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Laien-Predigten für das deutsche Haus

Otto von Leixner: Laien-Predigten für das deutsche Haus - Kapitel 10
Quellenangabe
typetractate
authorOtto von Leixner
titleLaien-Predigten für das deutsche Haus
publisherVerlag des Vereins der Bücherfreunde
year1894
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160422
projectide342b324
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Zweiter Abschnitt.
Sechs Predigten für Frauen und Mädchen.

Vorwort

Holde Mädchen! Edle Frauen!

Mich faßt ein Grauen, beginn ich zu denken, daß ich, gewohnt Euch zu huldigen, nun Euch soll beschuldigen, Ihr Engel, Ihr geduldigen, so mancher Mängel; daß ich, von Bosheit voll, Euch soll der Schwächen und Gebrechen zeih'n! Nicht mit Übertreibung, aber ohne Umschreibung. Nicht zag' ich wegen der Beweibung, da ich ja schon vermählt bin und von Rangen gequält bin. Aber, o wehe! ich sehe, wohin ich gehe, die Augen, die blauen und grauen und nächtigdunkeln, schon zornig funkeln und Blitze versenden. Ich kann ihn nicht wenden, den Sturm den brausenden, der mit sausenden Flügeln in Zorneswettern mich wird zerschmettern. Wie soll denn retten ich mich von dannen vor zürnenden Annen und Antoinetten? Vor wilden Mathilden, vor bösen Agnesen, vor Greten, den drohenden und Marien, den haßlohenden? Die sonst mich zu Liedern begeisterten, mit Anmut mich meisterten, mit gnädiger Huld, sie werden den Prediger bestrafen mit Martern, und selbst die Zartern, die sonst mich mild behandelt, sie werden, verwandelt in kriegerische Amazonen mich lohnen nach dieses Buchs Betrachtung mit offener Verachtung. Und manche würden mit dem größten Vergnügen mich rösten bei gelindem Spottesfeuer, diese bittersüßen Ungeheuer!

Doch zittert angstumwittert auch das Herz mir und macht die Zukunft Schmerz mir, trotz allem Drehen und Spähen und Winden, ein Ausweg ist nicht zu finden! Ich muß der Frauen Hassen und Pfeifen und Kneifen mir gefallen lassen und ohne Fragen und Klagen und Zagen ertragen der Augen Blitzen und die Stiche, die bekannten, der gewandten Zungenspitzen.

Ein leises Hoffen nur bleibt mir offen, es werden getroffen durch mein Beginnen vielleicht nicht alle Leserinnen sich finden. Mit geschwinden Gedanken, ohne zu schwanken, werden im Geiste sie wandern zu den andern Schwestern und mit leisem Behagen sich sagen: »Damit meint Leixner die und die! Ich thu' ja so was nie!«

Doch was könnt' das Schaudern und Zaudern jetzt noch frommen? Mag nun kommen, was kommen soll und will. Ich halte still und trage die Folgen meiner Schuld mit Würde und Geduld in Gottes Namen!

Amen

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