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Leben des Benvenuto Cellini

: Leben des Benvenuto Cellini - Kapitel 31
Quellenangabe
typeautobio
authorBenvenuto Cellini
titleLeben des Benvenuto Cellini
publisherInsel Verlag
editorJohann Wolfgang von Goethe
translatorJohann Wolfgang von Goethe
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Fünftes Kapitel

Der König bestellt bei unserm Autor lebensgroße Götterstatuen von Silber; indessen er am Jupiter arbeitet, verfertigt er für Seine Majestät Becken und Becher von Silber, nicht weniger ein Salzgefäß von Gold mit mancherlei Figuren und Zieraten. – Der König drückt seine Zufriedenheit auf das großmütigste aus; der Autor verliert aber den Vorteil durch ein sonderbares Betragen des Kardinals von Ferrara. – Der König, begleitet von Madame d'Estampes und dem ganzen Hof, besucht unsern Autor. – Der König läßt ihm eine große Summe Goldes zahlen. – Als er nach Hause geht, wird er von vier bewaffneten Freibeutern angefallen, die er zurückschlägt. – Streit zwischen ihm und einigen französischen Künstlern bei Gelegenheit des Metallgießens. – Der Ausgang entscheidet für ihn.

Da ich nun Haus und Werkstatt vollkommen eingerichtet hatte, so daß ich bequem an meine Arbeit gehen konnte und dabei sehr ehrenvoll wohnte, arbeitete ich sogleich an den drei Modellen, in der Größe, wie die Statuen von Silber werden sollten, und zwar stellten sie Jupiter, Vulkan und Mars vor; ich machte sie von Erde, inwendig sehr wohl mit eisernen Stäben verwahrt. Als ich fertig war, ging ich zum König, der mir, wenn ich mich recht erinnere, dreihundert Pfund Silber geben ließ, damit ich die Arbeit anfangen könnte. Indessen ich nun alles dazu vorbereitete, ward das Gefäß und das ovale Becken fertig, die mir verschiedene Monate wegnahmen. Als sie vollendet waren, ließ ich sie trefflich vergolden, und man konnte wohl sagen, daß es die schönste Arbeit sei, die man je in Frankreich gesehen hatte. Sogleich trug ich sie zum Kardinal von Ferrara, der mir über die Maßen dankte, hernach aber ohne mich zum König ging und demselben damit ein Geschenk machte. Der König hielt sie sehr wert und lobte mich übermäßiger, als jemals ein Mensch meiner Art gelobt worden ist, und machte dem Kardinal ein Gegengeschenk mit einer Abtei, die siebentausend Scudi Einkünfte hatte, und ließ die Absicht merken, mir auch etwas zu verehren, woran ihn der Kardinal verhinderte und sagte: Seine Majestät verfahre zu geschwind, denn ich habe für ihn ja noch keine Arbeit vollendet. Da versetzte der freigebigste König, mehr als jemals entschlossen: Ich will ihm eben Lust und Mut zu seiner Arbeit machen. Da schämte sich der Kardinal und sagte: Ich bitte, laßt mich gewähren! denn sobald ich die Abtei in Besitz genommen habe, will ich ihm eine Pension von wenigstens dreihundert Scudi aussetzen. Davon ist mir aber nie etwas geworden, und es wäre zu weitläufig, alle Teufeleien dieses Kardinals zu erzählen, besonders da ich wichtigere Dinge vor mir habe.

Ich kehrte nach Paris zurück, und jedermann verwunderte sich über die Gunst, die mir der König bezeigte. Ich erhielt das Silber und fing an, die Statue des Jupiters zu bearbeiten. Ich nahm viele Gesellen und fuhr mit großer Sorgfalt Tag und Nacht fort; Jupiter, Vulkan und Mars waren im Modell fertig, auch den ersten hatte ich in Silber schon weit gebracht, so daß meine Werkstatt reich genug aussah. Um diese Zeit erschien der König in Paris. Ich wartete ihm auf, und als er mich sah, rief er mir fröhlich zu: wenn ich ihm in meinem Hause etwas Schönes zu zeigen hätte, so wolle er hinkommen! Da erzählte ich alles, was ich gemacht hatte, und er bezeigte großes Verlangen, die Arbeit zu sehen. Gleich nach Tafel machte er sich auf mit Madame d'Estampes, dem Kardinal von Lothringen, dem König von Navarra, seinem Vetter, und der Königin, seiner Schwester; auch kamen der Dauphin und die Dauphine, so daß der ganze Adel des Hofes sich in Bewegung setzte.

Ich war wieder nach Hause gegangen und hatte mich an die Arbeit begeben. Als nun der König vor das Tor meines Schlosses kam und so viele Hämmer pochen hörte, befahl er, ein jeder solle still sein; so war in meinem Hause alles in Arbeit, und der König überfiel mich, eh ich es dachte. Er trat in meinen Saal und erblickte zuerst mich mit einem großen Silberblech in der Hand, das zum Leibe Jupiters bestimmt war; ein anderer machte den Kopf, ein dritter die Füße, so daß der Lärm außerordentlich war. Zufälligerweise hatte mir eben in diesem Augenblick ein französischer Knabe, der bei der Arbeit um mich war, irgend etwas nicht recht gemacht, deswegen ich ihm einen Tritt gab, der glücklicherweise nur zwischen die Beine traf, doch hatte ich den Jungen über vier Ellen weit weggestoßen: der Knabe wollte fallen und hielt sich am König, der eben hereintrat. Der König lachte überlaut, und ich war sehr verlegen. Dann fing er an zu fragen, was ich mache, und verlangte, daß ich in seiner Gegenwart arbeiten sollte. Darauf sagte er: es wäre ihm lieber, wenn ich mich nicht so anstrengen wollte; ich sollte doch so viel Leute nehmen, als mir beliebte, und diese arbeiten lassen und mich gesund erhalten, um ihm desto länger dienen zu können. Da antwortete ich, daß ich eben krank werden würde, wenn ich nicht arbeitete; auch würden die Werke nicht von der Art werden, wie ich sie für Seine Majestät zu fertigen hoffte. Der König konnte das nicht einsehen und glaubte, es sei nur Großsprecherei von mir, und der Kardinal von Lothringen mußte mirs nochmals wieder sagen, dem ich aber so offen und umständlich meine Gründe vorlegte, daß er mich vollkommen begriff; er beruhigte daher den König und bat ihn, er möchte mich nur, viel oder wenig, nach meinem Belieben arbeiten lassen.

So zufrieden mit meinen Werken, begab sich der König nach seinem Palaste zurück und überhäufte mich dergestalt mit Gunst, daß ich nicht alles erzählen kann. Den andern Tag nach Tafel ließ er mich rufen; der Kardinal von Ferrara speiste mit ihm. Als ich kam, war der König eben an der zweiten Tracht; ich trat herzu, und Seine Majestät fing sogleich mit mir zu reden an. Da er einen so schönen Becher und so ein vortreffliches Becken von mir besitze, so wünsche er dazu auch ein ähnliches Salzfaß zu haben; ich sollte ihm eine Zeichnung machen, und zwar so geschwind als möglich. Darauf versetzte ich: Eure Majestät sollen eine solche Zeichnung geschwinder sehen, als Sie denken, denn als ich Ihre beiden Gefäße verfertigte, überlegte ich wohl, daß diesen zur Gesellschaft auch ein Salzfaß gearbeitet werden müsse; darum habe ich so was dergleichen schon aufgestellt, und wenn Eure Majestät einen Augenblick warten wollten, so könnte ich die Sache gleich vorzeigen. Das hörte der König mit vieler Zufriedenheit und wendete sich zu den gegenwärtigen Herren, als dem König von Navarra, den Kardinalen von Lothringen und Ferrara, und sagte: Das ist wahrhaftig ein Mann, den alle Welt lieben und wünschen muß! Dann sagte er zu mir: er würde gern die Zeichnung sehen, die ich zu einem solchen Werke gemacht hätte. Da eilte ich fort, ging und kam geschwind (denn ich hatte nur die Seine zu passieren) und brachte das Modell von Wachs mit, das ich auf Verlangen des Kardinals schon in Rom gemacht hatte. Als ich es aufdeckte, verwunderte sich der König und sprach: Das ist hundertmal göttlicher, als ich gedacht habe! Das ist ein großes Werk dieses Mannes: er sollte niemals feiern! Dann wendete er sich zu mir mit sehr freundlichem Gesichte und sagte: das Werk gefalle ihm außerordentlich, er verlange, daß ich es ihm von Gold mache. Der Kardinal sah mir in die Augen und gab mir durch einen Wink zu verstehen, daß er das Modell recht gut wiedererkenne; darauf sagte ich: Ich habe wohl von diesem Modell schon gesagt, daß ich das Werk gewiß vollenden wollte, wenn es nur jemand bestellte. Der Kardinal erinnerte sich dieser meiner Worte, und weil es ihm schien, als habe ich mich rächen wollen, so sagte er mit einiger Empfindlichkeit zum König: Sire! das Unternehmen ist groß, und ich fürchte nur, wir sehen es niemals geendigt. Denn diese braven Künstler, die so trefflicher Erfindungen fähig sind, fangen gar gern an, sie ins Werk zu stellen, ohne zu denken, wann sie geendigt werden können. Wenn ich so etwas bestellte, so wollte ich doch auch wissen, wann ich es haben sollte. Der König antwortete: wenn man sich so ängstlich um das Ende der Arbeit bekümmere, so würde man sie niemals anfangen! Das sagte er auf eine Weise, daß man merken konnte, er wolle anzeigen, zu solchen Werken gehöre ein mutiger Geist. Ich versetzte darauf: Alle Fürsten, die wie Eure Majestät durch Handlungen und Reden ihren Dienern Mut machen, erleichtern sich und ihnen die größten Unternehmungen, und da Gott mir einen so außerordentlichen Herrn gegeben hat, so hoffe ich auch, große und außerordentliche Werke für ihn zu vollenden. Ich glaube es! erwiderte der König und stand von Tafel auf.

Da ließ er mich auf sein Zimmer rufen und fragte mich: wieviel ich Gold zu diesem Salzfasse brauchte? Tausend Scudi! versetzte ich sogleich. Da rief er seinen Schatzmeister, den Vicomte d'Orbec, und befahl ihm, er solle mir tausend alte, gewichtige Goldgülden auszahlen lassen. Ich ging weg und schickte nach den beiden Notarien, durch die ich auch das Silber für den Jupiter und viele andere Sachen erhalten hatte; dann holte ich zu Hause ein kleines Körbchen, das mir meine Nichte, die Nonne, als ich durch Florenz reiste, geschenkt hatte, und nahm es (zu meinem Glück!) statt eines Sackes, und weil ich dieses Geschäft noch bei Tage zu endigen dachte, auch meine Leute nicht in der Arbeit stören mochte, nahm ich nicht einmal einen Diener mit.

Ich fand den Schatzmeister zu Hause, der schon das Geld vor sich hatte und die vollwichtigen Stücke nach dem Befehl des Königs aussuchte, und indem mir schien, daß der Spitzbube mit Fleiß die Auszahlung des Geldes bis drei Stunden in die Nacht verzögerte, so wollte ich mich auch vorsehen und schickte nach einigen meiner Arbeiter, sie sollten kommen und mich begleiten, denn es sei eine Sache von Bedeutung. Als sie in einer gewissen Zeit nicht kamen, fragte ich den Schelm von Bedienten, den ich abgeschickt hatte. Er versicherte mir, daß er sie gerufen habe, sie aber könnten nicht kommen; hingegen erbiete er sich, mir das Geld zu tragen. Ich antwortete: das könnte ich selbst.

Indessen war der Kontrakt ausgefertigt, das Geld ward in das Körbchen gelegt, und ich schob den Arm durch die zwei Henkel. Weil sie nun sehr eng waren, so drückte mein Arm fest auf das Geld, und ich trug es bequemer und sicherer, als wenn es ein Säckchen gewesen wäre. Ich war gut bewaffnet mit Panzerhemd und –ärmeln, hatte Degen und Dolch an der Seite und machte mich schnell auf den Weg. Da bemerkte ich, daß einige Diener zusammen lispelten, gleichfalls das Haus verließen und einen andern Weg nahmen, als den ich zu gehen hatte. Ich ging schnell und kam über der Brücke auf ein Mäuerchen am Flusse, das mich zu meiner Wohnung führte.

Eben befand ich mich bei den Augustinern, an einem sehr gefährlichen Orte, der zwar nur fünfhundert Schritte von meinem Schlosse entfernt war, weil aber inwendig die Wohnung fast noch einmal so weit ablag, so würde man, wenn ich auch hätte rufen wollen, mich doch nicht gehört haben. Als ich nun vier Degen hinter mir bemerkte, entschloß ich mich sogleich, bedeckte das Körbchen mit der Jacke, zog den Degen und rief, als sie mir näher kamen: Bei Soldaten ist nichts zu holen als die Jacke und der Degen, und ihr sollt wenig gewinnen, wenn ihr mir sie abnehmt! Da stritt ich heftig gegen sie und breitete öfters die Arme auseinander, damit, wenn sie auch von den Bedienten gehört hätten, daß ich so vieles Geld empfangen habe, sie vermuten sollten, es müsse ein anderer sein, der ledig ging. Das Gefecht dauerte kurz, sie zogen sich nach und nach zurück und sagten untereinander in ihrer Sprache: Das ist ein braver Italiener und gewiß der nicht, den wir suchen! und wenn ers ist, so hat er nichts bei sich. Ich sprach italienisch, und mit vielen Stößen und Stichen ging ich ihnen zu Leibe, und da sie sahen, daß ich den Degen sehr gut führte, glaubten sie, ich sei eher Soldat als was anders, sie hielten zusammen und entfernten sich langsam. Sie murmelten immer in ihrer Sprache, und ich wiederholte auch mit einer gewissen gleichgültigen Bescheidenheit: wer Waffen und Jacke von mir haben wolle, solle sie teuer bezahlen! Ich fing an, stärker zu gehen, und sie kamen immer langsam hinter mir drein; deswegen vermehrte sich meine Furcht, denn ich dachte, vielleicht lägen noch andere vor mir im Hinterhalt, so daß sie mich hätten in die Mitte nehmen können.

Da ich nun noch ungefähr hundert Schritte von meinem Hause war, fing ich an zu laufen, und rief mit lauter Stimme: Waffen, Waffen heraus! man bringt mich um! Sogleich sprangen vier von meinen jungen Leuten mit Spießen aus dem Schlosse und wollten jenen nach, die man noch wohl sehen konnte. Da hielt ich sie an und sagte laut: Die vier Memmen haben nicht einmal einem einzigen Manne die Beute von tausend Goldgülden abnehmen können, da mir doch dieser Schatz bald den Arm zerbrach: den wollen wir nur erst in Sicherheit bringen, dann will ich euch Gesellschaft leisten mit meinem Schwert zu zwei Händen, wohin ihr wollt! Wir gingen hinein, verschlossen das Geld, und meine jungen Leute beklagten die große Gefahr, in die ich mich begeben hatte, machten mir Vorwürfe und sagten: Ihr traut Euch selbst zu sehr, und wir werden Euch doch noch einmal zu beweinen haben. Nachdem wir uns lange darüber gestritten hatten, waren meine Widersacher verschwunden. Wir hielten uns nun vergnügt und fröhlich ans Abendessen und lachten über die sonderbaren Begebenheiten, die uns das Glück im Guten und Bösen zusendet, und nahmen uns das Vergangene nicht zu Herzen: es war, als wenn es nichts gewesen wäre. Zwar sagt man: Du wirst nun lernen, ein andermal klüger sein! aber ich finde den Spruch nicht richtig, denn was uns begegnet, kommt immer auf eine so verschiedene Weise, wie wir es uns nicht haben einbilden können.

Den folgenden Morgen machte ich sogleich den Anfang mit dem großen Salzfasse und ließ sowohl an diesem als an andern Werken mit großer Sorgfalt fortarbeiten. Ich hatte viele Gesellen angenommen, Bildhauer und Goldschmiede, es waren Italiener, Franzosen und Deutsche. Manchmal war eine große Menge beisammen, wenn ich sie gut und tauglich fand; doch ich machte jeglichen Tag mit ihnen eine Veränderung, weil ich nur die besten behielt. Diese trieb ich lebhaft an, besonders durch mein Beispiel, denn ich hatte eine stärkere Natur als sie: da wollten einige, von der großen Anstrengung ermüdet, sich durch vieles Essen und Trinken wiederherstellen. Besonders verschiedene Deutsche, welches die besten Arbeiter waren, zeigten den größten Eifer, mir nachzuahmen, allein sie konnten die Arbeit nicht ertragen, so daß sie ihren Fleiß mit dem Leben bezahlen mußten.

Als nun mein silberner Jupiter vorwärtsging, bemerkte ich, daß mir noch Silber genug übrigblieb, und ohne Vorwissen des Königs legte ich Hand an ein großes Gefäß mit zwei Handhaben, ungefähr anderthalb Ellen hoch; auch kam mir die Lust an, mein großes Modell zum Jupiter in Erz gießen zu lassen.

Bei dieser neuen Unternehmung, da ich dergleichen selbst noch nicht gemacht hatte, überlegte ich die Sache mit einigen alten Pariser Meistern und sagte ihnen die ganze Art, wie man in Italien bei solchen Werken zu verfahren pflege. Sie antworteten mir darauf: dieser Weg sei ihnen unbekannt, aber wenn ich sie auf ihre Weise gehen ließe, so wollten sie mir das Bild so schön und glatt gießen, als es jetzt von Ton sei. Ich machte einen Akkord mit ihnen, damit sie ganz die Sache übernähmen, und über ihre Forderungen versprach ich ihnen noch einige Scudi mehr. Sie legten Hand ans Werk, und als ich sah, daß sie auf einem falschen Wege waren, fing ich die Büste des Julius Caesar mit bewaffneter Brust an, und zwar viel größer als die Natur. Ich arbeitete nach einem kleinen Modell, das ich in Rom nach der herrlichsten Antike gearbeitet hatte. Zugleich modellierte ich einen Frauenkopf von derselben Größe nach einem außerordentlich schönen Mädchen, das ich zu meiner Lust bei mir hatte. Ich nannte dieses Bildnis Fontainebleau, gleichsam als wenn es die Nymphe jener Quelle wäre, bei welcher der König sich seinen Lustort ausgewählt hatte.

Das Öfchen zum Schmelzen des Erzes war aufs beste gebaut, alles in Ordnung und unsere drei Formen ausgebrannt. Da sagte ich zu den Leuten: Ich glaube nicht, daß Euer Jupiter gut ausfallen wird! denn Ihr habt ihm nicht genug Luftröhren von unten gelassen, die Zirkulation in Euren Formen wird nicht gehörig vor sich gehn, und Ihr werdet Eure Zeit verlieren. Das alles wurde in Gegenwart der Schatzmeister und anderer Edelleute gesprochen, die auf Befehl des Königs mich zu beobachten kamen und alles, was sie sahen und hörten, Seiner Majestät hinterbringen mußten. Die beiden Alten, welche den Jupiter gießen wollten, verlangten, man solle mit der ganzen Anstalt innehalten, weil sie notwendig an meinen Formen etwas verändern müßten; denn auf die Art, wie ich sie eingerichtet habe, sei es nicht möglich, daß der Guß gerate, und es wäre schade, daß so schöne Arbeit verloren ginge. Als sie dieses dem König beibringen ließen, antwortete Seine Majestät: sie sollten lieber aufmerken und lernen als dem Meister Lehren geben! Da brachten sie mit großem Lachen ihr Werk in die Grube, und ich, ganz ruhig, ohne Freude oder Verdruß zu beweisen, stellte meine Formen zu beiden Seiten des Jupiters. Als unser Metall geschmolzen war, ließen wir es mit dem größten Vergnügen fließen: die Form des Jupiters füllte sich aufs beste, ebenso meine beiden Köpfe. Die Meister waren froh und ich zufrieden, daß es besser gegangen war, als ein beiderseitiges Mißtrauen uns hatte vermuten lassen: da verlangten sie auf französische Weise mit großer Fröhlichkeit zu trinken, und ich gab ihnen sehr gern einen guten Schmaus. Nun verlangten sie zunächst das Geld von mir, das ich ihnen noch zu geben hatte, sowie auch den versprochnen Überschuß. Darauf sagte ich: Ihr habt gelacht, aber ich fürchte, daß Ihr noch weinen werdet, denn ich habe überlegt, daß in Eure Form weit mehr Masse als nötig geflossen ist; deswegen werde ich Euch weiter kein Geld geben bis morgen früh. Nun fingen die armen Leute meine Worte zu bedenken an, und ohne was weiter zu sagen, gingen sie nach Hause. Frühmorgens kamen sie, stille, stille, die Arbeit aus der Grube zu nehmen, und weil sie zu der großen Form nicht kommen konnten, ohne zuerst meine Köpfe herauszunehmen, so brachten sie diese hervor: sie waren trefflich geraten, und als man sie aufstellte, hatten sie ein sehr gutes Ansehen. Da sie nun mit vier Arbeitern noch zwei Ellen tiefer gegraben hatten, taten sie einen großen Schrei, den ich auf fünfhundert Schritte in meinem Zimmer hörte. Ich hielt es für ein Zeichen der Freude und lief herbei; als ich näher kam, fand ich sie an der Grube, wie man diejenigen abbildet, die in das Grab Christi schauten, bekümmert und erschrocken. Ich tröstete mich, als ich meine beiden Köpfe so wohl geraten erblickte, so mißvergnügt ich übrigens war; sie aber entschuldigten sich und sagten: Da seht unser Unglück! Ich versetzte: Euer Glück war gut genug, aber schlecht Euer geringes Wissen. Hätte ich gesehen, wie Ihr den Kern in die Form brachtet, so hätte ich Euch mit einem einzigen Worte belehrt, und Eure Figur wäre aufs beste gekommen: ich hätte große Ehre und Ihr großen Nutzen davon gehabt. Was meine Ehre betrifft, die wird durch diese Köpfe gerettet, aber Euch wird weder Ehre noch Geld zuteil werden: deswegen lernt ein andermal arbeiten, und Eure Späße laßt beiseite! Dessenungeachtet empfahlen sie sich mir und sagten: ich habe recht; wenn ich ihnen aber nicht beistünde und sie sollten allen Aufwand und Schaden tragen, so würden sie und ihre Familien zugrunde gehen. Darauf antwortete ich: wenn die Schatzmeister des Königs ihnen den Überrest noch bezahlen wollten, so wollte ich ihnen auch mein Versprechen halten, denn ich hätte wohl gesehen, daß sie mit gutem Willen nach ihrer besten Einsicht gehandelt hätten. Hierüber wurden mir die Schatzmeister und die Diener des Königs dergestalt günstig, daß es nicht auszusagen war; man schrieb alles Seiner Majestät, und dieser einzig freigebigste König befahl, daß man für mich alles tun sollte, was ich nur verlangte.

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