Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > >

Leben des Benvenuto Cellini

: Leben des Benvenuto Cellini - Kapitel 22
Quellenangabe
typeautobio
authorBenvenuto Cellini
titleLeben des Benvenuto Cellini
publisherInsel Verlag
editorJohann Wolfgang von Goethe
translatorJohann Wolfgang von Goethe
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060530
projectidef16ece3
Schließen

Navigation:

Neuntes Kapitel

Undankbares Betragen Rosso des Malers. – Der Autor wird dem Könige Franz I. zu Fontainebleau vorgestellt und sehr gnädig empfangen. – Der König verlangt, ihn in Dienste zu nehmen; er aber, da ihn eine schnelle Krankheit heimsucht, mißfällt sich in Frankreich und kehrt nach Italien zurück. – Große Gefälligkeit des Kardinals von Ferrara gegen den Autor. – Was ihm auf dem Wege zwischen Lyon und Ferrara begegnet. – Der Herzog nimmt ihn freundlich auf. – Er kommt nach Rom zurück, wo er seinen treuen Diener Felix wiederfindet. – Merkwürdiger Brief des Kardinals von Ferrara über das Betragen des Kardinal Gaddi. – Er wird fälschlich von einem Gesellen angeklagt, als wenn er einen großen Schatz von Edelsteinen besitze, den er damals entwandt, als ihm der im Kastell belagerte Papst die Krone auszubreiten gegeben. – Er wird gefangen genommen und auf die Engelsburg gebracht.

Als ich ein wenig ausgeruhet hatte, ging ich, Rosso den Maler aufzusuchen, der sich im Dienste des Königs Franziskus befand. Ich hielt diesen Mann für meinen größten Freund auf der Welt, denn ich hatte ihm in Rom alle Gefälligkeit erzeigt, die ein Mensch von dem andern erwarten kann; und weil sich mit kurzen Worten erzählen läßt, was er mir für Verbindlichkeiten schuldig war, so will ich nicht verfehlen, es anzuzeigen, und die Undankbarkeit eines heimtückischen Freundes öffentlich darstellen. Als er in Rom war, hatte er so viel Übles von den Werken des Raphael von Urbino gesagt, daß die Schüler dieses trefflichen Mannes ihn auf alle Weise ermorden wollten: davon errettete ich ihn und bewachte ihn Tag und Nacht mit der größten Müh. Ferner hatte er auch von Herrn Antonio von San Gallo, einem herrlichen Architekten, Böses gesprochen, der ihm dagegen eine Arbeit nehmen ließ, die ihm Herr Agnolo von Cesi aufgetragen hatte, und so fuhr gedachter Meister gegen Rosso fort zu handeln, daß er bald vor Hunger umgekommen wäre: deswegen borgte ich ihm manche zehen Scudi, um zu leben, die ich noch nicht wiedererhalten hatte.

Nun, da ich wußte, daß er im Dienste des Königs war, ging ich, ihn, wie gesagt, zu besuchen, nicht sowohl, um mein Geld wiederzuhaben, aber weil ich hoffte, er solle mir helfen und beistehen, daß ich in den Dienst des großen Königs käme. Als der Mann mich erblickte, verwirrte er sich sogleich und sagte: Benvenuto! du hast auf diese Reise zu großes Geld verwendet, besonders gegenwärtig, wo man an den Krieg denkt und nicht an Possen, wie mir machen können. Darauf versetzte ich: ich habe so viel Geld mitgebracht, um wieder nach Rom auf ebendie Weise zurückzukehren, wie ich nach Paris gekommen sei; ich habe für meine Müh mit ihm eine andere Begegnung erwartet, und fast fange ich an zu glauben, daß Herr Antonio von San Gallo wahr von ihm gegen mich geredet habe. Er wollte darauf meine Worte in Scherz verkehren, denn er merkte, daß er sich vergangen hatte. Ich zeigte ihm einen Wechselbrief von fünfhundert Scudi auf Riccardo del Bene. Da schämte sich der Bösewicht und wollte mich gleichsam mit Gewalt festhalten, ich aber lachte ihn aus und ging mit einem andern Maler weg, der eben gegenwärtig war; er hieß Sguazella, war auch ein Florentiner, und ich wohnte in seinem Hause mit drei Pferden und Dienern für ein Gewisses die Woche. Er verköstigte mich gut, und ich bezahlte ihn noch besser.

Darauf suchte ich, den König zu sprechen, bei welchem mich ein gewisser Herr Julian Buonaccorsi, sein Schatzmeister, einführte. Ich eilte nicht damit, denn ich wußte nicht, daß Rosso sich mit allem Fleiß bemühte, mich von einer Unterredung mit dem König abzuhalten. Da aber Herr Julian dieses bemerkte, führte er mich schnell nach Fontainebleau und stellte mich vor den König, der mir eine ganze Stunde die gnädigste Audienz gab. Und weil er eben im Begriff war, nach Lyon zu gehen, sagte er zu Herrn Julian: er solle mich mit sich nehmen; unterwegs wolle man von einigen schönen Werken sprechen, die Seine Majestät in Gedanken habe. So zog ich im Gefolge des Hofes nach, und unterweges wartete ich dem Kardinal von Ferrara beständig auf, der damals den Hut noch nicht hatte. Dieser ließ sich alle Abend in große Unterredungen mit mir ein und sagte einstmals: ich möchte in Lyon in einer seiner Abteien bleiben, wo ich vergnügt leben könne, bis der König aus dem Krieg zurückkomme; er selbst gehe nach Grenoble, und in seiner Abtei zu Lyon sollte ich alle Bequemlichkeiten finden. Als wir in dieser Stadt anlangten, war ich krank geworden, und mein Geselle Ascanio hatte das viertägige Fieber, so daß mir die Franzosen und ihr Hof äußerst zuwider waren und ich die Zeit nicht erwarten konnte, wieder nach Rom zu kommen.

Als der Kardinal meine feste Entschließung sah, wieder zurückzukehren, gab er mir so viel Geld, daß ich ihm in Rom ein Becken und einen Becher von Silber machen sollte, und so reisten wir fort auf den besten Pferden.

Als wir über die Gebirge des Simplons kamen, gesellte ich mich zu gewissen Franzosen, mit denen wir eine Zeitlang reisten, Ascanio mit seinem viertägigen und ich mit einem geheimen Fieber, das mich nicht einen Augenblick zu verlassen schien. Ich hatte mir den Magen so verdorben, daß ich kaum ein ganzes Brot die Woche verzehren mochte. Äußerst verlangte ich, nach Italien zu kommen. Ich wollte in meinem Vaterlande und nicht in Frankreich sterben. Als wir den Berg Simplon zurückgelegt hatten, fanden wir einen Fluß, nahe bei einem Ort, der Indevedro (Valdi vedro) hieß; das Wasser war sehr breit und tief, und darüber ging ein langer, schmaler Steg ohne Geländer. Des Morgens war ein starker Reif gefallen, und ich befand mich vor allen andern an der Brücke. Ich sah, wie gefährlich sie war, und befahl meinen Gesellen, sie sollten absteigen und ihre Pferde an der Hand führen. So kam ich glücklich über die Brücke und ging, mit einem der Franzosen, der ein Edelmann war, im Gespräch begriffen, weiter fort. Der andere, ein Notarius, war noch zurück und spottete über den Edelmann und mich, daß wir uns aus leerer Furcht die Mühe gegeben hätten, zu Fuße zu gehen. Da wendete ich mich, und als ich ihn mitten auf der Brücke sah, bat ich ihn, er möchte sachte kommen, denn er sei auf einer sehr gefährlichen Stelle. Dieser Mensch, der seine französische Natur nicht ablegen konnte, sagte mir in seiner Sprache: ich sei ein Mann von wenig Herz, hier sei gar keine Gefahr. Indessen er diese Worte sprach, wollte er das Pferd ein wenig anspornen, das sogleich strauchelte und neben einen großen Stein fiel. Weil aber Gott sich oft der Narren erbarmet, so tat diese Bestie mit der andern Bestie, seinem Pferde, einen großen Sturz, beide unters Wasser. Als ich das sah, eilte ich und lief und sprang mit großer Beschwerlichkeit auf den Felsen, hing mich an denselben und erwischte den Zipfel eines Oberrocks, den der Mann anhatte; daran zog ich ihn herauf, als er schon ganz vom Wasser bedeckt war. Er hatte viel geschluckt, und wenig fehlte, so wär er ersoffen. Als ich ihn außer Gefahr sah, bezeigte ich ihm meine Freude, ihm das Leben gerettet zu haben; aber er antwortete mir auf französisch und sagte: er danke mir nicht dafür, seine Schriften seien die Hauptsache, die manche zehen Scudi wert wären. Er sagte das gleichsam im Zorn, ganz durchweicht, sprudelnd und triefend. Da wendete ich mich zu einigen Boten, die wir bei uns hatten, und verlangte, sie sollten der Bestie helfen, ich wolle sie bezahlen. Einer davon bemühte sich recht eifrig und fischte ihm seine Schriften wieder auf, so daß nichts verloren ging; der andere aber wollte auf keine Weise zugreifen, so daß er auch keine Bezahlung verdiente.

Nachdem wir an obgedachtem Orte angekommen waren, zog ich nach Tische die Börse, die wir gemeinschaftlich gemacht hatten, aus der ich die Auslagen bestritt, und gab dem Boten, der jenem beigestanden hatte, einiges Geld aus diesem gemeinschaftlichen Beutel. Da verlangte aber der Notarius, ich sollte den Mann von dem Meinigen bezahlen und ihm aus der Kasse nicht mehr als den ausgemachten Botenlohn reichen. Darauf schimpfte ich ihn aber wacker aus. Bald darauf trat der andere Bote vor mich, der gar nichts getan hatte, und verlangte, daß ich ihn auch bezahlen sollte. Ich sagte darauf: Jener verdient den Lohn, der das Kreuz getragen hat. Er antwortete: er wollte mir bald ein Kreuz zeigen, bei dem ich weinen sollte. Ich versetzte, daß ich ihm zu dem Kreuz eine Kerze anzünden wolle, wobei er wohl zuerst weinen würde. Wir waren auf der Grenze zwischen dem Venezianischen und Deutschen; so lief er nach Leuten und kam mit ihnen, einen großen Spieß in der Hand. Ich saß auf meinem guten Pferde und öffnete die Pfanne meiner Büchse. Darauf wendete ich mich zu meinen Gesellen und sagte: Diesen bring ich zuerst um, und ihr andern tut eure Schuldigkeit, denn das sind Straßenräuber, welche nur diesen geringen Anlaß ergreifen, uns zu überfallen.

Der Wirt, bei dem wir gegessen hatten, rief einen von den Anführern, einen Alten, und bat ihn: er möchte einem so großen Übel vorbeugen. Denn, sagte er, das ist ein tapfrer junger Mann, und bis ihr ihn in Stücken haut, bringt er einen Teil von euch um; vielleicht entwischt er euch gar und schießt den Boten tot. Da ward alles ruhig, und der Alte, ihr Anführer, sagte zu mir: Gehe in Frieden! du würdest mit uns zu tun haben, und wenn du hundert bei dir hättest. Ich wußte wohl, daß er die Wahrheit sagte, denn ich war schon entschlossen und hatte mich für tot gegeben; da ich aber nichts weiter Schimpfliches vernahm, schüttelte ich den Kopf und sagte: Ich würde mein möglichstes getan haben, um Euch zu zeigen, daß ich ein lebendiges Geschöpf und ein Mensch sei. Darauf reisten wir weiter. Abends, in der ersten Herberge, zählten wir unsere Kasse, und ich trennte mich von dem bestialischen Franzosen; mit dem andern aber, dem Edelmann, hielt ich Freundschaft und kam mit meinen drei Pferden allein nach Ferrara.

Sobald ich abgestiegen war, ging ich an den Hof des Herzogs, um Seiner Exzellenz aufzuwarten; denn ich wollte morgens nach Loreto verreisen. Ich wartete bis zwei Stunden in der Nacht, da erschien der Herzog und empfing mich aufs gnädigste. Er befahl, als er zur Tafel ging, man solle mir auch das Handwasser reichen. Darauf antwortete ich aufs anmutigste: Gnädigster Herr! es sind über vier Monate, daß ich weniger gegessen habe, als man zum Lebensunterhalt nötig glauben sollte; deswegen weiß ich wohl, daß mich auch selbst die königlichen Speisen Ihrer Tafel nicht stärken würden. Erlauben Sie mir unterdessen, daß ich mich mit Ihnen unterhalte, und vielleicht haben wir beide davon mehr Vergnügen, als wenn ich an der Tafel säße. So fingen wir das Gespräch an, das bis fünf Uhr dauerte; dann beurlaubte ich mich, ging zu meinem Wirtshause und fand einen trefflichen Tisch, den der Herzog mir hatte von seinen Speisen ablegen lassen, dabei viel guten Wein. Da ich nun mehr als zwei Stunden meine gewöhnliche Tischzeit ausgesetzt hatte, aß ich mit großem Appetit, das erstemal seit vier Monaten.

Morgens verreiste ich zur heiligen Mutter von Loreto, und als ich daselbst meine Andacht verrichtet hatte, ging ich nach Rom, wo ich meinen getreuen Felix fand, dem ich meine Werkstatt mit allem Geräte und Zieraten überließ und eine andere, weit größer und geräumiger, neben Sugarell, dem Parfümeur, eröffnete. Und weil ich dachte, der große König Franziskus würde sich meiner nicht weiter erinnern, nahm ich mehrere Arbeiten von vielen Herren an und arbeitete indessen an dem Becher und Becken, die ich für den Kardinal von Ferrara unternommen hatte.

Viele Gesellen arbeiteten bei mir, ich hatte viel in Gold und Silber zu tun. Indessen bekam ich mit meinem Peruginer Gesellen Verdruß, der mir alles, was er auf seine Kleidung und sonstige eigne Bedürfnisse verwendet hatte, auf meine Rechnung schrieb, so daß er mir mit den Reisekosten ungefähr siebenzig Scudi schuldig war. Wir hatten ausgemacht, er solle sich deswegen drei Scudi monatlich abziehen lassen, da ich ihn mehr als acht Scudi verdienen ließ. Nach Verlauf von zwei Monaten ging dieser Schelm aus meiner Werkstatt, ließ mich mit vieler Arbeit beladen und sagte: er wolle mir nichts weiter zahlen. Deshalb riet man mir, ihn gerichtlich zu belangen; ich aber hatte mir in den Kopf gesetzt, ihm einen Arm abzuhauen, und ich hätte es auch gewiß getan. Doch meine Freunde sagten: es wäre nicht gut; ich verlor mein Geld und vielleicht Rom noch einmal, denn die Wunden lassen sich nicht abmessen, und ich könne ihn ja auf seine Schrift, die ich in Händen habe, sogleich einstecken lassen. Ich folgte ihrem Rate, aber ich wollte die Sache großmütiger behandeln: ich klagte auf meine Schuld vor dem Auditor der Kammer und gewann den Prozeß, nachdem er verschiedene Monate gedauert hatte; dann ließ ich den Burschen ins Gefängnis bringen.

Meine Werkstatt war nun mit den größten Arbeiten beladen: unter andern hatte ich allen Schmuck von Gold und Edelsteinen für die Gemahlin des Herrn Hieronymus Orsino in der Arbeit; dieser war der Vater Herrn Pauls, der gegenwärtig Schwiegersohn unsers Herrn Herzogs Cosmus ist. Diese Werke waren sämtlich dem Ende nah, und immer wuchsen mir neue zu. Ich hatte acht Arbeiter und mußte noch vier anstellen, und so arbeitete ich, der Ehre und des Nutzens wegen, Tag und Nacht.

Indessen ich nun so aufs eifrigste meine Arbeiten zu fördern bemüht war, erhielt ich einen Brief, den mir der Kardinal von Ferrara aus Frankreich mit besonderer Eile schickte, des Inhalts:

Benvenuto, lieber Freund! In diesen vergangenen Tagen hat sich der große allerchristlichste König deiner erinnert und dich abermal in seine Dienste begehret; worauf ich ihm antwortete: du habest mir versprochen, daß du, sobald ich dich zum Dienst Seiner Majestät verlangte, sogleich kommen wolltest. Seine Majestät antwortete darauf: Ich will, man soll ihm so viel Geld schicken, als ein Mann seinesgleichen zu einer bequemen Reise braucht. Darauf befahl er dem Admiral, er solle mir tausend Goldgulden aus dem Schatz der Ersparnisse zahlen lassen. Bei dieser Unterredung war auch Kardinal Gaddi zugegen, der sogleich hervortrat und sagte: ein solcher Befehl sei nicht nötig, denn er habe dir Geld genug angewiesen, und du müßtest auf dem Wege sein. Verhielte sich nun die Sache nicht so, du hättest kein Geld erhalten, wärest nicht unterweges, und es wäre dir von allem keine Nachricht zugekommen, sondern es wäre eine bloße Aufschneiderei des Kardinals, um zu zeigen, daß er sich auch um geschickte Leute bekümmere, nach denen der König fragt, wie ich fast glaube: so antworte mir, sobald du meinen Brief empfängst, der die reine Wahrheit enthält, damit ich ein andermal, wenn ich vor diesen großen König komme, in Gegenwart des Prahlhansen das Gespräch nach und nach auf dich leiten und sagen kann, daß du das Geld, welches dir der Kardinal Gaddi geschickt haben wolle, nicht erhalten hast, daß du nicht auf der Reise, sondern in Rom bist. Es wird sich zeigen, daß der Kardinal dies alles nur aus Eitelkeit gesagt hat, und ich will einen neuen Befehl an den Admiral und den Schatzmeister auswirken, daß du das Geld zur Reise, welches dir der großmütige König zugedacht hat, endlich erhalten mögest.

Nun mag die Welt bedenken, was ein ungünstiges Geschick über uns Menschen vermag! Ich hatte nicht zweimal in meinem Leben mit dem närrischen Kardinälchen Gaddi gesprochen, und er prahlte auch diesmal nicht, um mir Schaden zu tun, sondern es war eine Wirkung seines leeren und ungeschickten Gehirns, weil es auch scheinen sollte, als bekümmere er sich um talentreiche Leute, die der König in seinen Dienst wünschte: er wollte darin dem Kardinal von Ferrara gleichen. Wenn er nur nachher so klug gewesen wär und mir den Vorfall gemeldet hätte, so würde ich doch, um so einen dummen Strohmann nicht stecken zu lassen, aus Patriotismus irgendeine Entschuldigung gefunden und seiner törichten Prahlerei einigermaßen nachgeholfen haben. Sobald ich den Brief des hochwürdigsten Kardinals von Ferrara erhielt, antwortete ich sogleich: mir sei vom Kardinal Gaddi nichts in der Welt bekannt, und wenn er mich auch hätte bereden wollen, so würde ich mich ohne Vorwissen Seiner Hochwürden Gnaden nicht aus Italien bewegt haben, besonders da ich in Rom mehr Arbeit als jemals finde; indessen würde ich mich auf ein Wort Seiner allerchristlichsten Majestät, das mir durch so einen Herrn zukam, sogleich auf den Weg machen und alles andere beiseite werfen.

In dieser Zeit dachte mein Geselle von Perugia, der Verräter, eine Bosheit aus, die ihm auch sehr gut gelang: denn er erregte den Geiz des Papstes Paul Farnese, oder vielmehr seines natürlichen Sohnes, den man damals Herzog von Castro nannte. Nun ließ mein gedachter Gesell einem der Sekretarien des Herrn Peter Ludwig merken, daß er, da er mehrere Jahre bei mir gearbeitet habe, wohl wisse und sich verbürgen könne, daß ich ein Vermögen von achtzigtausend Dukaten besitze, davon der größte Teil in Juwelen bestehe, die eigentlich der Kirche angehörten. Denn ich habe sie damals, bei der Verheerung Roms, im Kastell Sant Angelo beiseite gebracht. Sie sollten mich nur einmal schnell und ohne Geräusch wegfangen lassen.

Ich hatte einmal eines Morgens sehr früh über drei Stunden an obgedachtem Brautschmucke gearbeitet, und indes man meine Werkstatt eröffnete und kehrte, warf ich meine Jacke über, um mir ein wenig Bewegung zu machen. Ich ging durch Strada Julia und wandte mich an der Ecke nach der Chiavica um, da begegnete mir Crispin, der Bargell, mit seiner ganzen Häscherei und sagte: Du bist ein Gefangener des Papstes! Darauf antwortete ich: Crispin! du irrst dich in der Person. Nein, versetzte er, du bist der brave Benvenuto, ich kenne dich recht gut! Ich habe dich nach Kastell Sant Angelo zu führen, wohin treffliche Männer und Herren deinesgleichen zu gehen pflegen.

Da nun hierauf viele seiner Leute sich auf mich warfen und mir mit Gewalt einen Dolch von der Seite und einige Ringe vom Finger reißen wollten, sagte er zu ihnen: Keiner unterstehe sich, ihn anzurühren! genug, daß ihr eure Schuldigkeit tut und ihn nicht entwischen laßt. Dann trat er zu mir und verlangte mit höflichen Worten meine Waffen. Als ich sie ihm gab, fiel mir ein, daß ich an derselben Stelle den Pompeo ermordet hatte. Darauf führten sie mich ins Kastell und schlossen mich in eins der Zimmer oben auf dem Turm. Das war das erstemal, daß ich das Gefängnis schmeckte, und war eben siebenunddreißig Jahr alt.

 << Kapitel 21  Kapitel 23 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.