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Leier und Schwert

Theodor Körner: Leier und Schwert - Kapitel 6
Quellenangabe
typepoem
booktitleKörners Werke
authorTheodor Körner
year1903
publisherMax Hesses Verlag
addressLeipzig
titleLeier und Schwert
pages1
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1814
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Auf dem Schlachtfelde von Aspern

(1812)

                Schlachtfeld, wo der Todesengel würgte,
Wo der Deutsche seine Kraft verbürgte,
    Heil'ger Boden, dich grüßt mein Gesang!
Frankreichs stolze Adler sahst du zittern,
Sahst des Wütrichs Eisenkraft zersplittern,
    Die sich frech die halbe Welt bezwang.
Euch, ihr Manen der gefallnen Helden,
    Deren Blick im Siegesdonner brach,
Ruf' ich in den Frühling eurer Welten
    Meines Herzens ganzen Jubel nach.

Daß ich damals nicht bei euch gestanden!
Daß, wo Brüder Sieg und Freiheit fanden,
    Ich, trotz Kraft und Jugend, doch gefehlt!
Glückliche, die ihr den Tag erfochten!
Ew'ge Lorbeern habt ihr euch geflochten,
    Zum Triumph des Vaterlands erwählt.
Schwarz und traurig wie auf Grabestrümmern
    Wälzt auf Deutschland sich des Schicksals Macht;
Doch begeisternd wie mit Sternesschimmern
    Bricht der eine Tag durch unsre Nacht.

Sonnenhauch in düstern Nebeljahren,
Deine Strahlen laß uns treu bewahren
    Als Vermächtnis einer stolzen Zeit!
Überall im großen Vaterlande,
Von der Ostsee bis zum Donaustrande,
    Macht dein Name alle Herzen weit.
Aspern klingt's, und Karl klingt's siegestrunken,
    Wo nur deutsch die Lippe lallen kann.
Nein, Germanien ist nicht gesunken,
    Hat noch einen Tag und einen Mann.

Und solange deutsche Ströme sausen,
Und solange deutsche Lieder brausen,
    Gelten diese Namen ihren Klang.
Was die Tage auch zerschmettert haben,
Karl und Aspern ist ins Herz gegraben,
    Karl und Aspern donnert im Gesang.
Mag der Staub gefallner Helden modern,
    Die dem großen Tode sich geweiht:
Ihres Ruhmes Flammenzüge lodern
    In dem Tempel der Unsterblichkeit.

Aber nicht, wie sie die Nachwelt richte,
Nicht die ew'ge Stimme der Geschichte
    Reißt der Mitwelt große Schuld entzwei.
Ihre Todesweihe lebt im Liede;
Doch umsonst such' ich die Pyramide,
    Die der Denkstein ihrer Größe sei.
Auf dem Walplatz heiligten die Ahnen
    Ihrer Eichen stolze Riesenpracht,
Und die Irmensäule der Germanen
    Sprach von der geschlagnen Römerschlacht.

In dem blut'gen Tal der Thermopylen,
Wo der Griechen freie Scharen fielen,
    Grub in Marmor ihrer Brüder Dank:
»Wandrer, sag's den kinderlosen Eltern,
»Daß fürs Vaterland auf diesen Feldern
    »Spartas kühne Heldenjugend sank!«
Und Jahrtausende sind Staub geworden,
    Jenes Marmors heil'ge Säule brach;
Doch in triumphierenden Akkorden
    Riefen's die Jahrhunderte sich nach

Und erzählten trotz dem Sturmgetöse
Ihrer Zeit von der Heroen-Größe
    Der Gefallnen und von Spartas Dank.
Groß war Griechenland durch seine Helden,
Aber größer noch durch sein Vergelten,
    Wenn der Bürger für die Freiheit sank.
Jenseits lohnt ein Gott mit ew'gen Strahlen;
    Doch das Leben will auch seinen Glanz.
Nur mit Ird'schem kann die Erde zahlen,
    Und der Ölzweig windet sich zum Kranz.

Drum soll es die Nachwelt laut erfahren,
Wie auch deutsche Bürger dankbar waren,
    Wie wir der Gefallnen Tat erkannt.
Daß ihr Tod uns Lebende ermutet,
Daß sie für Unwürd'ge nicht geblutet:
    Das beweise, deutsches Vaterland!
Deine Sänger laß in Liedern stürmen
    Und zum Steine füge kühn den Stein
Und die Pyramide laß sich türmen,
    Der gefallnen Brüder wert zu sein!

Nur glaub' nie, du schmücktest ihre Krone,
Wenn du deine goldnen Pantheone
    Über ihre Grabeshügel wölbst!
Stolzes Volk, denkst du mit Marmorhaufen
Deines Dankes Schuldbrief abzukaufen?
    Deine Kuppeln ehren nur dich selbst.
Nur das Ew'ge kann das Ew'ge schmücken,
    Erdenglanz welkt zur Vergessenheit.
Was die Zeiten brechen und erdrücken,
    Ist gemein für die Unsterblichkeit.

Aber, Deutschland, um dich selbst zu ehren,
Nicht den eignen Tempel zu zerstören,
    Den die angeerbte Kraft gebaut,
Zeig dich wert der großen Todesweihe,
Dich, Germania, in alter Treue,
    Männerstolze, kühne Heldenbraut!
Friedlich Volk, brich aus den kalten Schranken,
    Warm und frei, wie dich die Vorwelt kennt!
Auf den Feldern, wo die Adler sanken,
    Türme deines Ruhmes Monument!

Sieh umher bei fremden Nationen,
Wie sie dort ein mutig Werk belohnen,
    Wie der Marmor in den Tempeln glänzt!
Jeder Steg aus dunkler Wissenssphäre
Drängt sich in das Pantheon der Ehre,
    Und der kühne Künstler steht bekränzt.
Aber gibt es einen Preis im Leben,
    Wo hinan nicht dieser Kampf gereicht?
Gut und Blut für Volk und Freiheit geben:
    Nenn' die Tat, die sich der Tat vergleicht!

Drum, mein Volk, magst du den Aufruf hören!
Östreich, deine Toten sollst du ehren!
    Wer zum deutschen Stamme sich bekennt,
Reiche stolz und freudig seine Gabe,
Und so baue sich auf ihrem Grabe
    Ihrer Heldengröße Monument,
Daß es die Jahrhunderte sich sagen,
    Wenn die Mitwelt in den Strudel sank:
»Diese Schlacht hat deutsches Volk geschlagen,
    Dieser Stein ist deutschen Volkes Dank!«

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