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Wilhelm Meyer-Förster: Lena S. - Kapitel 11
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typefiction
authorWilhelm Meyer-Förster
titleLena S.
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
printrunErstes Tausend
year1903
correctorWolfgang Klum
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
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Elftes Kapitel

Am 28. September kam auf der Rennbahn zu Hoppegarten das Renardrennen zur Entscheidung. Graf Johannes Renard, Schlesiens größtem Züchter, zur Ehre und zum Andenken.

Schwerin saß einsam zu Hause.

»Sobald das Rennen vorbei ist, telefoniere ich,« hatte Lena mittags beim Gehen gesagt, »einerlei, ob Lena S. dann gewonnen oder verloren hat.«

Nun saß Schwerin seit nachmittags um drei Uhr und wartete.

Um zwei Uhr hatte er zu Mittag gespeist, um halb drei war er von Clemens auf das Sofa gebettet worden, um den Nachmittagsschlaf zu erledigen, aber die Aufregung hatte ihn am Schlaf und Schlummer verhindert, und er saß und wartete.

Das Telephon befand sich unten beim Hauswirt, der, gegen seinen Mieter Schwerin immer von außerordentlicher Liebenswürdigkeit, sich bereit erklärt hatte, den Apparat an diesem Nachmittage so lange für Clemens zu reservieren, bis die erwartete Nachricht eingetroffen sein würde.

So gute Qualitäten Clemens in seiner vieljährigen Dienstzeit sich angeeignet hatte, so war ihm doch speziell der Gebrauch des Telephons nie recht geläufig geworden, und als er um drei, um halb vier, um vier, um halb fünf, um fünf hinauf kam, um dem Major jedesmal zu rapportieren, daß immer noch keine Nachricht eingetroffen sei, begann Schwerin in seiner Einsamkeit und in der folternden Ungewißheit alle Schuld auf Clemens zu entladen.

Er hatte nicht aufgepaßt, – er hatte das Telephon falsch gehandhabt, – was das Wahrscheinlichste war: er war beim Warten unten in dem engen Telephonkasten eingeschlafen!!

Der Diener beteuerte das Gegenteil, und in der Tat war dieser im Leben phlegmatische Clemens dem Telephon gegenüber und dem stundenlangen Warten gegenüber von einer solchen Nervosität befallen, daß die Behauptung, er wäre dabei eingeschlafen, selbst seine friedfertige Seele in Aufregung versetzte.

Zum erstenmal seit vielen Jahren erlaubte er sich einen Widerspruch: »Ich bin nicht eingeschlafen.«

»Wohl!« schrie Schwerin.

»Nein, Herr Major.«

»Wohl.«

»Nein, Herr Major.«

Schwerin ließ vor Staunen seine Zigarre auf den Teppich fallen, dann sagte er mit einer ganz veränderten und fast dünn gewordenen Stimme:

»Also so weit ist es gekommen. Dieser Mensch straft mich Lügen in meinem eignen Hause.«

Und als Clemens erschreckt, ernüchtert und wieder ganz zum Bewußtsein gekommen, den Vorwurf entkräften wollte, fand Schwerin nur ein Wort: »Geh.«

So begab sich Clemens von neuem an das Telephon, und der Major war wieder allein.

Er kam eine Zeitlang zu gar keinem rechten Nachdenken. ›Es bricht alles zusammen,‹ ging ihm durch den Sinn, ›es lohnt sich bald wirklich nicht mehr, weiter zu vegetieren. Sie kümmern sich einfach nicht mehr um mich. Mein Wille ist gleich null. Bei Lena, bei Clemens, bei jedem.‹

Ja, diese Lena! – Nun war sie wieder da. –«

Was aus dem allen noch werden sollte, er, Schwerin, wußte es wirklich nicht.

Heute vor drei Tagen, ungefähr um dieselbe Zeit, als die Herbstdämmerung durch die Fenster hereinschaute, hatte sich die Tür aufgetan und jemand in Hut und Jacke war auf Schwerin zugeeilt und hatte die Arme um ihn geschlungen.

Er war außer sich gewesen: »Lena, wo kommst du her?! Lena, was soll das?! Lena, was willst du hier?!« Aber sie hatte kaum geantwortet und hielt nur immer die Arme um seinen Hals.

Bis er nach zahllosen Hin- und Herfragen den Sachverhalt so festgestellt hatte, wie er ihn bei Lenas Anblick sofort in der ersten Sekunde vermutet hatte.

Sie hatte dann gebeten: »Ich konnte nicht anders, Onkel Schwerin, verzeih mir!« – und Schwerin hatte schließlich mit dem Kopfe genickt: »Ja, ja, Lena, es ist ja gut,« – aber verzeihen, was man wirklich verzeihen nennt, – – nein, – – das würde er ihr nie können.

Er hatte in den drei Tagen sich alle Mühe gegeben, den alten Ton wieder zu finden – – es war ihm nicht gelungen und würde ihm nie mehr gelingen.

Er erinnerte sich an die vielen Stunden, die George da drüben im Sessel bei ihm verträumt hatte, wie sie lange Abende zusammen seinen Rheinwein getrunken und seine Zigarren probiert hatten. Nun war das alles zu Ende. Nein, nicht das, denn das war schon lange zu Ende, aber alles andre: das Glück dieses armen George und seine Zukunft.

Es dämmerte in ihm auf: Lena ist das geworden, was ihr Vater und wir alle aus ihr gemacht haben: eine Zigeunerin, die nie eine Heimat gehabt hat und nie eine Heimat haben wird; ein Mädchen, das zu Grunde geht an seinen Kinderjahren! – –

– – In der Nacht darauf hatte er einen Plan gefaßt, der in seiner Einfachheit ihn selbst überraschte: man mußte Lena klaren Wein einschenken, ihr die Verhältnisse in aller Ruhe auseinandersetzen, ihr sagen, daß sie im Grunde genommen nichts war als eine Bettlerin. Das würde sie zur Vernunft bringen. – Aber es brachte Lena nicht zur Vernunft.

Im Gegenteil.

Sie hatte ihn mit einem seltsamen Gesichtsausdruck angeschaut: »Wer weiß, ob ich eine Bettlerin bin. Einstweilen habe ich noch das Pferd. Es gibt ja Wunder, und das Wunder will es vielleicht, daß die kleine Lena S. am Montag siegt. Wenn sie siegt, ist sie das beste Pferd im Lande. Und ich bin reich.«

Schwerin war aufgefahren mit einem empörten Lachen:

»Halt mich nicht zum Narren! Es gibt keine Wunder! Am allerwenigsten auf dem Rennplatz! Das weißt du genau so gut wie ich! Willst du mir sagen, daß du diesen unglücklichen George nur heiraten wirst, wenn solche Wunder eintreten?! Willst du das sagen, du?!«

»Ich will nichts sagen.«

»Aber du sollst sagen! Du sollst nicht stillschweigen und aus dem Fenster gucken und mir nicht antworten! Ich will wissen, wie das mit George wird! Ich will das wissen!!«

Mit einem müden, gleichgültigen Ausdruck kam sie immer auf ihre eintönige Rede zurück:

»Ich kann nicht in Oldeslo leben, – ich kann in solch kleinlichen Verhältnissen nicht leben, – ich kann es nicht.«

Er hatte alle Register der Schulmoral aufgezogen, alle banalen Weisheiten hervorgesucht, die er in seinen sechzig Jahren aufgelesen hatte, und deren jeder Mensch für solche Fälle eine beträchtliche Anzahl auf Lager hat, – er hatte gedroht, gewarnt, düstere Zukunftsbilder vor ihr aufgerollt, – aber Lena blieb bei ihren wenigen Worten: »Ich kann es nicht.«

Ohne Clemens' Hilfe, ohne die Hilfe irgend eines Menschen hatte er es mühselig fertig gebracht, aus seinem Stuhl sich aufzurichten und mit einer großen drohenden Geste sich vor sie hinzustellen:

»Und was willst du dann tun, wenn dieses alberne – wenn dieses Wunder nicht eintritt?! – Was wird dann aus George?!! – aus dir?!! –«

Sie hatte nur die Achseln gezuckt.

*

Um sechs kam Clemens mit seinem Rapport noch einmal und um halb sieben zum letztenmal, – gleich darauf klingelte es draußen, und Schwerin hörte im Vorplatze die Stimmen seiner Damen.

Die Tür öffnete sich, die kleine Frau v. Pauly kam herein.

Sie fand sich in der Dunkelheit nicht zurecht, sie suchte mit den Augen, aber sofort scholl ihr Schwerins Stimme entgegen, die sie mit Fragen überschüttete:

»Warum hat Lena nicht telephoniert? Wie ist das Rennen ausgefallen? Warum kommt Lena nicht herein? Hat sie gewonnen? Was ist nun?! Warum wurde ich hier mit Warten zu Tode gequält –?!!«

– Und durch die nervenzerrüttenden Ereignisse dieses Nachmittages erregt, durch des Majors durcheinander wirbelnde Fragen um den letzten Rest von Fassung gebracht, berichtete die kleine Frau verworrenes Zeug, vermengte Fragen und Antworten und versetzte durch ihre hilflose Aengstlichkeit den Major in einen solchen Grimm, daß er zum erstenmal in seinem Leben ihr gegenüber seine große Höflichkeit außer acht ließ:

»Ich will wissen, wer das Rennen gewonnen hat!«

Sie blickte ihn mit einem völlig erstarrten Ausdruck an, die herausgeschriene Frage donnerte in ihrem Kopf herum und schlug an alle seine Wände:

»Wer hat das Rennen gewonnen?« –«

Nein, sie wußte es wirklich nicht! Man hatte ihr draußen auf der Rennbahn den Namen des Pferdes gesagt, das weit vor den andern Pferden und weit vor Lena S. als Sieger das Ziel passiert hatte, – aber unmöglich, diesen Namen wieder zu finden!

»Wer das Rennen gewonnen hat, Madame,« sagte Schwerin mit einer unheimlichen Ruhe, hinter der ein Ungewitter lauerte. Die Sache ging ihm über den Spaß. Seit vier Stunden wartete er auf die Nachricht, und nun, da jemand vor ihm stand, der das Rennen selbst gesehen hatte, weigerte sich dieser jemand, ihm Auskunft zu geben!

Es gibt ein arabisches Märchen, in dem jemand in einen Berg eingeschlossen ist, dessen Ausgang er nur wieder finden kann, wenn er sich auf den Namen des Berges besinnt. Angst und Verzweiflung lähmen in dieser Lage alle seine Sinne und Denkfähigkeit. Genau so oder wenigstens ähnlich so erging es der kleinen Frau v. Pauly. Sie erinnerte sich undeutlich, daß der Name des siegreichen Pferdes ein seltsames, verrücktes Wort war, mit dem man nie und nirgendwo sonst in der Welt Pferde benennt, – und als sie noch ein oder zwei Sekunden nachgesonnen hatte und zu der Ueberzeugung gelangt war, daß sie diesen Namen nie finden würde, flüchtete sie zu der letzten Zuflucht schwacher Seelen und brach in ein verzweifeltes Schluchzen aus.

›Also ich werde richtig hier sitzen bleiben, und niemand wird kommen, um mir Auskunft zu geben,‹ dachte der Major. ›Gut so, nur weiter. Ein hilfloser Mensch, der sich nicht mehr bewegen kann, in einer Umgebung von Schlafmützen lebt und am besten tut, selber einzuschlafen.‹

Es war ganz dunkel im Zimmer geworden.

›Es bringt auch niemand eine Lampe,‹ dachte er. ›Gut so, nur weiter.‹

Aus einer Ecke des Zimmers klang das unterdrückte Weinen der Frau v. Pauly, und als Schwerin eine Weile das angehört hatte, versuchte er sein Heil noch einmal. Mit einer ganz zarten und höflichen Stimme sagte er: »Besinnen Sie sich einmal ganz in Ruhe, liebe Frau v. Pauly, – wer hat das Rennen wohl gewonnen?«

Aber keine Antwort erfolgte.

– Eine Weile später kam Clemens herein, um schweigend die beiden Lampen anzuzünden und sich dann schweigend zu entfernen. – –«

– Wieder eine Zeit später sah der Major die kleine Frau v. Pauly von ihrem Stuhl in der Ecke sich vorsichtig erheben und leise hinausgehen, – dann war er wieder allein.

Er hatte einen Augenblick die Empfindung, in einer Art von Irrenhaus zu sein. Er nahm eine Zigarre, brannte sie an, tat zwei Züge und legte sie wieder fort.

›Wenigstens weiß man jetzt soviel,‹ dachte er, ›daß Lena S. nicht gewonnen hat. Hätte Lena S. das Rennen gewonnen, so würde die Frau den Namen gewußt haben. Sie hat ihn nicht gewußt, ergo hat Lena S. das Rennen nicht gewonnen. Wie es vorauszusehen war. Wie es ganz selbstverständlich war. Was nun werden soll, weiß ich nicht.‹

– – Die Tür ging auf, Lena kam herein. Ganz ruhig ging sie auf ihn zu und gab ihm die Hand: »Guten Abend. Verzeih, daß wir nicht telephoniert haben. Ich habe es vergessen. Ich war sehr erregt, ich habe nicht daran gedacht.«

Sie trug noch das Kleid, in dem sie heute draußen gewesen war, – das erste helle Kleid seit ihrer Trauerzeit.

Sie ging an einen der großen Sessel, rollte ihn über den Teppich neben Schwerins Stuhl und setzte sich neben ihn:

»Ich habe dir Grüße zu bestellen. Alle fragten nach dir, wie es dir geht. Der Herzog wird nächster Tage einmal kommen, dich zu besuchen. Auch Bernstorff will kommen.«

Er blickte sie erstaunt an. Sie war so gefaßt und gleichmütig, als ob nichts passiert wäre.

»Erzähl mir von dem Rennen,« sagte er.

»Valérien hat gewonnen.«

»Wer war zweiter?«

»Kirawedda.«

»Und Lena S.?«

Sie zuckte leicht die Achseln: »Sie war an der Distanz geschlagen.«

»Sie war nicht unter den drei ersten?«

»Nein.«

Und als Schwerin sie mit großen fragenden Augen anschaute, als ob er das alles nicht begriffe, begann sie zu erzählen:

»Der Sieg in Frankfurt im Landgrafenrennen war wohl nur ein Zufall. Lena S. ist ein schlechtes Pferd, ganz ohne Frage. Es ist merkwürdig, wie man sich in Jährlingen täuschen kann, ich hätte in Harzburg darauf geschworen, daß sie allererste Klasse werden würde. Sie kam schlecht vom Start, das ist eine gewisse Entschuldigung, und Dockeray ritt sie auch nicht gut, denn er nahm soviel aus ihr heraus, um das verlorene Terrain wieder gut zu machen, daß die Stute nach einer halben englischen Meile ganz aussichtslos im Rudel galoppierte. Nachher nahm er die Peitsche, es war lächerlich. Wenn ein Jockey nicht fühlt, daß sein Pferd geschlagen ist, und nimmt ohne jeden Grund dann noch die Peitsche, das ist einfach lächerlich. Solche Leute setzt man bei uns in Deutschland immer noch auf die Rennpferde!«

Sie stützte den Arm auf die Lehne des Sessels und legte den Kopf in die Hand. Sie schien nachzusinnen, aber ganz gleichmütig, und ihre Augen gingen langsam über die Linien des Teppichs.

Nach einer langen Pause, in der Schwerin sie immer anblickte und sich immer nur fragte: ›Was heißt das alles? Was ist geschehen?‹ – beugte er sich vor und legte seine Hand auf ihr Knie:

»Lena –?«

»Ja –?«

»Was – was soll nun werden –?«

»Graf Johann Szatek hat um meine Hand angehalten.«

Er wollte emporfahren, aber er war wie gelähmt. Es wirbelte ihm durch den Kopf: George, – das Rennen, – Lena, – Szatek, – und wieder Lena, – und wieder George, – – das war ja unmöglich!! Sie konnte George nicht beiseite werfen, wie man einen verbrauchten Handschuh abstreift!! Mit heiserer Stimme sagte er:

»Weißt du, wer dieser Graf Szatek ist? Weißt du, wer deinen Vater ruiniert hat?«

»Wer?«

»Szatek.«

– Und als sie nicht antwortete und ihn nur anstarrte, erzählte er ihr mit einer Stimme, die immer rauher wurde, in abgerissenen Sätzen alles, was er von jener Affaire wußte. Daß Szatek es gewesen war, der in Hamburg dem Rittmeister den Todesstreich versetzte, als er ihn im Spiel ruiniert und auf der Bezahlung der Schuld bestanden hatte.

Lena war in ihrem Sessel zusammengesunken, die Arme schlaff vor sich auf die Knie gelegt und den Kopf gesenkt.

– – Der Major hatte schon lange geendet. Sie saß immer noch und gab kein Zeichen von sich. Da beugte er sich noch einmal vor und berührte ihre Hand: »Hast du gehört, was ich gesagt habe, – er hat deinen Vater ruiniert.«

Sie richtete den Kopf in die Höhe und sah ihn mit einem wunderlichen Blicke an: »Ja, ich höre es.«

Etwas wie ein Lächeln ging um ihren Mund, vor dem Schwerin zurückfuhr, – leise, unhörbar sagte sie vor sich hin: »Und ich werde ihn ruinieren.«

Sie träumte. Ueber dem schmalen blassen Gesicht lag ein grausamer Zug, der nur langsam wich. Sie dachte an George: ›Armer George‹ –, dann sann sie wieder vor sich hin: ›Wer mich nimmt, wird zu Grunde gehen, – besser er als du. Du hast nicht Schritt neben mir gehalten, George, aber er wird auch nicht Schritt halten. Er noch weniger als du.‹ – Wieder glitt das wunderliche Lächeln um ihren Mund: sie sah Zukunftsbilder, Glanz, Verschwendung. Sie war die Gräfin Szatek, vor der alle Welt sich beugen und der alle Welt huldigen würde. Während er selbst, Szatek, im Nebel hinter ihr verschwand, weil er nicht Schritt halten konnte, weil er vernichtet war. Sie ging ganz allein die große, glänzende Straße, ganz allein – –«

Sie wußte nicht, wie lange sie vor sich hingeträumt hatte, – vielleicht stundenlang.

Jemand berührte ihre Schulter, und sie schaute sich hastig um: »Was wollen Sie?«

Es war Clemens. »Der Herr Major muß schlafen gehen, gnädiges Fräulein, es geht auf Mitternacht.«

Sie sah nach der Uhr: wirklich elf Uhr vorbei. Dann blickte sie auf Schwerin, er schlief.

»Ja, es ist gut. Besorgen Sie alles, er soll schlafen gehen.«

Clemens öffnete die Tür zu dem Schlafzimmer und ging leise auf den Zehen hinein, um alles zu ordnen.

Lena stand auf, sie trat neben Schwerin und betrachtete ihn, dann nahm sie seine welke Hand:

»Denn ich bin jung und ihr anderen seid alt, ihr alle zusammen! Auch George. Ja, George, auch du.«

Sie strich sich über die Stirn und ging an das Fenster. Sie schlug die Vorhänge auseinander.

Der Platz mit seinen Lichtern lag vor ihr; darüber hinaus dehnten sich im Lichterglanz die langen, breiten Straßenzüge nach Westen.

Mit müden, glanzlosen Augen blickte sie hinaus und wiederholte die Worte: »Denn ich bin jung – denn ich bin – – jung.«

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