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Gutenberg > Andreas Gryphius >

Leo Armenius

Andreas Gryphius: Leo Armenius - Kapitel 2
Quellenangabe
typetragedy
booktitleLeo Armenius
authorAndreas Gryphius
year1996
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-007960-8
titleLeo Armenius
pages1-3
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1650
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Großgünstiger Leser.

INdem vnser gantzes Vatterland sich nuhmehr in seine eigene Aschen verscharret / vnd in einen Schawplatz der Eitelkeit verwandelt; bin ich geflissen dir die vergänglichkeit menschlicher sachen in gegenwertigem / vnd etlich folgenden Trawerspielen vorzustellen. Nicht zwar / weil ich nicht etwas anders vnd dir vielleicht angenehmers vnter händen habe: sondern weil mir noch dieses mal etwas anders vorzubringen so wenig geliebet / alß erlaubet. Die Alten gleichwohl haben diese art zu schreiben nicht so gar geringe gehalten / sondern alß ein bequemes mittel menschliche Gemütter von allerhand vnartigen vnd schädlichen Neigungen zu säubern / gerühmet; wie zu erweisen vnschwer fallen solte /wenn nicht andere vor mit solches weitläuftig dargethan / vnd ich nicht Eckel trüge / dieses zu entdecken / was Niemand verborgen. Viel weniger bin ich gesonnen mit prächtigen vnd vmbschweiffenden Vorreden dieses zu rühmen / was frembdem Vrtheil nuhmmehr vntergeben wird. Böse Bücher werden durch kein Lob gebessert / vnd angeborne Schönheit bedarff keiner schmincke. Gleichwol muß ich nur erinnern daß / wie vnser Leo ein Griechischer Keyser / also auch viel seinem Leser auffweisen wird / was bey jetzt regierenden Fürsten / theils nicht gelobet / theils nicht gestattet wird. Den gantzen verlauff seines vntergangs erklären vmbständlich Cedrenus vnd Zonaras, Welche nicht nur von seinem Tode schier mit einer Feder schreiben / sondern auch so eigenlich alles entwerffen / daß nicht von nöthen gewesen viel andere erfindungen einzumischen.

Was man in selbigen örtern auff Träume / Gesichter / frembde Bilder / vnd derogleichen gehalten / weisen alle dieser Völcker Geschichten auß. Ja mir selbst ist noch vor wenig Jahren ein zimblich Buch voll frembder Gemälde zukommen / auß welchem etliche denen das Gehirne mit erforschung zukünfftiger dinge schwanger / nicht wenig (jrer einbildung nach) von widereröberung der vorhin herrlichen / nuhmehr (leider!) dienenden Statt / dem vntergang deß Türcken / Einigkeit der Christen in Glaubens sachen vnd allgemeinen bekehrung der Juden gelernet / darff derowegen Niemand für gantz eitel halten / was gedachte Zonaras vnd Cedrenus vnd wir auß jhnen von etwa dergleichen Buch erwehnen. Auch ist so vnerhört nicht durch vorwendung geheimer Offenbarungen / Auffruhr vnd Krieg stifften Königreich vnd Zepter an sich reissen / ja gantze Länder mit Blutt alß einer newen Sünflut überschwemmen. Nicht nur Europa, gantz Asien vnd Africa werden für ein beyspiel dieser warheit wol hundert geben / vnd in der Newen Welt ist diese Pest so wenig / alß bey vns newe vnter dem schein deß Gottes dienstes / (wie Michael vnd seine Bundgenossen) vngehewre Mord vnd Bubenstück ins werck zu richten. Daß der sterbende Keyser / bey vor Augen schwebender todes gefahr ein Creutz ergriffen ist vnlaugbar: daß es aber eben dasselbe gewesen / an welchem vnser Erlöser sich geopffert / saget der Geschichtschreiber nicht / ja vielmehr wenn man seine Wort ansiehet / das widerspiel; gleichwol aber / weil damals die übrigen stücker deß grossen Söhn-Altares oder (wie die Griechen reden) die heiligen Höltzer / zu Constantinopel verwahret worden: haben wir der Dichtkunst / an selbige sich zu machen / nach gegeben / die sonsten auff diesem Schawplatz jhr wenig freyheit nehmen dürffen. Die jenigen welche in diese Ketzerey gerathen / alß könte kein Trawerspiel sonder Liebe vnnd Bulerey vollkommen seyn: werden hierbey erinnert / daß wir diese / den Alten vnbekante Meynung noch nicht zu glauben gesonnen / vnd desselben Werck schlechten ruhmbs würdig achten / welcher vnlängst einen heiligen Märterer zu dem Kampff geführet / vnd demselben wider den grund der warheit eine Ehefraw zu geordnet / welche schier mehr mit jhrem Bulen / als der Gefangene mit dem Richter zuthun findet / vnd durch mitwürckung jhres Vattern eher Braut als Wittbe wird. Doch vmb daß wir derselben gunst nicht gantz verlieren: versichern wir sie hiermit / daß auffs eheste vnser Xa Abas in der bewehreten beständigkeit der Catherine von Georgien reichlich einbringen sol / was dem Leo nicht anstehen können. Welcher da er nicht von dem Sophocles oder dem Seneca auffgesetzet / doch vnser ist. Ein ander mag von der Außländer Erfindungen den Nahmen wegreissen vnd den seinen darvor machen: Wir schliessen mit denen Worten / die jener weitberühmbte vnd lobwürdigste Welsche Poet vber seinen vördergiebel geschrieben:

Das Hauß ist zwar nicht groß: doch kennt es mich allein:
Es kostet frembde nichts: es ist nur rein vnd mein.
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