bedeutung übergehen. Wir haben daher die Lsrt der besten Hdschrften mollitur wiederhergestellt.V. 545. Für placida andere Lsrten blanda und nostra. Placida ars entspricht dem lectus et umbra und bildet Gegensatz zu forum.
    Und dem Berufe gemäß bilden die Sitten sich aus.
Gegen die Sänger beweist willfährig euch; ihnen ja wohnet
    Gottheit innen und sind die Pieriden geneigt.V. 548. Die Pieriden; s. unsern Index zu Verw.
Gottheit wohnet in uns, mit dem Himmel haben wir Umgang;
    Zuweht dieser Geist uns aus ätherischem Raum.
Von den gebildeten Dichtern ist Lohn zu hoffen Verbrechen.
    Doch wo scheute sich wohl dieses Verbrechens ein Weib?
Laßt's nicht merken jedoch; tragt nicht an der Stirne die Raubsucht.
    Sehn sie das Netz, so stehn neue Bewerber zurück.
Wie der Lenker das Roß, das jüngst den Zügel gefühlt erst,V. 555 f. Vector gegen die gem. Lsrr rector wird auch durch victor in mehreren bestätigt. Dann haben wir für das von Heinsius aufgenommene und bis jetzt beibehaltene comparibus aus den vorzüglichsten Quellen cum paribus hergestellt, wofür sich schon Burmann entschied unter Berufung auf Festus Funebres tibiae cum quibus in funere canitur. S. auch unsern Index zu Verw. unter Cum. Endlich hat Heinsius unter regit, reget und regat natürlich das Letztere vorgezogen, so schwach es auch (von drei ungenannten Hdschrften) bezeugt ist.
    Nicht mit gleichem Gebiß wie das geschulte regiert;
So nicht geht man den nämlichen Weg, die blühende Jugend
    Wie durch der Jahre Gewicht festere Herzen zu fahn.
Hier der Neuling, zuerst in Amors Lager bekannt jetzt,V. 559 ff. Ein Neuling in der Liebe ist vor Bekanntschaft mit anderen Mädchen zu hüten, weil er leicht entzündlich ist und leicht abfällt. – Für inhaereat ein Theil der Quellen adhaereat.
    Welcher, ein frischer Fang, deinem Gemache genaht,
Kenne nur dich allein, sei stets dir einzig ergeben.
    Hohes Gehege zu ziehn hat man um solcherlei Saat.
Flieh' die Rivalin; du siegst, so lange allein du ihn fesselst.
    Non bene cum sociis regna Venusque manent.
Ille vetus miles sensim et sapienter amabit,
    Multaque tironi non patienda feret.
Nec franget postes, nec saevis ignibus uret,
    Nec dominae teneras appetet ungue genas.
Nec scindet tunicasve suas tunicasve puellae;
    Nec raptus flendi causa capillus erit.
Ista decent pueros aetate et amore calentes;
    Hic fera composita vulnera mente feret.
Ignibus hic lentis uretur, ut humida taeda,
    Ut modo montanis silva recisa iugis.
Certior hie amor est, brevis et fecundior ille.
    Quae fugiunt, celeri carpite poma manu.
Omnia tradantur: portas reseravimus hosti;
    Et sit in infida proditione fides.
Quod datur ex facili, longum male nutrit amorem:
    Miscenda est laetis rara repulsa iocis.
Ante fores iaceat: Crudelis ianua, clamet;
    Multaque submisse, multa minanter agat.
Dulcia non ferimus: succo renovemur amaro.
    Saepe perit ventis obruta cymba suis.
Hoc est, uxores quod non patiatur amari:
    Conveniunt illas, cum voluere, viri.
Obde forem, et duro dicat tibi ianitor ore
    Non potes; exclusum te quoque langet amor.
Ponite iam gladios hebetes; pugnetur acutis.
    Nec dubito, telis quin petar ipse meis.
Dum cadit in laqueos captus quoque nuper amator,
    Solum se thalamos speret habere tuos.
Postmodo rivalem partitaque foedera lecti
    Sentiat: has artes tolle, senescet amor.
Tum bene fortis equus reserato carcere currit,
    Cum, quos praetereat quosque sequatur, habet.
Quamlibet extinctos iniuria suscitat ignes.
    En, ego, confiteor, non nisi laesus amo!
Causa tamen nimium non sit manifesta doloris,
   
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        Nicht mit Genossen ja theilt Herrschaft und Liebe sich gut.
Dort der alte Soldat wird zögernd und weise nur lieben,
    Vieles ertragen auch, was nimmer der Neuling erträgt;
Wird nicht Thüren erbrechen, noch brennen in wüthenden Flammen,
    Noch die Gebieterin auch kratzen ins zarte Gesicht;
Noch sein eignes Gewand, noch das der Geliebten zerreißen,
    Noch durch Entraufen des Haars Quelle der Thränen ihr sein.
Knaben geziemt solch Thun, die glühen von Jugend und Liebe;
    Dieser jedoch erträgt grausame Wunden gefaßt.V. 572. Dieser, der alte Soldat.
Nur in schmauchendem Qualm brennt dieser, wie wäßrige Fackeln,V. 573. Für taeda haben viele Hdschrften faena (foena), viele ligua.
    Wie auf bergigen Höhn eben geschlagenes Holz.
Sicherer ist dies Lieben; nur kurz, doch ergiebiger jenes.V. 575. Dies Lieben, des alten Soldaten; jenes, des Neulings. Statt brevis, für welches der folgende Vers entschieden spricht, lesen viele Quellen gravis, statt et mehrere alte Ausgaben at, anderer einzelner Abweichungen nicht zu gedenken.
    Pflücket die flüchtige Frucht, pflückt sie mit eiliger Hand.
Alles liefer' ich aus, dem Feind aufschloß ich die Thore;V. 577 f. Der Dichter vergleicht sich in Bezug auf die rücksichtslose Darlegung des Wesens der Männer mit dem Verräther einer Festung und fügt hinzu, daß eben in der Treulosigkeit des Verrathes die Bürgschaft für die Wahrheit seiner Eröffnungen liege. Für den des Lateinischen unkundigen Leser sei bemerkt, daß das Lateinische Wort ausliefern zugleich das eigentliche Wort vom Lehrer ist, also mittheilen, vortragen, darlegen bedeutet. – Einige Hdschrften geben die Futura tradentur und reserabimus. Dann haben einige Quellen ut sit, einige et fit, wofür Heinsius gleich mit sit sua bei der Hand war.
    Im treulosen Verrath liege des Wortes Gewähr.
Was zu leicht man gewährt, nährt schlecht nachhaltige Liebe;V. 579. Nachhaltige, d. h. die nachhalten soll.
    Mischen mit frohem Genuß müßt ihr bisweilen den Korb.
Laßt vor der Thür ihn liegen und schrein: O grausame Thüre,
    Bald mit Bitten ihn sich, bald sich vernehmen mit Drohn.
Süßes vertragen wir nicht; neu stärke ein bitterer Saft uns.V. 583. Die gemeine Lsrt renovamur giebt zwar einen ganz guten Sinn, gleichwohl ist der von Heinsius hier mit Recht aus Cod. Reg.. gegebene Conjunctiv, für den auch einige andere mit removemur zeugen, noch passender.
    Oft geht unter ein Kahn, wehet zu günstig der Wind.
Dieses der Grund, der nicht läßt lieben die eigenen Weiber:
    Weil es den Männern erlaubt, wann sie nur wollen, zu nahn.
Schließe die Thür', und es sage dir barsch der Hüter: du kannst nicht;V. 587 f. Wenn du dagegen die Thüre zum Gemache deiner Ehefrau schließest und dir von dem Hüter (s. zu Liebeserg. II, 2, 1) sagen lässest, daß du nicht zu ihr könnest; so wird &c. – Zwischen adde (Reg.) und obde (Sarr.) schwanken, wie gewöhnlich, die Hdschrften. Letzteres ist von dem Urdrucke an eingebürgert und scheint hier auch den Sinn bestimmter auszudrücken. Nach der offenbaren Glosse claude fores duro träumte Heinsius von einem Cede foro et. Nach den Anführungszeichen hinter amor zu schließen, läßt Baumgarten-Crusius die Worte exclusum &c. noch vom Thürhüter sagen, gewiß irrthümlich.
    Wird, bist aus du gesperrt, fassen die Liebe auch dich.
Legt die stumpfen Schwerter nun weg und kämpfet mit scharfen.V. 589. Ihr seid nun unterrichtet genug, um die stumpfen Schwerter, die Rapiere, wie es oben von Amor hieß, wegzulegen und zu scharfen Waffen zu greifen, zur Praxis überzugehen.
    Meine Waffen gekehrt seh' ich wohl gegen mich selbst?
Während, gefangen erst jüngst, eingeht in die Schlinge der Freier,V. 591. Das quoque wissen wir nicht zu erklären. Cod. Ment. hat zwar modo, offenbar aber nur ein Besserungsversuch, der jedoch äußerlich dem quoque wenigstens näher steht, als das von Heinsius vorgeschlagene, wenn auch sinngemäße tibi. Noch ist cadat als Lsrt und factus für captus in einer Hdschrft zu bemerken.
    Laß ihn hoffen, allein werd' er besitzen dein Bett.
Bald mag Nebenbuhler und Theilung des Bettes er merken.
    Ohne Gebrauch der Kunst gehet die Liebe zu Grab.
Gut dann läuft ein muthiges Roß nach eröffneter Schranke,
    Reizen es andere an neben und vor ihm zum Lauf.
Selber erloschene Gluth weckt wieder erlittene Kränkung.V. 597. Quamlibet geben Reg., Arond. und ein Pat, andere quaelibet, noch andere quoslibet; dann einige wenige suscitet, einer auch sustinet.
    Ja, ich kann, ich gesteh's, lieben nur, bin ich gekränkt.
Aber die Ursach sei nicht allzudeutlich des Schmerzes;V. 599. Die Ursach des Schmerzes, dasjenige, wodurch er sich gekränkt fühlen soll.
    Pluraque sollicitus, quam sciat, esse putet.
Incitet et ficti tristis custodia servi
    Et nimium duri cura molesta viri.
Quae venit ex tuto, minus est accepta voluptas.
    Ut sis liberior Thaide, finge metus.
Cum melius foribus possis, admitte fenestra,
    Inque tuo vultu signa timentis habe.
Callida prosiliat dicatque ancilla: Perimus!
    Tu iuvenem trepidum quolibet abde loco.
Admiscenda tamen venus est secura timori,
    Ne tanti noctes non putet esse tuas.
Qua vafer eludi possit ratione maritus,
    Quaque vigil custos, praeteriturus eram.
Nupta virum timeat, rata sit custodia nuptae.
    Hoc decet, hoc leges iusque pudorque iubent.
Te quoque servari, modo quam vindicta redemit,
    Quis ferat? Ut fallas, ad mea sacra veni.
Tot licet observent, – assit modo certa voluntas –
    Quot fuerant Argo lumina, verba dabis.
Scilicet obstabit custos, ne scribere possis,
    Sumendae detur cum tibi tempus aquae?
Conscia cum possit scriptas portare tabellas,
    Quas tegat in tepido fascia lata sinu?
Cum possit sura chartas celare ligatas,
    Et vincto blandas sub pede ferre notas?
Caverit haec custos, pro Charta conscia tergum
    Praebeat inque suo corpore verba ferat.
Tuta quoque est fallitque oculos e lacte recenti
    Litera: carbonis pulvere tange; leges.
Fallet et humiduli quae fiet acumine lini
    Et feret occultas pura tabella notas.
Affuit Acrisio servandae cura puellae;
    Hunc tamen illa suo crimine fecit avum.
Quid faciat custos, cum sint tot in urbe theatra?
    Cum spectet iunctos illa libenter equos?
Cum sedeat Phariae sistris operata iuvencae,
    Quoque sui comites ire vetentur, eat?
Cum fuget a templis oculos Bona Diva virorum,
    Praeterquam si quos illa venire iubet?
Cum, custode foris tunicas servante puellae,
    Celent furtivos balnea multa viros?
Cum, quoties opus est, fallax aegrotet amica
    Et cedat lecto quamlibet aegra suo?
Nomine cum doceat, quid agamus, adultera clavis,
    Quasque petas non det ianua sola vias?
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        Mehr, vermuth' er besorgt, sei es, als wirklich er weiß.
Auch die mürrische Hut reiz' eines erdichteten Sclaven
    Ihn und die lästige Sorg' eines zu harten Gemahls.
Minder erfreuet Genuß, der ohne Gefahr uns zu Theil wird;V. 603. Ex voto Vat..
    Seist du wie Thais frei, heuchle Besorgnisse doch.V. 604. Thais, berüchtigte Geliebte Alexanders des Großen, nach dessen Tode Geliebte und zuletzt Gemahlin des Ägyptischen Königs Ptolemäus.
Laß durchs Fenster ihn ein, ging' auch durch die Thüre es besser;V. 605. Fenster s. in unsrem Index zu Verw.
    Und in deinem Gesicht lese er Zeichen der Furcht.V. 606. Cod. Pal. ut melius, jedenfalls aus dem vorhergehenden Verse. Dann geben die meisten Hdschrften seltsamer Weise verba für signa, Pat. timoris für timentis. Vergl. Rem. 510.
Listig gesprungen auch komme die Magd und rufe: Verloren!
    Bergen den Zitternden dann mußt du, wo immer du kannst.
Doch ist auch sorgloser Genuß mit der Furcht zu verbinden,V. 609. Für admiscenda ein Theil der Hdschrften sed miscenda.
    Daß er für werthlos nicht halte die Nächte bei dir.
Wie den verschlagenen Mann, nicht minder den wachsamen Hüter
    Haben zum Besten man kann, wollte berühren ich nicht.
Fürcht', o Gattin, den Mann und laß dir die Wache gefallen.V. 613. Gattin ist hier von der freigebornen, ebenbürtigen Ehefrau zu verstehen.
    Dieses geziemt, dies will Ehre und Recht und Gesetz.V. 614. Mehrere vorzügliche Quellen geben für ius höchst unpassend dux, obwohl es sich nach Heinsius von der lex Julia verstehen ließe.
Daß man auch dich bewacht, die eben der Stab erst erlöst hat,V. 615. Die eben der Stab erst erlöst hat, die kürzlich erst freigelassen worden ist. Die gewöhnliche Freilassung eines Sclaven geschah dadurch, daß der Prätor demselben einen Schlag mit einem Stabe (festuca) gab. – Von dieser Art der Freilassung sagte man, sie geschehe per vindictam. Daher hier quam vindicta redemit.
    Wer ertrüg' es? So laß weihen zum Trug dich von mir.
Mögen auch Augen so viel dich bewachen, als Argus besessen,V. 617. Argus s. in unsrem Index z. Verw. – Die Hdschrften schwanken zwischen certa, vera, grata, vestra; auch sola (die Berner). Es ist kein Grund vorhanden, von dem hergebrachten certa abzugehen. Auffallend ist dagegen, daß die besten Quellen voluptas geben, das doch gewiß unzulässig und nur aus Irrthum entstanden ist. Burmann verweist zum Überflusse auf Am. II, 3, 16.
    Wirst du sie hintergehn, wenn du den Willen nur hast.
Wird im Wege etwa der Hüter dir stehen zu schreiben,
    Da man die nöthige Zeit Wasser zu nehmen dir gönnt?V. 620. Benutze zum Schreiben die Zeit, wo du dich angeblich wäschest und der Hüter folglich nicht gegenwärtig ist. S. zu Liebeserg. III, 7, 84.
Da Botschaften im Brief kann eine Vertraute doch tragen,
    Die an der warmen Brust unter der Binde ihn birgt?V. 622. Über die Binde s. oben zu V. 274. – Minder beglaubigte Lsrt in medio.
Da sie doch kann das Papier, an der Wade befestigt, verbergen,V. 623 f. Vor Erfindung des Pergaments und nachher neben demselben bediente man sich außer den Wachstafeln zum Schreiben des Bastes der Ägyptischen Papyrusstaude – daher das Wort Papier – und als Feder eines gleich dieser zugeschnittenen Rohrs. Als Dinte diente theils eine schwarze Farbe, die mehr Körper hatte, als unsere Dinte, theils der Saft der Sepia. Übrigens s. oben zu V. 271. – Für chartas einige Hdschrften ceras, auch ceram, Solea für sura in einigen widerlegt sich durch den Pentameter.
    Unter gebundenem Fuß tragen die Worte der Gunst?
Sähe der Hüter das vor, so reich' als Papier die VertrauteV. 625 f. Wenn die Vorsicht und Wachsamkeit des Hüters dies verhindern sollte, so diene der Rücken der Vertrauten selbst als Papier, worauf der Brief geschrieben werde.
    Dar den Rücken; die Schrift trage ihr eigener Leib.
Sicher auch sind und entgehen dem Blick Buchstaben mit frischerV. 627 ff. Becker Gallus II, 316 bemerkt mit Bezug auf diese Stelle. »Eine künstliche sympathetische Dinte, welche die Schrift nur bei einer gewissen Behandlung dem in das Geheimniß Eingeweihten zeigen sollte, scheinen die Alten nicht gekannt zu haben. Dagegen war ihnen für solchen Zweck der Gebrauch einiger natürlicher Substanzen, wie der Milch oder eines saftenden Leinstengels nicht fremd.« – In Bezug auf den saftenden Leinstengel bestehen jedoch Zweifel, da die Lsrt noch keineswegs fest steht. Zwei Codices nämlich geben ex humili für humiduli, Apros. qua fit, Vat. liquefiet für quae fiet; dann findet sich a oder de semine für acumine, endlich ligni für lini. Heinsius vermuthete alumine nitri, Burmann alumine limi mit Beibehaltung des übrigen Theils des Verses, wie er im Texte oben lautet. Den Pentameter meint Letzterer außerdem von einer anderen Täuschung verstehen zu müssen, da bisher von Schrift auf Papier oder Pergament, nicht auf Wachs, die Rede gewesen sei; man müsse denn tabella überhaupt für charta nehmen oder pura tabella von einer glatten, ebenen Wachstafel verstehen, in welcher Nichts mit dem Griffel eingegraben erscheine. Daß zwei Arten Täuschung gemeint seien, glauben wir nicht, sondern nehmen an, daß tabella in dem Sinne von schriftlicher Mittheilung in einem Briefe stehe, wobei, ob dieselbe auf Papier oder Wachstafel geschrieben sei, unentschieden bleibt, sowie sich auch über das von dem Empfänger anzuwendende Verfahren, um die mit dem saftigen Leinstengel gemachte Schrift zu lesen, keinerlei Vermuthung aufstellen läßt. Zierlich ist diese Schrift auf keinen Fall gewesen.
    Milch; thu Kohlenstaub drüber, so liest du sie leicht.
Auch ein Briefchen, gemacht mit der Spitze des saftigen Leines,
    Täuschet und bringt, ganz rein, eine verborgene Schrift.
Wohl dem Acrisius lag's am Herzen, zu hüten die Tochter;V. 631 f. S. zu Verw. 4, 611.
    Zum Großvater ihn doch machte des Mädchens Vergehn.
Was soll machen der Hüter, da sind so viele Theater?
    Da die Gebieterin schaut Rossegespanne so gern?V. 634. Rossegespanne, die Wettfahrten im Circus. S. zu Liebeserg. III. 2, 1 und oben I, 99.
Da den Klappern der Pharischen Kuh ergeben sie dasitzt,V. 635 f. Vergl. oben V. 270. 393. I, 77. zu Verw. 9, 693. zu Liebeserg. I, 8, 74. – Bei operata gewöhnliche Variante operosa; dann suae comites iubentur, Bern. verentur.
    Gehet, wohin zu gehn ihren Begleitern verwehrt?
Da von den Tempeln verbannt die Gütige Göttin der MännerV. 637 f. S. oben zu V. 244. – A templis haben wir hergestellt für das von Heinsius aus drei ungenannten Hdschrften aufgenommene e templis, wonach sie schon darin gewesen wären, während sie gar nicht hinein durften.
    Augen, nur derer nicht, die sie zu kommen bestellt?
Da die Menge der Bäder verbirgt verstohlene Männer,V. 639 f. Tägliches Baden, oft mehrmaliges, gehörte wesentlich zur Pflege des Körpers. Vergl. zu Verw. 8, 654. Wohlhabendere hatten Bäder in ihren eigenen Häusern. Für minder Bemittelte, oder wer sonst Gebrauch davon machen wollte, gab es zahlreiche allgemeine Badeanstalten, wo gegen Bezahlung gebadet wurde. Sclaven, bei Frauen die Hüter, trugen den Herrschaften die nöthigen Geräthe, als Striegel, Bürsten, Salben &c. nach und bewachten die Kleidungsstücke, über deren Entwendung oft Klage geführt wird. Daß die Bäder auch willkommene Gelegenheit zu verliebtem Umgange boten, läßt sich leicht denken und ergiebt sich aus unserer Stelle hier. – Aus einer einzigen Quelle, den Esc. Jur., hat Heinsius tuta für multa aller übrigen gegeben. So dichterisch und sinngemäß dies aber auch an sich sein würde, so ist es doch auf keinen Fall echt und drückt folglich nicht den vom Verfasser beabsichtigten Sinn aus, daß es nämlich viele dergleichen Badeanstalten gab, und die Gelegenheit zu so gesuchtem Genusse leicht und überall sich darbot, der Hüter also ein schwieriges Amt hatte. Viros wird von mehreren der besten Hdschrften bezeugt gegen die gem. Lsrt iocos.
    Während des Mädchens Gewand draußen der Hüter bewacht?
Da, so oft sie es braucht, betrüglich die Freundin erkranketV. 641 f. Die Freundin, nämlich des Mädchens, welche sie nun besucht und von ihr, wenn sie auch wirklich krank sein sollte, dennoch das Bett zu ihrem Gebrauche mit dem Liebhaber eingeräumt erhält. – Diese treffende Erklärung von amica hat schon Micyll gegeben, obgleich er die richtige Lsrt cedat, die Reg., Apros. und Exc. Scal. bieten, nicht kannte, sondern celet l. quemlibet &c. oder tollat et in l. quemlibet aegra suum las. Cedat wird übrigens auch durch credat in Farn. bestätigt. Die Verderbniß von quamlibet in quemlibet hat wahrscheinlich zu celet oder tollat als nothwendiger Verbesserung Veranlassung gegeben.
    Und, so krank sie auch ist, ein doch das Lager ihr räumt?
Da Nachschlüssel uns auch, was thun wir sollen, belehren?V. 643 ist zwar auch so nicht ohne Sinn, hat aber im Lateinischen einen weit bestimmteren, indem ein Nachschlüssel Ehebruchschlüssel oder Buhlschlüssel heißt. Der Ausdruck wird nämlich überhaupt auf alles Unechte übergetragen. – Andre Lsrt quid agatur.
    Auch nicht einzig die Thür Wege zum Kommen erschließt?V. 644. Vergl. vorher V. 605 und oben II, 245. – Die vorzüglichern Quellen geben zwar petes (eine potes), einige aber doch das wohl allein richtige petas.
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