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Liebe und Leben der Lady Hamilton

Heinrich Vollrat Schumacher: Liebe und Leben der Lady Hamilton - Kapitel 26
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typefiction
authorHeinrich Vollrat Schumacher
titleLiebe und Leben der Lady Hamilton
publisherVerlag von Rich. Bong in Berlin
printrun150. bis 179. Tausend
year1910
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Sechsundzwanzigstes Kapitel

Lächelnd ging sie zu ihm, erklärte ihm Toms Anwesenheit. Und daß sie den alten Freund nach Edgware Row eingeladen hatte. Natürlich unter der Voraussetzung, daß Greville es erlaubte.

Greville schien kaum zu hören, was sie sagte. Über Tom glitt sein Blick hinweg, als sähe er ihn nicht. Er hatte Eile. Unten wartete der Wagen, mit dem sie nach Haus fahren wollten. Ungeduldig trieb er Emma, sich umzukleiden.

Tom hatte schweigend abseits gestanden und zugehört.

Nun, da Emma das Zimmer verlassen wollte, kam er zu ihr, um Abschied zu nehmen. Seine Stimme zitterte, mühsam brachte er die Worte heraus.

»Ihr Geburtstag ist ja heute, Miß Emma, und da darf auch Tom Kidd Ihnen vielleicht Glück wünschen. Für diesen Tag, für dieses Jahr, für Ihr ganzes Leben. Grüßen Sie die Mutter. Ich hätte sie gern gesehen, aber es kann nicht sein!«

Herzlich drückte sie ihm die Hand.

»Warum nicht, Tom? Es ist nicht weit nach Edgware Row.«

»Es kann nicht sein, Miß Emma! Ich muß mit Kapitän Nelson schon morgen nach Cork in Irland. Da wartet die Flotte. In einer Woche sind wir dann auf hoher See. Leben Sie wohl, Miß Emma, leben Sie wohl!« Noch einmal sah er sie an mit einem langen Blick. Dann wandte er sich zu Greville und seine eben noch zitternde Stimme wurde plötzlich fest und hart. »Tom Kidd ist nur ein einfacher Mann, Euer Gnaden, und weiß seine Worte nicht nach vornehmer Leute Art zu setzen. Aber was er weiß, ist, daß er Amy Lyon kennt, seit sie ihre ersten kleinen Schritte machte. Und daß sie des Höchsten und Schönsten wert ist, was es auf der Welt gibt. Seien Sie gut zu ihr, Sir Greville! Machen Sie Amy Lyon glücklich! Damit auch Sie glücklich werden. Und damit es Ihnen nicht so geht, wie ... wie es einem anderen gehen würde, wenn ... wenn ein Engel nicht für ihn gebeten hätte!«

Er sah Greville starr in die Augen. Mit jenem schrecklichen Blicke, mit dem er vorhin Sir Johns Namen genannt hatte.

Und wie ein Versprechen fordernd, streckte er seine Hand gegen Greville aus.

Einen Augenblick standen sie sich gegenüber. Dann wandte sich Greville ab. Mit einem hochmütigen Lächeln. Toms Hand sank nieder. Langsam ging er zur Tür.

Emma eilte ihm nach und legte ihre Arme um seinen Hals.

»Leb' wohl, Tom, du Lieber, Guter, Treuer! Denk' ohne Groll an mich. Und behalte mich ein wenig lieb.«

Sie hob sich zu seinem Munde empor. Küßte ihn mit einem langen Kusse.

Es war ihr, als werde sie sein ehrliches Gesicht nun niemals, niemals wiedersehen.

– – – – – – – –

Verflogen war die warme, weiche Stimmung des Morgens, vergällt der ganze Tag. Am liebsten wäre sie bei Romney geblieben, gar nicht nach Edgware Row mitgefahren. Aber die Mutter war dort. Über die Demütige würde Greville seinen ganzen Zorn ausgießen ...

Hastig zog sie sich um. Wenn Romney nicht mehr dabei war, würde Greville auf sie eindringen mit seinen Vorwürfen. Aber er sollte nur kommen. Sie würde nicht mehr zu allem schweigen. Antworten würde sie ihm. Sie dürstete danach. Die Schale war voll. Sein Benehmen gegen Tom brachte sie zum Überlaufen.

Während der Fahrt saßen sie stumm nebeneinander. Der Kutscher hinderte Greville wohl, schon jetzt anzufangen.

In Edgware Row wurden sie von der Mutter erwartet. Ihr lächelndes Gesicht trübte sich, als sie die Mienen der Aussteigenden gewahrte. Hastig nahm sie Greville die Pakete ab und trug sie ins Wohnzimmer, während er den Kutscher entlohnte. Emma stieg sofort die Treppe zum Oberstock empor.

»Komm zur Mutter, Emma!« tönte Grevilles laute, befehlende Stimme ihr nach. »Ich habe mit dir zu sprechen.«

Emma nannte er sie, nicht Emily ...

Ruhig ging sie weiter.

»Ich erwarte dich in meinem Zimmer!«

»Deine Mutter ...«

»Bring' meine Mutter nicht ins Spiel! Sie hat nichts mit uns zu tun!«

Sie ließ die Tür hinter sich offen. Gleich darauf war er bei ihr. Und sofort begann er.

Hatte sie vergessen, was sie miteinander abgemacht hatten? Gehorsam hatte sie ihm gelobt, hatte ihm versprochen, seinen Weisungen zu folgen, Wie aber hielt sie nun ihr Wort?

Schon damals hatte er an ihr gezweifelt. Deshalb hatte er sie nach Hawarden geschickt. Damit sie in der Stille der kleinen Stadt, unter dem Einfluß der Mutter zur Besinnung kam, ihre Fehler bereute, sich besserte. Aber ihr Leichtsinn, ihr Aufbrausen, ihr Trotz brachen immer wieder hervor. Hatte sie nicht gegen sein Verbot an Romney um Geld geschrieben? Um nach London zu kommen? Dann, in Edgware Row – zu arbeiten hatte sie ihm versprochen. Unlustig aber ging sie an ihre Aufgaben, saß lieber den ganzen Tag in den Winkeln umher, grübelte über alberne Ideen. Wollte ein Kind haben.

»Und nun heute wieder! Ich tue alles, deine Vergangenheit auszulöschen, lade hochstehende Verwandte und Freunde ein, will dir einen neuen Lebenskreis verschaffen! Und du –? Dem ersten besten fällst du um den Hals, erzählst ihm alles, forderst ihn auf, hierherzukommen. Ein Matrose, ein Mensch aus der niedrigsten Hefe des Volkes! Er soll wohl umhergehen und prahlen und die vornehme Liebschaft seiner Kusine unter die Leute bringen? Wahrhaftig, Emma, wenn ich dich nicht lieb hätte ... Aber nimm dich in acht! Alles hat seine Grenzen! Kommt derartiges noch einmal vor, dann ...«

»Dann ...?«

»Dann ... ich bin es meinem Namen und meiner Stellung schuldig ... dann wäre alles zwischen uns aus! Alles!«

Er wandte sich schroff ab, um aus dem Fenster in den Garten hinabzustarren.

Vor ein paar Stunden hatte auch Emma dort gestanden. Sich nach der Sonne dieses Tages gesehnt. Liebe und Dank im Herzen.

Bitterkeit stieg in ihr auf.

»Alles wäre zwischen uns aus!« wiederholte sie langsam. »Nun denn, ich kann dir nicht dafür bürgen, daß es nicht wieder vorkommt. Wenn deine Liebe mich nicht nehmen kann, wie ich bin ... ist es nicht besser, du machst gleich ein. Ende? Ehe es dir weh tut?«

Er fuhr herum, machte einen Schritt zu ihr hin.

»Emily ...«

Er nannte sie wieder Emily...

»Ich habe dich ausreden lassen, ohne dich zu unterbrechen. Willst du nun auch meine Gedanken hören? Die Gedanken eines unvernünftigen, mit Fehlern bedeckten Geschöpfes? Gewiß, ich habe gefehlt, als ich mit Tom sprach. Aber was kann Tom dafür? Durftest du ihn deswegen schlecht behandeln? Das hast du getan. Hast ihm kaum zugehört, seine Hand absichtlich nicht beachtet, ihm hochmütig den Rücken gekehrt. Wer gibt euch stolzen Lords denn das Recht, verachtungsvoll auf die schwieligen Hände des Volkes herabzusehen? Verdankt ihr ihnen nicht euer Geld, eure Macht? Wenn Lordstöchter Liebesverhältnisse haben und uneheliche Kinder zur Welt bringen, wie Lady Worseley und Miß Payton, wenn sie halbnackt bei Ressourcen und Hofbällen erscheinen, dann gilt das als amüsant und geistvoll, dann klatscht ihr Beifall. Wenn aber ein Mädchen aus dem Volke von einem Lordssohn vergewaltigt wird, wenn sie, um ihrem Kinde Brot zu schaffen, dasselbe tut, wie jene Lordstöchter, dann nennt ihr das frech und gemein. Eines solchen Mädchens muß man sich schämen. Man darf sie wohl zur Mätresse nehmen, aber man muß sie verstecken. Hinter einer falschen Ehrbarkeit, hinter einem falschen Namen. Ahnst du nun, was mich quält und zu allem unlustig macht? Als du mir deinen Plan auseinandersetztest, wußte ich es selbst nicht. An dem Tage, als die Mutter den ehrlichen Namen meines Vaters fortwerfen mußte, fühlte ich es dunkel. Heute aber weiß ich es gewiß. Ich kann nicht lügen. Es ist gegen meine Natur.«

Langsam stand sie auf und trat vor ihn. »Und ich will es auch nicht! Hörst du, Charles? Ich will nicht lügen!«

Mit festem Blick sah sie ihm gerade in die Äugen.

Er lachte zornig auf, wich ihrem Blicke aus.

»Du machst mir ja schöne Eröffnungen!« stieß er heraus. »Im letzten Augenblick! Um mich zu überrumpeln! Das hat dir wohl dieser Kerl mit dem Verbrechergesicht eingegeben? Zeit genug hattet ihr ja, euch zu besprechen, da der Schwächling von Romney euch allein ließ!«

Verwundert wich sie einen Schritt zurück.

»Ich verstehe dich nicht! Was hat Tom damit zu tun?«

Er hörte nicht. Er schäumte vor Wut.

»Wie hat er dich überhaupt gefunden? An das Märchen von dem Bilde soll ich doch nicht etwa glauben? Geschrieben hast du ihm, daß er kommen soll! Um mit ihm über den Idealisten zu lachen, der einen Menschen retten will. Ja, das ist der Plan! Deine Mutter ist schon hier. Nun kommt dieser sogenannte Vetter. Und eines Tages wird auch das Kind da sein.« Er lachte grell, voll Hohn. »Das Kind des Sir Willet Payne!«

Entsetzt schrie Emma auf.

»Charles! Das? Das? Das kann doch nicht dein Ernst sein! Du kannst doch nicht glauben, daß Tom und ich...?«

»Was weiß ich, was wahr ist! Als du ihn küßtest, diesen schmutzigen Kerl – er schien daran gewöhnt zu sein! Der liebe, gute, treue Tom!«

Unwillkürlich hielt er inne. Ein Stöhnen kam aus ihrer Brust...

Sie war vor ihm zurückgewichen, lehnte an der Wand. Wie einen Halt suchend, fuhren ihre Hände über die Fläche. In sich zusammengekrümmt stand sie, schwankte hin und her, bleichen Schrecken in den weit aufgerissenen Augen.

Scheu sah er hin. Ein langes, schwüles Schweigen herrschte.

»Nun ja, ich habe mich hinreißen lassen!« preßte Greville dann heiser hervor. »Ich bedauere es. Um deinetwillen, wie um meinetwillen. Aber ich kann von meiner Forderung nicht abgehen. Erfüllst du sie, soll alles vergessen sein. Erfüllst du sie nicht...«

Er machte eine scharfe, schneidende Handbewegung. Dann ging er. Hinter ihm fiel die Tür ins Schloß.

– – – – – – – –

Wie lange hatte sie so gestanden?

Als die Stimme der Mutter zu ihr hereindrang schreckte sie auf.

»Du mußt dich anziehen, Amy! Sir Grevilles Gäste werden gleich kommen!«

»Ja, ja...«

Warum kam die Mutter nicht herein? Wer hatte die Tür abgeschlossen?

Ach ja, Emma hatte es selbst getan...

Diese bohrenden Schmerzen in den Schläfen, in den Augenhöhlen!

Fortwährend zuckten die Lider hin und her. Und im Nacken, wo der Hals anfing – was stach sie dort, wie mit einer spitzen Nadel?

Kühles Wasser würde ihr wohltun. Und es war auch Zeit, sich anzukleiden...

Nun fuhr schon ein Wagen vor. Charles sprach. Er empfing seine Freunde.

Sehr schön mußte sie sich machen. Damit er Ehre mit ihr einlegte. Das schwarzseidene Kleid würde sie anziehen, mit dem grünen Halseinsatz. Es sah vornehm aus. Und doch auch freundlich. Es paßte gut zu dem Haar, in dem er so gern wühlte.

Aber ihre Wangen waren heute sehr rot. Von dem schrecklichen Kopfschmerz kam's. Wenn sie etwas Weiß auflegte...

Nein, Charles liebte das nicht. Und der Kopfschmerz würde auch vergehen...

Ein zweiter Wagen kam...ein dritter... vierter...

Nun waren sie wohl alle da. Gleich würde Greville seine Emily holen. Um sie den vornehmen Herren und Damen vorzustellen.

Ach, was war es doch, was sie ihnen sagen wollte? Hatte sie es nicht mit Charles verabredet?

Diese Schmerzen! Als schlüge ihr jemand mit einem Hammer auf den Kopf!

Es würde ihr wieder einfallen. Oder sie würde Charles danach fragen, wenn er sie holte.

Da kam er schon.

Nein, es war Sophie, das Hausmädchen...

»Ja, Sophie! Ich komme sofort!«

Warum holte er sie nicht selbst?

Aber er durfte seine Freunde doch nicht allein lassen! Jetzt konnte sie ihn nicht fragen, was sie sagen sollte.

Was war es doch gewesen?

– – – – – – – –

Wie die Treppe knarrte!

Ach, das Haus war alt. Vielleicht wußte Charles ein Mittel gegen das häßliche Geräusch. Er wußte ja alles...alles...

Drinnen lachten sie. Einer ganz laut. Ein anderer in tiefem Baß. Das war wohl Charles' Bruder, Oberst Robert Fulke Greville. Oder Gavin Hamilton, der Maler...

Ach, daß Romney nicht da war! Er hätte es ihr zugeflüstert, was sie den Leuten sagen sollte.

Was war es doch? Was war es?

– – – – – – – –

Das ganze Zimmer war in roten Nebel gehüllt. Alles wogte durcheinander.

Jemand faßte ihre Hand, zog sie hinter sich her.

»Miß Emily Cadogan, die Tochter meiner Wirtin!«

Cadogan?

Ach ja! Das war es!

»Es ist nicht wahr! Ich heiße nicht Cadogan... ich heiße Emma Hart...Hebe Vestina...«

Warum schleuderte er ihre Hand fort? Und seine Augen – warum waren sie voll Zorn? Was hatte sie denn getan, daß er sie so stehen ließ?

Ach...ach...hatte sie doch gesagt, was sie nicht sagen sollte?

»Ich wußte es ja, Charles...ich...ich kann nicht...lügen...«

Das ganze Zimmer schwankte. In den Ohren brauste ein Wassersturz. Etwas schlug auf sie ein...

Alles wurde dunkel...still...

– – – – – – – –

Ein heftiges Fieber hatte sie gehabt, sagten die Ärzte. Der Londoner Nebel schadete ihr. Auch war wohl seit der Geburt des Kindes etwas in ihren Nerven gestört, daß sie sich so leicht und übermäßig erregte. Und daß sie so mißtrauisch war.

Greville stimmte den Ärzten bei. Aber er ging noch weiter. Alles suchte er aus dem Schweren herzuleiten, das sie in so jungen Jahren schon hatte erleben müssen.

Sir Johns Gewalttat hatte alles zertreten, was gut und vertrauensvoll in ihr gewesen war. Seitdem hatte der Argwohn in ihrem Herzen genistet – ein schleichendes Gift, das sich allmählich weiterverbreitet hatte, in ihr Blut eingedrungen war, schließlich ihr ganzes Wesen durchzogen hatte.

Vielleicht war der Keim auch schon früher gelegt worden. In jenen Tagen, da man Emma in der Schule der Mrs. Barker verhöhnt und gedemütigt hatte.

Krank war sie gewesen während dieser ganzen Zeit. Hatte alles, was ihr begegnete, in dem trüben Dunste einer vergifteten Phantasie gesehen. Hätte sie Grevilles Tun sonst so mißdeuten können?

Als er sie nach Hawarden schickte, war es geschehen, um sie den verderbten Kreisen Doktor Grahams und Sir Harrys zu entreißen. Nach Edgware Row war er mit ihr gezogen, um sie von einem ungesunden Luxus zu entwöhnen. Auf ihrer Beschäftigung mit den Wissenschaften hatte er bestanden, um ihrem Leben einen höheren, geistigen Inhalt als Gegengewicht gegen ihre Neigung zu sinnlichen Erregungen zu schaffen. Einen anderen Namen hatte er ihr gegeben, um ihr den Kampf gegen das Vorurteil der Welt zu ersparen und sie auch äußerlich ganz von ihrem früheren Leben zu scheiden.

War es da ein Wunder, wenn er zornig geworden war, als sie ihn so wenig verstand? Als sie seine Eifersucht durch ihr Benehmen gegen Tom reizte?

Diese Eifersucht – war sie nicht ein Beweis seiner tiefen Liebe, die das Bild der Geliebten nicht entstellt sehen wollte?

Sie jedoch hatte alles falsch aufgefaßt. Hatte bösen Willen, Eigennutz und Herrschsucht vermutet, wo nur zarte Fürsorge und liebevolle Voraussicht gewesen war.

Nun aber hatte diese Krise wohltätig hinweggeschwemmt, was krankhaft in ihr gegärt hatte. Nun war sie gesund, vermochte klar und ruhig zu urteilen. Erkannte sie nun, daß sie ihm unrecht getan hatte?

Dann sollte das Vergangene abgetan sein und sich niemals wieder zwischen sie stellen. Zwar wußten die Verwandten und Freunde nun, wer sie war. Aber er hatte ihnen gezeigt, daß die Schuld nicht bei Emma lag. Zartfühlende, gerechte Menschen waren sie, die ihr niemals einen Vorwurf machen würden.

Ein neues Leben konnten sie beginnen, Hand in Hand, einer den anderen stützend und fördernd in stiller, freudiger Arbeit. Glücklich würden sie miteinander werden.

Nur Vertrauen mußte sie zu ihm haben. Das Vertrauen, das sie ja auch ihren Ärzten schenkte...

– – – – – – – –

Am letzten Tage des Mai war es, als Greville so mit Emma sprach. Zum erstenmal seit jenem sechsundzwanzigsten April hatte sie ihr Krankenzimmer verlassen dürfen. Sie saßen im Garten einander gegenüber; über sie breitete ein Apfelbaum den rötlichen Schimmer seiner Zweige.

Weich schmiegte sich der blühende Maienschnee in das frische Laub der Bäume, Büsche, Hecken. Weißen Schmetterlingen gleich zogen leuchtende Blütenblättchen durch die stille Luft. Über grünen Wiesen, braunen Äckern jubelten unsichtbare Lerchen. Ein flirrender Duft stieg auf, der würzige Atem der jungen Erde.

Warm schien die helle Sonne. Zärtlich klang die Stimme des Geliebten. Schön war es zu leben.

Vor ihr auf dem Tisch lagen seine Hände, Diese schlanken, feingegliederten Hände einer höheren Rasse. Behutsam nahm sie sie auf, kehrte sie um. Küßte sie. Legte ihren Kopf hinein. Ihr Herz. Ihr ganzes, kampfmüdes Sein.

Vertrauen?

War er nicht der Arzt ihrer Seele?

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