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Lichtenberg. Ein verkleinertes Bild seines Gedankenlebens

Georg Christoph Lichtenberg: Lichtenberg. Ein verkleinertes Bild seines Gedankenlebens - Kapitel 15
Quellenangabe
typeaphorism
authorGeorg Christoph Lichtenberg
titleLichtenberg. Ein verkleinertes Bild seines Gedankenlebens
booktitleDenken mit Georg Christoph Lichtenberg
publisherDiogenes Verlag AG
editorEgon Friedell
year2009
isbn9783257238860
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20131207
modified20150330
projectid8943c1bd
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161. Ich möchte was darum geben, genau zu wissen, für wen eigentlich die Taten getan worden sind, von denen man öffentlich sagt, sie wären für das Vaterland getan worden.   B

 

162. Es sind immer gefährliche Zeiten, wo der Mensch sehr lebhaft erkennt, wie wichtig er ist, und was er vermag. Es ist immer gut, wenn er in Rücksicht auf seine politischen Rechte, Kräfte und Anlagen ein bißchen schläft, so wie die Pferde nicht bei jeder Gelegenheit Gebrauch von ihren Kräften machen dürfen.   B

 

163. Darf ein Volk seine Staatsverfassung ändern, wenn es will? Über diese Frage ist sehr viel Gutes und Schlechtes gesagt worden. Ich glaube, die beste Antwort darauf ist: Wer will es ihm wehren, wenn es dazu entschlossen ist? Allgemein gewordenen Grundsätzen gemäß handeln, ist natürlich; der Versuch kann falsch ausfallen, allein es ist nun einmal zum Versuch gekommen. Ihm vorzubeugen müßten die Weisesten die Oberhand haben, und diese Weisesten müßten eine Menge der Weisesten oder der Unweisesten, gleich viel, kommandieren können, um die Vernunft der Bessern und den Gehorsam der Schlechtern immer nach derselben Seite zu lenken.   B

 

164. Es scheint fast, als wenn es mit der Erkenntnis gewisser Wahrheiten und ihrer Anwendung im Leben ginge wie mit Pflanzen: wenn sie einen gewissen Grad von Höhe erreicht haben, so werden sie abgeschnitten, um wieder von vorne anzufangen. Der höchste Grad von politischer Freiheit liegt unmittelbar am Despotismus an. Wie schön ist es nicht bei der englischen Konstitution, daß sie republikanische Freiheit mit der Monarchie schon vorläufig gemischt hat, um den völligen Umschlag aus einer Demokratie in reine Monarchie oder Despotismus zu verhindern.   B

 

165. Große Eroberer werden immer angestaunt werden, und die Universalhistorie wird ihre Perioden nach ihnen zuschneiden. Das ist traurig; es liegt aber in der menschlichen Natur. Gegen den großen und starken Körper selbst eines Dummkopfs wird immer der kleine des größten Geistes, und sonach der große Geist selbst, verächtlich erscheinen, wenigstens für den größten Teil der Welt, und das so lange Menschen Menschen sind. Den großen Geist im kleinen Körper vorzuziehen, dazu gehört Überlegung, zu der sich die wenigsten Menschen erheben.   B

 

166. Die Polizeianstalten in einer gewissen Stadt lassen sich füglich mit den Klappermühlen auf den Kirschbäumen vergleichen: sie stehen still, wenn das Klappern am nötigsten wäre, und machen einen fürchterlichen Lärm, wenn wegen des heftigen Windes gar kein Sperling kommt.   B

 

167. Wenn die Menschen plötzlich tugendhaft würden, so müßten viele Tausende verhungern.   B

 

168. Wenn Heiraten Frieden stiften können, so sollte man den Großen die Vielweiberei erlauben.   B

 

169. Es ist eine Frage, ob wir nicht, wenn wir einen Mörder rädern, gerade in den Fehler des Kindes verfallen, das den Stuhl schlägt, an den es sich stößt.   B

 

170. Es kommt nicht darauf an, ob die Sonne in eines Monarchen Staaten nicht untergeht, wie sich Spanien ehedem rühmte; sondern was sie während ihres Laufes in diesen Staaten zu sehen bekommt.   B

 

171. Es kann nicht alles ganz richtig sein in der Welt, weil die Menschen noch mit Betrügereien regiert werden müssen.   B

 

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