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Leo Armenius

Andreas Gryphius: Leo Armenius - Kapitel 14
Quellenangabe
typetragedy
booktitleLeo Armenius
authorAndreas Gryphius
year1996
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-007960-8
titleLeo Armenius
pages1-3
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1650
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Der Dritte Eingang.

Der von Crambe. Die zusammen Geschwornen. Ein Diener.

So gehts! wenn vnß das glück mit süssem mund' anlacht.
Denn trotzen wir den Todt vnd brechen alle macht
Der strengen Zepter eyn. Denn muß der grund der Erden
Erzittern vnter vnß vnd schier zu aschen werden.
Wir reissen Berg' entzwey vnd spalten Felsen auff.
Wir hemmen schier dem Pont den strudelreichen lauff.
Der Ister muß sich nicht auf vnser Land ergiessen.
Die grosse Thetis selbst lernt vor vnß stiller fliessen.
Wir gehen Bündnis eyn / die mächtig was die welt
Vnd der gewölck'te Baw in seinen schrancken helt
Zu zwingen an ein Joch. Doch wenn die lüfft erhitzen
Vnd dicker wolcken nacht vnß wil zu lichte blitzen.
Weiß niemand wo wir sind / der grosse mutt vergeht
Alß schnee / wenn Titan nun des Wieders horn erhöh't
So schnell als vns der mund / so langsam sind die hände:
Der anfang brenn't vnd glüet / das mittel mit dem ende
Verkehrt die kält' in Eys. 4. Verschw. ruckt vns diß jemand auff?
Vns? die die grimme noth nicht in dem schnellen lauff
Der Rach' auffhalten mag. Die schier die gluth vmbgeben
In welcher Michael für vnser gutt vnd leben
Leib / blutt vnd Geist auffsetzt. vns? die die herbe nacht
Einmüttig / sonder furcht vnd argwohn durch gebracht.
Vns / die biß noch von nichts / alß wie sein Schloß zu brechen
Vnd wie der / der jhn stürtzt vorn Thron zu stürtzen / sprechen.
Cramb. Da als der Lew' auf blutt / vnd mord / vnd würgen drang
War kein behertzter Held der Jhm entgegen sprang.
4. Versch. Wer / wo kein Vortheil ist ein grimmes Thier verletzet:
Gleicht dem / der ohne Pfeyl vnd Hunde Lewen hetzet.
Cramb. Man greifft / wo / wenn / vnd wie man mag Tyrannen an.
4. Verschw. Der warn't wer nicht zugleich angreift vnd tödten kan.
Cramb. Ein schnelles schwerd verricht weit mehr denn langes dichten:
4. Verschw. Ein kluger Kopff kan mehr denn tausend spieß' außrichten:
Cramb. Wer alles überlegt / führt keinen anschlag aus:
4. Verschw. Schickt thoren nach der glutt / so brenn't ewr gantzes hauß.
Cramb. Kan nun / ein kluger Kopff deß Keysers flamme dämpfen?
4. Verschw. Kan nun ein schnelles schwerd mit so viel scharen kämpfen?
Cramb. Wer zweifelt. 4. Versch. Zwar nicht ich. der deinen Muth erkand.
Dafern man sonder feind. Cramb. schaw' an denn ob die Hand
Dem muth in kräfften gleich; 1. Versch. Was thut jhr? 4. Versch. Last versuchen /
ob er so hoch behertzt zu fechten alß zu fluchen /
Cramb. Laß loß. laß loß. Wie nun? 4. Versch. Ich bitt euch halt mich nicht.
2. Versch. Bedenckt doch wo wir sind! diß tolle rasen bricht
Den festen Bund entzwey / diß wütten wird entdecken
Was wir mit so viel list vnd eyden kaum verstecken.
Habt jhr zu kämpffen sinn? stoßt das behertzte Schwerd
In deß Tyrannen brust der ewren todt begehrt.
Renn't die Trabanten an / die Maur' vnd Thor besetzen.
Die vmb den Kercker stehn. Wenn wir vnß selbst verletzen:
So ist es Michael vmb deinen Halß gethan:
So fallen wir mit dir / so gehn wir eine bahn
Nach der entdeckten grufft. Kan Leo mehr begehren
Alß daß wir vnser Schwerd auf vns're Hertzen kehren.
4. Versch. Er ist nicht der der mich vnd jeden trotzen kan!
Cramb. Noch Er / der mich vnd euch sol hönen: 2. Versch. schawt doch an
Die angst so vns vmbgibt. Die auff den wellen rasen /
Wenn die ergrimm'ten Nord' in alle Segel blasen.
Wenn das bestürmbte Schiff von klipp' auff klippen renn't.
Vnd sich bald hie bald dort in stück vnd scheitter trenn't.
Sind vnwehrt daß ein Mann jhr schweres Ach beklage /
Gebt meinem Rath gehör / vnd löscht mit erstem tage /
Mit vnsers feindes blutt die heissen flammen aus /
Muth / Künheit / Leib vnd Ruhmb / vnd vnser heil vnd Haus.
Erfordert diß von euch. Der mag der stärck'ste bleiben;
Der durch die gurgell wird sein Schwerd dem Keyser treiben.
Mehr gibt die stille zeit der schwartzen nacht nicht zu
Geht / biß die Morgenröth vnß wider rufft / zu ruh'.
Cramb. Wer da! Diener. Mein Herr! Cramb. was ists. Dien. Ein frembder an der Thüre
Begehrt daß man alßbaldt jhn in dein Zimmer führe:
6. Versch. Wir sind verrathen! Cramb. frag jhn was er von mir wil.
Diener. Er schlegt mir nachricht ab. 1. Verschw. O zufall! Cramb. hat er viel
Von Dienern an der seitt? Dien. Mein Herr! er ist alleine.
Cramb. Bewehrt. Dien. Nicht sonders! Cramb. sagt. was dünckt euch! 6. Versch. Ich vermeyne
Daß die zusammenkunfft durch arglist sey entdeckt:
Daß vmb dein gantzes Hauß gewaffnet Volck versteckt /
Daß man mit list zu vnß gesonnen einzudringen:
Ja daß der Keyser vnß heist bey der nacht bespringen:
1. Versch. Vmbsonst! so lang ich noch die finger regen kan.
Jhr Helden / greifft zur Wehr: es geht vns samptlich an:
Viel besser / seinen feind mit seiner Leich erdrücket
Alß in der Hencker strick / ohn Gegenwehr ersticket.
Cramb. Wer weiß noch ob es so: Ich wil ins Vorhauß gehn.
Vnd hören was er sucht. II. Versch. Wir wollen bey dir stehn:
Weil vnß die Brust hier klopfft: Cramb. bleibt jhr alhie verborgen.
Biß ich vmb beystand schrey / vielleicht sind diese sorgen
Gantz eitel. 2. Versch. Stelle dich / alß ob du erst erwacht.
Cramb. wol. 2. Verschw. reiß die Kleider loß. Ach kummerreiche Nacht!
III. Versch. Auß kummer wird die ruh': auß vnlust / lust gebohren.
Die vors gemeine gutt zusammen sich verschworen.
Die muntert arbeit auff. II. Versch. mich schreckt die arbeit nicht.
Wer sich vor noth entsetzt / dafern die Angst einbricht
Vnd das gesteckte ziel verkehrt muß vntergehen;
Wenn Helden nach der angst auff schmertz vnd grabe stehen.
Der Seuffzer reitzt mich an! gleich als der flammen macht
Die man verbergen wil / in jhrer eng' erkracht
Vnd durch das krachen lebt. I. Versch. wol Helden: spart' die worte.
Vnd greifft die Waffen an. Wir stehn auf diesem ortte
Auff dem man siegen muß. 2. Versch. wenn dieser vnterliegt
Der mich zu stürtzen sucht / hab ich im fall gesiegt.
1. Versch. Recht: der ist lobens werth / der wenn er nun muß springen /
Diß was jhn zwingen wil / kan mit zu boden dringen.


Der Vierte Eingang.

Der von Crambe. Die Verschwornen.

Cramb. Nur muth! die furcht ist falsch die vnß jtzt überfiel.
Jhr kenn't den Theoctist. 1. Versch. Ja. meld' vnß waß er wil.
Cramb. Durch jhn läst Michael vnß seine meynung wissen:
2. Versch. Wie! mündlich? Cramb. Nein durch schrifft. 1. Verschw. last vns den briff entschlissen.
Cramb. Es ist ein klein Papier mit wachs gantz überdeckt.
3. Versch. gemach! es geht schon ab. Hier ist die schrifft versteckt.
4. Versch. Ist diß sein Petschafft. Cramb. Ja: 6. Verschw. was mag jhn doch beschweren?
Cramb. Ist diß wol fragens werth? 6. Verschw. kom liß vnß sein begehren:
Cramb. Durch euch kom' ich / vnd jhr durch mich / in höchste noth:
Find't mich der morgen hier / so trifft euch Pein vnd todt.
1. Versch. Ich schawe keinen weg jhm noch die nacht zu rathen /
Die Burg ist starck besetzt / die Thore mit Soldaten
Versichert vmb vnd vmb / der ehrnen Riegel macht
Schleußt allen zugang ab. 3. Versch. Hat er zu wegen bracht
Daß Theoctist den weg durch Thor vnd Schloß gefunden;
Warumb denn zweiflen wir? wir? die wir nicht gebunden:
1. Versch. Ein Mensch kom't leichter von dem Hoff alß viel hienauff.
Cramb. Vermag ein einig Mensch mehr denn ein gantzer hauff?
I. Versch. Ja freylich wenn man sich in Fuchßfell muß verkleiden
Cramb. Es gilt die Lewen haut. 1. Versch. Diß wil die zeit nicht leiden.
Cramb. Dafern vns was er drewt den morgen überfäll't /
So leiden wir den tod den vnß die zeit vorstell't.
2. Versch. Es sey nun daß man vnß dem Keyser hab entdecket:
Es sey daß Michael vns nur durch wortt erschrecket /
So rath' ich: saumbt nicht mehr / diß was wir in gemein
Beschlossen: glaub't es fest! kan nicht verschwiegen seyn /
Dafern man länger ruht. 5. Versch. Ist jemand hier zu finden
Dem man Verrätherey mit warheit auff kan binden?
2. Versch. Betreug dich selber nicht: das todte marmor hört
Was man von Fürsten spricht. Diß bild / der pfeyler lehrt
Was wieder sie gedacht / vnd kan von vnraht sagen.
1. Verschw. Vnraths mehr denn zu viel / last vnß nach rath vmbfragen.
Cramb. Schafft auffruhr in der Statt. 1. Versch. Wie? wan? in einem nue.
2. Versch. Erbrech't die Burg mit gold. 1. Versch. Wer spricht der Wache zue?
Wer liefert vns das geld? wird man so rawe sinnen
Vnd so viel toller Köpff' in einer Vhr gewinnen?
5. Verschw. Hört meinen anschlag an: Wenn man den Vierten theil
Der nacht außblasen wird; muß in geschwinder eyl
Die Rey der Priester / der die Burgkirch anbefohlen
Sich finden auff die Burg. Man kan mit jhr verholen
Eindringen durch die Wach / Es wird mit höchster pracht /
Das heilig hohe Fest der frewdenreichen nacht /
In der die Jungfraw hat deß Höchsten Sohn gebohren;
In dessen gegenwartt / auff den wir vns verschworen /
Begangen / wie man pflegt: Auff denn vnd legt euch an
Alß Priester! werfft den Helm / vnd was vns hindern kan /
Nur hin; das schwerd verbergt in außgehöl'te kertzen:
Vnd nembt den Tempel eyn / biß daß der Brunn der schmertzen /
Das vngehewre Thier / vnwissend seiner noth
Vnwissend dieser macht! dem langst verdienten todt
Getrost entgegen geh'. 1. Versch. Hier ist zu überlegen /
Mein bruder / was zu thun? Wenn jemand auf den wegen /
Wenn einer in der Kirch vns in dem kleidt erkenn't /
Das vns nicht zimblich ist. 2. Versch. so fällt man in die Hand
Der Grausamkeit. 5. Versch. die nacht bedeckt vnß auff der gassen /
Die Priester pflegt man stracks ohn' einred' ein zulassen.
Im Tempel kan man sich verbergen hier vnd dar:
Biß daß der Fürst erscheint. Denn werfft jhn auff die bar.
3. Verschw. Noch eins: Wir müssen all' auff einmal jhn bespringen /
Verziht denn / biß man hör' jhn mit den Priestern singen:
5. Versch. Diß mag das zeichen seyn; Wenn man das ander Lied
Anstimmen wird / so geht vnd reißt das tode glied
Deß grossen Reichs hinweg. 3. Versch. Wir haben zeit zu eylen:
Sag't an wo jhr bedacht in dessen zuverweylen.
Cramb. Warumb? wo denckst du hin. 3. Verschw. Ich wil mich vmb ein kleid
Bekümmern. Cramb. sonder noth. Man sol in kurtzer zeit
Vns was erfordert wird in meinem Hause reichen:
Ich bitt' euch laßt vns nicht mehr von einander weichen
Biß nach vollbrachter that. 1. Versch. die grimme noth verbind't
Vns alle: Wo nun Händ vnd Helden kräffte sind /
Wo ein behertzter muth / der die geschwinden Pfeile
Der schwartzen angst verlacht / wo jhr die donnerkeile
Die stürme rawen glücks alß Felsen in der See
Empfindet vnerschreckt wo euch die grause höh /
Der Klipp' auff der wir stehn in keinen schwindel stürtzet:
So haben wir die macht der Tyranney verkürtzet.
Wo euch der ernste blick deß todes zaghafft mach't;
So glaub't daß vns der tod bestimm't nach einer nacht.
Viel besser / denn sein blut / vnd muth / vnd gutt / vnd leben
Für das gemeine best' alß sonder nutz gegeben.
Mit kurtzem: Hier ist Ehr: wo euch die Ehr' ansteckt:
Hier noth; wofern die noth den schlaffen muth erweckt.
Cramb. Dis schwerd / das ich anietzt mit dieser Hand entdecke:
Sol zeugen wer ich sey. Wo ich den Stahl nicht stecke
Dem Lewen in die Brust: so fahr er durch mein Hertz.
Euch / bitt ich! stoß ich nicht; wo mich der grimme schmertz
Den Arm nicht regen läst / so stoß't mich selbst zu grunde.
1. Verschw. Diß ist mein vorsatz auch. Ich red' es mit dem munde.
Ich schwer' es mit der Faust. Die that sol bürge seyn /
Daß ich Tyrannen feind. Daß nicht die furcht der Pein
Bestritten meinen Geist. die stunde sol erklären
Ob dieser muth zu klein / den Thron in nichts zu kehren.
3. Versch. Versichert euch dis fest / daß jeder willig geh'
Wohin diß werck vnß rufft / ehr wird die glutt in schnee.
Die flamm' in gläsern eyß / das Meer in graß sich wandeln.
Eh' einer wird verzagt / bey diesem anschlag / handeln.
Cramb. Gold wird durch glutt / ein Held durch angst vnd ach bewehrt
Wer furchtsamb: leb' in noth: wer muttig: zuck' ein schwerdt.
Wolan denn / folg't / ich wil euch in dis Zimmer führen:
In welchen euch erlaubt alß Priester aus-zu-ziehren.

Reyen der Priester vnd Jungfrawen.

I. Satz.

Jungfrawen. Die Frewdenreiche Nacht:
In der das ware Licht selbstendig vnß erschienen
In welcher der / dem Erd / vnd See / vnd Himmel dienen
      Vor dem die Höll erkracht /
Durch den was athem holt muß leben /
Sich in das Thränenthal begeben /
In welcher Gott kam von der Wolcken zelt;
Die werthe Nacht erquickt die grosse Welt.

I. Gegensatz.

Priester. Der jmmerhelle glantz /
Den Finsterniß verhüll't / den dunckel hat verborgen
Reißt nun die deck entzwey / die Sonne die ehr morgen
      Eh' der besternte Krantz
Der Himmel weiten Baw geschmücket /
Eh' Ewigkeit selbst vorgeblicket /
Hervor gestralt / in schimmerndlichter pracht;
Geht plötzlich auff / in schwartzer Mitternacht.

I. Zusatz.

Jungfr. vnd Priester. Erden steh der Himmel bricht /
Doch nicht zutrennt von heissen Donnerkeilen:
Schaw't das geschöpff der Engel zu vnß eilen.
      Weil der Schöpffer vnß zuespricht.
Doch nicht mehr mit schweren Wettern; nicht mit grimmer glut vmbringet:
Ach! man hört sein zartes winseln: weil sein hohes Feldheer singet.

II. Satz.

Priester. Wir jrr'ten sonder Licht.
Verbann't in schwartze nacht durch Gottes ernstes fluchen:
Drumb wil der Segensheld / vns in dem finstern suchen
      Hört jhr sein ruffen nicht?
Jhr die deß Höchsten bild verlohren:
Schawt auff das Bild das euch gebohren /
Fragt nicht / warumb es in dem Stall einzih'?
Es sucht vns / die mehr Viehisch alß ein Vieh.

II. Gegensatz.

Jungfr. Der schatten nimbt ein end /
Die alte Prophecey wird durch diß Kind' erfüllet
Durch seine Thränen wird der Hellen glutt gestillet
      beutt vnß mund vnd Händ.
Kön't jhr nicht vns're glieder kennen /
Wir mögen Gott nun Bruder nennen!
Er ist nicht mehr ein Fewer das verzehrt;
Der HERR hat sich in einen Knecht verkehrt.

II. Zusatz.

Priester vnd Jungfr. Ehre sey dem in der höh'
Der vnser fleisch mehr alß zu hoch verehret.
Der seine Gütt vnendlich hat vermehret.
      Sein stets fester friede steh /
Länger als die Sonn' vns scheine: dieses Kind verley vns allen
Daß wir wollen seinen willen / daß wir jhm stets wol gefallen.

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