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Leo Armenius

Andreas Gryphius: Leo Armenius - Kapitel 7
Quellenangabe
typetragedy
booktitleLeo Armenius
authorAndreas Gryphius
year1996
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-007960-8
titleLeo Armenius
pages1-3
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1650
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Der Fünffte Eingang.

Michael. Nicander. Die Trabanten / Exabol.

Nic. Gib dich Mich. was habt jhr vor? Nic. aufs Keysers wort / gefangen.
Mich. Verräther. Nic. leg vns auff / was du so offt begangen.
Mich. Wie? Nic. Reißt den degen hin. Mich. Mir? Nic. also baldt. Mich. Mein schwerdt.
Das ewren Leib beschützt? Nic. vnd vnser todt begehrt.
Mich. Hilff himmel! was ist diß! Nic. was du dir vorgenommen:
Ist nunmehr / zweifle nicht / auf deinen scheitel kommen.
Bringt ketten.Mich. ketten? mir?Nic. dir / Mörder.Mich. ketten? nein.
Ich wil / vnd ob ich sterb / auch vngebunden seyn.
Nic. Der Keyser wil was mehr. Mich. ha! diener deß Tyrannen.
Geht Hencker. Trab. Mörder kom. Mich. wolt jhr in fessel spannen
Den der für ewer blutt vnd freyheit hat gewacht!
Trab. Er mag nun schlaffen gehn. Mich. Ach! wird der Mann verlacht?
Vor dem die Erd erbebt! wiß't jhr wen jhr verhönet?
Trab. den / welchen meyneydt nicht hat in Bisantz gekrönet.
Mich. Was hetzt euch auf mich an? Trab. dein vngerechte pracht!
Dein Fürstenmordt. Mich. verflucht wer sich zum Sclaven macht /
Da fern er herschen kan. du führst mich in die bande
Durchaus vergällte Seel. Abgrund der ärgsten schande!
Hoffheuchler! doppelsinn! Mordtstiffter! Lügenschmidt!
Was hindert mich daß ich nicht rasend glied von glied
Dir Basiliske zih' vnd eyl in staub zu tretten /
Den schlawen Natterkopff! was hindert mich! Trab. die ketten.
Exab. Die gruben zeigt ich dir. Mich. du stürtzest mich in todt.
Exab. Ich warn'te doch umbsonst. ich schreckte mit der noth.
Doch galt mein retten nicht. Mich. drumb muß dein schelmstück gelten.
Exab. Man kan wenn lästern frey / die tugend selbst ausschelten.
Mich spricht die Vnschuld loß. Mich. Ha! schweig Tyrannenknecht.
Wo bin ich! Himmel hilff! wo schläft das grosse Recht?
Gefangen / nicht verklagt! Verdamt doch nicht verhöret!
Verrathen durch den Freundt. den / den der Barbar ehret
Erwürgt der blutFürst! ach! Trab. fort! fort! Trab. er wird entflihn.
Trab. Auff Kayserlichen thron! Mich. Man sol mich eh'r zerzihn /
Als zihn wenn ich nicht wil. Trab. Stoß zu. Mich.Ja stoß den degen /
Stoß Hencker durch mein Hertz. Weil sich die glieder regen.
Ist Michael noch frey / schleifft! würget! stoßt vnd schmeist!
Schlagt! bindet! ich bin frey / druckt! martert! renckt vnd reist!
Ich wil diß (stand' ich gleich in liechtem Schwefel) melden:
Daß diß der Tugend lohn. Daß diß der danck der Helden.

Reyen der Höfflinge

Satz

Das Wunder der Natur / das überweise Thier
Hat nichts das seiner zungen sey zugleichen
Ein wildes Vieh' entdeckt mit stummen zeichen
Deß innern hertzens sinn; mit worten herrschen wir!
Der Türme Last vnd was das Land beschwert.
Der Schiffe baw' vnd was die See durchfährt /
Der Sternen grosse krafft /
Was Lufft vnd flamme schafft /
Was Chloris läst in jhren gärtten schawen /
Was das gesetzte Recht von allen Völckern wil.
Was Gott der welt lies von sich selbst vertrawen;
Was in der blütte steht was durch die zeit verfiel
Wird durch diß werckzeug nur entdecket.
Freundschafft / die todt vnd ende schrecket /
Die Macht / die wildes Volck zu sitten hat gezwungen /
Deß Menschen leben selbst; beruht auf seiner zungen.

Gegensatz.

Doch / nichts ist das so scharff / als eine zunge sey!
Nichts das so tief vns arme stürtzen könne.
O daß der Himmel stumm zu werden gönne!
Dem / der mit worten frech; mit reden / viel zu frey;
Der städte grauß / das leichen volle feldt /
Der schiffe brandt / das Meer durch blutt verstellt.
Die Schwartze Zauberkunst /
Der eiteln Lehre dunst /
Die macht durch gifft / den Parcen vorzukommen:
Der Völcker grimmer haß / der vngehewre Krieg.
Der zanck der Kirch' vnd Seelen eingenommen /
Der Tugend vntergang / der grimmen Laster sieg /
Ist durch der zungen macht gebohren:
Durch welche Lieb vnd trew verlohren.
Wie manchen hat die Zung' in seine grufft gedrungen!
Deß Menschen Todt beruht auff jedes Menschen zungen.

Zusatz.

Lernt / die jhr lebt / den zaum in ewre Lippen legen!
In welchen heil vnd schaden wohnet /
Vnd was verdammt / vnd was belohnet.
Wer nutz durch wortte such't / sol jedes wort erwegen.
Die Zung ist dieses Schwerdt
So schützet vnd verletzt.
Die flamme so verzehrt
Vnd eben wol ersetzt.
Ein Hammer welcher bawt vnd bricht /
Ein Rosenzweig / der reucht vnd sticht /
Ein strom der träncket vnd erträncket:
Die Artzney welch' erquickt vnd kräncket.
Die bahn: auf der es offt gefehlet vnd gelungen.
Dein Leben / Mensch / vnd todt hält stäts auf deiner Zungen.

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