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Gutenberg > Andreas Gryphius >

Leo Armenius

Andreas Gryphius: Leo Armenius - Kapitel 16
Quellenangabe
typetragedy
booktitleLeo Armenius
authorAndreas Gryphius
year1996
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-007960-8
titleLeo Armenius
pages1-3
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1650
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Der Ander Eingang.

Der Erste hauffe der Verschwornen / Theodosia.

1. Verschw. Das demand feste Joch der grausen Tyranney
Die felsen schwere Last der rawen Henckerey
Der Zepter von Metall / der Thron auff blutt gesetzet
Die all-verzehrend angst / die Stätt vnd Feld verletzet
Vnd was ein grimmer Fürst noch mehr bringt auf die bahn;
Ist durch vnß / ob wol späth / doch entlich / abgethan.
Ew'r Herrschen ist nun aus. Das vngezäum'te toben
Der alle schlagend' arm ist in die Lufft verstoben:
Lern' jetzt / die du regir't gehorchen: vnd versteh;
Daß offt nur eine nacht sey zwischen fall vnd höh'.
2. Verschw. Das hart beträngte Land / das seiner schweren bürde
Entledigt; schöpfft nun lufft / vnd jauchz't nun ewer würde
In solchen hohn verfäl't / doch klaget jederman
Daß man nicht nach verdienst Tyrannen straffen kan.
Er liefert einen Leib vor tausend schelmereyen:
Wenn ein gemeiner fählt: den fristet kein verzeyhen.
Man setzt auf schlechte schuld / Rad / Mordpfal / Strick vnd Schwerd /
Oel / siedend Bley vnd Bech / ein glüend-eysern Pferd
Er wird durch boßheit groß: vnd blüht wenn die vergehen:
Die vor die Redligkeit mit Hertz vnd armen stehen.
1. Verschw. Was kan man endlich thun? wer / was man schafft auf fast:
Dem legt er so viel auf / biß die gehäuffte Last
Jhm Nack' vnd Ruck' eindrückt. Darff einer jhm versagen
Mehr / alß wol möglich fäll't (wie groß der mutt!) zu tragen:
Dem schmiert er auffruhr an! der hat das Volck verhetzt /
Den Printzen angetast / die Majestät verletzt /
Den raum't er aus dem weg' hatt einer mehr zu wagen
Alß sich? denn wer nicht schlegt Tyrannen: wird geschlagen!
Theod. So habt jhr / wie jhr rühmbt / Tyrannen vmbgebracht?
1. Versch. Wer zweifelt? Theod. hört vns an! wer setzt euch in die macht?
Wer traw't euch dieses Schwerdt? wer hat euch so begabet?
Daß jhr / die jhr vor nichts / nun mehr den alles habet:
Wer? Der den jhr nur schmäht. Alß er mit höchster pracht
Euch neben sich erhub vnd schier zu Göttern macht /
Wer war er? ein Tyrann? Jhr sung't mit andern zungen.
Itzt / nun das Bubenstück / nun euch der mord gelungen:
Heist er: Ich weiß nicht wie? so lang ein Fürste giebt.
Vnd die / die es nicht werth / als wolverdiente liebt.
Vnd aller geitz mit Gold vnd Ehren sucht zu stillen:
Den muß sein lob das Reich / sein Ruhm die welt erfüllen.
So bald er nicht mehr schenckt / ja nicht mehr schencken kan /
So bald er auffruhr strafft steckt euch die vntrew an.
So bald die Pest euch reitzt vnd Schelmen sich verbinden /
Die Lust zu newer macht / vnd statt sucht leicht entzünden;
Denn wird er ein Tyrann: Man lästert den / der liegt.
So wird ein todter Löw' offt von der Mauß bekriegt.
2. Verschw. Der Löwe / dem diß Schwerdt das leben abgekürtzet!
Theod. O Ruhmbs verdiente sach' / jhr hab't in todt gestürtzet
Wehn? einen! jhr so viel! jhr habt in schwartzer nacht
Verräther! mehr durch list alß wunden / vmbgebracht /
Den / dem jhr offt vorhin meyneydige geschworen:
Was habt jhr wider den vor Waffen nicht erkohren /
Der vngewaffnet ging; mag dieser Grausamkeit
Was zuvergleichen seyn? Jhr habt die grosse zeit /
In der sich GOTT vns gab / mit Fürsten mord' entweyet;
Vnd in den heilgen orth / der schuldige befreyet
Vnschuldig blutt gesprützt: wer jtzund zweifeln kan
Ob jhr noch Christen seyd; Schaw in dem Tempel an
Den gantz zustückten Leib der auf dem Creutze lieget.
An welchen JESUS hat der Höllen obgesieget:
Deß HERREN wares Fleisch: das jhr mit blutt besprengt /
Sein blutt / das jhr mit blutt deß Keysers habt vermengt.
2. Verschw. Es liegt nicht dran, wie / wenn / vnd wo man bösen stew're.
Theod. Ein Mensch macht vnterscheid / nicht jhr. Jhr vngehew're.
1. Versch. Man strafft die schuld mit recht / Theod.Wer gibt euch diese macht?
Ein Fürst fäll't dem allein / der in den Wolcken wacht.
Der in den Thron vns setzt / kan auß dem Thron vns bannen.
2. Verschw. Der minste von dem Volck' ist Halß Herr deß Tyrannen.
1. Versch. Der höchste führt sein Recht / durch Menschen armen aus.
2. Verschw. Vnd stürtzt durch Menschen umb Tyrannen vnd jhr Haus.
Theod. So kan man sonder müh' ein schelmenstück' verblümen!
1. Verschw. Nenn't man ein schelmenstück / was tausend Seelen rühmen?
Theod. Vnd zehnmal tausend schmehn! 2. Versch. weist du wem du dis sagst?
Theod. Dir / der du mit dem Mord Gott zu gericht' austagst.
1. Versch. Dein leben / blutt / vnd tod beruht in diesen händen:
Theod. Drumb eilt / das jammerspiel mit vnserm tod zu enden.
2. Versch. Der muth / der ehr man ernst verspüret / hefftig groß
Nimbt / wenn noth einbricht / ab. Theod. stoß zu die brust ist bloß.
Meynt jhr / daß Leo todt? Er lebt in diesem Hertzen:
Vnd ruffet rach' aus vns. Wir sind durch seine schmertzen /
Durch seine wund entleibt. Sein Geist ist der vns regt
Der athem schöpfft in vns. Der diese faust bewegt
Der in den adern schlägt / komm't öffnet jhm die Thüre /
Den Kercker / dieses fleisch / daß er vns mit sich führe.
Doch braucht dasselbe Schwerd / das durch sein Hertze ging /
Alß sein zu stückter arm / den grausen tod' vmbfing.
Nichts schöners / alß wenn zwey so fest verbund'ne Seelen
Auff eine zeit vnd orth zihn aus deß Leibes hölen.
1. Versch. Nach dem die Helden faust den Löwen hingericht.
Vor dem die welt erbeb't / Ach't man die hünde nicht.
Auch sol kein Frawen blutt / den schönen stahl beflecken.
Den ins Tyrannen brust die wehrte Nacht fand stecken.
2. Versch. Ein ander tödte dich / diß ist vns mehr denn viel
Daß dein bestürtzter Geist den tag nicht schawen wil.
Es ist vns mehr denn viel / daß wir dich tödten können
Vnd doch / (was du dir selbst mißgönst /) das leben gönnen.
Theod. Barmhertzig grausamb seyn! geschmünckte Tyranney /
Mit gold verdecktes gifft! gelinde Barbarey!
1. Verschw. Folg vns. Theod. wo gehn wir hin? welch elend ist vorhanden?
Was hat man mit vnß vor? sol dieser Leib in banden
Verschmachten sonder trost: stelt man der tollen schar
Deß Pövels diesen Halß / zu einem opffer dar?
Kom angst wie groß du bist / vnd eile dieses leiden
Den kummer vollen Rest deß Lebens abzuschneiden.
Ade / beherrschtes Reich / Ade besess'ner Thron!
Ade / verlohrner Hoff / Ade geraubte Cron!
Ade du pracht der welt! Ade verwirr'tes leben:
Das überzuckert gifft / beperl'tes Creutz vmbgeben /
Palläste voll von Angst / jhr Zepter / schwer von weh.
Du Purpur roth von blutt: wir scheiden hin / Ade /


Der Dritte Eingang.

Michael. Der ander vnd erste hauffe der Verschwornen /
Theodosia. Die Leiche Leons.

JHr geb't / den mir an jtzt licht / freyheit / Seel vnd Leben!
Jhr gebt den mir mich selbst: was werd ich wider geben;
Ich der auß tod vnd grufft vnd angestecktem brand /
Vnd was mehr schrecklich ist / aus deß Tyrannen hand
Durch ewre trew erlöß't den grossen Thron besteige:
Vnd der bestürtzten welt mit meinem beyspiel zeige /
Daß Freundschafft über Cron / Lieb' über Zepter geh'
Daß ein verhaßter Fürst auff trübem Sande steh.
Er liegt denn der mich stieß / ich Herrsch' in diesen Ketten
In welchen ich den Stuel gedencke zu betretten /
Auß dem der Löw gestürtzt. Wie werd ich diesen muth
Belohnen der vor mich das vnverzagte blutt
In höchste noth gewagt. Werd ich wol etwas finden /
Das kräfftig mich vnd euch noch stärcker zuverbinden?
Doch ob der arm zu schwach! glaubt daß die grosse welt
Die jhr auß schwartzer Angst in guld'ne freyheit stelt:
Glaubt daß das weite Reich das jhr in wenig stunden /
Doch durch nicht wenig muth / auff ewig euch verbunden:
Glaubt / daß wer hier vnd dar / biß auff die edle nacht
In Kercker: in Metall / in Felssen schier verschmacht:
Glaubt / daß wer nach vnß sol ans liecht gebohren werden /
Euch / Helden rühmen wird. Ja wenn der Kreiß der Erden
In flammen nun vergeht: Wird ewre treffligkeit /
Bekrönt mit stetter Ehr. Verlachen tod vnd zeit.
Theod. Ach brunn quell vnser angst! Mich. ha! Wittbe deß Tyrannen!
Ew'r binden ew're macht: ewr brennen vnd verbannen
Verbann't sich nunmehr selbst! Theod. diß ist noch vnerhört
Daß einer der so hoch erhaben vnd geehrt /
Daß einer / dem so offt so hohe schuld vergeben /
Dem wir zu vnserm tod' erhalten bey dem leben?
Vnß grausam nennen sol! doch haben wir erweist
So viel das wer nur ist / mit recht vnß grausamb heist.
In dem / wir dir so weit die Zügel lassen schissen /
Vnd auß der flamme dich / die du verdient gerissen!
Hat vns're grimme faust daß scharffe Schwerdt gewetzt:
Das dein blutgeitzig arm an vnsre gurgel setzt?
Der ist / es ist nicht ohn / der grausambst auff der Erden.
Der an sich selber muß / wie wir / zum Hencker werden.
Mich. So fält / wer gruben macht / für ander selbst hineyn.
Theod. So kriegt man hohn für danck / für lange wolthat pein.
Mich. Man krigt was man verdient. schwer' angst / für schwere Sünden.
Theod. Wol! so wird mit der zeit / dich auch die rache finden.
Mich. Wer / was nicht vnrecht / thut / schrickt vor der rache nicht.
Theod. Ists recht daß man den Eydt / vnd Fürsten Hälse bricht.
Mich. Wenn Fürsten jhren Eydt zum ersten selber brechen:
Theod. Wen stieß der Keyser vmb / sein hochbethew'rt versprechen.
Mich. Das weist sein leben aus vnd sein erschrecklich end.
Theod. Ein laster wird vor recht / nicht auß dem tod erkennt.
Mich. Das Recht ist vor das Volck / auf Fürsten schleifft man degen.
Theod. Die werden über dich zu letzt auch Vrthel hegen.
Besteig mit diesem wundsch den offt gesuchten Thron /
Nimb die / durch list vnd blutt / vnd mord / erworb'ne Kron
Vnß ist der hoff bekandt / das vnrecht der Palläste:
Die Mißgunst / falsche trew' / vnd die verfluchten gäste
Der Fürsten: müh vnd furcht. Erheb dich / wie du wilt:
Schlag / rase / tödt vnd stoß / weil deine stunde gilt.
Erheb die neben dich / so vnser blutt gefärbet /
Die grösser Ehr vnd glück durch vnsern fall geerbet.
Erheb was meyneydt mehr als redligkeit gelibt
Was sich in Fürsten mord so meisterlich geübt.
Was mächtig Kirch vnd Hoff vnd Kercker zuerbrechen.
Vnd wetz' ein Schwerd das dir noch wird die brust durchstechen.
Mich. Du weist was künfftig ist / doch nicht dein eigne noth.
Theod. Die deinem Jammer rufft. Mich. du ringst nach deinem todt.
Der vor der Thüren wacht. Theod. wir bitten vmb das leben
Das du vns schuldig bist / heiß Schwerd heiß dolchen geben.
Vnd enden vns're quaal / versich're deine macht /
Beweise was du kanst / vergönne daß die nacht
Mit stetter Finsternis mein ewig leid bedecke:
Vergönne / daß man die in eine grufft verstecke:
Die eine Lieb' ein' Eh' / ein Thron / ein Reich / ein Stand /
Ein Hertz / ein Geist / ein Fall / ein Vntergang verband.
Mich. Mir nutzt dein sterben nicht / dein Leben kan nicht schaden
Mir kan dein leben ruhm / dein sterben Haß auffladen /
So bin ich auch nicht der / der die zu richten denckt
Die mir / so alß sie rühmbt / das leben hat geschenckt.
Theod. Diß übel ist nunmehr nicht möglich zu ertragen:
Daß man / nach so viel angst / vnß wil den tod versagen.
Was hofft die auff der Welt / die diß nicht haben kan
Was man den Feinden gibt. Jhr Menschen schawt vns an:
Jhr Geister hört vns zu. Die als das Liecht erblichen /
Die eher mitternacht die Erden hat beschlichen
Der grossen Welt gebott / als eine Göttin pflag
Die find't sich / ehr die zeit den nun mehr nahen tag /
Die Sonnen grüssen läst / veracht / verlacht / verhönet.
Verworffen / abgestürtzt / mit ach vnd angst gekrönet.
Die lernt wie nahe höh' vnd fall beysammen steh /
Wie wenig zwischen Stuel vnd Kercker / zeit vergeh.
Die jederman gebott / die bittet doch vergebens
Vmb ende / nicht der Last / nur deß bestürtzten lebens.
Wen schleifft die grimme schar! O Jammer! ist es der /
Der dieses Reich beherrscht. Welch' abgrund / welches Meer /
Der schmertzen / schluckt vns eyn. Was können wir erkennen
Das nicht zu schlagen sey? ist hier ein glied zu nennen
Das nicht das Schwerd zu stückt? Wo ist sein schönes haar?
Das mit besteintem gold noch erst vmbwunden war?
Wo ist die starcke Hand / die Schwerd vnd Zepter führte:
Die brust die blancker stahl so wol als Purpur ziehrte?
Weh' vnß / wo ist er selbst? schawt! sein nicht-schuldig blutt
Gereitzt durch vnser angst / sprützt eine newe flutt
Durch alle wunden vor! sein blutt rufft embsich rache!
Ob seine Lippe stum. Sein blutt thut ew'rer sache
Mordgierig vnrecht dar! Michael. reist den Tyrannen hin?
Theod. Reist vns mit jhm! der Todt bringt euch vnd vns gewin
Setzt Spieß vnd Sebel an! braucht flamm' vnd grimme Waffen!
Wir wündschen (laßt vns hier) wir wündschen zu entschlaffen
Auff dem erblaßten mund' auff der geliebten brust.
Mich. Reist jhr die Leichen aus. Theod. wo sind wir? was für lust
Empfinden wir an jtzt? Der Fürst ist nicht erblichen:
O frewd / er lebt! er lebt! Nun ist diß leid gewichen
Er wischt die Thränen selbst vns ab mit linder hand!
Hier steht er! er ergrimm't vnd schüttert Schwerd vnd brand
Auff der Verräther Haupt. I. Verschw. der schmertz hat sie bezwungen!
Sie raaßt vor höchster angst. Theod. Mein licht! sie sind verdrungen!
Die Mörder sind erwürgt! Er beut vns seinen kuß:
O vnverhoffte wonn! O Seel erquickend gruß!
Wilkommen werther Fürst! beherscher vns'rer sinnen!
Gefährten trawr't nicht mehr / er lebt. Mich. schafft sie von hinnen!
Wir eylen nach der Kirch' entdeckt dem gantzen statt
Den fall der Tyranney; berufft den grossen Rath:
Ich wil daß mich an jtzt in beyseyn meiner Söhne /
Vnd ew'rer gegenwart der Patriarch hier kröne:
Nimb du die Burg in acht! sagt jhr den Läger an
Was nötig. Zeug du eyn was Feinden zu gethan:
Ich bin / der was vnß feind / verdruck' vnd freund erhebe:
Versichert euch diß fest. Die Verschworne alle. Der Keyser hersch' vnd lebe!

E N D E

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