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Lebensgeschichte Tobias Knauts

Johann Karl Wezel: Lebensgeschichte Tobias Knauts - Kapitel 14
Quellenangabe
typefiction
booktitleLebensgeschichte Tobias Knauts, des Weisen, sonst der Stammler genannt
authorJohann Karl Wezel
year1990
publisherRütten & Loening
addressBerlin
isbn3-352-00287-8
titleLebensgeschichte Tobias Knauts
pages561
created20031209
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1776
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12.

Glaubt mir, ihr lieben Eltern, ihr seid die Eltern eurer Kinder in jedem Verstande: Eltern ihres Körpers – Eltern ihres Charakters, ihres Glücks.

Nur noch ein klein wenig Geduld, meine lieben Leser, wenn ich bitten darf! In etlichen Minuten haben meine Lebensgeister den moralischen Kanal durchlaufen, und alsdenn will ich gleich wieder etwas erzählen, um den allmählich heranschleichenden Schlummer zu verjagen – oder noch besser! ich will Sie schon aufwecken, wenn es Zeit ist.

Eure Reden und Handlungen, ihr Eltern und die ihr nebst diesen die erste Gesellschaft ihrer Kinder seid, machen sie zu Bösewichtern und zu rechtschaffnen Männern; die Natur gibt euch in eurem Kinde nichts als einen Guckkasten oder eine Zauberlaterne mit weniger oder mehr gut geschliffnen Gläsern und einer halb angezündeten Lampe, weiter nichts! Ihr müßt Öl zuschütten; ihr müßt Bilder hinter die Gläser stellen. Kann der Mechanikus dazu, wenn ihr ein beschmiertes oder gar ein leeres Blatt dahinterstellt oder die Lampe dunkel brennen laßt? – Hütet euch also – – –

Nun waren sie durch! Ich wäre selber so froh, als es meine Leser nur immer sein könnten, wenn die Erzählungskanäle in meinem Kopfe häufiger oder doch wenigstens länger wären; aber so sind die Lebensgeister kaum darinnen – husch! sind sie wieder heraus und gleich in eine moralische Röhre hinein – und nun könnte ein Schiff durch den königlichen Kanal in Languedoc gehen, in Toulouse seinen Zoll bezahlen, die Garonne durchlaufen, bei Bordeaux seine Schiffsfahrer aussteigen und sich ihren übelverdauenden Magen mit so vielen Flaschen, als sie bezahlen können, kurieren lassen und wohl gar noch ins abendländische Meer hinausfahren, ehe meine Lebensgeister mit ihrem Wege durch den moralischen Kanal fertig sind. Aber was ist zu tun? Ich werde ein paar Röhren zustopfen müssen, wenn ich nicht will, daß sich meine Leser die Köpfe schwindlicht schlafen.

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