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Leben des Benvenuto Cellini

: Leben des Benvenuto Cellini - Kapitel 45
Quellenangabe
typeautobio
authorBenvenuto Cellini
titleLeben des Benvenuto Cellini
publisherInsel Verlag
editorJohann Wolfgang von Goethe
translatorJohann Wolfgang von Goethe
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Neuntes Kapitel

Der Autor begegnet auf seinem Wege einem alten Alchimisten von Bagno, der ihm von einigen Gold- und Silberminen Kenntnis gibt und ihn mit einer Karte von seiner eignen Hand beschenkt, worauf ein gefährlicher Paß bemerkt ist, durch welchen die Feinde in des Herzogs Land kommen könnten. – Er kehrt damit zum Herzog zurück, der ihn wegen seines Eifers höchlich lobt. – Differenz zwischen ihm und dem Herzog wegen des Preises des Perseus. – Man überläßt es der Entscheidung des Hieronymus Albizzi, welcher die Sache keineswegs zu des Autors Zufriedenheit vollbringt. – Neues Mißverständnis zwischen ihm und dem Herzog, welches Bandinello und die Herzogin vermittlen sollen. – Der Herzog wünscht, daß er halberhabene Arbeiten in Erz für den Chor von Santa Maria del Fiore unternehmen möge. – Nach wenig Unterhaltungen gibt der Herzog diesen Vorsatz auf. – Der Autor erbietet sich, zwei Pulte für den Chor zu machen und sie mit halberhabenen Figuren in Erz auszuzieren. – Der Herzog billigt den Vorschlag.

Nun ging ich im Namen Gottes von Florenz weg, immer Psalmen und Gebete zu Verherrlichung des göttlichen Namens auf der ganzen Reise singend und aussprechend. Auf dem Wege hatte ich das größte Vergnügen; denn es war die schönste Sommerzeit, und die Aussicht in ein Land, wo ich nie gewesen war, schien mir so reizend, daß ich erstaunte und mich ergötzte. Zum Führer hatte ich einen jungen Mann aus meiner Werkstatt mitgenommen, der von Bagno war und Caesar hieß, von dessen Eltern ich auf das freundschaftlichste aufgenommen ward. Unter andern war ein alter Mann in der Familie, über siebenzig Jahre, vom gefälligsten Wesen, ein Oheim des gedachten Caesars, eine Art von chirurgischem Arzt, der ein wenig nach der Alchimie hinzielte. Dieser Mann zeigte mir, daß die Gegend Minen von Gold und Silber habe; er ließ mich viele schöne Sachen des Landes sehen, woran ich ein großes Vergnügen fand. Als er nun auf diese Weise mit mir bekannt geworden war, sagte er unter anderm eines Tages zu mir: Ich will Euch einen Gedanken nicht verhehlen, woraus was sehr Nützliches entstehen könnte, wenn Seine Exzellenz darauf hören wollte. Nämlich in der Gegend von Camaldoli ist ein so verdeckter Paß, daß Peter Strozzi nicht allein sicher durchkommen, sondern auch Poppi ohne Widerstand wegnehmen könnte. Als er mir die Sache mit Worten erklärt hatte, zog er ein Blatt aus der Tasche, worauf der gute Alte die ganze Gegend dergestalt gezeichnet hatte, daß man die große Gefahr sehr wohl sehen und deutlich erkennen konnte. Ich nahm die Zeichnung und ging sogleich von Bagno weg, nahm meinen Weg über Prato Magno und über San Francesco della Vernia, und so kam ich nach Florenz zurück. Ohne Verweilen, nur daß ich die Stiefeln auszog, ging ich nach dem Palaste und begegnete dem Herzog, der eben aus dem Palast des Podesta zurückkehrte, bei der Abtei. Als er mich sah, empfing er mich aufs freundlichste, doch mit ein wenig Verwunderung, und sagte: Warum bist du so geschwind zurückgekommen? ich erwartete dich noch nicht in acht Tagen. Darauf versetzte ich: Zum Dienst Eurer Exzellenz bin ich zurückgekehrt, denn gern wäre ich noch mehrere Tage in jenen schönen Gegenden geblieben. Und was Gutes bringst du denn bei deiner schnellen Wiederkehr? fragte der Herzog. Darauf versetzte ich: Mein Herr! es ist nötig, daß ich Euch Dinge von großer Bedeutung sage und vorzeige. Und so ging ich mit ihm nach dem Palast. Daselbst führte er mich in ein Zimmer, wo wir allein waren. Ich sagte ihm alles und ließ ihm die wenige Zeichnung sehen, und es schien ihm angenehm zu sein. Darauf sagte ich zu Seiner Exzellenz: es sei nötig, einer Sache von solcher Wichtigkeit bald abzuhelfen. Der Herzog dachte darauf ein wenig nach und sagte: Wisse, daß wir mit dem Herzog von Urbino einig sind, der nun selbst dafür sorgen mag, aber behalte das bei dir. Und so kehrte ich mit großen Zeichen seiner Gnade wieder nach Hause.

Den andern Tag ließ ich mich wieder sehen, und der Herzog, nachdem er ein wenig gesprochen hatte, sagte mit Heiterkeit: Morgen ganz gewiß soll deine Sache ausgefertigt werden, deswegen sei gutes Muts! Ich hielt es nun für gewiß und erwartete den andern Tag mit großem Verlangen. Der Tag kam, ich ging nach dem Palast, und wie es gewöhnlich ist, daß man böse Neuigkeiten früher als die guten erfährt, so rief mich Herr Jakob Guidi, Sekretär Seiner Exzellenz, mit seinem schiefen Maule und stolzem Ton; dabei zog er sich auf sich zurück, stand wie angepfählt und wie ein erstarrter Mensch. Dann fing er an, folgendermaßen zu reden: Der Herzog sagt, er wolle von dir wissen, was du für deinen Perseus verlangst. Ich stand erstaunt und erschrocken und antwortete sogleich: es sei meine Art nicht, den Preis meiner Arbeiten zu bestimmen; Seine Exzellenz habe mir vor zwei Tagen ganz was andres versprochen. Sogleich sagte mir der Mensch mit noch stärkerer Stimme: Ich befehle dir ausdrücklich von Seiten des Herzogs, daß du mir sagst, was du verlangst, bei Strafe, völlig in Ungnade Seiner Exzellenz zu fallen.

Ich hatte mir geschmeichelt, bei den großen Liebkosungen, die mir der Herzog erzeigt hatte, nicht sowohl etwas zu gewinnen, sondern ich hoffte nur, seine ganze Gnade erlangt zu haben. Nun kam ich über das unerwartete Betragen dergestalt in Wut, und besonders, daß mir die Botschaft durch diese giftige Kröte nach ihrer Weise vorgetragen wurde, und antwortete sogleich: Wenn der Herzog mir zehntausend Scudi gäbe, so würde er mir die Statue nicht bezahlen, und wenn ich geglaubt hätte, auf solche Weise behandelt zu werden, so wäre ich nie geblieben! Sogleich sagte mir der verdrießliche Mensch eine Menge schimpflicher Worte, und ich tat desgleichen. Den ändern Tag wartete ich dem Herzog auf, er winkte mir, und ich näherte mich. Darauf sagte er zornig: Die Städte und großen Paläste der Fürsten und Könige bauet man mit zehntausend Dukaten! Darauf antwortete ich schnell, indem ich das Haupt neigte: Seine Exzellenz würde sehr viele Menschen finden, die Ihr Städte und Paläste zu vollenden verstünden, aber Statuen wie der Perseus möchte vielleicht niemand in der Welt so zu machen imstande sein. Sogleich ging ich weg, ohne was weiter zu sagen und zu tun.

Wenige Tage darauf ließ mich die Herzogin rufen und sagte mir: ich solle den Zwist, den ich mit dem Herzog habe, ihr überlassen, denn sie glaube, etwas tun zu können, womit ich zufrieden sein würde. Auf diese gütigen Worte antwortete ich, daß ich nie eine größere Belohnung meiner Mühe verlangt hätte als die Gnade dos Herzogs; Seine Exzellenz habe mir sie zugesichert, und ich überlasse mich nicht erst gegenwärtig ihnen beiderseits gänzlich, da ich es von der ersten Zeit meines Dienstes an mit aller Freundlichkeit schon getan habe. Dann setzte ich hinzu: Wenn Seine Exzellenz mir für meine Arbeit ein Gnadenzeichen gäben, das nur fünf Pfennige wert sei, so würde ich vergnügt und zufrieden sein, wenn ich mich dabei nur seiner Gnade versichern könnte. Darauf sagte mir die Herzogin lächelnd: Du würdest am besten tun, wenn du meinem Rate folgtest. Sogleich wendete sie mir den Rücken und ging hinweg.

Ich dachte, mein Bestes getan zu haben, indem ich so demütige Worte brauchte, denn ob sie gleich vorher ein wenig über mich gezürnt hatte, so war ihr doch eine gewisse gute Art zu handeln eigen. Aber die Sache nahm für mich leider eine schlimme Wendung. Ich war zu der Zeit sehr vertraut mit Hieronymus Albizzi, Vorgesetztem der Truppen des Herzogs, der mir eines Tages unter anderm sagte: O Benvenuto! es wäre doch gut, die kleine Differenz, die du mit dem Herzog hast, ins Gleiche zu bringen. Hättest du Vertrauen in mich, so glaubte ich wohl, damit fertig zu werden, denn ich weiß, was ich sage. Wird der Herzog wirklich einmal böse, so wirst du dich dabei sehr übel befinden: das sei dir genug! ich kann dir nicht alles sagen. Nun hatte mich vorher schon wieder ein Schalk gegen die Herzogin mißtrauisch gemacht, denn er erzählte mir, er habe sie bei irgendeiner Gelegenheit sagen hören: Er will ja für weniger als zwei Pfennige den Perseus wegwerfen, und damit wird der ganze Streit geendigt sein.

Wegen dieses Verdachts sagte ich Herrn Albizzi: ich überlasse ihm alles, und ich würde mit dem, was er tue, völlig zufrieden sein, wenn ich nur in der Gnade des Herzogs bliebe. Dieser Ehrenmann, der sich recht gut auf die Soldatenkunst verstand, besonders aber auf die Anführung leichter Truppen, das alles rohe Menschen sind, hatte keine Lust an der Bildhauerei und verstand auch deswegen nicht das mindeste davon. Als er nun mit dem Herzog sprach, sagte er: Benvenuto hat sich mir ganz überlassen und mich gebeten, ich solle ihn Eurer Exzellenz empfehlen. Darauf sagte der Herzog: Auch ich will Euch die Entscheidung übertragen und mit allem, was Ihr bestimmt, zufrieden sein. Darauf machte Herr Hieronymus einen Aufsatz, der sehr gut und zu meinen Gunsten geschrieben war, und bestimmte, der Herzog solle mir dreitausendfünfhundert Goldgülden reichen lassen, wodurch zwar ein solches Werk nicht völlig bezahlt, aber doch einigermaßen für meinen Unterhalt gesorgt sei, und womit ich zufrieden sein könnte. Es waren noch viele Worte hinzugefügt, die sich alle auf diesen Preis bezogen. Diesen Aufsatz unterschrieb der Herzog so gern, als ich übel damit zufrieden war. Als es die Herzogin vernahm, sagte sie: Es wäre besser für den armen Mann gewesen, wenn er sich auf mich verlassen hätte; ich würde ihm wenigstens fünftausend Goldgülden verschafft haben! Und dieselbigen Worte sagte sie mir eines Tages, als ich in den Palast kam, in Gegenwart des Herrn Alamanni Salviati; sie lachte mich aus und sagte: das Übel, das mir begegne, treffe mich mit Recht.

Der Herzog hatte befohlen, mir sollten hundert Goldgülden monatlich bezahlt werden; nachher fing Herr Antonio de' Nobili, der gedachten Auftrag hatte, mir nur fünfzig zu zahlen an, dann gab er mir manchmal nur fünfundzwanzig, manchmal auch gar nichts. Da ich nun sah, daß ich so hingehalten ward, wendete ich mich aufs höflichste an ihn und bat ihn, mir die Ursache zu sagen, warum er die Zahlung nicht vollendete. Er antwortete mir sehr gütig, und es schien mir, daß er sich gar zu weit herausließe, denn er sagte: er könne die Zahlung nicht regelmäßig fortsetzen, weil man im Palast nicht zum besten mit Geld versehen sei; er verspreche aber, daß er mich bezahlen wolle, sobald er Geld erhalte. Dann setzte er hinzu: Ich müßte ein großer Schelm sein, wenn ich dich nicht bezahlte. Ich verwunderte mich, ein solches Wort von ihm zu hören, und hoffte nun, ich würde mich sobald als möglich befriedigt sehen. Allein es erfolgte gerade das Gegenteil, und da ich mich so aufziehen sah, erzürnte ich mich mit ihm und sagte ihm kühne und heftige Worte und erinnerte ihn an seine eignen Ausdrücke. Indessen starb er, und man blieb mir fünfhundert Goldgülden schuldig bis heute, da wir nahe am Ende des Jahres 1566 sind.

Auch war ein Teil meiner Besoldung rückständig geblieben, und ich dachte nicht, diesen Rest jemals zu erhalten, denn es waren schon drei Jahre verflossen. Aber der Herzog fiel in eine gefährliche Krankheit und konnte in achtundvierzig Stunden das Wasser nicht lassen. Als er nun merkte, daß ihm die Ärzte mit ihren Mitteln nicht helfen konnten, wendete er sich vielleicht zu Gott und beschloß, daß jeder seinen Rückstand erhalten solle: da wurde ich denn auch bezahlt, aber für meinen Perseus erhielt ich nicht die ganze Summe.

Fast hatte ich mir vorgesetzt, dem Leser von meinem unglücklichen Perseus nichts mehr zu erzählen, doch kann ich einen merkwürdigen Umstand nicht verschweigen und nehme daher den Faden ein wenig rückwärts wieder auf. Damals, als ich mit der Herzogin sprach und mit aller Demut zu erkennen gab, daß ich mit allem zufrieden sein wolle, was der Herzog mir geben würde, hatte ich die Absicht, mich wieder allmählich in Gunst zu setzen und bei dieser Gelegenheit den Herzog einigermaßen zu besänftigen: denn wenige Tage vorher, ehe Albizzi den Akkord machte, hatte sich der Herzog heftig über mich erzürnt. Denn als ich mich bei Seiner Exzellenz über die äußerst schlechte Behandlung beklagte, die ich von Alfonso Quistello, Herrn Jakob Polverino, dem Fiskal, und besonders von Baptista Brandini von Volterra dulden mußte, und mit einiger Leidenschaft meine Gründe vortrug, sah ich den Herzog in so großen Zorn geraten, als man sich denken kann. Er sagte mir dabei: Das ist ein Fall wie mit deinem Perseus, für den du mir zehntausend Scudi gefordert hast. Du bist zu sehr auf deinen Vorteil bedacht. Ich will die Statue schätzen lassen, und was man recht findet, sollst du haben. Hierauf antwortete ich, ein wenig zu kühn und halb erzürnt, wie man sich gegen große Herren nicht betragen soll: Wie wäre es möglich, daß mein Werk nach seinem Wert geschätzt würde, da gegenwärtig niemand in Florenz ist, der ein gleiches machen kann! Darauf ward der Herzog noch zorniger und sagte mir viele heftige Worte, unter andern rief er aus: Ja! es ist gegenwärtig ein Mann in Florenz, der ein solches Werk machen könnte, und deswegen wird er es auch zu beurteilen wissen! Er meinte den Bandinell, Kavalier von St. Jakob. Darauf versetzte ich: Eure Exzellenz hat mich in den Stand gesetzt, in der größten Schule der Welt ein großes und schweres Werk zu vollenden, das mir mehr gelobt worden ist als irgendeins, das jemals in dieser göttlichen Schule aufgedeckt worden; und was mir am meisten schmeichelte, war, daß die trefflichen Männer, die von der Kunst sind und sich darauf verstehen, wie zum Beispiel Bronzino, der Maler, mir allen Beifall gaben. Dieser treffliche Mann bemühte sich und machte mir vier Sonette, worin er die edelsten und herrlichsten Worte sagte, die man nur ausdrücken kann, und ebendieser wundersame Mann war schuld, daß die ganze Stadt so sehr in Bewegung kam. Freilich, wenn sich dieser Mann so gut mit der Bildhauerkunst als der Malerei abgeben wollte, so würde er vielleicht ein solches Werk vollenden können. Auch gestehe ich Eurer Exzellenz, daß mein Meister Michelagnolo Buonarroti, als er jünger war, gleichfalls ein ähnliches gemacht hatte, aber nicht mit weniger Anstrengung als ich selbst: nun aber, da er sehr alt ist, wird ihm eine solche Arbeit gewiß nicht gelingen, so daß ich gewiß überzeugt bin, daß zu unserer Zeit niemand bekannt sei, der sie ausführen könne. Nun hat meine Arbeit den größten Lohn erhalten, den ich in der Welt erlangen kann, besonders da Eure Exzellenz sich davon so zufrieden zeigten und mir sie mehr als ein andrer lobten: was konnte ich für eine größere und ehrenvollere Belohnung verlangen? Gewiß, Eure Exzellenz konnte mir sie nicht mit einer herrlichem Münze bezahlen, denn keine Art von Schatz kann sich mit diesem vergleichen. So bin ich überflüssig belohnt, und ich danke Eurer Exzellenz dafür von Herzen.

Darauf antwortete der Herzog: Du denkst nicht, daß ich reich genug bin, dich zu bezahlen, aber ich sage dir, du sollst mehr haben, als sie wert ist! Darauf versetzte ich: Ich denke an keine andere Belohnung, als die mir Eure Exzellenz und die Schule schon gegeben haben, und nun will ich mit Gott fortgehen, ohne das Haus jemals wieder zu betreten, das Eure Exzellenz mir schenkte, und ich will nicht denken, jemals Florenz wiederzusehen.

Wir waren eben bei San Felice, denn der Herzog ging nach dem Palaste zurück, und auf meine heftigen Worte wendete er sich schnell in großem Zorne gegen mich und sagte: Du gehst nicht weg! hüte dich wohl wegzugehen! Halb erschrocken begleitete ich ihn nach dem Palast. Dort gab er dem Erzbischof von Pisa, Bartolini, und Herrn Pandolfo della Stufa den Auftrag, sie sollten Baccio Bandinello von seinetwegen sagen, er möge meinen Perseus wohl betrachten und das Werk schätzen, denn der Herzog wolle mir den rechten Preis bezahlen. Diese beiden wackern Männer gingen sogleich zum Bandinell und verrichteten ihren Auftrag. Er wußte sehr gut, was sie wert war, aber weil er mit mir über vergangene Dinge erzürnt war, so wollte er sich in meine Angelegenheiten auf keine Weise mischen. Darauf fügten die beiden Edelleute hinzu: Der Herzog hat uns gesagt, daß er bei Strafe seiner Ungnade Euch befiehlt, ihm den Preis zu bestimmen. Wollt Ihr zwei, drei Tage, um sie recht zu betrachten, so nehmt Euch die Zeit und dann sagt uns, was die Arbeit verdiene! Darauf antwortete jener: er habe sie genug betrachtet und wolle gern den Befehlen des Herzogs gehorchen; das Werk sei reich und schön geraten, so daß es wohl sechzehntausend Goldgülden und mehr wert sei. Diese Worte hinterbrachten sogleich die guten Edelleute dem Herzog, welcher sich sehr darüber erzürnte. Auch sagten sie mir es wieder, worauf ich antwortete, daß ich auf keine Weise das Lob des Bandinells annehmen wolle, da er nur Übels von jedermann spreche. Diese meine Worte sagte man dem Herzog wieder, und deshalb verlangte die Herzogin, daß ich ihr die Sache überlassen sollte. Das ist nun alles die reine Wahrheit; genug, ich hätte besser getan, die Herzogin walten zu lassen, denn ich wäre in kurzem bezahlt gewesen und hätte einen größern Lohn empfangen.

Der Herzog ließ mir durch Herrn Lelio Torelli, seinen Auditor, sagen: er verlange, daß ich gewisse Geschichten in halberhabener Arbeit von Erz rings um den Chor von Santa Maria del Fiore verfertigen solle. Weil aber dieser Chor ein Unternehmen des Bandinells war, so wollte ich sein Zeug nicht durch meine Bemühungen bereichern. Zwar hatte er selbst die Zeichnung dazu nicht gemacht (denn er verstand nichts in der Welt von Architektur), vielmehr war der Riß von Julian di Baccio d'Agnolo, dem Zimmermann, der die Kuppel verdarb: genug, es ist nicht die mindeste Kunst daran. Aus dieser doppelten Ursache wollte ich das Werk nicht machen, doch hatte ich immer auf das ergebenste dem Herzog versichert, daß ich alles tun würde, was Seine Exzellenz mir beföhle. Nun hatte der Herzog den Werkmeistern von Santa Maria del Fiore befohlen, sie sollten mit mir übereinkommen, er wolle mir eine Besoldung von zweihundert Scudi des Jahrs geben, und meine Arbeit sollten sie mir aus der Baukasse bezahlen. So erschien ich vor gedachten Werkmeistern, welche mir den erhaltenen Befehl bekannt machten. Da ich nun glaubte, meine Gründe ihnen sicher vorlegen zu können, zeigte ich ihnen, daß so viele Geschichten von Erz eine große Ausgabe machen würden, die völlig weggeworfen wäre; dabei führte ich meine Ursachen an, welche sie alle sehr wohl begriffen. Die erste war, die Zeichnung des Chors sei ganz falsch und ohne die mindeste Vernunft gemacht, man sehe weder Kunst noch Bequemlichkeit, weder Anmut noch Proportion daran. Die zweite Ursache war, weil gedachte Geschichten so niedrig zu stehen kämen, daß sie unter dem Auge blieben, von Hunden besudelt und immer von Staub und allem Unrat voll sein würden. Deswegen wollte ich sie nicht machen, denn ich möchte nicht gern den Überrest meiner besten Jahre wegwerfen und dabei Seiner Exzellenz nicht dienen, da ich Ihr doch so sehr zu gefallen und zu dienen wünsche. Wenn aber der Herzog mir etwas wolle zu tun geben, so möchte er mich die Mitteltüre von Santa Maria del Fiore machen lassen: dieses Werk würde gesehen werden und Seiner Exzellenz zu größerm Ruhme gereichen. Ich wollte mich durch einen Kontrakt verbinden, daß, wenn ich sie nicht besser machte als die schönste Türe von St. Johann, so verlange ich nichts für meine Arbeit; wenn ich aber sie nach meinem Versprechen vollendete, so wäre ich zufrieden, daß man sie schätzen lasse, und man solle mir alsdann tausend Scudi weniger geben, als sie von Kunstverständigen geschätzt würde.

Denen Bauherren gefiel mein Vorschlag sehr wohl, und sie gingen, um mit dem Herzog zu reden, unter andern Peter Salviati, der dem Herzog das Angenehmste zu sagen glaubte; es war aber gerade das Gegenteil, denn dieser versetzte: ich wolle nur immer das nicht tun, was er verlange. Und so ging Herr Peter weg, ohne daß etwas entschieden worden wäre.

Als ich das vernahm, suchte ich schnell den Herzog auf, der einigermaßen über mich erzürnt schien. Ich bat ihn nur, daß er mich anhören möchte, und er versprach mirs. So fing ich umständlich an und zeigte ihm die Reinheit der Sache mit so viel Gründen, und daß eine große Ausgabe nur würde weggeworfen sein, daß ich ihn endlich besänftigt hatte. Dann setzte ich hinzu: wenn es Seiner Exzellenz nicht gefalle, daß gedachte Türe gemacht würde, so gebrauche man in jenem Chor zwei Kanzeln, welches zwei große Werke seien und Seiner Exzellenz zum Ruhm gereichen würden. Ich wolle daran eine Menge Geschichten in erhabner Arbeit von Erz verfertigen und viele Zieraten anbringen. Dergestalt erweichte ich ihn, und er trug mir auf, Modelle zu machen. Ich machte deren verschiedene mit der äußersten Anstrengung, unter andern eins zu acht Seiten, mit mehr Fleiß als die andern, und es schien mir viel bequemer zu dem Dienste, wozu es bestimmt war. Ich hatte sie oft in den Palast getragen, und der Herzog ließ mir durch seinen Kämmerer sagen, ich sollte sie dalassen. Nachdem sie der Herzog gesehen, bemerkte ich wohl, daß Seine Exzellenz nicht das beste gewählt hatte. Eines Tages ließ er mich rufen, und im Gespräch über die Modelle zeigte ich mit vielen Gründen, daß das zu acht Seiten das bequemste zum Dienst und das schönste zur Ansicht sei. Der Herzog antwortete mir, daß ihm das zu vier Seiten besser gefalle und daß er es so haben wolle, und sprach lange auf eine freundliche Weise mit mir. Ich tat alles, was mir möglich war, um die Kunst zu verteidigen. Ob nun der Herzog einsah, daß ich wahr redete, und es doch auf seine Art wollte gemacht haben, weiß ich nicht: genug, es verging viel Zeit, daß mir nichts weiter gesagt wurde.

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