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Laien-Predigten für das deutsche Haus

Otto von Leixner: Laien-Predigten für das deutsche Haus - Kapitel 3
Quellenangabe
typetractate
authorOtto von Leixner
titleLaien-Predigten für das deutsche Haus
publisherVerlag des Vereins der Bücherfreunde
year1894
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160422
projectide342b324
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Erster Abschnitt.
Sechs Predigten für Männer.

Vorwort

Verehrteste Geschlechtsgenossen und Adamssprossen!

Sollt Ihr hören eine Predigt, Ihr Euch zumeist, verdrossen das Gesicht, der drückenden Pflicht gar gerne entledigt. Doch giebt es Stimmungen, Gewissensgrimmungen bei solchen, die noch nicht ganz verloren, wo man mit hängenden Ohren, mit einem Schädel, einem brummenden und summenden, in seines Katers Elendigkeit sich fügt der Notwendigkeit. Dann kann uns der Wunsch überraschen: »Wenn einer käme und mich nähme beim Schopf, zu waschen mir den Kopf, den sündigen, mit Worten, mit groben und bündigen!«

Nun, seht: für solche Stunden paßt wie gefunden, was ich Euch will sagen. Ihr sollt auch nicht klagen über den Mangel an Worten, an kräftigen, tadelnden, heftigen. Was sollt' ich mit zierlichen, manierlichen Phrasen, mit Sprüchen, mit sanft tönenden, versöhnenden, euere Mängel verkleistern! Ihr würdet nur spotten, denn – es thut leid mir – hartgesotten als Sünder seid Ihr! Bemeistern kann Euch nur das grobgeschnitzte, zugespitzte Wort, das als ein Hagel auf Euch prasselt und rasselt, und den Nagel trifft auf den Kopf.

Ich bin beflissen, Euer Gewissen zu schärfen, das dumpfe und stumpfe. Das läßt sich nicht erreichen mit milden und weichen, mit blumenreichen Worten und mit Umschreibungen von allen Sorten.

Doch da ich, wenn auch des Wahren Verkündiger, bin selber ein sündiger, schwächlicher, gebrechlicher Mensch, so denkt, daß von allen Schwächen und Gebrechen, die ich tadele, ich selbst auch nicht frei bin und im Heere der Sünder dabei bin.

Wer nun nicht will hören, sich nicht lassen will stören in seiner Gesunkenheit und Sündentrunkenheit, den Arm er strecke und werf' in die fernste Ecke das Buch. Ihm kann ich nicht raten. Doch der Fluch, er kommt und es kommt die Stunde, wo er wird braten im tiefsten Höllengrunde. Aber die so ganz im Stillen doch hegen den Willen, noch als Zukunftermesser auf Erden besser zu werden, die mögen sich befleißen und beißen auf meiner Worte Hamen.

Amen

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