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Lebensgeschichte Tobias Knauts

Johann Karl Wezel: Lebensgeschichte Tobias Knauts - Kapitel 108
Quellenangabe
typefiction
booktitleLebensgeschichte Tobias Knauts, des Weisen, sonst der Stammler genannt
authorJohann Karl Wezel
year1990
publisherRütten & Loening
addressBerlin
isbn3-352-00287-8
titleLebensgeschichte Tobias Knauts
pages561
created20031209
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1776
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Vierter Band

We first endure, then pity, then embrace.
Pope

Eine sehr lange Vorrede hatte ich meinen Lesern zugedacht und auch wirklich schon verfertigt, worinne ich Kunstrichtern und Lesern tausend Verbindlichkeiten und tausend Unannehmlichkeiten sagte, worinne ich mich beschwerte und rechtfertigte, drohte und bat, spottete und lachte, besonders ungemein viel von mir und meinem Werke, von meinen Absichten, Ursachen, Bewegungsgründen dabei, von der Ökonomie des Plans mit der philosophischsten und gelehrtesten Grimasse herschwatzte; doch kaum war der letzte Punkt aus der Feder geflossen, als der schadenfrohe Geist eines gewissen gallensüchtigen Beurteilers meinem Dintenfasse einen Stoß gab, daß es über die schöne Vorrede stürzte und mit einem reichlichen Strome die ganze witzige Geburt ersäufte.

Nichts konnte ich von dem Untergange retten als die Erklärung, daß dieser Band voritzt die Lebensgeschichte meines Helden schließen soll, weil ich ihn in seiner Laufbahn dahin gebracht habe, wohin ich ihn der ersten Absicht nach bringen wollte; da ich aber noch hinlängliche Materialien aus dem Zeitraume seines Lebens besitze, wo der Charakter, den wir bisher aus einer Reihe innerlicher und äußerlicher Ursachen haben aufwachsen sehn, sich in Handlungen zeigt, so verspreche ich, im Falle daß man eine zweite Auflage nötig machen sollte, die ersten zwo Bände von gewissen Überflüssigkeiten des Witzes und der Laune zu reinigen und noch einen fünften Band hinzuzutun; findet man aber mein Buch keiner zweiten Auflage würdig, so gilt es gleich, ob es als Werk von vier oder fünf Bänden vergessen wird. Unter dem vielen Bösen, was ich selbst wider seine gegenwärtige Gestalt zu sagen finde, weiß ich nichts Angelegentlicheres, als daß ich meinen Gegenstand nicht ernsthafter und spekulativer behandelt habe, und ich wünschte mir Muse, Kräfte und philosophischen Geist genug, um es dereinst tun zu können.

Indessen wäre es für mich hinreichende Genugtuung, wenn mein Buch etlichen meiner Nebenmenschen ein paar lachende Stunden verschafft hätte; denn in diesem Wirbel von Torheiten, leeren Wünschen, kindischen Bemühungen, geistlosen Freuden, ernsten maskierten Kleinigkeiten, langweiligen unbefriedigenden Ergötzlichkeiten, in welchem die Menschheit sich unwiderstehlich herumdreht, ist eine in der Einbildung verträumte oder verlachte Stunde eine wahre Glückseligkeit und vielleicht unter den mannigfaltigen Illusionen, die wir uns für Glückseligkeiten auf unserm Planeten auszugeben belieben, die größte der Empfindung nach und die einzige, die nichts weiter sein will, als was sie ist und alle sind – eine Illusion.

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