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Gutenberg > Andreas Gryphius >

Leo Armenius

Andreas Gryphius: Leo Armenius - Kapitel 8
Quellenangabe
typetragedy
booktitleLeo Armenius
authorAndreas Gryphius
year1996
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-007960-8
titleLeo Armenius
pages1-3
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1650
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Die Andere Abhandelung.

Der Erste Eingang.

Leo. Michael. Die Richter.

Wer auf die rawe bahn der ehren sich begiebt /
Vnd den nicht falschen schein der wahren tugend liebt;
Wer vor sein Vaterland nur sterben wil vnd leben /
Vnd meynt verdienten danck von jemand zu erheben:
Wer sich auf's schwache gold deß schweren Zepters stützt /
Vnd auff die Hertzen baw't / die er in noth geschütz't.
Die er aus schnöden staub in höchsten ruhm gesetzet.
Der komm' vnd schaw' vns an! hatt vns ein liecht ergetzet
Von erster jugend an! da man den Spieß ergrieff
Vnd in die dicke schaar der grimmen feinde lieff.
Da wir mit blut besprütz't / vol ruhmbs-verdienter wunden.
Verschränckt mit stahl vnd todt den ersten nahmen funden /
Da funden wir auch neyd. wer mit entblöstem schwerd
Der Römer Heer getrotz't wer Länder vmbgekehrt:
Die vnser schild bedeckt: erschrack ob vnsern siegen.
Wer neben vnß vmb Ruhm must' in den zelten liegen
Vnd suchen / was vns ward; verkleinerte die schlacht
Die Palm' vnd Lorberkräntz' auff dieses Haupt gebracht.
So wird die erste flamm' / eh'r sie sich kan erheben /
Mit dunckel vollem dunst vnd schwartzen Rauch vmbgeben.
Biß sie sich selbst erhitz't vnd in die bäwme macht /
Daß der noch grüne wald in liechtem fewr' erkracht.
Doch wie der scharffe Nord / die glut mit tollem rasen /
In dem er dämpffen wil / pflegt stärcker aufzublasen /
Wie ein großmütig Pferd / wenn es den streich empfindt
Durch sand vnd schrancken renn't: so hat der strenge windt
Der mißgunst / vnß so fern; (trotz dem es leid!) getrieben /
Biß vnter diesem Fuß sind feind' vnd freunde blieben.
Biß Thrax / vnd Saracen' vnd Pontus vnsern fleiß /
Vnd stets bewehr'ten Arm / vnd kummer vollen schweiß /
Mit Vrtheil angeschaw't: der Agarener hauffen
(Das schrecken dieser zeit:) begundten anzulauffen
Was Römisch sich erklärt; das hochbestürtzte Land
Erzitterte vor angst / als der geschwinde brand
Der waffen vns ergriff! wer hat sich nicht entsetzet?
Als auch ein Held erblast? doch vnß hat nie verletzet
Der blitz zaghaffter furcht. O tag! berühmbter tag!
Den diß was Athem zeucht, was künftig / preisen mag!
In welchem diese Faust der Väter siegeszeichen
Gleich in dem Fall erhielt / da mit zwey tausend leichen
Der Arm / der grimmen Pest der Erden dargethan /
Daß tugendhafftes glück hält' vnter vnser fahn.
Doch: als dis milde blutt das grosse Land gebawet /
Hat vns der Keyser selbst mißgünstig angeschawet:
Vnd als dem Bulgar vnß das Reich entgegen schickt
Vnß beystand: Sold dem Volck: sich selbst dem Thron entzückt.
War ist es: Crummus hat das feld mit mord beflecket /
Vnd flammen in die Saat / glutt in die Statt gestecket
Doch / durch nicht vns're schuld. Es war numehr geschehn
Das vnterdruckte Volck begundt' auf vnß zu sehn /
Der / der jtzt vor euch steht zwang mit entblöß'tem degen
Vnß diß bestein'te Kleid / den Purpur anzulegen /
Wie hoch wir vns gewehr't! der Keyser stund es zue
Vnd schickte von sich selbst vns die gestückten Schue.
Wir haben denn die bürd' auf diesen Halß geladen
Die vnerträglich schien'/ wir haben schmach vnd schaden
Vnd vnruh' abgethan / den Bulgar außgetag't /
Den Agaren gedämpfft / der Scyten Heer gejagt /
Der stoltze Crummus kam mit so viel tausend heeren /
Als wolt er See vnd Land / wie jener Pers' aufzehren.
Doch lehrt jhn vnser Schwerd / daß eines Helden muth
Mehr mächtig / denn der Blitz / denn die geschwinde flutt /
Deß strengen Isters sey: daß auch zwölfftausend hauffen
Erschreckt durch einen Mann / versuchten durch zu lauffen.
Sein elend stellt' jhm vor was Römisch fechten sey.
Alß er voll wunden fiel'. alß jhn die ohnmacht frey
Von vnserm degen macht / Wem haben wir versaget
Was Sitt vnd Recht versprach; wer hat vmbsonst geklaget?
Weil dieses Har gekrönt? wurd jemand nicht ergetzt /
Der seine noth entdeckt? wen hat diß schwerd verletzt
Den es nicht schuldig fand? das dieser offt verschonet
Nach den die straffe grieff! blieb einer vnbelohnet
Der vnß zu dienste stund? doch such't man vnsern todt!
Vnd wetzt das Schwerdt auf den / dem / in des Landes noth
Gott / Priester vnd gesicht' den hohen Thron versprochen /
Vnd du / du Michael hast eyd vnd trew gebrochen
Dem / dem du stand vnd Ehr vnd dich zu dancken hast.
Trewloser! haben wir dich auf die schoß gefast?
Verräther! aus dem koth! hat dich der Arm erhaben?
Vndanckbar Hertz? hat dich die faust mit tausend gaben
Meineydig mensch! bestrewt? gab ich dir hund das schwerdt /
Das du von meinem Feind' auff diese brust gekehrt!
Vergab man / mörder / dir so offt dein freches wütten?
Das dir den grim erlaubt auf einmahl außzuschütten?
Hat vns're langmut diß: hat vns're gunst verdient /
Daß du verfluchter! dich zu dieser that erkühnt /
Die auch der feind nicht lob't / wolan dann! weil die güte
So übel angelegt / weil dein verstockt gemüte
Durch keine freundligkeit zu zwingen / weil die Pest
Durch linde Mittel sich nicht von dir treiben läst /
Weil wolthat dich verderbt / so fühle brand vnd eisen /
Man sol der grossen welt ein newes schawspiel weisen /
Wie hart' verletzte gunst / vnd offt vergeb'ne schuld
Vnd eingewig'te rach vnd hochgepochte huld /
Wenn rechte zeit einbricht / erschütter' vnd zubreche!
Was stammelt nun der hundt? last hören was er spreche
Der nichts denn lästern kan! was wird er sagen? hör't!
Mich. war ist's / daß Michael wol reden nie gelehr't!
War ist's daß ich mich auch zu heuch'len nie beflissen.
Doch was dir meine Faust genützt / wird dein gewissen!
Entdecken / ob ich schweig. Erzehle deine That /
Doch auch / daß dessen Faust befördert deinen Rath
Der mit dir / vnd für dich in stahl vnd staub gestanden
Vnd in der schlecht geschwitzt: Man darff / als schwere schanden
Nicht den geringen standt vnd schlechter Eltern blutt
Verhöhnen: meine Seel / mein nie verzagter mutt
Spricht vor mich. Tugend wird vns nicht nur angebohren:
Wie vieler Helden ruhmb hat sich in nichts verlohren?
Deß Vatern tewres lob verschwindet mit dem geist.
Wann nun der bleiche todt vnß in die gruben reist /
So erb't der edle Sohn die waffen; nicht die Stärcke:
Denckt nicht an meine wort: schaw't auf der Armen wercke
Der Armen / die diß Reich mit starcker krafft gestütz't
Die Armen haben dich (betracht es nur) geschütz't
(Betracht es nur mein Fürst!) da so viel tausend degen
Vmbschrenckten dein gezelt' / wer halff das Volck bewegen
Das dich zum Haupt aufwarff? wer hub dich auf den Thron?
Der dich nicht zweifeln ließ'/ als du der grossen Cron
Schier deinen Kopff' entzück't / der Keyser hieß dich kommen /
Vnd wiech auß dieser Burg / die du zwar eingenommen
Doch alß ich bey dir stund. Hast du den feind geschreckt:
So dencke / daß mein Schwerd in seiner brust gesteckt.
Auch geb' ich gerne nach / daß ich durch dein erheben
Was höher kommen sey! doch: kanst du dem was geben
(Verzeih' es / was die noth mich dürr' außreden lehr't)
Daß dieses auffrucks werth / der / so dein gutt vermehrt /
Daß du diß geben kanst? laß offentlich erzehlen
Was ich von dir empfing: es wird noch hefftig fehlen
Daß deinem Keyserthumb mein ampt zu gleichen sey.
Vnd deiner Cron mein Helm! vnd beydes stund mir frey /
Als ich dir vberlies was ich ergreiffen können
Als ich dir diesen stuel / vnd mir nicht wollen gönnen:
Vnd gönn' jhn dir noch jtzt. Man klagt mich gleichwohl an!
Warumb? vmb daß ich offt ein wort nicht hämmen kan /
Wenn ein verräther mich so hündisch reitz't vnd locket /
Wem hat Verläumbdung nicht ein mordstück' eingebrocket?
Kan jemand ohne fall auf glattem Eyß bestehn?
Wenn jhn der neyd anstößt? Wer muß nicht vntergehn /
Wenn die ergrimmten Wind erhitzter Lügen blasen?
Wenn die erzürnten Stürm' vntrewer Zungen rasen?
Die wütten wider mich! die schaden meiner Ehr!
Vnd tödten meinen Ruhm! Erlangen sie gehör?
Belohnt man trewen dienst mit schmach vnd harten ketten!
Wil den / durch den er stund / der Fürst zu boden tretten.
So ists mit mir gethan / vnd eine Zunge schlegt
Den / den kein grimmes schwerdt / kein scharffer pfeil erlegt.
I. Richt. Nicht eines Menschen mundt / nicht zwey nicht drey par ohren
Erweisen daß du dich aufs Keysers tod verschworen.
Der Hoff die grosse Statt / das gantze Läger lehrt
Was man von Fürsten mord dich stündlich rasen hört.
Mich. Gesetzt / doch nicht bekandt / daß mir in zorn entgangen
Was man so eyvern wil: es hat doch mein verlangen
Nie würcklich deinen Thron / nie deinen todt begehrt:
Man hat mit frembder schuld die feste trew beschwert.
Leo. O recht verkehrte trew: wo ist die trew geblieben!
Mich. Mein blut hat diese trew' ins buch der zeit geschrieben.
Leo. Dein Blut das jeden tag nach vnserm blute tracht.
Mich. Mein blut das so viel jahr hat für dein blut gewacht.
Leo. Gewacht nach meinem tod. Mich. den ich vor dich zu tragen
War willig je vnd je. Leo. nicht eins ist thun vnd sagen.
Mich. Ich sagts vnd thats / als ich mein blut vor dich vergoß.
Leo. Auß noth / auß eignen Ruhm. Mich. das vor den deinen floß.
II. Richter. Diß dient' der sachen nicht / antwort' auf was wir fragen!
Mich. Fragt meine wunden dann die diese brüßte tragen.
Fragt feinde / fragt den Parth / den Bulgar / Scyth vnd Franck.
III. Richt. Diß Laster macht zu nicht vorhin erlangten danck.
Mich. Diß laster thut hier nichts: verleumbdung wird vns zwingen
IV. Richt. Verleumbdung die allein dein mund weis vor zu bringen.
Mich. Verläumbdung liebt kein mund der freye freyheit lieb't.
V. Richt. Der Arm ist fest der leicht dem munde beyfall giebt.
Mich. Man stößt offt aus im zorn / was man nie vorgenommen.
VI. Richt. Wir wissen sonder Zorn dem vorsatz vorzukommen.
Mich. Wer lebt ohn alle feill! wer hat sich stets bedacht?
VII. Richt. Der / der zu hoch nicht pocht auf seiner hände macht.
Mich. Wer lebt / der irrt vnd fällt. VIII. Richt.Wer frevelt der mag leiden.
IX. Richt. Wir können laster wol von Irthumb vnterscheiden.
Mich. Ja laster! wenn man die auß allen winckeln sucht!
Leo. Du bist es denn der vnß nur in dem winckel flucht?
I. Richt. Was ist es suchens noth wenn nun kein orth zu finden.
Der rein von deiner schuld / dein offenbar verbinden /
Der Zeugen gantze schar / dein anhang bringt ans licht
Was in dem Busen steckt. Mich. was mir der haß andicht.
Leo. Wer ists der vnß das schwerd wil durch die adern treiben?
I. Richt. Wer ists ohn den das Reich nicht kan bey kräfften bleiben?
II. Richt. Wer ists auf dem die last der schweren Krone steht?
III. Richt. Wer ists ohn dessen werck deß Keysers heil vergeht?
IV. Richt. Wer ists der Fürsten kan mit seinem fall erdrücken?
V. Richt. Wer ists der Fürsten weiß ins kalte grab zu schicken?
VI. Richt. Dem Phocas / dem Iren' so grosse sinnen macht?
VII. Richt. Vor dem der tieffe grund der grossen Erd erkracht?
IIX. Richt. Der lieber einen tag begehrt gekrönt zu leben!
Als in dem höchsten Ruhmb vnd tieffer lust zu schweben!
IX. Richt. Was sprach dein mund nicht stracks als man dich überfiel?
Mich. Nichts übels. wenn mans nicht zum ärgsten deuten wil.
I. Richt. Wir wissen wer dir hülff vnd beystand hat versprochen.
Mich. Der sucht nicht hülff vnd schutz der nie den Eyd gebrochen?
II. Richt. Alß nur mit dieser that! Mich. vnd welche klagt jhr an?
I. Richt. Bekenn es. Mich. Wer bekenn't was er nicht kennen kan?
I. Richt. Man sagt durch pein gepreß't was man nicht sagt mit güte.
Mich. Die Folter überwand kein vnverzagt gemüte.
Bedenckt wol was jhr thut? Ich steck in solcher noth
In die jhr sincken mögt / mein Leben / heil / vnd todt
Beruht in ewrer Hand. Heist mich der mund verderben:
So last durch meine Faust mich selbst das end' erwerben:
Vnd heil dem gantzen Reich! Ich wil entgegen gehn
Den Feinden / die gerüst auf vnser gräntzen stehn
Ich wil / biß auf den fall mit Scyt vnd Parthe kämpffen.
Ich wil der Bulgar trutz mit diesem blute dempffen.
So breche was sich dir mein Fürst entgegen setz't!
So schwinde was dein Reich / was diesen Stat verletz't.
So dien' euch wenn ich hin auch meine blasse Leiche /
So blühe für vnd für dein Hauß vnd Stamm. Leo. entweiche.

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