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Leben des Benvenuto Cellini

: Leben des Benvenuto Cellini - Kapitel 39
Quellenangabe
typeautobio
authorBenvenuto Cellini
titleLeben des Benvenuto Cellini
publisherInsel Verlag
editorJohann Wolfgang von Goethe
translatorJohann Wolfgang von Goethe
correctorreuters@abc.de
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Drittes Kapitel

Der König von Frankreich wird durch Verleumdung der Gesellen des Autors gegen ihn eingenommen. – Wodurch er nach Frankreich zu gehen verhindert wird. – Er unternimmt, eine Statue des Perseus zu gießen, findet aber große Schwierigkeit während des Ganges der Arbeit, indem der Bildhauer Bandinello sich eifersüchtig und tückisch gegen ihn beträgt. – Er erhält Briefe aus Frankreich, worin er getadelt wird, daß er nach Italien gegangen, ehe er seine Rechnung mit dem König abgeschlossen. – Er antwortet und setzt eine umständliche Rechnung auf. – Geschichte eines Betrugs, den einige Diener des Herzogs beim Verkauf eines Diamanten spielen. – Des Herzogs Haushofmeister stiftet ein Weib an, den Verfasser wegen unnatürlicher Befriedigung mit ihrem Sohne anzuklagen.

Ich hatte indessen öfters Briefe aus Frankreich von meinem treusten Freunde Herrn Guido Guidi gehabt; auch in diesen war nichts als Gutes enthalten. Ascanio schrieb mir auch und bat mich, ich solle mir einen guten Tag machen, und wenn irgend etwas begegne, so wolle er mir es melden. Indessen sagte man dem König, daß ich angefangen habe, für den Herzog in Florenz zu arbeiten, und weil es der beste Mann von der Welt war, so sagte er oft: Warum kömmt Benvenuto nicht wieder? Und als er sich deshalb besonders bei meinen Gesellen erkundigte, sagten beide zugleich: ich schriebe ihnen, daß ich mich aufs beste befände, und sie glaubten, daß ich kein Verlangen trüge, in Seiner Majestät Dienste zurückzukehren. Als der König diese verwegenen Worte vernahm, deren ich mich niemals bedient hatte, ward er zornig und sagte: Da er sich von uns ohne irgendeine Ursache entfernt hat, so werde ich auch nicht mehr nach ihm fragen; er bleibe, wo er ist! So hatten die Erzschelmen die Sache zu dem Punkte gebracht, den sie wünschten; denn wenn ich wieder nach Frankreich zurückgekehrt wäre, hätten sie wieder wie vorher als Arbeiter unter mir gestanden, blieb ich aber hinweg, so lebten sie frei und auf meine Kosten, und so wendeten sie alles an, um mich entfernt zu halten.

Indessen ich die Werkstatt mauern ließ, um den Perseus darin anzufangen, arbeitete ich im Erdgeschosse des Hauses und machte das Modell von Gips, und zwar von derselbigen Größe, wie die Statue werden sollte, in der Absicht, sie nachher von diesem Modell abzugießen. Als ich aber bemerkte, daß die Arbeit auf diesem Wege mir ein wenig zu lange dauerte, so griff ich zu einem andern Mittel; denn schon war ein bißchen Werkstatt, Ziegel auf Ziegel, so erbärmlich aufgebaut, daß es mich ärgert, wenn ich nur wieder daran denke. Da fing ich die Figur sowohl als auch die Meduse vom Geripp an, das ich von Eisen machte. Dann verfertigte ich die Statuen von Ton und brannte sie, allein mit einigen Knaben, unter denen einer von großer Schönheit war, der Sohn einer Dirne, ›die Gambetta‹ genannt. Ich hatte mich dieses Knaben zum Modell bedient, denn wir finden keine anderen Bücher, die Kunst zu lernen, als die Natur. Ich hatte mir geübte Arbeiter gesucht, um das Werk schnell zu vollenden, aber ich konnte keine finden, und doch allein nicht alles tun. Es waren wohl einige in Florenz, die gern gekommen wären, wenn sie Bandinello nicht verhindert hätte, der, indem er mich so aufhielt, noch dabei zum Herzog sagte: ich wolle ihm seine Arbeiter entziehen, denn mir selbst sei es nicht möglich, eine große Figur zusammenzusetzen. Ich beklagte mich beim Herzog über den großen Verdruß, den mir die Bestie machte, und bat ihn, daß er mir einige Arbeitsleute zugestehen möge. Diese Worte machten den Herzog glauben, daß Bandinello wahr rede. Als ich das nun bemerkte, nahm ich mir vor, alles so viel als möglich allein zu tun, und gab mir alle erdenkliche Mühe. Indessen ich mich nun so Tag und Nacht bemühte, ward der Mann meiner Schwester krank, und als er in wenigen Tagen starb, hinterließ er mir meine jüngere Schwester mit sechs Töchtern, große und kleine: das war meine erste Not, die ich in Florenz hatte, Vater und Führer einer solchen zerstörten Familie zu sein.

Nun wollte ich aber, daß alles gut gehen sollte, und da mein Garten sehr verwildert war, suchte ich zwei Taglöhner, die man mir von Ponte Vecchio zuführte. Der eine war ein alter Mann von siebenzig Jahren, der andere ein Jüngling von achtzehn. Als ich sie drei Tage gehabt hatte, sagte mir der Jüngling, der Alte wollte nicht arbeiten, und ich täte besser, ihn wegzuschicken, denn er sei nicht allein faul, sondern verhindere auch ihn, den Jungen, etwas zu tun; dabei versicherte er mir, er wolle die wenige Arbeit allein verrichten, ohne daß ich das Geld an andere Leute wegwürfe. Als ich sah, daß dieser Mensch, der Bernardino Mannellini von Mugello hieß, so ein fleißiger Arbeiter war, fragte ich ihn, ob er bei mir als Diener bleiben wolle, und wir wurden sogleich darüber einig. Dieser Jüngling besorgte mir ein Pferd, arbeitete im Garten und gab sich alle Mühe, mir auch in der Werkstatt zu helfen, wodurch er nach und nach die Kunst mit so vieler Geschicklichkeit lernte, daß ich nie eine bessere Beihülfe als ihn gehabt habe. Nun nahm ich mir vor, mit diesem alles zu machen, um dem Herzog zu zeigen, daß Bandinello gelogen habe, und daß ich recht gut ohne seine Arbeiter fertig werden könne.

Zu derselben Zeit litt ich ein wenig an der Nierenkrankheit, und weil ich meine Arbeit nicht fortsetzen konnte, hielt ich mich gern in der Garderobe des Herzogs auf, mit einigen jungen Goldschmieden, die Johann Paul und Domenico Poggini hießen. Diese ließ ich ein goldnes Gefäßchen, ganz mit erhabenen Figuren und andern schönen Zieraten gearbeitet, verfertigen: Seine Exzellenz hatte dasselbe der Herzogin zum Wasserbecher bestellt. Zugleich verlangte er von mir, daß ich ihm einen goldenen Gürtel machen solle, und auch dieses Werk ward aufs reichste mit Juwelen und andern gefälligen Erfindungen von Masken und dergleichen vollendet. Der Herzog kam sehr oft in die Garderobe und fand ein großes Vergnügen, bei der Arbeit zuzusehen und mit mir zu sprechen. Da ich mich von meiner Krankheit etwas erholt hatte, ließ ich mir Erde bringen, und indessen der Herzog auf und ab ging, porträtierte ich ihn weit über Lebensgröße. Diese Arbeit gefiel Seiner Exzellenz so wohl und er warf so große Neigung auf mich, daß er sagte: es werde ihm das größte Vergnügen sein, wenn ich im Palast arbeiten wollte und mir darin Zimmer aussuchte, wo ich meine Öfen aufbauen und, was ich sonst bedürfte, aufs beste einrichten könnte; denn er habe an solchen Dingen das größte Vergnügen. Darauf sagte ich Seiner Exzellenz: es sei nicht möglich, denn ich würde die Arbeit in hundert Jahren nicht vollenden.

Die Herzogin erzeigte mir gleichfalls unschätzbare Liebkosungen und hätte gewünscht, daß ich nur allein für sie gearbeitet und weder an den Perseus noch an etwas anders gedacht hätte. Ich konnte mich dieser eitlen Gunst nicht erfreuen, denn ich wußte wohl, daß mein böses und widerwärtiges Schicksal ein solches Glück nicht lange dulden, sondern mir ein neues Unheil zubereiten würde; ja, es lag mir immer im Sinne, wie sehr übel ich getan hatte, um zu einem so großen Gute zu gelangen.

Denn was meine französischen Angelegenheiten betraf, so konnte der König den großen Verdruß nicht verschlucken, den er über meine Abreise gehabt hatte, und doch hätte er gewünscht, daß ich wiederkäme, freilich auf eine Art, die ihm Ehre brächte. Ich glaubte aber so viel Ursachen zu haben, um mich nicht erst zu demütigen, denn ich wußte wohl: wenn ich diesen ersten Schritt getan hätte und vor den Leuten als ein gehorsamer Diener erschienen wäre, so hätten sie gesagt, ich sei der Sünder und verschiedene Vorwürfe, die man mir fälschlich gemacht hatte, seien gegründet. Deswegen nahm ich mich zusammen und schrieb als ein Mann von Verstande in strengen Ausdrücken über meine Angelegenheiten. Darüber hatten meine beiden verräterischen Zöglinge die größte Freude, denn ich rühmte mich und meldete ihnen die großen Arbeiten, die mir in meinem Vaterlande von einem Herrn und einer Dame aufgetragen worden wären, die unumschränkte Herren von Florenz seien.

Mit einem solchen Briefe gingen sie zum König und drangen in Seine Majestät, ihnen mein Kastell zu überlassen, auf die Weise, wie er mir es gegeben hatte. Der König, der ein guter und vortrefflicher Herr war, wollte niemals die verwegenen Forderungen dieser beiden Spitzbübchen verwilligen, denn er sah wohl ein, worauf ihre boshaften Absichten gerichtet waren. Um ihnen jedoch einige Hoffnung zu geben und mich zur Rückkehr zu veranlassen, ließ er mir auf eine etwas zornige Weise durch einen seiner Schatzmeister schreiben. Dieser hieß Herr Julian Buonaccorsi, ein florentinischer Bürger. Dieser Brief enthielt: daß, wenn ich wirklich den Namen eines rechtschaffenen Mannes, den ich immer gehabt habe, behaupten wolle, so sei ich nun, da ich für meine Abreise keine Ursache anführen könne, ohne weiteres verbunden, Rechenschaft von allem zu geben, was ich von Seiner Majestät in Händen gehabt und was ich für Sie gearbeitet habe.

Als ich diesen Brief erhielt, war ich äußerst vergnügt, denn ich hätte selbst nicht mehr noch weniger verlangen können. Nun machte ich mich daran und füllte neun Bogen gewöhnlichen Papiers und bemerkte darauf alle Werke, die ich gemacht hatte, alle Zufälle, die mir dabei begegnet waren, und die ganze Summe des darauf verwendeten Geldes. Alles war durch die Hand von zwei Notarien und eines Schatzmeisters gegangen und alles von denen Leuten, an die ich ausgezahlt hatte, eigenhändig quittiert, sie mochten das Geld für Materialien oder für Arbeitslohn erhalten haben. Ich zeigte, daß mir davon nicht ein Pfennig in die Tasche gefallen war und daß ich für meine geendigten Werke nichts in der Welt erhalten hatte außer einigen würdigen königlichen Versprechungen, die ich mit nach Italien genommen hatte; ich fügte hinzu, daß ich mich nicht rühmen könne, etwas anderes für meine Werke empfangen zu haben als eine ungewisse Besoldung, die mir zu meinem Bedürfnis ausgesetzt gewesen. Auf dieselbe sei man mir noch über siebenhundert Goldgülden schuldig, die ich deswegen habe stehen lassen, damit sie mir zu meiner Rückreise dienen könnten. Ich merke wohl, fuhr ich fort, daß einige boshafte, neidische Menschen mir einen bösen Dienst geleistet haben, aber die Wahrheit muß doch siegen, und es ist mir um die Gunst des allerchristlichsten Königs und nicht um Geld zu tun. Denn ich bin überzeugt, weit mehr geleistet zu haben, als ich antrug, und doch sind mir dagegen nur Versprechungen erfolgt. Mir ist einzig daran gelegen, in Seiner Majestät Gedanken als ein braver und reiner Mann zu erscheinen, dergleichen ich immer war, und wenn Seine Majestät den geringsten Zweifel hegen wollten, so würde ich auf den kleinsten Wink sogleich erscheinen und mit meinem eignen Leben Rechenschaft ablegen. Da ich aber sehe, daß man so wenig aus mir mache, so habe ich nicht wollen wieder zurückkehren und mich anbieten, denn ich wisse, daß ich immer Brot finde, wo ich auch hingehe, und wenn man Ansprüche an mich mache, so werde ich zu antworten wissen. Übrigens waren in diesem Briefe noch manche Nebenumstände bemerkt, die vor einen so großen König gehören und zur Verteidigung meiner Ehre gereichten. Diesen Brief, ehe ich ihn wegschickte, trug ich zu meinem Herzog, der ihn mit Zufriedenheit durchlas; dann schickte ich ihn sogleich nach Frankreich unter der Adresse des Kardinals von Ferrara.

Zu der Zeit hatte Bernardone Baldini, der Juwelenhändler Seiner Exzellenz, einen Diamanten von Venedig gebracht, der mehr als fünfunddreißig Karat wog; auch hatte Antonio Vittorio Landi einiges Interesse, diesen Stein dem Herzog zu verkaufen. Der Stein war erst eine Rosette gewesen, weil er aber nicht jene glänzende Klarheit zeigte, wie man an einem solchen Juwel verlangen konnte, so hatten die Herren die Spitze wegschleifen lassen, und nun nahm er sich als Brillant auch nicht sonderlich aus. Unser Herzog, der die Juwelen äußerst liebte, gab dem Schelm Bernardo gewisse Hoffnung, daß er diesen Diamant kaufen wolle, und weil Bernardo allein die Ehre haben wollte, den Herzog zu hintergehen, so sprach er mit seinem Gesellen niemals von der Sache. Gedachter Antonio war von Jugend auf mein großer Freund gewesen, und weil er sah, daß ich bei unserm Herzog immer aus und ein ging, so rief er mich eines Tages beiseite (es war gegen Mittag, an der Ecke des neuen Marktes) und sagte zu mir: Benvenuto! ich bin gewiß, der Herzog wird Euch einen gewissen Diamant zeigen, den er Lust hat zu kaufen; Ihr werdet einen herrlichen Diamant sehen. Helft zu dem Verkaufe! ich kann ihn für siebenzehntausend Scudi hingeben, und wenn der Herzog Euch um Rat fragt und Ihr ihn geneigt zum Handel seht, so wird sich schon was tun lassen, daß er ihn behalten kann. Antonio zeigte große Sicherheit, dieses Juwel loszuwerden, und ich versprach ihm, daß, wenn man mir es zeigte, so wollte ich alles sagen, was ich verstünde, ohne dem Steine Schaden zu tun.

Nun kam, wie ich oben gesagt habe, der Herzog alle Tage einige Stunden in die Werkstatt der Goldschmiede in der Nähe von seinem Zimmer, und ungefähr acht Tage, nachdem Antonio Landi mit mir gesprochen hatte, zeigte mir der Herzog nach Tische den gedachten Diamant, den ich an den Zeichen, die mir Antonio gegeben hatte, sowohl der Gestalt als dem Gewicht nach, leicht erkannte, und da der Diamant, wie schon gesagt, von etwas trüblichem Wasser war und man die Spitze deshalb abgeschliffen hatte, so wollte mir die Art und Weise desselben gar nicht gefallen und ich würde ihm von diesem Handel abgeraten haben. Daher, als mir Seine Exzellenz den Stein zeigte, fragte ich: was er wolle, das ich sagen solle? Denn es sei ein Unterschied bei den Juwelieren, einen Stein zu schätzen, wenn ihn ein Herr schon gekauft habe, oder ihm den Preis zu machen, wenn er ihn kaufen wolle. Darauf sagte der Herzog mir: er habe ihn gekauft, und ich sollte nur meine Meinung sagen. Da konnte ich nicht verfehlen, auf eine bescheidene Weise das wenige anzuzeigen, was ich von dem Edelstein verstand. Er sagte mir: ich solle die Schönheit der langen Facetten sehen, die der Stein habe; darauf sagte ich: es sei das eben keine große Schönheit, sondern vielmehr nur eine abgeschliffene Spitze. Darauf gab mein Herr, welcher wohl einsah, daß ich wahr rede, einen Ton des Verdrusses von sich und sagte: ich solle den Wert des Edelsteins betrachten und sagen, was ich ihn schätze. Da nun Antonio Landi den Stein für siebenzehntausend Scudi angeboten hatte, glaubte ich, der Herzog habe höchstens fünfzehntausend dafür bezahlt, und weil ich sah, daß er übelnahm, wenn ich die Wahrheit sagte, so wollte ich ihn in seiner falschen Meinung erhalten und sagte, indem ich ihm den Diamant zurückgab: Achtzehntausend Scudi habt Ihr bezahlt. Da tat der Herzog einen großen Ausruf und machte mit dem Munde ein O, größer als die Öffnung eines Brunnens, und sagte: Nun sehe ich, daß du dich nicht darauf verstehst! Ich versetzte: Gnädiger Herr! Ihr seht nicht recht. Wenn Ihr Euch bemüht, den Ruf Eures Edelsteins zu erhalten, so werde ich bemüht sein, mich drauf zu verstehn. Sagt mir wenigstens, wieviel Ihr bezahlt habt, damit ich auf Weise Eurer Exzellenz mich drauf verstehn lerne! Der Herzog ging mit einer etwas verdrießlichen Miene weg und sagte: Fünfundzwanzigtausend Scudi und mehr, Benvenuto, habe ich dafür gegeben. Das geschah in der Gegenwart von den beiden Poggini, den Goldschmieden; Bachiaccia aber, ein Sticker, der in einem benachbarten Zimmer arbeitete, kam auf diesen Lärm herbeigelaufen. Vor diesen sagte ich: Ich würde dem Herzog nicht geraten haben, den Stein zu kaufen! hätte er aber ja Lust dazu gehabt, so hat mir ihn Antonio Landi vor acht Tagen für siebenzehntausend Scudi angeboten, und ich glaube, für fünfzehntausend, ja noch für weniger hätte man ihn bekommen. Aber der Herzog will seinen Edelstein in Ehren halten, ob ihm gleich Bernardone einen so abscheulichen Betrug gespielt hat; er wird es niemals glauben, wie die Sache sich eigentlich verhält. So sprachen wir untereinander und lachten über die Leichtgläubigkeit des guten Herzogs.

Ich hatte schon die Figur der Meduse, wie gesagt, ziemlich weitgebracht. Über das Gerippe von Eisen war die Gestalt gleichsam anatomisch übergezogen, ungefähr um einen halben Finger zu mager. Ich brannte sie aufs beste, dann brachte ich das Wachs drüber, um sie zu vollenden, wie sie dereinst in Erz werden sollte. Der Herzog, der oft gekommen war, mich zu sehen, war so besorgt, der Guß möchte mir nicht geraten, daß er wünschte, ich möchte einen Meister zu Hülfe nehmen, der diese Arbeit verrichtete. Diese Gunst des Herrn ward mir sehr beneidet, und weil er oft mit Zufriedenheit von meiner Unterhaltung sprach, so dachte sein Haushofmeister nur auf eine Gelegenheit, um mir den Hals zu brechen. Der Herzog hatte diesem schlechten Mann, der von Prato und also ein Feind aller Florentiner war, große Gewalt gegeben und ihn aus einem Sohn eines Böttchers, aus einem unwissenden und elenden Pedanten, bloß weil er ihn in seiner Jugend unterrichtet hatte, als er an das Herzogtum noch nicht denken konnte, zum Oberaufseher der Polizeidiener und aller Gerichtsstellen der Stadt Florenz gemacht. Dieser, als er mit aller seiner Wachsamkeit mir nichts Übels tun und seine Klauen nirgends einschlagen konnte, fiel endlich auf einen Weg, zu seinem Zweck zu gelangen. Er suchte die Mutter meines Lehrburschen auf, der Cencio hieß, ein Weib, der man den Namen ›die Gambetta‹ gegeben hatte. Nun machte der pedantische Schelm mit der höllischen Spitzbübin einen Anschlag, um mich in Gottes Namen fortzutreiben. Sie hatten auch einen Bargell auf ihre Seite gebracht, der ein gewisser Bologneser war und den der Herzog nachher wegen ähnlicher Streiche wegjagte. Als nun die Gambetta den Auftrag von dem schelmischen pedantischen Narren, dem Haushofmeister, erhalten hatte, kam sie eine Sonnabendsnacht mit ihrem Sohn zu mir und sagte: sie habe das Kind um meines Wohles willen einige Tage eingeschlossen. Darauf antwortete ich ihr: um meinetwillen solle sie ihn gehen lassen, wohin er wolle. Ich lachte sie aus und fragte: warum sie ihn eingeschlossen habe? Sie antwortete: weil er mit mir gesündigt habe, so sei ein Befehl ergangen, uns beide einzuziehen. Darauf sagte ich, halb erzürnt: Wie habe ich gesündigt? fragt den Knaben selbst! Sie fragte darauf den Sohn, ob es nicht wahr sei? Der Knabe weinte und sagte: Nein! Darauf schüttelte die Mutter den Kopf und sagte zum Sohne: Du Schelm! ich weiß wohl nicht, wie das zugeht? Dann wendete sie sich zu mir und sagte: ich sollte ihn im Hause behalten, denn der Bargell suche ihn und werde ihn überall wegnehmen, nur nicht aus meinem Hause. Darauf sagte ich: Ich habe bei mir eine verwitwete Schwester mit sechs frommen Töchtern, und ich will niemand bei mir haben! Darauf sagte sie: der Haushofmeister habe dem Bargell die Kommission gegeben, man solle suchen, mich auf alle Weise gefangen zu nehmen; da ich aber den Sohn nicht im Hause behalten wolle, so sollte ich ihr hundert Scudi geben und weiter keine Sorge haben, denn der Haushofmeister sei ihr größter Freund und sie werde mit ihm machen, was sie wolle, wenn ich ihr das verlangte Geld gäbe. Ich war indessen ganz wütend geworden und rief: Weg von hier, nichtswürdige Hure! Tat ich es nicht aus Achtung gegen die Welt und wegen der Unschuld eines unglücklichen Kindes, so hätte ich dich schon mit diesem Dolche ermordet, nach dem ich zwei-, dreimal gegriffen habe. Mit diesen Worten und mit viel schlimmen Stößen warf ich sie und das Kind zum Hause hinaus.

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