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Gutenberg > Andreas Gryphius >

Leo Armenius

Andreas Gryphius: Leo Armenius - Kapitel 13
Quellenangabe
typetragedy
booktitleLeo Armenius
authorAndreas Gryphius
year1996
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-007960-8
titleLeo Armenius
pages1-3
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1650
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Die Vierdte Abhandelung.

Der Erste Eingang.

Der II. vnd III. Zusammengeschworne.

II. Du glaubst denn durch diß werck / daß Gott vnd Mensch verflucht /
Das wider Ehr' vnd recht zu finden was man sucht?
Bedencke! sol ein Geist! sol ein betrüger sagen
Was man verrichten wird? sol er auf was wir fragen
Antworten sonder list? wer solchen rath begehrt
Laufft in sein eigen grab. III. Diß Spiel geht so verkehrt
Daß vnß kein rechter weg mehr wird zu ende führen.
Wir haben stand vnd gutt / vnd Leben zuverliehren.
Bey frembden seuchen greifft man frembde mittel an.
II. Ja mittel! wenn man nur dadurch was helffen kan!
Du wirst hier leider nichts! alß solche wort erlangen:
Die den / die jenen sinn / nach jedes Kopff empfangen.
III. Man deut' es wie man wil! wol! wenn es nur vor mich!
II. Man deut' es wie man wil! wie wenn es wider dich?
III. Hab' ich den Halß verschertz't / so darff ich mich erkühnen /
Den vorgesetzten tod was besser zuverdienen.
Fällt denn der aus spruch gut: so bleib ich vnverzagt /
Weil man sich nicht vmbsonst in solchen anschlag wagt.
II. Viel besser sonder schuld / dafern es fehlt: gestorben /
Vnd sonder schuld / den Sieg / dafern es glückt / erworben.
III. Ich kan nicht zwischen Furcht vnd zweyfel länger stehn.
Du magst / wo dir geliebt / zu dem von Cramben gehn.
Ich folg ohn alle feihl. doch halt diß thun verschwiegen.
Diß ist Jamblichus Hauß. II. die Werckstatt toller lügen.


Der Ander Eingang.

Der III. Verschworne: Jamblichus, ein Knabe / Der Höllische Geist.

Jamb. Wer klopft? Ver. thue auf. Jamb. wer ists? Ver. dein freund! Jamb. wer ists? Ver. gib acht!
Jamb. Ey wie so späth! es ist schier über mitternacht /
Astree steigt herauf. Der Bär ist vmbgekehret.
Ich habe mit verdruß dein' Ankunfft längst begehret.
Die recht bequeme zeit entgeht vnß auß der hand /
Die Geister halten nicht jedweder stunde stand.
Ver. Ich kont aus meinem Hoff vmb argwohn zuvermeiden
Nicht eher biß der schlaff all' eingenommen / scheiden.
Du weist warumb ich komm' ich habe den verlauff
Deß Wercks' dir heut' erzehlt halt mich nicht länger auff.
Jamb. Gantz nicht. Nur bleib behertzt / man richtet an dem ortte
Mit zittern wenig auß / enthalt dich aller wortte /
Schreit auß dem Zirckel nicht. Die schlingen binde loß
Entgürtte deinen Leib / der lincke Fuß sey bloß.
Mein Sohn. Bring vns den Zeug / durch den ich blitz errege /
Vnd Leichen aufferweck / vnd Hecaten bewege.
Löß auff mein greises Haar / Nimb diese Hauben hin /
Vnd diß gemeine Kleid. Du must den Schuch abzihn.
Wo ist der weisse Rock mit Bildern außgestücket?
Der auff gesetzte zeit / durch keusche Hand gestricket?
Das Liecht von Jungfern-wachs vnd Kinderschmaltz gemacht
Die rutte die ich nächst / alß zwischen Tag vnd Nacht
Die gleiche Sonnen stund / auß vielen Haselstreuchern
Mit schwerer müh' erkohr. Gib Ypen / gib zu räuchern.
Vmbwinde mir dreymal den Kopff mit diesem Band
Schütt aus die Todtenbein' steck an die dürre Hand;
So lang' alß hiervor vnß die liechten Finger brennen
Müß vnß kein frembder Mann. Kein fremdes aug' erkennen.
Diß sey der erste ring / diß sey der letzte kreyß /
Hieher gehört der Kopff. Hieher das tuch mit schweiß
Der sterbenden genetzt; die eingebund'nen Hertzen
Hieher die Frawen haut / die in den Kinder schmertzen
Durch diese faust erwürgt / die kräutter zwischen ein:
Die ich mit Ertz abschnitt bey stillem mondenschein.
Gib achtung: ob ich recht die zeichen auffgeschrieben:
Ob nichts was nötig ist sey vnter wegen blieben.
Schrecklicher König der mächtigen Geister. Printze der Lüffte Besitzer der welt:
Herrscher der jmmerdar-finsteren Nächte: Der Tod vnd Hellen gesetze vorstellt.
Der was vor ewigen zeitten verschwunden /
Der was die künfftig einbrechende stunden.
Den sterblichen gesetzt / der was noch jetzund blüht
Vnd was zutretten wird alß gegenwertig siht.
Leyde daß ich dein gewey'ter dich grüsse: Leide daß ich deine sinnen ergründe.
Gönne doch daß in so wichtiger sache / Ich was zu thun / was zu lassen / erfinde.
Laß wie diß blutt auß der Ader entspringet /
Laß wie der rauch in die Lüffte vor dringet
Laß wo dich je ergetzt was dir zu dienst geschehn
Vns deß so schweren wercks gewündschten außgang sehn.
Der du alle List erdacht /
Der du gifft zu wegen bracht /
Den der weise Brachman ehrt /
Den der Nack'te LehrerNackte Lehrer. Sonsten Gymnosophista. von welchen Plinius in dem 2. Capitel deß 7. Buchs / Cicero in dem 5. Buche seiner Tusculanischen fragen: Philostrat. in seinem Werck hin vnd wider. Augustinus in dem 15. Buch von der Statt Gottes / vnd viel andere. hört /
Den der Indian gekrönt
Vnd mit Menschen blutt versöhnt.
Dem Chartag' jhr Kind vmbbracht /
Dem der Scyte gäste schlacht /
Dem man in der Juden LandDem Man in der Juden Land. Von der Juden verbotenen Opffern / haben vnterschiedene weitläufftig geschrieben / Ich wil zu besserem nachricht nur einen orth auß dem Buch Ialkut hieher setzen: durch welchen die wort deß 7. Capitels Jeremiae erkläret werden; Molech war ein Bild dessen Angesicht als eines Kalbes/ die Hände aber außgestrecket als eines Menschen / der die Hände öffnet vmb etwas zu empfahen / Inwendig außgehölet. Diesem sind sieben Capellen auffgerichtet gewesen: Vor welche gedachtes Bild gesetzet wurd: Wer einen Vogel oder junge Tauben opfferte: ging in die erste Capelle / wer ein Lamb oder Schaff: in die andere. Wer einen Widder: in die dritte. Wer ein Kalb: in die vierdte / wer einen jungen Ochsen / in die fünffte. Wer einen Ochsen: in die sechste. wer letzlich seinen eignen Sohn opfferte: nahm die siebende ein: dieser küssete den Molech wie dort stehet.

להם הם אמרים זבחי אדם עגלים ישקון

Hoseae 13. Der Sohn wurde vor den Molech gesetzet. Molech aber von vnten mit vntergelegtem Fewer erhitzet / biß er so glüend wurdt / alß ein Liecht / denn namen die Priester das Kindt vnd legeten es in die glüenden Hände des Molech / vnd damit die Eltern das winseln vnd heulen des Kindes nicht höreten: schlugen sie auff der Drummel: dannenher ist dieser ort genennet תפת nemlich von תפים welches drummeln heiset: der Thal aber הנם weil die stimme des Knabens נהם oder brüllend war / oder auch weil die dabey stehende Pfaffen zu sagen pflegten יהנה לך Es würd dir nützlich seyn. Was ferner vor zeiten durch solche Opffer gesuchet / wie auch was von derogleichen erscheinungen vnd weissagungen zu halten / haben sich viel zuerklären bemühet. Vnsere meynung führen wir weitläufftiger aus in vnsern bedencken von den Geistern: welche wir mit ehestem / da GOTT wil / hervor zu geben gesonnen.


Erster Mütter frucht verbrand /
Dem der Celte Köpff auffhenckt /
Vnd gefangner leben schenckt.
Wo du dem welcher dir die Knie geneiget /
Oft in Gestalt der Schlangen dich gezeiget;
Wo dir geliebt / in vngehewren hecken
Durch zeichen / durch gesicht / durch licht vns zu erschrecken!
Wo deine lust die lüffte zu bewegen /
Mit blitz vnd donnerschlägen;
Wo deine Krafft sich find't in vnterjrrd'schen klüfften /
In kalter Leichen grüfften:
Wo die verborgnen schätze /
Sind vnter deiner Hutt;
Wo nichts das dich ergetze /
Geh / über Menschen blutt:
Wo du mit toller brunst die sinnen kanst entzünden:
Vnd ware lieb' auffbinden:
Wo du in Nymphen dich / vnd Nixen oft verstellet:
Vnd dich zu Fraw vnd Mann gesellet:
Wo du die Fraw dem Mann / den Mann der Fraw'n verschlossen /
Daß sie keiner Eh' genossen:
Wo du durch Bruder hand / die Brüder hast getödtet;
Vnd den vnschamhafften Sohn durch der Eltern blutt erröttet.
Wo du was künfftig offt erklär't
In einer Jungfraw'n eingeweide
Die durch deß eignen Vaters schwerdt
Geopffert in der wüsten Heide.
Wo eines Knaben abgehawen Haupt
Durch dich / was man nicht wust' / entdecket.
Wo fern ein Kind das von der Brust geraubt /
Mit nutz dir an den Pfaal gestecket /
Wo einer schwangern Leib / noch lebend aufgeschnitten:
Vmb dir genung zu thun / vmb dich zu überbitten:
Wo eine Mutter selbst was sie gebahr verzehrt
Alß du dich günstig hast zu jhr gekehrt.
Wo ich dein Priester bin / der niemals vnterließ
Mit solchen opffern dich zu ehren:
Wo ich der Frawen Hertz warm auß den Brüsten rieß
So laß mich gnädig antwort hören.
Wo ich was heilig / stets entweyet:
Vnd was gesegnet ist vermaledeyet;
Sol vnbeflecktes blutt ich morgen dir vergissen /
So laß mich klärlich' Antwort wissen:
Wo die verborgne krafft der frembden wort vnd zeichen
Die ich beginne:
Dich / Herrscher / mächtig zu erweichen
So gieb / daß ich / was ich begehrt gewinne

Nach diesem macht er etliche figuren vnd murmelt eine zimliche weile.

Sehr wol! ich bin erhört / der Sternen glantz erbleicht /
Der Himmel steht bestürtzt / der Löw / der Bär entweicht
Die Jungfraw scheust zurück / die dicken lüffte blitzen /
Der Erden grund erbebt / die wäch'sne Bilder schwitzen
Wie bällt die Hecate! die flammen brechen vor
Erschrick nicht! Schaw der Geist? hier dient ein achtsam ohr.
Der Geist. Deß Keysers Thron zubricht / doch mehr durch list / alß stärcke /
Wo man kein blut vergeußt / geht man mit Mord zu wercke:
Der Kercker wird erhöht / wo euch nicht zweytracht schlegt:
Du: suche keinen Lohn / dir wird / was Leo trägt.
Jamb. Volbracht! wirf hinder dich mein Sohn was ich dir gebe.
Schaw nicht zu rücke biß der Geist die sach' aufhebe.
Er fleucht. raum alles weg / trag / ruthen / zeug vnd licht
An den bestimbten orth? wie? taug die antwort nicht?
Wie stehst du so bestürtzt? Verschw. Mir zittern alle glieder!
Ich weis nicht von mir selbst. Jamb. Ist dir der spruch zu wider.
Verschw. Nein warlich / ob er zwar in etwas dunckel scheint:
Ich bitt' erkläre mir was Er vor Oerther meynt
Da man kein blutt vergeußt: Jamb. die durch das recht befreyet.
Als Kirchen: als Altär vnd was mehr eingeweyet.
Verschw. Doch wie versteh' ich diß? du suche keinen lohn:
Dir wird was Leo trägt:Dir wird was Leo trägt. Alß Theophilus (Michaëlis Sohn) zu dem Regiment kommen / hat er nichts mehr jhm angelegen seyn lassen / alß diese welche seinem Vater zu dem Keyserthumb behülfflich gewesen / vnd den Leo erwürget / an dem leben zu straffen: Vnd damit keiner aus denselben verholen bliebe/ hat er in dem gantzen /in den Hoffe zusammen beruffenen Rath vorgegeben / daß Er seines Vatern befehl zu vollziehen gesonnen. Demnach dem selbiger die / die jhm zu erlangung der Herrschafft gedienet / nach würden zu belohnen begehret; hätte jhm der mangel der zeit / seinen Vorsatz auß zu führen in dem wege gestanden / weil jhn zu erst der Krieg: denn Kranckheit vnd endlich der Todt verhindert. Derowegen Er jhm befohlen / solche schuld willig vnd freigebig abzuzahlen. Deßhalben ermahnete Er dieselben welche seinem Vater in hinwegreumung deß Leonis beigestanden / daß sie sich von den andern absondern solten. Sie! welche diese list nicht begriffen / tratten auff eine seitten / vnd meldeten offentlich sie weren diese / Die seinem Vater geholffen. Er aber legete bald die Larve seines verstellens hinweg vnd sprach: Warumb habt jhr hand an den Gesalbten deß HERRN geleget? vnd seid nicht nur zu Todschlägern sondern auch zu Vatermördern an ewrem Keyser worden: Wandte sich auch bald zu dem Oberhauptman / vnd befahl sie hinzuführen / vnd nach verdienst abzustraffen. Zonaras in dem III. Theil in der Regierung Theophili. Jamb. was trägt er als die Kron?
Versch. genung. du solt mich nicht mein freund vndanckbar finden:
Die angesetzte zeit wil denck ich fast verschwinden:
Ich geh'. Jamb. Er fengt das werck zwar vnerschrocken an.
Vnd führt es glücklich auß doch wo ich rathen kan
Mit klein' auch keinem nutz. Was vns der Geist erkläret:
Sieht doppelsinnig aus. dir wird zu lohn bescheret
Was Leo trägt / Ja wol. was trägt er? Cron vnd Todt!
Ich fürchte daß man dich erdrück' in gleicher noth.
Ich habe die gefahr vorsetzlich dir verborgen:
Doch was der Abend nicht entdeckt / das lehrt der Morgen.

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