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Leben des Benvenuto Cellini

: Leben des Benvenuto Cellini - Kapitel 40
Quellenangabe
typeautobio
authorBenvenuto Cellini
titleLeben des Benvenuto Cellini
publisherInsel Verlag
editorJohann Wolfgang von Goethe
translatorJohann Wolfgang von Goethe
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Viertes Kapitel

Der Autor, verdrießlich über das Betragen der herzoglichen Diener, begibt sich nach Venedig, wo ihn Tizian, Sansovino und andere geschickte Künstler sehr gut behandeln. – Nach einem kurzen Aufenthalt kehrt er nach Florenz zurück und fährt in seiner Arbeit fort. – Den Perseus kann er nicht zum besten fördern, weil es ihm an Hülfsmitteln fehlt; er beklagt sich deshalb gegen den Herzog. – Die Herzogin beschäftigt ihn als Juwelier und wünscht, daß er seine ganze Zeit auf diese Arbeit verwende; aber aus Verlangen, sich in einem höhern Felde zu zeigen, greift er seinen Perseus wieder an.

Da ich aber nachher bei mir die Verruchtheit und Gewalt des verwünschten Pedanten betrachtete, überlegte ich, daß es besser sei, dieser Teufelei ein wenig aus dem Wege zu gehen, und nachdem ich morgens zu guter Zeit meiner Schwester Juwelen und andere Dinge für ungefähr zweitausend Scudi aufzuheben gegeben hatte, stieg ich zu Pferde und machte mich auf den Weg nach Venedig und nahm meinen Bernardin von Mugello mit. Als ich nach Ferrara kam, schrieb ich Seiner Exzellenz dem Herzog: so wie ich ohne Urlaub weggegangen sei, so wollte ich auch ohne Befehl wiederkommen. Als ich nach Venedig kam und betrachtete, auf wie verschiedene Weise mein grausames Schicksal mich verfolgte, tröstete ich mich, da ich mich so munter und frisch befand, und nahm mir vor, mit ihm auf meine gewöhnliche Weise zu scharmutzieren. Indessen ich so an meine Umstände dachte, vertrieb ich mir die Zeit in dieser schönen und reichen Stadt. Ich besuchte den wundersamen Tizian, den Maler, und Meister Jakob del Sansovino, einen trefflichen Bildhauer und Baumeister, einen unserer Florentiner, den die venezianischen Obern sehr reichlich unterhielten. Wir hatten uns in Rom und Florenz in unserer Jugend genau gekannt. Diese beiden trefflichen Männer erzeigten mir viel Liebkosungen.

Den andern Tag begegnete ich Herrn Lorenz Medicis, der mich sogleich bei der Hand nahm und mir aufs freundlichste zusprach, denn wir hatten uns in Florenz gekannt, als ich die Münzen des Herzogs Alexander verfertigte, und nachher in Paris, als ich im Dienste des Königs war. Damals wohnte er im Haus des Herrn Julian Buonaccorsi, und weil er ohne seine größte Gefahr sich nicht überall durfte sehen lassen, brachte er die meiste Zeit in meinem Schlößchen zu und sah mich an jenen großen Werken arbeiten. Wegen dieser alten Bekanntschaft nahm er mich bei der Hand und führte mich in sein Haus, wo ich den Herrn Prior Strozzi fand, den Bruder des Herrn Peter. Sie freuten sich und fragten: wie lange ich in Venedig bleiben wolle? denn sie dachten, es sei meine Absicht, nach Frankreich zurückzukehren. Da erzählte ich ihnen die Ursache, warum ich aus Florenz gegangen sei, und daß ich in zwei, drei Tagen wieder zurückgehe, meinem Großherzog zu dienen. Auf diese Worte wendeten sich beide mit so viel Ernst und Strenge zu mir, daß ich mich wirklich äußerst fürchtete, und sagten: Du tätest besser, nach Frankreich zu gehen, wo du reich und bekannt bist! Was du da gewonnen hast, wirst du alles in Florenz verlieren und daselbst nur Verdruß haben.

Ich antwortete nichts auf ihre Reden und verreiste den andern Tag, so geheim als ich konnte, und nahm den Weg nach Florenz.

Indessen legten sich die Teufeleien meiner Feinde, denn ich hatte an meinen Großherzog die ganze Ursache geschrieben, die mich von Florenz entfernt hatte. So ernst und klug er war, durfte ich ihn doch ohne Zeremonien besuchen. Nach einer kurzen ernsthaften Stille redete er mich freundlich an und fragte: wo ich gewesen sei? Ich antwortete: mein Herz sei nicht einen Finger breit von Seiner Exzellenz entfernt gewesen, ob mich gleich die Umstände genötigt hätten, den Körper ein wenig spazieren zu lassen. Darauf ward er noch freundlicher, fragte nach Venedig, und so diskutierten wir ein wenig. Endlich sagte er zu mir: ich solle fleißig sein und ihm seinen Perseus endigen.

So ging ich nach Hause, fröhlich und munter, erfreute meine Familie, meine Schwester nämlich mit ihren sechs Töchtern, nahm meine Werke wieder vor und arbeitete daran mit aller Sorgfalt. Das erste, was ich in Erz goß, war das große Bildnis Seiner Exzellenz, das ich in dem Zimmer der Goldschmiede bossiert hatte, da ich nicht wohl war. Dieses Werk gefiel: ich hatte es aber eigentlich nur unternommen, um die Erden zu versuchen, welche zu den Formen geschickt seien. Denn ich bemerkte wohl, daß Donatello, der bei seinen Arbeiten in Erz sich auch der florentinischen Erden bedient hatte, dabei sehr große Schwierigkeiten fand, und da ich dachte, daß die Schuld an der Erde liege, so wollte ich, ehe ich den Guß meines Perseus unternahm, keinen Fleiß sparen, um die beste Erde zu finden, welche der wundersame Donatell nicht mußte gekannt haben, weil ich eine große Mühseligkeit an seinen Werken bemerkte. So setzte ich nun zuletzt auf künstliche Weise die Erde zusammen, die mir aufs beste diente, und der Guß des Kopfes geriet mir; weil ich aber meinen Ofen noch nicht fertig hatte, bediente ich mich der Werkstatt des Meister Zanobi von Pagno, des Glockengießers, und da ich sah, daß der Kopf sehr rein ausgefallen war, erbaute ich sogleich einen kleinen Ofen in der Werkstatt, die auf Befehl des Herzogs nach meiner Angabe und Zeichnung in dem Hause, das er mir geschenkt hatte, errichtet worden war, und sobald mein Ofen mit aller möglichen Sorgfalt sich in Ordnung befand, machte ich Anstalt, die Statue der Meduse zu gießen, die Figur nämlich des verdrehten Weibchens, das sich unter den Füßen des Perseus befindet. Da dieses nun ein sehr schweres Unternehmen war, so unterließ ich nichts von allem dem, was mir durch Erfahrung bekannt geworden war, damit mir nicht etwa ein Irrtum begegnen möchte. Und so geriet mir der erste Guß aus meinem Ofen auf das allerbeste: er war so rein, daß meine Freunde glaubten, ich brauchte ihn weiter nicht auszuputzen. Sie verstanden es aber so wenig, als gewisse Deutsche und Franzosen, die sich der schönsten Geheimnisse rühmen und behaupten, dergestalt in Erz gießen zu können, daß man nachher nicht nötig habe, es auszuputzen. Das ist aber ein närrisches Vorgeben, denn jedes Erz, wenn es gegossen ist, muß mit Hammer und Grabstichel nachgearbeitet werden, wie es die wundersamen Alten getan hatten, und auch die Neuen – ich meine diejenigen, welche in Erz zu arbeiten verstanden. Dieser Guß gefiel Seiner Exzellenz gar sehr, als Sie in mein Haus kamen, ihn zu sehen, wobei Sie mir großen Mut einsprachen, meine Sachen gut zu machen. Aber doch vermochte der rasende Neid des Bandinello zu viel, der immer Seiner Exzellenz in den Ohren lag und Ihr zu verstehen gab, daß, wenn ich auch dergleichen Statuen gösse, so sei ich doch nie imstande, sie zusammenzusetzen; denn ich sei neu in der Kunst, und Seine Exzellenz solle sich sehr in acht nehmen, Ihr Geld nicht wegzuwerfen. Diese Worte vermochten so viel auf das ruhmvolle Gehör, daß mir die Bezahlung für meine Arbeiter verkürzt wurde, so daß ich genötigt war, mich gegen Seine Exzellenz eines Morgens lebhaft darüber zu erklären. Ich wartete auf ihn in der Straße der Serviten und redete ihn folgendergestalt an: Gnädiger Herr! ich erhalte das Notdürftige nicht mehr und besorge daher, Eure Exzellenz mißtraue mir; deswegen sage ich von neuem, ich halte mich für fähig, das Werk dreimal besser zu machen, als das Modell war, so wie ich versprochen habe. Als ich bemerkte, daß diese Worte nichts fruchteten, weil ich keine Antwort erhielt, so ärgerte ich mich dergestalt und fühlte eine unerträgliche Leidenschaft, so daß ich den Herzog aufs neue anging und sagte: Gnädiger Herr! diese Stadt war auf alle Weise die Schule der Talente; wenn aber einer einmal bekannt ist und etwas gelernt hat, so tut er wohl, um den Ruhm seiner Stadt und seines Fürsten zu vermehren, wenn er auswärts arbeitet. Eurer Exzellenz ist bekannt, was Donatello und Leonardo da Vinci waren und was jetzt der wundersame Michelagnolo Buonarroti ist; diese vermehren auswärts durch ihre Talente den Ruhm von Eurer Exzellenz. Und so hoffe ich auch meinen Teil dazu zu tun und bitte deswegen, mich gehen zu lassen; aber ich bitte Euch sehr, den Bandinello festzuhalten und ihm immer mehr zu geben, als er verlangt, denn wenn er auswärts geht, so wird seine Anmaßung und Unwissenheit dieser edlen Schule auf alle Weise Schande machen. Und so gebt mir Urlaub, denn ich verlange nichts anders für meine bisherigen Bemühungen als die Gnade von Eurer Exzellenz!

Da der Herzog mich also entschieden sah, kehrte er sich halb zornig um und sagte: Benvenuto! wenn du Lust hast, das Werk zu vollenden, soll dir nichts abgehen. Darauf antwortete ich, daß ich kein anderes Verlangen habe, als den Neidern zu zeigen, daß ich imstande sei, das versprochene Werk zu vollenden. Da ich nun auf diese Weise von Seiner Exzellenz wegging, erhielt ich eine geringe Beihülfe, so daß ich genötigt war, in meinen eigenen Beutel zu greifen, wenn das Werk mehr als Schritt gehen sollte.

Ich ging noch immer des Abends in die Garderobe Seiner Exzellenz, wo Dominikus und Johann Paul Poggini fortfuhren, an dem goldnen Gefäß für die Herzogin und einem goldenen Gürtel zu arbeiten; auch hatte Seine Exzellenz das Modell eines Gehänges machen lassen, worin obgedachter großer Diamant gefaßt werden sollte. Und ob ich gleich vermied, so etwas zu unternehmen, so hielt mich doch der Herzog mit so vieler Anmut alle Abend bis vier Uhr in der Nacht an der Arbeit und verlangte von mir auf die gefälligste Weise, daß ich sie bei Tage fortsetzen solle. Ich konnte mich aber unmöglich dazu verstehen, ob ich gleich voraussah, daß der Herzog mit mir darüber zürnen würde. Denn eines Abends unter anderm, da ich etwas später als gewöhnlich hereintrat, sagte er zu mir: Du bist unwillkommen (Malvenuto)! Darauf antwortete ich: Gnädiger Herr! das ist mein Name nicht, denn ich heiße Benvenuto. Aber ich denke, Eure Exzellenz scherzt nur, und ich will also weiter nichts sagen. Darauf sagte der Herzog: er scherze nicht, es sei sein völliger Ernst; ich sollte mich in meinen Handlungen in acht nehmen, denn er höre, daß ich im Vertrauen auf seine Gunst dieses und jenes tue, was sich nicht gehöre. Darauf bat ich ihn, er möge mir jemand anzeigen, dem ich unrecht getan hätte. Da ward er zornig und sagte: Gib erst wieder, was du von Bernardone borgtest! Da hast du eins! Darauf versetzte ich: Gnädiger Herr! ich danke Euch und bitte, daß Ihr mich nur vier Worte anhören wollt. Es ist wahr, daß er mir eine alte Wage geborgt hat, zwei Ambosse und drei kleine Hämmer, und es sind schon fünfzehn Jahre, daß ich seinem Georg von Cortona sagte, er möge nach diesem Geräte schicken. Da kam gedachter Georg selbst, sie abzuholen, und wenn Eure Exzellenz jemals erfährt, daß ich von meiner Geburt an von irgendeiner Person auf diese Weise etwas besitze, in Rom oder in Florenz, es sei von denen, die es Ihnen selbst hinterbringen, oder von andern, so strafen Sie mich nach dem Kohlenmaße!

Als der Herzog mich in dieser heftigen Leidenschaft sah, wendete er sich auf eine gelinde und liebevolle Weise zu mir und sagte: Wer nichts verschuldet hat, dem ist es nicht gesagt. Verhält es sich, wie du versicherst, so werde ich dich immer gerne sehen, wie vorher. Darauf versetzte ich: Die Schelmstreiche des Bernardone zwingen mich, Eure Exzellenz zu fragen und zu bitten, daß Sie mir sagen, wieviel Sie auf den großen Diamant mit der abgeschliffenen Spitze verwendet haben, denn ich hoffe, die Ursache zu zeigen, warum dieser böse Mensch mich in Ungnade zu bringen sucht. Darauf antwortete der Herzog: Der Diamant kostet mich fünfundzwanzigtausend Scudi, warum fragst du darnach? Darauf antwortete ich, indem ich ihm Tag und Stunde bezeichnete: Weil mir Antonio Vittorio Landi gesagt, wenn ich suchen wollte, diesen Handel mit Eurer Exzellenz zu machen, so wolle er ihn für sechzehntausend Scudi geben. Das war nur sein erstes Gebot, und Eure Exzellenz weiß nun, was Sie gezahlt hat. Und daß mein Angeben wahr sei, fragen Sie den Domenico Poggini und seinen Bruder, die hier gegenwärtig sind, ob ich es damals nicht gleich gesagt habe? Nachher habe ich aber nicht weiter davon geredet, weil Eure Exzellenz sagten, daß ich es nicht verstehe, und ich wohl sah, daß Sie Ihren Stein bei Ruhm erhalten wollten. Allein wisset, gnädiger Herr: ich verstehe mich sehr wohl darauf, und gegenwärtig handle ich als ein ehrlicher Mann, so gut als einer auf die Welt gekommen ist, und ich werde Euch niemals acht- bis zehntausend Scudi stehlen, vielmehr werde ich sie Euch mit meiner Arbeit zu erwerben suchen. Ich befinde mich hier, Eurer Exzellenz als Bildhauer, Goldschmied und Münzmeister zu dienen, nicht aber, Ihnen die Handlungen anderer zu hinterbringen, und daß ich dieses jetzt sage, geschieht zu meiner Verteidigung. Ich habe weiter nichts dabei, und ich sage es in Gegenwart so vieler wackren Leute, die hier sind, damit Eure Exzellenz dem Bernardone nicht mehr glauben, was er sagt.

Sogleich stund der Herzog entrüstet auf und schickte nach Bernardone, der mit Antonio Landi genötiget wurde, bis Venedig zu reisen. Antonio behauptete, er habe nicht von diesem Diamant gesprochen. Als sie von Venedig zurückkamen, ging ich zum Herzog und sagte: Gnädiger Herr! was ich gesagt habe, ist wahr, und was Bernardone wegen der Gerätschaften sagt, ist nicht wahr; wenn er es beweist, will ich ins Gefängnis gehen. Darauf wendete sich der Herzog zu mir und sagte: Benvenuto! bleibe ein rechtschaffner Mann und sei übrigens ruhig. So verrauchte die Sache, und es ward niemals mehr davon gesprochen. Ich hielt mich indessen zu der Fassung des Edelsteins, und als ich das Kleinod der Herzogin geendigt brachte, sagte sie mir selbst: sie schätze meine Arbeit so hoch als den Diamant, den ihr der Bernardaccio verkauft habe. Sie wollte auch, daß ich ihr die Juwele selbst an die Brust stecken sollte, und gab mir dazu eine große Stecknadel; darauf befestigte ich den Edelstein und ging unter vielen Gnadenbezeugungen, die sie mir erwies, hinweg. Nachher hörte ich aber, daß sie ihn wieder habe umfassen lassen, durch einen Deutschen oder einen andern Fremden; denn Bernardone behauptete, der Diamant würde sich nur besser ausnehmen, wenn er einfacher gefaßt wäre.

Die beiden Brüder Poggini arbeiteten, wie ich schon gesagt habe, in der Garderobe des Herzogs immer fort und verfertigten nach meinen Zeichnungen gewisse goldne Gefäße mit halberhabenen Figuren, auch andere Dinge von großer Bedeutung. Da sagte ich bei Gelegenheit zu dem Herzog: Wenn Eure Exzellenz mir einige Arbeiter bezahlten, so wollte ich die Stempel zu Ihren gewöhnlichen Münzen und Medaillen mit Ihrem Bildnisse machen und mit den Alten wetteifern, ja vielleicht sie übertreffen; denn seitdem ich die Medaillen Papst Clemens des Siebenten gemacht, habe ich so viel gelernt, daß ich mir wohl etwas Besseres zu liefern getraue. So sollten sie auch besser werden als die Münzen, die ich für den Herzog Alexander gearbeitet habe, die man noch für schön halte. Auch wollte ich Seiner Exzellenz große Gefäße von Gold und Silber machen, wie dem wundersamen König Franz von Frankreich, den ich so gut bedient habe, weil er mir die große Bequemlichkeit vieler Arbeiter verschaffte, so daß ich indessen meine Zeit auf Kolossen oder andere Statuen verwenden konnte. Darauf sagte der Herzog: Tue nur, und ich werde sehen! er gab mir aber weder Bequemlichkeit noch irgendeine Beihülfe.

Eines Tages ließ er mir einige Pfund Silber zustellen und sagte: Das ist Silber aus meinem Bergwerk, mache mir ein schönes Gefäß! Weil ich aber meinen Perseus nicht zurücklassen wollte und doch großes Verlangen hatte, ihm zu dienen, gab ich das Metall mit einigen meiner Modelle und Zeichnungen einem Schelm, der Peter Martini der Goldschmied hieß, der die Arbeit ungeschickt anfing und sie nicht einmal förderte, so daß ich mehr Zeit verlor, als wenn ich sie eigenhändig gemacht hätte. Er zog mich einige Monate herum, und als ich sah, daß er weder selbst noch durch andere die Arbeit zustande brachte, verlangte ich sie zurück, und ich hatte große Mühe, einen übel angefangenen Körper des Gefäßes und das übrige Silber wiederzuerhalten. Der Herzog, der etwas von diesem Handel vernahm, schickte nach den Gefäßen und Modellen und sagte niemals weder wie und warum. So hatte ich auch nach meinen Zeichnungen verschiedene Personen in Venedig und an andern Orten arbeiten lassen und ward immer schlecht bedient.

Die Herzogin sagte mir oft: ich sollte Goldschmiedearbeiten für sie verfertigen. Darauf versetzte ich öfters: die Welt und ganz Italien wisse wohl, daß ich ein guter Goldschmied sei, aber Italien habe keine Bildhauerarbeit von meiner Hand gesehen, und einige rasende Bildhauer verspotteten mich und nennten mich den ›neuen Bildhauer‹; denen hoffte ich zu zeigen, daß ich kein Neuling sei, wenn mir nur Gott die Gnade gäbe, meinen Perseus auf dem ehrenvollen Platz Seiner Exzellenz geendigt aufzustellen. So ging ich nach Hause, arbeitete Tag und Nacht und ließ mich nicht im Palast sehen; doch um mich bei der Herzogin in gutem Andenken zu erhalten, ließ ich ihr einige kleine silberne Gefäße machen, groß wie ein Zweipfennigtöpfchen, mit schönen Masken, auf die reichste antike Weise. Als ich die Gefäße brachte, empfing sie mich auf das freundlichste und bezahlte mir das Gold und Silber, das ich darauf verwendet hatte; ich empfahl mich ihr und bat sie, sie möchte dem Herzog sagen, daß ich zu einem so großen Werke zu wenig Beihülfe hätte und daß er doch der bösen Zunge des Bandinells nicht glauben solle, die mich verhindere, meinen Perseus zu vollenden. Zu diesen meinen kläglichen Worten zuckte sie die Achsel und sagte: Fürwahr, der Herzog sollte nur zuletzt einsehen, daß sein Bandinello nichts taugt!

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