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Letzte Alpenrosen

Adolf Pichler: Letzte Alpenrosen - Kapitel 4
Quellenangabe
typenarrative
booktitleLetzte Alpenrosen
authorAdolf Pichler
year1900
firstpub1898
publisherGeorg Heinrich Meyer
addressLeipzig und Berlin
titleLetzte Alpenrosen
pages285
created20150121
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Versäumt.

Der Tourist, der mit dem roten Buche die Alpen durchwandert, weiß nichts von den stillen Winkeln, wo kaum ein verlorener Laut hindringt und den Träumer, der die Einsamkeit aufsucht, stören könnte. Solche Plätzchen, oft voll des süßesten landschaftlichen Reizes, oder von großartiger Erhabenheit kenne ich bei Innsbruck manche, vielleicht schließt sich auf meinem heutigen Streifzuge ein oder der andere Leser an.

Wir schreiten durch die holperige Höttingergasse bis zu einer kleinen Kapelle, wo bärtige Bischöfe der Himmelskönigin ihre Huldigung bezeigen, und folgen dann dem Weg rechts, von dem sich bald ein kleiner steiler Pfad abzweigt. Er führt uns zum 88 Pestfreithof; öd liegt er, von einer zerbröckelnden Mauer eingefaßt, in einer Senkung, die Andacht nachgeborener Geschlechter setzte Kreuze mit der Aufforderung, für die hier liegenden Väter zu beten. Nur seitab in einem Winkel ragt ein frisches Grab mit Kränzen von Immortellen, scheu trippelt ein Mütterchen daran vorüber, die Kinder klammern sich an ihr Gewand, der Lenz kümmert sich jedoch nicht um das Urteil der Menschen und streut Blumen auf das Grab des unglücklichen Selbstmörders. Wir haben ihn gut gekannt und manche Halbe mit ihm ausgestochen; Kirchler lachte so herzlich und strich so seelenvergnügt den langen blonden Bart über der schwellenden Lippe, daß kein Mensch geahnt hätte, er werde sich mit Pulver und Blei von der Krankheit des Lebens für immer heilen. Freilich konnte er mitten in Sang und Klang plötzlich verstummen, er zog die buschigen Brauen zusammen, dann weitete sich wieder sein Auge, mit dem er in das Blaue starrte; hat man es jedoch nicht schon früher gethan, so nimmt man in der Regel mit dem vierzigsten Jahre, wo bekanntlich die Schwaben und Tiroler gescheit werden, vom Dasein nicht mehr freiwillig Abschied. Wie staunten wir alle, als ein Freund mit traurigem Gesicht an unseren Tisch trat und rief: »Wißt ihr, heut' nachts 89 hat sich der Kirchler erschossen. Ja, ja,« fuhr er fort und ließ den Blick über den betroffenen Kreis gleiten, »vielleicht hat mancher den Knall gehört!«

Setzen wir uns auf die Mauer, wo der Nußbaum Schatten wirft. Es ist freilich eine alte Geschichte, die sich schon manchmal zugetragen hat; begnüge dich daher mit der schlichten und einfachen Erzählung ohne viel Aufputz, vielleicht schenkst du dennoch dem frischen Grabhügel zu unsern Füßen einen Blick voll Mitleid, oder du steckst zwischen die Schollen einen Strauß von wildem Salbei und Steinnelken, die hier am warmen Sonnenstrahl die Kelche zu öffnen beginnen.

Von der Jugendgeschichte unseres Johann wissen wir nicht viel zu sagen, was allgemeines Interesse beanspruchen dürfte; er glich der Mehrzahl seiner Mitschüler auf das Haar, und gehörte daher zur gewöhnlichen Mitte des Menschengeschlechtes, das ißt, trinkt, ein bißchen liebt und den Herrgott einen guten Mann sein läßt. Höchstens zeichnete er sich durch einen unverwüstlichen Humor aus, auf den freilich manchmal Stunden voll melancholischer Selbstqual und Skrupel folgten. Dieser Zustand ist zu Innsbruck nicht selten, man schreibt ihn dem Einflusse 90 des Scirocco zu, der oft die Nerven zerrüttet und überhaupt an allen Leiden die Schuld tragen muß, für die man keine Ursache weiß. Auch Johann betrachtete ihn nach kurzem Aufenthalte in der Stadt als die Quelle seiner üblen Laune, sobald er sich etwas verstimmt fühlte, sah er gleich zum Himmel, ob sich kein Windstreifen zeige, und eilte dann in das Wirtshaus, wo die Grillen, die ihn plagten, bald vor dem Rundgesang wichen oder im Humpen ertranken. Nachdem er Jurist geworden, legte er sich eine große Tabakspfeife bei, ließ die Quartierfrau, eine alte Betschwester, brummen, wenn er nachts später nach Hause kam und weigerte sich, noch ferner mit ihr abends den Rosenkranz zu beten. Sie nergelte so lang, bis er endlich seine sieben Zwetschken zusammenpackte und vier Treppen hoch bei einem Beamten Logis nahm, der, um den Wohnungszins zu erschwingen, einer Afterpartei bedurfte. Ausschließlicher Mietherr wurde er jedoch im Herzen von Fräulein Luise, seiner Tochter. Das hübsche, dralle Mädchen war so recht zum Studentenlieb geschaffen, lustig und heiter, unbekümmert um die Welt, lebte sie nur dem Augenblicke und genoß ihn aus bis zum letzten Tropfen. Ihre Mutter war schon längst tot; da sie das Hauswesen des Vaters führte, und dieser, an die 91 Kanzleistunden gebunden, nie Zeit hatte, nachzuschauen, was das Pärchen treibe, so läßt sich leicht begreifen, daß es die Kapitel von der christlichen Nächstenliebe bald recht gründlich zu studieren begann, und Johann der in Luisens blauen Augen mehr Weisheit entdeckte als in den Vorträgen, die Kopatsch über das Kirchenrecht hielt, recht fleißig die Kollegien schwänzte. Die Folgen dieser unmäßigen Zärtlichkeit blieben freilich nicht aus – nämlich bei Johann; er bestand am Schlusse des Schuljahres die Prüfung schlecht, vielleicht weil ihn der Professor nicht über den Abschnitt des kanonischen Rechtes de sponsalibus et matrimonio ausfragte, und erhielt eine zweite Klasse. Sein Vater, ein Viehhändler aus dem Brixenthale, war, weil er auch noch andere Kinder zu versorgen hatte, sehr erzürnt, vergebens forschte er den Ursachen jenes Mißerfolges nach. Daß der Gegenstand zu schwer oder der Professor Johann abgünstig sei, schien ihm nicht wahrscheinlich; in den Kneipen hatte er weder viel Geld noch Zeit verzettelt.

»Also wo fehlt's denn?« fragte er den Sohn mit einem scharfen Blick, wie er sonst die Öchslein, um die er feilschte, zu mustern pflegte. »Wo fehlt's denn?« fragte er noch einmal, als jener schwieg.

92 Der Junge begann zu stottern.

»Hm!« brummte der Alte und kratzte nachdenklich hinter den Ohren.

Da ging die Thüre auf, Luise erschien mit einer Flasche und blieb betroffen stehen, über das Gesicht des Studenten floß dunkle Röte.

»Ist's das Quartierfräulein?« forschte jener, dem nun plötzlich ein Licht aufging.

»Ich wollte nur Wasser bringen,« sagte das Mädchen, »entschuldigen Sie, das ich gestört.«

Sie verließ nicht ohne Anflug von Verlegenheit das Zimmer.

»Gelt Bub', du bist ein Unterländer?« platzte der Alte heraus. »Jetzt hab' ich gesehen, wo's raucht; zum Löschen magst aber schon den heiligen Florian anrufen, so ein Mädel thut es nicht. Lassen wir's sein, das Quartier ist bezahlt und der Stellwagen auch. Wir fahren heut' noch bis nach Schwatz, pack' nur zusammen.«

Dem armen Johann ging nichts Gutes vor, der Alte blieb bei ihm auf Schritt und Tritt, so daß er gar nicht einmal mehr an einen Abschiedskuß denken konnte. Als der Koffer gefüllt war, rief der Vater vom Fenster aus einem Hausknecht, den er längst schon kannte, und lud ihm das Gepäck des Sohnes auf die Schulter.

Dann verließ er das Zimmer, Johann atmete 93 hoch auf, er huschte hinaus und eilte durch den Hausgang zur Thüre der Geliebten. Er griff nach der Klinke, zog jedoch erschrocken die Hand zurück, als er den Vater reden hörte:

»Nichts für ungut, Fräulein! Ich dank' halt für die christliche Lieb, die Sie meinem Buben bezeugt haben; vorläufig will ich Ihnen zu Absam bei der Muttergottes ein Vaterunser beten, daß's bald ein' Mann kriegen, schön sind's g'nug dazu. und wenn es Hochzeit giebt, werd' ich schon eine Butterkugel schicken, eine garaus große, daß es einen ordentlichen Korb Nudeln giebt. Also nichts für ungut und vergelt's Gott!« Er öffnete rasch die Thüre, Johann prallte zurück und blieb mit langem Gesicht stehen.

»Du bist da, du Schlingel?« rief der Alte, »mein, mein!« er zog die Mundwinkel in die Höhe und blinzelte mit dem linken Aug, »mein, mein! willst mich gar hüten, glaubst, ich sei ein Unterländer? Hast schon recht,« setzte er spöttisch bei, »ich bin ein Unterländer, aber ein alter!«

Bei diesen Worten faßte er den Sohn beim Arm, schob ihn zur Stiege und führte ihn rasch hinab. Dann ging er durch ein Gäßchen, wo sich kein Fenster des Hauses öffnete, so daß der unglückliche Bursch gar nicht einmal mehr einen Blick mit der Geliebten wechseln konnte. 94 Aus einer Studentenkneipe klang wie Spott das Lied von Uhland:

»Es zogen drei Bursche einst über den Rhein.«

Johann zuckte mit den Wimpern, mühsam hielt er die Thränen zurück.

Daheim arbeitete er mit den Knechten des Vaters auf der Bergmahd, er schwang wie sie die Sense, trug die schwere Bürde Heu in den Stadel, saß den Abend vor der Thür und dengelte; oft blickte er gegen Westen, wo Innsbruck lag, allein kein Bächlein, keine Wolke zog nach dieser Richtung, daß er ihnen einen Gruß hätte aufgeben können. Ans Schreiben durfte er nicht denken, kam er doch nur Sonntags zur Messe in die Dorfkirche, und Post war ja keine weitum. Sein Herz klopfte ungeduldig vor Sehnsucht, er seufzte nach der Stunde, wo er den Berg verlasse und heimziehen könnte, er schmiedete zum voraus Pläne, wie er dann einmal nachts aufbrechen, rasch über Joch nach Innsbruck laufen, dort sein Mädchen begrüßen und sich mit ihr verständigen wolle. Nach einem halben Stündlein wolle er gerne wieder scheiden, sich zu Hall auf ein Floß setzen und nachmittags beim Vater sein, der gar nicht ahnen könnte, wo er in der kurzen Frist gewesen.

Die Schwalben eilten nach Süden, das Heu 95 war eingebracht, er kehrte Samstags mit den Knechten heim. Im Anger des väterlichen Hauses waren Ochsen eingepfercht, sie lagen im Grase und kauten gemütlich, Johann warf einen Blick über den Zaun, was kümmerte ihn die Herde? Wie manches Menschen Schicksal ist an einen Ochsen geknüpft! Auch sein Los trugen diese Tiere zwischen den mächtigen Hörnern.

Nach dem Hochamte in der Kirche, das er mehr gewohnheitsmäßig als andächtig mitmachte, führte ihn der Vater in den Pferch.

»Eins, zwei, drei, vier – dreißig!« begann er zu zählen. »Sie sind alle beisammen, meine lieben Öchslein,« wendete er sich an den Sohn, »und da du auch dabei bist, sag', wie gefallen sie dir? Schau diesen Nacken, diese Wamme!«

»Es sind prächtige Tiere!« entgegnete Johann gleichgültig.

»Siehst, ich hab' mir's gedacht, daß sie dich freuen werden. Sollst auch dabei sein! Morgen treib' ich sie nach Wien, du hilfst, ich erspare den Knecht und verschaffe dir Gelegenheit, einmal die große Kaiserstadt zu sehen. Ist was anderes als Innsbruck! Wirst dreinschauen! Die Sachen sind schon gepackt, brauchst dich weiter nicht zu kümmern.«

Johann schaute sonderbar drein. Nicht, daß 96 er sich durch den Antrag verletzt gefühlt hätte, Vieh zu treiben; die Studentlein, die in den Ferien zu den Eltern ziehen, müssen diesen oft genug in der Wirtschaft helfen, und mehr als einmal sind mir in den Ferien Schüler, die Kraxe voll Butter auf den Achseln oder mit einem Schubkarren Korn zur Mühle schleppend begegnet, aber Luise . . . . Luise!

In der Dämmerung des nächsten Tages weckte ihn der Vater zur Frühmesse. Als sie zurückkehrten, dampfte bereits eine Schüssel Kaffee mit Schmalznudeln zum Eintunken auf dem Tisch, neben dem Ofen lag Johanns Hut mit einem Zweiglein Rosmarin und etlichen Blutnelken geschmückt, darunter ein frisch geschälter Weidenstab; aus dem zwilchenen Schnappsack, den man an Riemen über die Schulter hängt, guckte eine Flasche Enzeler, Brot und die unvermeidliche Butterschachtel, die den Älpler bei der Abfahrt eben so treu begleitet, als der Rosenkranz zur Kirche. Mit einem traurigen Blick musterte Johann diese Ausstattung, die ihm die Schwester sorglich vorbereitet und setzte sich dann dem Vater gegenüber. Sein Appetit war nicht sehr groß, die besten Brocken erhielt Phylax, der schwarz- und weißgefleckte Hund, der, um an sich zu mahnen, von Zeit zu Zeit das stachlige Halsband an seinem 97 Schenkel rieb, oder das zottige Haupt ihm auf den Schoß legte. Der Alte stand auf, schüttelte Weib und Töchtern mit einem lauten: »Seid's fein brav!« die Hand und trat an die Thüre, auf Johann, der sich langsam rüstete, einen Blick gutmütiger Ironie werfend. Dann tauchte er den Finger in das Weihbrunnkrüglein, das an der Wand hing, bespritzte sich die Stirn und auch die des Sohnes. »Denk' lieber an die Muttergottes,« sagte er, »daß unsere Handelschaft gut geht!« Phylax fuhr zwischen seinen Knieen durch und umkreiste laut kläffend die Herde, die der Knecht aus der Umzäunung trieb. Der Vater stellte sich an die Spitze, Johann trabte hintendrein.

Hi! hi! ging es zum Dorf hinaus und auf der Landstraße fort, einen Tag wie den andern, hi! hi! langsam, denn die Ochsen sind schlechte Fußgeher, wenn sie auch im Mittelalter den Wägen von Kaisern und Königen vorgespannt waren. Endlich erreichten sie die Donau, Schritt für Schritt zogen sie mit den Wellen des gewaltigen Stromes vorwärts, die Anstrengung des Weges und die vielen neuen Gegenstände übten zwar ihr Recht und zerstreuten Johann allmählich, doch flog noch mancher Gedanke über Berg und Thal zu Luisen.

98 Der Kahlenberg erhob sich vor ihnen, sie trieben hi! hi! ihre Ochsen durch Nußdorf: bei einer Wendung der Straße breitet sich Wien in all seiner Herrlichkeit und Größe aus. Johann blieb einen Augenblick überrascht stehen, der Vater stützte sich auf den Stock und betrachtete ihn. – »Gefällt dir die Stadt,« unterbrach er endlich sein Staunen, »du möchtest wohl gar da bleiben?« Johann merkte nichts arges und trieb wieder die Herde vorwärts.

Au der Zolllinie löste der Alte den Bauchgurt, während er daraus den Accis bezahlte, schickte er einen Burschen zu einem Metzger in der Alservorstadt. Dann führten sie die Herde mitten durch Equipagen und elegante Spaziergänger, die neugierig die Tiroler betrachteten, bis zu einem Thorbogen, wo sie bereits der Metzger und seine Knechte erwarteten. Das Vieh war bestellt, Vater und Sohn wurde im Haus ein Zimmer eingeräumt, wo sie übernachten konnten. Jener rechnete, dieser lugte zum Fenster hinaus, bis ihn die Frau des Fleischers einlud, mit ihr ein bißchen die Stadt zu besehen.

Den nächsten Tag besorgte der Vater noch manches Geschäft; Johann benutzte die freien Stunden, um möglichst viel zu sehen, war doch hier eine Abwechslung auf das bäuerliche Leben.

99 Abends erzählte er dem Vater, dieser blinzelte ihn von der Seite an und sagte: »Ja siehst du, wenn du brav gewesen wärest, hätte ich dich sogar in Wien studieren lassen.«

Johann schlug die Augen nieder und seufzte.

Am dritten Tag waren alle Geschäfte abgewickelt; der Alte stellte sich vor ihn hin und fragte: »Hast alles ordentlich gepackt?« Johann deutete auf das Felleisen und reichte ihm den Schlüssel. Er wies ihn mit der Hand zurück, blickte den Sohn fest an und sagte gemessen: »So packst wieder aus; ich lasse dich das Studium noch einmal probieren, willst du?«

Johann prallte erschrocken zurück.

»Es ist Ernst,« fuhr der Alte fort, »aber nicht zu Innsbruck; Fräulein Luise ist ein zu gefährliches Buch; du bleibst da, die alte Metzgerin wird dir keine Paradiesäpfel braten. So! jetzt schau nicht so damisch drein.« – Er machte dem Jungen ein Kreuz auf die Stirne, ließ ein paar Thaler in seine Hand gleiten, und schritt, nachdem er den breiten Hut aufgestülpt, zur Thür. Hier wendete er sich noch einmal um: »In der Vakanz bist du wieder Bauer, bis du ein zweites Jahr nach Wien fährst. Bleib' nur in der Stube, wir machen uns das Herz nicht schwer.«

»Aus einem liederlichen Bürschel kann auch 100 noch was werden!« sagt ein altes Lied; Johann sandte am Schluß des ersten Semesters ein prächtiges Zeugnis nach Hause, statt der Antwort kam eine Rolle Silberzwanziger.

Auch an Luise schickte er Briefe und erhielt Briefe von ihr. Das Zeugnis des zweiten Semesters blieb hinter dem des ersten nicht zurück, als er jedoch nach Hause kam, mußte er wieder die bockledernen Hosen anziehen; er schwang den Dreschpflegel und die Mistgabel, als wären sie ihm in die Hand gewachsen, am Sonnabend lag aber stets ein harter Thaler auf dem Tisch, so daß er sich im Wirtshaus sehen lassen konnte. Hier und da stieg er wohl auf ein Joch und schaute sehnsüchtig nach den Bergen von Innsbruck.

Ende September reiste er wieder nach Wien. Die zehn Monate des Schuljahres flogen vorbei wie die des ersten, doch hatten die Briefe aus Innsbruck allmählich aufgehört.

Die Ferien!

Johann fragte einen Kameraden, der zu Innsbruck studiert hatte, um Luise.

Die hatte einen Lottokollekteur geheiratet.

Johann zuckte, das Herz brach ihm jedoch nicht.

Etliche Tage später sah ihn der Vater schief von der Seite an, blinzelte mit den Augen und legte bedächtig ein paar Gulden auf den Tisch.

101 »Willst nach Innsbruck. Schau einmal nach, wie es droben steht?«

Johann stotterte errötend: »Hab' ja Wien gesehen, was soll ich in dem Nest droben?«

Von jetzt an fehlte er bei keinem Tanz, bei keiner Kirchweihe und als er nach Wien reiste, vergaß er ganz, daß ihm der Vater aufgetragen, die schwarze Muttergottes in Altötting zu besuchen.

Er hatte sich von seinen Jugenderinnerungen befreit; was sein Studium betraf, mochte er sich nicht schelten lassen; in der lustigen Kaiserstadt als Einsiedler zu leben, hatte er ja kein Gelübde abgelegt. Der Alte schüttelte zwar den Kopf, daß die Silberlinge so lustig davonflogen, aber die Zeugnisse waren stets gut. So hatte er die Studien vollendet.

Er trat in die Kanzlei eines Advokaten zu Salzburg ein und erhielt endlich nach vier Jahren, wo er sich bereits zu einem geschickten Konzipienten ausgebildet, einen Antrag aus Innsbruck, der ebenso ehrenvoll als gewinnreich erschien. Ohne sich lang zu besinnen, schlug er ein, er selbst versicherte oft genug, daß ihn nicht der leiseste Gedanke an Luise bewegt. Ihr Bild lag ruhig unter dem Schutt der Trümmer und einigem Schmutz der verflossenen sechs Jahre.

102 Es mochte Mitte Juni sein, als er zu Innsbruck beim goldenen Stern aus dem Stellwagen stieg, und ein Zimmer im zweiten Stocke hintenaus erhielt. Nachdem er die Kleider gewechselt, eilte er über die Brücke zum neuen Prinzipal, lief dann durch etliche Gassen, um die Neubauten zu besichtigen und es war nur die Gedankenlosigkeit des Zufalls, daß er sich auch in die Gasse, wo einst Luise gewohnt, verirrte. Er hob den Blick zum Fenster, schüttelte lächelnd das Haupt und kehrte wieder um.

Der Abend war mild und schön. Aus dem Wirtsgarten stieg das Summen der Gäste, die sich unter dem breiten Dach der Roßkastanien gelagert, zu ihm empor, er besann sich nicht lang und stieg die Treppe hinab. Die Tische waren ziemlich besetzt, er sah sich daher nach einem Platz um und erblickte einen Freund, der ihm mit der Hand winkte. Den Rücken gegen die Thüre saßen am gleichen Tische ein Herr mit kurzgeschornem, schneeweißem Haar, durch welches die rote Schwarte schimmerte, ein Fettwulst schlang sich wie eine Kravatte um den Nacken, der Rücken mochte ziemlich viel braunes Tuch zur Schabracke gebraucht haben. Neben ihm eine Frau, fast elegant gekleidet, wie er in Braten und Wein vertieft. Durch eine Wendung bekam er ihr 103 Gesicht zu sehen: Es war Luise und ihr Gatte, der Lottokollekteur. Da sie schon längst von seinem Kommen gehört, war sie gar nicht betroffen und grüßte ihn freundlich als alten Bekannten; ihm half nur die Gewandtheit des Weltmenschen, der manchen guten Schluck gethan, über die Verlegenheit dieses unerwarteten Zusammentreffens weg.

»Herr Johann Kirchler,« sagte die Frau zu ihrem Mann gewendet, »als Student war er bei meinem Vater im Quartier.«

Johann verneigte sich artig.

»Das kömmt ja recht gelegen,« rief sein Freund, »Sie suchen schon lang einen Zimmerherrn, da könnte Kirchler, ohne weiter die Maueranschläge zu entziffern, sogleich bei Ihnen einziehen.«

»Weiß nit, weiß nit!« antwortete der Alte, den Fremden sorgfältig musternd. »Das Quartierl wär' übrigens recht schön, Zimmer mit Alkoven, Aussicht ins Gebirge, ordentliche Bedienung, weiß nit, ob's dem Herrn taugen thät.«

»Du kannst, ohne dich lang zu besinnen, annehmen,« fuhr der Freund fort, »das Haus ist nur zwei Nummern von der Kanzlei deines Prinzipals entfernt.«

Johann warf einen prüfenden Blick auf Luise, sie schien unbefangen und gleichgültig.

104 Als er dieses bemerkte, reichte er dem Kollekteur die Hand und sagte: »Einverstanden! So werden denn Sie,« wendete er sich an Luise, »aus meinem ehemaligen Quartierfräulein meine Quartierfrau.«

»Sie sollen zufrieden sein!« antwortete diese leichthin und schenkte ihrem Mann aus der Flasche Kalterer Wein, den eben die Kellnerin frisch angezapft, das leere Glas voll.

Ein gleichgültiges Gespräch entspann sich. Während desselben betrachtete Johann Luisen; sie war etwas voller und runder, das Grübchen am Kinn tiefer geworden, doch hatte weder ihr Teint, noch der Glanz ihres Auges gelitten. Die Haare ringelten sich so üppig wie ehedem, wo er sie noch durch die Finger gleiten ließ; auf der glatten Stirne deutete auch nicht die leiseste Furche Gram, Sorge oder auch nur eine Idee an. Ein Weib, das frisch weg genossen werden muß, ihr Geist, ihre Seele gab keine Gewähr der Zukunft: Ob ein solcher Gedanke in Johann aufblitzte, wenn sie lachte, daß zwischen den schwellenden Lippen die Zähne blinkten, oder mit innigem Behagen Wein schlürfte?

– – Es war spät geworden, sie brach mit ihrem Manne auf.

»So werd' ich,« sagte dieser, »morgen Ihre Sachen holen lassen? Wann ist es gefällig?«

105 »Ich möchte nachts nicht mehr im Gasthofe schlafen,« antwortete Johann.

»Sie sollen nach Wunsch bedient sein!«

Das Ehepaar verneigte sich und ging begleitet von jenem Freunde.

Johann sah ihnen nach, die Stirn faltete sich leicht, um den Mund spielte ein eigentümlicher Zug, er fuhr mit der Hand über das Gesicht und ergriff dann den Leuchter, um in sein Zimmer zu gehen.

Er legte sich nieder und schlief unruhig.

O, daß der Schatten seines Vaters, der vor etlichen Jahren das Zeitliche gesegnet, vor sein Bett tretend, den Finger erhoben und ihm den derben Spruch zugerufen hätte:

»Johann setze dich nicht in eine Leimtasche, daß du nicht für dein Lebtag als Gimpel hängen bleibst!«

Dafür umgaukelten ihn die Elfen der Erinnerungen, die für ewig in seiner Brust schweigen sollten.

Die nächste Nacht verschlief er bereits in der neuen Wohnung, welche in jeder Beziehung seinen bescheidenen Wünschen genügte. Morgens sieben brachte die Magd den Kaffee und frisches Wasser, wie er ausbedungen, ein kleines, hübsches Mädchen von etwa fünf Jahren lief plaudernd hinten nach 106 und legte aus der gefalteten Schürze eine Semmel auf den Tisch.

Johann fragte: »Wie heißt du denn?«

»Johanna,« erwiderte das Kind knixend.

»Und wem gehörst du?«

»Dem Vater und der Mutter.«

»Die Gnädige hat dies Kind beim Herrn Kollekteur aus der Lotterie gezogen!« fügte die Magd ergänzend bei.

Johann tauchte ein Stückchen Zucker in den Rahm und reichte es dem Kinde, das sich dann mit der Magd entfernte.

* * *

Wir könnten dem neuen Abschnitt, welcher in Kürze den Inhalt vieler Jahre erzählen soll, die Überschrift geben: Alte Liebe rostet nicht.

Anfangs suchte Johann seine Quartierfrau nicht auf, wich ihr jedoch auch nicht aus. Da fügte es sich, daß der Kollekteur der Ziehung, die abends stattfand, beiwohnen mußte und deswegen verhindert war, seine Frau in den Wirtsgarten zu führen. Er bat daher arglos den Zimmerherrn, sie abzuholen und mit ihr einen Tisch zu besetzen, bis er selbst nachfolge.

Johann trat um sieben in ihr Zimmer. Sie 107 warf den Shawl über die entblößten Schultern und sagte lächelnd: »Noch ist es ein bißchen zu früh, ich möchte nicht gern stundenlang im Wirtshause auf meinen Mann warten.« Sie setzte sich auf das Sofa und deutete lächelnd auf einen Stuhl. Johann übersah die Gebärde und nahm neben ihr auf dem Sofa Platz. Sie war heute anmutiger als sonst, die Schwüle des Abends hatte ihre Haut angehaucht, daß sie weichem Sammet glich, ihr Auge glänzte feucht. Johann gedachte alter Zeit; sie war heute nicht schöner aber reizender, auch ihre Gedanken mochten nicht bei dem gleichgültigen Gespräch sein, das sie eingeleitet. – Johann war wieder der Student und Luise sein Quartierfräulein von ehemals.

Verhältnisse dieser Art waren nie und sind auch leider jetzt nicht selten. Luise vergaß bald ohne viel Gewissensbisse die Pflicht gegen einen Gatten, dem sie nur die Versorgung und nicht das Glück der Liebe dankte, Johann war durch die Erfahrungen in der Großstadt zu frivol geworden, um nicht zu naschen, wo er etwas leicht erreichen konnte. Luise hatte eine große Vorliebe für den Putz, um diese zu befriedigen, mußte sie früher heimlich vom Wirtschaftsgelde abzwacken, das ersetzte nun die Freigebigkeit Johanns, der ein hübsches Einkommen zog und auch von seinem 108 Vater geerbt hatte. Der Tisch wurde besser, die Zufriedenheit des Kollekteurs stieg von Tag zu Tag, und er konnte sein Weiblein, das so gut zu hausen verstehe, gar nicht genug vor aller Welt loben. Er zerschmolz fast vor Zärtlichkeit; es wurden auf seinen Namen noch zwei Söhne getauft.

So mochten zehn Jahre verfließen. Luise alterte allmählich; Johann hätte das Verhältnis lösen können, Gewohnheit ist aber ein eisernes Hemd, und so lebte er gedankenlos weiter, wie bisher. Gedankenlos und gewohnheitsmäßig! Er war bereits in den Jahren, wo sich der Mann ernüchtert vom Rausche der Jugend und ihren Täuschungen, gern auf sich zurückzieht und nach dem stillen Frieden ehelichen Glückes sehnt. Er fühlte kein solches Bedürfnis.

Die kleine Johanna war indes 15 Jahre alt geworden; was sich in den Schulen Innsbrucks lernen läßt, hatte sie erschöpft, niemand sagte so flink den Katechismus vom Schnürchen weg und Gebete wußte sie auswendig, daß bei der Schulprüfung der hochwürdige Schulinspektor verklärt strahlte, als wären seine Wangen mit Schmalz geschmiert. Der Kollekteur wollte aber höher hinaus, seine Tochter sollte »Bildung« erlangen, er that daher, was man zu Innsbruck, wo die Damen meistens 109 die Töchter nicht lehren können, was sie selbst nicht gelernt haben, zu thun pflegt, und schickte sie in ein Institut.

So oft sie nach Hause schrieb und einen Gruß an Herrn Kirchler beifügte, entrichtete ihn der Kollekteur allsogleich, er mochte wohl meinen, daß jener für das Mädchen keine üble Partie wäre. Zu essen für sich und seine Familie hatte er ja, und was die Liebe betrifft, so stand nichts davon in den Rechnungsbüchern des guten Alten.

Nach zwei Jahren starb er mit Hinterlassung eines kleinen Vermögens. Johann nahm sich der Familie an, als wäre es seine – eigene. Man sah ihn mit den Kindern schäkern und spielen, er begleitete die Witwe auf öffentlichen Wegen, so weit es der Anstand erlaubte, und dieser zog, da sie in den Jahren vorgerückt war, hier ziemlich weite Grenzen. Nach und nach erwachte in der Brust des Weibes der Gedanke an eine Ehe. Der Tod ihres Mannes hatte sie doch erschüttert; als er ihr auf dem Sterbebette für alle Liebe und Treue dankte, regte sich das böse Gewissen, dessen Stacheln sich im Beichtstuhl nicht abstumpften.

Johann, noch immer ein hübscher Mann, obwohl sich das Haar auf seinem Scheitel zu lichten begann, überhörte zuerst ihre Anspielungen 110 gleichgültig, als sie offen hervortrat, hatte er im Grund genommen nicht viel einzuwenden, er brauchte ja nur sein bisheriges Leben gewohnheitsmäßig fortzusetzen. Den Gedanken an eine andere Ehe hatte er längst aufgegeben, wenn er ihn überhaupt je gehabt. Nur eines fürchtete er: die boshaften Witze seiner Freunde, allein darüber war schließlich auch wegzukommen.

So wurde denn alles verabredet, sogar der Tag der Trauung noch für den Juni festgesetzt, die Sache blieb jedoch als Geheimnis bewahrt. Sie wollten sich an einem Sonntag dreimal von der Kanzel aufbieten lassen, am Montag sollte die Vermählung sein und dann sollte eine kurze Reise sie der Klatschsucht Innsbrucks so lang entführen, bis diese ein anderes Thema gefunden. Nach Ostern wurde Johanna erwartet. Ihre Lehrzeit war abgelaufen, die Briefe der Oberin ließen das Beste erwarten, sie konnte nicht genug loben und preisen: Sticken, französisch, alle Wissenschaften und Künste hatte sie sich gründlich angeeignet, ob sie einen Strumpf stricken oder eine Brennsuppe kochen könne, davon stand nichts im Bericht.

Sie kam. Johann erinnerte sich nur des halbreifen Kindes, das er vor etlichen Jahren zum Wagen geleitet und stets gedutzt – jetzt stand sie vor ihm, ein reines Bild weiblicher 111 Schönheit, er war betroffen, als er endlich Worte fand, sprach er »Sie« und es fiel ihm garnicht auf. Wieder ruhte sein Auge auf ihrer Gestalt, ein Ideal seiner Jünglingsjahre schien vor ihn leibhaft hinzutreten – ja er fühlte sich zurückversetzt in jene Tage, wo er von Luisens Lippen die ersten Küsse gepflückt, so ganz glich ihr Johanna, nur war diese holder, jungfräulicher, fast geistiger. Verworrene Eindrücke kreuzten sich in seiner Seele, so daß er dem Mädchen gegenüber fast unfreundlich erschien.

Sie griff nach einem Reisesack und zog ein Päckchen heraus.

»Da sehen Sie,« sprach sie unbefangen lächelnd und reichte ihm dasselbe, »ich habe im Kloster auch an Sie gedacht und die Stücklein Zucker, welche sie mir beim Frühstück gespendet, nicht vergessen.«

Das Papier enthielt eine feine, sorgsam gestickte Zigarrentasche. Auf der einen Seite war ein Mann dargestellt, die Pistole in der Hand, Johann glaubte Werther zu erkennen, auf der andern lief ein Wanderer seinem Schatten nach.

»Das ist Peter Schlehmihl!« erläuterte das Mädchen, während sie den jüngern Brüdern allerlei Spielzeug austeilte. »Das Stickmuster trug 112 die Unterschrift, und der Katechet, der viele Bücher liest, hat uns die komische Geschichte erzählt.«

Johann erschrak innerlich, denn trotz oder gerade wegen seiner Frivolität war er etwas abergläubisch.

Als er abends in sein dunkles Zimmer trat, fühlte er sich beklommen, ein Gefühl von Angst, das er sich nicht zu deuten wußte, ergriff ihn, er schrieb es der Schwüle des Sommers zu und riß das Fenster auf, dunkel hing der Nachthimmel nieder, leises Lispeln flüsterte im Gezweig des Nußbaumes, da flog blendend hell ein Blitz, betäubend folgte der Donnerschlag, so daß er erschrocken zurücktaumelte.

Bald löste sich das Gewitter und brauste auf den Schwingen des Sturmes in das Unterland.

Er legte sich schlafen, konnte jedoch keine Erquickung finden.

Die Geheimnisse der Traumwelt hat noch kein Physiologe unter dem Mikroskop zerfasert, kein Chemiker analysiert, wer möchte trotzdem an ihrem Dasein zweifeln? Oft liegen Keime der Zukunft in unserer Brust, von denen wir garnichts ahnen, der Traum trägt uns weg über Zeit und Raum, und zeigt uns diese Keime großgewachsen und zeigt uns die Früchte, die beglückend oder giftig für uns gereift. Seine Symbolik ist sein Wert . . . 113 wollt ihr vielleicht das Lottobüchlein nachschlagen und die Nummern darauf setzen?

Es träumte ihm, der alte Kollekteur sitze hinter dem Amtstische, blaß, eingefallen, das Auge verglast vor sich hinglotzend. Er winkte ihm, von der Hand hing die Haut in Fetzen, die Knochenröhrchen guckten durch die Löcher. Grinsend lud er ihn ein zu sitzen: »Ihren Schatten, Herr Kirchler, Ihren Schatten, dafür garantiere ich Ihnen diese drei goldenen Äpfel aus dem Paradies als Gewinnst.«

»Ihren Schatten, Herr Kirchler!«

Und er zog den Schatten aus wie ein Hemd und reichte ihn dem Alten . . . –

Dieser bot ihm dafür die goldenen Bälle.

Der Donner rollte von fern, der Alte zerfloß mit seinem Tische in das Nichts.

Johann träumte wieder.

In einer öden Wüste irrte er herum, die Äpfel in der Hand. Seine Zunge klebte am Gaumen, erschöpft strebte er vorwärts, da faßte er einen und biß hinein. Staub und Galle füllte seine Lippen, er schleuderte die tückische Frucht weg, sie sprang elastisch vom Boden auf, schwoll und dehnte sich, grinsend stand der Alte vor ihm: »Ihr Terno, Herr Kirchler!« Die übrigen zwei warf er weg, sie sprangen empor und schwollen, 114 Luise trat ihm entgegen im schwarzen Kleid, die Augen rotgeringelt, der Vater trat ihm entgegen und drohte: »Warum hast du dich in die Leimtasche gesetzt?« – – Höllisches Gelächter erscholl durch die Wüste und rollte fort, Johann vermochte sich nicht aufzuraffen, es war der Donner in der Ferne.

Er begann wieder zu träumen. Wieder umfaßte ihn die Wüste mit ihrem endlosen Grau als öder Rahmen, die Sonne brannte glühend, sein Schatten stand seitab von ihm. »O, daß ich mich in meinen Schatten setzen und dort ausruhen könnte!« seufzte er, allein der Schatten entfloh tückisch. Er eilte ihm nach, weiter, weiter – da verwandelte sich der Schatten, und wie ein Engel auf Wolken des Morgens schwebte Johanna vor ihm her. Thränen der Sehnsucht entquollen seinen Augen, er breitete die Arme aus und stürzte atemlos vorwärts und stürzte in einen schwarzen Sumpf . . .

Er schrie laut auf und erwachte, die Bettdecke lag erstickend über seinem Kopf, er schleuderte sie weit weg. Von Stirn und Brust floß der Schweiß, hier und da erhellte Wetterleuchten das Zimmer. Er ließ durch das Fenster frische Luft einströmen und wechselte die Wäsche. Nachdem er sich niedergelegt, besiegte ihn halb die 115 Ermattung, und er schlief wieder ein. Des Morgens erinnerte er sich nur noch dunkel an die Träume der Nacht und vergaß sie bei den Akten in der Kanzlei, wo er einen Ehescheidungsprozeß abzuwickeln hatte.

So vergingen einige Monate.

Oft ruhte Johanns Auge mit Wohlgefallen auf dem Antlitz des schönen Mädchens, er war bemüht, ihr da und dort eine kleine Freude zu machen, und auch sie kam ihm mit herzlicher Zuneigung entgegen, ohne daß weder bei ihr noch bei ihm irgend etwas auf die Spur einer Leidenschaft zu deuten schien.

Anders die Mutter.

Gewohnt im Hause zu schaffen und überall selbst anzugreifen, forderte sie das nämliche von der Tochter und entließ sogar eine Magd, weil sie glaubte, jene könne ihren Platz ausfüllen. Das arme Mädchen mußte aber gewissermaßen mit dem Abc der Hauswirtschaft anfangen und das erst mühsam lernen, was sie schon wissen sollte. Die Ungeduld der Mutter stieg mit jedem Tage, wenn sie auch redlich bemüht war, sich die Fertigkeit im Waschen, Bügeln und Kochen anzueignen. Wie oft wurde sie gescholten.

Einmal, wo sich eine heftige Scene ereignete, – Johanna hatte einen Ärmel verkehrt angenäht 116 – wollte Johann vermitteln, allein die Manier, mit der er es that, steigerte die Hitze der Mutter, die sich in solchen Dingen nicht gerne einreden ließ, noch mehr. Das Mädchen blickte ihn dankbar an.

»Du Gans,« brach jene los, »schau auf die Nadel, das ist klüger!«

Der Instinkt des Weibes mochte mehr ahnen, als ihr Auge gesehen.

Johann erschrak bei diesen Worten, als hätte der Schimpf ihm gegolten, er mußte sich abwenden, die Neigung für Johanna hatte plötzlich eine Wurzel mehr und zwar tiefer in sein Herz gesenkt.

Fast dämmerte es in ihm wie Bewußtsein . . .

Das reine Mädchen hatte keine Kenntnis von der Vergangenheit, die ihn an die Mutter knüpfte, keine Kenntnis von dem Entschlusse, der ihn an die Stelle ihres Vaters bringen sollte. Sie verlor nach und nach die Schüchternheit, die ihr im Kloster anerzogen war, er erlaubte sich manche kleine Vertraulichkeit, und sie gestattete dieselbe völlig arglos. Beide waren auf den Punkt gelangt, wo die Knospe aufspringen mußte.

Einmal führte er sie in das Theater. Die Mutter war verhindert, sie zu begleiten. Beide saßen in der Loge neben einander, ruhig, ohne 117 Bewußtsein einer Schuld. Es wurde Romeo und Julia gegeben. Ihre Blicke begegneten sich unwillkürlich, ein leiser Druck berührte Johannas Finger, plötzlich barg Johann die Stirne mit der Hand, ein tiefer Seufzer stieg aus seiner Brust, er redete wenig mehr und begleitete das Mädchen, das sich sein Benehmen nicht erklären konnte, stumm nach Hause.

Im goldenen Stern erwarteten ihn einige Freunde.

Zerstreut trat er in den Saal und nahm Platz.

»Da ist er ja,« rief einer und hob das Glas, »da ist er. Wir haben dich in der Loge beobachtet. Als hätten dich und Johanna die Tauben zusammengetragen, so ganz scheint ihr für einander zu passen. Johanna soll leben!«

Johann schob das Glas zurück, dunkle Glut floß über sein Gesicht.

Ein anderer, der vor kurzem geheiratet, fügte lächelnd bei: »Ja, Johann, wir haben von dir gesprochen. Noch gehörst du nicht zum alten Eisen, lang darfst du aber nicht mehr bummeln. Folg' meinem Beispiel und leg' dir ein hübsches Weibchen bei, kein hübscheres giebt es als Johanna, greif' zu, alter Junggeselle!«

»Greif' zu,« schrieen die andern im Chorus, »und lad' uns zur Hochzeit!«

118 »Eines schickt sich nicht für alle,« stotterte Johann verlegen.

Die Reden seiner Freunde hatten den Nebel zerstreut, vor seinem geistigen Auge lag entsetzliche Klarheit, er starrte in den Abgrund, der ihn angähnte.

Verstimmt hörte er zu.

»Er ist geschämig wie ein Institutsfräulein,« bemerkte endlich einer spöttisch. »Wir wollen ihn sein Glück in der Stille genießen lassen, um so lustiger soll die Hochzeit sein. Sie wird bald sein, nicht wahr, Johann? Wir bringen dir dann ein Ständchen, wie die Engel dem Adam in der Brautnacht kein schöneres sangen!«

Johann brach bald auf.

Zu Hause erwartete ihn Luise. Als er über den Gang eilte, öffnete sie die Thüre und leuchtete ihm. Vor dem Antlitz der Medusa hätte er sich nicht mehr entsetzt. Sie faßte ihn freundlich bei der Hand und setzte sich auf das Sofa. Er blieb stehen.

»Johann,« begann sie nach einer Pause, »die Zeit rückt näher und näher, wir müssen doch die Anstalten für unsere Hochzeit verabreden, derlei Dinge bricht man nicht über das Knie ab.«

»Nie, nie,« schrie er mit dem Ausdruck des Grauens, »nein, nie! jetzt nicht, nie, ewig nie!«

119 »Bist du krank?« rief sie und ergriff zärtlich seine Hand. Er riß sich los und stürzte fort.

* * *

Luise verbrachte eine Nacht voll Sorge und Schmerz. Hier und da durchzuckte sie ein Gedanke von der Ursache seiner Zerrüttung, sie wies ihn aber sogleich als unstatthaft zurück, denn bisher hatte er nicht den mindesten Anlaß zum Zweifel gegeben, die frühere Gleichmäßigkeit und Ruhe seines Benehmens ließ einzig und allein die Erklärung zu, er sei infolge von Unwohlsein gestört. Sie erinnerte sich, daß er in den letzten Tagen öfters die Farbe gewechselt und die Speisen zurückgewiesen. Dennoch vermochte sie nicht ein banges Gefühl zu beschwichtigen. Sie erhob sich vom Lager und zündete Licht an.

Sie näherte sich dem Bette ihrer Knaben – – »nein, nein,« murmelte sie, »Johanna ist ja ihre Schwester.«

Daran klammerte sie sich fest, war es ein Anker oder ein Strohhalm?

Und Johann?

Sehen Sie dort den waldigen Vorsprung neben dem Steinbruch? Ein großes Kreuz ragt über die Föhren und Birken empor; wenn beim 120 Sprengen des Felsens ein Arbeiter verunglückt, tragen ihn seine Kameraden hierher, damit er sterbend vor dem Christusbild eine gute Meinung mache, bis ihm der Priester das Sakrament bringe. Es heißt deshalb das Sprengerkreuz. Nachts brennt eine Lampe davor.

Dem Schimmer folgte Johann wie ein Nachtfalter, als er das Haus verlassen hatte und über die Innbrücke eilte. Der Strom toste hochgeschwollen . . . er starrte hinab, die Wogen, unsichtbar im Dunkel, lockten ihn mit Geisterstimmen . . . da winkte ihm jenes Licht . . .

Veratmend von der Anstrengung des Steigens warf er sich in das feuchte Gras. Die Außenwelt verhüllte ihm die Nacht, sein Auge war nach innen gerichtet, auf eine Wüste öd und traurig, ohne Horizont, ohne Stern.

Wie Spinnengewebe war die Decke zerrissen, die Frivolität und Gleichgültigkeit bisher um sein Leben gesponnen. Sein besserer Genius trat ihm als Nemesis gegenüber. Er fühlte, daß er bisher gelebt und doch nicht gelebt, Tage um Tage vor ihm in das Nichts verronnen – ein Nichts! Noch wär' es Zeit gewesen, mit der Vergangenheit zu brechen, neu anzufangen im seligen Glück einer reinen Liebe und abzuschließen als Gatte und Vater wie andere, denen ihr Dasein 121 nicht verloren war. Vor seinem Geiste tauchten die Bilder idyllischen Friedens auf, selig lächelte ihm Johanna zu, aber die Schuld stieg aus dem Abgrund und zerstörte kalt und höhnisch das reizende Gemälde, zertrat jede Hoffnung, ehe noch ihre Knospe sich erschlossen.

Seine Vergangenheit zerstörte seine Zukunft, der schreckliche Ernst der Strafe nahm den Leichtsinn der Sünde beim Wort. Das lag klar vor seinen Blicken, das bohrte sich in seine Brust, flammend, unauslöschlich.

Der Morgen graute.

Das fahle Bild des Gekreuzigten wurde sichtbar, sein Haupt hing todesmüd auf die Brust. Johann blickte auf, aus diesen Wunden quoll für ihn kein Trost, in der Zerstreuung des Weltlebens war er längst gegen die Religion gleichgültig geworden.

Die Berge wickelten sich aus dem Nebel los, schön und prächtig entfaltete sich die Landschaft im Sonnenglanze – die Natur sprach nicht mehr zu Johanns Seele.

Da lief ein Knabe daher, singend und trällernd trug er einen Büschel Blumen. Sein Kleid war zerlumpt, die Füße nackt, was kümmerte ihn das? er hatte sein Stück Schwarzbrot in der Tasche und atmete die frische Luft – – die ganze 122 Welt gehörte sein. Neugierig betrachtete er Johann einen Augenblick und steckte dann den Strauß vor die Füße des Erlösers.

»Ach, wer noch einmal ein Kind werden könnte!« seufzte Johann.

Es war das Wort der Bibel, ein Wort, das für keinen verloren ist, der den Mut hat, es zu ergreifen und entschlossen zur Wahrheit zu machen.

Er hatte es zwar auf den Lippen, aber der Sinn davon blieb ihm verschlossen, das war ja eben seine Sünde gegen den heiligen Geist, daß er sich, entnervt durch die lange Gewohnheit, nie aufzuraffen versucht, im Unrecht gelebt ohne einen Gedanken an das Unrecht! Die Sünde gegen den heiligen Geist! Lassen wir den Theologen ihre Exegese, uns will bedünken, daß auch ohne dieselbe in dem Wort ein schrecklicher Tiefsinn liege: Die Sünde gegen den heiligen Geist wird nicht vergeben, weder in diesem noch in einem andern Leben!

Es schlug acht! Mechanisch stolperte Johann fort, es war die Stunde, welche ihn an den Kanzleitisch rief.

Er saß noch nicht lange auf seinem Stuhl, als die Magd kam; die Quartierfrau lasse fragen, ob er hier sei, und wie er sich befinde?

123 »Ganz gut!« erwiderte er tonlos und fuhr fort an der Feder zu kauen.

Mittags kam er nach Hause, Johanna errötete leicht, als er sie begrüßte. Er vermied es, mit ihr zu sprechen.

Als er mit Luise allein war, machte ihm diese zärtliche Vorwürfe über sein gestriges Betragen, das sie so in Angst versetzte. »Jetzt ist aber alles gut,« fuhr sie fort, als er teilnahmslos lächelte, »ich kann dir erzählen; was ich dir gestern mitteilen wollte. Vorgestern, als du in der Kanzlei warst, besuchte mich der Vetter aus dem Widen, den wir ja bitten wollten, uns zu trauen. Ich benützte die Gelegenheit, die sich von selbst bot, und teilte ihm das zwischen uns Verabredete mit. Er war hoch erfreut darüber und übernahm es, allsogleich beim Pfarramt das Nötige einzuleiten, so daß wir jeder weiteren Mühe überhoben sind, was dich besonders erfreuen wird, da du ohnehin mit dem Hochwürdigen nicht gern verkehrst. Ist es dir recht?«

»Recht!« erwiderte Johann, ohne das Auge aufzuschlagen. Abends ließ er sich entschuldigen.

Mitternacht war vorüber. Da öffnete sich leise die Thür von Luisens Schlafzimmer. Johann erschien blaß und verstört, in der einen Hand den Wachsstock, in der andern ein 124 zusammengefaltetes Papier. Er schlich zu dem Tische, wo die Wasserflasche stand. Ein Glas war halb eingeschenkt, er griff danach und hielt zitternd das Papier darüber. Plötzlich fuhr er erschrocken zurück. Langsam schritt er an das Bett, wo die beiden Knaben in ruhiger Unschuld schlummerten. Er betrachtete sie voll Innigkeit, die Muskeln seines Antlitzes zuckten in heftigem Krampfe, sein Auge trübte sich . . . endlich wandte er sich wieder der Thüre zu. Dort blieb er noch einmal stehen und warf auf Luise und die Kinder einen langen schmerzlichen Blick, als wolle er für immer scheiden.

Er kehrte zurück. Der Weg führte ihn an Johannas Kämmerlein vorbei. Wie gelähmt hemmte er den Schritt . . . seiner düstern Seele schwebte ihr Bild entgegen voll Huld und Anmut. Thränen flossen über seine bleichen Wangen, er begann heftig zu schluchzen.

Da krähte der Hahn!

Er raffte sich zusammen,. ging in sein Zimmer und schloß die Thüre.

Ein Pistolenschuß . . .

Man traf ihn vor dem Fenster hingestreckt, die Kugel war bei der Nasenwurzel hinein und durch den Scheitel hinausgefahren, sie hatte noch 125 den Spiegel zerschmettert, dessen Splitter auf dem Boden zerstreut waren.

Auf dem Tische lag Pulver und Blei, eine Düte Arsenik daneben, vielleicht das Papier, welches er nicht in das Glas auszuschütten gewagt. Wollte er Luise aus dem Wege räumen und die Sünde durch ein Verbrechen ausgleichen? Hinderte ihn der Gedanke, daß vielleicht die Knaben aus dem Glase trinken könnten?

In der Schublade fand sich sein Testament. Es trug das Datum des vorigen Tages, das ganze mäßige Vermögen war den beiden Knaben vermacht.

Nirgends fand sich eine Zeile über die Ursache seines Todes. Luise ahnte dieselbe. Sie gab sich rückhaltslos ihrem Schmerze hin, ohne jedoch der trauernden Johanna das Geheimnis zu enthüllen. In der Stadt glaubte man, Mißhelligkeiten mit dem Prinzipal, obwohl dieser alles in Abrede stellte, hätten den reizbaren Johann zum Selbstmord getrieben – bald kümmerte sich niemand mehr darum. Die Leiche ward in die Anatomie überführt, der Professor arbeitete mit den Schülern wie ein Metzger, das entflohene Leben, welches ihm allein hätte Auskunft geben können, entdeckte er freilich nicht, und so beschränkte er sich in seinem Gutachten auf gelehrte Phrasen, 126 mit denen sich jeder beruhigte, wenn sie auch niemand verstand.

Der Medizin war genug geschehen, aber nicht dem Pfarrer. Wenn nur nicht ein anderer Richter wäre, der den Menschen als Menschen beurteilt, und dort, wo die Schale mit der Schuld zu Boden zieht, sie mit einem Tropfen des heiliges Öles der Barmherzigkeit zum Himmel schnellt! Doch was uralte Nacht birgt, wagen auch wir nicht zu enthüllen. Der Pfarrer nahm eine Prise, legte das Gesicht in Falten und entschied, Kirchler sei als Selbstmörder auf dem ehemaligen Pestfriedhofe zu begraben, und zwar nachts, um ja jedes Aufsehen zu vermeiden.

So erschienen denn die Träger nach Anbruch der Dunkelheit. Obwohl sie mit der Leiche davon liefen, als hätten sie dieselbe gestohlen, konnten sie doch nicht hindern, daß ihr einige treue Freunde des Toten folgten.

Sänger wollten am Grab ein Trauerlied anstimmen, mußten es jedoch, um nicht von seiten des Pöbels mit Steinwürfen begleitet zu werden, unterlassen.

Das ist die Geschichte jenes Grabes. Das traurige Ende wurde herbeigeführt, weil Johann, durch die Gewohnheit der Sünde verweichlicht, nie das Bewußtsein der Pflicht in sich entwickelt 127 oder gefestigt hatte. Seine Bahn war klar und bestimmt vorgezeichnet: er hätte Luise heiraten und die Kinder treu erziehen sollen. Johanna entsagend, hätte er in mannhafter Buße sein besseres Selbst gefunden, ihre Liebe war noch nicht zu hellem Bewußtsein aufgeknospt und wäre ruhig in das warme Gefühl für einen Vater übergegangen. Doch wir haben leicht reden. Was hätten wir in Johanns Lage, behaftet mit seinen Schwächen, gethan?

Überlassen wir das Moralisieren jener geschwätzigen Nächstenliebe, die als Aasgeier jeder Sünde nachzieht, sie ausschreit und sich so gern als christlich bezeichnet, wenn sie auch das reine Gegenteil des Evangeliums ist. Möge sie denn als fabula docet auf sein Totenkreuz schreiben:

»Er war von je ein Bösewicht,
D'rum traf ihn Gottes Strafgericht!«

Aus dem Unterinnthal weht ein kühles Lüftchen, die Sonne neigt sich tiefer gegen Westen. Weichen wir dem Schmerz, der Trauer einer – Witwe. Dort steigt Luise mühsam den Hohlweg empor, die zwei Knaben laufen rechts und links am Abhang hin und pflücken Blumen, heiter scherzend, wie die Schwalben, die über ihnen durch den blauen Himmel schwimmen. Sie mag ihre 128 Frühlingsfreude nicht hemmen, matt gleitet ihr Auge auf das Grab, die Thränen, welche auf die Erde fließen, zeigen die tiefe Trauer ihrer Seele, wenn sie auch nicht das schwarze Trauergewand tragen darf. Auch ihr Leben ist abgeschlossen, die Zukunft gehört den Knaben, welche die Blumen streuen auf das Grab der Schuld und Vergangenheit! 129

 

 

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