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Lebenserinnerungen eines deutschen Malers

Ludwig Richter: Lebenserinnerungen eines deutschen Malers - Kapitel 26
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typeautobiographie
authorLudwig Richter
titleLebenserinnerungen eines deutschen Malers
publisherDieterich'sche Verlagsbuchhandlung
year1960
firstpub1885
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Aus Ludwig Richters Tagebuch-Aufzeichnungen

Rom 1824

Sonnabend, den 13. November.

Ich las diesen Nachmittag noch einmal im Stilling und schrieb mir einiges heraus. Es ist ein treffliches Buch, und manches wurde mir deutlicher, in vielem wurde ich bestärkt; es entwickeln sich jetzt ganz eigentümliche Gedanken in mir, und ich bin seit diesem Sommer sehr anders geworden. Viele, und zwar die guten unter meinen hiesigen Bekannten, haben mich lieb, sie halten mich für einen unverdorbenen Menschen mit einem kindlichen Gemüt, andere witzige und kluge nennen mich kindisch, charakterlos. In mir aber herrscht ein doppelter Geist; ich möchte das erstere bleiben, zugleich aber einen gewissen Einfluß auf andere gewinnen; untersuche ich's genau, so ist das nur Eitelkeit. O selig der Mann, der so weit Herrschaft über sich bekommen hat, sich an das Gerede und Urteil der Welt nicht zu kehren und seinen Weg mit festem Glauben beharrlich fortzusetzen! Das ist notwendig fürs Leben und für die Kunst. Ich habe oft den Wunsch gehabt und ihn auch gegen Freunde geäußert, als ich in Albano an dem Kloster saß und zeichnete, in diesem Kloster als Mönch zu leben, abgesondert von der Welt in einer herrlichen Natur, und ganz Gott und der Natur und Kunst mich zu weihen und nur das zu malen und so zu malen, wie mirs in die Seele kommt nach meiner besten Überzeugung; denn hier im Leben kann ich mich doch nicht ganz rein von der Mode und frei von der Regel halten.

Die Gedanken und Vorsätze, welche meine Seele beschäftigen, sind in der Kürze ungefähr diese:

Immer nach alter, deutscher Weise streng rechtschaffen zu leben und rein zu bleiben im Handel und Wandel; dabei fromm, ein Christ, wie er sein soll nach dem Sinne Jesu; denn Religion, Glaube und Liebe allein führen zur Wahrheit und zur Glückseligkeit; nicht der äußeren, die kann doch nicht beständig und echt sein, aber zur inneren, diese ist Seelenfriede. Glaube und Liebe können alles bewirken, können Wunder tun, denn sie sind überirdische Gotteskräfte. Der Glaube kann Berge versetzen, sagt Christus: ich meine, man kann das fast buchstäblich nehmen. Die Wunder, welche Jesus und die Apostel wirkten, geschahen sie nicht aus der Kraft und Macht des Glaubens? Von einfältigen, aber weisen und frommen Menschen hat man oft schon wunderbare Dinge gesehen und gehört. Bei solchen Menschen ist auch der Glaube fest wie Felsen. Kluge Leute sind zu klug, um recht zu glauben, recht zu lieben; das zeigt ja oft die Erfahrung. Alle Worte Jesu sind unendlich tief, ewig wahr, und enthüllen die menschliche Natur und die Kraft Gottes am herrlichsten; darauf ist festes Bauen, daran trügt keine Silbe; Er ist die ewige Wahrheit selbst; ich habe eine unbändige Sehnsucht, die Bibel zu lesen, kann sie aber nicht sogleich bekommen.

Ich will künftig immer arm und einfach leben, ich mag müssen oder nicht; soviel werde ich durch Malen, Zeichnen und Radieren bei anhaltendem Fleiß und Geschicklichkeit immer verdienen, um leben zu können. In der Natur und meiner Kunst will ich meine höchsten Freuden suchen und werde sie da finden; denn sie stammen von Gott, sind unergründlich reich, ewig wechselnd und doch immer dieselben, treu und wahr, wie alle Werke Gottes.

In der Kunst soll Tiefe und Einfachheit mein Bestreben sein. Diese Worte sind leicht ausgesprochen, aber ich fühle jetzt mehr dabei als sonst; um aber die Natur mit tiefster Empfindung und den Gegenstand mit erschöpfendem Geiste zu fassen und mein Gemüt dadurch auszudrücken, treibt mich mein Sehnen und Verlangen nach deutschen, insbesondere nach den heimisch vertrauten Gegenden, weil ich doch diese nur recht kenne, recht tief empfunden und gefühlt habe. Es wird doch Seelen geben, die das Gute in solchen gemütlichen, gedankenvollen, aber kunst- und schmucklosen Arbeiten erkennen, schätzen und wohl auch einst ans Licht ziehen werden, wenn auch Tausende darüber witzeln und spotten. Ich arbeite ja nicht, um reich zu werden, und Weniges erwirbt man immer.

Doch die Gedanken liegen hier wie ein Chaos wild, dunkel, zerstückt durcheinander, und die Worte verderben den festen guten Grundgedanken, ich will ihn weiter verfolgen, und es wird mir eins nach dem andern wohl klarer werden. Diese Woche kann ich so ziemlich zufrieden übersehen, gebe der Himmel, daß ich in der nächsten noch besser vorrücke, aber leider geht das immer nur sehr langsam.

*

Sonntag, 14. November.

Heute nachmittag gab uns Flor einen Schmaus auf dem Monte Mario. Vormittag ging ich aber mit Thiele, Hein und Freund in die Sixtinische Kapelle, wo ich das jüngste Gericht zum ersten Male sah. Ich kann die Empfindungen nicht beschreiben, die mich überwältigten. Das Bild schildert würdig den ernsten Tag des göttlichen Gerichts. Dieser Reichtum von bedeutenden, poetischen Motiven, diese Riesenphantasie überfliegt alle Vorstellung. Unten die Auferstehung der Toten, der Kampf der Engel und Dämonen um die Seelen; Auffahren der Seelen. Christus der Zürnende ist von der fürbittenden Mutter und allen Heiligen und Patriarchen umgeben. Chor der Engel mit Christi Marterwerkzeugen. Der fürbittende Joseph. Sturz der Verdammten. Überfahrt Charons. Die Hölle; das sind ungefähr die Hauptgruppen des großen Bildes. Wie groß und bestimmt die Umrisse der einzelnen Figuren sind, sieht man an einigen untenstehenden. Wie groß und ernst alles gedacht, wie vortrefflich jede Gruppe motiviert ist, kann man nur selbst sehen. Wie bedeutend die Beleuchtung z. B. bei der Überfahrt des Charon, welcher sich in schauervollem Dunkel gegen die hellblitzende Luft abhebt! Es ist ein ungeheures Werk! Alle Fehler Angelos, die man ihm oft mit Recht zuschreibt, gehören mit zu seiner Größe und sind insofern keine Fehler. Die Propheten und Sibyllen und die Schöpfungsakte an der Decke, kann man sich nicht größer und erhabener dargestellt denken. Doch davon keine Worte; in meiner Brust leben ewig jene Göttergestalten und die erhabenen Phantasien des großen Geistes.

Wir speisten zu Mittag in einer kleinen niedlichen Kneipe mit Gärtchen, wo Raffael oft von seiner großen Arbeit ausruhte. Das Essen war einmal recht gut: zuppa rape, testa fritto und ganz delikates abaccio und ein stupendes Weinchen dazu; ich will den Schmaus nicht vergessen, denn wir waren herzlich lustig. Nach Tische zogen wir auf den Monte Mario. Die anderen waren schon alle beisammen, aßen und tranken tapfer, und wir taten auch nach Kräften. Es war einer der fröhlichsten Tage, die ich verlebt habe. An dem Ziehbrunnen (den Fohr gezeichnet) stand ein Tisch, zwei Fässer Wein darauf und Brot, Wurst, Schinken und gebratene Hühner in Menge. Um dieses grüne lustige Plätzchen standen die schönen dunklen Zypressen, durch welche man eine reizende Aussicht nach Rom und das Latinergebirge hatte, besonders schön machte sich der St. Peter mit dem Vatikan. Aber wir bekümmerten uns wenig um die Aussicht, denn wir waren zu lustig, und Scherz und Kurzweil nahmen kein Ende. Hoff, Flor und Stirnbrand sangen lustige Lieder, gegen Abend fingen wir auch an zu walzen, und mit einbrechender Nacht wurde bei Fackelschein noch ein wilder Kotillon getanzt, und ich mit Stirnbrand tanzten vor. Dann wurde gespielt. Braun las ein recht hübsches Gedicht auf Flor und zuletzt traten wieder die Sänger zusammen, und aufs neue erklangen wunderschöne Melodien in die tiefe Sternennacht hinaus. Die Zypressen waren rot von der Fackelglut erleuchtet und oben funkelten die Sterne blau herein; in der Stadt schimmerten einzelne Lichtchen. Alles war so still und feierlich, nur ein dumpfes Rauschen, wie vom Winde, strömte durch die Nacht. Ich lag an einer Zypresse und war recht selig, fühlte ganz das Glück dieser schönen Stunde. Nachts zogen wir herein. Auf der Straße vor dem Engelstore tanzten ein paar Winzer noch den Saltarehlo, und ein dritter klimperte auf der Zither dazu. Thiele toll und wild sprang mit dazu und tummelte sich herum wie ein Bacchant.

*

Sonntag, den 21. November.

Ich habe vergangene Woche Grimms deutsche Sagen gelesen, und sie haben mir viel Aufschluß über Auffassung deutscher Natur gegeben; denn ich suche alles, was ich lese, auf meine Kunst anzuwenden; ich will meine Gedanken später darüber aufschreiben, wenn alles im klaren ist. Überhaupt reinigen sich meine Ansichten immer mehr. Ich habe Luthers Bibelübersetzung mir angeschafft und las die Bibel zum ersten Male; denn in der Schule hatten wir nur einen ganz kurzen Auszug derselben. Ich kann nicht sagen, was sie mir für Wonne gewährte und welche tiefe, göttliche Wahrheit ich in den Worten Jesu finde.

*

Donnerstag, den 25. November.

Warum soll ich die Regeln dieses und jenes alten Meisters nachahmen? Ich kann und soll nur mich geben und nicht einen anderen, in dessen Geist ich mich doch nie einstudieren kann. Der Kunstzweck strebt ins allgemeine, die Darstellung aber bleibe individuell. Ich soll aus den Werken eines jeden großen Genius lernen, wie es seine Kräfte benutzte, wie alles in ihm ein Ganzes ist, alles organisch aus einem Geist, nach einer Regel gebildet. So soll auch mir meine Regel aus meinem Geiste schaffen und bilden, und meine Kunst, mein Leben, meine Ansichten, alles das muß eins mit mir sein, aus einem entsprungen.

So war's bei den Alten auch. Shakespeare, Homer und die Sänger der Nibelungen stehen hierin am höchsten da. Bei den neueren, besten Dichtern ist schon viel zuviel Nachahmung, und was bei den Alten natürlich ist, erscheint hier schon künstlich studiert und gesucht.

*

26. November.

Die Worte Kochs: »Die Landschaftsmalerei hört auf, wenn man recht über Kunst denken wird«, geben mir auch Stoff genug zum Denken. Ich tat früher schon oft mit Betrübnis einen ähnlichen Ausspruch, und doch bin ich wohl davon zurückgekommen. Wenn ich bedenke, welchen großen Eindruck die Natur immer auf jeden gefühlvollen Menschen hervorbringt, wie Gott sich in ihr offenbart, wie sie seit Anbeginn in reizendem Wechsel sich immer gleich bleibt, den irrenden und schwankenden Menschen der einzige sichtbare Leitfaden, eine lebendige Hieroglyphe von Gottes Gesetzen und heiligen Willen ist, worauf der Mensch immer wieder zurückkommt und hingewiesen wird, wie Jesus selbst in ihrer Betrachtung sich stärkte und in ihren unwandelbaren Gesetzen den Willen des Vaters fand und deutete und seine Gleichnisse aus ihr entnahm, wie er die Natur, also die sinnliche, körperliche Offenbarung des ewigen Geistes betrachtete, so muß ich sie doch als einen erhabenen Gegenstand für die Kunst ansehen, wenn sie nur groß, umfassend, geistig ergriffen und dargestellt wird.

Ich muß die Natur in solchen Momenten auffassen, wo sie mich und jeden Menschen am mächtigsten ergreift (z. B. Tages- und Jahreszeiten). Oft spricht sich der Sinn ihrer Erscheinung deutlich aus, aber nicht immer. Es gibt auch Momente und Gegenstände in der Natur, welche unser Gefühl wunderbar anregen, wo wir eine süße Sehnsucht empfinden nach unbekannten Wesen, nach dem ewigen Vaterlande vielleicht. Solche Empfindungen gleichen denen, welche durch die Töne einer schönen Musik oder durch einen wunderbaren, nächtlichen Traum erzeugt werden.   

Soll dein Werk auf den Geist wirken, so muß es auch ungeschwächt aus dem Geiste hervorgehen, deshalb erfinde und arbeite nur mit recht tiefer Liebe und mit Glauben. Denn diese Kräfte des Geistes, wenn du sie recht mächtig in dir hast, werden mehr wirken als alle Technik und Theorie und alle Vorteile deines Kopfes und deiner Hand.

Das Ganze behandle recht groß und so einfach als möglich, und mit Hinweglassung alles Kleinlichen, Unnützen. Aber alle Motive, welche beitragen können, den dargestellten Gedanken oder die Empfindung deutlicher auszudrücken und zu bereichern, suche anzubringen.

Einfachheit, Größe und Tiefe der Gedanken zeugen von deinem Geiste, der Reichtum der Motive von der Fülle deiner Phantasie.

Von Künstlern weiß ich keinen, der das ganz erreicht hätte. Ahnungen davon findet man am besten und meisten bei Ruisdael, einigermaßen auch bei Friedrich und Nikolaus Poussin.

Es soll aber ja keine künstliche Allegorie aus der Landschaft gemacht werden, das ist wider den Geist der Natur. Aber wohl gibt sie uns oft ernste, bedeutende Winke, zuweilen scherzt sie in der bunten, lieblichen Fülle und gibt uns den Vorschmack des Himmels.

Die Form ist körperlicher, der Ausdruck geistiger und kommt also zuerst in Betracht.

Es gibt eine poetische Anordnung der Farben, von welcher aber noch wenig Gebrauch gemacht worden ist. (Ausgenommen Raffael, Tizian, Poussin.)

Es ist ausgemacht klar, wie jede Farbe für sich eine besondere Wirkung aufs Gemüt hervorbringt und so auch in Zusammenstellung mit anderen, wobei natürlich ein gewisses Verhältnis beobachtet werden muß.

So z. B. Grün ist frisch und lebendig, Rot freudig oder prächtig, Violett melancholisch (wie bei Friedrich), Schwarz haben die meisten Völker für die Farbe der Trauer, des Todes angenommen. Gelb zu blau ist matt, sterbend, traurig. Grün zu Rosenrot lieblich und üppig.

Grün zu Rot – Pracht, Fülle; Grün zu Blau – heiter, ernst, erhaben. Wie melancholisch ist z. B. die Farbe der Weide und der Olivenwälder! Wie düster, schwermütig das dunkle Graugrün der Linde; wie heiter das Lichtgrün der Buche! Welche Empfindungen erregen die gelben Bäume im Herbst mit den schwarzen Ästen, die welken Blumen und Gräser! Wie gespenstisch der schwarze Eichwald im Winter, wo der Schnee weit hingebreitet liegt und auf den Ästen hängt! Eine solche geistige Anordnung der Farben hat viel Ähnlichkeit mit der Musik, sowohl in der Behandlung als in der Wirkung. Farben sind Töne. Auch in den Farben muß die möglichste Einfachheit beobachtet und auf große Massen gesehen werden; denn je einfacher, desto stärker ergreifend werden sie wirken.

Welches Leben, welche Frische, blühende Fülle erregt Tizians Kolorit. Es sind immer große, reine Farbenmassen. Eine süße Wehmut und Sehnsucht ergreift uns bei Poussins Landschaften. Es sind graue, gemischte, etwas dunkle Farben.

Kochs Landschaften würden mir besser gefallen, wenn weniger Stil darin zu spüren wäre. Dadurch gibt er den Eindruck nicht, den die Natur gibt. Der Künstler findet viel daran zu bewundern, aber den Nichtkenner und natürlichen Menschen läßt es ungerührt. Koch hat überhaupt viel Feuer, Leben, Geist, aber wenig Liebe, Gefühl und reine Natürlichkeit. Das sieht man auch in seinen Bildern; wenige gehen zu Herzen, obgleich sie recht schön sind.

Es ist gewiß recht gut für den Landschafter, wenn er die Volkssagen, Lieder und Märchen seiner Nation studiert. Er sieht darin den Geist des Volkes, welcher mit diesen Sagen seine Umgebungen belebt. Die örtlichen Sagen und auch die Märchen knüpfen sich fast immer gerade an solche Gegenstände, welche in der Natur unser Gemüt am wunderbarsten erregen. Das Volk sucht diesen Geist zu fassen oder auszudrücken, indem es wunderbare Geschichten daran knüpft. Und wahrlich, er ist auch immer gut getroffen, echt volkstümlich aus der Sage selbst und dem Glauben und Empfinden des Volkes entsprossen! Wie herrlich sind in den Märchen das geheimnisvolle Waldesdunkel, die rauschenden Brunnen, blühenden Blumen und Knospen, die singenden Vögel und die bunten, ziehenden Wolken aufgefaßt, in den Sagen alte Burgen, Klöster, einsame Waidgegenden, sonderbare Felsen dargestellt! Köhler, Schäfer, Pilger, schöne Jungfrauen, Jäger, Müller, Ritter, Nixen und Riesen, das sind die natürlichen, romantischen Personen, welche in jenen Sagen spielen.

Ich möchte wohl recht den Shakespeare studieren. Er scheint mir das Wahre und Rechte in der Kunst erreicht zu haben. Er ist seinen eigenen Weg gegangen und steht einsam und einzig da; von seiner Mitwelt wenig geachtet, bis ihn eine gerechtere Zeit ans Licht zog und er jetzt ganz gewürdigt und erkannt worden ist.

*

4. Dezember.

Das hiesige Leben hat so viel Schönes, daß man das deutsche darüber vergessen könnte, vor allem die unschätzbare Freiheit. O wie wahr sind des alten Dürers Worte in einem Briefe, den er aus Venedig schrieb: »Hier bin ich ein Herr und frei, daheim aber ein Schmarotzer.« Aber ich werde mich immer soviel als möglich unabhängig zu halten suchen. In der freien, herrlichen Natur will ich immer leben, in ihren Geist immer tiefer einzudringen suchen, in ihr Gott recht erkennen lernen und den allmächtigen Gott der Liebe von ganzer Seele lieben, immerdar bis ans Ende; ihn will ich preisen tief und still im Herzensgrund, ihn preisen durch mein Leben und durch die Werke meiner Kunst. Leben und Kunst müssen eins sein und dürfen sich nicht scheiden; so war's bei den Alten.

*

5. Dezember.

Vormittags ging ich mit Wagner, Bach und Swickert in die Galerie Camuccini und genoß den einzigen, wundervollen Tizian: »Das Bacchanal« (Figuren von Bellini). Ich kann keine Worte finden, um den Eindruck zu beschreiben, den er auf mich gemacht hat; ich war außer mir, bin es noch jetzt, nachdem ich so manchen Genuß den Tag hindurch gehabt habe; aber dieser Tizian hat mich ganz und gar eingenommen, und ich denke immer nur an ihn. Ich gehe vielleicht künftigen Sonntag allein wieder hin. Wenn ich den Wert der Landschafter taxieren sollte, so käme zuerst Tizian mit Ruisdael, Everdingen, dann Claude etc. (auch Nikolaus Poussin kommt vor Claude).

Aus Tizians herrlichem Bilde »Das Bacchanal« weht eine wunderbare Frische und holde Lebensfülle; das Kolorit ist wahre Zauberei, eine Kraft, ein Glanz und eine Glut in den Farben, die einen wunderbaren Reiz wirken und schon für sich die höchste poetische Stimmung im Beschauer erwecken. Die Komposition nun ist höchst einfach, grandios und edel. Auf einem lustigen Plätzchen am grünen Walde haben sich die Götter zum fröhlichen Feste versammelt und niedergelassen. Die Figuren sind schön gemalt, voll Ausdruck und Leben, aber ziemlich gemein, ja völlig travestiert dargestellt. Zur Rechten erhebt sich ein großer Wald, der bis in die Mitte des Bildes geht; bunte Vögel sitzen in den Zweigen und singen zum lustigen Mahle. Unter den dunklen Baumstämmen sieht man das blaue Meer und den Goldsaum der Abendröte. Der Wald ist hier unten so licht und herbstlich dargestellt, wie man es sich nur denken kann. In der Mitte über einzelnem Waldgebüsch, in dessen Dunkel Faune herumkriechen und Epheu von den Stämmen lösen, erhebt sich schroff und höchst phantastisch ein steiler, schattiger Fels, auf dessen Gipfel eine Burg vom Abendlichte bestrahlt wird; weiches Gewölk zieht hinter dem braunen Berge an der tiefblauen Luft hin. Der Berg senkt sich waldig herab, und Wild jagt über die Wiese dem fernen Walde zu. Von Fels und Hügel aus dem grünen Walde braust ein dunkler Quell und rinnt vorn durch die lichtgrüne Wiese. So müssen Landschaften gemalt, so muß die Natur aufgefaßt werden.

Das ist der Stil, der sich zu Heldengedichten eignet; er ist größer, edler als der lyrische. So groß, so sinnvoll und lebendig und so einfach nun auch deutsche Natur aufgefaßt!

O, was bleibt mir für ein großes Feld übrig! Gott gebe doch das Gelingen!

*

17. Dezember.

Meine Kunstansichten haben sich wieder erweitert, verbessert; das Gemütvolle, Charakteristische in der Natur mit Phantasie aufzufassen, habe ich nach Kräften studiert und habe es wenigstens erkannt. Doch das Bild von Tizian, Kochs Rat und Lehre, Veits Worte: »Die Landschafter sollten einfacher wählen«, gingen mir immer im Kopfe herum, und jetzt habe ich mich, wie ich glaube, ziemlich ins klare gebracht. Meine ehemalige Lust, mit allerhand Phantasien das Bild auszufüllen, dieser wilden Tochter allen Raum zu lassen und so oft ins Kleinliche, Tändelnde zu verfallen, habe ich aufgegeben. Ein Gedanke, kräftig, tief, umfassend ausgedrückt, mit möglichst wenigen Mitteln, in großen Licht- und Schattenmassen, großen Hauptfarben und möglichst naturgetreuem Charakter der Details. Wird die deutsche Natur so behandelt und einfach und großartig aufgefaßt, so kann sie ebenso edel wirken wie die italienische, und ihr ernsterer, gemütvollerer Charakter, ihre Fülle und ihr Reichtum werden sie noch darüber stellen. Mit kurzen Worten ist mein Gedanke der: Deutsche Natur zu einem Ideal, zu edler Größe zu erheben, damit sie nicht, wie bisher, den untergeordneten Rang der Idylle behält, sondern zum Epischen sich erhebt. Meine Helden sind die Elemente in ihren lieblich geeinten oder feindlich entzweiten Wirkungen. Der Gegenstand ist groß und erhaben genug. Aber verwünscht und verbannt seien die kleinlichen, beschränkten Veduten-Maler, und noch dazu wenn sie es nicht sein wollen und doch sind.

*

23. Dezember.

Diesen Nachmittag machte ich etliche Besuche; zuerst beim Koch. Es ist interessant, diesen Mann dem ernsten Veit gegenüberzustellen. Er verhält sich wie Ariost zu Dante. Kochs Überfülle der grandiosesten Phantasien und heiteren, üppigen Lebens, dazu seine oft sehr bedrängte Lage und doch immer heitere, überlustige Laune, sein anhaltender, unglaublicher Fleiß, mit Lust, Liebe und Studium verbunden, worin er vollkommen den Alten gleicht, sind bewundernswerte Eigenschaften. Dabei führt er gewiß ein glückliches Leben. »Ich wäre recht glücklich«, sagte er neulich, wenn ich nur mehr Geld, mehr Verdienst hätte! Mich hätte das Geld nicht schlechter, sondern gewiß besser gemacht, als ich bin. Dann hätte ich früher geheiratet und die Schnurrpfeifereien und losen Gesellschaften wären unterblieben –« »Ist das wirklich wahr?« schrie – N. N. »Ja, ganz gewiß«, versetzte er sehr ernsthaft. Dann ging ich auch zum Reinhardt; es sah ganz toll bei ihm aus. Er selbst im Hemd, ein graues Mützchen auf, schlechte Rohrpfeife im Munde, graue, zerfetzte Jacke und grobe, zerrissene und mit groben Stichen hie und da zusammengesetzte blaue Leinwandhose am Leibe. Sein Gesicht aber ist sehr ausdrucksvoll, stark markierte Züge eines tüchtigen deutschen Mannes, der Sturm und Wetter mehr ausgesetzt war als der Stubenluft. Alle Zimmer lagen voll; dick mit Staub bedeckte Zeichnungen, angefangene Gemälde, Kupferstiche, Malergeräte, auch Flinten und Armbrust; einige Gipsmasken von Verstorbenen, vermutlich alten Freunden; auch der Abguß eines Wolfskopfes. Er war sehr wortkarg, aber höflich und gerade. Dabei liegt eine Bescheidenheit in dem ganzen Benehmen dieses derben, kraftvollen Mannes, die außerordentlich liebenswürdig ist. Seine früheren Baumstudien sind vortrefflich, doch die jetzigen Arbeiten gefielen mir nicht. Talent und Feuer findet man in allen seinen Sachen, weniger gründliches Studium und Gefühl.

Sein Leben ist sehr zurückgezogen und ziemlich freudlos; er mag die Menschen nicht von der besten Seite kennengelernt haben; seine häuslichen Familienverhältnisse sollen gleichfalls ziemlich traurig sein. Er ist mit seiner Frau nicht getraut und hat eine sehr schöne Tochter, die aber durchaus keinen Maler heiraten soll. Reinhardt besitzt außerordentliche Charakterstärke, Feuer, Festigkeit und Kraft, Achtung für alles Hohe und Schöne, aber – keine Liebe!

*

Erster Weihnachtsfeiertag, den 25. Dezember.

Ein recht heller, schöner Tag, es weht eine frische Tramontane, und die Gebirge liegen voll Schnee; ich arbeitete in meinem warmen Stübchen, und es war nur ein süßer Gedanke, mit jedem Strich auch meinem innigsten Wunsche, der Rückreise nach dem geliebten, teuren Vaterlande näher zu kommen. Dort kann ich diese alten, schönen Feste recht innig begehen unter lieben Freunden oder an der Seite der Geliebten. O, die schönen, süßen Zeiten! Nein! so hohe Reize auch das hiesige Leben haben mag, es hat nichts für den Verlust unserer alten, heiligen, herrlichen Gebräuche zu bieten; und überhaupt schon die Entbehrung deutscher Sitten und Gebräuche muß den Deutschen kalt und endlich schlecht machen; ich fühle recht, wie alle fremden Sitten schädlich wirken. Jedes Volk muß Sitte, Gebrauch und Gesetz aus sich selbst entstehen lassen, es wird immer das Passendste und Beste bleiben.

*

Abend des ersten Weihnachtstages.

Ich saß allein in der Dämmerung im Studium vor meinem Bilde, labte mich in schönen Erinnerungen selig verlebter Zeiten in der Heimat, schwärmte in Zukunftsträumen, sang und pfiff allerhand durcheinander, wie es die sehnsüchtige Stimmung gab, und schürte die Glut im Focone, welcher vor mir auf dem Stuhle stand. Der kalte Abendhimmel mit seinen schimmernden Sternen schien so recht feiertäglich zum kleinen Fenster herein, und mir war's so herzlich wohl. Und wie ich so das holde, süße Leben betrachtete, wie gütig und weise mich Gott bisher geleitet, da durchdrang mich ein wunderbarer Feuerstrahl glühender Begeisterung, und ich sandte meine tiefe Anbetung meinem hohen Vater nach den glänzenden Sternen.

Schönheit, der Abglanz des göttlichen Geistes, wird in jedem Gewande die reinen Gemüter mächtig ergreifen und sie veredeln, indem sie das Göttliche auch in sich fühlen; deshalb ist gar nicht nötig, ja sogar nicht recht möglich, daß ein echtes Kunstwerk eine Moral enthalte. Moral ist für den Körper, der noch in der Sünde lebt, Schönheit aber zur Erweckung des göttlichen Funkens in unserem Geiste, der, so oft übertäubt, nur schläft, und dieser reine Funke, das Göttliche im Menschen, bedarf der Moral nicht.

Jedes schöne, edle Gefühl, weil göttlichen Ursprungs, wird ewig sein, wie unser Geist, wenn es auch in diesem Leben durch trübe Einwirkung betäubender Widerwärtigkeiten verschwinden sollte, es wird in einem besseren Leben wieder erscheinen, heiliger und herrlicher noch, weil es von der drückenden Hülle befreit und gereinigt ist.

Wortgehalten wird in jenen Räumen
Jedem schönen, gläubigen Gefühl!
Wer es glaubt, dem ist das Heil'ge nah!

*

Rom 1825

*

Am neuen Jahrestage.

Mit Gott habe ich nun den ersten Tag begonnen. Der Allmächtige möge mich leiten nach Seiner Weisheit; denn was kann und was ist der Mensch ohne ihn! Mir ist um Mitternacht ein neu Gestirn aufgegangen, es leuchtet und wärmt zum Leben, und ich fange nun erst an zu leben, nämlich im Glauben und in der Wahrheit.

Heiliger Gott, gib mir Kraft, daß ich das Ziel erlange!

Ich habe noch kein Jahr mit diesem Ernst angefangen; es soll auch kräftiger fortgesetzt werden; mit unablässigem Fleiß will ich nach der Wahrheit streben, ernst, gediegen, kräftig,

*

10. Januar.

Nachmittags war es hell und wunderschönes Wetter; ich ging deshalb mit Wagner zur Porta Pia hinaus in die Campagna; einen unbeschreiblich schönen Abend genossen wir da. Die ganzen Gebirge lagen bis in die Ebene hinab voll glänzenden Schnees, die sonst so braunen, öden Felsenberge waren recht säuberlich kandiert, und da die Sonne unterging, überzog sich alles mit wunderzartem Rosafarb; die Schatten leuchteten ganz grün, wie Türkis, aus den himmlischen Schneerosen, und der Himmel nahm über jenen Bergen einen Glanz an, der mich unbeschreiblich entzückte und den ich wohl vermögend sein möchte auszudrücken. Er hatte die wässerige Reine und Durchsichtigkeit eines glänzenden, blauen Edelsteins.

Wer mag das malen?!

*

4. März.

Die italienische Natur hat doch bei aller ihrer Schönheit etwas Totes; ich finde in ihr nicht diese ergreifende Sprache, sie sieht nicht aus, als hätte sie der liebe Gott gemacht, sondern als könnten sie Menschen auch so erfinden. Daher mag es wohl auch kommen, daß der Italiener so wenig Gefühl für Naturschönheit hat. Er bleibt, wenn er sich erholen will, in seiner schmutzigen Stadt, geht in die dumpfe, wüste Osteria, während der Deutsche an jedem schönen Sommertage zum Tore hinauszieht und sich im Freien zu ergötzen sucht.

Ein schönes Buch, das ich jetzt lese, »Altes und Neues von G. H. Schubert«, enthält einige gute Stellen über den Text: »Ihr kennt Ihn aus den Werken der Natur.«

*

20. Juli.

Nicht dann blühte die Kunst am herrlichsten, wenn sich das Leben des Volkes am herrlichsten und frischesten bewegte, sondern immer nachher, wenn das Volk schon im Sinken war.

Homer sang lange nach den Trojanischen Kriegen; der Griechen Kunst blühte am höchsten, als ihre tatenreiche Zeit schon abnahm. Dante und Giotto lebten, als das große Leben Italiens verschwunden war und die großen Kämpfe sich in innere Zwistigkeiten und bürgerliche Zwietracht aufgelöst hatten. Da zogen sich die großen Geister (da die Zeit des äußeren Handelns und der öffentlichen Tat vorüber war) in das abgeschlossene, heilige Gebiet der Kunst und Wissenschaft zurück.

Kunst und Poesie soll für die Modewelt nichts anderes sein als ein angenehmeres Reiz- und Aufmunterungsmittel für langweilige Stunden. Daher überall die grellen Lichter, die extremsten und zerbrochensten Darstellungen und die ganz seichte Komposition. Das Einzelne oft reizend, von blendender Schönheit, das Ganze ohne Zusammenhang, die Anordnung locker, Gedanken schwach und flach.

Meines Erachtens soll die Kunst nur unsere schönsten, reinsten Stunden füllen, uns aus der farblosen Wirklichkeit in das bunte Reich der Phantasie versetzen, wo der trübe Flor von den Erscheinungen genommen ist und das ganze Leben sich rein und groß zeigt, Vergangenheit, Zukunft und Gegenwärtiges umschließend. Sie soll den Staub und Schmutz, die Kruste, die sich sobald im Leben um Herz und Gemüt legt, abnehmen und uns mit einem freien, reinen und großen Blick entlassen.

Kunst und Wissenschaft sind eigentlich ein Heimweh, und der Punkt, in welchem alle Teile von Kunst und Wissenschaft zusammentreffen werden, ist die Grenze des Vaterlandes.

*

15. September.

Aus dem Brief an Bruder Willibald:

Für den kommenden Winter habe ich auch schon ziemlich ein Bild herausphantasiert und Studien dazu gesammelt. Da ich nämlich immer mit sehnsüchtigem Herzen an kommende Ostern denke, wo ich dem lieben Vaterlande entgegeneilen werde, und mich folglich diesen Winter immer die Reiselust zwicken wird, so bin ich gesonnen, den jungen Tobias mit seinem Engel zu malen, wie er mit der Arznei in der Tasche für seinen blinden Vater nach Hause zieht. Es soll ein Herbstmorgen werden mit schönen, blauen Bergen; in der Ferne auf einem hohen schattigen Fels liegt das alte Schloß Olevano, in der weiten Campagna schwimmen die silbernen Morgennebel herum, und dann zieht sich die Straße aus dem Tale herauf in den Vorgrund, wo der junge Tobias (non io) mit dem schönen Engel einhergewandert kommt. Im Mittelgrund liegt ein Häuschen unter Obstbäumen, wo ich so alles anbringen will, was man sich in einem Hüttchen wünscht, in welchem man mit Weib und Kind ein ruhiges Leben führen möchte. Überhaupt will ich die Landschaft recht reich und reiselustig halten, daß den Leuten dabei das Herz aufgeht und die, welche gereist sind, die Arme in die Seite stemmen, mit der Zunge schnalzen und rufen: »Ja, das Reisen, das Reisen, ihr Herren, ist eine herrliche Sache, ich bin auch einmal auf Reisen gewesen.« Und ich, der Maler, denke: Geleite mich auch, Gottes lieber, heiliger Engel, führe mich so gesund und frisch ins Vaterhaus wie den jungen Tobias, gib mir Arznei für den guten Vater und führe mich auch zur lieben Braut wie diesen zu Sara, Raguels Tochter! Siehst du, lieber Bruder, so schmückt die Kunst das Leben; sie ist unsere Begleiterin auf allen unsern Wegen, in Lust und Leid. Bei ihr will ich gern arm bleiben, Kartoffeln mit Salz und Brot essen. Laß die Leute in der Welt sich hudeln, laß andere berühmte Modekünstler um die Großen herumkriechen und schmeicheln, sie werden ihres Gutes nicht froh dabei. Die Kunst ist ein Ausfluß des Edelsten und Besten unseres Innern. Das müssen wir pflegen; unsere Seele muß rein werden und muß erhaben werden, indem sie sich demütigt. Wir müssen etwas vernommen haben von der Sprache des Geistes, wir müssen unser himmlisches Bürgertum erkannt haben, dann wird der Künstler still und mild, wie ein freundlich verheißender Stern, in das dunkle Lebensbild hineinleuchten, gern gesehen, weil er freundlich spendet, und wenn auch arm bleiben, aber doch selig sein in einer einfältigen, klaren Seele, und einst heimgehen in das wahre ewige Vaterland.

*

24. September.

Deutschland! Das Wort mit allen seinen großen Erwartungen war es, welches vor zehn bis zwölf Jahren Kunst und Wissenschaft emporhob. Der Geist des Volkes rauschte auf, wie eine Welle. Die Erwartungen des deutschen Volkes wurden von den Fürsten nicht erfüllt, die schöne Welle brandete und verlor sich. Wo ist denn jetzt das schöne begeisterte Treiben hin? Alles verloren und verschwunden. Die Männer, die jetzt noch dastehen, sind der Kunst müde, sie sehen, daß sie nun in solchen Verhältnissen doch nicht durchdringen, nicht das werden kann, was sie werden sollte. Ein zeitiger Frühling! Frost kam in die tausend herrlichen Knospen, sie fielen ab, und nun ist's vorbei. O, was hätte aus Deutschland werden können, hätte alles seinen freien Gang gehen können. Selbst die großen Künstler, welche noch alle leben, sind ganz unvermerkt von ihrem eigentlichen Streben abgekommen. Sie sind nicht deutsch, streben auch nicht mehr danach, sondern ahmen nur die alten Italiener nach; aber daß sie nicht aus dem Leben, nicht aus sich selbst schöpfen können, bringt eine gewisse Müdigkeit hervor, die man fast bei ihnen allen spüren kann. Wie anders hätten sie sich entfalten können, wie weit größer noch werden!

*

25. September.

Maydell hat mich konterfeit und sehr wohl getroffen. Im Gesicht liegt Güte, Streben nach etwas Gutem, zugleich Schwäche und Mißtrauen.

*

Reise nach Ostende 1849

19. August.

Gegen Mittag fuhr ich nach Brügge, was ich bisher der Choleragerüchte wegen aufgeschoben hatte. Da ich keinen Begleiter fand, ging ich allein. Die Deutschen fahren nur Freitags hin, um Fische im Hotel de Flandre zu essen; an solcher Gesellschaft lag mir nichts. Zuerst richtete ich meinen Gang nach St. Salvator (St. Sauveur). Die Kirche ist von Backsteinen erbaut, äußerlich plump, aber innen fein und schön. Von Bildern und Altertümern waren mir bemerkenswert: Die Marter des heiligen Hypolitus von Memling. Eine mater dolorosa von Eyck. J. YE. bezeichnet. Halbe Figur auf Goldgrund. Sehr großartig und originell. Der Ausdruck des weinenden Gesichts ist sehr schön und würdig, der Ton des Fleisches etwas grau, sonst sehr ausgeführt. Solche einfache und doch so wirkungsvolle Darstellungen wären schöne Aufgaben für neuere Künstler; nicht immer Madonna mit dem Kinde. Ferner ein Grabmal mit schönem Porträt von Holbein (Ohlbeen sagte der Küster); ein altes Bild von van der Meeren, ein Abt in weitem, weißen Gewand vor der Mutter Gottes kniend; von herrlicher Zartheit und Klarheit in der Farbe. Metallne Grabdenkmale aus dem 14. Jahrhundert mit eingegrabenen Umrissen. Ein kleiner Reliquienkasten mit den Gebeinen Karl des Guten von 1127. Seine Figur auf Holz gemalt und ausgeschnitten hängt dabei und ist interessant des Kostüms wegen.

Wundervoll altertümlich innen und außen ist das Klosterspital St. Johannes und der Saal mit den Bildern, besonders Memlings und Eycks, über alle Begriffe wohlerhalten.

Den Geist dieser Maler zu erfassen und denselben Weg für deutsche Kunst einzuschlagen, würde noch immer das Rechte sein. Es sollen ihre Unvollkommenheiten und die Eigentümlichkeiten ihrer Zeit nicht nachgeahmt werden, sondern im Gegenteil sollen wir unsere Zeit und unsere Umgebung mit derselben Treue, Gesundheit, Liebe und Wahrhaftigkeit abzuspiegeln trachten.

Was war der Geist dieser Maler?

Tiefstes Eindringen in die Idee und die Erscheinung der Natur. Eine jede Erscheinung wird durch recht tiefes, liebevolles Eingehen und Studieren derselben gewissermaßen ideal, weil wir zum Teil durch solch genaues Eingehen auf das Wesen, auf die Idee der Erscheinung selbst geraten, oder weil unsere Liebe, unser begeistertes Anschauen des Gegenstandes sich in die Nachbildung desselben hineinlegt, darin abspiegelt, also bei größtem Streben, die Realität der Erscheinung wiederzugeben, doch diese Realität durch unsere Liebe (Begeisterung) beseelt – idealisiert wird, sobald diese Liebe nur wirklich auf das wahrhaft Schöne und Bedeutende des Gegenstandes gerichtet ist, und nicht etwa die Nebendinge uns mehr reizen und begeistern als die Hauptsache; z. B. die bloße Lichtwirkung vielleicht mehr als der Ausdruck in der Form; oder natürliche Darstellung der Schweine und Lumpen des verlorenen Sohnes mehr als der Ausdruck seines Elends und Heruntergekommenseins. Endlich, wieviel verständlicher wirken solche Bilder am Ort ihrer Entstehung als in der Fremde. Charakter und Sinn des Volkes, Landschaft und Bauwerke, alles zeigt recht, wie jene Maler so ganz und gar ihre Gegenwart faßten; dadurch waren sie auch so allgemein verständlich. Wir arbeiten viel zu sehr ins Abstrakte, weshalb der Laie häufig so wenig mit den besten Bildern anzufangen weiß. Der Gegenstand ist dem Volksbewußtsein fremd, seine Erscheinung so abstrakt (was man oft ideal nennt), daß der Beschauer nirgend's an sein Erlebtes und Erschautes dabei erinnert wird. Anstatt den Hans und Kunz und die Anne Marie sieht er bloß die allgemeine Abstraktion des Begriffes Mensch oder Mann und Frau, Jung und Alt.

Ich möchte jetzt nur meine sächsischen Gegenden und Hütten malen und dazu die Menschen, wie sie jetzt sind, nicht einmal mittelalterliches Kostüm. Ein Frühlingstag mit grünen Korn- und gelben Rübsenfeldern, jungbelaubte Linden- und Obstbäume, den Bauer, der da ackert im Schweiße seines Angesichts und auf Hoffnung von Gottes Segen, und die kleinen, talkigen, unschuldigen Bauernkinder, die dem Vater einen Trunk bringen oder heiter spielen und Sträuße binden, da sie noch im Paradieszustande der Kindheit leben, während der Alte arbeiten muß; dazu Schwalben in der Luft, Gänse auf der Wiese und Goldammern im Gebüsch, der Hausspitz oder die Kühe auch bei der Hand; das alles, so recht treu, streng, innig und lieblich wiedergegeben in Memlings Sinn und frommer, einfältiger und liebevoller Weise, das hätte gewiß Interesse und Bedeutung genug. Wir können nicht immer und nicht alle Heiligenbilder machen.

Ich lief gegen Abend noch bis an das westliche Ende der Stadt; da lag im abendlichen Schatten ein altes Kirchlein unter hohen Ulmen, von einem beschilften Wasser umflossen. Malerische, alte Ziegelhäuser standen am Ufer, eine Brücke führte hinüber, und über der Tür las ich »Beguinage«.

Ich trat auf den stillen Platz, von hohen Ulmen und weißen, alten Giebelhäusern umgeben. Alles war menschenleer und einsam; ein paar Kühe gasten auf dem grünen Rasen unter den Bäumen, zwischen deren Stämmen und Zweigen einzelne Streifen der Abendsonne hindurchschimmerten. In einem Häuserwinkel standen einige Beguinen in ihrer eigentümlichen Klostertracht plaudernd beisammen. Eine andere Pforte führte wieder ins Freie. An den Kanälen schöne Alleen. Auf den hohen Dämmen stehen Windmühlen, und rote Abendwolken ziehen dahinter. Der weiße Müller mit langer Zipfelmütze und Pfeifchen steht unten und sieht nach der Stadt, dazu Eselchen, Säcke und was sonst zur Mühle gehört.

Abends acht Uhr Rückfahrt; ich erfreute mich wieder der schönen Luft Ostendes und meines gemütlichen Stübchens.

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26. August.

Eine Kunstaufgabe möchte ich ins Auge fassen, die, mir erreichbar, zugleich die Resultate aller meiner Erfahrung enthielte und etwas Würdiges, durch andere Fortzubildendes aufstellte. Eine solche wäre: Eine Folge In landschaftlicher Kompositionen von bedeutsamem, poetischem Inhalt in ausgebildeter, stilvoller Form als Zeichnungen zu bearbeiten und dann als Radierungen auszuführen; z. B.:

1. Alle Kreatur sehnt sich mit uns.

2. Zu der Stelle aus Homer: Wie der herbstliche Wald, so sind die Geschlechter der Menschen.

3. Pyramide des Cestius, vorn Jubel auf Monte Testaccio, mit Spruch aus Horaz.

4. Im Tannenwald »das Engelfest«, klein zu malen.

5. Genoveva, klein zu malen, in Memlings Art.

6 Johannisfest mit Loschwitzer Häuschen, klein zu malen.

7. Herbstlandschaft; trauernde Mutter am Steinbilde der mater dolorosa (wie für Kügelgen) zu malen.

8. Liebesfrühling; eine Reihe Frühlingszenen, gemalt oder noch besser radiert, wobei dann auch kleine Arabesken und Phantasien gegeben werden könnten, mit bedeutsamen Mottos. Als Anregung landschaftliche Gegenstände zyklisch und ganz von poetischen Gedanken getragen darzustellen.

9. Sächsische Dorfbilder.

10. Italienische Abendlandschaft. Müde Wanderer, die nach der Herberge ziehen. (Maultier mit Gepäck.) Unterschrift aus Dantes Purgatorio: »Wenn das Glöcklein läutet, das den sterbenden Tag beweint.«

11. Nachtbild. Mutter mit dem Kinde wacht. Zwei Hirten entfernt auf der Schalmei blasend.

12. Nach dem Regen. Das Gewitter ist vorüber; der Hirt tritt aus dem Walde mit der Herde; Regenbogen. Statt der Unterschrift: Arabeskenartige Verzierung, mit dem Notenmotiv aus Beethovens Pastoral-Symphonie, welches den Alphornruf nach dem Gewitter ausdrückt.

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13. Dezember.

Ich lege kein sonderliches Gewicht darauf, ob einer ein Künstler Nummer eins oder Nummer fünf oder sechs werde. Darauf aber lege ich alles Gewicht, daß einer die empfangenen Gaben in gutem Sinne für den Bau des großen, zukünftigen und in der Entwicklung stets vorhandenen Gottesreiches zu verwenden gelernt hat. Keine Kraft, auch die kleinste nicht, geht da verloren; sie ist ein Baustein für den großen Tempel, den der Herr in, aus und mit der Menschheit sich erbauen will und erbauen wird. Was hilft ein Talent im schlechten Dienst verwendet? Es zerstört sich nur selbst. O, wollte man doch alles von diesem wahrhaft großen Standpunkt des Christentums betrachten und immer mehr von allem Schein, mit dem falsche Größe sich oft schmückt, hinweg und auf das Wahrhafte sehen, es würde jeder an seinem Platze unendlich mehr wirken können und schon hier unendlich glücklich sich fühlen; er würde ein befriedigteres und lebendigeres Dasein durchleben, als es größtenteils der Fall ist. Das falsche Ideal macht uns unglücklich, die Wahrheit aber macht uns frei und glücklich. Das Heimweh nach dem großen, unbekannten Vaterlande ist keine Torheit, kein Traumbild, sonst wären die tiefsten und heiligsten Gefühle, unser edelstes Streben, in dem sich gerade unser Wesen am stärksten ausspricht, Narrheit; und bloß das Äußerliche, Schwankende, ja Triviale wäre Wahrheit. Es gibt aber kein Äußerliches, was nicht ein Innerliches, Geistiges zur Basis hat. Dies jetzt so vielen unbekannte Vaterland und jenes Heimweh darnach, was ist's denn anderes, als eben das große Reich Gottes, das Christus immer und immer verkündet und dessen Art und Weise der Heiland in tiefsinnigen Gleichnissen offenbart! Und das Heimweh, ist's nicht der Zug des Vaters zum Sohne? Denn Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben; wer Ihm nachfolgt, der schaut das Reich, hilft mit am Reiche bauen und die Wege dahin ebnen.

1850

Mir ist jedes Kunstwerk mehr Ausströmung der Empfindung, ein flüchtiges Tummeln im Blütengarten der Kunst. Wenn die Nachtigall in den Blüten singt, so ist das herrlich, aber wenn eine kleine Biene drinnen summt, so freut man sich auch darüber, sie gehört ebensogut in den Frühlingsgarten hinein wie Lerche und Nachtigall, und sie kann auch gerade so viel davon genießen als jene Hauptkünstler, wenn sie eben nur ihrer Natur getreu ist. Nur der eitle Kuckuck ist lächerlich, ich hatte einen langen Diskurs mit Schnorr, da er bei mir war. Er tat eine Äußerung, die mir ins Herz gefallen ist und aus der ich mir viel genommen habe. Er erzählte mir nämlich, daß er in seinen jungen Jahren, da er in Wien war, an seinem Talente ganz verzweifelt sei und oft die Nacht darüber schlaflos und mit Kummer zugebracht habe. Da habe sich endlich der Wunsch in ihm geregt, wenn er in seiner Kunst nur die Stelle eines Steinmetzen einnehmen könne, der am großen Dombau einen einzelnen Knauf oder eine Blumenkrone auszuarbeiten habe, da sollte es ihm genügend sein, und das habe ihn beruhigt. »Die Demut fehlt uns meistens, und hatte ich diese gewonnen, so wurde ich auch ruhiger in meinem Kunststreben«, fuhr er fort. »Es muß aber die rechte Demut sein, die nämlich auch den geringsten Dienst leisten will, aber an einem bedeutsamen Baue, im echtesten Sinne.« Ein falsche Demut sei das, wenn einer, wie so geschehe, sich ganz wegwerfen wolle und leichtsinnig sich auf ein niedriges und gemeines Streben werfe, um wenigstens damit der Welt zu gefallen. Mit allen seinen Kräften, groß oder klein, wie sie eben Gott gegeben hat, dem Wahren und Echten dienen, das müsse uns mit Freudigkeit und Vertrauen erfüllen. Falscher Ehrgeiz aber verleite so viele, sich zu verwerfen, und da fehle aller Segen dabei. Ich fühle, wie sehr ich mich selbst vor der letzteren Klippe zu hüten habe; obwohl ich mir immer wieder vorhalte, auch in meinem kleinen und niederen Kunstbereich nach Kräften im echten und guten Sinne zu arbeiten.

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22. April.

Die Subjektivität ist die allgemeine Krankheit unserer Zeit und macht uns selbst krank. Jeder will seine Zeit bestimmen nach seiner mehr oder minder defekten Taschenuhr, weil er die Sonne leugnet. Wir haben nur Meinungen und Ansichten, aber keine positive normgebende Wahrheit, die sich freilich nicht nach den verkehrten und kleinen Fündlein unserer Vernünfteleien und nach der immer wechselnden Mode richtet, sondern die ihren Gang jedenfalls selbständig fortgeht. Ich gebe mir immer mehr Mühe, meine falsche Zwiebeluhr nach der Sonne zu richten, die wir einmal besitzen und für die wir noch keine bessere selbst erfunden haben.

1860

Reise nach Oberbayern

18. Juli.

Früh nach Seeshaupt und mit Post nach Murnau. Prächtige Blumenwiesen und Waldungen. Vogelgesang. Ich hatte bei diesem Volke: gläubig, gesund, kräftig, und in dieser romantischen Natur das Gefühl, als könne es einen gar nicht wundernehmen, allenfalls auch Engel im groben Tuchkittel und mit dem Dialekt der Leute leibhaftig verkehren zu sehen.

München. Im Bahnhof Zusammentreffen mit Schwind. Schwind, höchst liebenswürdig, schleppte einen Korb mit Birnen und Würsten, um sie zu den Seinen zu bringen. Freute sich innig über alles an der Landstraße. Wald. Schöner Abendhimmel. Glühendes Licht über Berge und Buchenwälder. Wallfahrtskirchlein zur heiligen Eiche mitten im Walde. »Sixt, schau, ist das nit herrlich!« Eifert gegen das gedanken- und geistlose Arbeiten. »Wann einer an ein schön's Bäumle sein Lieb und Freud hat, so zeichnet er all sein Lieb und Freud mit, und's schaut ganz anders aus, als wenn ein Esel schön abschmiert.« »Ach, es gehört ein gar feiner, ein gar keuscher, guter Sinn dazu, um das Geheimnis aller Schönheit und aller Wunder der Natur aufzuschließen.« Wir fahren über den See bei einbrechender Nacht. Er jauchzert und jodelt den Seinen zu. Fernes Jodeln aus dem Walde als Antwort. Wie die Anna und die Nichte den Papa umarmen und umjubeln! Wie er freundlich zur etwas ernsten Hausfrau tut! Abendessen in dem köstlich kleinen Holzstübchen, mit Zinntellern und Krügen ausstaffiert.

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Sonntag, den 19. Juli.

Ich stehe auf, gehe in den Garten und betrachte seine am Geländer des Altans gemalten Fabeln. Trinke an dem kleinen Quell unten am Abhang. Hinter dem Hause Fichtenwald. Alles schlief noch. Die Morgensonne leuchtet an den fernen Alpen, der See ist ruhig.

Endlich erscheint Frau v. Schwind; sie spaziert mit mir in dem Garten umher. Schwinds rotes, lustiges Gesicht erscheint am geöffneten Fenster seiner Schlafstube; er hat »himmlisch gschlafen«. Er war die Woche über abgehetzt am Bilde und von den vielen Besuchen der Fremden.

Großes Behagen. Frühstück. Zinnerne Becher für den Kaffee. Brot und frische Butter. Wir gehen hinauf. Er spielt aus Zauberflöte den Chor der Knaben. »Hör aber mal, wie schön, wie feierlich das ist!« Dann den Anfang einer Messe von Beethoven. »Gott erhalte Franz den Kaiser«, wieder Mozart usw., singt zuweilen dazu oder imitiert die Waldhornstimme. Er spielt mir das Thema aus einer Symphonie Beethovens vor, wozu er die Bilderkomposition gemacht hatte. Erklärt mir am Kupferstich die Einteilung derselben. Unten der Eingangssatz, dann Andante, Scherzo, Allegro (Finale). Spricht viel von einer Komposition zur Zauberflöte. »Die Melusine« (wie er sie auf den Schüsselrand gezeichnet), »Graf Gleichen«, »Die Wiederkehr«, »Vierzig Reisebilder in leichten Ölskizzen«; er will sie dann zusammen ausstellen als poetische Einfälle, lyrische Stücke, damit man doch sehe, was dran sei und daß er Gedanken habe.

Wir gehen nach dem Bahnhof. Ich miete einen Wagen. Schwind fährt mit bis zum nächsten Dorf. »Sieh, das war gescheut, daß du dies Wägle gemietet hast, da können dir zwanzig Taler nit so lieb sein. Nur nit im Stellwagen fahren; denn Zuchthaus und Stellwagen sind die Ort, wo man sich die Gesellschaft nit wählen kann. Schau, man muß nit zu sehr sparen, man muß sich etwas zu Gute tun können; was man da bei fröhlichem Gefühl einsammelt, das weiß man oft nicht, aber wir behalten Stimmung und Schwung, sonst altert man vor der Zeit.« Wir sahen am Bahnhof einen Zug ankommen. »Schau, jetzt kommen die hübschen Madeln. Die Leute rennen nach den Alpen und der schönen Natur, und die Menschen sind halt doch das Schönste; aber am allerschönsten sind doch die schönen Madeln.« Wir fahren im raschen Wäglein höchst vergnügt und in herrlichsten Gesprächen durch die schöne Gegend; Schwind in liebenswürdigster Stimmung und Rede bis B. Da wird gehalten; wir gehen in den Garten, sitzen unter den Linden und leeren ein Fläschchen Pfälzer.

Dann herzlichsten Abschied, und rasch flog mein Wäglein weiter. Ich sah noch lange den behäbigen Schwind und auch den Wirt auf der Straße stehen und nachwinken.

Schwind sagte: »Die Grundsätze der Kunst sind sehr einfach, wie alle Wahrheit einfach ist.«

»1. Ich muß einen Gegenstand gefunden haben, der mir etwas Schönes offenbart und damit mein Herz erfreut.

2. Der Gegenstand muß ein Moment sein, nicht beweglich, muß sich in einem Moment aussprechen.«

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1865

1. August.

Man sagt, das Christentum habe sich überlebt, sei veraltet, habe seine Kraft verloren. Das ist ein Irrtum; es ist eine Kraft Gottes, und die wird nicht alt. Aber die Menschen stehen anders zum göttlichen Worte, sie haben sich unfähig gemacht, diese Kraft Gottes auf sich wirken zu lassen. Die Erlösung auf Golgatha ist ohne uns geschehen für alle, aber wirksam kann sie nicht ohne uns sein.

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1867

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1. Januar.

Ich hatte die Absicht, Stillings Jugend- und Wanderjahre zu illustrieren und herauszugeben, finde aber bei genauem Durchlesen bei so großen poetischen Schönheiten viel Verzopftes, bei gesundem Menschenverstand recht viel Phantasterei und Schwärmerei, bei so viel Einfalt des Herzens eine gute Dosis Eitelkeit und Großmannsfieber. Ich werde deshalb doch wieder zum ersten Plan zurückkehren und eine Anzahl Zeichnungen zu Dichterwerken entwerfen; z. B.: Aus Stilling; J. Pauls Schulmeisterlein Wutz; Auerbachs Barfüßele; Reuter, Olle Kamellen. Dann die Romantiker: Tiecks Octavian; Brentanos Laurenburger Els; Scheffels Eckehard usw.

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Loschwitz, 13. Mai.

Wir haben acht ganz paradiesische Tage verlebt; denn nach den so lange anhaltenden kalten und trüben Tagen brach endlich die liebe Sonne glänzend durch die Wolkendecke und erschloß im Nu alle Blüten auf einmal, und ein lichter Blütenglanz von Weiß, Rosenrot und Grün füllte die warme Luft mit den lieblichsten Düften. Man fühlt sich wie in des Himmels Vorhof und weiß vor stillem Glück nicht, was anfangen. Dazu kommt noch ein Summen und Klingen durch die ruhige Luft von Bienen und Vogelgesang, welches zu einem süßen Träumen einladet. Eigentlich ist dies Wohlgefühl nicht sowohl ein Selbstvergessen, als ein Vergessen des Leides und des Schmutzes, der allem Erdendasein anklebt. Psyche, die eingesperrte, wird auf Momente frei, dehnt die Flügel und fühlt sich in ihrem Elemente, weil alles in Harmonie steht und ein hoher Friede des ganzen Daseins sich bemächtigt hat. Das wahrhafte Gebet, zu dem man seltener kommt, gibt ganz dasselbe in einer höheren Potenz.

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1868

30. Juli.

Sah ich im Kupferstichkabinett zwei Bände mit Handzeichnungen von Rembrandt. Ein interessanter Blick in die Schaffensart dieses großen Künstlers. Er muß überaus tätig gewesen sein, und alle seine augenblicklichen Vorstellungen und Gedanken brachte er mit ein paar Federstrichen flüchtigster Art, zuweilen auch malerisch in Ton gesetzt, zu Papier. Er tuschte mit Bistre, Hintergrund und Luft oft mit schwarzer Tusche. Manchmal auch ein bißchen Farbe.

1869

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24. Januar.

Die Meistersinger von Wagner habe ich zweimal gehört. Prinzipiell nicht einverstanden mit seiner Richtung, bin ich doch hingerissen von der romantischen Schönheit seiner Musik und seiner Stoffe.

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9. Oktober.

Meine Aufgabe ist jetzt allein mich innerlich sammeln. In meinem religiösen Leben erkenne ich, daß, wenn es wahres Leben wieder werden soll, ich zu den einfachen Anschauungsweisen der ersten Zeit zurückkehren muß. Es hatte sich meiner, statt des kindlichen Hinzunahens zu Gott und Christo, ein stets Reflektieren, selbst im Gebete, eingestellt, wobei alle Unmittelbarkeit des Verkehrs mit dem Höchsten verloren ging und Bitte wie Gabe geschwächt und krüppelhaft aufstieg und herabkam. Solch ein Verhältnis ist unkräftig, kühl, lahm, macht nicht satt noch froh, bringt nur Treibhausfrucht. Ja es ist eigentlich gar nicht das einfach menschliche, nicht das natürliche Verhältnis; es muß wieder ohne Klügelei, rein, einfältig werden, das Herz muß stehen, wie das Kind zu den Eltern, wie Braut zum Bräutigam in unmittelbarer Gemeinschaft, wie von Angesicht zu Angesicht, wie Herz zu Herz, nicht Vermittlung durch bloßes Denken und Reflektieren. »Werdet wie die Kinder!«

Unlängst habe ich auf mehrfaches Andrängen angefangen, meine Lebensgeschichte zu schreiben. Ich werde indes nur immer einzelne Partien vornehmen, wie ich gerade Lust dazu habe, und gar nicht in der Reihenfolge. Mit meiner Gesundheit geht es besser, und ich arbeite täglich ein paar Stunden. Das neue Heft: »Gesammeltes« scheint doch überall gut aufgenommen zu werden. Außer dem Brief Prellers habe ich noch eine recht freundliche Zuschrift aus Nürnberg anonym erhalten, »ein Klausner« unterzeichnet. Ich habe gar keinen Erfolg erwartet; denn mir gefiel zuletzt das ganze Heft nicht recht, und gern hätte ich auf andere Weise meine Holzschnittarbeit abgeschlossen. Oder sollte es doch noch möglich werden, innerhalb mehrerer Jahre etwas derart zustande zu bringen? Ich möchte eigentlich etwas bringen, in dem ein ernsterer Ton angeschlagen wäre; künstlerische Fingerzeige und Hinweisungen nach oben und nach innen.

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1870

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Loschwitz, den 9. Oktober.

Weil ich dann und wann an meiner Biographie schreibe, also zuviel zurückdenke, so überkommt mich oft das schmerzliche Gefühl, wie trotz des redlichen Strebens nach Reinheit des Lebens und Tüchtigkeit in der Kunst doch so wenig davon herausgekommen ist; überall Irren aus Unwissenheit oder Schwachheit! Dann kommt der Gedanke: könnte ich doch das Leben nochmals mit jungen Kräften und jetziger Einsicht beginnen, dann erst würde ich mich vielleicht eines wahren Fortschrittes in Kunst und Leben erfreuen können!

Wie ich heute früh in den Wald ging, kamen diese Gedanken wieder, zugleich aber fiel mir ein: Solch »noch einmal Durchleben« und die gewonnene Erfahrung und Erkenntnis besser realisieren, ist mir ja im Christentum, in meinem Glauben an dasselbe vollständig verheißen, nur daß es nicht in diesem Leben, sondern in einem anderen Dasein mir zuteil werden soll. Die Seele eignet sich in diesem Leben alles das an, was mit ihrer individuellen Eigenheit sympathisch ist, und bildet sich demnach aus; wie eine bestimmte Pflanze auch nur das aus ihrem Boden zieht und in sich verleiblicht, was sie ihren Eigenschaften nach bedarf; eine Aloë zieht andere Stoffe aus dem Boden als eine Rose, oder ein Kohlgewächs anderes als ein Apfelbaum.

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1871

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11. Februar.

Am 8. Februar nachmittags fünf Uhr ist der liebe Freund, der große Meister Schwind, den ich verehrte fast wie keinen anderen, gestorben. Sein letztes, tief ergreifendes, mit Mozartischer Schönheit erfülltes Werk: »Die schöne Melusine«, läßt den unersetzlichen Verlust doppelt schmerzlich empfinden. Die Melusine ist das wehmütige Ausklingen einer großen, herrlichen Kunstepoche. Jetzt geht alles auf äußeren Glanz und Schein, mit wenig oder keinem idealen Gehalt. Wo der Glaube an die höchsten Dinge schwindet, wo unser heiliger Christenglaube nicht die Grundlage bildet, nicht die Zentralsonne ist, entsproßt kein lebensquellender Frühling mehr, entstehen nur künstlich glänzende Treibhausfrüchte einzelner Talente.

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Ein stilles, friedliches Daheim, ein kleines, freundliches Asyl, mit einem Blick ins Weite, in das kleinste Stück Natur ist alles, was ich noch wünsche. Verkehr mit der Natur, mit der Kunst und mit Gott ist mir das Beste, Liebste und Höchste. Alles so äußerliche, bloß kluge, anspruchsvolle und dem Schein huldigende Treiben, wie es jetzt in den großen Städten vorherrscht, ist mir im Innersten zuwider.

Groß denken, im Herzen rein,
Halte Dich gering und klein;
Freue Dich in Gott allein!

1874

Gastein, den 30. August.

Am Sonntag eine zweite, tief ergreifende Predigt über St. Pauli hohes Lied der Liebe gehört. I Cor. 13.

Als ich aus der Kirche kam und an dem Waldweg noch auf L. wartete, kam eine Dame freundlich auf mich zu, nahm meine Hand und sagte: da sie diesen Nachmittag Gastein verlasse, könne sie es sich nicht versagen, die Hand zu drücken, die ihr und ihrem ganzen Hause so viel Freude verschafft habe. Das gute, treuherzige Gesicht der Dame, ihre einfache Art des Benehmens überraschte mich hier sehr und rührte mich tief, gerade jetzt, nach dieser Predigt. Denn ich dachte daran, wie wenig ich doch besondere Werke der Liebe getan, und wie mein Leben viel zu arm daran sei usw., und nun kommt die liebe Frau und dankt für ein Liebeswerk, das durch meine Kunsttätigkeit, mir unbewußt, ihrem Hause geworden. Das ergriff mich so sehr und rührte mich tief; denn ich hatte eben den Eindruck gehabt, als habe ich mich nur allzusehr meiner Arbeit allein hingegeben und darüber versäumt, vielleicht Arme aufzusuchen und dergleichen Werke christlicher Liebe zu pflegen. Da zeigt mir der liebe Gott, daß die Gabe, die er mir geschenkt, eine Liebesspende für so viele geworden ist und ferner noch sein wird. Und nicht ich allein bin der unbewußte Spender gewesen, sondern ebenso Heinrich, der Verleger, der die Veranlassung war, ein Werk zu schaffen (»Fürs Haus«), welches ganz aus der Fülle des Herzens kam, wo ich frei und ungebunden die von Gott verliehene Gabe gebrauchen konnte, wie es mir eingegeben war. Das ist Gnade und mußte mich sonderbar ergreifen in diesem Zusammenhange.

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1875

Bei den Werken der neuesten Kunstrichtung fällt mir oft die Frage ein, die Schwind einmal an mich stellte, als ich ihn in München zur Zeit einer großen Ausstellung besuchte: »Findest Du in all den Bildern eine Jugend? Nein, und man sieht es ihnen an, daß sie auch nie eine Jugend gehabt haben.«

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1883

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19. Februar.

Wie gewöhnlich ging ich gegen Mittag nach dem Großen Garten. Der Himmel war bedeckt und alles so still. Da ertönte aus einer Entfernung von den noch dürren Baumwipfeln ein »Witt, witt, witt«, und zugleich ließ ein kleines Vögelchen sein eifrig lustiges Gezwitscher aus dem Gebüsch neben mir laut werden. Als dritte Stimme klang aus der Ferne das Gurren einer Waldtaube. Dann ward es wieder ganz still – das war die erste Frühlingsahnung in diesem Jahre, der erste Gruß eines kommenden Frühlings, der mir in die Seele drang. Ich setzte mich auf eine Bank unter den großen Eichen, brannte mir eine Zigarre an zur Vollendung der Frühlingsfeier, und dabei umschwärmte ein Kreis kleiner Mücken das aufsteigende Rauchwölkchen.

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Meine Aesthetica in nuce

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20. Mai.

Als die beiden Pole aller gesunden Kunst kann man die irdische und die himmlische Heimat bezeichnen. In die erstere senkt sie ihre Wurzeln, nach der anderen erhebt sie sich und gipfelt in derselben. In diesem Geiste und in der ihm entsprechenden Form wird die Kunst stets lebendig wirksam sein.

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Oktober.

Der Aufenthalt in Bad Boll im Juli und August mit E. und H. (Seine Kinder Elisabeth und Heinrich) wirkte, wie immer, wohltuend für Leib und Seele. Die Tage flossen gleichmäßig und ruhig dahin, gehoben durch Blumhardts (des Sohnes) geistig anregenden Einfluß. Mitte September reiste ich mit E. wieder nach Dresden zurück. Der 28. September – mein achtzigster Geburtstag – nahte, und ich lehnte das Festdiner, welches die Kunstgenossen mir geben wollten, ab. Nun traf der 28. September mit der Enthüllung des Niederwald-Denkmals (Schillings Germania) zusammen, und das erste Telegramm, welches ich am Morgen dieses Tages erhielt, war vom lieben Meister Schilling, der seinen Ehrentag auf dem Niederwald in Gegenwart des Kaisers beging und an diesem für ihn so wichtigen Morgen meiner gedacht hatte. Das überraschte mich ebenso sehr, als es mich rührte. Das nächste Telegramm kam vom Dresdener Oberbürgermeister aus München, wo selbiger sich zur Zeit befand. Bald darauf erschien im Auftrage Sr. Majestät des Königs der von mir stets so innig verehrte Minister v. Nostitz und überreichte den Komturstern des Albrechtsordens, dem er die Glückwünsche der Akademie und seine eigenen beifügte. Es folgten Deputationen des akademischen Rates, des Stadtrates und der Stadtverordneten, der Kunstgenossenschaft, des Vereins der Akademiker, endlich der Münchener Künstler mit mächtig großem Lorbeerkranz und Diplom. Ein gleiches kam vom Wiener Gewerbe-Museum. Vom Ausstellungs-Komitee der graphischen Künste in Wien erhielt ich den ersten Preis mit der großen goldenen Medaille. Besonders lieblich war die Begrüßung durch die Deputation der Akademiker und des Vereins Mappe, welche einen Lorbeerkranz und Rosensträußchen von vier kleinen, hübschen Mädchen überreichen ließ, wobei das kleinste derselben einige Verse sprach und im Hause ein Gesang vom Vereinssängerchor ertönte. Noch muß ich erwähnen, daß der Stadtrat mir die meisterlich und stilvoll gestaltete Chronik von Dresden zum Geschenk verehrte. Die Telegramme, Briefe und Journale, welche zwischen all diesen Ovationen eintrafen, beliefen sich in die Hunderte, und nach ein Uhr, wo der Strom ziemlich vorüber war, fühlte ich mich wirklich sehr erschöpft. Ich fühlte mich noch in den folgenden Tagen durch diese vielen Ehren- und Liebeszeichen freudig gehoben, aber eben so sehr innerlich gebeugt; denn wodurch hatte ich dieses alles verdient? Meine Arbeiten waren doch meine eigene höchste Lust und Freude gewesen, und das Gute und Lobenswerte daran lag doch gerade in dem, was man nicht bloß lernen oder sich selber geben kann, sondern es war das, was uns geschenkt wird: die Gottesgabe, das Talent.

Meine Jugend war arm, verkümmert, vielfach bedrückt. Die Zwietracht der Eltern, die beide herzensgut waren, aber sich nicht verstanden, verbitterte das Leben, und das mangelhafte Einkommen und die Sorgen, welche dadurch erwuchsen, fügten ihre Säure dazu. Meine Lehrzeit war nur Arbeitszeit gewesen; ich lernte nichts oder wenig dabei. Nun kam ich nach Rom, und von allen Seiten wurde mein durstender und hilfsbedürftiger Geist angeregt; ich war überglücklich, und ein reiches Leben und Streben begann. Mein Ideal lag auf der Seite der sog. historischen Landschaft, welche ich auf meine Weise zu entwickeln dachte.

In die Heimat zurückgekehrt, erfaßte mich sehr bald wieder die Not des Lebens. Ich hatte glücklich, aber vielleicht doch zu früh geheiratet, wodurch der Weg erschwert wurde. Der Druck, welcher auf mir lag, als ich sieben Jahre in Meißen war, und die darauf folgenden ersten Dresdener Jahre, war so groß, daß mein Streben, in den Gärten des Parnasses, wo die hohen edlen Blumen blühen, ein Plätzchen zu erreichen, unerreichbar erschien. Da kam der Holzschnitt auf, der alte Dürer winkte, und ich pflegte nun diesen Zweig. Kam meine Kunst nun nicht unter die Lilien und Rosen auf den Spitzen des Parnaß, so blühte sie auf denselben Höhen, an den Wegen und Hängen, an den Hecken und Wiesen, und die Wanderer freuten sich darüber, wenn sie am Wege ausruhten, die Kindlein machten sich Sträuße und Kränze davon, und der einsame Naturfreund erquickte sich an ihrer lichten Farbe und ihrem Duft, welcher wie ein Gebet zum Himmel stieg. So hat es denn Gott gefügt, und mir ist mehr geworden und auf Wegen, die ich vorher nicht gekannt noch gesucht hatte, mehr als meine kühnsten Wünsche sich geträumt hatten. Goethe sagt einmal zu Eckermann: »Es beschränkt sich selten ein Künstler auf das, was er vermag, die meisten wollen mehr tun als sie können und gehen gar zu gern über den Kreis hinaus, den die Natur ihrem Talent gesetzt hat.« – Ein wahres und sehr beherzigenswertes Wort. Wie manche schöne Talente würden Bedeutenderes, Originales geleistet haben, wenn sie nicht durch wohlgemeinte, aber irrige Reflexionen nach dem Höchsten zu streben, dieses Höchste in den erhabensten Stoffen, sondern vielmehr in dem Höchsten einer vielleicht untergeordneteren Kunstgattung, die aber mehr ihren Naturanlagen entsprochen haben würde, gesucht hätten, z. B. anstatt symbolischer oder erhabener Geschichtsstoffe Landschaften oder Darstellungen aus dem Volks- und Gesellschaftsleben gemalt hätten usw.

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