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Lichtenberg. Ein verkleinertes Bild seines Gedankenlebens

Georg Christoph Lichtenberg: Lichtenberg. Ein verkleinertes Bild seines Gedankenlebens - Kapitel 18
Quellenangabe
typeaphorism
authorGeorg Christoph Lichtenberg
titleLichtenberg. Ein verkleinertes Bild seines Gedankenlebens
booktitleDenken mit Georg Christoph Lichtenberg
publisherDiogenes Verlag AG
editorEgon Friedell
year2009
isbn9783257238860
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20131207
modified20150330
projectid8943c1bd
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Lebensmaximen

187. Weiser werden, heißt, immer mehr und mehr die Fehler kennen lernen, denen dieses Instrument, womit wir empfinden und urteilen, unterworfen sein kann. Vorsichtigkeit im Urteilen ist, was heutzutage allen und jedem zu empfehlen ist. Gewännen wir alle zehn Jahre nur eine unstreitige Wahrheit von jedem philosophischen Schriftsteller, so wäre unsere Ernte immer reich genug.   B

 

188. Es ist gewiß ein sicheres Zeichen, daß man besser geworden ist, wenn man Schulden so gerne bezahlt, als man Geld einnimmt.   B

 

189. Weil die Menschen sehr geneigt zum Aufschieben und zur Langsamkeit sind, und gemeiniglich das, was um fünf Uhr des Morgens vor sich gehen soll, erst um sechs Uhr geschieht, so kann man sicher darauf rechnen, daß man die Oberhand in einer Sache behält, wenn man alles ohne den geringsten Verzug unternimmt.   B

 

190. Wer in sich selbst verliebt ist, hat wenigstens bei seiner Liebe den Vorteil, daß er nicht viele Nebenbuhler erhalten wird.   B

 

191. Es gibt eine Art, das Leben zu verlängern, die ganz in unserer Macht steht: Früh aufstehen, zweckmäßiger Gebrauch der Zeit, Wählung der besten Mittel zum Endzweck, und wenn sie gewählt sind, muntre Ausführung. Auf diese Art kann man sehr alt werden, sobald man das Leben nicht nach dem Kalender schätzt; aber was das beste ist, so wird auch jenes Leben, das wir mit Kalendern ausmessen, durch das, wovon Verdienst der Maßstab ist, verlängert. Wenn man einmal eine Arbeit vor hat, so ist es gut, bei der Ausführung sich nicht gleich das Ganze vorzustellen, denn dieses hat, bei mir wenigstens, viel Niederschlagendes; sondern man arbeite an dem, was man gerade vor sich hat, und wenn man damit fertig ist, gehe man an das Nächste. – Eine Sache den Augenblick anfangen, und nicht eine Minute, viel weniger eine Stunde oder einen Tag aufschieben, ist ebenfalls ein Mittel die Zeit zu strecken.   B

 

192. Wenn jemand in der Welt sich eine Sittenlehre mit Hilfe von Nadelstichen und Schießpulver auf die Hand wollte ätzen lassen, so wollte ich wohl die dazu vorschlagen, die ich in irgend einem Stücke des Zuschauers einmal gelesen habe: The whole man must move together. Die Vergehungen dagegen sind unzählbar, und der Schaden, der daraus entsteht, groß und öfters unersetzlich. Zum Menschen rechne ich Kopf und Herz, Mund und Hände; es ist eine Meisterkunst, diese durch Wind und Wetter unzertrennt bis an das Ende zu treiben, wo alle Bewegung aufhört.   B

 

193. Die gefährlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten mäßig entstellt.   B

 

194. Ordnung führet zu allen Tugenden! Aber was führet zur Ordnung?   B

 

195. Ein Gelübde zu tun ist eine größere Sünde als es zu brechen.   B

 

196. Man kann die Fehler eines großen Mannes tadeln, aber man muß nur nicht den Mann deswegen tadeln.   B

 

197. Wie glücklich würde mancher leben, wenn er sich um anderer Leute Sachen so wenig bekümmerte, als um seine eigenen.   B

 

198. Die Fliege, die nicht geklappt sein will, setzt sich am sichersten auf die Klappe selbst.   B

 

199. Hüte dich, daß du nicht durch Zufälle in eine Stelle kommst, der du nicht gewachsen bist, damit du nicht scheinen mußt, was du nicht bist. Nichts ist gefährlicher und tötet alle innere Ruhe mehr, ja ist aller Rechtschaffenheit mehr nachteilig, als dieses, und endigt gemeiniglich mit einem gänzlichen Verlust des Kredits.   B

 

200. Wer weniger hat, als er begehrt, muß wissen, daß er mehr hat, als er wert ist.   B

 

201. Wenn du die Geschichte eines großen Verbrechers liesest, so danke immer, ehe du ihn verdammst, dem gütigen Himmel, daß er dich mit deinem ehrlichen Gesichte nicht an den Anfang einer solchen Reihe von Umständen gestellt hat.   B

 

202. »Es gibt sehr viele Menschen, die unglücklicher sind als du« – gewährt zwar kein Dach, darunter zu wohnen, allein sich bei einem Regenschauer darunter zu retirieren, ist das Sätzchen gut genug.   B

 

203. Der Schuh und der Pantoffel. Ein Schuh mit einer Schnalle redete einen Pantoffel, der neben ihm stand, also an: Lieber Freund, warum schaffst du dir nicht auch eine Schnalle an? es ist eine vortreffliche Sache. Ich weiß in Wahrheit nicht einmal, wozu die Schnallen eigentlich nützen, versetzte der Pantoffel. Die Schnallen! rief der Schuh hitzig aus, wozu die Schnallen nützen? Das weißt du nicht? Ei, mein Himmel, wir würden ja gleich im ersten Morast stecken bleiben. Ja, liebster Freund, antwortete der Pantoffel, ich gehe nicht in den Morast.   B

 

204. Jeden Augenblick des Lebens, er falle aus welcher Hand des Schicksals er wolle uns zu, den günstigen sowie den ungünstigen, zum bestmöglichen zu machen, darin besteht die Kunst des Lebens und das eigentliche Vorrecht eines vernünftigen Wesens.   B

 

205. Nachdem ich vieles menschenbeobachterisch und mit vielem schmeichelhaften Gefühl eigner Superiorität aufgezeichnet und in noch feinere Worte gesteckt hatte, fand ich am Ende, daß gerade das das Beste war, was ich ohne all diese Gefühle so ganz bürgerlich niedergeschrieben hatte.   N

 

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