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Frida von Kronoff: Lebensart - Kapitel 23
Quellenangabe
typetractate
authorFrida von Kronoff
titleLebensart
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year
firstpub
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150825
projectid79dc494a
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22. Der Verkehr zwischen Gatte und Gattin.

Die Liebe herrscht im Haus auf goldnem Thron,
Ihr Ehrenwächter ist der gute Ton.

a) Feine Lebensart im Hause.

Die unerläßlich feine Sitte im engen Raum der eigenen vier Wände wird in erster Anregung von der Hausfrau ausgehen und gehütet werden.

Und dies mit vollstem Rechte. Schöne Vertraulichkeit, harmonisches Verständnis soll zwischen den Ehegatten herrschen, der gute Ton aber zieht die scharfe Grenzlinie, die niemals verrückt werden darf, soll sich dieses nicht in Formlosigkeit, jene in Nachlässigkeit umwandeln.

Am ehesten wird selbst der feingewohnte Gatte die Gebote guter Lebensart auf die Außenwelt beschränken, im eigenen Heim jedoch sich gewisse Freiheiten gestatten. An der Gattin ist es alsdann, die Regeln des guten Tones um so gewissenhafter festzuhalten, um in ihrer Rückwirkung, was verloren zu gehen droht, zurückzugewinnen.

So wird die stille Mahnung nicht als Zwang aufgefaßt, nicht beschämend empfunden. Um wie viel schöner ist das Haus, in dem die wahre, feine Sitte regiert, um wie viel leichter die Kindererziehung, wirkt der Eltern Beispiel eindringlicher als alle Lehre!

b) Die feine Lebensart der Gattin in der äußeren Erscheinung.

Dein Äußeres sei das getreue Spiegelbild deines Inneren, also rein, nett, fleckenlos, anmutig.

Dazu bedarf es keinerlei Aufwandes; schon das Morgenkleid sei sauber, rein, festanschließend. Das Tageskleid sei schmucker und aus besserem Stoff als der Morgenanzug.

Aller Prunk, aller kokette Aufputz ist zu vermeiden; das Haus verlangt keinerlei Aufwand, die Straße nur vornehme Einfachheit, die Gesellschaft Geschmack und Gediegenheit. Immer sind die verfügbaren Mittel maßgebend, außer diesen die Sinnesart; laß also deinen Anzug nicht zum Verräter werden. Die geputzte Hausfrau in bescheidenem Haushalt steht im Widerspruch zu ihrer Umgebung.

Gefalle lieber deinem Gatten als der Menge, spiegle dich in seinen Augen, anstatt in deinem Spiegel, halte dich aber auch stets so, daß er sich weder deiner Prunksucht noch deiner Nachlässigkeit zu schämen habe, du würdest nur unliebsamen Vergleichen mit anderen Frauen Tür und Tor öffnen.

Heiterkeit, Geduld, Gleichmäßigkeit, Standhaftigkeit, Frömmigkeit sind der Schmuck, allein auch die beste Stütze der Frau. Im Glück bescheiden und demütig, lenke sie auf innere Werte hin, im Unglück sei sie groß und stark, wo vielleicht der Mann verzagt. Ihre Sprache sei rein, keusch und edel; beherrscht sie nur ihre Muttersprache, diese aber vollkommen, so ist sie vielen anderen weit voraus, um so mehr, wenn sie eigene, klarabgewogene Gedanken in schöne Form zu kleiden weiß.

c) Der gute Ton im Verkehr mit dem Gatten.

»Mein Haus ist meine Burg,« dies frohe Bewußtsein verdankt der Hausherr den rastlosen Bemühungen der Gattin. Sie wird daher:

Seine Wünsche stets willig den eigenen voranstellen; seinen Liebhabereien Interesse entgegenbringen; seine Ruhezeit berücksichtigen; Zeit für ihn haben, so oft er es wünscht; seine Geheimnisse ehren; seinen Plänen, Bestrebungen und Erfolgen vollste Wertschätzung angedeihen lassen.

Häuslichen Ärger halte sie ihm nach Möglichkeit ferne, in Sachen der Kindererziehung behellige sie ihn niemals mit Kleinigkeiten und rufe nur in wichtigen Fällen seine Oberhoheit an. Dann muß sie aber auch seines Einverständnisses ihrer Maßregeln und Gebote durchaus versichert sein.

Die Unbequemlichkeiten des Daseins verstimmen den Mann, die Frau nimmt sie klaglos auf sich.

Das Gemach des Hausherrn sei das behaglichste. Seine Lieblingsgerichte werden vorzugsweise berücksichtigt; die kluge Frau feiert ihre Triumphe in der Küche, nicht vor dem Spiegel.

In allen wichtigen Dingen, namentlich bei größeren Geldausgaben, stelle die Gattin die Entscheidung ihrem Eheherrn anheim; ihr feineres Empfinden wird sie ihm indes klug dabei zum Ausdruck bringen.

Dienstboten gegenüber halte sie seine Meinung, seinen Entscheid unantastbar hoch; vor Fremden lasse sie keine Spannung, kein Zerwürfnis sichtbar werden, sie achtet damit den Burgfrieden.

Die Gattin suche recht zu haben, nicht Rechte zu ertrotzen. Zornausbrüche entwürdigen die Frau mehr als den Mann; das erste Wort der Versöhnung darf von ihren Lippen fallen, auch wo sie das Recht hätte, solches zu erwarten.

Geheimnisse sollten in der Ehe nicht vorkommen, dennoch zeugt es von feinem Takt, wenn die Gattin die Briefe und Papiere des Hausherrn unberührt läßt; ihre persönliche Offenheit wird in den meisten Fällen auch die seinige hervorrufen.

Sind Einschränkungen vonnöten, so nimmt sie die Gattin auf sich, ohne sich derselben zu rühmen; besonders Fremden sei keinerlei Einblick in die Verhältnisse des Hauses gestattet.

Kann ohne persönliche Beschränkung ein angenehmer geselliger Verkehr eingeleitet werden, so wird sich der Gatte dessen gewiß selbst erfreuen, sofern die Hausfrau sich der unvermeidlichen Mühen unterzieht und ihm selbst nur das Vergnügen überläßt.

Geschmack, Anmut, feine Sitte, Besseres bedarf sie nicht für die maßvolle Gestaltung häuslicher Geselligkeit, sie werden den Gatten mit heimlichem Stolze erfüllen. Sie halte nur fest daran, daß keine lukullischen Genüsse vonnöten sind, um das Zusammensein mit Gleichgesinnten erfreulich und erfrischend zu machen.

d) Der Gatte im Verkehr mit der Gattin.

Im Ehestand soll auch von seiten des Gatten dieselbe Rücksicht walten, wie er sie während der Brautzeit der Erwählten angedeihen ließ. Darum keine Nachlässigkeit im Anzuge auch im engsten Kreise, keine Gleichgültigkeit im Benehmen!

In der Art, wie der Gatte die Gattin behandelt, offenbart sich die Reinheit seiner Gesinnung. Der Mann, der zu seiner Mutter mit Verehrung aufgesehen, wird auch seiner Gattin alle schuldige Hochachtung zollen, und diese in seinem ganzen Verhalten zum Ausdruck bringen. Er gestattet sich keine Rüge oder Anklage in gereizter Aufwallung, er schont ihr weibliches Feingefühl und achtet in ihr immerdar die Mutter seiner Kinder.

Rauhen, schroffen, herrischen Ton gegen seine Gattin gestatte sich kein Mann von Bildung; was sollten die Kinder, was die Dienstboten darüber denken?

Verletzende, rohe, ungehörige Ausdrücke, unzarte Vergleiche, zweideutige Hinweise oder Anekdoten, unsauberen Wirtshausklatsch gestatte sich der Hausherr niemals; Familienglieder und Gesinde sollen mit Achtung zu ihm emporblicken können. Es würde seine Begriffe von Frauenrecht und Würde in seltsame Beleuchtung rücken, erlaubte er sich irgendwelche derartigen Ausfälle.

Der Gatte einige sich für die gemeinsame Lebensführung in klarer, unverrückbarer Weise mit seiner Lebensgefährtin, erschüttere aber danach ihre Autorität nicht durch kleinliche Nörgelei oder lieblose Verurteilung. An seinem rücksichtsvollen Verhalten bilde sich dasjenige der kleineren, erstarke die Ehrerbietung der erwachsenen Kinder.

Es ziemt dem Gatten, seine treue Lebensgefährtin zuweilen durch kleine Aufmerksamkeiten zu erfreuen, ihren Geschmack zu studieren, ihre Wünsche zu erraten. Den Hochzeitstag, den Geburtstag sollte selbst ein für derartige Daten nicht sehr zuverlässiger Mann niemals vergessen.

Die Liebe zwischen Ehegatten bedarf der Beteuerungen nicht, wie sie vielleicht im Brautstand üblich gewesen; des feinen Tones aber kann sie nicht entbehren, denn dieser ist der Ausdruck gegenseitiger Wertschätzung.

Der wirklich aufmerksame Gatte sieht daher seine Würde keineswegs beeinträchtigt durch all jene kleinen Dienstleistungen, die er fremden Damen unbedenklich erweisen würde, und somit auch der Gattin nicht vorenthält. Er bietet ihr den Arm, überläßt ihr den besten Platz, läßt sie voran und zur Rechten gehen, enthebt sie kleiner Bemühungen, legt ihr den Mantel um, begleitet sie zum Konzert und Theater und sucht auch sonst ihren berechtigten Wünschen zuvorzukommen.

e) Allgemeines über eheliches Leben.

Wie der Vater die höchste Autorität im Hause sein soll, so muß auch die Gattin und Mutter unverrückbar hochgehalten werden.

Der Mann, der in seiner Gattin das Weib nicht ehrt, der sie vor Kindern, Dienstboten oder Fremden rügen, irgendwie bloßstellen oder durch ein häßliches Wort verletzen mag, muß in schlechter Frauengesellschaft gelebt oder völlig vergessen haben, daß er einst eine Mutter verehrte.

Es gibt nicht zweierlei Moral, eine strenge für die Frau, eine lockere für den Mann. Nur sittlichreinem Hause entspringen sittlichreine Kinder, tüchtige, ehrenwerte, zuverlässige Menschen.

Kleinliches Nörgeln legt die beste Kraft lahm, ertötet den ehrlichsten Willen. Daran denke der Gatte; seine Größe, sein Mut beweisen sich nicht durch Nadelstiche.

Was die Kinder Ungeschicktes getan, braucht des heimkehrenden Gatten Stimmung nicht zu trüben. Ernste Vergehen, Charakterfehler, erhebliche Schwierigkeiten sind Sache beider Eltern. Nur keine Heimlichkeiten in der Ehe!

Küchenkünste fesseln den Mann, kleine Liebesbeweise die Frau. Man soll an beiden nicht sparen.

Was der Zorn spricht, verwehe in der Luft, was die Treue tut, werde nicht gering geachtet.

Die Tüchtigkeit des Mannes baut das Haus und formt das Dach; allein die feine Sitte der Frau umfriedigt es mit einem schützenden Zaun.

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