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Leben des Benvenuto Cellini

: Leben des Benvenuto Cellini - Kapitel 8
Quellenangabe
typeautobio
authorBenvenuto Cellini
titleLeben des Benvenuto Cellini
publisherInsel Verlag
editorJohann Wolfgang von Goethe
translatorJohann Wolfgang von Goethe
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Siebentes Kapitel

Der Herzog von Bourbon belagert Rom. Es wird eingenommen und geplündert. – Der Autor tötet den Herzog von Bourbon durch Büchsenschüsse von der Mauer. – Er flüchtet ins Kastell Sant Angelo, wo er als Bombardier angestellt wird und sich außerordentlich hervortut. – Der Prinz von Oranien fällt auf einen Kanonenschuß des Autors. – Der Papst erkennt die Dienste des Benvenuto. – Das Kastell Sant Angelo geht über durch Vertrag.

1527

Schon war alles in Waffen! Papst Clemens hatte sich vom Herrn Johann von Medicis einige Haufen Soldaten ausgebeten, welche auch ankamen; diese trieben so wildes Zeug in Rom, daß es gefährlich war, in öffentlichen Werkstätten zu arbeiten. Deswegen zog ich in ein gutes Haus hinter den Bänken und arbeitete daselbst für alle meine Freunde; doch bedeuteten in der Zeit meine Arbeiten nicht viel, und ich schweige deshalb davon. Ich vergnügte mich damals viel mit Musik und ändern ähnlichen Lustbarkeiten. Papst Clemens hatte indessen auf Anraten des Herrn Jakob Salviati die fünf Kompagnien des Johann von Medicis, der schon in der Lombardie umgekommen war, wieder verabschiedet. Bourbon, der erfuhr, daß keine Soldaten in Rom waren, drang mit seinem Heer gerade auf die Stadt. Bei dieser Gelegenheit griff jedermann zu den Waffen, und Alexander del Bene, dessen Freund ich war und dem ich schon einmal, zu der Zeit, als die Colonneser nach Rom kamen, das Haus bewacht hatte, bat mich bei dieser wichtigen Gelegenheit, daß ich funfzig bewaffnete Männer aufbringen und an ihrer Spitze wie vormals sein Haus bewachen solle. Ich brachte funfzig der tapfersten jungen Leute zusammen, und wir wurden bei ihm wohl unterhalten und bezahlt.

Schon war das bourbonische Heer vor den Mauern von Rom, und Alexander bat mich, ich möchte mit ihm ausgehen. Wir nahmen einen der besten Leute mit, und unterwegs schlug sich noch ein junger Mensch zu uns, der Cecchino della Casa hieß. Wir kamen auf die Mauern beim Campo Santo und sahen das mächtige Heer, das alle Gewalt anwendete, grade an diesem Flecke in die Stadt zu dringen. Die Feinde verloren viel, man stritt mit aller Macht, und es war der dickste Nebel. Ich kehrte mich zu Alexandern und sagte: Laß uns sobald als möglich nach Hause gehen; hier ist kein Mittel in der Welt. Jene kommen herauf, und diese fliehen. Alexander sagte erschrocken: Wollte Gott, wir wären gar nicht hergekommen! und wendete sich mit großer Heftigkeit, nach Hause zu gehen. Ich tadelte ihn und sagte: Da Ihr mich hergeführt habt, müssen wir auch irgend etwas Männliches tun! Und so kehrte ich meine Büchse gegen den Feind und zielte in ein recht dichtes Gedränge nach einem, den ich über die ändern erhoben sah; der Nebel aber ließ mich nicht unterscheiden, ob er zu Fuß oder zu Pferd sei. Ich wendete mich zu Alexandern und Cecchino und sagte ihnen, wie sie auch ihre Büchsen abschießen und sich dabei vor den Kugeln der Feinde in acht nehmen sollten. So feuerten wir unsere Gewehre zweimal ab. Darauf schaute ich behutsam über die Mauer und sah einen ganz außerordentlichen Tumult unter ihnen. Es war der Connetable von Bourbon von unsern Schüssen gefallen; denn, wie man nachher vernahm, so war es der gewesen, den ich über die andern erhoben gesehen hatte. Wir machten, daß wir über Campo Santo wegkamen, gingen durch St. Peter und gelangten mit größter Schwierigkeit zu dem Tore der Engelsburg; denn die Herren Rienzo da Ceri und Orazio Baglioni verwundeten und erschlugen alle, die von der Verteidigung der Mauer zurückweichen wollten. Schon aber war ein Teil der Feinde in Rom, und wir hatten sie auf dem Leibe. Der Kastellan wollte eben das Fallgatter niederlassen, es ward ein wenig Platz, und wir vier kamen noch hinein. Sogleich faßte mich der Kapitän Pallone von den Mediceern an als einen, der zum Hause des Papstes gehörte, und führte mich hinauf auf die Bastei, so daß ich wider Willen Alexandern verlassen mußte.

Zu gleicher Zeit war Papst Clemens über die Galerien des Kastells gekommen, denn er wollte nicht früher aus seinem Palaste gehen und glaubte nicht, daß die Feinde in die Stadt dringen würden. So war ich nun mit den andern eingesperrt und fand mich nicht weit von einigen Kanonen, die ein Bombardier von Florenz, namens Julian, in Aufsicht hatte. Dieser sah durch eine Öffnung des Mauerkranzes sein Haus plündern und Weib und Kinder herumschleppen; er unterstand sich nicht zu schießen, aus Furcht, die Seinigen zu treffen, warf die Lunte auf die Erde und zerriß sich heulend und schreiend das Gesicht; ebenso taten einige andere Bombardiere. Deswegen nahm ich eine Lunte, ließ mir von einigen helfen, die nicht solche Leidenschaften hatten, richtete die Stücke dahin, wo ich es nützlich glaubte, erlegte viele Feinde und verhinderte, daß die Truppen, die ebendiesen Morgen nach Rom hereinkamen, sich dem Kastell nicht zu nahe wagten; denn vielleicht hätten sie sich dessen in diesem Augenblicke bemächtigt, wenn man ihnen nicht das grobe Geschütz entgegengestellt hätte. So fuhr ich fort zu feuern, darüber mich einige Kardinäle und Herren von Herzen segneten und anfeuerten, so daß ich voller Mut und Eifer das möglichste zu tun fortfuhr. Genug, ich war Ursache, daß diesen Morgen das Kastell erhalten wurde, und so hielt ich mich den ganzen Tag dazu, da denn nach und nach die übrigen Artilleristen sich wieder zu ihrem Dienste bequemten.

Papst Clemens hatte einem großen römischen Edelmann, Herrn Antonius Santa Croce, die sämtlichen Artilleristen untergeben. Gegen Abend, während daß die Armee von der Seite di Trastevere hereinkam, trat dieser treffliche Mann zu mir, war sehr freundlich und stellte mich bei fünf Stücke auf den höchsten Ort des Schlosses, zunächst dem Engel; man kann daselbst rings herumgehen und sieht sowohl nach Rom hinein als hinauswärts. Er untergab mir so viel Leute, als nötig war, reichte mir eine Löhnung voraus und wies mir Brot und ein wenig Wein an; dann bat er mich, ich möchte auf die Weise, wie ich angefangen, fortfahren. Nun hatte ich manchmal zu dieser Profession mehr Lust als zu der meinen gehabt, und jetzt tat ich solche Dienste um so lieber, als sie mir sehr zustatten kamen. Da es Nacht wurde, sah ich, der ich ohnedem zu neuen und wunderbaren Sachen immer ein großes Verlangen trug, von der Zinne des Kastells, wo ich war, den schrecklichen und erstaunlichen Brand von Rom, den so viele, die in den übrigen Winkeln des Kastells steckten, nicht gewahr wurden.

So fuhr ich einen ganzen Monat fort, als so lange Zeit wir im Kastell belagert waren, die Artillerie zu bedienen, und ich erzähle nur die merkwürdigsten Vorfälle, die mir dabei begegneten. Obgedachter Herr Antonio von Santa Croce hatte mich vom Engel heruntergerufen, um nach Häusern in der Nachbarschaft des Kastells zu schießen, in die man einige Feinde hatte schleichen sehen. Indem ich schoß, kam eine Kugel von außen, traf die Ecke einer Zinne und nahm ein großes Stück davon mit, das mich zwar traf, doch aber mir keinen großen Schaden tat. Die ganze Masse schlug mir auf die Brust, nahm mir den Atem, so daß ich für tot zur Erde fiel; doch hörte ich alles, was die Umstehenden sagten. Unter diesen beklagte sich Herr Santa Croce am meisten und rief: O wehe! sie haben uns unsere beste Hülfe genommen! Auf solchen Lärm kam einer meiner Gesellen herbeigelaufen, der Franz der Pfeifer hieß, aber mehr auf die Medizin als auf die Musik studierte; dieser machte einen Ziegel heiß, streute eine gute Hand Wermut darauf, sprützte griechischen Wein darüber und legte mir den Stein auf die Brust, da wo der Schlag sichtbar war. Durch die Tugend des Wermuts erlangte ich sogleich meine verlornen Kräfte wieder; ich wollte reden, aber es ging nicht, denn einige dumme Soldaten hatten mir den Mund mit Erde verstopft und glaubten, mir damit die Kommunion gereicht zu haben. Wahrhaftig, sie hätten mich dadurch beinahe exkommuniziert; denn ich konnte nicht wieder zu Atem kommen, und die Erde machte mir mehr zu schaffen als der Schlag.

Da ich mich nun erholt hatte, ging ich wieder mit aller Sorgfalt und Tapferkeit an meinen Dienst. Papst Clemens hatte nach dem Herzog von Urbino um Hülfe geschickt, der sich bei dem venezianischen Heere befand; der Abgesandte hatte den Auftrag, Seiner Exzellenz zu sagen, daß, solange das Kastell sich hielte, alle Abend drei Feuer auf dem Gipfel angezündet und drei Kanonenschüsse dreimal wiederholt werden sollten. Ich hatte den Befehl, die Feuer zu unterhalten und die Stücke loszubrennen. Unterdessen fuhren die Feinde fort, übel zu hausen, und ich richtete bei Tage mein Geschütz dahin, wo es ihnen den meisten Schaden tat. Der Papst wollte mir deshalb besonders wohl, weil er sähe, daß ich mein Geschäft mit der größten Aufmerksamkeit betrieb. Der Entsatz des Herzogs blieb außen, und es ist hier der Platz nicht, die Ursachen aufzuzeichnen.

Indessen ich das teuflische Handwerk trieb, kamen einige Kardinäle, mich zu besuchen, am meisten der Kardinal Ravenna und de' Gaddi, denen ich öfters sagte, sie sollten nicht heraufkommen, weil man ihre roten Käppchen von weitem sähe und man deswegen von den benachbarten Gebäuden, zum Beispiel von Torre de' Beni, uns das größte Übel zufügen könnte; am Ende ließ ich sie aussperren, welches sie mir äußerst übelnahmen.

Auch kam oft Herr Orazio Baglioni zu mir, der mir sehr wohl wollte. Eines Tages sah er, indem wir sprachen, in einem Wirtshause vor dem Tor des Kastells einige Bewegungen. An diesem Gebäude war das Zeichen der Sonne zwischen zwei Fenstern mit roter Farbe angemalt, die Fenster waren zu, und er glaubte, daß an der Wand hinter der Sonne eine Gesellschaft Soldaten bei Tische säße und schmauste. Deswegen sagte er: Benvenuto! wenn du Lust hättest, einen Schuß auf diese Sonne zu richten, so würdest du gewiß ein gutes Werk tun; denn es ist dort herum ein großer Lärm, es müssen Leute von Bedeutung sein. Ich antwortete darauf: Herr, es ist was Leichtes, den Schuß zu tun, aber die Mündung der Kanone kommt nahe an den Korb mit Steinen, der auf der Mauer steht, und die Heftigkeit des Feuers und der Luft werden ihn hinunterwerfen. Besinne dich nicht lange, antwortete er sogleich, und der Korb wird, wie er steht, nicht fallen; und fiel er auch und stünde der Papst drunten, so wäre das Übel kleiner, als du denkst. Schieße! schieße! Ich dachte nicht weiter nach und traf, wie ich versprochen hatte, in die Mitte der Sonne; aber auch der Korb fiel, wie ich gesagt hatte, und stürzte grade zwischen den Kardinal Farnese und Herrn Jakob Salviati hinein und hätte sie erschlagen, wenn sie sich nicht eben glücklicherweise gezankt hätten. Denn der Kardinal warf Herrn Jakob vor, er sei schuld an der Verheerung Roms; darüber schimpften sie einander beide und waren im Zorn ein wenig auseinander getreten. Als nun unten im Hofe der große Lärm entstand, eilte Herr Orazio schnell hinab, und ich schaute über die Mauer, wohin der Korb gefallen war, und hörte einige sagen: man sollte die Kanoniere gleich totschlagen. Deswegen richtete ich zwei Falkonette grade auf meine Treppe, fest entschlossen, den ersten, der heraufkäme, mit meinem Feuer zu empfangen. Es kamen auch wirklich einige Diener des Kardinals Farnese und schienen Auftrag zu haben, mir etwas Unangenehmes zu erzeigen. Deswegen trat ich vor, mit der Lunte in der Hand. Einige davon kannte ich und rief: Beim Himmel! wenn Ihr Euch nicht gleich wegmacht und sich einer untersteht, diese Treppe heraufzukommen: hier habe ich zwei Falkonette ganz bereit, mit diesen will ich Euch schlecht bewillkommen. Geht, sagt dem Kardinal, ich habe getan, was meine Obern mir befohlen haben, und was wir tun, geschieht zum Besten der Pfaffen, nicht um sie zu beleidigen.

Hierauf kam Herr Orazio Baglioni gleichfalls heraufgelaufen; ich traute nicht und rief ihm zu: er solle zurückbleiben, oder ich würde nach ihm schießen! Er hielt an, nicht ohne Furcht, und sagte: Benvenuto, ich bin dein Freund! Ich versetzte: Wenn Ihr allein seid, so kommt nur diesmal, wenn Ihr wollt.

Dieser Herr war sehr stolz, besann sich einen Augenblick und sagte mit Verdruß: Ich hätte Lust, nicht mehr zu dir hinaufzukommen und grade das Gegenteil zu tun von dem, was ich für dich im Sinne hatte. Ich sagte: wie ich hierher gesetzt sei, andere zu verteidigen, so würde ich auch im Notfall mich selbst zu schützen wissen. Darauf sagte er: Ich komme allein! und als er heraufstieg, sah ich, daß er sich mehr als billig verfärbt hatte; deswegen legte ich die Hand an den Degen und war auf meiner Hut. Darüber fing er an zu lachen, die Farbe kam in sein Gesicht zurück, und er sagte mir auf die freundlichste Weise von der Welt: Mein Benvenuto! ich will dir so wohl, als ich vermag, und wenn mit Gottes Willen die Zeit kommt, sollst du es erfahren. Wollte Gott, du hättest die beiden Schurken erschlagen! Der eine ist schuld an so großem Unheil, und von dem andern ist vielleicht noch etwas Schlimmeres zu erwarten. Alsdann ersuchte er mich, ich solle nicht sagen, daß er im Augenblick, da der Korb hinabgestürzt, bei mir gewesen sei, und übrigens ruhig bleiben. Der Lärm war groß und dauerte eine Weile fort.

Indessen tat ich alle Tage etwas Bedeutendes mit meinen Stücken und erwarb die gute Meinung und Gnade des Papstes. Er stand einst auf der runden Bastei und sah auf den Wiesen einen spanischen Hauptmann, den er an einigen Merkmalen für einen ehemaligen Diener erkannte, und sprach darüber mit seinen Begleitern. Ich war oben beim Engel und wußte nichts davon, aber ich sah einen Mann, der, mit einem Spieß in der Hand, an den Laufgräben arbeiten ließ und ganz rosenfarb gekleidet war. Ich überlegte, was ich ihm anhaben könnte, wählte ein Stück, lud es mit Sorgfalt und richtete es im Bogen auf den roten Mann, der aus einer spanischen Großsprecherei den bloßen Degen quer vor dem Leibe trug. Meine Kugel traf den Degen, und man sah den Mann, in zwei Stücke geteilt, niederfallen.

Der Papst, der so etwas nicht erwartete, teils weil er nicht glaubte, daß eine Kugel so weit reichen könne, teils weil es ihm unbegreiflich war, den Mann in zwei Stücke geteilt zu sehen, ließ mich rufen, und ich erzählte ihm umständlich, welche Sorgfalt ich beim Schießen gebraucht hatte; wie aber der Mann in zwei Teile geteilt worden, konnte ich so wenig als er erklären.

Ich kniete nieder und bat ihn, er möchte mir diesen Totschlag und die übrigen, die ich von hier aus im Dienste der Kirche begangen hatte, vergeben. Darauf erhub er die Hand und machte mir ein gewaltiges Kreuz über meine ganze Figur, segnete mich und verzieh mir alle Mordtaten, die ich jemals im Dienste der apostolischen Kirche verübt hatte und noch verüben würde. Ich ging wieder hinauf, fuhr fort zu schießen und traf immer besser; aber mein Zeichnen, meine schönen Studien, meine angenehme Musik gingen mir alle im Rauch fort, und ich hätte wunderbare Sachen zu erzählen, wenn ich alle schönen Taten aufzeichnen wollte, welche ich in diesem grausamen Höllenwesen verrichtet habe. Ich will nur noch gedenken, daß ich den Feind durch anhaltendes Feuer verhinderte, seine Ablösungen durch den Portone von Santo Spirito zu führen, worauf er mit großer Unbequemlichkeit jedesmal einen Umweg von drei Miglien machen mußte.

Einige Zeit vorher hatte Papst Clemens, der die dreifachen Kronen und die sämtlichen schönen Juwelen der apostolischen Kammer retten wollte, mich kommen lassen und schloß sich mit mir und seinem Kavalier in ein Zimmer ein. Dieses Kavalierchen war ein Franzos und diente sonst im Stall des Herrn Philipp Strozzi; der Papst hatte ihn aber wegen großer Dienste sehr reich gemacht und vertraute ihm, ob er gleich von der niedrigsten Herkunft war, wie sich selbst. Sie legten mir die Kronen und die sämtlichen Edelsteine vor und trugen mir auf, sie aus ihrer goldnen Fassung auszubrechen. Ich tat es, dann wickelten wir jeden Edelstein in ein Stückchen Papier und näheten sie dem Papst und dem Kavalier in die Falten der Kleider. Sie gaben mir darauf das Gold, das ungefähr zweihundert Pfund betrug, mit dem Auftrag, es aufs heimlichste zu schmelzen. Ich ging hinauf zum Engel, wo mein Zimmer war, das ich verschließen konnte, und erbaute sogleich einen Windofen, richtete unten einen ziemlich großen Aschenherd ein; oben lag das Gold auf Kohlen und fiel, sowie es schmolz, in den Herd herunter. Indessen der Ofen arbeitete, paßte ich beständig auf, wie ich dem Feind einen Abbruch tun könnte, und richtete in den Laufgräben großen Schaden an. Gegen Abend kam einer sehr schnell auf einem Maultier geritten, der mit den Leuten in der Tranchée sprach; ich und die Meinigen schossen so gut, daß das Maultier tot zur Erde fiel und der Reiter verwundet weggetragen wurde. Darauf entstand ein großer Tumult in den Laufgräben, und ich feuerte noch einigemal hin. Es war der Prinz von Oranien, den sie bald darauf in ein nahes Wirtshaus trugen, und in kurzem versammelte sich daselbst der ganze Adel des Kriegsheeres.

Kaum hatte der Papst die Tat vernommen, als er mich rufen ließ und sich näher erkundigte. Ich erzählte ihm den Fall und fügte hinzu: es müsse ein Mann von großer Bedeutung sein, weil sich in dem gedachten Wirtshaus alles versammle. Der Papst, dem dies zu einem guten Gedanken Anlaß gab, ließ Herrn Santa Croce rufen und sagte: er solle uns andern Bombardieren befehlen, unser Geschütz auf gedachtes Haus zu richten, und wir sollten auf das Zeichen eines Flintenschusses sämtlich auf einmal losschießen, wodurch das Haus zusammenstürzen und die Häupter des feindlichen Heeres umkommen würden. Die Soldaten, ohne Anführer, würden sich alsdann zerstreuen, und so würde Gott sein Gebet erhören, das er so eifrig tue, ihn von diesen Räubern zu befreien. Wir richteten unser Geschütz nach dem Befehl des Herrn Santa Croce und erwarteten das Zeichen.

Dieses vernahm der Kardinal Orsino und fing an, sich mit dem Papste zu streiten. Man solle, sagte er, einen solchen Schlag nicht so leichtsinnig tun: sie wären eben im Begriff, eine Kapitulation zu schließen, und die Truppen, wenn sie keine Anführer hätten, würden erst recht unbändig werden und das Kastell stürmen, darüber denn alles zugrunde gehen müßte. Der arme Papst, in Verzweiflung, sich von innen und außen verraten zu sehen, widerrief seinen Befehl; ich aber konnte mich nicht halten, gab Feuer und traf einen Pfeiler des Hofes, an den sich viele Personen lehnten: ich muß ihnen dadurch viel Schaden zugefügt haben, denn sie verließen das Haus. Der Kardinal Orsino schwur, daß er mich wollte hängen oder auf irgendeine Weise umbringen lassen, aber der Papst verteidigte mich sehr lebhaft.

Sobald das Gold geschmolzen war, trug ich es zum Papste. Er dankte mir aufs beste und befahl dem Kavalier, daß er mir fünfundzwanzig Scudi geben solle, entschuldigte sich zugleich, daß er gegenwärtig nicht mehr entbehren könne.

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