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Leben des Benvenuto Cellini

: Leben des Benvenuto Cellini - Kapitel 14
Quellenangabe
typeautobio
authorBenvenuto Cellini
titleLeben des Benvenuto Cellini
publisherInsel Verlag
editorJohann Wolfgang von Goethe
translatorJohann Wolfgang von Goethe
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060530
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Erstes Kapitel

Der Autor verliebt sich in eine sizilianische Kurtisane, namens Angelika, welche von ihrer Mutter geschwind nach Neapel geführt wird. – Seine Verzweiflung über den Verlust seiner Geliebten. – Er wird mit einem sizilianischen Priester bekannt, der sich mit Zauberei abgibt. – Zeremonien, deren er sich bedient. – Der Autor ist bei den Beschwörungen gegenwärtig, in Hoffnung, seine Geliebte wiederzuerlangen. – Wunderbare Wirkung der Beschwörung. – Ihm wird versprochen, er solle Angelika innerhalb eines Monats wiedersehen. – Streit zwischen ihm und Herrn Benedetto, den er tödlich mit einem Stein verwundet. – Pompeo von Mailand berichtet dem Papst, der Autor habe den Goldschmied Tobias umgebracht. – Seine Heiligkeit befiehlt dem Gouverneur von Rom, den Mörder zu ergreifen und auf der Stelle hinrichten zu lassen. – Er entflieht und begibt sich nach Neapel. – Auf dem Wege trifft er einen Freund an, Solosmeo, den Bildhauer.

Zu der Zeit hatte ich mich, wie junge Leute pflegen, in eine Sizilianerin von der größten Schönheit verliebt. Auch sie zeigte, daß sie mir sehr wohl wolle; die Mutter aber, welche unsere Leidenschaft bemerkt hatte und sich vor unsern Absichten fürchtete (denn ich wollte heimlich mit dem Mädchen nach Florenz fliehen), kam mir zuvor, ging nachts aus Rom und ließ mir vorspiegeln, als wenn sie nach Civitavecchia den Weg genommen hätte; sie begab sich aber auf Ostia und von da nach Neapel. Ich eilte grade auf Civitavecchia und beging unglaubliche Torheiten, um sie wiederzufinden. Es wäre zu umständlich, diese Dinge hier zu erzählen, genug, ich war im Begriff, toll zu werden oder zu sterben. Sie schrieb mir nach zwei Monaten, daß sie sich in Sizilien sehr mißvergnügt befinde. Indessen hatte ich mich allen denkbaren Vergnügungen ergeben und eine andere Liebe ergriffen, nur um jene loszuwerden.

Unter solchen Ausschweifungen hatte ich gelegentlich mit einem gewissen sizilianischen Geistlichen Freundschaft gemacht; er war von dem erhabensten Geiste und wohl im Lateinischen und Griechischen erfahren. Einsmals, durch eine besondere Wendung des Gesprächs, kamen wir auch auf die Zauberei zu reden, und ich sagte, wie sehr ich mein ganzes Leben durch verlangt hätte, irgend etwas von dieser Kunst zu sehen oder zu spüren. Darauf versetzte der Priester: Zu einem solchen Unternehmen gehört ein starkes und sichres Gemüt. Ich versetzte, daß ich Stärke und Sicherheit wohl zeigen wolle, wenn sich nur die Art und Weise fände, ein solches Werk zu unternehmen. Darauf antwortete der Priester: Wenn dir am Anschauen solcher Dinge genug ist, so will ich deine Neugierde sättigen. Wir wurden eins, das Werk zu unternehmen, und eines Abends machte sich der Priester bereit, indem er mir sagte: ich solle einen, auch zwei Gefährten suchen. Da rief ich Vincenzio Romoli, meinen besten Freund, welcher einen Pistojeser mit sich nahm, der sich auch auf die Schwarzkünstelei gelegt hatte. Wir gingen zusammen ins Kolisee; dort kleidete sich der Priester nach Art der Zauberer, zeichnete Zirkel auf die Erde mit den schönsten Zeremonien, die man sich auf der Welt nur denken kann. Er hatte uns Zaffetika (Asa foetida) mitbringen lassen, kostbares Räucherwerk und Feuer, auch böses Räucherwerk.

Da alles in Ordnung war, machte er das Tor in den Zirkel und führte uns bei der Hand hinein. Dem andern Schwarzkünstler befahl er, das Räucherwerk nach Bedürfnis ins Feuer zu werfen; uns überließ er die Sorge, das Feuer zu unterhalten und die Spezereien darzureichen. Dann fing er seine Beschwörungen an, welche über anderthalb Stunden dauerten. Darauf erschienen manche Legionen Teufel, so daß das Kolisee ganz voll ward. Ich war mit den köstlichsten Spezereien beschäftigt, und als der Priester eine so große Menge Geister bemerkte, wendete er sich zu mir und sagte: Verlange was von ihnen! Ich versetzte: Sie sollen machen, daß ich mit meiner Sizilianerin wieder zusammenkomme.

Diese Nacht erhielten wir keine Antwort, ob ich gleich sehr zufrieden über diese Begebenheit war. Der Nekromant behauptete: wir müßten noch ein andermal hingehen, und ich würde in allem, was ich verlangte, völlig befriedigt werden; aber ich müßte einen unschuldigen Knaben mitbringen. Ich nahm einen Lehrknaben, ungefähr zwölf Jahr alt, und berief von neuem Vincenzio Romoli, und da ein gewisser Agnolino Gaddi unser Hausfreund war, nahm ich auch diesen mit zu unserer Unternehmung. Wir kamen an den vorigen Ort; der Nekromant machte wieder seine Vorbereitung, und mit derselben, ja mit einer noch wundersamern Ordnung brachte er uns in den Zirkel, den er von neuem mit mehr Kunst und Zeremonien bereitet hatte. Vincenz und Agnolino besorgten das Räucherwerk und das Feuer; mir gab er das Pentakel in die Hand und sagte: er würde mir die Gegenden zeigen, wohin ichs zu wenden hätte. Nun fing der Nekromant die schrecklichsten Beschwörungen an, er rief bei ihren Namen eine Menge solcher Teufel, die Häupter der Legionen waren, und beschwur sie im Namen und Gewalt Gottes, des unerschaffnen, lebendigen und ewigen, und das in hebräischen Worten, auch mitunter in genügsamen griechischen und lateinischen, so daß in kurzer Zeit einhundertmal mehr als bei der ersten Beschwörung erschienen und das ganze Kolisee sich erfüllte. Vincenzio Romoli und Gaddi unterhielten das Feuer und sparten das kostbare Räucherwerk nicht, mir aber gab der Nekromant den Rat, abermals zu verlangen, daß ich mit meiner Angelika sein möchte. Ich tat es, und er wendete sich zu mir und sagte: Hörst du, was sie sprechen? In Zeit eines Monats sollst du bei ihr sein! Darauf bat er mich von neuem, ich möchte nur festhalten, denn es wären wohl ein tausend Legionen mehr, als er verlangt habe, und sie seien von der gefährlichsten Art; da sie aber doch mein Begehren erfüllt hätten, so müßte man ihnen freundlich tun und sie geduldig entlassen.

Nun fing das Kind, das unter dem Pentakel war, zu jammern an und sagte: es seien ein tausend der tapfersten Männer beisammen, die uns alle drohten; dann sah es noch vier ungeheure Riesen, bewaffnet und mit der Gebärde, in den Kreis einbrechen zu wollen. Indessen suchte der Nekromant, der vor Furcht zitterte, sie auf die sanfteste und gefälligste Art, so gut er konnte, zu entlassen. Vincenzio Romoli, der über und über zitterte, hörte nicht auf zu räuchern; ich fürchtete mich so sehr als die andern, ließ mich es aber nur weniger merken und sprach ihnen allen Mut zu. Gewiß, ich war halbtot, als ich den Nekromanten in so großer Angst sah. Das Kind hatte den Kopf zwischen die Knie gesteckt und sagte: So will ich sterben! denn wir kommen um, alle zusammen! Da sagte ich zum Knaben: Diese Kreaturen sind alle unter uns, und was du siehst, ist Rauch und Schatten. Hebe nur die Augen ohne Furcht auf! Das Kind blickte hin und sagte von neuem: Das ganze Kolisee brennt, und das Feuer kömmt auf uns los. Es hielt die Hände vors Gesicht, rief: es sei tot und wollte nichts mehr sehen! Der Nekromant empfahl sich mir, bat, ich möchte nur festhalten und stark mit Zaffetika räuchern. Ich wendete mich zu Vincenzio und sagte: er möge schnell Zaffetika ausstreuen! Indem so betrachtete ich den Agnolino, der so erschrocken war, daß ihm die Augen in die Quere stunden und er halbtot schien. Agnolo! rief ich, hier ist nicht Zeit, sich zu fürchten; mache dir was zu tun, rühre dich und streue schnell die Zaffetika! Agnolo, indem er sich bewegen wollte, verunreinigte sich mit so heftigem Getöse, daß die Kraft der Zaffetika nur gering dagegen war. Das Kind erhob bei diesem Schall und Gestank ein wenig das Gesicht, und da es mich lächeln sah, erholte es sich ein wenig von seiner Furcht und sagte: sie zögen sich mit Macht zurück.

So blieben wir, bis die Morgenglocke zu läuten anfing und das Kind sagte: nur wenige seien noch übrig geblieben, und sie stünden von ferne. Der Nekromant vollbrachte nun seine Zeremonien, zog sich aus, nahm seinen großen Pack Bücher zusammen, und wir verließen mit ihm auf einmal den Kreis: einer drückte sich an den andern, besonders hatte sich das Kind in die Mitte gedrängt, indem es den Nekromanten bei der Weste und mich beim Überkleid hielt. Beständig, bis wir zu unsern Häusern unter den Bänken gelangt waren, versicherte es uns: zwei von denen, die es im Kolisee gesehen habe, spazierten mit großen Sprüngen vor uns her und liefen bald über die Dächer, bald über die Straßen. Der Nekromant sagte: sooft er auch schon in dem Kreis gewesen, sei ihm doch niemals so etwas Außerordentliches begegnet; er bat mich, daß ich ihm beistehen sollte, ein Buch zu weihen, das uns unendliche Reichtümer bringen sollte, denn die Teufel müßten uns die Schätze zeigen, deren die Erde voll sei, und auf diese Weise müßten wir die reichsten Leute werden. Die Liebeshändel seien Eitelkeit und Narrheit, wobei nichts herauskomme. Ich versetzte darauf, daß ich ihm gerne beistehen wollte, wenn ich nur Latein verstünde; er aber versicherte mich, daß mir das Latein gar nichts helfen könne: er habe gar manchen vortrefflichen Lateiner angetroffen, aber niemand von so gesetztem Gemüt wie mich, und ich solle mich nur nach seinem Rate halten. So kamen wir nach Hause und träumten die folgende Nacht alle von Teufeln.

Sobald der Nekromant des Tages darauf mich wiedersah, sprach er mir zu, ich möchte doch auf jenes Unternehmen eingehen. Darauf fragte ich ihn: wieviel Zeit wir dazu brauchen würden, und an welchen Ort wir zu gehen hätten? Er sagte mir: in weniger als einem Monat würden wir fertig sein, und der geschickteste Ort wäre in den Bergen von Norcia. Zwar habe sein Meister auch hier in der Nähe, in den Gebirgen der Abtei Farfa, eine solche Weihe vorgenommen, es hätten sich aber doch solche Schwierigkeiten gefunden, die in den Bergen von Norcia wegfielen; auch seien die Bauern daselbst in der Nachbarschaft zuverlässige Leute, nicht ganz unerfahren in diesen Dingen, und könnten uns im Notfall wichtige Dienste leisten.

So überredete mich der Priester-Nekromant um so leichter, als ich zu solchen Dingen schon geneigt war; aber ich sagte ihm: ich wollte zuerst die Medaille für den Papst fertigmachen; denn er und niemand anders wußte um diese geheime Arbeit. Auch fragte ich ihn immer, ob ich nicht in der bestimmten Zeit meine Sizilianerin sehen würde? denn der Termin kam näher heran, und es schien mir wunderbar, als ich nichts von ihr hörte. Der Nekromant versicherte mich, daß ich gewiß mit ihr zusammentreffen würde, denn jene hielten Wort, wenn sie auf solche Weise versprächen. Ich sollte aber aufmerken und mich vor Händeln in acht nehmen, die sich dabei ereignen könnten; ich sollte lieber etwas gegen meine Natur erdulden, denn es läge eine große Gefahr nicht weit. Es wäre besser für mich, wenn ich mit ihm ginge, das Buch zu weihen: auf diese Weise würde die Gefahr vorbeigehen, und wir würden beide die glücklichsten Menschen werden.

Ich fing an, mehr Lust zu empfinden als er selbst, und sagte zu ihm: es sei nur eben jetzt ein gewisser Meister nach Rom gekommen, namens Johann da Castello, ein Bologneser, ein trefflicher Mann, Medaillen in Stahl zu schneiden, wie ich sie auch machte, und ich wünschte nichts mehr, als mit ihm in die Wette zu arbeiten, mich auch so der Welt zu zeigen und mit einem solchen Talente lieber als mit dem Schwerte meine Feinde zu erlegen. Ich mochte aber sagen, was ich wollte, so hörte doch der Priester nicht auf, mir anzuliegen, und sagte: Mein Benvenuto! komm mit mir, fliehe die große Gefahr, die dir bevorsteht! Ich hatte mir aber ein- für allemal vorgenommen, meine Medaille zu endigen. Der Monat war bald verlaufen, und ich war in meine Arbeit so verliebt, daß ich weder an Angelika noch an irgend etwas anderes dachte.

Eines Abends hatte ich mich zur ungewöhnlichen Zeit von meinem Hause nach meiner Werkstatt begeben, woselbst Felix, mein Geselle, alle Arbeiten besorgte; ich blieb nur einen Augenblick dort, denn ich erinnerte mich, daß ich mit Herrn Alexander del Bene etwas zu reden hatte. Da machte ich mich auf, und als ich unter die Bänke kam, begegnete mir ein sehr guter Freund, Herr Benedetto; er war Notar, von Florenz gebürtig, Sohn eines Blinden, der in den Kirchen betete, eines Sanesers. Dieser Benedetto war lange in Neapel gewesen, hatte sich darauf in Rom niedergelassen und besorgte die Geschäfte gewisser Handelsleute von Siena. Mein Geselle hatte ihn öfters gemahnt, denn er war ihm Geld für einige anvertraute Ringe schuldig; an ebendem Tage waren sie einander wieder begegnet, und Felix hatte nach seiner Gewohnheit das Geld auf eine etwas rauhe Art verlangt, und zwar in Gegenwart der Herren des Benedetto, die zufällig dabei standen. Da sie vernahmen, wie sich die Sache verhalte, schalten sie ihren Faktor tüchtig aus und sagten: sie würden sich eines andern bedienen, denn dergleichen Händel wollten sie nicht haben. Benedetto entschuldigte sich, so gut er konnte, und behauptete, er habe den Goldschmied bezahlt, sagte aber dabei: er sei nicht imstande, die Tollheit eines jeden Wahnsinnigen zu bändigen. Diese Herren nahmen sein Betragen übel und jagten ihn sogleich weg. Darauf eilte er wütend nach meiner Werkstatt, vielleicht um gedachtem Felix Verdruß zu machen. Nun begab sichs, daß wir uns grade in der Mitte von den Bänken begegneten, und ich, der von nichts wußte, grüßte ihn aufs freundlichste; er aber antwortete mir mit vielen groben Worten. Da erinnerte ich mich sogleich an alles, was mir der Nekromant gesagt hatte, und hielt an mich, was ich konnte, um dasjenige nicht zu tun, wozu seine Worte mich nötigten. Herr Benedetto! sagte ich, Bruder! entrüstet Euch nicht gegen mich! Habe ich Euch doch nichts zuleide getan, weiß ich doch nichts von dem Vorfall! Habt Ihr was mit Felix zu tun, so geht doch, ich bitte Euch, und machts mit ihm aus, er weiß am besten, was zu antworten ist. Ihr tut mir unrecht, da ich nichts davon weiß, mich dergestalt anzugreifen, um so mehr, da Ihr wißt, daß ich der Mann nicht bin, Beleidigungen zu erdulden.

Darauf antwortete Benedetto: ich wisse um alles, er sei der Mann, mit mir schon fertig zu werden, Felix und ich seien zwei große Lumpen.

Schon hatten sich viele Leute versammelt, diesen Streit anzuhören, und, gezwungen durch seine groben Worte, bückte ich mich schnell zur Erde, nahm eine Handvoll Kot (denn es hatte geregnet) und holte aus, ihn ins Gesicht zu treffen; aber er bückte sich, und ich traf ihn mitten auf den Schädel. In dem Kote stak ein frischer Stein mit vielen scharfen Ecken, und mein Mann fiel ohnmächtig für tot auf die Erde, und jedermann, der das Blut so stark herabrieseln sah, hielt ihn wirklich für tot. Inzwischen daß einige Anstalt machten, ihn wegzutragen, kam Pompeo, der Juwelier, dessen ich schon öfters erwähnt habe, und als er diesen Mann so übel zugerichtet sah, fragte er: wer ihn geliefert habe? Man sagte: Benvenuto! aber diese Bestie habe es an ihn gebracht. Sobald Pompeo zum Papst kam (denn er ging wegen einiger Geschäfte dahin) sagte er: Heiligster Vater! eben hat Benvenuto den Tobias erschlagen, ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen. Da wurde der Papst wütend und sagte zum Gouverneur, der eben gegenwärtig war: er solle mich sahen und am Orte, da der Totschlag geschehen sei, sogleich aufhängen lassen.

Ich aber, da ich diesen Unglücklichen auf der Erde sah, dachte sogleich, mich zu retten, denn ich betrachtete die Macht meiner Feinde und was mir bei dieser Gelegenheit gefährlich werden konnte. Ich flüchtete mich in das Haus des Herrn Johann Gaddi, um mich so geschwind als möglich mit Gott davonzumachen. Herr Johannes riet mir, ich sollte nicht so eilig sein, manchmal sei das Übel so groß nicht, als man glaube. Er ließ Herrn Hannibal Caro rufen, der bei ihm wohnte, und ersuchte ihn hinzugehen, um sich nach der Sache zu erkundigen. Indessen erschien ein römischer Edelmann aus dem Gefolge des Kardinal Medicis, rief mich und den Herrn Johannes beiseite und sagte: sein Herr schicke ihn her, der selbst die Worte des Papstes gehört habe. Es sei kein Mittel, mir zu helfen, wenn ich dieser ersten Wut nicht entränne; ich solle mich ja auf kein Haus in Rom verlassen! Der Edelmann entfernte sich sogleich, und Herr Johannes sah mich mit tränenden Augen an und rief: Wie traurig, daß ich kein Mittel habe, dir zu helfen! Darauf sagte ich: Mit der Hülfe Gottes will ich mir schon selbst helfen, nur bitte ich Euch, dient mir mit einem Eurer Pferde.

Sogleich ließ er mir ein türkisches Pferd satteln, das schönste und beste, das in Rom war. Ich bestieg es und nahm eine Büchse vor mich, um mich im Falle zu verteidigen. Da ich nach Ponte Sisto kam, fand ich die sämtlichen Häscher zu Pferde und zu Fuß; ich mußte aus der Not eine Tugend machen: herzhaft frischte ich mein Pferd gelind an, und mit Gottes Hülfe, der ihre Augen verblendet hatte, kam ich frei durch, und so schnell ich konnte, eilte ich nach Palombara zu Herrn Savelli und schickte von da das Pferd an Herrn Johannes zurück, ohne ihm jedoch wissen zu lassen, wo ich mich befände. Herr Savelli bewirtete mich zwei Tage aufs freundlichste; dann riet er mir, ich solle mich aufmachen und auf Neapel zugehen, bis die erste Hitze vorüber sei. Er ließ mich begleiten und auf die neapolitanische Straße bringen. Auf derselben fand ich einen Bildhauer, meinen Freund, der Solosmeo hieß und nach San Germano ging, um das Grab Peters von Medicis auf Monte Cassino fertig zu machen. Er sagte mir, daß noch selbigen Abend Papst Clemens einen seiner Kämmerer geschickt habe, um nachfragen zu lassen: wie sich gedachter Tobias befinde? Der Abgeordnete habe diesen Mann bei der Arbeit angetroffen, dem nichts begegnet war und der auch von nichts wußte. Als dieses dem Papst hinterbracht wurde, wendete er sich zu Pompeo und sagte: Du bist ein schlechter Mensch! aber ich versichre dir, du hast eine Schlange gekneipt, die dich beißen und dir dein Recht antun wird! Dann sprach er mit dem Kardinal Medicis und trug ihm auf, daß er ein wenig nach mir sehen solle; denn um alles wollte er mich nicht verlieren. Wir aber ritten singend auf Monte Cassino.

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