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Frida von Kronoff: Lebensart - Kapitel 34
Quellenangabe
typetractate
authorFrida von Kronoff
titleLebensart
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year
firstpub
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150825
projectid79dc494a
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33. Vom Einkaufen.

Niemals hast du ausgelernt auf dem bunten Markt des Lebens;
Viel gewinnst du, wenn du nur zahlst dein Lehrgeld nicht vergebens.

a) Der Markteinkauf.

Die Marktpreise müßten jeder Hausfrau geläufig sein, sie bedarf dieser Kenntnis, um zur richtigen Zeit vorteilhaft einzukaufen. Besorgt sie die notwendigen Einkäufe auch nicht selbst, so muß sie doch den »Kurszettel« studieren, um vor Uebervorteilung sicher zu sein. Die Marktgroschen der Köchin, der Preisvorschlag der Verkäuferin können sich empfindlich bemerkbar machen.

Bei persönlichen Einkäufen kann die Hausfrau ein zierliches Obstkörbchen recht wohl tragen, den schweren Armkorb selbst zu schleppen, verbietet ihr das notwendige Ansehen, sowie die Rücksicht auf ihren Anzug. Es kommt dies dem Dienstmädchen oder einem Dienstmann zu.

Das Angreifen und Drücken von Obst und Gemüse, wenn man nicht wirklich einkaufen will, ist unzulässig; das Probekosten aus allen Obstkörben, ohne diese oder jene Sorte zu erwerben, ist gleichviel wie Betrug.

Es wäre unrecht, die Ware herabzusetzen, um sie wohlfeiler zu erhalten; was deinem Bedürfen nicht entspricht oder dir mißfällt, wird durch die geringe Preisherabdrückung keinesfalls um so viel besser werden.

Man wähle und überlege, ehe man die Ware an sich nimmt. Das Zurückreichen derselben braucht sich der Verkäufer nicht gefallen zu lassen, ebensowenig die übrigen Käufer, die ebenfalls Anspruch auf tadellose Ware haben.

Ein paar herabgehandelte Pfennige machen dich nicht reich. Sieh dir die Verkäuferin erst an, ob sie derselben nicht weit eher bedürftig ist, als du. Ist die Händlerin hingegen unreell, so lasse sie einfach stehen.

Es ist geraten, sich möglichst immer an dieselbe Verkäuferin zu halten, sie wird dies anerkennen, und durch gute, aufmerksame Bedienung lohnen.

Das Bedienen geht der Reihe nach wie im Laden, der elegantere Anzug hat dabei nichts zu sagen.

Meinungsverschiedenheiten dürfen nicht in Streit oder Zank ausarten, man gehe solchen geflissentlich aus dem Wege. Der Gemeinheit gegenüber ist der feine Takt stets im Nachteil; die Menge nimmt Partei gegen den Unbewehrten, das Recht wird in Unrecht verkehrt und hat noch den Schaden dazu.

Stets muß die Dame sich als Dame fühlen und beweisen. Sie enthalte sich darum des gewöhnlichen Dialektes, spreche ihre schöne Muttersprache rein und gewählt. Den Sieg wird sie dadurch freilich nicht gewinnen, aber die Achtung erhalten. Einer Niederlage geht sie beizeiten klüglich aus dem Wege.

Beim Berechnen hüte man sich vor Uebervorteilung. Man rechne jedoch langsam, wenn nötig wiederholt mit den ungeübteren Landleuten. Diese glauben sich sonst leicht benachteiligt, wenngleich sich sprichwörtlich kein Bauer zu seinem eigenen Schaden irrt.

Alles Unnötige ist teuer, so wohlfeil es in der Tat sein mag; denn brachliegendes Geld ist direkter Schaden.

b) Der Einkauf im Laden.

Für alle Einkäufe, welchen Bedarf sie auch umfassen mögen, halte man sich nur an durchaus bewährte, vertrauenswürdige Geschäfte, die besten Bürgen für reelle Bedienung. Es ist dies sogar eine Ehrenpflicht für jeden anständigen Menschen, denn die durch schwere Steuern belasteten altrenommierten Geschäfte stehen in hartem Erwerbskampfe, unverhältnismäßig geschädigt und zurückgedrängt durch Warenhäuser und Abzahlungsgeschäfte, billige Basare und Partiewarenhallen, die marktschreierisch eine Fülle der verführerischsten Dinge zu Schleuderpreisen ausbieten und zum Schaden der meist sehr enttäuschten Käufer auch wirklich losschlagen.

An fremdem Orte wende man sich an ein Geschäft mit geschmackvoller Auslage und soliden Preisen. In bekannten Geschäften genießt man die Rücksicht besonderen Entgegenkommens und, wenn nötig, das Recht des Umtauschens.

Man trete mit ruhiger Bestimmtheit in den Laden; unbeholfene Schüchternheit ruft Geringwertung hervor, anmaßendes Vordrängen macht unbeliebt.

Kommt die Reihe des Bedientwerdens an dich, so erbitte mit kurzen, klaren Worten das Gewünschte. Laß dir zur Wahl vorlegen, und prüfe die Ware, denn du gibst dein Geld dafür hin. Durch die Frage: »Wie soll's sein? Was darf es kosten?« laß dich nicht beirren; deine Antwort laute: »Zeigen Sie mir, bitte, Verschiedenes; ich möchte auswählen.«

Die Waren sind mit leichter Hand behutsam zu prüfen. Eine Hausfrau hat dies schon »im Griff« und bedarf keiner weitschweifigen Manipulationen.

Das Ladenpersonal ist rücksichtsvoll zu behandeln; es soll nicht um Kleinlichkeiten angestrengt werden, darf aber auch an schuldigem Entgegenkommen nichts abbrechen.

Der Ladenverkehr ist rein sachlich, namentlich das Personal darf niemals eine persönliche Wendung versuchen.

Das Abhandeln feststehender Preise ist unfein und unnütz; doch darf man wohl sagen: »So viel kann und will ich anlegen, mehr nicht,« und dies Wort auch einhalten. Uebervorteilt der Verkäufer, so mag er seinen Kunden verlieren, es wird ihm eine wohlverdiente Lehre sein.

c) Die Art der Bezahlung.

Bei Markteinkäufen bedarf es kleineren, leicht wechselbaren Silbergeldes und Nickelstücke. Dies erleichtert das Berechnen wie die Einzelzahlung. Gold und Banknoten taugen niemals für den Marktverkehr.

Die Börse sei in sicherer, fester Tasche geborgen, gut verschlossen und leicht erreichbar, nur nicht – für Langfinger!

Etwas Kupfer ist für kleinste Einkäufe angenehm, viel davon belastet die Börse, ohne sie tatsächlich, d. h. dem Werte nach, zu füllen.

Barzahlung ist der nobelste Ausgleich. Die Sache ist abgemacht, braucht nicht nachgeholt zu werden, und diese Art der Begleichung verdient und erhält außerdem manche fühlbaren Vorteile.

Kreditnehmen ist ein schlimmes Ding, eine Art fressenden Krebsschadens, gleichviel wie Schulden. Nicht nur, daß man leicht mehr und teurer einkauft, weil man nicht gleich bezahlen muß, die Summe wächst auch bei Wiederholung unmerklich an, und wird zum Berge, der sich endlich nicht mehr überspringen läßt.

Wo Rechnung ausgestellt oder der Summe entsprechend gewünscht wird, da halte man auch pünktlich auf Quittierung derselben.

Die erhaltenen Quittungen müssen zusammen an bestimmtem Orte aufbewahrt werden, sie können je nach Umständen noch einmal bares Geld bedeuten. Darum Vorsicht bei der Bezahlung, Ordnung bei Aufbewahrung der Quittungen!

d) Allgemeines vom Einkaufen.

Auffallend wohlfeile Einkäufe pflegen teuer zu sein, denn gute Ware kann nicht unter ihrem Wert abgegeben werden.

Dennoch kann ein billiger Stoff dauerhaft sein und sich gut tragen; nur glaube man nicht, reine Wolle um einen Schleuderpreis einhandeln zu können.

Geschmuggelte oder veruntreute Waren werden unter der Hand verkauft und verraten sich durch ihren auffallend billigen Preis. Von solchem Handel halte dich fern!

Irrt sich der Verkäufer in der Berechnung, so kläre ihn auf; zuviel Miteingewickeltes gib unverweilt nach Wahrnehmung zurück. Natürlich brauchst du nicht teurer einzukaufen, weil der Kaufmann sich irrte; du triffst einfach andere Wahl.

Der Kaufmann, der »ohne Nutzen« oder nur »zum Vorteil seiner Kunden« abgibt, ist nur schlau, nicht reell. Du brauchst indes nicht zu denen zu gehören, die »nie alle werden«, und – auf die allein er rechnet.

Bei armen Händlern marktet man nicht. Die Augenblicksverlegenheit des soliden Verkäufers nützt ein Edeldenkender niemals aus.

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