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Leben des Amerikanischen Generals Friedrich Wilhelm von Steuben. Band I

Friedrich Kapp: Leben des Amerikanischen Generals Friedrich Wilhelm von Steuben. Band I - Kapitel 16
Quellenangabe
typebiographie
authorFriedrich Kapp
titleLeben des Amerikanischen Generals Friedrich Wilhelm von Steuben. Band I
publisherVerlag von Duncker & Humblot
year1858
correctorJosef Muehlgassner
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Vierzehntes Kapitel

Während Steuben in Philadelphia war, vertrat ihn sein Adjutant, Benjamin Walker, im Hauptquartier in allen Inspektions-Angelegenheiten. In Steuben's, sowie in seinem eigenen Namen machte er wiederholte Vorstellungen, um eine bessere Ordnung im Lager zu erzielen. Die Beachtung, welche ihnen, geschenkt wurde, übte eilte heilsame Wirkung auf die Armee aus, welche in diesem Winter durch Mangel an Vorräthen, Credit und Geld und durch die strenge Kälte beinahe ebenso viel in Morristown litt, als sie früher im Lager zu Valley Forge gelitten hatte. Es lag Steuben vor Allen daran, zuverlässige Berichte über die Zahl und den Zustand der Truppen, sowie die Quantität und Qualität der Waffen zu erhalten, weil er sie dem Congreß als Basis für die Bestimmung des Etats für den bevorstehenden Feldzug vorlegen mußte. Die pünktliche Beschaffung dieser Berichte war um so schwieriger, als die Armee in Folge der in den Winterquartieren herrschenden Untätigkeit und der Abwesenheit Steubens in der Disciplin nachließ, und als sie auf einem ausgedehnten Raume vertheilt war, wodurch sich selbstredend der innere Zusammenhang zwischen den einzelnen Corps lockerte. Wenn aber irgend Jemand, so war B. Walker, Steuben's Lieblings-Adjutant und Freund, der Mann, die ihm gestellte Aufgabe, so gut als es die ungünstigen Verhältnisse zuließen zu erfüllen. Es gelang ihm, eine größere Genauigkeit in den Berichten über die Waffen zu erwirken. Auch veranlaßte er den Obergeneral, daß er Befehle zur Hebung der Ordnung im Lager erließ und daß er am 31. Januar 1780 einen strengen Brief an die Brigade-Commandeure schrieb, worin er sie auf die in ihren Brigaden herrschenden Mißbräuche aufmerksam machte, ihnen die sofortige Abhülfe derselben anbefahl, sie wegen der geringen Achtung, die sie den eingeführten Regulativen zollten und wegen Mangels an Ordnung in jeder Beziehung tadelte.

»Ich füge diesem Briefe,« – sagt Walker in einem Schreiben vom 24. Februar 1780 an Steuben, Steuben's Manuscript-Papiere Bd. II. – »einige Aufzüge aus General-Ordres bei, aus denen das Verlangen nach Einführung einiger Ordnung hervorgeht. Ich kann nicht umhin anzunehmen, daß dieselbe dem General am Herzen liegt, aber, mein lieber Baron, seine Stellung ist eine schwierige und sie wird noch schwieriger durch unsere unglücklichen Umstände. Es ist beinahe unmöglich, in eine so schlecht versorgte Armee Ordnung zu bringen. Ist irgend welche Aussicht vorhanden, daß wir besser versorgt werden?«

Walker unternahm zur selben Zeit die schwierige Arbeit, alle Berichte für Steuben zu sammeln, damit dieser dem Congreß den wirklichen Bestand der Armee für die nächste Kampagne nachweisen können. In allen übrigen Bestrebungen, die auf Ordnung und Disciplin hinzielten, hatte Walker mir geringen Erfolg, da die Sorge, Lebensmittel für die hungernden Soldaten herbeizuschaffen, alles Andere verdrängte.

»Ich vernachlässige,« – schreibt er am 11. März 1780 an Steuben – »das Hauptquartier nicht; obwohl ich durch meine Besuche wenig erreiche. Sie, der Sie wissen, wie zurückhaltend sich der General gegen Personen benimmt, die viel höher im Rang stehen als ich, werden schwerlich denken, daß er sich außer bei Tisch mit mir in eine Unterredung einläßt. Die einzige Frage, welche er an mich richtet, ist: »Wann haben Sie vom Baron gehört?«

»Trotzdem,« – schreibt er Ebendaselbst. in einem andern Briefe vom 13. Februar 1780 – »daß ich alles, was in meiner Macht stand, aufgeboten habe, um die Brigade-Majors von der Notwendigkeit zu überzeugen, daß Sie die Berichte sobald wie möglich haben müßten, sind doch erst sechs derselben eingelaufen, während die von Hand, von der zweiten Pennsylvanischen und den beiden Connecticut's Brigaden noch fehlen. Bei Durchsicht der eingegangenen Berichte finde ich, daß die Beurlaubten und zum Rekrutiren ausgeschickten Leute zur Zahl derer gerechnet sind, welche nicht unter Waffen erscheinen können; aber da es, wenn ich nicht irre, Ihre Absicht war, die Zahl der zur Eröffnung der Campagne wirklich waffenfähigen Mannschaft zu wissen und da jene Leute ohne Zweifel vor der Zeit zurückkehren werden, so werde ich sie im Generalbericht zu den Waffenfähigen rechnen.

Statt die Regimentsberichte in Brigadeberichte umzuarbeiten, haben sie mir nur Regimentsberichte zugesandt. Dieser Umstand so wie die vielen verschiedenen Formen der Abfassung erschwerten es mir sehr, Ordnung hinein zu bringen. Die Generalberichte werde ich indessen so einrichten, daß Ihnen Alles, was Sie zu wissen wünschen, klar werden wird, weshalb ich mich zum Voraus Ihrer Zufriedenheit mit denselben versichert halte. Ich bemerke ferner, daß in den Berichten über Waffen und Armaturstücke nur diese angegeben sind, obgleich Sie ohne Zweifel auch die Angabe von Munition, Trommeln und Pfeifen wünschten; in dem Rückblick auf die übersandte Liste sprechen Sie freilich nur von einem Bericht über Waffen und Armaturstücke, und da haben sich denn die Herren streng bei der Ordre gehalten.«

Als Steuben im April zur Armee zurückkehrte, übernahm er wieder seine alten Pflichten. Er unterwarf die Waffen sämmtlicher Brigaden einer kritischen Inspektion, um zu sehen, wie viel für die nächste Campagne fehlen würden; außerdem übte er die Truppen ein und nahm große Manöver mit ihnen vor. So war die Armee gut vorbereitet, als der Staat Jersey zu Anfang Juni durch die Invasion von Knyphausen beunruhigt wurde. Es ist gewiß, daß Steuben am 6. Juni an der Affaire bei Connecticut Farms und Springfield Theil nahm und Augenzeugen, wie unter Anderen Bischof Aspel Greene The life of Ashbel Green by J. M. Jones, N. Y. 1849, pag. 109. sagen aus, daß er bei dieser Gelegenheit die amerikanischen Posten recognoscirt habe; unbestimmt ist es jedoch, ob Steuben mit einem Commando betraut war. Es scheint vielmehr, daß er als Chef von Washington's Stabe fungirt hat: wenigstens deuten zwei Dokumente unter Steuben's Papieren darauf hin, daß er als solcher an den Ereignissen dieser Periode Theil genommen hat.

Das eine dieser Dokumente, welches vom 11. Juni 1780 datirt ist, enthält eine Disposition der avancirten Truppen. »Alle Berichte von den avancirten Posten,« – lautet die Ordre – »müssen sofort nach dem Quartiere des Barons geschickt werden, imgleichen alle Deserteure, Gefangene und überhaupt jede den Feind betreffende Nachricht. General Maxwell,« – heißt es weiter, – »wird den rechten Flügel der avancirten Truppen commandiren, bestehend aus dem ersten und zweiten Jerseyer und Spencer's Continental-Regiment, aus Tily's, Frelinghuysen's und Webster's Miliz-Regiment und dem Detachement unter Major Bryan.

General Hand wird den linken Flügel commandiren, bestehend aus dem 3. Regiment von New-Jersey, dem Corps unter Major Gibbs und Courtland's und Stark's Miliz-Regiment. Falls der Feind avanciren sollte, zweifelt der General nicht daran, daß die Truppen ihre Posten mit jenem Muth und jener Entschlossenheit vertheidigen werden, wodurch sie sich schon so oft ausgezeichnet haben; sollte sie aber die Uebermacht des Feindes zum Weichen zwingen, so werden sie sich in folgender Weise zurückziehen etc.«

Das andre Papier enthält einen von Steuben entworfenen Plan für die Alarmposten und Rendezvous-Plätze der New-Jerseyer Miliz während Knyphausen's Invasion; doch glücklicherweise ließ die Unthätigkeit des Feindes den Amerikanern Zeit, Dispositionen zu treffen, welche die Einberufung der Miliz unnöthig machten, und deßhalb blieb der Plan auf dem Papiere. Steuben's Manuscript-Papiere (Mann in Utica).

Washington merkte um diese Zeit, daß, während Knyphausen die Hauptarmee bei Morristown im Schach hielt, Clinton einen Angriff auf West-Point, den Schlüssel der Hochlande am Hudson, beabsichtigte. General-Major Howe, welcher auf diesem wichtigen Posten commandirte, wurde der Verteidigung desselben von Einigen für nicht gewachsen erachtet: deßhalb beschloß Washington, um die Gefühle jenes verdienten Offiziers nicht zu verleben, ihm einen General von erprobter Tapferkeit, Erfahrung und militärischem Urtheile als Beistand beizugeben und wählte zu dem Zwecke Steuben. Dieser begab sich Mitte Juni auf seinen Posten, während die Armee am 21. Juni von Morristown aufbrach und über Pompton nach den Hochlanden zog.

»Vorgestern,« schreibt Alexander Hamilton an Steuben, d. d. Whippany 25. Juni 1780 Alexander Hamilton's Works I. 142. – »rückte der Feind nach Springfield vor, brannte dasselbe nieder und zog sich dann nach Elisabethtown-Point zurück. Am selben Abend setzte er nach Staten-Island über und er wird, wie sich aus verschiedenen Umständen schließen läßt, wahrscheinlich nächstens am North-River von sich hören lassen. Da Sie in West-Point sind, so wünscht der General, daß Sie daselbst bleiben, bis die gegenwärtigen Bewegungen ein Resultat herbeiführen. Er hat Vertrauen zu Ihrem Unheil und wünscht, daß Sie dem commandirenden Offizier Rath und Beistand leisten. Da Sie kein Commando auf dortigem Posten haben, so können Sie dieses nur auf privatem, freundschaftlichen Wege thun; jedoch bin ich gewiß, daß General Howe sich glücklich schätzen wird, von Ihnen berathen zu werden. Sie werden diesen Brief gefälligst als einen privaten betrachten, worin ich Ihnen mehr die Wünsche als die Befehle des Generals mittheile.«

Steuben blieb in West-Point und den damit verbundenen Posten bis zum Anfang August, wo Arnold das Commando erhielt. Sein Hauptgeschäft bestand darin, die nöthigen Vorbereitungen zu einer offensiven Campagne zu treffen, zu welchem Zwecke er die Truppen tüchtig einexerzirte, die leichten Infanterie-Compagnien bildete und Waffen für die Nord-Armee beschaffte. Die acht Brigaden derselben bestanden aus etwa 3000 alten Truppen; rechnen wir hiervon 500 Mann für den Wacht- und Picket-Dienst und 500 Mann für Anfertigung von Faschinen, Schanzkörben und für sonstige Festungsarbeiten ab, so blieben ungefähr zwei Drittel der alten Truppen und sämmtliche Rekruten für den täglichen Dienst übrig. Um die Rekruten in der kurzen Zeit so diensttüchtig wie möglich zu machen, kam Steuben mit dem General Howe dahin überein, daß keiner derselben zum Wacht- und Fatigue-Dienst verwandt würde, und richtete die besondere Aufmerksamkeit der Inspektoren auf den Unterricht der Rekruten. Sie wurden zwei Mal täglich exerzirt: anderthalb Stunden des Morgens nach der Reveille und anderthalb Stunden des Nachmittags bis Sonnenuntergang: in den ersten sechs Tagen exerzirten sie ohne Waffen, um sich gut halten, marschiren und sich richten zu lernen. Bei diesen Exerzitien mußten die Regiments-Commandeure zugegen und dafür verantwortlich sein, daß die Offiziere der betreffenden Regimenter anwesend waren und daß kein Rekrut unter irgend einer Bedingung von einem Unteroffizier einexerzirt wurde. Ein andrer Gegenstand, dem Steuben viel Sorgfalt widmete, war der, daß er die Beurlaubten sofort einberief und die unzweckmäßig Beschäftigten zum Exerziren beorderte. Stehende Wachen, welche trotz vieler Gegenbefehle noch immer existirten, wurden sofort abgelöst, Fuhrleute und andre Arbeiter, die alte Soldaten waren, wurden soviel wie möglich durch Rekruten ersetzt und überhaupt, soweit die Umstände es erlaubten, Disziplin und sonstige Verbesserungen bei dem Corps des General Howe eingeführt, das in dieser Beziehung bisher sehr vernachlässigt worden war.

Am 14. Juli 1780 legte Steuben dem Obergeneral folgenden Plan zur Bildung der leichten Infanterie vor. Steuben's Copierbücher vom Jahre 1780.

»Jede Compagnie soll bestehen aus: 1 Capitain, 1 Lieutenant, 3 Sergeanten, 1 Tambour, 1 Pfeifer und 42 Gemeinen. Die Obersten sind verantwortlich dafür, daß in jeder Compagnie 25 alte, gut einexerzirte Soldaten sind, während die übrigen 17 aus den stärksten und gewandtesten Rekruten genommen werden müssen. Sobald ein Regiment auf 290 Mann Gemeine gebracht ist, muß die leichte Infanterie-Compagnie auf 50 Mann gebracht werden. Vier Compagnien leichter Infanterie bilden ein Bataillon, welches unter dem Commando eines vom Oberbefehlshaber angestellten Oberstlieutenants oder Majors steht. Zwei leichte Infanterie-Bataillone bilden ein Regiment, welches von einem durch den Oberbefehlshaber angestellten Oberst commandirt wird. Vier oder sechs Bataillone bilden eine Brigade unter dem Commando eines Brigadiers. Das Ganze bildet eine Division unter dem Commando eines General-Majors.

Jedes Regiment ist verpflichtet, seine leichte Infanterie-Compagnie während der Campagne complet zu halten. Jede Linien-Brigade, welche ein Bataillon leichter Infanterie liefert, muß außer den zu den Compagnien gehörigen Subalternen noch zwei weitere stellen, nämlich einen Sergeant-Major, der als Adjutant, und einen Sergeant-Quartiermeister, der als Quartier- und Zahlmeister zu fungiren hat.«

Am 16. Juli erließ Washington einen auf Steuben's Plan gegründeten Befehl, wonach aus jedem Regiment der ersten Brigade 1 Capitain, 1 Subalterner, 3 Sergeanten und 20 Gemeine, lauter alte Soldaten und 5' 8" bis 5' 10" hoch zur leichten Infanterie ausgesucht werden sollten. Am 20. Juli berichtet Washingtons Adjutant, A. Scammel, an Steuben: Steuben's Manuscript-Papiere Bd. II. – »Ich bin mit der Inspektion von 17 Compagnien von der oben erwähnten Stärke fertig. Die Offiziere hatten ein gentiles, militärisches Aeußere, die Unteroffiziere waren ausgesuchte Leute. Die Gemeinen waren gut geschult, fest und wohlgestaltet; ihre Waffen im Ganzen im guten Zustande; nur die Bekleidung ließ Vieles zu wünschen übrig und verhinderte es, daß sie sich vollkommen militärisch ausnahmen. Es waren lauter alte Soldaten und die Mehrzahl hatte schon im vorigen Jahre zur leichten Infanterie gehört. Als sie von der Parade abzogen, kam mir unwillkürlich der Gedanke, daß sie der Erstürmung eines zweiten Stony-Point gewachsen wären.«

Auf Washington's Befehl begann Steuben am 25. Juli, aus der in Westpoint, Fishkill und Umgegend liegenden zweiten Brigade die leichte Infanterie auszuheben. Zu diesem Zwecke beorderte er aus jedem Regimente 30 Mann und 6 Sergeanten, aus denen er 20 Mann und 3 Sergeanten behufs Bildung einer Compagnie aussuchte. Am 22. Juli schrieb er aus Westpoint den folgenden Brief an Washington:

»In meinem letzten Briefe an Ew. Exzellenz schlug ich zur Vermeidung von Unordnung vor, daß die leichte Infanterie nichts als besonderes Corps empfangen sollte, ausgenommen die Rationen, welche durch einen Commissair, sowie die Fourage, welche durch einen Fouragemeister, und endlich die Munition, welche durch einen Condukteur auszutheilen sei, während letztere drei Beamtete speziell für die leichte Infanterie ernannt werden sollten.

Die Waffen, Armaturstücke, Feld-Equipage, Bekleidung und sogar der Sold müssen vom Regiment, zu dem die Compagnie gehört, erfolgen. Zu diesem Zwecke hat der Quartiermeister eines jeden leichten Infanterie-Bataillons seine Bücher und Rechnungen bei den Quartiermeistern und Zahlmeistern der Regimenter, wozu die einzelnen Compagnieen gehören, zu halten. Das erste Pennsylvanische Regiment zum Beispiel stellt eine Compagnie zu dem ersten leichten Infanterie-Bataillon. Dann hat dieses Regiment diese Compagnie mit einem Reiterzelt für die Offiziere, mit acht gewöhnlichen Zelten für die Unteroffiziere und Gemeinen, ferner mit acht Feldkesseln, und im Verhältniß dazu mit der übrigen Equipage, Kleidung etc. zu versehen.

Ew. Exzellenz möge darüber entscheiden, ob es nöthig sein wird, dies Arrangement in einer General-Ordre zu publiciren, ehe die Bataillone gebildet sind, damit die Departements-Chefs rechtzeitig damit bekannt werden.

Ferner muß vor der Bildung dieses Corps entschieden werden, in welcher Ordnung die Bataillone in Schlachtreihe aufzustellen sind, damit Streitigkeiten über Rang und Ehrenposten vermieden werden. Durch beigeschlossenes Arrangement wird die in der Armee eingeführte geographische Ordnung annähernd erreicht werden, ausgenommen daß die Compagnien von New-Hampshire mit denen von New-York zu einem Bataillone vereint werden müssen. So wird die Ordnung folgende sein:

           
8 Comp. Pennsylvanien 4 Comp.N. Jers.,
2 Hand, 2 Stark
3  Comp. N-Hampshire
1 Rhode-Is.
1 New-York
6 Comp. Conneticut 8 Comp. Massachusets 8 Comp. Massachusets

Wenn sie dieses Arrangement billigen, so wird das erste und zweite Bataillon aus den fünf Brigaden gebildet, welche bei Ew. Exzellenz sind; die anderen vier werden aus den acht Brigaden gebildet, die unter General Howe stehen. Ich zweifle nicht daran, daß das erste leichte Infanterie-Bataillon, das die beiden Pennsylvanier-Brigaden zu stellen haben, ordentlich zusammengesetzt sein wird. Dasselbe läßt sich von dem zweiten erwarten, welches die Brigaden New-Jersey's nebst den unter Stark und Hand zu stellen haben. Was aber die vier hiesigen Bataillone anlangt, so werde ich Alles aufbieten, um sie so herzustellen, daß Ew. Exzellenz damit zufrieden sein werden.

Wenn es möglich wäre, unsere ganze Infanterie gleichförmig mit linnenen Jagdhemden und Ueberröcken, mit runden, auf einer Seite aufgekrämpten Hüten und mit guten Schuhen zu versehen, so würde dieses die der Jahreszeit angemessenste Uniform sein. Ich denke, daß die Anschaffung leicht sein würde. – Ich werde hier befehlen, daß die ganze leichte Infanterie mit Bayonneten versehen werde und ich würde Ew. Exzellenz sehr verbunden sein, wenn Sie auf Ihrem Platze den gleichen Befehl erteilen wollten.«

Am 23. Juli 1780 antwortete Alexander Hamilton, Washington's Adjutant, aus dem Hauptquartier Folgendes: Alexander Hamilton's Works II. 42.

»Ueber die Bildung der leichten Infanterie hat der General bereits an Sie geschrieben und ich vermuthe, daß es ungefähr mit dem, was Sie vorgeschlagen haben, übereinstimmen wird. Entre nous, es ist nicht leicht, in der Linie von Massachusetts gute Majors für dieses Corps zu finden; wir wünschen aber um so mehr, daß es gute Offiziere bekomme, als es viel mit französischen Truppen zusammen zu agiren haben wird. Prescott wird zweckentsprechend sein; doch darf er noch nicht wissen, daß man ihn im Auge hat. Wir werden nicht mehr lange in unserer gegenwärtigen Position bleiben. Die Unterscheidungen der Departements sind veraltet und existiren nur noch in Bezug auf Süd-Carolina. Sie gehören zu einem Detachement der Hauptarmee. Ich wage zu sagen, daß Alles, was Sie thun, recht befunden werden wird.«

»Ich habe,« – berichtet Steuben d. d. Fishkill den 28. Juli 1780 an Washington – »die nöthigen Arrangements für die leichte Infanterie getroffen und werde glücklich sein, wenn sie Ew. Exzellenz Billigung finden. – Die Compagnieen sind nach Ew. Exzellenz Ordre gebildet. Ich selbst habe die Unteroffiziere und Soldaten und sogar die Waffen ausgewählt und ich darf mir schmeicheln, daß das Corps die Bewunderung unserer Alliirten und nicht minder den Schrecken unserer Feinde erregen wird. Schwerlich ist ein Mann unter 20 oder über 30 Jahre, alle sind kräftig, wohlgebaut und besitzen militärische Haltung; und da viele Rekruten schon früher gedient haben, so sind fast zwei Drittel von jeder Compagnie alte Soldaten. Ich habe außerdem aus jedem Regiment 3 Sergeanten, 2 Tamboure und Pfeifer und 42 Gemeine als Reserve ausgesucht. Sie verbleiben bei ihren Compagnien, müssen aber stets bereit sein zur Verstärkung oder Ausfüllung von Vakanzen, die etwa bei den leichten Compagnien vorkommen mögen.«

Ein überaus großes Uebel, welches noch in der nördlichen Armee herrschte und aus dem Mangel an Disziplin entstand, war der geringe Vorrath an Waffen und Provisionen, wodurch Meuterei, Plünderung und Ungehorsam entstand. Der öffentliche Credit war vollständig erschöpft; die Löhnung der Soldaten war so gut als gar nichts Werth, da sie in ganz werthlosem Continental-Gelde geleistet wurde, ohne daß für die Entwerthung etwas vergütet worden wäre. Die Masse des Volkes war, besonders im Sommer 1780, des Krieges müde oder hoffte ihre Befreiung vom Britischen Joche durch die Franzosen. Man erwartete eine große Französische Flotte und Armee und hielt im Hinblick auf diese alle übrigen Anstrengungen für überflüssig. Wir halten es für unnöthig, diesen traurigen Zustand der Dinge durch Mitteilungen aus Steuben's Papieren, die in dieser Hinsicht sehr reichhaltig sind, noch näher zu beleuchten, um so mehr als das deutsche Publikum in Raumer's Auswahl von Washington's Briefen eine quellenmäßige Darlegung der damaligen Lage der Dinge finden kann. Was Steuben selbst anbetrifft, so erwähnen wir nur, daß er trotz wiederholter Gesuche ebenso viel zu dulden hatte wie jeder andere Offizier und daß er kaum im Stande war, ein Zelt für sich anzuschaffen.

»Es ist mir außerordentlich leid «– schreibt Nathanael Greene, damals General-Quartiermeister am 18. Juli aus Preaknees an Steuben Steuben's Manuscript-Papiere Bd. II. – »daß Sie so viele Mühe haben, um ein Paar Pferde und ein Zelt zu Ihrem Schutze aufzutreiben. Wird es in künftigen Tagen Jemand glauben, daß ein für die ersten Rechte der menschlichen Natur streitendes Volk seine Kämpfer so schlecht mit den nöthigsten Kriegsmitteln versehen habe, daß die gewöhnlichsten Artikel, die einem Soldaten zukommen, nicht zu haben gewesen? Sage es nicht in Dan noch erzähle es in Askalon. Aber so ist es und wie soll ich dem abhelfen? Ich habe keine Zelte hier. Es kommen aber zehn aus Boston und davon wird Oberst Hay auf alle Fälle eins für Sie zurückbehalten. Die Sättel sind bei Morris zu haben.

Was sollen wir in dieser Campagne thun? Wir gleichen gar zu sehr einem bankerotten Kaufmann, der zu arm ist, um etwas Großes zu unternehmen, und zu stolz, das zu versuchen, was in seinem Vermögen steht. Der Ehrgeiz treibt uns über unsere Fähigkeiten hinaus und ich wünsche mir, daß unsere Armuth nicht in noch unangenehmeren Farben erscheine als wie wir sie uns jetzt vorstellen. Es ist schön, einen Versuch zu machen; aber wird das Mißlingen uns nicht verderblich sein?«

Wenn die höchsten Offiziere also der Noth und dem Mangel ausgesetzt waren, so ist es kein Wunder, daß es dem gemeinen Soldaten an Allem fehlte. »Ich halte es für meine Pflicht,« – schreibt General John Paterson am 15. September 1780 an Steuben Ebendaselbst. – »Ihnen mitzutheilen, in welchen unangenehmen und kläglichen Verhältnissen sich meine Brigade aus Mangel an Provisionen befindet. Wäre dieser Mangel zufällig oder erst seit Kurzem eingetreten, so würde ich schweigen; aber schon viele Wochen lang haben wir kaum halbe Rationen Fleisch, in diesem Monat hatten wir nur sieben und eine halbe Ration. Wenn dieses noch lange so fortdauert, so zittere ich vor den Folgen. Die Offiziere sind entrüstet darüber, daß das Land sie so schlecht behandelt und ich glaube, sie sind durchgängig entschlossen, am Ende der Campagne den Dienst zu quittiren. Wenn die Zeiten sich nicht bessern, so fürchte ich, daß die Uebrigen ihrem Beispiele folgen werden. Die Leute in meiner Brigade sind wirklich im Elend, da sie allein von den Rationen leben, die ihnen geliefert werden: denn kaum hat Einer unter Zwanzigen die Mittel, sich eine Mahlzeit zu kaufen. Auf den soldatischen Geist übt die Noth eine böse Wirkung aus und sittliche und friedliche Leute werden von den Lastern angesteckt, die in einer Armee ohne Provisionen entstehen.

Verlassen Sie sich darauf, mein Herr, daß diese Mittheilung nicht aus einer fieberhaften Geneigtheit zum Klagen hervorgeht. Mein Wunsch ist bloß, die Armee gut versorgt zu sehen und dadurch wird allen Uebeln, die wir fürchten, vorgebeugt. Resignationen, Meuterei und Plünderung würden in großem Maße, wo nicht gänzlich verhütet und ein guter Geist und Gehorsam an deren Stelle treten.«

Allein es war kein Geld zur Anschaffung der nothwendigsten Lebensmittel und sonstigen unentbehrlichen Artikel vorhanden, und der ganze Sommer 1780 verfloß unter den Berathungen darüber, ob sich die Armee auf die Defensive beschränken, oder ob sie die Offensive ergreifen sollte. Wenn Washington selbst die Hoffnung auf Besserung aufgab, war es dann zu verwundern, daß andere hervorragende Männer wie z. B. James Lowell an dem in Apathie versunkenen Volke verzweifelten? »Was soll geschehen,« fragt er Steuben in einem Briefe vom 15. Juli 1780 – »wenn die französische Flotte ankommt? Ein Engel des Himmels, selbst wenn er so kriegerisch wie der beste Milton'sche wäre, könnte das jetzt nicht sagen. Er würde sich gleich uns auf das verschleppende Feld der Wenns, Unds und Abers, der Vermuthung und des Rathens begeben. Vor Allem würde er sagen müssen: Wenn noch etwas von dem wahren Geiste im Volke zurückgeblieben ist, so können wir hoffen den Feind zu verderben.«

Es war für die Armee ein harter Schlag, daß gerade jetzt, wo sie und besonders die leichte Infanterie der Waffen so sehr benöthigt war, die von Frankreich erwarteten Sendungen ausblieben. Steuben bot nun Alles auf, sie anderswo aufzutreiben und es gelang ihm, mit Hülfe der Generale Knox und Howe, dem augenblicklichen Bedürfniß wenigstens abzuhelfen.

»Vor Empfang Ihrer letzten Briefe,« – schreibt Steuben d. d. Fishkill 28. Juli 1780 an Washington – »war ich schon davon unterrichtet, daß die erwartete Waffensendung aus Frankreich ausbleiben würde; Hr. Izard machte aus ihrer Zurückhaltung kein Geheimniß. Die schlimmen Folgen, welche ich hieraus für uns erwachsen sah, bestimmten mich zu einem Schritte, für den ich im Fall Ihrer Mißbilligung verantwortlich sein muß. Ich veranlaßte den General Howe, nach Connecticut und Massachusets zu schreiben, ich schrieb selbst hin und drang ferner in die Generale Huntingdon und Paterson zu schreiben, damit jene Staaten uns je 1500 Gewehre leihen und sofort hersenden möchten. Ich habe mich für die Zurücklieferung derselben bei Ankunft unsrer Waffen aus Frankreich verantwortlich erklärt. Ich hoffe, daß diese 3000 Gewehre mit denen, die wir noch vorräthig haben, für uns ausreichen werden.

Ich habe alle Fuhrleute, Bediente der General- und Stabsoffiziere, kurz Jeden, der nicht im aktiven Dienst ist, entwaffnet. Dies vermehrt die Zahl der disponiblen Waffen ansehnlich. Schwierig, wenn nicht unmöglich, wird es übrigens sein, die mitgenommenen Waffen wieder zu erlangen; es würde ebenso schwer halten, die Schuldigen herauszubringen. Da die Regimenter in Abwesenheit ihrer Commandeure bald durch einen Capitain, bald durch einen Lieutenant befehligt wurden, wie soll man unter solchen Umständen einen einzelnen Offizier verantwortlich machen?«

Wie schwierig es war, die Waffen zu sammeln, geht aus Steuben's Briefen an den General Knox hervor, denen wir folgendes entnehmen:

»Da es sehr ungewiß ist,« schreibt er am 16. Juli, »wie viele Rekruten auf uns kommen werden, so bemühe ich mich, hier so viel Waffen und Armaturstücke aufzutreiben als nur möglich ist; die von Albany erwarte ich täglich. Ich habe 600 neue Patrontaschen und 2000 Bajonettscheiden und Koppeln, die in New-Haven waren, herbeordert; die von Morristown werden Sie gefälligst sofort hierher besorgen, da die Brigaden des Hauptquartiers, wie ich denke, durch die Sendungen von Philadelphia mehr als genügend versorgt sein werden.«

Am 21. Juli fährt Steuben fort:

»Es würde mich freuen, wenn Sie alle Bajonette, welche aufzutreiben sind, sobald wie möglich hierhersenden wollten, da die von Albany gekommenen Gewehre sich auf 3106, die Bajonette aber nur auf 941 Stück belaufen. Gleichzeitig senden Sie gefälligst allen Laboratorien die Ordre, daß sie in Zukunft die Patronen in der Größe von 19 auf ein Pfund machen, da dies zu den französischen Gewehren paßt und auch bei englischen Musketen angeht, während die englischen Patronen, deren 16 auf's Pfund gehen, nicht bei französischen Musketen zu gebrauchen sind. Sie würden mich sehr verbinden, wenn Sie allen Feld-Commissairen, Conducteuren etc. befehlen wollten, daß sie keine Waffen etc. auf irgend eine andre Ordre als die der Inspektoren verabfolgen lassen; welcher Mißbrauch aus Mangel an derartigen Anordnungen entsteht, das habe ich erst kürzlich bei General Glover's Brigade erfahren, indem dieselbe nämlich in Springfield viel mehr Vorräthe bezog als auf ihren Antheil kam. Solch' eine ungleiche Vertheilung taugt nichts, mein lieber General, und wenn Sie obige Ordre nicht erlassen wollen, so muß ich darauf verzichten, mich künftig mit der Vertheilung zu befassen. Ich habe befohlen, daß Glover's Brigade alles Empfangene zurückgeben und dann gleichmäßig mit den übrigen theilen solle.«

»Unter den 3000 von Albany angekommenen Gewehren,« – schreibt er am 27. Juli, – »haben nur 900 Bajonette, und ich weiß nicht, wo ich die fehlenden hernehmen soll. Mit Patrontaschen wird es uns auch knapp gehen. Ich habe deren 1500 zum Repariren herbeordert. Gott mag wissen, ob es geschehen wird. In den letzten 14 Tagen habe ich daran gearbeitet, die Waffen von Chester nach Newburgh zu transportiren, wo ich ein Depot zur Ablieferung an die Brigaden errichtet habe. Zehn Tage lang habe ich ferner versucht, die Albany'schen Waffen aus den Schaluppen zu schaffen: allein weder das Eine noch das Andere vermochte ich auszuführen, da meine Befehle hier weniger als die eines Corporals respectirt werden. Die Armee hat Marschordre bekommen und doch sind nahe an 4000 Mann unbewaffnet; die Waffen sind hier, können aber nicht abgeliefert werden, da Niemand seine Pflicht thun will. In Philadelphia waren, glaube ich, 5000 Gewehre mit Bajonett und 1500 neue Patrontaschen nebst Trommeln, Pfeifen und andern Artikeln und in Carlisle sind, wenn ich nicht irre, 1000 Gewehre. Unter jetzigen Umständen sollten sie alle gesammelt werden, oder wir verlieren die Kampagne.«

Als Washington erfuhr, daß ein französisches Hülfskorps unter Rochambeau bei Rhode-Island angekommen sei und daß zugleich Sir Henry Clinton sich rege, setzte er über den Hudson und schlug sein Hauptquartier in der Nähe von Tappan auf. Steuben, der sich schon bei Washingtons Aufbruche zur Hauptarmee begeben und beim Generalstabe in Thätigkeit gewesen war, verblieb nun in dieser Stellung, da er in West-Point, wo Arnold inzwischen Commandant geworden war, nichts mehr zu thun hatte.

Gegen Ende September wurde ganz Amerika durch den bekannten Arnold'schen Verrath mit Entsetzen erfüllt. André, der britische General-Adjutant, hatte das Unglück, als Unterhändler in die Hände der Amerikaner zu fallen. Er ward selbstredend als Spion vor ein Kriegsgericht gestellt. Steuben war ein Mitglied dieses Gerichtes, welches aus vierzehn Stabs-Offizieren bestand und André am 29. September 1780 zum Tode verurtheilte. »Der Baron,« schreibt North, »war außerordentlich betrübt über das unvermeidliche Schicksal des unglücklichen britischen General-Adjutanten.

Es ist nicht möglich, sagte er, ihn zu retten. Er hat in offener, männlicher Weise Alles gestanden, was auf einen berechneten Plan uns zu hintergehen schließen ließ und wir bedurften keiner weiteren Ueberführungsbeweise gegen ihn. Wollte Gott, daß der Schurke, der seinen Tod veranlaßte, an seiner Stelle hätte leiden können!«

Arnold's Verbrechen erregte den größten Abscheu in Steuben's Brust; er ließ keine Gelegenheit vorbeigehen, dieselbe an den Tag zu legen. Sogar der bloße Name that seinem Ohre weh. Es existirt hierüber eine charakteristische Anekdote, die wir nach Jones in der Version wiedergeben, wie dieser sie von den Nachbaren des Jonathan Steuben gehört hat. Annales and Resolutions of Oneida County by Pomroy Jones, Rome 1851 pag. 441 und 442.

Eines Tages nach dem Verrath hielt der Baron Parade ab, als er beim Verlesen einer Infanterie-Compagnie aus Connecticut den Namen Jonathan Arnold hörte. Sogleich rief er den unglücklichen Inhaber dieses Namens vor die Fronte der Compagnie. Der Mann war ein musterhafter Soldat und hatte seine Kleidung, Waffen und Armaturstücke in bester Ordnung. Der Baron musterte ihn mit scharfem Blick und entließ ihn dann mit den Worten: »nach der Parade komm in mein Zelt, Bruder Soldat.« Als Arnold diesem Befehle zufolge nach der Parade vor dem Baron erschien, sagte dieser zu ihm: »Du bist ein zu wackerer Soldat, als daß Du den Namen eines Verräthers führen solltest; ändere ihn sogleich, ändere ihn sogleich.« Aber welchen Namen soll ich denn nehmen? fragte Arnold. »Irgend einen der dir gefällt; nimm meinen, wenn Du keinen besseren finden kannst; der meinige steht Dir zu Dienst.« Arnold ging ohne sich zu besinnen sogleich auf diesen Vorschlag ein, ließ die Namensänderung in der Compagnieliste auf der Stelle vornehmen und hieß fortan Jonathan Steuben, wofür ihm sein neuer Pathe zwei Dollars monatliche Pension zahlte. Nach beendigtem Kriege kehrte er nach Connecticut zurück und ließ hier seine Namensänderung gerichtlich legalisiren. Als ein Charakteristicum des damaligen Zeitgeistes lassen wir hier eine getreue Uebersetzung jener unter Steuben's Papieren befindlichen Petition folgen, in der Jonathan seine Namensänderung beantragte:

Staat Connecticut. In einer General-Versammlung des Gouverneurs und der Compagnie des Staats Connecticut in Amerika, gehalten in Hartford auf besonderen Befehl des Gouverneurs am achten Tage des Januars 1783.

Auf die Eingabe des Jonathan Arnold von Hartford in Hartford-County im Staate Connecticut, laut der er Sergeant in der Continental-Armee ist und unglücklicherweise den Zunamen des infamen Benedikt Arnold, ehemaligen General-Major's in der Armee der Vereinigten Staaten, jetzt aber Verräther und Deserteur, trägt; daß kurz nach der Desertion des genannten Benedikt der achtbare General-Major Baron Steuben, dem es leid that, daß eine der amerikanischen Sache freundliche Person den Namen eines notorischen Schurken und Verräthers trüge, es dem Antragsteller frei stellte, den Namen Steuben zu führen, und daß er unter diesem Namen gekannt und genannt worden und unter demselben während des Krieges zwei Dollars pr. Monat empfangen habe etc. etc., – weshalb er diese Versammlung bittet, daß sie ihm erlauben möge, den Namen Steuben zu führen und so hinfort gekannt und genannt zu werden;

sei hiermit durch den Gouverneur, den Rath und die Repräsentanten, welche als General-Gerichtshof versammelt sind, und kraft dieser Autorität verordnet, daß der genannte Antragsteller die Freiheit habe und ihm die Freiheit hiermit gewährt ist, den Namen Steuben statt Arnold anzunehmen und daß der Name des Antragsteller Steuben und daß er in allen gesetzlichen Vorkommnissen bei diesem Namen hinfort gekannt und genannt werde.

Für die Richtigkeit der Copie George Wyllys, Secretair.

Wenige Jahre später zeigte Jonathan dem Baron, der sich bereits auf seinem Lande in Oneida County niedergelassen hatte, an, daß er geheirathet und aus seiner Ehe einen kräftigen Jungen habe, der nach Steuben den Namen Friedrich Wilhelm führe. Der Baron erwiderte schriftlich, daß er dem Jungen, wenn er einundzwanzig Jahr alt sei, eine Farm geben wolle. Einige Jahre nach dem Tode des Barons siedelte Jonathan Steuben nach dem Dorfe Steuben über und als Friedrich Wilhelm majorenn war, präsentirte er dem Obersten Walker, einem der Executoren des Barons, jenen Brief, worauf dieser ihm sogleich fünfzig Acker Land schenkte. – Jonathan lebte bis vor ungefähr sechszehn Jahren als Pensionär; seine Frau überlebte ihn noch um einige Jahre. – Friedrich Wilhelm ging im Kriege von 1812 mit der Miliz nach Sacketts Harbor, wo er krank wurde und starb. Seine Wittwe bezog später eine Pension. Er war Compagnie-Sergeant und schien mit dem Namen des Barons zugleich einen Theil von dessen trefflichen Eigenschaften geerbt zu haben, denn er galt für einen der besten Disciplinatoren und Exerziermeister seines Regiments.

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