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Leben des Benvenuto Cellini

: Leben des Benvenuto Cellini - Kapitel 13
Quellenangabe
typeautobio
authorBenvenuto Cellini
titleLeben des Benvenuto Cellini
publisherInsel Verlag
editorJohann Wolfgang von Goethe
translatorJohann Wolfgang von Goethe
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Zwölftes Kapitel

Geschichte eines Goldschmieds von Mailand, der zu Parma als falscher Münzer zum Tode verdammt war und durch den Kardinal Salviati, Legaten dieser Stadt, gerettet wurde. – Der Kardinal sendet ihn nach Rom als einen geschickten Künstler, der dem Autor das Gegengewicht halten könne. – Tobias wird von dem Papst in Arbeit gesetzt, welches dem Autor sehr unangenehm ist. – Pompeo von Mailand verleumdet ihn; er verliert seine Stelle bei der Münze. – Er wird verhaftet, weil er den Kelch nicht ausliefern will, und vor den Gouverneur von Rom gebracht. – Sonderbare Unterhaltung zwischen ihm und dieser Magistratsperson. – Der Gouverneur, durch einen Kunstgriff, überredet ihn, den Kelch dem Papste auszuliefern, der ihn dem Autor zurückschickt mit Befehl, das Werk fortzusetzen.

Um diese Zeit ward Kardinal Salviati, der mich so sehr anfeindete, zum Legaten von Parma erwählt, und daselbst wurde eben ein mailändischer Goldschmied, Tobias genannt, als ein falscher Münzer eingezogen. Man hatte ihn zum Strick und Feuer verdammt, als der Kardinal, der davon hörte, sich diesen trefflichen Mann vorstellen ließ. Der Legat verschob darauf die Vollziehung, schrieb den Vorfall an den Papst, rühmte gedachten Tobias als den ersten Goldschmied von der Welt und gab ihm das Zeugnis, er sei ein einfältiger, guter Mann, der durch seinen Beichtvater, den er um Rat gefragt und der ihm diese Handlung erlaubt, eigentlich falsch geführt worden sei. Sodann könne der Papst, wenn er einen so geschickten Mann nach Rom zöge, den Stolz des Benvenuto am besten demütigen.

Der Papst ließ gedachten Tobias sogleich kommen, und nachdem er uns beide vor sich berufen hatte, trug er uns auf, eine Zeichnung zu machen, wie das Horn eines Einhorns am besten gefaßt werden könnte. Er besaß ein solches von der größten Schönheit, es war für siebzehntausend Kammerdukaten verkauft worden. Er wollte es dem Könige Franz von Frankreich schenken, aber vorher reich mit Golde verzieren lassen.

Wir trugen beide unsere Zeichnungen, sobald sie fertig waren, zum Papste. Tobias hatte eine Art Leuchter vorgestellt, in welchen das Horn als eine Kerze eingesteckt werden sollte; statt der Füße des Leuchters waren vier Einhornsköpfchen angebracht. Ich konnte mich nicht enthalten, über diese schwache Erfindung auf eine bescheidene Weise zu lachen. Der Papst bemerkte es und sagte: Laß nun deine Zeichnung sehen! Ich hatte einen einzigen Einhornskopf vorgestellt, wozu ich teils die Bildung eines Pferdes, teils eines Hirsches genommen hatte; er war mit einer schönen Art von Schleier und andern gefälligen Zieraten bereichert. Darauf sollte das Horn eingepaßt werden. Jedermann, der diese Erfindung sah, gab ihr den Vorzug.

Aber leider waren einige Mailänder von großem Ansehn gegenwärtig, die dem Papst einredeten und vorstellten: er wolle ja das Werk nach Frankreich senden, die Franzosen seien rohe Leute und würden die Vortrefflichkeit der Arbeit des Benvenuto nicht einsehen, vielmehr würde ihnen die Art Kirchenputz der andern Zeichnung besser einleuchten, die auch geschwinder ins Werk gesetzt sein würde; mittlerweile könne Benvenuto sich an den Kelch halten, zwei Arbeiten würden auf einmal fertig, und Tobias wäre doch auch nicht umsonst berufen worden. Der Papst, der Verlangen hatte, seinen Kelch vollendet zu sehen, folgte dem Rat, gab jenem das Horn in Arbeit und ließ mir sagen: ich möchte den Kelch fertig machen. Darauf antwortete ich, daß ich in der Welt nichts mehr wünsche, und wenn er nur von einer andern Materie als von Gold war, so wollte ich ihn wohl ohne weitere Beihülfe zustande bringen. Darauf versetzte der pöbelhafte Hofmann: Verlange nur kein Gold vom Papst; denn er gerät sonst in den größten Zorn, und wehe dir danach! Ich antwortete darauf: Lehret mich ein wenig, mein Herr, wie man Brot ohne Mehl macht! Ohne Gold wird dieses Werk nicht fertig werden. Diese Worte verdrossen ihn; er drohte mir, dem Papst alles zu hinterbringen, und tat es auch. Der Papst brach in eine bestialische Wut aus und sagte: er wolle doch sehen, ob ich so toll sei, mich dieser Arbeit zu weigern. So gingen zwei Monate vorbei, in denen ich, ungeachtet meiner Drohung, mit großer Liebe gearbeitet hatte. Da der Papst sah, daß ich die Arbeit nicht brachte, ward er mir äußerst ungünstig und drohte, mich auf jede Weise zu züchtigen.

Eben war ein gewisser mailändischer Goldschmied gegenwärtig, mit Namen Pompeo und ein naher Verwandter eines gewissen Herrn Trajans, eines sehr begünstigten Dieners des Papstes. Beide sagten einstimmig: Wenn Eure Heiligkeit ihm die Münze nehmen, so wird ihm die Lust schon kommen, den Kelch zu endigen. Darauf versetzte der Papst: Es würden vielmehr daraus zwei Übel entstehen: ich würde bei der Münze übel bedient sein, und er würde den Kelch nicht mehr anrühren. Die beiden Mailänder ließen aber doch nicht ab und brachten es endlich dahin, daß er mir die Münze nahm und sie einem jungen Menschen von Perugia gab.

Pompeo kam selbst, mir im Namen Seiner Heiligkeit zu sagen, daß ich die Münze verloren habe, und wenn ich den Kelch nicht fertig machte, sollte ich noch andere Dinge verlieren. Ich antwortete: Sagt Seiner Heiligkeit, die Münze hat er sich, nicht mir genommen, und so wird es auch mit den andern Dingen gehen. Und sagt nur, wenn er mir die Münze auch wiedergeben wollte, würde ich sie nicht annehmen. Dieser abscheuliche, mißgünstige Mensch eilte, was er konnte, alles dem Papste wiederzusagen, wobei er gewiß von dem Seinigen hinzutat.

Nach acht Tagen schickte der Papst denselbigen Menschen zu mir und ließ mir sagen: er wolle nunmehr den Kelch nicht von mir geendigt haben, er verlange die Arbeit, so weit, wie sie gegenwärtig gekommen sei. Darauf antwortete ich: Das ist nicht wie mit der Münze, die er mir nehmen kann, wenn er will. Fünfhundert Scudi habe ich von ihm empfangen, und die will ich sogleich zurückzahlen; das Werk ist aber mein, und ich will damit nach Vergnügen schalten. Darauf sagte ich ihm noch einige beißende Worte, die sich auf ihn bezogen, und er eilte, dem Papst alles zu hinterbringen.

Nach Verlauf dreier Tage kamen zwei Kämmerlinge des Papstes zu mir, vornehme und von Seiner Heiligkeit sehr begünstigte Personen. Sie sagten zu mir: Benvenuto! du hast bisher gewagt, den Papst aufzuziehen, und willst keinen vernünftigen Vorstellungen Gehör geben. Höre nun: gibst du ihm sein Werk nicht heraus, so haben wir Befehl, dich ins Gefängnis zu führen! Darauf sah ich ihnen fröhlich ins Gesicht und sagte: Meine Herren! wenn ich dem Papste dies Werk gäbe, so gäbe ich ihm mein Werk und nicht das seinige, und ich habe nicht Lust, es herauszugeben; denn nachdem ich es mit Fleiß und Sorgfalt so weit geführt habe, will ich nicht, daß es etwa in die Hände einer unwissenden Bestie gerate, die es mit wenig Mühe verdürbe.

Es war bei dieser Unterredung auch jener Goldschmied Tobias gegenwärtig, der sich unterstand, von mir sogar die Modelle des Werks abzufordern; ich aber sagte ihm, was solch ein elender Mensch zu hören verdiente und was ich hier nicht wiederholen mag.

Da aber die beiden Herren in mich drangen und verlangten, ich solle mich eilig entschließen, sagte ich ihnen, daß ich schon entschlossen sei, nahm mein Überkleid, und ehe ich aus dem Laden ging, wendete ich mich mit großer Verehrung gegen ein Kruzifix und sagte mit der Mütze in der Hand: Gnädiger, unsterblicher, gerechter und heiliger Erlöser! Alles, was du tust und zulassest, geschieht nach deiner großen, unvergleichbaren Gerechtigkeit. Du weißt, daß ich ungefähr in das Lebensalter gelange, welches du auch erreicht hast, und ich habe bis hierher um keiner Ursache willen mich ins Gefängnis begeben müssen; ist es aber gegenwärtig dein Wille, daß ich diese Schmach erdulde, so danke ich dir auch dafür und übernehme sie geduldig. Darauf wendete ich mich zu den Kämmerlingen und sagte mit einem spottenden Lächeln: Meinesgleichen verdiente wohl keine geringern Häscher, als Ihr seid, meine Herren! So nehmt mich denn als Gefangenen in die Mitte und führt mich, wohin Ihr wollt!

Diese äußerst artigen und höflichen Männer begannen zu lachen, nahmen mich in die Mitte und führten mich unter gefälligen Gesprächen zum Gouverneur von Rom, der Magalotto hieß. Wir fanden bei ihm den Fiskal, sie hatten uns beide erwartet. Die beiden Herrn Kämmerlinge sagten lachend: Hier bringen wir Euch diesen Gefangenen, nehmt ihn wohl in acht! Wir haben uns genug erlustigt, indem wir Euren Leuten ins Amt greifen mußten, wie uns denn auch Benvenuto zu erkennen gab, daß er, da dies seine erste Gefangenschaft sei, durch Häscher unserer Art abgeführt werden müsse. Sie eilten darauf zum Papst und erzählten ihm alle Umstände. Anfangs wollte er in Zorn geraten, nachher tat er sich aber Gewalt an und lachte, denn es waren viele Herren und Kardinale gegenwärtig, die mich höchlich begünstigten.

Indessen beschäftigten sich der Gouverneur und der Fiskal mit mir; bald drohten sie, bald ermahnten sie, bald wollten sie mir raten. Sie sagten: es sei natürlich, daß, wenn einer von einem andern eine Arbeit machen lasse, so könne er sie auch nach seinem Belieben auf jede Weise wieder zurücknehmen. Dagegen versetzte ich, daß das keineswegs gerecht sei, und daß ein Papst das nicht tun könne; denn er sei nicht von der Art gewisser tyrannischer Herrchen, die ihrem Volk das Schlimmste, was sie nur können, anzutun fähig sind und weder Gesetz noch Gerechtigkeit beobachten; dergleichen Dinge könne aber der Statthalter Christi nicht verüben. Darauf sagte der Gouverneur mit gewissen häschermäßigen Gebärden und Worten, die ihm eigen waren: Benvenuto! Benvenuto! du gehst darauf aus, daß ich dich nach Verdienst behandeln soll. – So werdet Ihr mir alle Ehre und Höflichkeit widerfahren lassen! – Schicke sogleich nach der Arbeit und erwarte nicht das zweite Wort! Darauf sagte ich: Meine Herren! erlaubt mir, daß ich noch vier Worte für meine Sache vorbringe. Der Fiskal, der ein bescheidenerer Büttel als der Gouverneur war, wendete sich zu ihm und sagte: Gnädiger Herr! vergönnt ihm hundert Worte. Wenn er nur das Werk herausgibt, so haben wir genug. Darauf sagte ich: Wenn irgend jemand ein Gebäude aufmauern ließe, so könnte er zum Meister, der ihn schlecht bediente, mit Gerechtigkeit sagen: gib mir mein Haus, ich will nicht, daß du mir daran arbeiten sollst! er könnte ihm seine Arbeit bezahlen und ihn wegschicken. Auch wenn einer einen kostbaren Edelstein wollte fassen lassen und der Juwelier bediente ihn nicht nach seinem Willen, der könnte sagen: gib mir mein Juwel heraus, ich mag deine Arbeit nicht! Aber hier ist nicht von dieser Art die Rede, denn es ist weder ein Haus noch ein Edelstein, und mir kann man nichts weiter auferlegen, als daß ich die fünfhundert Scudi zurückgebe, die ich erhalten habe. Und so, gnädiger Herr, tut, was Ihr könnt, von mir erhaltet Ihr nichts als die fünfhundert Scudi, und das mögt Ihr dem Papst sagen! Eure Drohungen machen mir nicht die mindeste Furcht; ich bin ein ehrlicher Mann, und bei meinen Handlungen wird mir nicht bange.

Der Gouverneur und Fiskal standen auf und sagten mir, daß sie zum Papste gingen, und der Auftrag, mit dem sie wahrscheinlich wiederkämen, würde mir übel bekommen. So blieb ich verwahrt zurück, ging in einem Saal auf und ab, und sie verzogen fast drei Stunden. Indessen besuchten mich alle die vornehmsten florentinischen Kaufleute und baten mich inständig: ich solle nicht mit einem Papste rechten, denn das könne zu meinem völligen Verderben gereichen. Ich antwortete darauf, daß ich fest entschlossen sei und wisse, was ich zu tun habe.

Sobald der Gouverneur mit dem Fiskal zurückgekommen war, ließ er mich rufen und sagte: Der Auftrag, den ich vom Papste habe, tut mir selbst leid. Schaffe das Werk sogleich her oder erwarte, was dir begegnen kann! Darauf antwortete ich: Bis auf diese Stunde habe ich nicht geglaubt, daß der Statthalter Christi eine Ungerechtigkeit begehen könne, auch glaube ich es nicht, bis ich es sehe; tut daher, was Ihr nicht lassen könnt! Der Gouverneur versetzte nochmals: Ich habe dir vorerst noch zwei Worte vom Papste zu sagen, und dann werde ich meinen Auftrag vollbringen. Der Papst befiehlt, du sollst mir die Arbeit hierher bringen, sie soll vor meinen Augen in eine Schachtel gelegt und versiegelt werden, ich soll sie ihm hinbringen, und er verspricht bei Treue und Glauben, daß er sie nicht eröffnen, sondern sie dir sogleich zurückgeben will; aber so soll es sein um seiner eigenen Ehre willen. Darauf antwortete ich lächelnd: Herzlich gern will ich mein Werk auf diese Weise hingeben, denn ich möchte doch auch gern erfahren, wie Treu und Glaube eines Papstes beschaffen ist. So schickte ich nach meiner Arbeit, siegelte sie, wie ers verlangte, und gab sie hin.

Als der Gouverneur zum Papste zurückkam, nahm dieser die Schachtel, wie jener mir nachher selbst erzählte, wendete sie einigemal um und fragte sodann den Gouverneur: ob er die Arbeit gesehen habe? Darauf sagte dieser: ja! sie sei in seiner Gegenwart versiegelt worden, und versicherte dabei, die Arbeit habe ihm höchst bewundernswert geschienen. Darauf versetzte der Papst: Sage Benvenuto, die Päpste haben Gewalt, viel größere Dinge denn dieses zu lösen und zu binden. Und indem er dieses mit einigem Verdruß zu sagen schien, nahm er Siegel und Bindfaden weg und öffnete die Schachtel.

Nachdem er die Arbeit genugsam betrachtet hatte, zeigte er sie Tobias, dem Goldschmied, der sie sehr lobte und, als der Papst ihn fragte: ob er nunmehr, da er das Werk gesehen habe, ein ähnliches unternehmen wolle? mit: Ja! antwortete und vom Papste Befehl erhielt, sich ganz danach zu richten. Darauf wendete sich der Papst zum Gouverneur und sagte: Seht, ob Benvenuto Euch das Werk überlassen will! Bezahlt es ihm so hoch, als es ein Kenner schätzen mag; will er es selbst endigen und einen Termin setzen, so sucht, mit ihm übereinzukommen, und macht ihm die Bequemlichkeit, die er bedarf. Darauf sagte der Gouverneur: Heiliger Vater! ich kenne die fürchterliche Art dieses jungen Mannes, erlaubt mir, daß ich ihm nach meiner Weise zu Leibe gehe. Darauf erwiderte der Papst: mit Worten sollte er tun, was er wolle, ob dadurch gleich die Sache noch schlimmer werden würde; wenn er aber gar nicht mit mir fertig werden könnte, so sollte er mir befehlen, die fünfhundert Scudi an seinen Juwelier Pompeo zu bringen.

Der Gouverneur kam zurück, ließ mich in sein Zimmer rufen und sagte zu mir mit einem Häscherblick: Die Päpste haben Gewalt, die ganze Welt zu binden und zu lösen, und das wird sogleich im Himmel gutgeheißen. Hier ist dein Werk offen zurück, Seine Heiligkeit hat es gesehen. Darauf erhob ich die Stimme und rief: Nun weiß ich doch, wie Treue und Glaube der Päpste beschaffen ist! Darauf tat der Gouverneur einige ganz unvernünftige Ausfälle. Da er aber merkte, daß nichts auszurichten war, verzweifelte er an dem Unternehmen und sagte mit einer etwas sanftern Art: Benvenuto! es tut mir leid, daß du dein Bestes nicht einsehen willst; so gehe denn hin und bringe die fünfhundert Scudi dem Juwelier Pompeo. So trug ich mein Werk fort und brachte sogleich die fünfhundert Scudi an Ort und Stelle.

Nun hatte der Papst, begierig, den Faden meiner Knechtschaft wieder anzuknüpfen, gehofft, ich sollte nicht imstande sein, sogleich das Geld zu überliefern; als daher Pompeo lächelnd mit dem Gelde in der Hand vor ihn kam, schimpfte er und ärgerte sich, daß die Sache so abgelaufen war. Dann sagte er: Geh und suche Benvenuto in seiner Werkstatt auf, sage ihm, er soll mir das Werk zu einer Monstranz fertig machen, daß ich am Fronleichnam das Hochwürdige darin in Prozession tragen kann. Er soll alle mögliche Bequemlichkeit haben, nur soll er arbeiten! Pompeo kam zu mir, rief mich heraus und machte mir nach seiner Art die ungeschicktesten Eselskaressen und sagte mir die Worte des Papstes wieder. Darauf antwortete ich schnell: Ich kann mir keinen größern Schatz in der Welt wünschen, als wenn ich die Gnade eines so großen Papstes wiedererlange, die ich nicht durch meine Schuld verloren habe, sondern durch meine unglückliche Krankheit und durch die Bösartigkeit gewisser neidischer Menschen, denen es eine Freude macht, Böses zu stiften. Hat doch der Papst eine Menge Diener! er soll mir Euch nicht mehr schicken, um Eures Heils willen, und Ihr könnt Euch nur in acht nehmen. Ich aber werde Tag und Nacht an den Dienst des Papstes denken und alles tun, was ich vermag. Vergeßt nur nicht, was Ihr dem Papst über mich gesagt habt, und mischt Euch nicht in meine Angelegenheiten, denn Eure Fehler sollen Euch noch verdientermaßen gereuen! Alles dieses hinterbrachte der Mensch dem Papste auf eine bestialische Weise, und so blieb die Sache eine Weile: ich arbeitete in meiner Werkstatt und trieb meine Geschäfte. Tobias, der Goldschmied, hatte indessen jenes Einhorn garniert und die Verzierung nach seiner Art vollendet. Dann befahl ihm der Papst, er solle einen Kelch nach der Weise des meinen, den er gesehen hatte, sogleich anfangen, und ließ nach einiger Zeit sich die Arbeit zeigen, und als sie ihm mißfiel, war es ihm verdrießlich, mit mir gebrochen zu haben: er schalt auf die Werke des Tobias und auf alle, die ihn empfohlen hatten. Mehrmals schickte er mir darauf den Baccino della Croce und ließ mich wegen der Monstranz ermahnen. Ich antwortete: Seine Heiligkeit möchte mich nur so lange ausruhen lassen, bis ich mich von meiner Krankheit, von der ich noch nicht ganz geheilt sei, wieder erholt hätte; ich würde aber indessen doch zeigen, daß ich jede Stunde, in der ich zu arbeiten imstande sei, bloß Seinem Dienste widmen wolle. Denn ich hatte ihn heimlich porträtiert und arbeitete in meinem Hause an einer Medaille für ihn. In meiner Werkstatt aber hielt ich zu der Zeit einen Gesellen, der ehemals mein Lehrbursch gewesen war und sich Felix nannte.

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