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Levana oder Erziehlehre

Jean Paul Richter: Levana oder Erziehlehre - Kapitel 59
Quellenangabe
typetractate
booktitleSämtliche Werke Abteilung I Band 5
authorJean Paul
year1996
publisherZweitausendeins
addressFrankfurt am Main
isbn3-86150-152-X
titleLevana oder Erziehlehre
pages515-874
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1806
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Drittes Kapitel

Aufmerksamkeit und Vorbildungkraft

§ 133

Bonnet nennt die Aufmerksamkeit die Mutter des Genies; sie ist aber dessen Tochter; denn woher entstände sie sonst als aus der vorher im Himmel geschloßnen Ehe zwischen dem Gegenstande und dem dafür ausgerüsteten Triebe? – Daher ist eigentliche Aufmerksamkeit so wenig einzupredigen und einzuprügeln als ein Trieb. Swift in einer musikalischen Akademie – Mozart in einem philosophischen Hörsaale – Raffael in einem Redner-Klub – Friedrich der Einzige in einem Cour d'amour – vermöget ihr diesen sämtlichen Männern, welche doch Genies und bei Jahren sind und ihre Überlegung haben, auf so wichtige Dinge, als Künste, Wissenschaft, Staat und Liebe sind, ein aufmerkendes Ohr anzusetzen? – Gleichwohl verspreche und verhofft ihrs an Kindern, Mittelkräften und Unreifen für viel kleinere Gegenstände? Eigentlich aber begehrt ihr meistens, daß eure individuelle Aufmerksamkeit, welche doch wie eine geniale den Eigensinn der Gegenstände hat, zur kindlichen werde, und eure Enge zur mitgeteilten.

Behängt ihr für das Kind den Gegenstand der Aufmerksamkeit mit Lohn oder Strafe, so habt ihr mehr einen andern, den des Eigennutzes, an die Stelle gesetzt als dem geistigen ein Gewicht oder dem Bildungtriebe einen Reiz gegeben; höchstens für das Gedächtnis habt ihr gearbeitet. Kein sinnlicher Genuß oder Flieh-Zweck bahnet den Weg ins geistige Reich; daher das Brotstudium den Steinen gleicht, mit deren Angebinde der Taucher schneller untersinkt, um Perlen für seinen Herrn zu suchen, und welche ganz anders der Luftschiffer nur aufnimmt, um mehr Himmel zu gewinnen, wenn er sie wegwirft.

Was ist aber zu tun? So fragen die Lehrer immer, anstatt früher zu fragen: was ist zu meiden? – Den Jesuiten verbieten die Ordenregeln, länger als zwei Stunden zu studieren; – eure Schulordenregeln aber gebieten den Kleinen, so lange zu studieren, d. h. aufmerksam zu sein, als ihr Alten dozieren könnt; es ist gar zu viel, zumal wenn man den jungen, der Welt offnen Sinn, das lustige Lebengeräusche auf dem Markt, die bewegten Blütenäste an den Schulfenstern und den scharfen Sonnenstreif auf dem dumpfen Schulboden und die Gewißheit Sonnabends bedenkt, daß nachmittags keine Schule ist.

– Es gab viele Fälle, worin z. B. der Levana-Verfasser sich entschieden vornahm, irgendeiner viertelstündigen Erzählung sein ganzes Ohr zu schenken, bloß um solche weiterzugeben; – er tat innerlich, was er vermochte, und arbeitete an der stärksten Aufmerksamkeit – das Arbeiten verschlug ihn auf Neben-Gedanken – er mußte wieder zurückhorchen, um den Faden zu fassen – und so brachte ers mit bestimmter Angst, Willkür und Absicht doch nicht weiter, als daß er bloße Kapitel-Summarien der Erzählung, wovon einige sogar lügenhaft klangen, an Orten, wo er treffen wollte, verbreiten konnte. Glaubt ihr aber, einem Kinde werde leichter Aufmerksamkeit und schwerer Langweile gegeben als einem, der für dasselbe schreibt?

– Ein Kind kann das höchste Interesse für eure Lehren haben; nur aber heute eben nicht – oder an diesem und jenem Fenster oder weil es eben etwas Neues gesehen oder gegessen – oder weil der Vater eine Lustreise angekündigt oder eine Einsperrung – oder weil die vorige Gehörlosigkeit ihre Strafe bekommen und das Kind nun so lebhafter an die Strafe als an deren Vermeidung denkt. – Es gibt nämlich überhaupt keine unausgesetzte Aufmerksamkeit für den Menschen (ewiges Sehnen läßt sich leichter schwören als ewiges Lieben); und nicht immer trifft die kindliche mit der elterlichen zusammen. –

– Wenn Neuheit bekanntlich der schärfste Reiz des innern Ohrs – das Treibhaus jeder Pflanze – die Polsonne und der Polmond ist: warum fodern doch Erzieher desto mehr die erste Hörkraft, je öfter sie wiederholen, vollends von der jungen, mit lauter neuen Welten umrungnen Seele? Ist denn ihr Ruhekissen ein vergoldetes Kissen, woran sich die Scheibe elektrisch reibt? –

Freilich wenn es uns schwer wird, uns an die Stelle ähnlicher Menschen zu setzen, wie vielmehr uns das Versetzen an die Stellen unähnlicher, hinunter oder hinauf! Aus Kindern werden leichter Leute als aus Leuten Kinder. Wie viele Jahre lang macht oft ein Lehrer am Schulofen warm, ohne nur, wenn er wegtritt, von ihm einen Gedanken zu einer Beckerschen Augusteums-Darstellung von den erhabnen Figuren mitzunehmen, wodurch der Töpfer sich auf dem Ofen zeigen wollte, und an deren Gliedern sich jahrelang der Schulherr die Hände wärmte, ohne von ihnen das Geringste zu bemerken und zu behalten. Schaue doch jeder nach dieser Zeile in seiner Stube nach, ob er seitdem nicht darin zwanzig neue Gegenstände gewahr nehme, die bisher unbekannt mit ihm da zusammen gewohnt! Ginge man noch kleiner ins Abteilende ein: so könnte man z. B. die verschiedenen Schreibmuster der Kinder in ihren verschiedenen Wirkungen auf die Aufmerksamkeit anführen. Ein Kind wird stets eine einzige waagrechte Vorschrift einer Zeile schlechter und immer schlechter gegen das Ende zu nachschreiben als eine steilrechte Vorschrift, welche auf jeder Linie ein neues Wort vorlegt; es wird sich dann von einer Zeile zur andern freuen; und sogar hier wird die Neuheit ihre Rechte an die Aufmerksamkeit noch einmal erneuern, daß immer das erste Wort am besten geschrieben wird, wie in der waagrechten Vorschrift die erste Zeile. Wiederholung, sonst die Hauptwinde des Unterrichts, ist die Gegenfeder und keine Spiralfeder der Aufmerksamkeit; denn um für einen wiederkommenden Gegenstand Aufmerksamkeit zu haben, muß man ihn schon früher einer ersten und größern wert gefunden haben.

Ein wichtiger Unterschied ist zu machen: der zwischen allgemein-menschlicher und zwischen genialer Aufmerksamkeit.

Letzte kann nur erkannt, geschont und gepflegt werden, obwohl nicht erschaffen. Habt nur Aufmerksamkeit auf die kindliche, ihr Erzieher, damit ihr nicht, alle Zukunft verwirrend, dem Genie, das euch mit Kräften und Blitzen überrascht, die entgegengesetzte abfodert, einem Haydn ein Maler-Auge, einem Aristoteles ein Gedicht, und damit ihr nicht dem Bildungtrieb und Übertrieb statt seiner Psyche eine Äffin zum Zeugen zuführt.

Diese instinktartige, ihres Gegenstandes wartende Aufmerksamkeit erklärt Erscheinungen wie solche, daß der tiefsinnige Thomas von Aquino in seiner Jugend ein Vieh hieß, der Mathematiker Schmidt aus Unfähigkeit zum Studieren und zum Handel achtunddreißig Jahre lang ein Handwerker blieb u. s. w. Gute Bäume tragen anfangs nur Holzäste statt der Früchte. Das gediegne Silber bricht nur schwarz – Später fliegt dann um so schneller und leichter das Geschäft; und indes Kenntnis und Talent ihre Gaben nur wie Gold schwer aus Tiefen heben, so holt und gibt das Genie die seinigen wie Juwelen leicht aus losem Sand.

Hingegen die zweite, die allgemein-menschliche Aufmerksamkeit ist weniger zu wecken als zu teilen und zu verdichten; auch zerstreuete Kinder haben eine, nur aber allseitig-offne. Das Kind in der neuen Welt überhaupt ist ein Deutscher in Rom, ein Pilger in Palästina. Es gibt keine Aufmerksamkeit auf alles, keine Kugel ist ganz zu sehen. Jene leidende, wovor die Welt nur spurlos vorüberstreicht, steigert ihr zur tätigen durch die Heraushebung eines Gegenstandes, indem ihr ihn zum Rätsel und dadurch reizend macht. Man frage ewig die Kinder warum; das Fragen der Lehrer findet offnere Ohren als ihre Antworten. Zweitens hebt ihr ihn wie Pestalozzi heraus durch den Vergrößerspiegel der Auseinanderlegung; und drittens macht es wieder wie er: so wie, nach den Scholastikern, Gott alles erkennt, weil er es erschafft, so bringt das Kind nur ins geistige Erschaffen hinein; die Fertigkeit des erkennenden Aufmerkens folgt dann von selber. Und dies führt zum folgenden Paragraphen über die Vorbildungkraft.

§ 134

Das alte Vorurteil, daß Mathematik den philosophischen Scharf- und Tiefsinn übe und fodere, und daß sie und die Philosophie Schwestern sein, hat sich, hoff' ich, fortgeschlichen. Mit Ausnahme des überall gewaltigen Leibniz waren große Mathematiker, wie Euler, d'Alembert, ja Newton, schwache Philosophen. – Die Franzosen haben sich mehre und höhere mathematische als philosophische Kränze errungen; – große Rechnenmeister und große Mechaniker fand man oft unter dem Volke, ähnliche Philosophen nicht; – umgekehrt blieben oft kräftige tiefe Philosophen bei aller Anstrengung nur ungelenke Meßkünstler; – und unter Kindern sind einige dem philosophischen Unterricht weit aufgetan, andere nur dem mathematischen. Diese Entscheidung der Erfahrung wird noch von Kants Kritik entziffert und besiegelt. Der Mathematiker schauet Größen an, wenn der Philosoph über sie reflektiert und von ihnen abstrahiert und die Gewißheit des erstern ist, wie die der äußern Welt, eine ohne Schluß vermittelte Gegenwart; er kann nichts beweisen, nur zeigen; übersteigt aber die Größe (wie meistens der Fall ist von der gemeinsten Rechnenkunst an) seine Anschaukraft, so beweiset er nur mechanisch2 × 2 = 4 schau' ich an; aber 319 × 5011 = 1 598 509 nehm' ich nur auf Treu und Glauben der Methode an. durch die Methode. In der Philosophie gibt es keine solche Überzeugung durch die Wahrhaftigkeit der Methode, sondern stets nur eine durch die Einsicht der Idee. Malebranche sagte mit Recht: der Geometer liebt nicht die Wahrheit, sondern das Erkennen derselben (L. I. ch. 2.); oder bestimmter: nicht das Dasein, sondern Verhältnisse. Die Philosophie hingegen will Dasein erforschen und zieht daher sich und den Mathematiker selber – was dieser nicht erwidern kann –, die In-, Aus- und Oberwelt vor sein Auge. Daher Religion und Poesie lebendig und weit in die Philosophie eingrenzen, aber nicht die tote Meßkunst; daher konnte der große Kant die Möglichkeit zulassen, daß die Zahl- und Meßlehre als Exponent der irdischen Zeit und Anschauung hinter dem Leben keine Wahrheit mehr habe, indes er diese Möglichkeit von den Ideen der Vernunft, der Sittlichkeit nirgends annahm.

§ 135

Der vorige Paragraph soll mit seiner Absonderung der Mathematik von der Philosophie gleichwohl nichts einleiten als das Lob der Pestalozzischen Lehrweise, welche eben zwischen dem Parallellineal der Zahlen und Linien die Kinderseele gerade zieht.Über Pestalozzi hab' ich nichts gelesen als ihn selber; ausgenommen das wenige, was die rezensierenden Richter aus seinen Richtern ausgezogen; doch kündigte schon sein »Lienhard und Gertrud« den Gegengift-Mischer seines Zeitalters an; – und der bleib' er lange und finde Gesellen genug, dieser Meister! – In der unsichtbaren Loge I. S. 181. 182. wurde schon vor Pestalozzi der Erziehvorzug des Mathematisierens vor dem Philosophieren anerkannt. Denn womit anders vermöget ihr den geistigen Bildungtrieb zu reizen? – Die Stöße und Schläge der Sinne regen an, stumpfen ab, helfen aber nicht zeugen – Überschüttung mit Lehren, d. h. mit bloßen Summarien der Rechnung, heißt wie in Siberien den Wiegenkindern das heilige Abendmahl erteilen – Reflektieren und Abstrahieren lehren heißt den Leib giftig zersetzen, Herz und Glauben auflösen, um die kindlichen Herzblätter und Blüten zu zerrupfen – Auch fängt Philosophieren nur vom Höchsten, d. h. vom Schwersten an, Mathesis vom Nächsten und Leichtesten – Was bleibt? – Die Metaphysik des Auges – die Grenzwissenschaft zwischen Erfahrung und Abstraktion – jene ruhige kalte Maß-Rechnung, welche sich noch nicht nach den drei Riesen und Herrschern des Wissens, nach Gott, Welt und Ich erkundigt; welche jede Säe-Minute mit einer sichtbaren Ernte belohnt; welche keine Begierden und Wünsche aufreizt oder niederschlägt, und doch auf jeder Erdenstelle, wie in einem Exempelbuch, ihre Beispiele und Fortübungen antrifft – und welche, ungleich der Denk- und der Dicht-Kunst, von keiner Verschiedenheit der Herzen und Geister Verschiedenheit der Resultate zu besorgen hat – und für welche kein Kind zu jung ist, da sie wie dasselbe vom Kleinsten aufwächst.

Es ist also Pestalozzis langsames lichtstetiges Anhäufen und Verlängern arithmetischer und geometrischer Verhältnisse recht das Tragenlehren der wachsenden Last, wie eines milonischen KalbesBekanntlich lernte der Athlet Milon durch tägliches Tragen eines wachsenden Kalbes allmählich zum Träger des ausgewachsenen reifen Tiers erstarken., das zum Dank Opfertiere eines Archimedes reift. Was der Papst Sixtus V. roh aussprach: Zahlenlehre sei am Ende auch Eseln beizubringen; – und die bekannte Beobachtung in der französischen Enzyklopädie, daß einige Blödsinnige gut Schach spielen gelernt – da Schachspiel eine mathematische Kombination ist und das Schachbrett zum Probiertiegel oder Kredenztisch mathematischer Kräfte dienen könnte –: dies alles bewährt und belobt es, daß Pestalozzi über das Leben, wie Plato über seinen Hörsaal, geschrieben: nur der Meß-Kundige trete ein.

Folglich sind die Einwürfe gegen den Schweizer – daß seine Schule keine Propheten-, Dichter- und Philosophen-Schule sei – bloß Lobsprüche auf ihn; und es wäre schlimm, wenn er die Einwürfe widerlegen könnte. Gerade unserem nebligen, stützen- und bestandlosen, mehr träumenden als dichtenden, mehr phantasierenden als phantastischen Zeitalter ist das scharfe Augenmaß der Mathematik so nötig, der feste Halt ans Feste.

Indes, was wird denn damit für den geistigen Bildungtrieb getan? Etwas Großes in der Kindheit: die Vorbildungkraft wird entfaltet.... Da man den Strahl der einfachen Geistestätigkeit schon in die Farben mehrer Seelenkräfte gebrochen hat: so wird ja noch eine mehr zu benennen verstattet sein, nämlich jene Kraft, welche sowohl von der Einbildungkraft, die nur stückweise auffaßt, als von der Phantasie, die erzeugt, verschieden ist, und welche dem Philosophen in seinen Kettenschlüssen, dem Mathematiker in seinen Kettenrechnungen und jedem Erfinder in seinen Planen beisteht, indem sie ihnen lange Reihen in täglich wachsenden Massen von Ideen, Zahlen, Linien, Bildern nebeneinander schwebend vorhält und anzuschauen gibt. An den langen Zahlen-Gleichungen übt der Pestalozzische Zögling keine schaffende Kraft (diese wendet in der Mathematik nur der Erfinder der Methode an), sondern eine vorbildende und überschauende. Diese aber ist eben eines unbegrenzten Wachstums fähig; was müßte ein Newton, dieser mathematische Polstern, in Buchsee geworden sein! Wahrscheinlich andern in ihren Jahren so unfaßbar, als er sichs selber in seinen alten geworden. – Wenn manche den Lauf und Flug der Ideen an Sekundenuhren messen – denn Bonnet verlangt für eine klare eine halbe Sekunde, Chladen für eine alte nur drei Terzien (nach Hallers Physiologie) –, so scheinen sie dabei nur ein inneres Ablesen vorgedruckter Gedanken zu berechnen; aber könnt ihr denn Denken abmarken, den wehenden Himmelsäther in Wellen einteilen? Und ist nicht die reichste Idee, Gott oder Weltall, so gut ein zeitloser Blitz als die ärmste, das Nichts? –

Die Stärkung der Vorbildungkraft ließe sich später noch vorteilhaft für manche Wissenschaft erneuern. Z. B. welchen Gewinn langer Ideen-Meßketten könnte man nicht aus Uhren ziehen, wenn man die Zerlegung und Verständlichung von Kuckucks-Uhren an bis zu Repetier-Uhren mit halben Vierteln – diesem meisterhaften Echo der Zeit – forttriebe und vollendete. – So läßt sich durch zwei ganz verschiedene Wissenschaften die Vorbildungkraft zu entgegengesetzten Anstrengungen ausrüsten, durch die Stern- oder Weltengrößen-Kunde zum Erfassen des Raum-Größten, durch die Zerglieder-Lehre zum Erfassen des Raum-Kleinsten; denn das letzte fodert eine unerwartete Anstrengung, so wie auch physisch das Kleinste so schwer zu ergreifen ist wie das Größte, sowohl dem Finger als dem Auge.

Noch eine Verstärkung der Vorbildungkraft gewänne man, wenn man eine lange philosophische oder historische Reihe immer kürzer bis zum Epigramm zusammenzieht und das Nacheinander in einen Blitz und Blick verkehrt. Z. B. wenn ihr den Satz: »populäre Schriftsteller wählen nicht erst unter den Gedanken, sondern schreiben sie so nieder, wie sie entstehen, so wie in den meisten Staaten die Fürsten nicht gewählt werden, sondern nach der Geburtfolge herrschen« – mehr so ineinander gedrängt habt »populäre Autoren lassen ihre Ideen nicht nach dem Wahlreich der Vernunft regieren, sondern nach der natürlichen Sukzession der Entstehung«, so könnt ihr den Auspruch so beschließen: »im populären Kopf ist mehr ein Erb- als Wahlreich der Ideen« – ich meine für manche zu bildende Knaben; denn gebildeten Lesern fiele eine solche Kürze wohl lästig.

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