Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Karl May >

Kürzere Orienterzählungen

Karl May: Kürzere Orienterzählungen - Kapitel 3
Quellenangabe
typenarrative
authorKarl May
titleKürzere Orienterzählungen
correctorreuters@abc.de
created20131001
Schließen

Navigation:

Das Kurdenkreuz

1. Fatima Marryah

»Du bist verrückt, Effendi, zehnmal verrückt, hundertmal verrückt, und niemand kann dich heilen, wenn du bei deinem Vorsatz bleibst. Willst du mein Weib zur Witwe und meine Kinder zu Waisen machen? Sollen auch deine Weiber und Kinder in den Fluten der Tränen ersticken und in den Wassern der Trübsal ertrinken? Wenn du darauf bestehst, diesem Fluß des Unglücks noch weiter zu folgen, so werden wir in kurzer Zeit in den Magen der Geier, Schakale und Hyänen begraben sein.«

»Ich habe weder Frauen noch Kinder«, erklärte ich dem Sprecher. »Um mich würde also niemand trauern.«

»Allahi, Wallahi, Tallahi! Wenn dich niemand beweint, so ist das doch noch kein Grund, meine abgeschiedene Seele beweinen zu lassen! Du weißt, ich bin ein kühner Mann, aber zu diesen Kurden zu gehen, das heißt geradezu, sich in den Rachen des sicheren Todes zu stürzen.«

»So bleib zurück, Feigling!« rief mein kleiner, lieber Hadschi Halef Omar zornig. »Du bist ein Sohn der Angst und ein Enkel der Verzagtheit. Du nennst dich kühn, aber dein Herz wackelt dir vor Furcht im Leib, wenn wir Miene machen, einen Schritt vom breiten Weg abzuweichen. Du bist uns mitgegeben, uns zu schützen, und klapperst vor Entsetzen, wenn du eine fremde Flinte erblickst. Schäme dich! Komm, Sihdi, wir wollen weiterreiten und diesen Großvater der Furchtsamkeit hier stehenlassen!«

Ich war mit Halef in Kerkuk Gast des Müteßarrif gewesen, der uns sehr freundlich behandelte und bei unserer Abreise uns einen Kawassen aufnötigte. Ich hatte zwar keine Lust, mich mit einem solchen unnützen ›Beschützer‹ zu befassen, denn ich reise nicht so wie andere und wußte im voraus, daß ich die Aufgabe haben würde, der Beschützer unseres Beschützers zu sein. Aber der Müteßarrif erklärte, daß ich ohne einen Kawassen bei den Kurden verloren sei, und drängte mich so lange, bis ich ja sagte, nur um nicht undankbar zu erscheinen.

Was ich vorausgesehen hatte, trat ein: Kaßem, so hieß der Kawaß, entpuppte sich als furchtsamer Mensch, der dazu des Kurdischen kaum genügend mächtig war. Wären mir nicht die Sasa- und Kurmandschi-Mundarten geläufig gewesen, so hätten wir auf unseren weiteren Ritt verzichten müssen. Glücklicherweise besaß der Begleiter eine Eigenschaft, die mich mit dem erwähnten Fehler aussöhnte: er hatte ein gutes Herz und nahm die Vorwürfe, mit denen ihn mein Hadschi, der die Feigheit haßte, zuweilen überschüttete, so ruhig lächelnd hin, als seien sie nicht an ihn gerichtet.

Wir waren von Kerkuk aus nach Suleimanije gekommen, von da nach Rewandus geritten und wollten nun hinüber auf persisches Gebiet, um den Urmiasee zu erreichen. Unser Kawaß schlug uns vor, zu diesem Zweck den Sawi, den Hauptarm des Großen Sab, entlang zu reiten. Da es aber ein Umweg war, bestand ich darauf, dem kleineren Sidaka-Flüßchen zu folgen, das uns schneller über die Grenze führte. Kaßem aber weigerte sich, weil er die Khosnaf-Kurden fürchtete, die damals ihr Sommerlager an den Ufern des Sidaka aufgeschlagen hatten. Diese Kurden sind freilich als große Glaubenseiferer und Räuber verschrien. Da aber, alle nicht seßhaften Kurden das mehr oder weniger sind, so hielt ich meinen Vorsatz aufrecht und bekam deshalb von ihm die am Eingang verzeichnete Rede zu hören. Hadschi Halef stimmte mir, wie bereits erwähnt, bei, warf ihm seine Feigheit vor und lenkte sein Pferd nach rechts, in welcher Richtung der Sidaka floß. Ich tat das gleiche, und so mußte der Kawaß uns wohl oder übel folgen, aber nicht, ohne die Einwendung hören zu lassen:

»Ihr rennt ins Verderben, wenn ihr meiner Stimme nicht gehorcht. Ich kenne diese Khosnaf-Räuber. Sie leben sogar unter sich selbst in ewiger Blutrache. Sie zerfallen in die beiden Abteilungen Mir Mahmalli und Mir Yussufi, von denen die erste links, die zweite rechts vom Fluß weidet. Beide Stämme leben in beständiger Fehde miteinander. Sobald es sich aber darum handelt, an einem Fremden einen Raubmord zu begehen, halten sie zusammen. Kehrt um, kehrt um, denn ihnen gegenüber wird alle meine Macht zuschanden!«

»Sprich nicht von deiner Macht!« lächelte Halef. »Die Gewalt deines Müteßarrif erstreckt sich nicht auf die wilden Kurden. Sie fürchten selbst den Padischah nicht. Welche Macht willst du also besitzen? Dir leistet man ja nicht einmal in Kerkuk Gehorsam. Dein Wille ist gleich dem einer Mücke, die ich mit meinem Odem weit von mir blase.«

Ich duldete Kaßem als unnötiges Anhängsel und schwieg, wenn Halef sich mit ihm stritt. Darum war ich auch jetzt still. Der arme Teufel konnte ja nicht anders sein, als er eben war.

Wir hatten Rewandus am frühen Morgen verlassen, und jetzt war es schon Nachmittag. Indem wir dem Flüßchen aufwärts folgten, ritten wir nicht etwa auf einem gebahnten Weg. Es gab keinen solchen, unsere Pferde gingen vielmehr im klaren Geröll, das die Frühjahrsüberschwemmung an den beiden Ufern zurückgelassen hatte. An dieses Geröll stieß sofort der dichte Eichenwald, der hüben und drüben schroff in die Höhe stieg. Der Ritt war anstrengend für die Tiere, doch erweiterte sich später das Tal des Flusses. Seine Sohle trug saftiges Wiesengras, auf dem die Pferde weicher gingen. Zuweilen zog sich ein Gebüsch, durch das wir uns drängen mußten, vom Wald her bis an das Wasser hin.

Ich ritt mit Halef voran. Kaßem folgte eine Strecke hinterher. Er machte ein sehr besorgtes Gesicht. Da ich aber im Gras keine Spur von Menschen oder Weidevieh bemerkte, hielt ich eine Begegnung mit Kurden jetzt noch für ausgeschlossen. Ich irrte mich, denn ich zog den Umstand nicht in Betracht, daß die beiden Stämme, die hier getrennt zu beiden Seiten des Flusses lebten, in Fehde miteinander standen. Feindliche Stämme bringen jedenfalls eine größere Entfernung, als die Breite des kleinen Flüßchens betrug, zwischen sich. In der Folge sah ich freilich, daß die Mir Mahmalli und Mir Yussufi sich hüteten, ihre Herden in das Flußtal zu treiben. Sie hatten ihr Lager mitten im Wald aufgeschlagen und ihre Tiere auf Lichtungen untergebracht, wo sie leicht bewacht werden konnten.

Eben ritten wir wieder durch einen dichten Busch, als ich vor uns, doch in weiter Entfernung, um Hilfe rufen hörte. Es war eine weibliche Stimme. Ich nahm an, daß jemand sich in Gefahr befände und trieb meinen Rappen schnell vorwärts durch die Sträucher. Halef folgte mir auf dem Fuß. Kaßem aber, der das sah und den Hilferuf auch gehört hatte, zügelte sein Tier und rief uns ängstlich zu:

»Haltet an! Effendi, ich bitte dich inständig, hier im Gebüsch versteckt zu bleiben! Laß rufen, wer da rufen will! Wer sich in Gefahr begibt, den frißt sie auf mit Haut und Haar.«

Selbstverständlich achtete ich nicht auf diese Warnung und ritt weiter. Die Rufe wurden ängstlicher, sie kamen näher. Als ich den Rand des Gesträuchs erreichte, sah ich das diesseitige Ufer als einen langen schmalen Grasplan vor mir liegen, der rechts vom Fluß, links von der bewaldeten Höhe und vorn von einem ähnlichen Gebüsch, wie das hinter mir liegende, begrenzt wurde. Diese Ebene war vielleicht achthundert Schritte lang, und eine weibliche Gestalt kam darüber aus Leibeskräften gerannt, dabei immer um Hilfe rufend, als würde sie von einem feindlichen Wesen verfolgt. Und doch war, so weit mein Blick reichte, kein solches zu sehen.

Die Frau war aus den jenseitigen Büschen gekommen und hatte sich davon schon vielleicht hundertfünfzig Schritte entfernt. Die Angst hatte sie zunächst gerade vorwärts getrieben. Nun wendete sie sich dem Fluß zu, um ihn zwischen sich und die Gefahr, die hinter ihr lag, zu bringen. Da sah sie mich und Halef halten und lenkte rasch wieder in ihre vorherige Richtung ein, kam also auf uns zugerannt, Kaßem hatte sich doch bis an den Buschrand hinter uns her gewagt. Er rief lachend aus:

»Allah! Dieses Weib ist verrückt. Sie schreit um Hilfe und befindet sich doch nicht in Gefahr.«

Aber es zeigte sich schon im nächsten Augenblick, daß ihre Rufe nicht ohne Ursache waren, denn aus dem hinter ihr liegenden Gebüsch kam ein Hund geschossen, hinter ihm noch einer und wieder einer. Es waren riesige, grau gefärbte kurdische Windhunde von der Rasse, die von den Kurden Tasi genannt wird. Ein solcher Hund hat die Höhe eines Kalbes, besitzt zwar eine schlechte Nase, verliert aber eine Spur, einmal auf sie gehetzt, nicht wieder und ist darauf abgerichtet, dem Verfolgten die Gurgel zu zerreißen. Die Frau befand sich also in höchster Gefahr. Wurde sie von den Hunden erreicht, so war es um ihr Leben geschehen. Sie kamen in weiten Sätzen hinter ihr her. Ich mußte ihr helfen und jagte ihr entgegen.

»Halt ein, halt ein! Um Allahs willen, halt ein! Die Hunde reißen dich vom Pferd und zerfleischen dich!« schrie mir Kaßem nach.

Ich achtete nicht auf ihn, ritt vielmehr weiter, um die Entfernung zu verringern und einen sicheren Schuß zu haben. Dann hielt ich an und nahm den Stutzen vor. Als ich ihn anlegte, stand mein Rappe wie eine Mauer. Er wußte, daß ich schießen wollte, und daß er sich nicht bewegen dürfe. Drei schnell hintereinander folgende Schüsse, und die Hunde, die ich so schön von vorn aufs Blatt nehmen konnte, wälzten sich im Gras. Die Frau rannte dennoch weiter. Ich ritt ihr, von Halef gefolgt, entgegen und rief sie, als ich sie fast erreicht hatte, an:

»Bleib stehen! Du bist gerettet. Die Hunde sind tot!«

Ich hatte mich der Kurmandschi-Mundart bedient, die wohl die ihrige war, denn sie verstand mich, hielt im Laufen inne, blickte zurück und rief, als sie die Hunde liegen sah:

»Gheine Chodeh kes nehkahne – Gott ist allmächtig! Er hat mich gerettet. Ihm sei Lob und Dank gesagt!«

Ihr Atem flog so, daß sie diese Worte nur mit Unterbrechung hervorbrachte. Die beiden Hände auf die Brust legend, versuchte sie, sich zu beruhigen. Sie war vielleicht vierzig Jahre alt und Falten durchfurchten ihr Gesicht. Ihre ärmliche Bekleidung bestand nur aus einem langen, hemdartigen, blauleinenen Gewand. Auf dem Kopf trug sie ein altes Schleiertuch, das sich verschoben hatte, sonst wäre ihr Gesicht damit bedeckt gewesen.

»Hattest du die Hunde erzürnt, oder hat man sie auf dich gehetzt?« fragte ich.

»Gehetzt, gehetzt!« erwiderte sie, noch immer atemlos. »Ich sollte von ihnen zerrissen werden.«

»Wem gehörten sie?«

»Schir Seleki, dem Anführer der Mir Mahmalli, der Räuber, der Mörder, die keinen Menschen, nicht einmal ein armes Weib schonen.«

»Womit hattest du denn diesen Mann erzürnt?«

»Erzürnt? Er tötet, ohne zornig zu sein, denn der Mord ist ihm ein Vergnügen. Ich vermißte meine Ziege, meinen Liebling, von deren Milch wir leben, denn wir sind arm und haben nur das eine Tier. Ich suchte sie und kam zum Fluß. Ich sah sie jenseits und stieg ihr durch das Wasser nach. Eben wollte ich sie ergreifen, um sie zurückzuführen, da kam Schir Seleki, der Erbarmungslose, mit einer Schar Mir-Mahmalli-Krieger. Ich flehte ihn um Erbarmen an, denn wir liegen in Blutfehde mit seinem Stamm. Er aber hohnlachte meiner Bitte und stach meinen Liebling tot. Dann wurde darüber beraten, was mit mir geschehen sollte. Die Unmenschen wollten zwar ihre Waffen nicht mit dem Blut eines Weibes verunreinigen, aber sterben sollte ich dennoch. Sie beschlossen, mich von den Hunden hetzen und zerreißen zu lassen. Ich mußte vorwärts laufen bis an das nächste Gebüsch, so weit wollten sie mir Vorsprung geben. Ich lief bis zum Gesträuch, dann immer weiter, und schrie in meiner Todesangst zu Gott um Hilfe. Er hörte meinen Ruf und rettete mich durch dich, o Herr. Sein Name sei gelobt in Ewigkeit!«

»So sind die Mir-Mahmalli-Krieger wohl hinter dir her?«

»Sie kommen jedenfalls, um meine zerrissene Leiche – –«

Sie hielt inne. Infolge meiner Frage unwillkürlich zurückblickend, sah sie einen Trupp Reiter, der durch die vor uns liegenden Sträucher brach und bei unserem Anblick kurz halten blieb.

»Dort sind sie, dort!« schrie sie entsetzt auf. »Fort, sonst bist du verloren! Ich fliehe auch!«

Sie rannte spornstreichs zum Fluß, um sich ans jenseitige Ufer zu retten. Der Kawaß hielt noch immer weit hinter uns, er brüllte uns zu:

»Allah sei uns gnädig! Kommt zurück! Wir müssen fliehen – fliehen – fliehen!«

Die Kurden sahen die toten Hunde liegen und kamen, ein Wutgeschrei ausstoßend und die Waffen schwingend, auf uns zugesprengt. Es waren zwölf Mann. Mein kleiner Hadschi Halef nahm sein Doppelgewehr von der Schulter und fragte ruhig:

»Wir reißen doch nicht aus, Sihdi?«

»Nein! Rück weiter ab von mir, und schieß, wenn sie nicht haltenbleiben, aber nur auf die Pferde. Umzingeln lassen dürfen wir uns nicht!«

Ich schob drei neue für die abgeschossenen Patronen in den Stutzen und hielt ihn schußbereit. Zweihundert Schritt, hundertfünfzig, hundert waren die Mir Mahmalli von uns entfernt, da rief ich ihnen zu:

»Halt, nicht weiter! Wir schießen!«

Zwölf gegen zwei! Sie antworteten mit einem höhnischen Gelächter und ritten weiter. Sieben hatten, wie ich sah, Gewehre. Diese fürchtete ich nicht so wie die langen Lanzen, die die fünf anderen gegen uns eingelegt hielten.

»Die Pferde der zwei vordersten Lanzenreiter!« rief ich Halef zu. Er gehorchte, und ich gab drei Schüsse ab. Fünf Pferde stürzten, die Reiter flogen ab. Zwei oder drei der folgenden Pferde strauchelten über die gefallenen und stürzten auch, der Trupp kam dadurch ins Stocken. Die noch im Sattel Sitzenden blieben ungefähr dreißig Schritt vor uns halten, während die anderen sich aufrichteten und fluchend ihren Pferden nachsahen.

Der Anblick dieser Leute war keineswegs Vertrauen erweckend, doch konnte ihre Bewaffnung mich nicht in Angst versetzen. Die Lanzen waren jetzt unschädlich, und die mit Gewehren Ausgerüsteten hatten nur alte Steinschloßflinten, zwei von ihnen sogar uralte Luntengewehre. Was die Anzüge betraf, so prahlten diese in allen Farben: der Kurde liebt es, sich möglichst bunt zu kleiden. Einer von ihnen, der sich auch durch den Besitz einer Pistole auszeichnete, trug auf dem Kopf einen riesigen Turban.

Er war der Anführer, ritt einige Schritte vor und donnerte uns an:

»Allah verdamme euch! Habt ihr den Verstand verloren, daß ihr es wagt, im Bereich unseres Gebietes auf uns zu schießen? Wer seid ihr, Hundesöhne?«

»Wir sind Fremde«, erwiderte ich, sein letztes, beleidigendes Wort überhörend.

»Das versteht sich von selbst. Wäret ihr nicht fremd, würdet ihr euch gehütet haben, euch durch diese Feindseligkeit die Pforten des sicheren Verderbens zu öffnen. Eure Seelen gehören der Hölle. Fahr hinab durch unsere Kugeln!«

Er wollte sein Gewehr anlegen. Ich hielt den Lauf auf ihn gerichtet und gebot ihm schnell: »Nieder mit der Flinte, sonst jage ich dir den Tod ins Gehirn!«

»Schwätzer!« lachte er. »Eure Läufe sind doch abgeschossen!«

»Der meinige schießt immerfort. Paß auf!«

Ich gab rasch hintereinander drei, vier, fünf Schüsse auf sein Pferd ab. Es brach tot zusammen. Er stürzte nieder und verlor die Flinte.

»Allah, Allah!« brüllte er wütend, indem er sich aufrichtete. »Woher hast du dieses Gewehr? Hat es der Teufel für dich gemacht? Wie ist dein Name?«

»Ich bin ein Christ aus einem fernen Land und werde Kara Ben Nemsi Effendi genannt.«

»Ein Christenhund? Allah verfluche dich! Stirb von meiner Hand!«

Er raffte sein Gewehr auf, um es auf mich anzulegen, da fiel ihm einer der Lanzenreiter in den Arm und rief ihm hörbar ängstlich zu:

»Halt ein! Du tötest uns alle! Das Gewehr dieses Christen schießt hundert Kugeln hintereinander, ohne daß man es jemals zu laden braucht. Ich kenne ihn! Er schießt euch, bevor ihr zum Losdrücken kommt, alle über den Haufen.«

»Was – sagst du?« fragte der Anführer, indem er seine Flinte sinken ließ und den Sprecher mit offenem Mund anstarrte.

Dieser antwortete aber mit so leiser Stimme, daß ich ihn nicht verstehen konnte. Er sprach auf ihn und die anderen eifrig eine ganze Weile ein, wodurch Halef Zeit gewann, seine beiden Läufe wieder zu laden. Die Kurden hörten dem Sprecher mit sichtbarem Staunen zu und musterten mich mit Blicken, als sei ich das achte Weltwunder. Ich selbst war neugierig zu hören, wo dieser Mann mich kennengelernt hatte. Als seine Rede zu Ende war, wurde eine kurze, ebenso leise Beratung gehalten, und dann wendete sich der Anführer an mich:

»Chodih Herr, Gebieter, bist du der Fremdling, der den Stamm der Haddedihn dadurch vom Untergang rettete, daß er drei Stämme ihrer Feinde in das Tal Deradsch lockte, wo sie sich ergeben mußten?«

»Der bin ich allerdings.«

»Und ist der kleine Mann, der sich bei dir befindet, vielleicht Hadschi Halef Omar, der alles mit dir erlebte?«

»Er ist es.«

»Da ihr diese beiden seid, so sind wir bereit, euch zu verzeihen, wenn du das tust, was wir von dir verlangen.«

»Sage, was du forderst.«

»Du bezahlst erstens die Pferde, die ihr uns getötet habt.«

»Wohl auch die Hunde?«

»Gewiß! Und zweitens schenkt ihr uns alle Waffen, die ihr bei euch tragt.«

»Und drittens?«

»Weiter nichts. Du siehst, daß wir sehr billig sind. Gehst du auf diese Bedingung ein, so bist du mein Mivan und Hemscher Gast und Freund, und ihr könnt bei uns, solange es euch beliebt, ebenso sicher wohnen, als ob ihr zu unserem Stamm gehörtet.«

»Wenn ich mich aber weigere?«

»So werden wir euch als Feinde behandeln, und die Sonne dieses Tages wird die letzte sein, die euch ins Auge scheint. Ich rate dir, meinem billigen Verlangen nachzukommen.«

»Es ist mir noch nicht billig genug. Ich werde euch beweisen, daß ihr noch viel billiger sein könnt.«

»Glaube das nicht! Wer gab dir das Recht, meine Hunde zu töten?«

»Sollten sie nicht das Weib zerreißen?«

»Ja. Es herrscht Blutrache zwischen uns und ihrem Stamm. Sie ist außerdem eine verfluchte Schiitin, die sogar vom Heiland der Christen redet. Ihr Blut gehört den Hunden. Sie heißt Fatima Marryah Die manchmal von den üblichen Schreibungen abweichenden Namens- und Sprachwiedergaben mögen die großen mundartlichen Unterschiede kennzeichnen. und wird im tiefsten Schlund der Verdammnis heulen.«

Also diese Frau war eine Schiitin! Die Sunniten hassen die Schiiten, ja sie behandeln sie mit noch größerer Verachtung als die ›Ungläubigen‹. Und vom Heiland redet sie? Sollte die Kunde vom Welterlöser auf irgendeine Weise in ihr Ohr oder gar in ihr Herz gedrungen sein? Dann konnte ich mich darüber, sie gerettet zu haben, doppelt freuen. Ich antwortete:

»Ich bin ein Christ. Fatima Marryah spricht von meinem Heiland, und darum fühle ich mich glücklich, deine Hunde erschossen zu haben. Hättest du sie nicht auf das arme Weib gehetzt, so lebten sie noch. Du bist also selbst schuld an deinem Verlust. Und auch die Pferde soll ich bezahlen? Habe ich euch nicht Halt geboten? Drohte ich euch nicht, sonst zu schießen? Ihr gehorchtet nicht, darum feuerten wir. Wer gab also die Veranlassung zum Tod eurer Pferde?«

»Du, nicht wir! Wer gibt dir denn das Recht zu schießen?«

»Ich selbst gebe es mir. Wenn ich angegriffen werde, verteidige ich mich. Dankt Allah, daß ich ein Christ bin! Wäre ich ein Muslim, so hätten wir nicht auf die Pferde, sondern auf euch geschossen. Und unsere Waffen wollt ihr haben? Damit ihr uns dann niedermachen könnt! Ich verschmähe es, der Gast und Freund eines Mannes zu sein, der wehrlose Frauen von seinen Hunden zerfleischen läßt. Schande und Verderben über dich!«

»Schweig!« brüllte er mir zu. »Sage noch ein einziges derartiges Wort, so fressen dich schon heute oder morgen die Würmer!«

»Es be the tescha-u-utim – ich bedaure dich. Deine Ohnmacht ist nicht imstande, deine Drohung auszuführen. Mein Gewehr hat drei Hunde und drei Pferde getroffen, dann erhielt auch dein Tier fünf Schüsse aus ihm. Hast du mich laden sehen? Soll ich noch zwölfmal losdrücken und euch alle durch die Köpfe schießen?«

»Du hast es dir vom Teufel machen lassen!« knurrte er in unterdrückter Wut. »Wer kann gegen den Teufel kämpfen! So willst du uns also nicht bezahlen?«

»Nein.«

»Und auch nicht mit uns gehen?«

»Fällt mir nicht ein!«

»Wohin reitet ihr?«

»Dahin, wohin es uns beliebt. Du brauchst es nicht zu wissen. Zunächst bleiben wir noch fünf Minuten hier. Unsere Sicherheit erfordert, daß ihr euch vor uns entfernt. Wer von euch nach diesen fünf Minuten nicht fort ist, bekommt eine Kugel von mir.«

»Wir müssen die toten Pferde fortschaffen, ihnen wenigstens das Reitzeug abnehmen.«

»Zu diesem Zweck könnt ihr später zurückkehren. Fort mit euch! Sieh hier mein Gewehr im Anschlag und zähle fünf Minuten! Dann geht es sicher los!«

Ich richtete den Lauf auf ihn, und Hadschi Halef folgte meinem Beispiel. Die Angst vor meinem Stutzen brachte die beabsichtigte Wirkung hervor. Die Kurden warfen mir zwar grimmige Blicke zu, wagten es aber doch nicht, zu widerstreben. Sie raunten sich leise Bemerkungen zu und trollten sich dann, die einen reitend, die anderen zu Fuß, von dannen. Als sie an dem Gebüsch, aus dem sie gekommen waren, anlangten, drehte sich der Anführer der Mir Mahmalli um, schwang drohend sein Gewehr und rief zurück: »Kuh' in ßore. Bavese ser marân – das Blut ist rot. Hüte dich vor Schlangen!«

Das war eine Unvorsichtigkeit von ihm, denn er verriet uns dadurch, daß er die Absicht hege, uns heimlich zu folgen, um sich an uns zu rächen. Wir wußten also, daß wir auf unserer Hut sein mußten. Zwar hatten wir nur einige Tiere erschossen, doch war es sicher, daß die Wirkung die gleiche sein würde.

*

2. Yussuf Ali

Hadschi Halef Omar ließ, als die Mir Mahmalli verschwunden waren, ein lustiges Lachen hören und sagte:

»Da sind sie hin, die zwölf Helden, die vor zwei Männern weichen! Müssen sie sich nicht dessen schämen, Sihdi, und alle ihre Kindeskinder in Zukunft auch? Wir aber sind nicht vor ihnen gewichen. Doch siegten wir nur durch die Angst vor deinem Gewehr. Wir wären schlimm daran gewesen, wenn der Krieger seinen Anführer nicht auf deinen Stutzen aufmerksam gemacht hätte.«

»Auch nicht schlimmer, nur hätte es wohl Menschenblut gekostet. Solange die Kurden offen vor uns standen, waren sie nicht zu fürchten. Nun aber werden sie uns wie ›Schlangen‹ nachschleichen, und das ist weit gefährlicher für uns.«

»Eher denke ich, daß sie uns auflauern, wenn wir jetzt weiterreiten. Es scheint, daß wir durch ihr Gebiet kommen werden.«

»Meinst du wirklich, daß ich imstande bin, den Weg auf dieser Seite fortzusetzen? Ich habe bisher angenommen, daß du mich besser kennst. Hier wohnen die Mir Mahmalli, drüben die Mir Yussufi, zu deren Stamm, wie es scheint, diese Fatima Marryah gehört. Da wir ihr einen solchen Dienst erwiesen haben, so steht mit Sicherheit zu erwarten, daß ihre Stammesgenossen uns freundlich aufnehmen und nötigenfalls gegen die Mahmalli beschützen werden. Wir gehen jetzt also über das Wasser.«

Indem ich das sagte, sah ich mich nach unserem Kawassen um. Er war nicht zu erblicken. Darum ritten wir zurück und fanden ihn nur dadurch, daß ich im Gras seine Spur suchte. Der Mensch hatte vor lauter Angst sein Pferd zwischen die Büsche geführt, dort angebunden und war dann tief in ein Dorndickicht gekrochen.

»Sind sie fort?« fragte Kaßem, als ich ihn an den Beinen hervorzog. »Du lebst, Effendi! So haben sie dich nicht ermordet?«

»Doch! Sie haben mich erschlagen.«

»Aber – aber, du stehst ja hier vor mir!«

»Das ist nur mein Geist, der dich Tag und Nacht verfolgen wird für die Kühnheit, mit der du uns beschützt hast.«

»Und mein Geist wird dir aufsitzen, alle Stunden zehn- oder zwölfmal, du Großvater und Urgroßvater der Furchtsamkeit«, stimmte Hadschi Halef ein. »Warum bist du zurückgeblieben? Warum hast du dich versteckt?«

»Nur aus Rücksicht für euch. Die Kurden hassen die Kawassen des Großherrn. Hätten sie mich bei euch gesehen, so wäret ihr gewiß nicht mit so heiler Haut davongekommen.«

»Und da gibt dein Müteßarrif dich uns zum Schutz mit. Allah verwandle ihn dafür in einen umgekehrten Igel, mit den Stacheln nach innen, damit sie seine inwendige Seele stechen und peinigen all ihr Leben lang! Welcher vernünftige Mensch tut denn, um einen Zweck zu erreichen, das gerade Gegenteil von dem, wodurch er ihn erreichen würde? Ich werde euch beide nach vollendeter Reise auf Bretter nageln lassen, um euch als Seltenheiten vorzuführen.«

Halef machte eine verächtliche Handbewegung und folgte mir, der ich mich zum Fluß wendete. Dieser war hier seicht, so daß die Kurdin leicht hatte hinüberwaten können. Sie war übrigens nicht mehr zu sehen.

Drüben angelangt, ritten wir am Ufer aufwärts, hüteten uns aber, uns nah am Wasser zu halten. Die Mir Mahmalli konnten sich drüben versteckt haben und auf uns schießen.

Wir ritten vielmehr am Rand der Talsohle, am Saum des Waldes unter den Bäumen, durch deren Stämme wir leidlich gedeckt waren.

Diese Vorsicht zeigte sich als gerechtfertigt, denn wir waren noch nicht weit gekommen, so fiel drüben aus den Büschen ein Schuß, doch ohne daß einer von uns getroffen wurde. Einige Augenblicke später hörte ich einen zweiten, er war hinter mir gefallen. Ich drehte mich schnell um und sah den Kawassen, der, um ruhiger zielen zu können, abgestiegen war, neben seinem Pferd stehen und die soeben abgeschossene Flinte senken. Jenseits des Flusses erhoben die Kurden ein wütendes Geschrei. Schnell, damit er meinen Worten zuvorkomme, rief er mir zu:

»Ich habe ihn erschossen, Effendi! Ich sah ihn zwischen den Sträuchern stehen und auf uns feuern. Da schickte ich ihm meine Kugel und sah ihn niederstürzen.«

»Welcher war es? Etwa der Anführer?«

»Nein, ein anderer. Siehst du nun, daß ich Mut besitze und ein tapferer Krieger bin?«

»Nein. Es ist keine Kunst, so aus dem Hinterhalt auf jemand zu schießen. Warum fragtest du mich nicht? Deine Voreiligkeit kann uns den größten Schaden bringen. Aus dem Geschrei der Mir Mahmalli ist zu erkennen, daß du getroffen hast. Dachtest du denn nicht an die Blutrache?«

»Blutrache? O Allah, das hatte ich vergessen! Meinst du, daß sie kommen, um sich zu rächen?«

»Sicher! Kein Volk hält so fest wie diese Kurden an der Blutrache. Wenn sie dir den Hals abschneiden, habe ich nichts dagegen!«

Ich meinte diese Worte nicht im Ernst, war aber doch erzürnt über Kaßem. Wir befanden uns schon in Gefahr, und sein unkluges Gebaren konnte sie nur vermehren, zumal der Fluß jetzt eine Krümmung machte und so nah an den Berghang trat, daß zwischen den beiden nur ein sehr schmaler, offener Grasstreifen blieb, dem wir eigentlich folgen mußten. Diese Stelle konnte verhängnisvoll für uns werden, weil wir darauf den Kugeln der in den Büschen jenseits steckenden Kurden frei ausgesetzt waren. Darum zog ich es vor, wenigstens eine Strecke weit unter dem Wald des Abhangs Deckung zu suchen. Wir waren also gezwungen, uns bergauf zu wenden, und mußten infolgedessen absteigen, da das Gelände felsig war und ziemlich steil anstieg. Unsere Pferde führend, kletterten wir empor und kamen zu meiner Verwunderung auf einen Pfad, der längs der Berglehne hinzuführen schien. Wir folgten ihm, ohne es für notwendig zu halten, uns auf eine feindselige Begegnung vorzubereiten, denn auf diesem Ufer wohnten die Mir Yussufi, von denen ich annahm, daß sie uns freundlich aufnehmen würden.

Hier konnten wir wieder in den Sattel steigen, waren aber noch nicht weit gekommen, so sahen wir uns zum Halten gezwungen. Wir befanden uns nämlich vor einem Felsen, der da, wo der Pfad aufhörte, ein Tor zu bilden schien. Man konnte auf keine Seite abweichen, denn links fiel das Gelände steil ab, und rechts stieg es so jäh an, daß es nicht zu begehen war. Die Öffnung aber, die ich Tor nannte, war mit einem starken Dorngeflecht verschlossen. Ich fragte mit lauter Stimme, ob jemand dahinter sei, worauf eine kräftige Baßstimme von innen antwortete:

»Es ist jemand da. Wer seid ihr?«

»Wir sind Fremde, die von Rewandus kommen.«

»Wohin wollt ihr?«

»Über die Grenze.«

»Wes Glaubens seid ihr? Sunniten oder Schiiten?«

»Ich bin ein Christ. Meine Begleiter aber sind sunnitische Muslimin. Könnten wir für die Nacht eure Gäste sein?«

»Ich werde öffnen. Bindet draußen eure Pferde an!«

Die Dornentür wurde entfernt, und es erschien ein Mann von so riesigen Körperformen, wie ich wohl noch nie einen gesehen hatte. Er war bedeutend höher und breiter als ich und trug auf seinem unbedeckten, sonst kahlgeschorenen Kopf nur ein langes, dünnes Temeli Haarbüschel, das hinten bis auf den Rücken niederfiel. Seine sehr weite Hose war schwarz und rot gestreift und oben und unten mit einem Riemen zugebunden. Die nackten Füße hatten fast noch größere Abmessungen als die gewaltigen Hände. Um die Schultern hing ein Lederkragen, der in lange Streifen geschnitten war, so daß der rauh behaarte Oberkörper ebenso wie die nackten, auffallend muskelkräftigen Arme zu sehen waren. Er hielt ein Messer in der Hand, mit dem er wohl eben beschäftigt gewesen war. Er musterte uns finster und sagte dann:

»Kommt herein und wartet hier! Ich werde dem Malkoegund Dorfältester, Anführer eure Ankunft melden.«

Er verschwand im Hintergrund durch eine zweite Dornentür, die er von draußen wieder vorschob, und wir traten ein, die Pferde im Freien lassend. Wir befanden uns in einem unregelmäßig viereckigen Raum, der wohl zwanzig Menschen bequem fassen konnte, und dessen Wände mit ebensolchem Dorngeflecht bekleidet waren. Als Stühle oder Schemel lagen mehrere große Steine da. Wir setzten uns. Sonst war ringsum nichts zu sehen als ein Lanzenschaft, an dem der Kurde bei unserem Kommen geschnitzt zu haben schien.

Eigentlich hatte ich große Lust, die Örtlichkeit in altgewohnter Vorsicht zu untersuchen, doch hielt mich eben diese Vorsicht davon ab. Wir konnten Beobachter haben, und ich wollte sie nicht durch ein Zeichen des Mißtrauens gegen uns aufbringen. Eines aber tat ich, um auf alle Fälle gerüstet zu sein: ich füllte, um die abgeschossenen Kugeln zu ergänzen, die Kugelkammer meines Henrystutzens mit neuen Patronen.

Eben war ich damit fertig, als die Hintertür wieder geöffnet wurde und der Kurde mit einem Mann eintrat, den er als den Malkoegund bezeichnete. Dieser war ein verwegen und zugleich verschmitzt aussehender Krieger mittlerer Größe. Er trug einen riesigen Turban; sein Körper wurde von einem Anzug, der aus rot und gelb gemustertem Zeug gefertigt war, umhüllt. Im Gürtel hatte er ein Messer und eine Pistole stecken. Im Besitz dieser Waffe befinden sich bei den Kurden meist nur die Anführer. Er warf einen forschenden und, wie es mir schien, erzwungen freundlichen Blick auf uns und fragte:

»Die beiden Männer sind Sunniten?«

»Ja.«

»Wir bekennen uns zur heiligen Schia und feiern den Tod Husseïns, des Blutzeugen. Du aber bist ein Christ.«

Er warf mir einen Blick zu, den ich nicht zu enträtseln vermochte, musterte mich abermals und trat dann vor den Eingang, um unsere Pferde zu betrachten. Kaum war sein Auge auf meinen Rappen gefallen, so leuchtete es freudig überrascht auf, und er rief aus:

»Ja Hassan, ia Husseïn! Das ist ja ein Hengst von reinstem Blut. Wie heißt er?«

»Rih«, antwortete ich.

»Rih? Von wem hast du ihn?«

»Von Mohammed Emin, dem Scheik der Haddedihn vom Stamm der Schammar.«

»Ich kenne die Haddedihn und alle ihre Schicksale. So bist du wohl der Christ, dem er dieses Pferd schenkte, weil du seinen Stamm vor drei feindlichen Stämmen rettetest?«

»Ja.«

»Du durchzogst darauf Kurdistan und hast dann auch für die Teufelsanbeter gekämpft?«

»Ich stand ihnen bei, weil sie recht hatten.«

»Aber gegen Anhänger des Propheten!« brauste er beinahe auf.

»Durch meinen Beistand wurde großes Blutvergießen verhindert«, verteidigte ich mich.

»Ich hörte von dir erzählen«, fuhr der Malkoegund gemäßigter fort, »auch davon, daß du ein Gewehr besitzt, mit dem man unaufhörlich schießen kann, ohne zu laden. Hast du es noch?«

»Ja, hier ist es«, erklärte ich, indem ich auf den Stutzen deutete.

»Gib es her! Ich will es betrachten.«

»Ich gebe es nur dann aus der Hand, wenn ich weiß, daß ein Freund es sehen will. Bist du gewillt, uns als Gäste aufzunehmen?«

Dieses Gewehr mit seinen fünfundzwanzig Schüssen war mein bester Schutz, zugleich aber auch eine Gefahr für mich, da jeder es zu besitzen wünschte.

»Du mißtraust mir? Erfahre, welche Folgen das hat!« Er schlug die Hände zusammen.

Das Klatschen war ein Zeichen: Ich vernahm hinter uns ein Geräusch, als würde die Dornenwand bewegt. Ich drehte mich schnell um. Die Wand war fort, und es drängten sich zehn bis zwölf bewaffnete Krieger herein. Die vordersten standen schon hart bei uns. Ich wollte zurückspringen und den Stutzen anlegen. Aber es war zu spät, denn der Riese, der uns eingelassen hatte, und dem ich nun den Rücken zudrehte, ergriff den Lanzenschaft und schlug mich damit in der Weise auf den Kopf, daß ich niedersank.

Was nun geschah, konnte ich weder sehen noch hören, denn der Hieb des riesenkräftigen Mannes hatte mich ohnmächtig gemacht. Als ich wieder zu mir kam, lag ich, an Händen und Füßen gefesselt und nur noch mit Hemd und Hose bekleidet, im Freien. Neben mir befanden sich Halef und Kaßem, ebenso entkleidet wie ich.

Es war noch Tag, und so konnte ich meine Umgebung deutlich in Augenschein nehmen. Mitten im Wald war ein großer viereckiger Platz gelichtet worden. Die gefällten Bäume hatte man, ohne ihnen die Kronen zu nehmen, an den Rändern dieser Lichtung so neben- und aufeinandergelegt, daß eine undurchdringliche Einfassung entstanden war, in der als Eingang eine nur so breite Lücke blieb, daß ein einzelner Reiter hindurch konnte. Diese Lücke wurde des Nachts und in Zeiten der Gefahr geschlossen. Später erfuhr ich, daß es noch einen zweiten Eingang gab, nämlich das Felsentor, durch das wir gekommen waren. Dieses hatte man mit dem erwähnten Dornenflechtwerk so ausgekleidet, daß es einem nur dem Wald zu offenen Raum, einer Art Stube glich, ein Umstand, durch den auch ich getäuscht worden war.

Der Raum war auf drei Seiten offen. Von der einen Seite waren wir, von der anderen der Malkoegund und von der dritten die, die uns überfielen, eingetreten.

Auf der Lichtung standen die aus Stämmen und Zweigen errichteten Hütten der Kurden. Ihr Inneres konnte durch verstellbare Flechtwände in beliebig viele Abteilungen geschieden werden. Die Herden, die des Abends hereingetrieben wurden, befanden sich mit den zahlreichen bewaffneten Hirten jetzt draußen im Wald und auf offenen Weideplätzen. Im Inneren der Einfriedung gab es daher nur wenige, vielleicht dreißig Männer, von denen zehn um uns herumsaßen. Kinder und verschleierte Frauen trieben sich aber in viel größerer Anzahl entweder geschäftig herum, oder sie standen da, um uns neugierig und feindselig anzugaffen. Unsere Pferde waren in der Nähe an Pfähle gebunden. Unter den erwähnten zehn befanden sich der Malkoegund und der Riese, der uns empfangen hatte. Dieser schien seiner Bekleidung und Bewaffnung nach, denn er hatte nur das Messer, der ärmste von ihnen zu sein. Als der Malkoegund sah, daß ich die Augen wieder offen hatte, redete er mich feindselig an:

»Du siehst, wie weit dein Mißtrauen dich gebracht hat. Ihr werdet sterben müssen.«

»Hätte ich dir Vertrauen geschenkt, so lägen wir jetzt auch hier«, erwiderte ich. »Ihr wolltet unser Eigentum haben, besonders mein Pferd und mein Gewehr. Da war es gleich, ob wir euch trauten oder nicht. Sterben aber werden wir auf keinen Fall.«

»Du irrst. Sobald es Abend ist und alle beisammen sind, wird die Hinrichtung vor sich gehen. Ihr seid verdammte Christen und Sunniten, die keine Gnade zu erwarten haben. Wer euch tötet, dem legt Allah tausend Ewigkeiten zu.«

»Und ich sage dir, daß keiner von euch es wagen wird, die Hand an uns zu legen.«

»Ich aber schwöre dir bei Allah, bei Hassan, bei Husseïn und – –«

»Halt, schwöre nicht, denn du würdest falsch schwören«, unterbrach ich ihn. »Mich richtet man nicht so leicht hin. Was nützt dir die Beute, die ihr uns abgenommen habt? Mein Pferd wird dir nicht gehorchen, und mein Gewehr verstehst du nicht zu handhaben. Deine Hand wird keinen Schuß herausbringen.«

Er hatte nämlich meinen Stutzen vor sich liegen. Darauf gründete ich meinen Rettungsplan. Ich wollte unsere Freiheit gern mir selbst verdanken; unsere Begegnung mit der Kurdin Fatima Marryah aber wollte ich als letzten Trumpf ausspielen. Halef, der mir zur Rechten lag, meinte nach meinen letzten Worten in seiner Moghrebmundart, die die Kurden nicht verstanden:

»Sihdi, er hat schon, während du besinnungslos lagst, sofort versucht, mit dem Stutzen zu schießen. Es ist ihm aber nicht geglückt. Sei klug und tu so, als wolltest du es ihm zeigen. Dann rettest du uns!«

»Das eben ist mein Plan«, antwortete ich ihm in gleicher Mundart. »Ich werde ihm – –«

»Schweig!« fuhr mich der Malkoegund an. »Ihr dürft nichts, was wir nicht verstehen, miteinander sprechen. Was dein Gewehr betrifft, so wirst du mir erklären müssen, wie die Handgriffe sind.«

»Und wenn ich es nicht sage?«

»So wirst du mit einem zehnfachen Tod bestraft werden. Ihr sollt erschossen werden. Wenn du mir aber nicht mitteilst, was wir wissen wollen, so werden wir dich an einen Baum binden und von unten herauf langsam verbrennen.«

Den Kurden sind solche Grausamkeiten zuzutrauen. Ich stellte mich, als sei ich erschrocken, weigerte mich dennoch scheinbar, sein Verlangen zu erfüllen, bis er seine Drohung verschärfte und ich mich nun ergeben zeigte, dabei aber bemerkte, daß ich mit gefesselten Händen nicht zeigen könne, wie das Gewehr anzufassen sei.

»Ich werde dir die Hände lösen«, antwortete er erfreut.

Der Malkoegund kam eiligst herbei und machte meine Hände frei. Dann reichte er mir den Stutzen. Jetzt hatte ich gewonnen. Bald konnten wir gehen, wann und wohin wir wollten; das wußte ich. Ich richtete mich auf, legte an und sagte:

»Paß auf, wie ich schieße! Sieh den längsten, untersten Eichenzweig am zweiten Baum da drüben. Es sind vier Galläpfel daran. Ich werde sie herabschießen. Paßt auf!«

Die Eiche stand siebzig Schritt entfernt. Die bei uns sitzenden Kurden eilten hin. Die anderen Männer sprangen nach, die Frauen und Kinder folgten. Nur der Malkoegund blieb bei uns. Ich hätte vor Freude laut lachen mögen. In dieser Entfernung hatten die Galläpfel die scheinbare Größe von Pfefferkörnern. Es schien unmöglich, sie zu treffen. Ich drückte viermal ab. Ein Jubelschrei verkündete den Erfolg. Ich aber legte, ohne darauf zu achten, das Gewehr blitzschnell weg, ergriff den Anführer, zog ihn zu mir nieder, faßte ihn mit der Linken bei der Gurgel, riß ihn mit der Rechten das Messer aus dem Gürtel, schnitt den Riemen, der meine Füße verband, entzwei, dann auch den, der die Hände Hadschi Halefs zusammenhielt, und rief diesem zu:

»Hier, nimm das Messer und schneide dich und den Kawassen vollends los, dann binde die Pferde von den Bäumen!«

Halef nahm das Messer. Ich hatte jetzt beide Hände zur Verfügung, richtete mich aus meiner sitzenden Stellung auf, riß den Malkoegund empor, ließ ihn los, hob den Stutzen auf, legte auf ihn an und rief ihm zu:

»Die Hände an den Leib, und bewege dich nicht, sonst bekommst du hundert Kugeln aus dieser Teufelsflinte!«

Er gehorchte beinahe zitternd. Das war alles in der Zeit von nicht mehr als einer Minute geschehen. Die Kurden sahen es von fern. Sie kamen schreiend herbeigerannt.

Ich rief ihnen entgegen:

»Halt, bleibt stehen, sonst schieße ich euren Anführer sofort über den Haufen! Wer von euch eine Waffe auf uns richtet, dem gebe ich ein Blei in den Kopf!«

Auch sie gehorchten und blieben halten, so groß war ihre Angst vor meinem Stutzen. Und da brachten Hadschi Halef und Kaßem auch schon die Pferde geführt.

»Siehst du nun, daß du falsch geschworen hättest?« fragte ich den Malkoegund. »Wir sind nicht die Leute, mit denen man machen kann, was man will. Du wirst sofort alles, was uns abgenommen worden ist, holen lassen und dann –«

»Chodeh, ia Chodeh«, unterbrach mich eine weibliche Stimme hinter mir. »Gott, o Gott, was soll hier geschehen?«

Ich drehte mich um und sah Fatima Marryah, die soeben erst durch das Felsentor gekommen war.

»Man nahm uns gefangen und beraubte uns, um uns dann zu ermorden«, erwiderte ich ihr. »Wir aber haben uns frei gemacht und werden alle erschießen, falls man uns nicht ungehindert abziehen läßt.«

»Gefangengenommen – beraubt – töten, euch, meine Retter und Erlöser, denen ich mein Leben verdanke? Kein Haar soll euch gekrümmt werden; das versichere ich euch!«

Fatima Marryah kam vollends herbei und sprach so eifrig auf den Malkoegund und seine Leute ein, daß ich ihren Worten nicht zu folgen vermochte, obgleich ich des Kurmandschi leidlich mächtig bin. Noch hatte sie nicht geendet, da kam der Kurde, der mich niedergeschlagen hatte, herbei und rief mir zu:

»Chodih, du hast Fatima Marryah gerettet. Ich heiße Yussuf Ali, und sie ist mein Weib. Erlaube mir, mich neben dich zu stellen und euer Beschützer zu sein. Bei Hassan und bei Husseïn, ich hafte mit meinem Leben für euch und euer Eigentum.«

Da es der heiligste Schwur eines Schiiten ist, so winkte ich ihm die Gewährung zu, und er stellte sich neben mich. Als sein Weib geendet hatte, begann auch er für uns zu sprechen, und zwar in einer Weise, daß ich erkannte, er werde seinen Schwur auf alle Fälle halten. Ich glaubte, seine Rede würde den Erfolg haben, daß man zunächst zu einer Beratung zusammentreten würde, hatte mich aber glücklich getäuscht, denn als Yussuf Ali ausgesprochen hatte, wendete sich der Malkoegund zu mir und sagte:

»Herr, das wußte ich nicht; darum müßt ihr uns verzeihen. Ihr habt einer unserer Frauen das Leben gerettet. Zwei von euch haben zwölf dieser verdammten Mir Mahmalli besiegt, wie könnten wir da eure Feinde sein! Nein, wir sind Brüder! Ich schwöre es bei Mohammed und bei Hassan und Husseïn, die unter den Streichen der Sunniten verblutet sind. Kommt mit in mein Haus! Dort werdet ihr alles finden, was euch gehört.«

»Nein!« rief Yussuf Ali. »Sie haben mein Weib gerettet, darum müssen sie meine Gäste und nicht die deinigen sein. Ich habe das erste und größte Recht auf sie!«

Erst sollten wir getötet werden, und nun stritten sich die Leute um die Ehre, uns bei sich zu haben. Als man sich nicht einigen konnte, bat man mich, den Streit zu entscheiden, und ich entschied, daß Halef mit Kaßem bei dem Malkoegund, ich aber bei Yussuf Ali wohnen sollte, wodurch beide Teile befriedigt wurden.

Unterdessen war die Dämmerung eingetreten und die Hirten brachten die Herden getrieben. Diese waren nicht bedeutend. Die Mir Yussufi sind bald hüben auf türkischem, bald drüben auf persischem Gebiet, und da die Perser Schiiten sind, so ist es erklärlich, daß einige Familien des Stammes schiitisch geworden waren und sich von dem Stamm getrennt hatten. Diese schiitische Abteilung war es, bei der wir uns befanden. Sie lebte vom Ertrag ihrer kleinen Herden, vom Einsammeln der Galläpfel, die bekanntlich eine bedeutende Ausfuhrware bilden, und vom – Raub, was bei ihnen als Kurden verständlich war, da der Kurde den Raub für ritterlich hält.

Als die Hirten erfuhren, was sich ereignet hatte, waren sie unseres Lobes voll und machten ihrem Grimm gegen die feindlichen Mir Mahmalli in einem Geheul Luft, das diese jedenfalls hörten, denn sie bewohnten eine ebensolche Einfriedung jenseits des Flusses auf der Höhe des gegenüberliegenden Berges. Ich hatte diese vorhin, als es noch hell war, liegen sehen und konnte jetzt deutlich die Feuer erkennen, die drüben brannten.

Auch bei uns wurde vor jedem Haus ein Holzstoß angezündet, an dem die Bewohner sich versammelten, um das Abendessen zu bereiten. Yussuf Alis Haus war das kleinste. Ich konnte es eigentlich nur eine Hütte nennen, die durch eine verschiebbare Flechtwand in zwei Teile geteilt wurde; der eine war das unvermeidliche Frauengemach, der Harem. Der Raum wurde heute mir zur Verfügung gestellt. Mein Wirt hatte nur die Ziege besessen, die die Mir Mahmalli getötet hatten. Von ihrer Milch und dem Ertrag der Galläpfelernte lebte er. Außerdem erhielt er einen kleinen Sonderanteil von jedem Raub, da er das Amt übernommen hatte, den Felseneingang zu bewachen.

Was sollte er mir, dem hochgeehrten Gast, vorsetzen? Diese Frage brachte ihn nicht in Verlegenheit. Wenn ein armer Angehöriger eines Hirtenvolkes, mag er nun Beduine, Kurde oder Kirgise sein, einen Gast bekommt und nichts für ihn zu essen hat, so geht er einfach zum Nachbarn oder noch besser zum reichsten Mann des Lagers und bekommt von diesem sofort, was er braucht. Yussuf Ali eilte also zum Malkoegund und brachte Mehl, Reis und einen geschlachteten fetten Hammel, so daß einer Hungersnot gründlich vorgebeugt war.

Leider aber fehlte ihm eins, und zwar die Hauptsache – der Tabak. Der gehörte nicht zu den Gegenständen, die man für einen Gast umsonst verlangen kann. Er hatte eine alte Pfeife im Gürtel stecken und schob sie bald hin und her, mich dabei verlegen betrachtend. Da schirrte ich meinen Hengst ab und holte aus der Satteltasche meinen Tschibuk und den Tabaksbeutel hervor; diesen bot ich Yussuf Ali an. Sein Gesicht begann zu glänzen, und er rief aus:

»Welch ein Glück, Chodih, daß du selbst einen Vorrat von dieser Quelle des Genusses besitzest. Ich grämte mich schon, daß ich dir nichts zu bieten vermochte. Nun aber hat sich mein Gram in Wonne verwandelt. Chodeh dauleta ta masen beket, jahrimen asis – Gott vermehre deinen Reichtum, mein teurer Freund!«

*

3. Husseïn Isa

Während wir beiden Männer mit großem Eifer das taten, was die Abendländer so nüchtern mit ›rauchen‹, die Türken aber mit tütün itschmek ›Tabak trinken‹ bezeichnen, war Fatima Marryah mit verschleiertem Gesicht beschäftigt, das Abendessen zuzubereiten. Es mußte Kuchen gebacken, Reis gedünstet und der Hammel am Spieß gebraten werden. Da ich leicht Ekel habe, so paßte ich sehr auf, in welcher Weise sie das tat. Hamdulillah! Sie war viel, viel reinlicher, als ich es bei einer Kurdenfrau vermutet hatte! Ich konnte mit Lust essen! Während sie still und wortlos schaffte, unterhielt ich mich mit ihrem Mann über hunderterlei und fragte ihn im Laufe des Gespräches auch, ob Allah ihm das Glück, Vater eines Kindes zu sein, versagt habe. Da wurde sein bisher so zufriedenes Gesicht plötzlich ungewöhnlich ernst. Er blickte nachdenklich vor sich nieder und antwortete dann:

»Nein, Herr, es wurde mir nicht versagt, dieses Glück, das ich wohl besser ein Unglück nennen sollte.«

»Ein Unglück? Dann verzeihe, daß ich davon sprach! Ist dir ein liebes Kind gestorben, so wisse, daß es bei Allah ist. Sprechen wir nicht davon!«

»Oh, sprechen wir dennoch davon! Du weißt alles und kennst alles. Vielleicht kannst du mir einen Rat erteilen, der die schwere Last von meinem Herzen nimmt. Ich habe einen Sohn; er ist nicht gestorben und doch vielleicht schon tot.«

»Vielleicht? So weißt du es noch nicht sicher? Ist er in die Fremde gegangen und nicht zurückgekehrt?«

»Er ist in der Fremde und kommt oft zurück, uns zu besuchen, denn er liebt uns sehr und bringt alles, was er sich erspart. Er lebt also und ist doch vielleicht schon tot für uns.«

»Wie soll ich das begreifen?«

»Ich werde es dir erzählen. Als wir vergebens auf ein Kind hofften, taten wir ein Nadr Gelübde, daß, wenn das Kismet sich erweichen lasse, unser Sohn nur für Allah und den Islam leben und wirken solle. Da erbarmte sich Allah und gab uns einen Sohn. Herr, ich sage dir, eine Wonne von einem Kind! Der Knabe hatte Augen wie Diamanten, ein Gesicht wie die lachende Morgenröte, ein Herz voller Liebe zu uns und einen Verstand, der von Jahr zu Jahr größer wurde. Wir taten ihn nach Diarbekr zu einem berühmten Gelehrten. Wir mußten hungern, um diesen Mann bezahlen zu können, aber wir taten es gern. Nach drei Jahren kam er zurück. Da konnte er den Koran und alle seine Auslegungen auswendig. Alle heiligen Bücher waren in seinem Kopf versammelt, und der Geschichte der Kalifen war er so gewiß wie seiner eigenen Erfahrung. Wir waren entzückt, wir dankten Allah und baten um seinen ferneren Segen. Unser Sohn, den wir Husseïn Isa genannt hatten, sollte – –«

»Husseïn Isa?« unterbrach ich ihn, über diesen Namen erstaunt, da Isa Jesus heißt.

»Ja, Husseïn nannten wir ihn nach unserem größten heiligen Kalifen, den die Sunniten bei Kerbela ermordet haben. Und den Namen Isa erhielt er nach dem Stifter des Christentums, der auch von uns für einen Propheten gehalten wird und ein gewaltiger Redner war. Seine Worte waren wie Sonnenstrahlen, die das Herz erleuchten, und wie Schwerter, die durch die Seele dringen. Ein solcher Redner, ein solcher Prophet, wohl gar der Mahdi, den wir alle erwarten, sollte unser Sohn werden, und darum hat er zu dem Namen Husseïn noch den Namen Isa bekommen.«

»Sonderbar! Sollte das ein Vorzeichen sein?«

»Wie meinst du das?«

»Eure drei Namen sind Yussuf Ali, Fatima Marryah und Husseïn Isa. Jedes dieser drei hat einen muslimischen und einen christlichen Namen. Ali und Fatima waren die Eltern von Husseïn, der von seinen Gegnern getötet wurde. Yussuf und Marryah waren die Eltern von Isa, den seine Feinde ans Kreuz schlugen. Ist das nicht sonderbar?«

»Herr, das beschwert meine Seele noch viel mehr. Du unterbrachst mich. Ich wollte dir sagen, daß unser Sohn nun nach Meschhed Ali gehen sollte, um dort die tieferen Lehren der Schiiten sich anzueignen. Wir rüsteten ihn aus und sandten ihn mit Bekannten fort, die nach Mossul reisten, um Galläpfel abzuliefern. Sie kehrten zurück und meldeten uns, daß er glücklich mit ihnen dort angekommen sei. Später waren wieder Leute dort, die behaupteten, ihn in Mossul getroffen zu haben. Wir wollten das nicht glauben, erhielten aber kurz darauf von ihm selbst die Nachricht, daß er nicht nach Meschhed Ali gegangen, sondern als Chismikar Diener des Patrik Patriarch von Elkosch nördlich von Mossul geblieben sei. Kennst du diesen Mann?«

»Ja. Ich hörte von ihm. Er ist ein frommer Mann. Auch Elkosch ist berühmt. Man sagt, daß der Prophet Nahum da geboren worden sei. Doch erzähle weiter! Deine Geschichte fesselt mich außerordentlich.«

»Wollte doch Allah, daß sie weniger traurig wäre! Mein Sohn, der nach Meschhed Ali sollte, um ein großer Lehrer der Schia zu werden, bei dem christlichen Patrik in Elkosch! Das war ja entsetzlich! Ich machte mich auf und reiste selbst hin. Ich fand Husseïn Isa. Ich bat, ich zürnte, doch vergeblich. Er hatte dem Patrik einen Dienst erwiesen und ihn deshalb besuchen müssen. Der alte Mann, dieser Giaur, den Allah töten wollte, hatte einen solchen Eindruck auf meinen Sohn gemacht, daß er nicht mehr von ihm fortzubringen war. Er kränkte mein Herz sogar mit der Behauptung, daß ihm jetzt das Licht aufzugehen beginne, nach dem er bisher vergeblich gesucht habe. Ich mußte unverrichtetersache heimkehren, und er blieb dort. Zuweilen besuchte Husseïn Isa uns und brachte uns allerhand Gaben mit. Ich bat ihn, hierzubleiben. Ich drohte mit allem, womit ich drohen konnte, aber es half nichts. Er antwortete mir mit langen Reden, die ich nicht verstehen durfte, und ging wieder fort. Ich sandte mehrere Male mein Weib, denn ich dachte, er werde der Mutter vielleicht lieber gehorchen als dem Vater. Aber sie nahm nicht ihn, sondern er nahm sie gefangen, denn sie begann nun auch von dem Licht zu reden, das aufgegangen sei, alle Völker und Heiden zu bekehren, und von dem Stern, den die Könige des Morgenlandes gesehen haben wollten. Wenn das so fortgeht, ist mein Sohn tot für uns und – –«

»Für mich nicht!« unterbrach ihn seine Frau mit lautem Aufschluchzen. »Er ist mein Kind, mein einziges, geliebtes Kind, und wird es bleiben, solange ich lebe!«

Ich hatte während der Erzählung ihres Mannes beobachtet, daß sie wiederholt mit der Hand unter das Schleiertuch fuhr, jedenfalls um sich die stillen Tränen abzutrocknen. Jetzt aber konnte sie sich nicht mehr beherrschen, sie mußte sprechen und tat es in einem herzzerreißenden Ton.

»Weib, schweig!« gebot er ihr. »Er hat auch dich verführt. Willst du etwa auch Christin werden und zu dem Gekreuzigten beten? Isa war ein Prophet und großer Redner; aber was ist er gegen Mohammed, gegen Ali, den Heiligen, gegen Hassan und Husseïn! Willst du den abtrünnigen Sohn verteidigen, so wehe ihm, wenn er kommt! Er hat mich verlassen und will mir nun auch noch das Weib vom Herzen nehmen! Ich weiß, was ich zu glauben habe, und –«

Yussuf Ali wurde durch einen Ruf unterbrochen, der vom hintersten Feuer her erschallte. Er selbst war es, den man gerufen hatte. Darum stand er auf und begab sich dorthin, wo man nach ihm verlangte.

»Chodih«, weinte die Frau, »es ist alles so, wie Yussuf Ali dir erzählte, und dennoch ist es nicht ganz so, wie er es sagt. Ich habe um Hassan und Husseïn, die getötet wurden, viele, viele Tränen vergossen, denn ich dachte an Fatima, die Mutter der Getöteten. Jetzt aber weine ich um Isa, den Gekreuzigten, der für alle Menschen gestorben ist, und denke an Marryah, die Mutter der Schmerzen, die an seinem Kreuze stand. Mein Sohn hat mir viel von ihm und ihr erzählt, und was er sagt, das glaube ich, denn ich liebe ihn. Ich habe es meinem Mann sehr oft wiedererzählt. Er hat es still in seinem Herzen bewahrt, das habe ich bemerkt, denn er fing zuweilen selbst von Isa und Marryah an. Es ist ein Streit in seiner Seele entbrannt, doch ist Mohammed in ihm noch mächtiger als der Welterlöser. Aber ich bete im stillen zu Gott, daß er Mohammed besiegen und dem Vater meines Sohnes beistehen möge, zu der Klarheit zu gelangen, die ich für die ewige Wahrheit halte. O Gott, o Gott, wen bringt er da!«

Ich richtete den Blick in die Gegend, wohin sie deutete. Sie stand wie starr, ob vor Schreck oder vor Freude, das war nicht zu sagen. Ihr Mann kehrte zurück, und an seiner Seite schritt ein anderer, den ich nicht deutlich erkennen konnte; die Feuer flackerten zu sehr. Kurden und Kurdinnen kamen hinterdrein. Da rief Fatima Marryah:

»Mein Sohn, mein Sohn! Er ist's, ja, er ist's!«

Sie eilte auf ihn zu, schlang die Arme um ihn und zog ihn an ihr Herz. Die Zuschauer wichen ein Stück zurück, denn Mutter und Sohn küßten sich, und zwar öffentlich, was bei Mohammedanern eine unverzeihliche Sünde gegen die gute Sitte ist.

Yussuf Ali riß sie auch schnell und zornig auseinander und rief:

»Was tut ihr da? Was fällt euch ein! Habt ihr die Satzungen unseres Glaubens schon so weit vergessen, daß ihr den Leuten hier ein solches Schauspiel vorführt? Geh her, mein Sohn, und begrüße zunächst diesen fremden Effendi, der deiner Mutter heute das Leben gerettet hat! Dann habe ich sogleich ein ernstes Wort mit dir zu reden.«

Er schob den Sohn zu mir hin. Dieser begrüßte mich und fragte dann:

»Was ist denn mit der Mutter geschehen? Hat sie sich in Gefahr befunden?«

»Ja, sie sollte von den Hunden der Mir Mahmalli zerrissen werden«, erwiderte ich. »Doch davon mag sie dir selber erzählen.«

Da mischte sich Yussuf Ali ein:

»Jetzt beantworte mir eine Frage: wirst du bei dem Patrik bleiben oder zu uns kommen?«

Er hatte die Arme über die gewaltige Brust gelegt und stand hoch aufgerichtet vor dem Sohn, der sich zwar wunderte, daß anstatt eines Willkommens diese Frage in solcher Weise an ihn gerichtet wurde, aber sofort und ruhig antwortete:

»Vater, ich käme gern zu euch, aber das ist nun nicht mehr gut möglich.«

»Nicht? Warum?«

»Weil ihr zu uns kommen sollt.«

»Wir – –? Zum Patrik etwa?«

»Ja. Er hat mich abgesandt, euch zu holen. Ihr seid arm und lebt in diesen Wäldern kümmerlich. Ich habe mich gesehnt, für euch sorgen zu können, und das ist mir von jetzt an möglich geworden. Der Patrik hat mich einstweilen zu seinem Katib Schreiber gemacht; da habe ich eine schöne, große Wohnung und alles, was ihr sonst noch braucht. Später wird es dann noch besser.«

»Noch besser?« fragte der Riese spöttisch. »Ja, inwiefern denn das?«

»Weil ich dann nicht mehr Katib, sondern – – Kha – – Khassis sein werde.«

Er brachte das Wort doch nicht mit einemmal heraus, denn Khassis heißt Priester.

»Khassis!« schrie sein Vater auf. »Ein christlicher Priester willst du werden! Ein Oberster der ungläubigen Hunde sollst du sein! Willst du dem Islam entsagen?«

»Vater, zürne nicht; vergib mir! Ich konnte nicht anders. Ich habe es schon getan. Ich bin ein Christ; ich habe Il Kurban il mukad'das er Ritas Das heilige Sakrament der Taufe erhalten.«

»So – bist du – – also wirklich schon – – ein verdammter – – Giaur geworden?« stieß der Alte hervor, indem er vor Grimm nur absatzweise sprechen konnte.

»Ich mußte, Vater, ich mußte! Ich stand zwischen Mohammed und Isa Ben Marryam; ich habe mit beiden gerungen, Tage und Nächte hindurch. Mohammed hat mich verlassen, Isa aber nahm mich auf in den Schoß der alleinigen Wahrheit, in den Glanz der ewigen Hoffnung, die niemand täuscht. Ich – –«

»Halt ein!« fiel ihm sein Vater fast brüllend in die Rede. »Du bist ein Christ und kannst nun nicht mehr zurück? Nicht wahr?«

»Ja, ich bin ein Christ und bleibe es!«

»So sei verdammt in alle Ewigkeit – –«

»Vater!« schrie der Sohn auf, indem er sich ihm zu Füßen warf. »Halt ein! Nicht dieses entsetzliche Wort! Du bist ergrimmt. Wenn du dich beruhigt hast, wirst du anders denken und sprechen. Ich wollte dir das alles nicht so schnell und unvorbereitet sagen. Du aber hast mich mit deinen Fragen dazu gezwungen. Beherrsche dich! Denk nicht nur an mich, sondern auch an die Mutter, die dir hier zu Füßen liegt!«

Die Frau hatte sich vor ihrem Mann niedergeworfen und seine Füße umschlungen. Er stieß sie von sich, erhob den Arm, drang auf den Sohn ein und schrie:

»Ich soll mich beherrschen, ich! Das sagst du mir, der Sohn dem Vater, du Kröte, du Hund! Willst du mir augenblicklich schwören, von deinem gekreuzigten Isa zu lassen, sonst – –«

Ich hatte mich vom Feuer erhoben. Der aufgeregte Mann stand im Begriff, den Sohn zu schlagen. Das wollte ich verhindern. Darum trat ich zwischen beide und sagte beruhigend:

»Yussuf Ali, willst du eine Angelegenheit, die zwischen deine Wände gehört, in solcher Weise öffentlich behandeln? Höre auf meinen Rat und – –«

»Schweig!« donnerte er mich an. »Du bist auch ein solcher Giaur, ein solcher Hund, dessen Fleisch kein Aasgeier fressen mag. Deine Worte stinken mich an. Sage noch ein einziges, so vergesse ich, daß du mein Gast bist!«

»Das hast du schon vergessen!«

»Habe ich es vergessen? So? Nun, so kann ich es auch vollenden. Hier, nimm – –«

Der Riese hielt erschrocken inne. Er hatte getan, was nicht er selbst, sondern was der Teufel seines Zornes gewollt hatte – er hatte mich geschlagen. Da mir das undenkbar gewesen war, so hatte ich mich nicht zur Abwehr bereitgehalten und den Schlag in das Gesicht also voll und gewichtig empfangen, von einer solchen Riesenhand. Ich taumelte zurück und griff zum Auge. Es war, was der Kunstausdruck einen Sauhieb nennt, ein Hieb auf die Nase, von der der Daumen ab- und in die Augenhöhle geglitten war. Das Blut drang mir aus der Nase, und mit dem rechten Auge konnte ich nichts sehen. Ais ich es befühlte, hing es halb aus der Höhle.

Ein einziger, vielstimmiger Schrei erscholl rundumher. Ein Gast war von seinem Gastgeber erst beschimpft und dann sogar geschlagen worden! Das war noch nie geschehen. Yussuf Ali war übrigens selbst ganz entsetzt über sich. Er ließ die Arme sinken, starrte mich an, ergriff dann seinen Sohn beim Arm und sagte, ihn mit sich fortziehend:

»Komm! Er hat recht. Diese Sache gehört nicht vor andere. Ich allein habe mit dir zu reden.«

Sie verschwanden miteinander.

Die Frau legte mir die Hände auf beide Schultern und sagte schluchzend:

»Herr, verzeihe ihm; er wußte nicht, was er tat! Er ist sonst so gut; aber wenn er zornig ist, so darf man ihm nicht widersprechen. Hat er dich sehr getroffen? Hast du Schmerzen?«

»Komm mit ins Haus und gib mir Wasser!«

Ich ging mit ihr ins Haus, um meinen Anblick den anderen zu entziehen, aus Rücksicht für ihren Mann und auch – – für mich selbst. Hadschi Halef folgte nach. Ich brachte das Auge behutsam wieder an seine Stelle. Dann stillte er mir die Blutung und legte mir einen nassen Umschlag auf. Während dieser Arbeit hörten wir einen langgezogenen Schrei erschallen, achteten aber nicht darauf. Später kam der Malkoegund, um mich aufzufordern, als Gast zu ihm zu kommen. Ich weigerte mich nicht, es zu tun, denn meines Bleibens konnte bei Yussuf Ali unmöglich länger sein. Als wir aus dem Hause traten, saß Yussuf allein bei seinem Feuer. Wir gingen an ihm vorüber, ohne ihn zu beachten.

Ich sollte mich an das Feuer des Dorfältesten setzen und mitessen, aber die Lust dazu war mir vergangen. Nase und Auge schmerzten mich, und wenn ich an Husseïn Isa und seine arme Mutter dachte, so war es mir unmöglich, einen Bissen zu nehmen. Darum ging ich auch hier ins Haus und setzte mich in der Abteilung, die mir angewiesen wurde, nieder, um mir von dem zärtlichen Hadschi Halef kalte Umschläge auflegen zu lassen.

Damit verfloß eine ziemlich lange Zeit, bis ich einen aus der Ferne herüberschallenden Lärm hörte, der wie ein aus der Tiefe heraufdringendes Hohngelächter klang. Draußen vor dem Haus erhoben sich laute Stimmen. Man schien sich zu zanken; ich achtete nicht darauf. Da kam der Malkoegund herein und sagte:

»Chodih, Yussuf Ali will mit dir reden. Ich habe ihn abgewiesen, aber er besteht darauf. Auch sein Weib läßt dich dringend bitten, seinen Wunsch zu erfüllen.«

»Ich werde gleich hinauskommen.«

Er schien meine Bereitwilligkeit nicht erwartet zu haben, ging aber fort, ohne ein Wort darüber zu verlieren, und ich folgte ihm mit Halef. Draußen stand Yussuf Ali allein mit seiner Frau. Die anderen Kurden und Kurdinnen hielten sich von ihnen fern, weshalb, das war mir leicht erklärlich.

»Herr, hilf uns; mein Sohn ist gefangen!« rief uns Fatima Marryah an, indem sie vor mir auf die Knie sank und die gefalteten Hände flehend emporhob.

»Gefangen?« fragte ich, indem ich sie aufrichtete. »Von wem?«

»Von den Mir Mahmalli da drüben.«

»Woher weißt du das?«

»Sie haben es uns herübergeschrien.«

»Ah! Das Geheul, das auch ich hörte!«

»Hast du es vernommen? Sie riefen in einem fort: ›Husseïn Isa gefangen, Husseïn Isa gefangen!‹«

»Wie ist er denn in ihre Hände geraten? Hat er diesen Platz hier verlassen?«

»Husseïn Isa mußte. Als sein Vater dich geschlagen hatte, führte er ihn zum Tor hinaus und verbot ihm, jemals wiederzukommen. Der Sohn ging still fort. Die Mir Mahmalli müssen hier in der Nähe gewesen sein, denn ich hörte einen langen, angstvollen Schrei.«

»Sie sind um meinetwillen um euer Lager geschlichen. Auch ich hörte den Schrei, hatte aber keine Ahnung, was er bedeutete.«

»Ich auch nicht, denn ich erfuhr erst später von meinem Mann, daß der Sohn fort sei. Die Mir Mahmalli haben ihn draußen ergriffen und, als er schrie, fortgeführt. Dann riefen sie es zu uns herüber, daß sie ihn gefangen hätten. Hilf uns, o Herr! Du bist der einzige, der helfen kann!«

»Ich? Warum ich allein? Hier stehen über fünfzig bewaffnete Männer. Auf, o Malkoegund! Wir müssen schleunigst hinüber, um ihn zu retten, denn die Mir Mahmalli werden nach dem, was heute geschehen ist, nicht zaudern, ihn zu töten.«

Der Anführer wiegte den Kopf und antwortete:

»Wenn sie ihn töten, so ist es uns lieb. Er ist ein Christ geworden und geht uns nichts mehr an.«

»Aber er ist ein Mensch und von eurem Stamm!«

»Gewesen, jetzt nicht mehr. Der Stamm stößt ihn aus.«

»Ihr sagt euch also gänzlich von ihm los?«

»Ganz und gar.«

»So denkt daran, daß ich euer Gast bin! Ich erkläre ihn für meinen Bruder; er ist also auch der eurige, und ihr müßt ihn befreien.«

»Ein Abtrünniger kann selbst unter dieser Voraussetzung nicht unser Bruder sein. Er hat Mohammed verlassen. Mag Isa, an den er jetzt glaubt, ihn retten!«

Da wiederholte Yussuf Ali, der bis jetzt geschwiegen hatte, dumpf diese Worte:

»Er hat Mohammed verlassen. Mag Isa ihn retten! Isa vermag es nicht. Die Mir Mahmalli sind zu blutdürstig und zu stark!«

»Aber Isa ist stärker als sie und als alle Menschen«, entgegnete ich. »Halef, gehst du mit?«

»Ja«, antwortete der Hadschi sofort.

»Aber wir wagen das Leben und kennen die Gegend nicht.«

»Die Gegend werden wir bald kennengelernt haben, und wo du etwas wagst, muß ich dabei sein. Ich hole meine Flinte.«

»Die ist überflüssig, ebenso die Pistolen. Ich gebe dir meine Revolver, dazu dein Messer, das genügt.«

Da wir all unser Eigentum ehrlich zurückerhalten hatten, besaß ich auch meine Revolver wieder. Wir gingen ins Haus, und ich holte den Stutzen. Als wir wieder herauskamen, stand Yussuf Ali mit seiner langen Lanze da und sagte:

»Chodih, ich' gehe mit. Ich muß den Sohn wiederhaben.«

»Bleib!« gebot ich ihm. »Du nützest uns nichts.«

Er wollte nicht gehorchen, doch als ich ihm erklärt hatte, daß und warum er uns hinderlich sein werde, fügte er sich. Er begleitete uns mit seinem Weib bis an den Ausgang, um uns hinauszulassen. Als wir draußen standen, bat sie weinend:

»Tu alles, was du kannst, Herr, aber schone auch dein Leben! Gott wird dich begleiten und meinen Sohn durch dich retten, denn ich werde für dich und ihn beten.«

*

4. Es Ssalib

Aufrichtig gestanden, war mir nicht wohl zumute. Ja, wenn ich unverletzt gewesen wäre, aber meine Nase schmerzte, und mein Auge brannte wie Feuer. Und wie war mir doch die Sehkraft jetzt in dunkler Nacht und unbekannter Gegend so nötig! Dazu der Umstand, daß die Mir Mahmalli, falls sie uns erwischten, vor Entzücken außer sich sein würden. Wir trieben ein verwegenes Spiel. Doch gab es kein Bedenken, denn wenn wir wirklich helfen wollten, so mußte schnell gehandelt werden.

Ich hatte schon am Tag die lichte Stelle auf dem bewaldeten Berg und dann des Abends die darauf brennenden Feuer gesehen und kannte also die Richtung, die wir einschlagen mußten; das war aber auch alles. Man steige doch in einem dichten kurdischen Wald einen steilen, felsigen Uferberg empor, noch dazu in möglichster Eile und völliger Lautlosigkeit!

Zunächst aber waren wir noch nicht so weit. Ehe wir drüben hinauf konnten, mußten wir erst hinab und dann durch den Fluß. Beim Hinabklettern gaben wir uns keine große Mühe, Geräusch zu vermeiden. Wir konnten uns nur auf den Tastsinn verlassen. Ich stieg voran, und Halef folgte. Fühlte ich ein Hindernis, so teilte ich es ihm mit. Ich rannte an Bäume, rutschte zwischen Sträuchern hindurch, blieb an Ästen und Dornen hängen. So stiegen, kletterten, rutschten und schlitterten wir weiter und weiter, bis wir unten das grasige Ufer erreichten. Nun ging es in den Fluß. Eine seichte Stelle zu suchen, dazu hatten wir keine Zeit. Er ging uns hier bis an die Hüften, war aber dafür um so schmaler, wir kamen schnell hinüber. Mein Umschlag war trocken geworden. Ihn kunstgerecht anzufeuchten hätte zu lange gedauert. Darum bog ich mich lieber nieder, um den ganzen Kopf ins Wasser zu halten. Dann ging es rasch zum jenseitigen Waldesrand und unter den Bäumen empor.

Nun mußten wir vorsichtiger sein, doch machte mir Halef keine Sorge, da er auf unseren früheren Wanderungen das Anschleichen von mir leidlich gelernt hatte. Er hielt sich hart hinter mir und mußte mich dennoch bitten, ein wenig stärker aufzutreten, da er meine Schritte nicht hören könne. So stiegen, kletterten und schwangen wir uns empor, bald auf den Füßen, bald auf allen vieren, ganz nach der Abwechslung des Geländes. Ob wir in dieser Stockdunkelheit die Richtung einhalten würden, war zweifelhaft. Die Nase mußte auch mit Führer sein und nach dem Rauchgeruch der Feuer fahnden. Leider war die meinige sehr unwohl. Sie schwoll infolge des Fausthiebes von Minute zu Minute mehr an und wollte sich durchaus nicht darauf besinnen, daß es ihre wohlerwogene Bestimmung sei, den Geruch eines Haferkäses vom Duft einer Resedablüte zu unterscheiden. Ich mußte mich in dieser Beziehung auf Halefs Nase verlassen, und dieser meldete mir auch endlich, daß er Rauch rieche und diese Empfindung sich von Schritt zu Schritt verstärke. Wir näherten uns also dem Ziel.

Wohl eine halbe Stunde waren wir unterwegs gewesen, als wir anlangten. Wir standen vor der Baumeinfassung, hinter der die Lichtung lag. Wie da hindurchkommen?

»Müssen wir hinein, Sihdi?« fragte Halef.

»Zunächst hinauf, mahnte ich. »Wenn wir dann sehen, wie es steht, werden wir auch wissen, wie es weitergehen soll.«

Wir standen bei einem Ahornbaum, der nicht allzu stark und doch so hoch war, daß er die Einfassung weit überragte. Ich legte den unbequemen Stutzen ab, und dann stiegen wir hinauf. Oben konnten wir das ganze Lager überblicken. Es war weit größer als das der Mir Yussufi, hatte aber die gleiche Anlage. Rechts von uns lagen längs der einen Seite die Weidetiere; dort gab es auch ein Dornentor. Vor uns, entlang der uns zugewandten Seite, standen Häuser und Hütten, ebenso längs der Seite links von uns. Die vierte, uns gegenüberliegende Seite war frei, einen schlanken, hochstämmigen Pistazienbaum Pistacia vera ausgenommen, der an der Einfassung stand. Auf der Mitte des weiten Platzes bemerkten wir auch Sommerhäuser und -hütten. Der Raum an der Pistazie schien für Volksversammlungen bestimmt zu sein. Dort standen die Mir Mahmalli, Männer, Weiber und Kinder, wohl über dreihundert Köpfe stark, und vollführten einen argen Lärm. Er drang mir grell in die Ohren, die der liebe Vater Yussuf Ali mir glücklicherweise nicht mit zerhauen hatte. Wem dieser Lärm galt, das erkannten wir auch, denn unser armer Husseïn Isa war an dem Stamm des Baumes festgeschnürt.

»Dort haben sie ihn«, sagte der Hadschi. »Wie kommen wir hinein, und wie bringen wir ihn los und heraus, wir zwei allein bei so vielen Menschen, Sihdi?«

»Zunächst müssen wir hin, wenn auch noch nicht hinein«, antwortete ich.

Wir glitten von unserem Ahorn herab und schlichen, nachdem ich meinen Stutzen wieder aufgenommen hatte, außerhalb der Einfassung hin, um die erste Ecke, an der dortigen Seite hinauf, um die nächste Ecke und dann jenseits weiter, bis wir die Stelle erreichten, über die die drinnen stehende Pistazie ihren Wipfel breitete.

Wir hörten jenseits der Einfassung die Kurden lärmen, konnten sie aber nicht wahrnehmen, da hier außerhalb des Lagers ebenfalls eine Lichtung gewesen war, die nun zwar wieder Bäume trug, aber so dünnstämmige und niedrige, daß, falls wir sie auch hätten besteigen wollen, es nichts genützt hätte. Es gab da nur einen Weg, nämlich durch die Umfassung. Sie mußten wir zu diesem Zweck untersuchen.

Die Stämme waren ebenso samt den Wipfeln niedergelegt wie drüben bei den Mir Yussufi. Da wir nicht durch die Stämme konnten, mußten wir uns eine Wipfelstelle suchen. Das Glück war uns günstig. Gerade zwischen uns und der Pistazie lag die nicht sehr dichte Krone einer Haur-Pappel, also eines Baumes, dessen weiches Holz unseren Messern nicht zu widerstehen vermochte. Ich legte das Gewehr wieder ab. Dann knieten wir nieder, zogen die Messer und begannen die Zweige und dünneren Äste in der Weise zu zerschneiden, daß wir uns dadurch einen wohl einen Meter breiten und auch über einen Meter hohen Zugang öffneten. Diese Stelle hier war vielleicht die einzige schwache der ganzen Umfriedung.

Nach einer Viertelstunde waren wir so weit, daß wir, wenn wir nicht entdeckt werden wollten, die noch übrigen Äste stehen lassen mußten. Aber wir hatten nicht bloß den betreffenden Teil des Pappelwipfels, sondern auch das Unkraut und sonstige lebende Pflanzen, mit denen er dicht durchwachsen war, zu entfernen gehabt. Wir konnten nun, dank unserer Arbeit, nicht nur sehen, sondern auch hören. Sehen durfte ich eigentlich von mir nicht sagen, denn der Umschlag war wieder trocken geworden. Der Schmerz im verletzten Auge war fast unausstehlich und griff auch das gesunde Auge in einer Weise an, daß ich es mehr geschlossen als offen halten mußte.

Die Pistazie stand vielleicht zwölf Meter von uns entfernt. Jenseits hielt das ›Volk‹ der Kurden. Diesseits stand der heute von uns zurückgewiesene Schir Seleki mit noch vier Männern, die seinen ›Gemeinderat‹ bildeten. Das ›Volk‹ war jetzt still, desto lauter aber sprachen die ›Ratsherren‹. Sie schienen sich zur Entscheidung über das Schicksal des Gefangenen zurückgezogen zu haben. Eben, als wir uns festgelegt hatten, um zu lauschen, hörten wir Schir Seleki sagen:

»Husseïn Isa ist stolz darauf, getauft zu sein und sich zum Ssalib Isa Kreuz Christi zu bekennen. Er hat eingestanden, den fremden Effendi zu kennen, der unsere Hunde, unsere Pferde und sogar unsere Krieger erschossen hat. Er ist außerdem ein verdammter Schiit und der Sohn der Mir Yussufi, deren Blut wir trinken müssen. Schließlich nennt er auch das Weib, das die heutigen Verluste über uns brachte, seine Mutter. Der Mir Yussufi muß sterben, und da er das Ssalib Isa gar so hoch verehrt, so soll er auch seine Süßigkeit schmecken und am Kreuz enden. Wer etwas dagegen hat, der melde sich!«

Die Mir Mahmalli meldeten sich, aber nicht dagegen, sondern alle jubelten diesem unmenschlichen Vorschlag ihren Beifall zu.

»Hinauf mit ihm auf das Kreuz! Baut ein Kreuz! Gekreuzigt muß er werden!« so riefen einige hundert Stimmen frohlockend durcheinander.

»Nicht bauen!« übertönte sie der Anführer. »Einen starken Pfahl quer an den Stamm des Baumes, an dem er steht, so ist das Kreuz gleich fertig.«

Es erfolgte neuer Jubel, währenddessen mich Halef fragte:

»Ist das nicht teuflisch, Sihdi? Hole schnell deinen Stutzen! Wir müssen sofort hinein!«

»Nein«, entgegnete ich, »denn das wäre zu unserem Verderben. Es sind ihrer zu viele gegen uns zwei. Wir würden Husseïn Isa nicht retten können, sondern auch mit sterben müssen.«

»Aber was tun wir dann?«

»Ich eile zu den Mir Yussufi, sie müssen unbedingt helfen. Hoffentlich kommen wir zur rechten Zeit. Du bleibst zurück, um uns gegebenenfalls berichten zu können, was inzwischen vorgegangen ist.«

»So bleibe ich hier in dieser Lücke liegen?«

»Auch nicht«, erklärte ich, da ich dem Kleinen nicht recht traute. Bei seiner Gutherzigkeit und Verwegenheit konnte er sich leicht verleiten lassen, allein hineinzuspringen. »Du kletterst auf den Ahorn, auf dem wir vorhin gesessen haben, und bleibst darauf sitzen, bis ich wiederkomme!«

Wir eilten zurück bis zu dem erwähnten Baum, auf den der Hadschi stieg.

Ich reichte ihm meinen Stutzen hinauf, da ich ohne ihn schneller vorwärtskommen konnte, und lief dann weiter.

Wie ich in fünf Minuten den Fluß erreichen konnte, ist mir noch heute ein Rätsel. Zunächst den Kopf ins Wasser, um das Auge zu kühlen, dann hinein, hinüber und drüben im Wald hinauf. Nach abermals fünf Minuten war ich oben am Eingang. Er war geschlossen, und ich rief; man öffnete schnell. Da stand Yussuf Ali mit seinem Weib.

»Wo ist mein Sohn?« fragte sie mich. »Kommt er nicht auch?«

»Noch nicht. Ich brauche jetzt eure Krieger zur Hilfe.«

»O Gott! So steht es schlimm um ihn! Ich habe ohne Unterlaß gebetet und die schmerzhafte Mutter angerufen, so wie er es mich gelehrt hat. Es hat nichts geholfen!«

»Bete nur weiter, so wird es helfen!«

Ich rannte fort, sie folgten mir. Im Laufen stöhnte Yussuf Ali:

»Ich bete auch zu Gott und will Kreuzzeichen machen, wie mein Weib es mir vorhin, als du fort warst, gezeigt hat. Ich bin an allem schuld. O Gott, welche Angst stehe ich dafür aus!«

Die Mir Yussufi saßen noch bei ihren Feuern. Ich rief sie zusammen und beschwor sie dringend:

»Hört, ihr Krieger! Wenn ihr tapfere Männer seid und ich euch nicht verachten soll, so müßt ihr mir jetzt folgen, sonst kommt der qualvolle Tod Husseïn Isas über eure Seelen. Die Mir Mahmalli wollen ihn kreuzigen. Hört ihr es? Am Kreuz soll er sterben! Das ist die schrecklichste aller Todesarten, und – –«

Ich wurde dadurch unterbrochen, daß Yussuf Ali einen Schrei ausstieß und davonrannte. Seine Frau schrie ebenso und eilte ihm nach. Ich konnte es nicht hindern, denn hätte ich ihnen nacheilen wollen, so wäre kostbare Zeit verlorengegangen. Ich sprach weiter, alles, was mir die Angst um Husseïn Isa eingab, fand aber kalte Hörer. Endlich brachte ich es mit der größten Anstrengung so weit, daß es zu einer Beratung kam, zu einer ewig langen Besprechung, deren Ergebnis der Malkoegund mir mit den Worten verkündete:

»Chodih, du bist unser Gast, und wir werden dir alle Freundschaft und Liebe erweisen. Aber Husseïn Isa ist zum Ssalib übergegangen, und wenn er jetzt gekreuzigt werden soll, so sehen wir darin nur die gerechte Strafe Mohammeds, der an Allahs Thron steht. Wir würden die größte Sünde begehen, wenn wir dem Abtrünnigen helfen wollten. Du bist nicht unseres Glaubens. Wenn du ihn retten willst, so tu es, aber uns verschone mit deinen Bitten.«

Da war nichts mehr zu hoffen und zu machen. Ich blieb auf mich selbst und Halef angewiesen und rannte wieder fort. Mein Kommen hatte die Lage verschlimmert, da anzunehmen war, daß Yussuf Ali und sein Weib nur Dummheiten machen würden. Es kümmerte mich nicht, daß der Eingang offen stand und auch hinter mir offen blieb. Ich eilte fort, den steilen Hang hinunter, so schnell ich nur vermochte und dabei fast fieberhaft erwägend, auf welche Weise Rettung möglich sei. Dabei achtete ich nicht darauf, daß ich mehrmals stürzte und mir dabei die Kleidung und die Haut aufriß. Am Fluß angekommen, tauchte ich zunächst wieder den Kopf hinein, denn mein Auge brannte wie Feuer – Feuer, ah, das war das rettende Wort! Ja, nur durch Feuer war Husseïn Isa zu befreien, und ich hatte ja Schabheita Zündhölzer aus Rewandus mitgenommen und ein Schächtelchen davon im Gürtel stecken.

Indem ich durch das Wasser watete, erscholl oben bei den Mir Mahmalli ein Jubelschrei. Hatte man die Eltern Husseïn Isas erwischt? Ich hastete weiter und hörte bald darauf heftiges Hundegebell. Nun war vielleicht alles verloren! Da die Feinde die beiden entdeckt hatten, glaubten sie, es seien noch andere Mir Yussufi in der Nähe und waren infolgedessen beeilt gewesen, ihre Windhunde loszulassen. Wenn diese Halef fänden! Und ich mußte hinauf und hatte nur mein Messer bei mir! Es kam darauf an, wie viele Hunde es waren. Mit einem oder zweien hoffte ich auch ohne Blei und Pulver fertig zu werden. Schüsse mußten überhaupt zunächst vermieden werden, da sie unsere Anwesenheit vor der Zeit verraten hätten.

Alle diese Erwägungen gingen mir durch den Kopf, während ich in größter Eile aufwärtsstrebte. Das Bellen hörte auf, das beruhigte mich einigermaßen. Endlich, endlich kam ich oben bei dem Ahorn an.

»Halef, bist du noch oben?« fragte ich.

»Ja, sprich leiser, und komm schnell herauf, wegen der Hunde!«

In einigen Sekunden saß ich oben bei ihm.

»Es ist vorüber, Sihdi!« sagte er. »Sieh doch hin!«

Es durchzuckte mich ein Schreck, wie ich ihn noch nie gefühlt hatte.

Husseïn Isa hing am Kreuz, und seine Eltern waren unten an den Stamm gefesselt.

»Wird er tot sein?« fragte Halef. »Er hängt schon seit einer Viertelstunde. Gleich darauf riefen seine Eltern um Einlaß.«

»Die Törichten! Wie wurde er befestigt?«

»Mit Riemen.«

»Hat man ihn gestochen?«

»Nein.«

»So kann er unter einem Tag nicht sterben. Mir wurde die Hilfe versagt. Aber wir beide holen ihn und auch seine Eltern heraus, mein lieber Halef. Wie steht es mit den Hunden? Wie viele sind's und wo stecken sie wohl?«

»Es sind drei. Sie wurden gleich nach dem Erscheinen der Eltern herausgelassen. Sie bellten ein wenig, dann schwiegen sie, immer einzeln um die Umzäunung rennend, ohne daß sie mich fanden. Sie haben schlechte Nasen.«

»Ihre Nasen sind gut, wenn sie nur erst auf die Spur gerichtet worden sind. Horch!«

Es kam plötzlich ein einzelner Hund vorübergerannt; sie waren darauf abgerichtet, nicht zusammenzuhalten, und das freute mich.

»Nun höre meinen Plan!« fuhr ich fort, »Vor allen Dingen müssen die Tiere beseitigt werden. Wir steigen hinab. Schießen dürfen wir nicht. Du stellst dich hinter mich. Ich fasse jeden, der kommt, halte ihn fest, und du stichst ihn ins Herz.«

»Nein, Sihdi, nein! Sie reißen dir die Gurgel aus dem Hals!«

»Habe keine Sorge um mich! Diese Köter haben mir nichts an. Könnte ich nur mit beiden Augen sehen! Sind die Hunde tot, dann geht's ans Werk, und zwar mit Hilfe des Feuers. Wir brennen die trockene Umfassung hier an dieser Seite an, um die Aufmerksamkeit von der gegenüberliegenden, wo Husseïn Isa hängt, abzulenken.«

»Man wird ihn schnell töten, ehe die Mir Mahmalli hierher eilen.«

»Das werde ich mit meinem Stutzen verhindern.«

»Wenn du hier auf dieser Seite bist?«

»Ich bin drüben im Loch, das wir geschnitten haben. Damit der Brand im richtigen Augenblick beginnt, muß ich mit dem Stutzen hinüber, und du bleibst hier. Du machst dir trockene Äste zurecht, brennst, sobald der Schakal dreimal bellt, an, siehst zu, daß es schnell weiterlodert und nicht ausgelöscht werden kann, und kommst dann zu mir hinüber.«

»Ich werde mehrere Feuerherde anlegen – drei – vier – fünf.«

»Hier hast du Zündhölzer und nun komm!«

Wir stiegen hinab. Ich zog meine Jacke aus, wickelte sie lang zusammen und schlang sie mir fest um den Hals, Halef zog das Messer. Kurze Zeit darauf hörten wir von links her ein Schnaufen.

»Aufgepaßt – es kommt einer!« mahnte ich den Hadschi, der sich, für mich zitternd, hinter mir bereitstellte.

Die im Lager brennenden Feuer warfen einen leichten Schein zu uns herüber, so daß es möglich war, ein Tier von der außergewöhnlichen Größe eines Windhundes der kurdischen Art zu erkennen. Das Schnaufen näherte sich schnell. Der Hund kam im Galopp, sah mich, blieb einen Augenblick halten und sprang mir dann, ohne einen Laut hören zu lassen, mit einem mächtigen Satz an die Kehle. Im gleichen Augenblick breitete ich die Arme aus, bog mich vor, um nicht vom Tier umgerissen zu werden, und warf ihm, gerade, als es sich verbeißen wollte, die Arme um den Hals. Seine Zähne fanden den dicken Wulst der Jacke und konnten mich nicht verletzen. Ich aber preßte ihm mit den zusammengezogenen Armen den Hals und Kopf so fest gegen meine Brust, daß ihm der Atem ausging und sein Körper schlaff hernieder hing.

»Stoß jetzt zu, Halef!«

Der Hadschi bohrte dem Tier das Messer vier-, fünfmal hintereinander in die Rippen. Dann ließ ich den Hund fallen. Er bewegte sich nicht.

»Hamdulillah, es ist geglückt!« seufzte Halef erleichtert auf. »Das hätte ich nicht für möglich gehalten. Sihdi. Wenn die anderen – –«

»Still!« fiel ich ihm in die Rede. »Es kommt wieder einer, diesmal von rechts her.«

Wir wendeten uns in diese Richtung. Der zweite Hund wurde in gleicher Weise abgetan, nur mit dem Unterschied, daß er mir, als ich ihm den Hals zudrückte, in seiner Todesangst mit den Hinterklauen die Schenkel aufkratzte. Erst nach längerer Weile erschien auch das dritte, letzte Tier, das wie das erste unschädlich gemacht wurde, ohne daß es mich beschädigte. Nun half ich Halef eine kleine Weile leicht brennbare Stoffe suchen, damit er mehrere Herde anlegen und das Feuer schnell eine weite Verbreitung annehmen könne. Dann eilte ich mit meinem Stutzen auf die gegenüberliegende Seite des Kurdenlagers. Dort kroch ich in das von uns hergestellte Loch und hatte nun die Kreuzigung vor mir.

Isa, der ein Licht des Islam hatte werden sollen, hing seines christlichen Bekenntnisses wegen an dem schnell hergerichteten Kreuz, doch nicht, wie der Heiland mit schmerzenden Nägeln befestigt, sondern mit Riemen angebunden. Dennoch war sein halb zurückgeneigtes Gesicht schon äußerst qualvoll verzerrt, und seine Muskeln zuckten im Krampf. Seine Eltern waren absichtlich so an den Stamm der Pistazie festgebunden worden, daß sie diesem, also auch einander, die Gesichter zukehrten. Man hatte ihnen aber die Unterarme freigelassen, damit sie einander gut berühren, aber nicht helfen könnten.

Viele Kurden hatten sich einstweilen sattgesehen und sich entfernt. Die anderen bildeten jenseits des Baumes, wo sie das Schauspiel vor sich hatten, einen Halbkreis und erquickten sich an dem Bild der Marter, die die Gequälten nicht verbergen konnten. Diese verhielten sich keineswegs still: sie warfen einander Worte des Trostes und der Hoffnung zu, die von den Zuschauern in hämischer Weise bekrittelt wurden.

»Halt aus!« bat die Mutter den Sohn. »Er kommt gewiß; er hat es versprochen, dich zu retten. Du kennst den Herrn. Was er verspricht, das hält er auch.«

Dann weinte und betete sie weiter. Das tat auch Yussuf Ali. Er unterbrach sein Gebet, um dem Sohn zuzurufen:

»Ich bin schuld, ich allein! Jetzt sind meine Schmerzen größer als die deinen. Vielleicht kommt der Herr zu Hilfe. Wenn er es tut, werde ich mir mit dem Messer ein Ssalib Isa in die Brust schneiden, zum Andenken an diese Stunden der Schmerzen, die unaussprechlich sind.«

»Weine nicht, Mutter«, bat Husseïn Isa. »Marryah hat tausendmal größere Qualen erduldet als du. Weine nicht, Vater, denn ich bin zu beneiden: der Tod für den Glauben öffnet den Weg zum Paradies. Mir ist's nicht um mich, sondern um euch. Ihr kamt, mich zu retten, und seid nun selbst dem Tod geweiht. Aber vielleicht naht der Herr doch noch, wenigstens euch zu retten. Ich will für euch flehen, daß er erscheine.«

Er hob den Kopf empor, betete laut und rief vertrauensvoll die schmerzhafte Mutter um Hilfe und Beistand an. Die Mir Mahmalli aber warfen höhnische Bemerkungen dazwischen. Ich durfte nicht länger mehr warten, obgleich ich noch nicht wußte, wie ich mit Halef imstande sein würde, die drei mit der notwendigen Geschwindigkeit vom Stamm weg- und vom Kreuz herabzubringen. Ich legte die Hände an den Mund und bellte dreimal möglichst laut wie ein Schakal. Das Auge jetzt scharf zur gegenüberliegenden Seite richtend, sah ich sofort ein Flämmchen, dem schnell zwei, drei, vier, fünf andere folgten, um sich wie an einem Zunderzeug rasch an der Einfassung emporzufressen. Eine halbe Minute später stand von ihr eine wenigstens zwanzig Meter breite Strecke in hellen Flammen, die rasend weiterliefen.

Das Feuer wurde bemerkt und brachte die beabsichtigte Wirkung hervor. Alles heulte und rannte um Wasser. Die links drüben liegenden Tiere wurden scheu und jagten zwischen den Hütten und Menschen hindurch. Die entsetzten Kurden eilten in ihre Wohnungen, um den Inhalt zu retten. Niemand achtete der Pistazie. Ich stand schon an ihr, da ich die wenigen Pappelzweige, die mich gehindert hatten, schnell weggeschnitten hatte.

»Ich bin da!« tröstete ich die drei. »Erst schnell euch beide los und dann den Sohn!«

»O heilige Marryah, Mutter der Schmerzen, wie danke ich dir!« jubelte die Kurdin, als ihre Fesseln unter meinem scharfen Messer fielen. »Schmerzhafte Mutter hat mein Sohn dich genannt, ich trete ihn dir ab zu deinem Dienst!«

»O Ssalib Isa«, rief ihr Mann, »du bist wirklich mächtiger als der Halbmond des Propheten!«

Beide waren los. Ein Schnitt empor machte auch die Füße des Sohnes frei. Das Messer zwischen die Zähne nehmend, kletterte ich hinter ihm am Stamm der Pistazie empor und auf den linken Arm des Querbalkens hinüber. Da kam Halef durch das Loch gekrochen und herbeigerannt.

»Schnell herauf und auf den anderen Arm des Kreuzes!« forderte ich ihn auf. »Wir müssen Husseïn Isa zugleich losschneiden, sonst bricht er sicher den einen Arm. Sein Vater ist stark genug, ihn aufzufangen.«

Der kleine, brave Hadschi kletterte wie ein Eichkätzchen. Yussuf Ali stand mit ausgebreiteten Armen unten. Ein Schnitt hüben und einer drüben – Isa fiel in die Arme seines Vaters, der ihn an seine mächtige Brust drückte und laut aufjubelte. Die Mutter umschlang beide und jubelte mit. Da sah ich, daß wir bemerkt wurden. Mehrere Mir Mahmalli ließen alles im Stich und kamen herbeigerannt, andere folgten. Ich sprang hinab, Halef ebenso, und hob den Stutzen auf, den ich vorhin unten weggelegt hatte.

»Schnell alle fort, in den dunklen «Wald und hinüber in unser Lager!« gebot ich. »Sorgt, euch nicht um mich! Ich werde den Rückzug decken. Mir geschieht nichts.«

Sie gehorchten. Husseïn Isa konnte nicht gehen und mußte von seinem Vater getragen werden. Aufzupassen, wie er hinausgebracht wurde, war mir unmöglich, denn die Mir Mahmalli waren nah. Glücklicherweise hatten sie keine Gewehre bei sich. Ich legte auf sie an und gebot ihnen Halt. Als sie dennoch vorwärtsrannten, gab ich drei Schüsse auf drei Beine ab. Die Getroffenen stürzten nieder, die anderen blieben stehen, alle brüllten vor Wut. Daß sie haltenblieben, war mir lieb, denn da ich auf dem rechten Auge nicht sehen konnte, mußte ich linkshändig schießen. Dann zog ich mich durch das Loch zurück, ohne daß sie mir zu folgen gewagt hätten.

Jetzt brannten schon zwei Seiten der Einfassung lichterloh. Der Wald war, so weit der Feuerschein reichte, fast taghell erleuchtet. Da ich die Feinde nicht mehr zu fürchten hatte, machte ich keinen Umweg, sondern lief zum Fluß hinab und drüben, wo es noch heller als im Tal war, wieder die Böschung hinauf. Ich stieß am Eingang des Lagers auf Halef und die drei Geretteten.

Die Mir Yussufi standen und starrten das Feuer an, das sie sich nicht zu erklären vermochten. Yussuf Ali ging, seinen Sohn auf den Armen, durch sie hindurch, ohne ihre Fragen zu beachten. Halef hatte dem Riesen erzählt, daß sein Stamm an der Rettung nicht hatte teilnehmen wollen. Ich folgte ihm mit seinem Weib. Hadschi Halef aber konnte es nicht übers Herz bringen; er blieb stehen, um den Mir Yussufi zu erzählen, was geschehen war.

Wir anderen suchten Yussuf Alis Hütte auf, wo sofort zwei Öllampen angebrannt wurden, damit ich den Zustand seines Sohnes untersuchen könne. Er hatte glücklicherweise nicht lange am Kreuz gehangen, und seine Muskeln und Sehnen waren fest. Er hatte zwar große Schmerzen und fühlte sich wie zerschmettert, eine gefährliche Verletzung aber war bei ihm nicht zu entdecken.

Was mich betrifft, so erschrak ich über mich selbst, als ich in ein Gefäß mit Wasser blickte, das mir als Spiegel diente. Auge und Nase bildeten einen einzigen, blauroten Höhenzug in meinem Gesicht, doch zweifelte ich nicht, daß beide durch häufige kalte Umschläge und Ruhe bald wieder herzustellen seien. Yussuf Ali hatte sich bei mir noch gar nicht entschuldigt, jetzt aber bat er mich in einer Weise um Verzeihung, daß ich ihm nach seiner inneren Umkehr den ›Sauhieb‹ doppelt gern vergab.

Als Halef kam, ging Fatima Marryah hinaus, um das Feuer anzufachen und den Hammel vollends gar zu braten. Das so unglücklich unterbrochene Abendessen sollte nun zu einer Festmahlzeit werden, die wir im Haus einnahmen, denn wir schmollten mit den Mir Yussufi und ließen keinen herein.

Nach dem Mahl mußte Husseïn Isa schlafen. Wir anderen aber blieben noch lange wach, um das Erlebte zu besprechen. Dann mußte ich von der Heiligen Familie erzählen, von Yussuf, dem Zimmermann, von Marryah, der gebenedeiten Jungfrau, und von Isa, dem Sohn Gottes. Ich erzählte bis zum Tod, zur Auferstehung und Himmelfahrt des Erlösers und tat das in der Weise, wie man Kindern berichtet, denn das war den Geisteskräften dieser Leute am angemessensten.

Solche Stunden sind heilig. Meine Zuhörer waren so andachtsvoll, wie ich es nur wünschen konnte, und ich meine, daß kein Heidenbekehrer schönere Erfolge aufzuweisen hat als damals ich. Yussuf Ali dachte sich ganz in Joseph, den Zimmermann, hinein und wurde förmlich stolz, der Vater eines so frommen und sogar eines gekreuzigten Christen zu sein. Er zeigte sich auch fest entschlossen, mit Husseïn Isa nach Mossul zu gehen, und rief endlich begeistert aus:

»Herr, der heutige Tag hat mich für ewig mit Mohammed verfeindet. Ich werde Christ und halte es für das größte Glück, meinen Sohn als Priester zu sehen.«

Fatima Marryah fiel ihm schluchzend um den Hals und küßte ihn vor unseren Augen. Ihr Sohn hatte ihr schon früher von der schmerzhaften Mutter erzählt, und dieses war ihr treu im Gedächtnis geblieben. Von allen heiligen Personen, von denen ich ihr berichtet hatte, hatte sie nebst dem Heiland die ›Mater dolorosa‹ am tiefsten in ihr Herz geschlossen. Sie küßte mir weinend die Hände und sagte:

»Heute habe ich eine Ahnung, was die schmerzhafte Mutter alles erlitten; die Heiligste Jungfrau hat den Schmerz von mir gewendet; ihr ganz allein soll mein Sohn gehören, und ich werde nichts als seine und also auch ihre Dienerin sein. Das ist mein Gelübde und ich werde es halten.«

Gegen Morgen mußten wir doch schlafen gehen. Als wir am Mittag erwachten, fühlte sich Husseïn Isa bedeutend wohler, und mein Gesicht hatte sich ein wenig gesetzt und gelbliche Farbe angenommen. Das Auge lugte schon, wenn auch nur matt, aus der Geschwulst hervor, ungefähr wie eine Rosine kleinsten Umfangs aus einem gut aufgegangenen Plumpudding.

Da wir unmöglich schon fort konnten, so mußte mit den Mir Yussufi eine Verabredung darüber eingegangen werden, wie wir uns zueinander stellen wollten. Halef blieb mit dem tapferen Kawassen als Gast bei dem Malkoegund, ich aber bei Yussuf Ali, dem der Malkoegund die Speisen lieferte. Unsere Kurden waren unendlich stolz auf uns geworden, denn zwei Mutige hatten drei Gefangene mitten aus dreihundert Feinden herausgeholt. Dazu kam, daß drüben noch tagelang der Wald brannte. Die Mir Mahmalli hatten viele Tiere verloren, ihr Sommeraufenthalt wurde durch das Feuer zerstört, und so konnten sie, da sie sich einen anderen suchen mußten, auf lange Zeit hinaus den Mir Yussufi nicht mehr lästig fallen. Diese schuldeten uns also große Dankbarkeit und trugen sie in ihrer Weise ehrlich ab.

Meine Genesung schritt schneller voran als die Husseïn Isas. Als mein Auge wieder das frühere Aussehen hatte und auch meine Nase in ihre ursprüngliche Schönheit zurückentschwollen war, lag ihm noch eine große Müdigkeit in allen Gliedern. Er mußte länger bleiben als ich. Es stand fest, daß er die Eltern mitnehmen würde, und ich bat ihn, bei dieser Gelegenheit meinen kühnen Kawassen nach Kerkuk abzuliefern. Kassem war darüber sehr erfreut, denn er hatte alle Lust verloren, ferner mit einem Menschen zu reiten, der mit einem Dutzend und noch mehr Kurden anbindet und dann noch ihre Häuser, Zäune und Wälder anzündet. Er erhielt ein Bakschisch von mir, mit dem er weit zufriedener war als mit mir selbst.

Meinen Ritt zum Urmiasee hatte ich wegen der völligen Ausheilung meines Auges und der vorgerückten Jahreszeit aufgegeben. Ich wollte nun den oberen Sab aufwärts reiten und über das Tura Ghara-Gebirge wieder zum Großen Sab zurückkehren.

Endlich ritt ich des Morgens mit Halef ab. Sämtliche Mir Yussufi begleiteten uns eine Strecke. Als sie Abschied nahmen, küßte mir Fatima Marryah weinend die Hände und bat:

»Denke meiner, Herr, wie ich deiner gedenken werde allezeit! Du hast kein Weib, aber eine Mutter. Grüße sie von mir! Ich werde immer für sie und für dich beten.«

Yussuf Ali aber hob seinen ledernen Streifenkragen auseinander, zog sein Messer, schnitt sich zwei tiefe, sich kreuzende Wunden auf die Brust und sagte:

»Das habe ich gelobt; das ist mein Zeichen: Es Ssalib Isa, das Kreuz Christi, in dem ich von nun an leben, und in dem ich auch sterben werde. Ich danke es dir. Reise in Gottes Schutz, und sei so glücklich, wie ich es jetzt bin!«

*

 << Kapitel 2  Kapitel 4 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.