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Leben des Amerikanischen Generals Friedrich Wilhelm von Steuben. Band I

Friedrich Kapp: Leben des Amerikanischen Generals Friedrich Wilhelm von Steuben. Band I - Kapitel 4
Quellenangabe
typebiographie
authorFriedrich Kapp
titleLeben des Amerikanischen Generals Friedrich Wilhelm von Steuben. Band I
publisherVerlag von Duncker & Humblot
year1858
correctorJosef Muehlgassner
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Zweites Kapitel

Der siebenjährige Krieg eröffnete nach einer für die damaligen politischen Verhältnisse langen Waffenruhe dem Talente einen weiten Spielraum zur Befriedigung seines Ehrgeizes und bot auch Steuben die ersehnte Gelegenheit zur Auszeichnung. Er war zwar anfangs in einer zu untergeordneten Stellung, als daß sein Name in den Kriegsberichten einen hervorragenden Platz einnähme, allein wir finden unsern Helden doch oft und ehrenvoll als einen jungen und talentvollen Offizier erwähnt, dem die Ausführung schwerer und verantwortlicher Befehle anvertraut wird. Sein Regiment, das während des Krieges als das ein und dreißigste aufgeführt wurde, gehörte anfangs zur Armee des Feldmarschalls Grafen Schwerin und that sich bei jeder Gelegenheit rühmlichst hervor. Steuben ward in den Reihen seines Regiments in der blutigen Schlacht bei Prag verwundet. Historisches Portefeuille IV. p. 447. Während der Schlacht bei Roßbach stand es in der Avantgarde der preußischen Armee und hatte einen wesentlichen Antheil am Ruhme dieses herrlichen Sieges. Noch in späteren Jahren erzählte Steuben seinen Amerikanischen Freunden mit großer Genugthuung, daß er in Roßbach auch mit ›dabei gewesen‹ und die Franzosen laufen gelehrt habe.

Zu Anfang des Jahres 1758 trat Steuben Schlözer's Staats-Anzeigen V. p. 59. unter Vorbehalt seines Avancement's im Regiment als Freiwilliger in das Frei-Bataillon des Generals von Mayr ein, eines der berühmtesten Parteigänger seiner Zeit, der ihn zu seinem General-Adjutanten erhob. Derartige Freicorps machten, ohne in einem regelmäßigen Corpsverband zu stehen, Streifzüge und Beute und mußten dem Feinde so viel als möglich zu schaden suchen. Deshalb schlugen sich zu ihnen am Liebsten junge und verwegene Leute, welchen die strenge und monotone Zucht der regulären Armee nicht behagte, sie fanden hier ein dankbares Feld für ihre Kraft und ihren Uebermuth. Johann von Mayr Pauli: Leben großer Helden, Biographie Johann von Mayr's 1759 III., 183-188 und K. W. v. Schöning: Die Generale der Kurbrandenburgischen und Königl. Preußischen Armee von 1640-1840. Berlin 1840, p. 93. war der classische Typus des militärischen Abenteurers und einer der unternehmendsten Soldaten seiner Zeit. Als unehelicher Sohn eines Grafen Stella in Wien 1716 geboren, erhielt er wenig oder gar keine Erziehung und vergeudete seine Jugend in Ausschweifungen und Liederlichkeit. Wie es scheint floh er, als falscher Spieler entdeckt, in seinem achtzehnten Jahre von Wien nach Ungarn, und wurde erst Musikant und dann Feldwebel im Regiment des Herzogs von Lothringen. Sein unbändiger persönlicher Muth und seine Geistesgegenwart in mehreren Gefechten des türkischen Krieges gewannen ihm die Liebe seiner Kameraden und die Achtung seiner Vorgesetzten. Er wurde bald zum Offizier befördert. In Prag im Jahre 1742 zum Gefangenen gemacht, tritt Mayr in die Armee des Feldmarschalls von Seckendorf, der ihn sofort als General-Adjutant in seine Begleitung aufnimmt. Anfangs ohne Erfolg, bietet er sich nach geschlossenem Frieden 1744 dem Kurfürsten von Sachsen an. »Seine Empfehlungen« – erzählt sein Biograph und Lobredner ganz naiv – »würden ihm nicht viel gefruchtet haben, wenn Mayr nicht einen geschwinden Ausweg gefunden hätte. Er sah mit hellen Augen, er verspielte an ein vielvermögendes Frauenzimmer 2000 Dukaten und erhielt im Februar 1745 die Bestallung eines Premier-Lieutenants«. Nach dem Frieden von Dresden geht er mit Erlaubniß des Kurfürsten zur österreichischen Armee des Grafen Bathyani in den Niederlanden, zeichnet sich bei allen Gelegenheiten aus, thut sich bei der Belagerung von Bergen op Zoom hervor und steigt bis zum Aachener Friedensschluß zum Major. Er kehrt bald darauf nach Dresden zurück, wird polnischer Oberst-Lieutenant, muß aber Sachsen im Jahre 1754 in Folge eines unglücklichen Duells verlassen. Auf dem Wege nach Rußland hält ihn Friedrich II. auf, nimmt ihn in seine Dienste und ernennt ihn beim Ausbruch des siebenjährigen Krieges zum Commandeur eines jener Frei-Bataillone, die der König ins Leben rief, um seine alten Regimenter nicht durch den täglichen Kampf mit irregulären Truppen, namentlich den Panduren, zu sehr anzustrengen und zu schwächen. Des Königs Scharfblick erkannte gleich den richtigen Mann, und der Erfolg bewährte die Zweckmäßigkeit der neuen Einrichtung. Mayr wurde bald der Schrecken des Feindes. Wo nur eine Gefahr zu überwinden oder ein schwieriges halsbrecherisches Manöver auszuführen war, konnte man ihn finden, ja er verdunkelte bald den Ruhm der gefürchteten Panduren. Seine Razzias in Franken v. Tempelhoff Geschichte des siebenjährigen Krieges II., 95-98., seine Ueberrumpelung mehrerer dortigen reichen Städte, wie Bamberg und Nürnberg, die Jagd, welche er auf die bei Roßbach geschlagenen Franzosen bis nach Erfurt machte, die Einnahme von Hof und die Plünderung der Gewehrfabriken in Suhl, der tapfre Widerstand, den er an der Elb-Linie mit geringeren Streitkräften dem Marschall Dann leistete, wofür ihn Friedrich zum General-Major ernannte, der bedeutende Antheil, den er an der Vertheidigung und Rettung von Dresden hatte und endlich seine Verfolgung der Oesterreicher bis in die Böhmischen Gebirge, Ebendaselbst p. 358. sind die hervorragendsten Thaten im Leben dieses merkwürdigen Soldaten, der in den ersten Tagen des Januar 1759 in Plauen starb Pauli, Leben großer Helden IV., 355. und deshalb hier etwas ausführlicher erwähnt werden mußte, weil Steuben Mayr's Corps während des ganzen Jahres 1758 angehörte und hier durch Praxis und tägliche Erfahrung die Führung und Verwendung der leichten Infanterie und der Plänkler kennen lernte.

Bei der Verfassung dieser Corps und ihrer Unabhängigkeit von dem großen Armeeverbande mußten die dazu gehörigen Offiziere Geist und schnellen Blick in der Auffassung und Ausführung eines Planes besitzen; denn sie waren gezwungen, bei jeder Gelegenheit auf eigene Verantwortlichkeit hin ihre Dispositionen zu machen. Sie fanden hier eine ausgezeichnete Schule, Angesichts der Gefahr und unvorhergesehener Schwierigkeiten, das Selbstvertrauen und die Schnelligkeit in der Entscheidung sich anzueignen, welche eine so wesentliche Eigenschaft eines guten Generals sind und auch in unseres Helden späterem Leben eine seiner hervorragendsten Charakterzüge bilden.

Wir finden die erste gedruckte Erwähnung Steubens in der Biographie des Generals von Mayr von Pauli, der unter den Offizieren, die unter dessen Commando gestanden, den Lieutenant Friedrich Wilhelm von Steuben, seinen Adjutanten vom Lestwitzschen Regimente, anführt und sagt, daß er ein geschickter und angenehmer Offizier sei. Ebendaselbst III., 184.

Nach Mayr's Tode trat Steuben wieder in die reguläre Armee ein und wurde zum General-Adjutanten des Generals von Hülsen Schloezer am angeführten Orte. ernannt, einer der besten Unterfeldherren des Königs. Hülsen gehörte damals zum Corps des Prinzen Heinrich in Sachsen und verließ Dresden am 5. Juni 1759 mit zehn Bataillonen Infanterie, vier Regimentern Cavallerie, im Ganzen etwa 9-10,000 Mann und stieß am 19. desselben Monats nahe bei Frankfurt a. O. zum General von Dohna. Durch diesen Marsch gelangte Steuben wieder in die Nähe des Regiments Lestwitz, welches in der Brigade Grabow, Division Manteuffel, während des Gefechtes bei Kay im ersten Treffen stand. In Folge der hier erlittenen Niederlage waren die Preußen nicht im Stande, die Vereinigung der russischen und österreichischen Armee zu verhindern, die sich 80,000 Mann stark, Frankfurt näherten und dort an der Oder verschanzten. Friedrich, der zum Schutze seiner alten Provinzen gegen Soltikow und Loudon, Wedell zu Hülfe geeilt war, griff sie bekanntlich bei Kunersdorf an und verlor diese blutigste aller Schlachten des siebenjährigen Krieges. Der König und beinahe alle preußischen Generale, darunter auch Hülsen, waren verwundet. Archenholtz, Geschichte des siebenjährigen Krieges. Fünfte Auflage. Band I. p. 258.

Es ist nicht gewiß, ob Steuben die Schlacht in den Reihen seines Regiments oder als Adjutant Hülsen's mitmachte; sein Name wird aber mit unter den Verwundeten genannt. Historisches Portefeuille am angeführten Orte. Pauli, Bd. V. p. 245 (nicht 445 wie verdruckt) 1760. Das Regiment Lestwitz deckte den Rückzug nach verlorener Schlacht; hier so wie bei den schwierigsten Angriffen hatte es so ausgezeichneten Muth und Tapferkeit bewiesen, daß der König beim Rückzuge in seinen Reihen blieb und jedem Gemeinen acht Groschen zur Belohnung auszahlen ließ. Kriele, Die Schlacht bei Kunersdorf p. 35 u. 103.

Von der Schlacht bei Kunersdorf an bis zum Sommer 1761 finden wir Steuben nirgend besonders erwähnt; es ist aber sehr wahrscheinlich, daß er den Rest des Jahres 1759 und 1760 hindurch bei der Armee des Prinzen Heinrich blieb und als Adjutant des Generals von Hülsen die Schlacht bei Liegnitz mitmachte. Er tritt zuerst wieder im September 1761 auf, wo der König aus dem befestigten Lager bei Bunzelwitz den General von Platen mit 7000 Mann nach Polen sandte, um den Russen in den Rücken zu fallen. Steuben war zu jener Zeit Generalstabs-Offizier und Adjutant des Generals von Knobloch, dessen Brigade einen Bestandtheil des Platenschen Corps bildete. Dieses marschirte am 11. September aus dem Lager ab, erstürmte und verbrannte am 15. September die Russische Wagenburg beim Kloster Golgowka bei Gostyn in Groß-Polen, schlug die 4000 Mann starke Bedeckung und zog mit 1900 Gefangenen nach Landsberg an der Warthe. Steubens Vater, damals Ingenieur vom Platze und zweiter Commandant in Cüstrin, hatte eine Brücke über diesen Fluß gebaut und dadurch den General Platen in den Stand gesetzt, ihn zu passiren. Es ist eine interessante Thatsache, daß Steuben, Vater und Sohn, an einem und demselben Punkte in einem so kritischen Augenblicke kriegerisch thätig waren, und daß der Eine als erfahrener Ingenieur-Offizier, der Andere als General-Adjutant wesentlich dazu beitrugen, daß das Platensche Corps glücklich über die Warthe kam. Beiträge zur Kriegskunst und Geschichte des Krieges von 1756-1763, mit Plan und Karten. Fünftes Stück von J. G. Tielke, Churfürstl. Sächsischem Artillerie-Hauptmann, Freiberg 1782, pag. 95. Platen wandte sich auf diesem großartigen Streifzuge nach Pommern, wo die Russen inzwischen mit großer Uebermacht erschienen waren, und eilte auf Befehl des Königs der vom Feinde bedrängten Festung Colberg zu Hülfe. Er vereinigte sich am 4. October mit dem dort kommandirenden Prinzen Friedrich von Würtemberg. Knobloch's Brigade, zu jener Zeit 2000 Mann stark, bei der Steuben zugetheilt war, wurde nach Treptow an der Rega gesandt, um die für Colberg bestimmten Zufuhren zu decken. General Knobloch war indessen seit dem 21. October in diesem offenen Orte so eng von 8000 Mann Russen eingeschlossen, daß er weder zurück in das Colberger Lager, noch zu dem Platenschen Corps gelangen konnte. Er ward beständig beschossen, und brach in Folge dessen an verschiedenen Orten der Stadt Feuer aus. Er hatte sich, so lange er Proviant und Munition gehabt, auf das Herzhafteste verteidigt; da er endlich aber hieran Mangel litt, so sah er sich genöthigt, am 24. October zu capitulieren und seinen Adjutanten Steuben mit den Capitulations-Vorschlägen hinauszusenden. Sie wurden angenommen, und auf Grund des Uebergabe-Vertrages zogen die preußischen Truppen mit klingendem Spiele aus und streckten das Gewehr erst am 25. October; Offiziere aber und Gemeine behielten ihre Equipage. Die Gefangenen bestanden aus dem General von Knobloch, drei Obersten, vier Majors, dreizehn Capitäns, dem Adjutanten von Steuben, im Ganzen aus acht und fünfzig Offizieren, zweitausend und sechs Unteroffizieren und Gemeinen. Beiträge zur Kriegskunst und Geschichte des Krieges von 1756-1763, mit Plan und Karten. Fünftes Stück von J. G. Tielke, Churfürstl. Sächsischem Artillerie-Hauptmann, Freiberg 1782, pag. 95.

In Folge dieser Capitulation wurde Steuben mit den übrigen Offizieren seiner Brigade als Kriegs-Gefangener nach Petersburg geführt. Da jedoch die Kaiserin Elisabeth bereits mit 3. Januar 1762 starb und Peter III. sofort nach ihrem Tode einen Waffenstillstand mit Friedrich II. schloß, so währte diese Gefangenschaft nur wenige Monate. Sie wurde aber dadurch für den letztern bedeutend und wichtig, daß die Preußischen Offiziere sich bei Peter, dem unbedingten Bewunderer Friedrich's, beliebt zu machen und dessen Vorliebe für den König so geschickt auszubeuten wußten, daß der junge Kaiser bald nach seiner Thronbesteigung ein Freundschaftsbündniß mit Preußen schloß und seine Truppen zum König stoßen ließ. Es wird namentlich von Steuben erwähnt, daß er in großer Gunst bei Peter gestanden und daß dieser ihn für den Russischen Dienst zu gewinnen gesucht hatte. Allein Steuben zog seine Stellung in der Preußischen Armee jeder andern vor und kehrte im April 1762 mit dem General Knobloch zurück. Der König schätzte den ihm von seinen Offizieren erwiesenen großen Dienst sehr hoch und, statt sich über ihre Gefangennehmung ungehalten zu zeigen oder sie seinen Unwillen fühlen zu lassen, belohnte er sie, wie es scheint, Alle durch Beförderungen. Steuben wenigstens wurde gleich nach seiner Rückkehr zum Stabs-Capitain und Flügel-Adjutanten ernannt und machte im Gefolge des Königs die berühmte Belagerung von Schweidnitz mit, dessen Uebergabe den glänzenden Schlußstein in den militairischen Operationen des siebenjährigen Krieges bildete.

Wilhelm North, einer der Adjutanten und intimen Freunde Steubens, giebt einen andern Grund für dies denselben auszeichnende Avancement an. So werthvoll auch sonst North's Berichte sind, so bezweifeln wir doch seine auf diesen Umstand bezüglichen Angaben deshalb sehr stark, weil er weder mit den Verhältnissen der Preußischen Armee, noch mit Steubens Stellung darin genau bekannt war und darum oft Personen und Begriffe verwechselte. Wir theilen darum seine Erzählung nur unter dieser Verwahrung mit.

»Steuben« – so sagt North – »hatte eine Zeitlang der militärischen Familie des Prinzen Heinrich angehört, von dem er stets mit der größten Liebe und Verehrung sprach. Während eines unglücklichen Feldzuges im siebenjährigen Kriege hatte sich der Prinz Es war dies der Prinz Wilhelm und nicht Prinz Heinrich. das Mißfallen seines heftigen Bruders zugezogen und erhielt den Befehl, sich von der Armee zurückzuziehen, während seine Adjutanten zu ihren Korps zurückgesandt oder zu mühsamerem Dienste kommandirt wurden, um sie das Unglück fühlen zu lassen, daß sie unter einem General gestanden hätten, der es gewagt hatte, dem König zu mißfallen. Steuben nun wurde nach Schlesien geschickt, um ein durch langen und beschwerlichen Dienst beinahe aufgeriebenes Corps innerhalb einer bestimmten Zeit zu rekrutiren und auszuexerziren. Die dafür angewiesenen Mittel standen in keinem Verhältnisse zur Aufgabe; aber wer in der Preußischen Armee hätte sich unterstanden, zu murren oder zu widersprechen? Mit Hülfe einiger Freunde wurden die nöthigen Gelder herbeigeschafft und das Regiment langte innerhalb der vorgeschriebenen Zeit vollständig im Haupt-Quartier an. Hoch erfreut über diese schnelle und eifrige Pflichterfüllung dankte der König Steuben und ernannte ihn bald darauf zu seinem Flügel-Adjutanten und zum Superintendenten des General-Quartiermeister-Departements.«

Steuben selbst sagt in einer seiner an den Kongreß gerichteten Denkschriften, daß er in den letzten Feldzügen des siebenjährigen Krieges Quartiermeister und Flügel-Adjutant des Königs war und daß er im Winter 1762-63 das Commando des Regiments von Salmuth, später Hessen-Kassel Steubens Manuscript-Papiere Band XIII. hatte. Diese Angabe ist ursprünglich französisch geschrieben: » il eut le commandement du régiment Salmuth aujourd'hui Hesse-Cassel.« Der Englische Uebersetzer machte daraus, daß Steuben Oberst des Regiments war, er selbst aber verbesserte die inkorrekte Uebersetzung und schrieb an den Rand, daß er das Regiment nur interimistisch kommandirt habe. Schlözer Schloezer am angeführten Orte. giebt an, daß Steuben beim Ende des Krieges Major und zeitweiliger Commandant der Festung Torgau gewesen; er selbst aber sagt nirgends, daß er diesen Posten bekleidet habe, obgleich er wiederholt und mit besonderer Vorliebe von seiner Verwendung im Dienste des Königs spricht. Dagegen ist es sehr wahrscheinlich, daß Steuben als Major Dienste that, ohne dazu ernannt zu sein.

Wie dem aber auch sein mag, soviel ist gewiß, daß es Steuben gelang, die Aufmerksamkeit des Königs auf sich zu ziehen und sich dessen Zuneigung zu erwerben. Uebrigens irrt Preuß, wenn er in seinem Leben des Königs (Band 3, Seite 149-150) Steuben unter den jungen Offizieren aufführt, »die Friedrich in die höchsten Geheimnisse der Kunst einweihte und zu dem ehrenvollen Berufe des General-Quartiermeister-Stabes ausbildete.« Beim Ende des Krieges aber verlieh der König Steuben ein Canonikat mit ein paar hundert Thalern jährlicher Einkünfte bei dem Domkapitel in Havelberg. Steubens Manuscript-Papiere Band XIII. – Da Friedrich in seiner oft an Geiz glänzenden Sparsamkeit seinen niederen Offizieren selten oder nie Belohnungen in Geld zu Theil werden ließ, so ist die Ausnahme, die er bei Steuben von der Regel machte, der beste Beweis dafür, daß er mit ihm zufrieden war. –

Unmittelbar nach dem Friedensschluß verließ Steuben die Preußische Armee. Nach Einigen fühlte er sich dadurch zurückgesetzt und in seinem Ehrgeiz gekränkt, daß ihn trotz seiner langjährigen Dienste der König blos als Compagnie-Chef und Capitain desselben Salmuthschen Regimentes, das er interimistisch commandirt hatte, nach Wesel versetzen wollte; Schloezer am angeführten Orte. nach Anderen soll er Streitigkeiten und ein Duell mit einem Grafen Anhalt, auch einem Flügel-Adjutanten des Königs, gehabt haben und in Folge dessen veranlaßt worden sein, seinen Abschied zu nehmen; Politisches Journal a. a. O. nach einer dritten Lesart endlich soll er sich in dem ruhigen und einförmigen Garnisonleben unbehaglich und unglücklich gefühlt haben. Der letztere dieser Grunde ist wohl der am Wenigsten stichhaltige, weil Steuben ja noch gar nicht in seine Garnison zurückgekehrt war und er selbst, abgesehen davon, nach einem siebenjährigen Kriegsleben, eine kurze Ruhe wohl gar nicht so sehr verabscheut haben würde. Steuben spricht nur einmal in dem bereits angeführten Briefe über diesen Abschnitt seines Lebens. Steuben's Manuscript-Papiere (Sprague). »Ich wurde gar bald« – sagt er – »von meinen Befehlshabern und endlich selbst von meinem einsichtsvollen Könige bemerkt und hervorgezogen. Des siebenjährigen Krieges darf ich mich nicht schämen, obgleich am Ende desselben ein unüberlegter Schritt und vielleicht ein unversöhnlicher Feind die Erwartung einer bessern Belohnung vereitelte. Kurz ich sah mich genöthigt den Preußischen Dienst zu verlassen.« Details giebt Steuben nicht; er deutet aber beide obigen Motive an, deren ersteres namentlich ganz in Einklang mit der rücksichtslosen Art und Weise steht, in welcher der König oft mit seinen Offizieren verfuhr. Zudem mußte die Armee auf den Friedensfuß gestellt werden; die Zahl der Offiziere war also unverhältnismäßig groß und unter allen Umständen zu beschränken. Steuben scheint sich mit Blücher in gleicher Lage befunden zu haben, und jene barsche Antwort: »der Rittmeister Blücher soll sich zum Teufel scheeren!« wurde vielleicht nur deshalb bekannter, weil Blücher den ihm gegebenen guten Rath nicht wörtlich befolgte, sondern vorzog, später Marschall zu werden. Auch York ging es einige Jahre später nicht viel besser; kurz innere und äußere Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß Steuben wegen vermeintlicher Zurücksetzung um seinen Abschied einkam, und daß vielleicht der erste Anlaß zum Zorn des Königs durch einen Streit und ein Duell mit dem Grafen Anhalt herbeigeführt wurde. Steuben ging gleich nach dem Frieden für eine kurze Zeit nach Halle und Dessau, gab sich für krank aus und bat um seinen Abschied, der ihm übrigens nicht sofort vom Könige bewilligt wurde. Er beabsichtigte, wie er selbst sagt, einem glänzenden Antrage von Turin Steuben's Manuscript-Papiere Band XIII. zu folgen und in die Sardinische Armee einzutreten. Er knüpfte zu dem Ende wirklich Unterhandlungen an In der Zwischenzeit machte er eine Reise nach Hamburg, wo er zuerst mit dem damals in Dänischen Diensten stehenden Grafen St. Germain bekannt wurde. Steuben's Manuscript-Papiere Band XIII. Im Mai 1764 ging er angeblich zur Wiederherstellung seiner Gesundheit mit dem Prinzen Friedrich von Würtemberg in's Wildbad nach Schwaben und erhielt hier die von ihm nachgesuchte Entlassung. Er lernte hier den Fürsten Hohenzollern-Hechingen kennen, der ihm die Sardinischen Pläne ausredete und ihn auf Empfehlung der Prinzessin von Würtemberg und auf ein sehr verbindliches Schreiben des Prinzen Heinrich von Preußen als Hofmarschall in seine Dienste nahm. Politisches Journal a. a. O.

Steuben blieb, wie es scheint, etwa zehn Jahre in dieser Stellung und erwarb sich darin die allgemeine Liebe und Hochachtung Aller, die mit ihm in Berührung kamen. Die Schilderungen, welche seine Zeitgenossen von ihm machen, sind für ihn rühmlich und ehrenvoll. »Er stand seinem Amte« – sagt ein Augenzeuge Politisches Journal a. a. O. – »mit allen jenem Anstande, jener Ordnung und Geschäftigkeit vor, die es erfordert, erwarb sich das vollkommene Vertrauen des Fürsten, machte sich sowohl an seinem als an den benachbarten Höfen viele Freunde, war liebreich und herablassend gegen Niedere, streng und genau mit seinen Untergebenen, wenn es auf Handhabung der Ordnung und Erfüllung ihrer Pflichten ankam, ohne deswegen zu tyrannisiren. Er war dienstfertig und menschenfreundlich, suchte seinem Herrn jeden Verdruß zu ersparen, indem er, was dessen Zorn hätte erregen können, in der Stille beilegte und lieber bat und ermahnte, ehe er strafte.«

Es gehörte mit zu Steubens dienstlichen Pflichten, daß er den Fürsten auf den Besuchen begleitete, die dieser bei den verschiedenen deutschen und ausländischen Höfen abstattete. So machte er im Jahre 1781 eine mehrere Jahre dauernde Reise nach Frankreich, welche ihm zu Bekanntschaften mit Ministern und Generälen verhalf und in der dadurch von größter Wichtigkeit für ihn wurde, daß ihre Empfehlungen sein ganzes Leben in eine andere Bahn lenkten. Die Annehmlichkeiten seiner gegenwärtigen Stellung im Vergleich zu den Entbehrungen und Beschwerden seines früheren Dienstes behagten ihm so sehr, daß er alle Gedanken an eine Rückkehr zu seinem ursprünglichen Berufe aufgegeben zu haben schien. Er lehnte deshalb auch die 1766 und 1769 Seitens des Deutschen Kaisers durch dessen General von Ried ihm gestellten günstigen Anträge auf Eintritt in dessen Armee ab, weil er sich des › otium cum dignitate‹ in Hechingen oder auf seinem kleinen, in dessen Nähe befindlichen Landsitze Weilheim erfreute. Es ist also höchst wahrscheinlich, daß Steuben den Rest seines Lebens in anspruchsloser Zurückgezogenheit verbracht haben würde, wenn er sich nicht nach seiner Rückkehr von Frankreich den Haß einiger katholischen Geistlichen und Hofleute zugezogen hätte. Was der Grund ihrer Erbitterung war, ist in unseren Quellen nicht gesagt. Es gelang aber ihren Intriguen und Verläumdungen, ihn vom Hofe zu vertreiben und auch, wenn freilich nur vorübergehend, den Fürsten gegen ihn einzunehmen. Daß nur eine gewöhnliche Hofkabale und keine ernstliche Veranlassung Steuben zur Niederlegung seines Amtes bestimmte, geht schon aus dem Umstande hervor, daß er nach wie vor mit dem Fürsten befreundet blieb und selbst von Amerika aus noch in brieflichem Verkehr mit ihm stand.

Steuben wandte sich also nach Karlsruhe zum Markgrafen Karl Friedrich von Baden, der ihm bereits am 28. Mai 1769 seinen Hausorden de la fidélité verliehen hatte. Dieser Orden war am 17. Juni 1715 vom Markgrafen Karl gestiftet worden und durfte nie mehr als dreißig Ritter zählen. Nach §. 5 seiner Statuten konnte er nur solchen adeligen Personen verliehen werden, die einen untadelhaften Stammbaum und auch sonst nicht den leisesten Vorwurf gegen sich hatten. Von 1715-1769 waren 167 Ritter ernannt worden, Steuben ist unter Nr. 168 als Baron Friedrich Wilhelm August Heinrich Ferdinand und Hofmarschall des Fürsten von Hohenzollern-Hechingen aufgeführt.

Steuben sagt in einer seiner an den Kongreß gerichteten Eingaben, daß der Markgraf von Baden ihn zum General ernannt und mit dieser Stellung ein Gehalt von 2000 Fl. verbunden habe. Aus den von uns eingesehenen Badischen Hofkalendern jener Zeit geht diese Thatsache übrigens nicht hervor, sie ist schon deshalb unwahrscheinlich, weil es zu jener Zeit gar keinen Badischen General gab und weil die höchste militärische Würde des Ländchens ein Gardeobrist bekleidete. Steuben wird selbst im Hofkalender von 1777 nur als Ritter des obigen Ordens und ehemaliger Hechingischer Hofmarschall aufgeführt. Wir werden später die Gründe berühren, die höchst wahrscheinlich jene Angabe veranlaßten. Dagegen steht es unzweifelhaft fest, daß Steuben Obrist der Reichstruppen des schwäbischen Kreises war, welcher Ehrenposten selbstredend keine oder nur sehr geringe Dienstleistungen bei den alljährlichen Musterungen verlangte.

Für einen Mann wie Steuben, der sein ganzes Leben hindurch thätig gewesen war und in seinem Berufe volle Befriedigung gefunden hatte, konnte das müßige Treiben am Hofe in Karlsruhe und Durlach keinen großen Reiz haben. Er suchte die Einförmigkeit seines Daseins durch gelegentliche Reisen und Ausflüge zu unterbrechen. So hielt er sich u. a. einige Zeit bei einem Herrn von Waldner im Elsaß auf und erneuerte hier seine in Hamburg mit dem Grafen St. Germain gemachte Bekanntschaft. Steuben's Manuscript-Papiere Band XIII. Den Winter des Jahres 1775 brachte er in Montpellier im südlichen Frankreich zu. Hier lernte er den Prinzen Montbarey, den späteren Nachfolger St. Germain's im Französischen Kriegsministerium, so wie einzelne vornehme Engländer kennen, wie die Earls Spencer und Warwick, die in ein höchst freundschaftliches Verhältniß zu ihm traten und ihn dringend zu einem Besuche auf ihren Gütern in England einluden. Steuben's Manuscript-Papiere Band XIII.

Nach seiner Rückkehr nach Carlsruhe scheint sich Steuben, der ihm aufgezwungenen Unthätigkeit müde, eifriger als je nach dem Wiedereintritt in aktiven Dienst gesehnt zu haben, da die Stille und Enge des kleinen Hoflebens ihm nicht mehr behagte und er sich noch kräftig genug fühlte, als Soldat etwas Tüchtiges zu leisten. Zu jener Zeit befürchtete ganz Europa den baldigen Ausbruch eines heftigen Krieges, der freilich ein paar Jahre später als Bayrischer Erbfolgekrieg keineswegs den allgemein gehegten Erwartungen entsprach; allein es bot sich dem tüchtigen Offizier wenigstens eine glänzende Aussicht auf Befriedigung seines Ehrgeizes, und auch Steuben beschloß, dieselbe nicht ungenutzt vorüber gehen zu lassen. Seine Bemühungen erwiesen sich indessen als vergeblich. Die Preußischen Offiziere jener Zeit waren so sehr von ihrer Vorzüglichkeit und Ueberlegenheit über alle anderen Offizierkorps überzeugt, daß sie gewöhnlich einen höhern Rang beanspruchten, als sie unter Friedrich dem Großen bekleidet hatten und daß sie deshalb häufig Anerbietungen fremder Mächte verwarfen, die zwar gern die Kenntnisse und Erfahrungen der Fremden benutzen, allein ihre eigenen Offiziere durch Bevorzugung jener nicht vor den Kopf stoßen wollten. Diesem Umstande ist auch offenbar das Scheitern von Steuben's Plänen zuzuschreiben. Er trat in Unterhandlungen mit Oestreich; allein sie zerschlugen sich bald. Er wünschte, wie es scheint, als Obrist in die Dienste des Kaisers zu treten. Da er indessen in Preußen nur Capitain gewesen, so stellten sich der Verwirklichung dieses Wunsches große Schwierigkeiten in den Weg. In Bezug auf diese Angelegenheit findet sich in den Papieren Steuben's ein vom bekannten Prinzen Ligne herrührender Brief, der zwar nur den 4. April als Datum trägt, allein im Jahre 1777 geschrieben sein muß, weil er auf die beabsichtigte Reise des Kaisers Joseph durch das westliche Deutschland anspielt, welches dieser bekanntlich auf seinem Wege nach Paris im Jahr 1777 zum ersten Mal berührte. –

»Noch ehe Sie, mein theurer Baron« – schreibt Ligne – »daran dachten, in unsere Dienste zu treten, hoffte ich Sie für uns zu gewinnen, da ich Sie über Kriegs-Angelegenheiten mit dem Talente sprechen hörte, welches den Schüler des Helden auszeichnet, von dem Sie so viel gelernt haben. Ganz abgesehen von jeder persönlichen Genugthuung, würde ich uns für sehr glücklich gehalten haben, wenn wir Sie unter uns hätten haben können.« »Es sollte mich sehr freuen, wenn Sie beim Kaiser, sobald er durch Ihre Provinz reist, eine Audienz nachsuchen wollten, denn ich bin gewiß, daß Sie auf ihn denselben günstigen Eindruck machen werden wie auf mich. – Ohne diese persönliche Vorstellung dürfte es schwer für Sie halten, in unsern Dienst zu treten. Ich habe so eben vom Feldmarschall Lasch einen Brief erhalten. Ich hatte mir als eine besondere Gunst von ihm eine Stelle für einen ganz ausgezeichneten Obristen gebeten; allein er schreibt mir, daß ich gar nicht daran denken soll, da es ihm unmöglich ist. Nur mit dem größten Bedauern theile ich Ihnen, mein theurer Baron, diese Nachricht mit. – Wenn wir einen Krieg hätten, so könnte ich mich mehr in unserm, als in Ihrem Interesse bemühen, daß Ihre Talente nicht länger brach liegen.«

Auch General Ried, der eben erwähnte persönliche Freund Steuben's, drang in diesen, dem Kaiser bei seiner Durchreise durch Stuttgart seine Aufwartung zu machen und versicherte ihn, daß aller Wahrscheinlichkeit nach Joseph ihn zum Eintritt in seine Dienste einladen würde. Steuben's Manuscript-Papiere Band X. Es scheint indessen, daß Steuben, durch den Brief Ligne's wenig ermuthigt, auf Ried's Vorschlag nicht einging und daß er vorläufig alle Pläne des Wiedereintritts in aktiven Dienst aufgab. Trotz aller aufgewandten Mühe war es unmöglich, bisher ungedrucktes Material in Hechingen und Carlsruhe über Steuben's Aufenthalt daselbst aufzutreiben. Die Nachforschungen in den Hechinger und Sigmaringer Archiven ergaben gar kein Resultat. Mein höchst zuverlässiger Berichterstatter sagt, daß die Hohenzollernschen Archivalien früher so sehr vernachlässigt worden, daß die etwa vorhanden gewesenen Aktenstücke längst eine Beute des Moders geworden sein müßten. Dagegen verdanke ich einem dort garnisonirenden Preußischen Offiziere durch freundliche Vermittelung eines Newyorker Bekannten, denen ich Beiden auf diesem Wege meinen verbindlichsten Dank abstatte, eine Abschrift des am 4. Juli 1779 von Steuben an den Kanzler von Frank geschriebenen Briefes, der auch in Schloezer's Briefwechsel Heft 42, S. 327-337 (Band VII.), indessen ohne die betreffenden Namen abgedruckt ist. Die mir gesandte Copie dagegen enthält alle Hauptnamen, also eine wesentliche Bereicherung. In den Carlsruher Archiven, wo mein alter Universitätsfreund Heinrich Goll für mich nachforschte, fand sich nichts als ein paar alte Hofkalender von 1773-1777 und außer der im Text angegebenen nicht einmal eine Erwähnung von Steuben. Das vollständige Verzeichnis der Ritter des Ordens de la fidelité gab mir Herr M. M. Jones in Utica im Staate New-York, der es von einem alten Bedienten Steuben's erhalten hatte.

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