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Lebensgeschichte Tobias Knauts

Johann Karl Wezel: Lebensgeschichte Tobias Knauts - Kapitel 43
Quellenangabe
typefiction
booktitleLebensgeschichte Tobias Knauts, des Weisen, sonst der Stammler genannt
authorJohann Karl Wezel
year1990
publisherRütten & Loening
addressBerlin
isbn3-352-00287-8
titleLebensgeschichte Tobias Knauts
pages561
created20031209
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1776
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6.

Wenn der Steg wieder aufgerichtet ist, die Wirbel wieder angezogen, die Saiten wieder gestimmt sind, so kann man jedes Stück wieder auf der Geige spielen – sagte ich nicht ohngefähr so? – So viele Umstände braucht es bei der Seele nicht. Richtet den Steg wieder auf, und sogleich drehen sich die Wirbel allmählich von selbst so lange herum, bis die Saiten gestimmt sind, und ehe sie noch völlig rein sind, könnt ihr schon euer Lied daraufspielen. Da ich voraussah, daß mir in diesem Buche wenigstens einmal eine solche Vergleichung einfallen würde und doch die Einbildungskraft meiner Leser sich müde zeichnen könnte, ohne jemals ein treffendes Gemälde davon zum Vorschein zu bringen, wenn sie nichts als bisher unter den Sterblichen bekannte Instrumente, eins nach den andern, auf die Leinwand hinmalen wollte; so habe ich zu billiger Ersparung dieser Mühe – die manche unter ihnen so oft genug ermüden wird –, einem meiner Korrespondenten in London, dem Sir James Troughout, dem ich hiermit mein Autorkompliment gemacht haben will –

– Diesem würdigen Künstler habe ich den Auftrag getan, nach meiner Angabe bloß meiner Vergleichung zu Gefallen, ein eignes Instrument zu verfertigen, welches mein Gleichnis so genau nach dem Leben vorstellt, daß die Einbildungskraft, die es nicht gleich nachkopieren könnte, in ihrem Leben keinen Pinsel in die Hand genommen haben müßte. Könnte ich hierzulande einen Zeichner finden, der es getreu auf das Papier brächte, so sollte der schönste Kupferstich von einem Wille zwischen diesen zwei Blättern, wie Venus zwischen zwo Grazien, in hervorleuchtender Schönheit prangen.

Das war ein Autorkompliment an Herr Willen und an mich.

Da aber kein solcher Zeichner bei der Hand ist, so muß mein Buch eine der größten Zierden und meine Leser einen der schönsten Kupferstiche entbehren. Doch damit sie bei so ungünstigen Umständen wenigstens einen Teil des Verlustes ersetzt bekommen, so soll ihnen eine getreue, wörtliche Beschreibung dieses wichtige Kunstwerk bekannt machen. Mein Freund nennt es das allegorische Seeleninstrument; und die erste Messe, wo ein philosophisch-musikalisches Intelligenzcomptoir in Deutschland errichtet sein wird, soll das Werk selbst in Natur jedermänniglich vorgezeigt werden.

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