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Lichtenberg. Ein verkleinertes Bild seines Gedankenlebens

Georg Christoph Lichtenberg: Lichtenberg. Ein verkleinertes Bild seines Gedankenlebens - Kapitel 7
Quellenangabe
typeaphorism
authorGeorg Christoph Lichtenberg
titleLichtenberg. Ein verkleinertes Bild seines Gedankenlebens
booktitleDenken mit Georg Christoph Lichtenberg
publisherDiogenes Verlag AG
editorEgon Friedell
year2009
isbn9783257238860
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20131207
modified20150330
projectid8943c1bd
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Beobachtungen über den Menschen

50. Was man seine Menschenkenntnis nennt, ist meistens nichts als Reflexion, Zurückstrahlung eigener Schwachheiten von anderen.   B

 

51. Ich habe immer gefunden, die sogenannten schlechten Leute gewinnen, wenn man sie genauer kennen lernt, und die guten verlieren.   B

 

52. Der Mann hatte so viel Verstand, daß er fast zu nichts mehr in der Welt zu gebrauchen war.   B

 

53. Das Höchste, wozu sich ein schwacher Kopf von Erfahrung erheben kann, ist die Fertigkeit, die Schwächen besserer Menschen auszufinden.   B

 

54. Wovon das Herz nicht voll ist, davon geht der Mund über, habe ich öfter wahr gefunden, als den entgegengesetzten Satz.   B

 

55. Er hatte bloß Feinheit genug, sich verhaßt zu machen, aber nicht genug, sich zu empfehlen.   B

 

56. Ich habe durch mein ganzes Leben gefunden, daß sich der Charakter eines Menschen aus nichts so sicher erkennen läßt, wenn alle Mittel fehlen, als aus einem Scherz, den er übel nimmt.   B

 

57. Es gibt wohl keinen Menschen in der Welt, der nicht, wenn er um tausend Taler willen zum Spitzbuben wird, lieber um das halbe Geld ein ehrlicher Mann geblieben wäre.   B

 

58. Vom Wahrsagen läßt sich wohl leben in der Welt, aber nicht vom Wahrheit sagen.   B

 

59. Bei den meisten Menschen gründet sich der Unglaube in einer Sache auf den blinden Glauben in einer andern.   B

 

60. Von dem Ruhme der berühmtesten Menschen gehört immer etwas der Blödsichtigkeit der Bewunderer zu; und ich bin überzeugt, daß solchen Menschen das Bewußtsein, daß sie von einigen, die weniger Ruhm aber mehr Geist haben, durchgesehen werden, ihren ganzen Ruhm vergällt. Eigentlich ruhiger Genuß des Lebens kann nur bei Wahrheit bestehen. Newton, Franklin, das waren Menschen, die beneidenswert sind.   B

 

61. Jeder arme Teufel sollte wenigstens zwei ehrliche Namen haben, damit er den einen daran wagen könnte, um den andern ins Brot zu bringen. So haben Schriftsteller anonymisch geschrieben. Man könnte sich dann mit dem einen noch wehren, wenn der andere abgeschnitten wäre.   B

 

62. Ich habe Leute gekannt, die haben heimlich getrunken, und sind öffentlich besoffen gewesen.   B

 

63. Er lese so gern, wie er sagte, Abhandlungen vom Genie, weil er sich immer stark darnach fühlte.   B

 

64. Wenn bei kleinen Personen alles gehörig stark und gut ist, so sind sie gewöhnlich lebhafter, als andere Menschen, weil bei gleicher Bluterzeugung weniger Masse zu versorgen ist. Zwerge und Riesen sind gemeiniglich gleich dumm, weil bei erstern die Kräfte fehlen, und bei letztern zu viel zu bestreiten ist. Vielleicht kommt es noch dahin, daß man die Menschen verstümmelt, so wie die Bäume, um desto bessere Früchte des Geistes zu tragen. Das Kastrieren zum Singen gehört schon hierher. Die Frage ist: ob sich nicht Maler und Poeten ebenso schneiden ließen?   B

 

65. Wenn jemand etwas sehr gern tut, so hat er fast immer etwas in der Sache, was die Sache nicht selbst ist. Dieses ist eine Bemerkung, die eine tiefsinnigere Untersuchung durch den nützlichsten Erfolg belohnen würde.   B

 

66. Die Leute, die niemals Zeit haben, tun am wenigsten.   B

 

67. In älteren Jahren nichts mehr lernen können, hängt mit dem in älteren Jahren sich nicht mehr befehlen lassen wollen, zusammen, und zwar sehr genau.   B

 

68. Andere lachen zu machen, ist keine schwere Kunst, so lang es einem gleich gilt, ob es über unsern Witz ist, oder über uns selbst.   B

 

69. »Es gibt hundert Witzige gegen einen, der Verstand hat« – ist ein wahrer Satz, womit sich mancher witzlose Dummkopf beruhigt, der bedenken sollte – wenn das nicht zu viel von einem Dummkopf gefordert heißt –, daß es wieder hundert Leute, die weder Witz noch Verstand haben, gegen einen gebe, der Witz hat.   B

 

70. Wer sich nicht auf Mienen versteht, ist immer grausamer oder gröber als andere Leute; deswegen kann man auch gegen kleine Tiere eher grausam sein.   B

 

71. Für alle Bemerkungen eines Mannes, der z. E. barfuß nach Rom laufen könnte, um sich dem vatikanischen Apoll zu Füßen zu werfen, gebe ich keinen Pfennig. Diese Leute sprechen nur von sich, wenn sie von andern Dingen zu reden glauben, und die Wahrheit kann nicht leicht in üblere Hände geraten.   B

 

72. Ich habe das schon mehr bemerkt, die Leute von Profession wissen oft das Beste nicht.   B

 

73. Kein Wunder, daß sich Stutzer so gern im Spiegel sehen: sie sehen sich ganz. Wenn der Philosoph einen Spiegel hätte, in welchem er sich so wie jene ganz sehen könnte, er würde nie davon wegkommen.   B

 

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