Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Heinrich Lhotzky >

Lebe kämpfe siege!

Heinrich Lhotzky: Lebe kämpfe siege! - Kapitel 9
Quellenangabe
typetractate
authorHeinrich Lhotzky
titleLebe kämpfe siege!
publisherRainer Wunderlich Verlag
yearo.j.
firstpub
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created201401
projectid95880d59
Schließen

Navigation:

Die zwei Welten

Es ist allgemein bekannt, daß alle Erscheinungen und Kräfte auf diesem Planeten paarig geordnet sind, um zur Wirkung zu kommen. Das elektrische Licht wird durch Zusammenwirken zweier Drähte, die eine gegenteilige Elektrizität zusammenführen, die die Gelehrten positiv und negativ nennen. Der Mensch selbst wirkt sich aus als Mann und Weib, und die Doppelgeschlechtigkeit läßt sich verfolgen bis an die Grenzen der niedrigsten Tier- und Pflanzenwelt.

Alles Leben ist umwaltet von den Gegensätzen Licht und Finsternis, Gut und Böse usw. Das alles ist bekannt.

Darum lehrte das geheime Weistum unserer Väter, daß der Schöpfer der Welt, dessen Name unaussprechlich und dessen Wesen unerforschlich sei, sich in der Schöpfung als Zwisterreger oder Thuisk-fo offenbart habe und nur dadurch sei die Schöpfung ermöglicht worden, daß gegensätzlich gerichtete Bewegungen zur Wirkung kamen. Im Deutschen sagt man heute dafür Polarität. Jeder kennt sie.

Man dachte sich etwa, daß von einem unerkennbaren Punkte aus zwei Strahlen ausgingen, etwa im Winkel von 60°, wie zwei paarige Kräfte. Trägt man nun auf beiden Schenkeln des Winkels gleiche Strecken ab und verbindet die Schnittpunkte, so entsteht unter allen Umständen ein gleichseitiges Dreieck. Die unteren Ecken stellen dabei die entgegengesetzten Pole dar, deren Gegensätzlichkeit aber in der Spitze apolar sich vereinigt.

Daher war das Bild dieses Dreiecks den Alten ein heiliges Wahrzeichen der schöpfungsmäßigen Offenbarung Gottes, zu dem sie die Augen der Volksgenossen voll Ehrfurcht aufblicken lehrten.

Der an sich unerforschliche Eine Gott offenbarte sich als heilige Dreieinheit, die überall in der Welt zu erkennen ist.

Das heilige Wahrzeichen war so tief im Bewußtsein unseres Volkes verankert, daß auch die christliche Kirche es übernehmen mußte. Man steht es heute noch vielerorts in alten Kirchen, es ist ein uraltes weit vorchristliches germanisches Wahrzeichen.

Das alles ist bekannt. Weniger bekannt ist, daß man die Schenkel des Winkels gleichsam über den Scheitelpunkt hinaus verlängern kann. Man käme damit in ein Gebiet jenseit unserer Planetenwelt und würde dort die gleichen Verhältnisse antreffen. Wie die Welt aus paarigen Kräften zusammengesetzt ist, so kann man auch polare Welten selbst unterscheiden. Die unermeßliche Sternenwelt ist eine sichtbare Welt des Stoffes und dazwischen waltet unsichtbar eine Welt der Kraft. Es gibt im unermeßlich Großen das Bild des erregten Zwiespaltes, und dieser setzt sich in unserer Welt fort.

Viele Menschen wissen es nicht. Es schadet auch nichts. Aber wir leben tatsächlich in zwei Welten, und beide wirken sehr deutlich aufeinander, ja ihr Aufeinanderwirken schafft erst das richtige Leben.

Als Zeugen rufe ich auf die vorstehenden Aufsätze. Mir ist es im Laufe meiner schriftlichen Arbeiten eigentümlich ergangen. Ich habe nie einen Gedanken gesucht. Die Gedanken suchten mich. Sie traten auf mich zu wie zornige Gewalten und zwangen mir die Feder in die Hand sie festzuhalten. Ich habe nie für den Druck geschrieben, sondern nur für mich. Ich mußte meine Seele entlasten und frei machen von der Gewalttätigkeit der unsichtbaren Gewalten. Ob das Geschriebene in den Papierkorb fiel oder unter die Druckerpresse kam, war gleichgültig. Es mußte geschrieben sein. Damit war sein Zweck erfüllt.

Aber die beiden Welten wirkten aufeinander, und dadurch schufen sie Leben. Es war nicht immer angenehm, aber kräftig.

Ich erinnere mich noch, daß ich vor mehr als einem Vierteljahrhundert aus Anlaß des »Weg zum Vater« eine Gedankenreihe niederschreiben mußte über das königliche Gebot Jesu an seine Verbündeten: Sorget nicht!

Die ganze Wucht des gewaltigen Befehls fiel auf mich und machte mich jauchzen. Die Schrift hielt es fest. Es war damit eingeprägt in die stoffliche Welt der Sichtbarkeit. Aber damit waren auch die Kräfte der unsichtbaren Welt in Bewegung gesetzt. In der Zeit, die auf die beseligende Offenbarung folgte, war ich geradezu Zielscheibe der widerwärtigsten Sorgen und kleinlichsten Nöte. Ein geradezu gemeiner Zustand. Er wirkte aber aufs äußerste erregend und setzte meine letzten Kräfte in Bewegung. Der Zwiespalt der beiden Welten war erwacht, und ich war offenbar der Schauplatz ihres gegeneinander gerichteten Wirkens. Aber es ging wie in der Elektrizität. Dort wird Licht aus Plus und Minus. Bei mir wurde Sieg aus Jauchzen und Sorgen.

So ging es mir oft. Was ich vergnüglich am Schreibtisch niedergeschrieben, das wurde sehr unbehaglich im Leben an mir ausprobiert, und in diesem Zustand gingen die Planetenjahre über mich dahin, aber ich lernte an ihnen lachen. Das war ein Sieg. Das Walten der Zwiespältigkeit hatte ihn hervorgerufen und zum Leben geführt. Ich könnte mir denken, daß auch einer gelegentlich dabei totgeschlagen würde.

Aber meine kleinen Erlebnisse dürften den Leser kaum interessieren. Ihn gehen mehr die großen Erlebnisse an, die sich an die vorstehenden Aufsätze knüpfen.

Sie wurden sämtlich geschrieben in einer Zeit, in der es dem deutschen Volke sehr gut ging. Wir waren reich und unabhängig und glaubten sogar, wir wären gut regiert. Dennoch mußte ich in dieser goldenen Zeit schreiben für die Kranken, die Trostbedürftigen, die Unglücklichen, die von der Zeit Zertretenen. Ihr Notschrei wurde vernehmlich durch alle äußeren Glücksumstände der stofflichen Welt hindurch, und ich mußte in dem Blatte, das »Leben« hieß, dem Walten der Kräfte der unsichtbaren Welt Raum geben und sie gleichsam lehrhaft in die stoffliche Welt einführen.

Aber da fing es an zu sieden. Nicht in einem kleinen Einzelleben, sondern im großen Volksleben. Es war, wie man zuweilen in der Chemie zwei wasserklare Flüssigkeiten zusammengießt, und ihre kleinsten Teilchen plötzlich aufeinander zustürzen und eine dichte Trübung hervorrufen. Eine solche Trübung hat auch unser Volk überfallen. Es trat ein in sein großes Erleben, und das verwandelte seinen Reichtum in Armut, sein Glück in Sorge, seine Regierung in Hilflosigkeit.

Die Kräfte der beiden Welten stürmten gegeneinander. Der Tod ging durch die Reihen unserer Volksgenossen und zertrat viele, nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich. Und nun fragt es sich, ob Trost, Glück, Gesundheit und Ewigkeitswesen den Sieg davontragen werden in unserm Volke.

Ich zweifle keinen Augenblick daran. Es wird ihm im großen ergehen wie mir im kleinen. Es wird seine volle Kraft entfalten. Es wird siegreich werden über seine mächtigen Feinde im Innern, es wird stark werden über das buntfarbige Gewimmel seiner äußeren Feinde, die von allen Seiten sein Land angeknabbert haben. Das Sonnenvolk ist doch stärker als die Not und die Widersacher.

Darum mögen diese lehrhaften Ueberlegungen in neuem Gewände nochmals ausgehen in unser Volk. Sie werden die rechten Leser finden und dazu dienen, die großen Kräfte zu entfalten zum Wiederaufbau unsres Vaterlands in neuer Kraft und urtümlicher Fülle.

Sal und Sig!

 << Kapitel 8 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.