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Frida von Kronoff: Lebensart - Kapitel 33
Quellenangabe
typetractate
authorFrida von Kronoff
titleLebensart
publisher
year
firstpub
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150825
projectid79dc494a
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32. Von Briefen und Postkarten.

Sorge, daß des Inhalts Wert
Sich mit schöner Form vermähle:
Aus dem Briefe sprichst du selbst,
Spricht dein Geist und deine Seele.

a) Das äußere Ansehen des Briefes.

Das äußere Ansehen deines Briefes besticht und bestimmt. Nachlässig fertiggestellte Briefe werden mit Vorurteil aufgenommen, mit Selbstüberwindung geöffnet, mit Erleichterung beiseite gelegt. Wir sehen in den Briefen die Person des Absenders vor uns hintreten und entscheiden uns für oder gegen sie, das bedenke!

Unsere geschäftige Industrie sorgt eifrig für unbegrenzte Auswahl auch auf diesem Gebiete gesellschaftlicher Bedürfnisse, es kann daher mit Recht gesagt werden, daß jeder Börse, jedem Geschmack und jeder Veranlassung Rechnung getragen ist.

Früher hat man für überseeische Korrespondenz des hohen Portos wegen möglichst dünnes Briefpapier gewählt, jetzt ist dies kaum mehr nötig; im übrigen Briefverkehr empfiehlt sich starkes, festes, glattes Papier, undurchsichtig und am besten weiß. Farbiges Papier ist nur in freundschaftlichem Briefwechsel üblich, muß aber dann zarte, feine Töne haben, wie zartrosa, elfenbein- und resedafarben, gelblich oder süßlila.

Das Briefpapier kann immer das Monogramm tragen, soweit es zum Privatgebrauche dient; Vignetten und Motti eignen sich nur für intimen Verkehr.

Dem Geschäftsverkehr, der natürlich Monogramm und Vignetten ausschließt, ist das Quartformat des Briefpapiers und Umschlages vorbehalten; für privaten Briefwechsel eignet sich Oktavformat und Billettpapier besser.

Man bediene sich eines ungeteilten Briefbogens, der gute Ton verlangt dies. Unliniertes Papier dient nicht jedem; der Ungeübte unterlege also ein Linienblatt, um gerade, aufeinander passende Linien zu erzielen.

Zum Schreiben dient am besten eine bereits angeschriebene Feder, die weder zu fein, noch zu dick die Tinte abgibt.

Besser ist es, das Geschriebene vor dem Umwenden trocknen zu lassen, als den Tintenlöscher zu benützen, der die Schrift blaß erscheinen läßt.

Ernste Mahnworte, Zurechtweisungen oder peinliche Mitteilungen bedürfen liebreicher Form und doppelten Erwägens. Was geschrieben ist, kann nicht zurückgenommen werden und wirkt oftmals einschneidender als wir gedacht.

b) Der Brief in seiner Einteilung.

Der Briefbogen hat mit der gebrochenen Seite nach links, mit der offenen nach rechts zu liegen, in gerader Richtung vor dem Schreibenden.

Das Datum wird in die obere rechte Ecke der ersten Seite oder in die untere linke der Schlußseite gesetzt.

In etwas über Zweidrittelhöhe des Blattes wird inmitten der Linie oder etwas links abgerückt, die Anrede gesetzt. Dann folgt ein freier Raum von zwei bis drei Zeilen, ehe der eigentliche Beginn des Schreibens einsetzt. Zur linken Seite des Briefblattes wird der »Falz«, ein leerer Raum von ein oder zwei Fingerbreite frei gelassen, desgleichen am unteren Ende.

In der Privatkorrespondenz kann das Briefblatt gut ausgenützt werden, Briefe an höherstehende Personen bedingen weitergehende Rücksicht. Hier wird der freie Raum so breit gestaltet, daß von des Schreibens eigentlichem Inhalt nur noch wenige Zeilen Raum auf der ersten Seite finden.

Der Beginn der zweiten Seite deckt sich mit der Anrede auf der ersten, alle folgenden Seitenanfänge müssen mit der Anfangslinie der zweiten Seite genau zusammenstimmen.

Der Schluß des Briefes verlangt den Raum von drei gesonderten Zeilen, also etwa:

Eure

dankbare

Cornelie.

Unter guten Bekannten können das Fürwort und das Eigenschaftswort auf ein und dieselbe Zeile gesetzt werden, der Name zum Schluß.

Nachschriften gelten als eine Schwäche des vergeßlichen weiblichen Geschlechtes, nur dieses selbst kann durch entschiedene Weglassung derselben den Vorwurf entkräften. Unter Fernstehenden sind sie überhaupt nicht zulässig.

Die Ränder beschreibt man nicht. Die Schriftzeilen zu kreuzen, ist taktlos und rücksichtslos gegen den Adressaten.

c) Das Schreiben des Briefes.

Schon im privaten Verkehr ist eine klare, schöne, charaktervolle Handschrift Haupterfordernis. Wer diese nicht besitzt, schreibe wenigstens deutlich, denn es ist nicht jedermanns Sache, schwierige Schriften zu entziffern.

Besonders Name und Adresse muß schön und deutlich geschrieben werden. In der Unterschrift ganz ausdrücklich stehst du selbst vor dem Adressaten. Wenn berühmte Männer das Vorrecht haben, ihren Hamen möglichst unleserlich zu schreiben, so wird dies gewöhnlichen Sterblichen gewiß nicht verziehen.

Orthographische Fehler sind heutzutage unverzeihlich. Allenthalben hat es gute Schulen, man darf sie nur benützen, und das darin Erworbene festhalten. Auf die »neue« und »neueste« Schreibweise kommt es bei Privatpersonen keineswegs an, sie mögen ihrer Schreibmethode treubleiben und nur diese richtig meistern. Der Wissende verrät sich auch in altmodischer Schulung, den Unwissenden schützen auch angewöhnte Extravaganzen nicht.

Eine Klippe für viele ist die Interpunktion. Wer ordentlich schreiben gelernt hat, wer viel liest, sollte keine Interpunktionsfehler machen; sie verraten immer einen fahrigen, zerstreuten Charakter, unkontrollierte Gedanken.

Nach der Anrede wird ein Ausrufungszeichen gemacht oder statt dessen ein Komma, dies bedeutet den sofortigen Uebergang zum Inhalt des Briefes.

Hochstehende Personen werden mit ihrem Titel und in dritter Mehrzahlsperson angeredet, also etwa: »Gnädige Frau mögen gestatten«, »Im Anschluß an die gütige Mitteilung des Herrn Professors« usw.

In Briefen werden Fürwörter, die sich auf den Adressaten beziehen, also Du, Sie, Ihr, Euer ausnahmslos groß geschrieben.

Man schreibe aufmerksam, mit geordneten Gedanken. Selbst in Privatbriefen sollten Streichungen und Verbesserungen nicht vorkommen.

d) Anfang und Schluß eines Briefes.

Der Brief selbst, abgesehen von dem führenden Datum, erhält seinen Anfang durch die Anrede.

Diese lautet nach dem Grade des Bekanntseins etwa: Geliebte Mutter, teurer Vater, liebe Tante, liebste Freundin, lieber Freund, liebe Emma, oder Fremden gegenüber: Verehrte Frau, sehr geehrter oder hochgeehrter Herr, hochgeschätzter Gönner; indessen niemals nur: Liebes Frl. oder Liebes Frl. Erna, dies wäre selbst unter Bekannten eine wirkliche Unhöflichkeit. Titulaturanreden sind im vorhergehenden Abschnitte bereits erwähnt.

Als Regel merke: Das Ich tritt im Briefverkehr zurück. Mit ich, mir, mich, mein darf kein Brief beginnen.

Sätze derartigen Inhaltes werden umgemodelt in: »Gestatten Sie mir die ergebene Mitteilung«, anstatt »Ich teile Ihnen mit«, oder: »Nehmen Sie gerührten Dank entgegen für Ihre große Güte«, anstatt: »Ich sage Ihnen besten Dank« usw.

Der Schluß des Briefes wiederholt die Anrede, Name oder Titel, noch einmal in schicklicher Verknüpfung, etwa: »Baldige Nachricht von Dir, liebste Anna, erhoffend, bin ich«, oder »Indem ich Ihnen, verehrte Frau Patin, nochmals wärmsten Dank ausspreche«, usw.

Der Schluß komme nicht unvermittelt; am besten leiten schon die letzten Sätze darauf hin. Der wirkliche Schlußsatz wird etwa lauten: Dein treuer Freund, Deine Dich liebende, Deine dankbare, Ihr ergebener, hochachtungsvoll oder hochachtungsvoll ergeben, in Ehrerbietung, in warmer Verehrung. Auch wohl kurz und bezeichnend bei nahem Verkehr: In Treue, in Liebe und Treue usw.

Der Kartenbrief gleicht in Form und Fassung dem Briefe.

e) Der Inhalt des Briefes.

Es gibt leidenschaftliche Briefschreiber ebensowohl wie höchst widerwillige, denen schon der Gedanke an das zwingende Muß eines Briefes Entsetzen einflößt. Daß den ersteren ihre Aufgabe besser gelingt als den letzteren, bedarf keiner Erörterung, immerhin kann und soll sich auch der ungeübte Briefschreiber soweit in der Gewalt haben, seiner Pflicht aufs beste zu genügen.

Vor allem verwende man klare, wohlgeordnete, reiflich überlegte Gedanken in logischer Folge. Sie bedürfen keiner pomphaften Einkleidung, je einfacher sie gesagt werden, desto überzeugender und wirksamer sind sie.

Natürlich darf über Nebendingen die Hauptsache nicht vergessen werden. Es empfiehlt sich daher bei einem Antwortschreiben, den zuvor erhaltenen Brief noch einmal genau auf seinen Inhalt zu prüfen. Ungeübte oder Gedankenlose mögen ein Konzept anfertigen, dasselbe sorgfältig überlesen und überdenken, etwaige Mängel ausgleichen und danach erst mit der Reinschrift beginnen.

Die Einleitung sei kurz, anmutig und liebenswürdig. Der ganze Inhalt muß straff zusammengefaßt und mit klarer Einfachheit ausgedrückt werden.

Schwülstige Phrasen, geschraubte Wendungen wirken lächerlich und abstoßend.

Freundschaftsbriefe enthalten alles mögliche und erfreuen sich ausgedehnter Darstellung, Familienbriefe desgleichen.

Sachliche Schreiben, sowie Geschäftsbriefe werden knapp gefaßt, ihr ganzer Zweck ist die Sache.

Inhaltsreiche Briefe kurz zu fassen, ist schwierig; weitschweifige Briefe ohne eigentlichen Inhalt rauben dem Absender wie dem Empfänger unberechtigterweise seine Zeit.

Das Verletzen des Briefgeheimnisses ist ein schweres Unrecht; allein es ist klug, in Briefen keine Geheimnisse niederzulegen, überhaupt nichts, was uns bloßstellen könnte, denn oftmals steht, was wir geschrieben, als Ankläger wider uns auf.

f) Der postfertige Brief.

Bevor der fertiggeschriebene Brief in den Umschlag gelegt wird, soll er noch einmal überlesen werden; wichtige Briefe erfordern ein wiederholtes Durchlesen.

Der Briefumschlag muß stark und undurchsichtig sein und außerdem zum Briefformat passen. Ein loses Blatt in zu großer Hülle ist ebenso unschön wie zu oft gebrochenes Papier in knappem Umschlag.

Der gummierte Rand der Umschlagsklappe wird am besten vermittelst eines Schwämmchens leicht angefeuchtet und dann mit dem Papiermesser glatt gestrichen.

Die Freimarke erhält ihren Platz in der rechten oberen Ecke der Adressenseite; es ist geschmacklos, allerlei Deutungskünsteleien in der Briefmarkensprache anbringen zu wollen.

Die Marke muß nicht nur genau in die passende Ecke geklebt sein, sondern auch vollen Taxwert haben. Es verstimmt ungemein, für liebe oder gar für gleichgültige Briefe Strafporto entrichten zu müssen.

Briefsiegel sind selten geworden. Werden sie dennoch angebracht, so muß der Lack breit und gutflüssig aufgetragen und das Petschaft fest eingedrückt werden, um einen klaren Abdruck zu erzielen.

Das Petschaft weist die Anfangsbuchstaben des Vor- und Zunamens auf, seltener symbolische Embleme.

Die Adresse muß deutlich und schwungvoll geschrieben werden, dabei sei sie so ausführlich wie möglich. In die Mitte kommt, mit lateinischen Buchstaben geschrieben, der Name, darunter Titel oder Bezeichnung. Unten, nach rechts gerückt, steht groß und deutlich der Bestimmungsort, danach in kleinerer Schrift die Wohnungsangabe.

Am oberen Rande des Briefumschlages sollte Name und Wohnort des Absenders angebracht werden, damit im Nichtbestellungsfalle der Brief uneröffnet wieder in die Hände seines Urhebers zurückgelangen kann.

Geldsendungen werden eingeschrieben oder auf der Post eingezahlt. In gewöhnliche Briefe sollten sie niemals eingelegt werden.

g) Wo ist die Postkarte gestattet?

Die Postkarte dient zur Entlastung alles unnötigen Schreibeballastes; sie beansprucht keinerlei prunkvolle Titulatur oder ausführliche Ehrungsbezeigung, keine weitschweifigen Mitteilungen. Sie erlaubt und bedingt kurze, Knappe, sachliche Fassung.

Postkarten werden angewendet bei: Abmachungen, geselligen Verabredungen, vergessenen Nachträgen, kurzen geschäftlichen Aufträgen oder Anfragen, freundschaftlichen oder geselligen Mitteilungen, Bestellungen, familiären Anfragen ohne geheimnisvollen Untergrund, Erinnerungen und dergleichen. Nur möge man bedenken, daß die Mitteilung in vielerlei Hände kommt, bevor sie den Adressaten erreicht, und darum nur allgemein Unwichtiges auf einer Postkarte erfragen und beantworten.

Besonders auf der Reise, wo weitschweifiger Korrespondenzapparat nicht mitgeführt werden kann, sind Postkarten beliebt und bequem. Sie besitzen schon den Markenaufdruck, können auch mit Bleistift beschrieben werden, verlangen keinen studierten Briefstil und erfüllen doch den augenblicklichen Zweck. Kartenbriefe werden besonders in Oesterreich viel verwendet.

Eine beliebte Abart der Postkarte, besonders für träge Briefschreiber, ist die Ansichtspostkarte. Diese teilt schon im Bilde mit, was der Absender mit Worten sagen müßte, und läßt nur wenig Raum für kurze Mitteilungen.

h) Wo ist die Postkarte nicht erlaubt?

Um eine Bitte vorzubringen oder einen Dank abzustatten, darf man sich keiner Postkarte bedienen, hier wie dort wäre es eine Taktlosigkeit. Nur Briefform eignet sich für derartige Anlässe, nur solche braucht beachtet zu werden.

Rechnungen an Schuldner und Geschäftsleute auf offener Karte zugesandt, sind gesetzlich unzulässig. Das eigene Feingefühl müßte es gleicherweise untersagen.

Kränkende Worte, beleidigende Anreden oder Mitteilungen, Verdächtigungen, Vorwürfe, Mahnungen usw. dürfen niemals Raum auf offener Karte finden, es wäre dies nicht nur eine unverzeihliche Taktlosigkeit gegen den Empfänger, sondern auch eine Bloßstellung des Absenders selbst. Rechtdenkende rügen oder ermahnen im persönlichen Verkehr ohne Zeugen, um das Feingefühl des Zurechtgewiesenen zu schonen, ebenso muß der schriftliche Mißbilligungsausdruck unter verschlossenem Umschlag geborgen sein.

An höherstehende Personen, wie Vorgesetzte, Gönner, Paten oder sonstige Respektspersonen darf eine Postkarte nicht gerichtet werden. Auch bei älteren Verwandten, bewährten Freunden des Hauses, etwa noch fernstehenden Bekannten findet die Postkarte keine Anwendung; sie alle verlangen und verdienen brieflichen Postverkehr und brauchen auf dieses Recht keineswegs zu verzichten.

i) Allgemeines über Briefe und Postkarten.

Brief, » breve« bedeutet eigentlich » kurz«. Das möge jeder Briefschreiber bedenken, am meisten der ungeübte.

Schöner Inhalt, schöne Form; das sind die Briefe, die uns gefallen.

Wer gern Briefe liest, soll pünktlich Briefe schreiben, eine einseitige Korrespondenz stirbt an Entkräftung.

Briefschreiben bildet und bereichert; selbst ein glückloses Leben kann ein wertvoller Briefwechsel vergolden.

Ein lieber Brief ist eine Wohltat, darum lege Herz und Seele in das, was du schreibst!

Briefe sind Zeugen deiner Stimmungen; laß sie Gutes und Edles bezeugen.

Beantworte einlaufende Briefe bald, unter dem ersten frischen Eindruck der erhaltenen Mitteilungen.

Schwierige Briefe hingegen überlege zehnmal. Bitt- und Dankbriefe schiebe nicht auf.

Gewährung oder Ablehnung kleide in zartfühlende Form und erledige sie baldigst.

Beleidigende Briefe finden ihre Antwort durch Schweigen oder durch das Gericht.

Jeder Brief ist einzeln postfertig zu machen, um ärgerliche Verwechslungen zu vermeiden. Die oberste Briefregel heißt: Ordnung!

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