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Lebensgeschichte Tobias Knauts

Johann Karl Wezel: Lebensgeschichte Tobias Knauts - Kapitel 142
Quellenangabe
typefiction
booktitleLebensgeschichte Tobias Knauts, des Weisen, sonst der Stammler genannt
authorJohann Karl Wezel
year1990
publisherRütten & Loening
addressBerlin
isbn3-352-00287-8
titleLebensgeschichte Tobias Knauts
pages561
created20031209
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1776
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34.

Wohlan! Tobias Knaut! Deine Clarissa erwartet dich sehnsuchtsvoll, um auf dem Schlachtfelde der Tugend, wie sie es zu nennen beliebt, Lorbeern einzusammeln und alsdann von ihrem Lovelace entführt zu werden!

Emilie, die von seiner Tätigkeit keine hohe Meinung hatte, machte selbst Anstalten zum verabredeten Raube; sie bestellte, um nichts an der Form fehlen zu lassen, für ihr eignes Geld einen Wagen und Pferde; Elmickor und mein Held mußten auf ihr Geheiß des Nachts durch die offengelaßne Tür einbrechen und zu Faustinens Kabinette eilen, um mit ihr zu entfliehen, wo sie reisefertig am Tische saß und erwartungsvoll in der »Clarissa« blätterte.

Die Räuber erschienen; sie setzte sich zur Gegenwehr, ergriff statt der Waffen alles, was ihr der weibliche Aufputz ihres Zimmers darbot – Haarnadeln, Schere, Lichtputze, Pantoffeln und eine große Feuerzange, die sie ausdrücklich zu diesem Auftritte herbeigeschafft hatte. Die beiden Entführer waren auf ein solches Treffen schon von Emilien vorbereitet und erschraken also nicht im mindesten, als sie drohete, alles und endlich sich selbst umzubringen; um aber dem Schauspiele seine völlige Anmut zu geben, setzte ihr Elmickor ein ungeladnes sein sollendes Terzerol mit den Worten auf die Brust: »Mit uns oder in den Tod!« – Hurtig streckte sie ihr Gewehr und ließ sich unter vergnügtem Widerstreben auf ihren Schultern in die Kutsche transportieren. Elmickor holte alsdann aus einem andern angewiesnen Kabinette eine für ihn bestimmte Nymphe, die die Aufseherin des Bordells vor etlichen Wochen erst angenommen hatte und von der sie sich wegen ihrer unüberwindlichen Schamhaftigkeit keine große Wundertaten in ihrem Berufe versprach, sie freute sich, von ihr bei der Gelegenheit zugleich entledigt zu werden; und mit dieser ging ein wahrhafter Raub vor, denn sie wußte kein Wort davon, als sie Elmickor auffaßte und halbschlafend in den Wagen trug.

Unterwegs ließ Faustine manchen wackern Romanseufzer in die freie Luft, was ihrer Gefährtin, die ihren Schlaf nicht einbüßen wollte, höchst beschwerlich fiel; sie hätte gern die schönsten herzbrechendsten Deklamationen ausgeschüttet, war äußerst unzufrieden, daß ihre Entführer so ruhig schlummerten und sie nicht einer einzigen von den gewöhnlichen Mißhandlungen der Entführer würdigten, bis sie an die ausgesuchte Höhle kamen, wo sie wieder auflebte, daß sie der Romanenetikette gemäß behandelt und in einer Höhle beherbergt werden sollte. Sie ging nebst ihrer Gefährtin hinein; die Entführer kündigten ihnen ihren gemachten Plan und die künftige zu erwartende Lebensart an, worunter der vornehmste Artikel war – daß sie bei ihnen als Männer einige Zeit in dieser Höhle leben und nebst ihnen durch die strengste Enthaltsamkeit von allen ehelichen Rechten die Bewundrung der Welt, Ruhm und Ehre erwerben wollten. Beide Nymphen stießen im Unison einen großen, lauten Seufzer aus, warfen sich nieder und schliefen vor Verdruß ein und träumten – man rate, wovon!

Elmickors Absichten gelangen: Er erntete mit meinem Helden Bewundrung und stieg durch diese nebst ihm zu einem Glück empor, das seinen Ehrgeiz befriedigte.

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