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Frida von Kronoff: Lebensart - Kapitel 30
Quellenangabe
typetractate
authorFrida von Kronoff
titleLebensart
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firstpub
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150825
projectid79dc494a
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29. Geburts- und Namenstage.

Nicht die Spende ist's allein, die erfreut, beglückt,
Nein, vielmehr der treue Sinn, der die Gabe schmückt.

a) Geburtstagsgeschenke.

Keine echte Geburtstagsfeier ohne Gabentisch! Schon das Kind freut sich um deswillen auf sein Wiegenfest, wie viel mehr noch das heranwachsende Mädchen, das mit erwachendem Schönheitssinn einen gewissen Sammeleifer verbindet. Im Wechsel der Ereignisse, im Kampfe ums Dasein mag ja dieser Sondertag mehr und mehr zurücktreten, allein am lichten Lebensabend gewinnt er noch einmal seine volle Bedeutung, schmerzlich würde die Matrone einen lieben Glückwunsch, eine Gabe voll zarter Aufmerksamkeit vermissen.

Nur muß das Geben ebenso erlernt sein wie das Empfangen, man muß die Liebe, die das Geschenk ersonnen, ausgewählt oder gearbeitet hat, ebenso deutlich empfinden wie man die Spende selbst greifen kann. Ein Händedruck, ein Blick, ein Lächeln kann viel, kann alles sagen, doch auch in Worte läßt sich viel legen, sie müssen nur ungesucht und herzenswarm sein, ohne Prunk und Ziererei. Mit liebenswürdigen Worten muß das Angebinde dargebracht werden, nicht lässig oder gleichgültig, nicht zu früh, aber auch ja nicht zu spät.

Die Wahl des Geschenkes bestimmen die Verhältnisse, d. h. die eigenen Mittel, sodann der Grad der gegenseitigen Beziehungen, sowie die Bedürfnisse des Empfängers.

In der Familie selbst ist das Beschenken leicht genug, denn man kennt die Geschmacksrichtung, die Bedürfnisse und Wünsche des Geburtstagskindes, man kann auch geradezu anfragen oder einige erfüllbare Wünsche zur Wahl offen lassen, stets wird man dann das Richtige treffen.

Kinder haben, um den Geburtstag der Eltern zu feiern, nicht nur ihre Börse, sondern auch ihr Können, ihre Kunstfertigkeit anzustrengen. Mädchen fertigen niedliche Handarbeiten, die wirklich einem deutlich sichtbaren Zwecke dienen, (keine namenlosen Deckchen und Ueberdeckchen), damit erfreuen sie Vater und Mutter gleichermaßen. Knaben können in Holz- und Kerbschnitzereien, Papp-, Punzierungs- oder Aetzarbeit ein Gleiches tun; auch hier ist peinlichste Pünktlichkeit und ersichtlicher Zweck Grundbedingung. Sind Talente vorhanden, so werden Zeichnungen, Malereien, Gedichte, Musikvorträge gern als Zeichen inniger Liebe angenommen, nur dürfen sie nicht beanspruchen, als Prunk- oder Paradestück zu gelten.

Die Gattin braucht kaum einen guten Rat, denn sie kennt die Wünsche und Bedürfnisse des Gatten schon bevor sie diesem selbst bewußt werden, und wird sich stets beeilen, dieselben zu erfüllen.

Für den Gatten ist es schon etwas schwieriger, Klippen zu umschiffen, denn er neigt zu praktischen Geschenken und ist daher häufig in Versuchung, gerade das zum Geburtstage der Gattin zu schenken, was ohnehin als Haushaltsbedürfnis angeschafft werden müßte, so daß, genau betrachtet, das Geburtstagskind für sich selbst leer ausgeht. Solche Geschenke verstimmen, sie erzeugen ein Gefühl der Vereinsamung anstatt der Zusammengehörigkeit, und fordern zu Vergleichen heraus, die nicht erfreulich sein können. Um die Kasse des Gatten zu schonen, begnügt sich ja freilich manche Gattin mit einem allgemein notwendigen Haushaltsgegenstand, dann aber ist es Sache des Gatten, demselben ein schönes Buch, einen Blumenstrauß oder Lieblingstopfblumen, wohl auch ein hübsches Schmuckstück hinzuzufügen. Das sind liebenswürdige und Liebe bekundende Aufmerksamkeiten, die ihren Zweck niemals verfehlen.

Freunde untereinander wählen zumeist einfache Geschenke, die sich ohne besondere Mühe und Kosten erwidern lassen. Doch auch sie werden den speziellen Wünschen Rechnung tragen, dabei mehr des Freundes Liebhaberei als die eigene Bequemlichkeit berücksichtigend.

Bereits gebrauchte Gegenstände eignen sich niemals für Geschenke, ebensowenig unnütze, raumverengende Dinge, die keine Freude bereiten können.

Geschenke, die man selbst erhalten hat, sollten nicht im Geschenkwege weitergegeben werden, es wäre dies eine Kränkung für den Geber, auch könnten die Spenden bei unvorsichtigem Verfahren gerade an diesen selbst zurückgelangen.

Will und darf ein Herr eine Dame beschenken, so sei er besonders bedachtsam und bescheiden in der Wahl des zu schenkenden Gegenstandes.

Von Wert, d. h. von auffälligem, sichtbarem, darf derselbe keinesfalls sein. Bei oberflächlichen Beziehungen genügt ein Blumenstrauß, mehr ist nicht angängig, auch dürfen die gewählten Blumen keine Deutung zulassen.

Ist der Verkehr ausgedehnter, so kann anstatt der Blumen oder in ihrer Begleitung ein neuerschienenes Buch oder Musikstück, vielleicht auch eine zierliche Bonbonniere übersandt werden. Mehr nicht, mehr nimmt auch die feine Dame niemals an, ganz besonders weder Schmucksachen noch sonstige Wertgegenstände; solche Spenden sind ausdrücklich dem Verlobten vorbehalten. Nur ein Onkel, ein älterer Verwandter überhaupt oder ein alter Freund des Hauses darf sich solch wertvolle Angebinde gestatten.

b) Die Übergabe des Geschenkes.

Der richtige Zeitpunkt für die Ueberreichung des Geschenkes ist am Vormittag des Festtages. In den ersten Frühstunden wird das Angebinde in zierlichster Anordnung und von einer Glückwunschkarte oder schriftlichem Glückwunsch begleitet, dem Geburtstagskinde ins Haus gesandt, darauf aber zur richtigen Visitenzeit der Glückwunschbesuch persönlich abgestattet.

Ebenso hübsch ist es indes, zur Besuchszeit am Vormittag des Geburtstages oder des Namensfestes persönlich einzutreffen, um sowohl Glückwunsch wie Gabe dem Festkinde selbst zu übermitteln. Es versteht sich dabei von selbst, die Darbietung des Geschenkes als persönlichen Wunsch, der auf Erfüllung hofft, zu bezeichnen, je anmutiger hierbei und bei der Gratulation die Worte gesetzt sind, desto besser ist die beabsichtigte Wirkung.

Bei Namenstagen werden die Gaben meist schon am Vorabend dargebracht und sind dann von passenden Glückwunschworten oder -Karten begleitet. Der Besuch kann am Tage selbst stattfinden, oft vereinigt auch eine Einladung ohnehin sämtliche Gratulanten im Festhause.

Jede Gabe muß mit Liebe gewählt und mit Liebe dargebracht werden. Unfein wäre es indes, besondere Vorzüge derselben hervorheben zu wollen oder zu betonen, unter welch schwierigen Umständen dieselbe erlangt werden mußte. So wenig ein Gast wahrnehmen darf, daß er Umstände verursacht, ebensowenig darf der Empfänger das peinliche Gefühl haben, daß um seinetwillen Mühe und Kosten aufgewendet wurden, dies würde die Spende völlig entwerten.

c) Der Empfang der Gabe.

Die richtige Art des Schenkens ist, wie wir gesehen haben, keineswegs ganz leicht; schwieriger jedoch ist das richtige, beglückende Empfangen, das nicht gar viele studiert und eingeübt haben.

Freundlichkeit gegen den Geber versteht sich von selbst; mit der konventionellen Freundlichkeit jedoch, dem unpersönlichen, einstudierten, festgefrorenen Lächeln, das die Züge nicht belebt, ist es keineswegs getan.

Das Geburtstagskind hat seine Gratulanten in festlicher Toilette zu empfangen, am besten im Geburtstagszimmer selbst, das nicht nur den wohlbesetzten Gabentisch, sondern auch belebenden Blumenschmuck aufweist. Auf diesem Gabentisch muß sich aber selbst bei reichster Fülle immer noch ein Plätzchen für neue Spenden vorfinden oder freimachen lassen, so daß selbst die geringe Gabe nicht hinter der reicheren zurückstehen darf.

Bei Empfangnahme der Geschenke ist nicht hauptsächlich ihr Wert, ihre Schönheit oder ihr Nutzen maßgebend, sondern ganz allein die damit verbundene freundliche Absicht, Freude und Ueberraschung zu bereiten. In den meisten Fällen wird dies ja auch wirklich gelingen und die Freudenbezeigung braucht keine geheuchelte zu sein; schlimmstenfalls aber bleibt immer noch die liebenswürdige Absicht, die alles Dankes wert ist. Gewiß gibt es auch verfehlte Ueberraschungen, eine Wahl, die mehr dem Geschmacke des Gebers als demjenigen des Empfängers entspricht, das taktvolle Geburtstagskind wird aber auch hier das Beste herauszufinden, zu würdigen und rühmen wissen, das eben ist dir Kunst des richtigen Empfangens.

Als Regel gilt also, jedes Geschenk mit gleich freundlichem und herzlichem Dank entgegenzunehmen, jede einzelne Gabe hervorzuheben und nach Art, Geschmack und Nützlichkeit besonders zu preisen; dazu hilft schon die animierte Feststimmung, die alles in helles Sonnenlicht taucht.

Spenden, die du mit gutem Recht nach altem Brauch erwarten kannst oder die zuvor schon erraten sind, mußt du dennoch mit vollster Ueberraschung aufnehmen, irgend etwas Neues, Unvorhergesehenes wird immerhin daran aufzufinden sein.

Es zeugt keineswegs von zartem Takt, wie viele glauben, die in duftiger Seidenpapierhülle oder solider Verpackung überreichte Gabe uneröffnet beiseite zu stellen. Im Gegenteil, dies wirkt wie Nichtachtung und kränkt den Geber, der vollen Anspruch darauf hat, den Eindruck, den sein Geschenk hervorruft, auch zu sehen. Man beeile sich daher, sofort die Hülle abzunehmen, nur so ist die Freudebezeigung eine echte, überzeugende; das Aufstrahlen der Augen, das beglückte Lächeln sind schon erfreuliche Vorläufer des dankenden Wortes.

Wird eine Geburtstagsfeier durch den intimeren Freundeskreis geplant, so muß mit einer Einladung hiezu aller Gratulanten gedacht werden. Der feine Ton gestattet keine Ausnahme. Auch solche, die unabsichtlich ausnahmsweise das Fest übergangen haben, werden miteingeladen, während andere, die es unbeachtet ließen, um sich aus einem lästigen Geschenkszwange zu lösen, ihrer Absicht entgegenkommend, keine Einladung erhalten.

Die Form der Einladung ist verbindlich oder launig, je nach dem Grade der Bekanntschaft oder des Alters; junge Mädchen untereinander werden der letzteren Art den Vorzug geben, während ältere Freundinnen ihre Bitte in herzliche Worte kleiden. Die Einladung bezieht sich nur auf ein gemütliches Zusammensein, ohne Erwähnung der Veranlassung, um jede Erinnerung an etwaige Geschenksverpflichtung von vornherein auszuschließen.

d) Allgemeines über Geburts- und Namenstag.

Man prüfe sich im Geben, man prüfe sich im Empfangen; beides will sorgfältig studiert und geübt sein.

Auch Kindergeschenke sind dankenswert, liegt doch in ihnen dieselbe Absicht, zu erfreuen, die erkannt und ermuntert werden muß.

Geringschätzung eines Geschenkes wäre ein Unrecht; auch von den Familiengliedern darf es nicht spöttisch entwertet werden. Am wenigsten dürfen sich Kinder ein Urteil oder eine Kritik erlauben, nichts ist unliebenswürdiger als ein vorlautes Kind, aus dem gewiß ein unzufriedener, nimmersatter Mensch werden wird.

Kleine Gaben sind die liebsten, sie gleichen dem Blümlein am Wege.

Die Gabe eines Schwachbemittelten darf überhaupt niemals taxiert werden; sie wird bei passender Gelegenheit freundlich erwidert, sei es in barem Gelde oder mit dem notwendigsten Gegenstand. Dies darf jedoch niemals sofort geschehen, es käme einer Bezahlung und unverdienten Kränkung gleich. Geldgaben müssen überhaupt wohl erwogen und mit zartem Takte dargereicht werden.

Aufdringliche Geschenke darf man übersehen, taktlose nur dann, wenn sie taktloser Absicht entspringen. Ist der Wille gut und nur das Taktgefühl unentwickelt, so übe man milde Nachsicht.

Ist die Gabe praktisch, aber nicht bestechend, so muß wenigstens die Hülle und die Art des Ueberreichens diesen Mangel ergänzen.

Verbindlichkeiten gegen ein gastfreies Haus werden am besten durch die Kinder abgelöst. Diese kann man immer beschenken, auch da wo Hausherr oder Hausfrau nicht beschenkt werden dürfen.

Aeußerst unfein und unklug ist ein Ueberbieten im Schenken. Wozu die unnütze Steigerung? Man fange an, wie man fortfahren kann, niemals erhöht der Geldwert den inneren Wert einer Gabe!

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