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Lebensgeschichte Tobias Knauts

Johann Karl Wezel: Lebensgeschichte Tobias Knauts - Kapitel 139
Quellenangabe
typefiction
booktitleLebensgeschichte Tobias Knauts, des Weisen, sonst der Stammler genannt
authorJohann Karl Wezel
year1990
publisherRütten & Loening
addressBerlin
isbn3-352-00287-8
titleLebensgeschichte Tobias Knauts
pages561
created20031209
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1776
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31.

Unterdessen daß sich mein Held und sein Freund gefaßt machten, die schwere Laufbahn der Selbstbezähmung anzutreten, erfuhr Emilie die Liebeserklärung, die einer ihrer Untergebnen geschehn war. Sie bezeugte viel Vergnügen darüber, weil sie schon längst gewünscht hatte, ihrer auf eine gute Art loszuwerden, da sie zu dem Gewerbe, zu welchem sie gegenwärtig angehalten wurde, nicht die mindeste Tüchtigkeit besaß und also ihrem ganzen Institute zur Last gereichte. Die Geliebte meines Philosophen war nach dem Tode ihres Onkels, des Hauptmann V., durch eine lange Reihe grausamer SchicksaleWelche bei einer künftigen Ausgabe umständlich und nach der Länge erzählt werden sollen. in diese unglückliche Lebensart geworfen worden, für die sie die Natur und ihr Stand offenbar nicht bestimmt hatten; deswegen könnte unser Knaut eine verdienstliche Handlung tun, wenn er sie herausrisse, versetzte er sie gleich in die dürftigsten Umstände; sie wäre dennoch unendlich besser daran. Mir ist bange, daß Elmickor mit seinen Deklamationen die Liebe aus seinem Herzen verscheuchen und ihn dadurch um die Ehre einer guten Handlung bringen wird.

Doch Emilie wird schon sorgen; sie wird von dem stärksten Interesse angetrieben, dies angefangne Liebesverständnis zur Reife zu befördern; und wo ein Interesse obwaltet, da bin ich nicht in Furcht, daß Menschen Kopf und Hände müßig ruhen lassen werden. Die Sache muß also zustande kommen.

Auch machte Emilie wirklich alle mögliche Anstalten; besonders gab sie dem Freunde des Elmickors, der meinen Knaut nebst diesem bei ihr eingeführt hatte, den angelegentlichsten Auftrag, allen Fleiß auf die Bewerkstelligung ihrer Wünsche zu verwenden, und versprach ihm zur Belohnung seiner Mühe zeitlebens einen freien und unentgeltlichen Zutritt in ihr Serail. Eine solche Aussicht mußte einen so sinnlichen Wollüstling, wie er war, anspornen, keine Kräfte zu sparen, keine Beschwerlichkeit zu scheuen, um seine Glückseligkeit nach seinen Begriffen auf immer zu gründen. Augenblicklich lief er voller Begierde, Elmickorn und den verliebten Knaut aufzusuchen; er fand sie bald und war entzückt, als ihm beide zu erkennen gaben, daß sie auch ohne seinen Rat und Antrieb den Tag darauf den Ort wieder besucht haben würden, zu welchem er sie auf das dringendste einlud; und noch entzückter war er, als sie ihn sogar um seinen Vorspruch bei der Geliebten meines Helden ersuchten und ihn baten, sie durch alle Künste der Beredsamkeit und der List zur Gegenliebe und zur ehelichen Verbindung mit ihrem Anbeter zu bewegen, und – als sogar Elmickor ihm den Auftrag gab, für ihn eine Ehegenossin aus dem nämlichen Hause zu verschaffen.

Ich erstaune! Was für Veränderungen in einer einzigen Nacht! – Was für heilsame Wirkungen, die ein einziges Gespräch alle hervorbringt! Mein Held und sein Freund gehen den Weg alles Fleisches und versorgen sich mit Weibern, die Mittelsperson wird nach ihren Begriffen auf immer glücklich, und ich – kann nach wohllöblichem Herkommen meine Geschichte voritzt mit einer Heirat schließen! Sollte ich meinen Helden noch einen Band hindurch auf Unkosten meines Witzes erhalten, so wäre ich freilich unendlich verschlimmert; statt eines einzigen nüchternen Philosophen hätte ich für Mann und Weib zu sorgen; – aber wenn mir seine Frau zur Last fällt, so bin ich nicht gut dafür, ob ich sie nicht in der Verzweiflung wieder in eine solche Gesellschaft de main morte zurückführen werde, aus welcher ich sie itzt reiße – aber das nur in der höchsten Not! – Itzt will ich erzählen, was alle diese großen Vorteile bewirkte.

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