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Künstler der Renaissance

Giorgio Vasari: Künstler der Renaissance - Kapitel 8
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authorGiorgio Vasari
titleKünstler der Renaissance
publisherTransmare Verlag Berlin
illustratorH. Tannhaeuser
editorFritz Schillmann
year1948
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correctorreuters@abc.de
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Lorenzo Ghiberti

Geboren 1378 zu Florenz, gestorben am 1. Dezember 1455 daselbst

Wer durch irgendeinen seltenen Vorzug Ruhm unter den Menschen gewinnt, erwirbt dadurch nicht nur für sich Ehre und Lohn, sondern ist auch meist ein heiliges, leuchtendes Vorbild für viele, die nach ihm geboren werden und in derselben Zeit leben. Denn nichts regt die Geister der Menschen mehr an und läßt die Mühen des Studiums weniger anstrengend erscheinen, als die Ehre und der Nutzen, die nach saurer Arbeit durch Kunst und Geschicklichkeit gewonnen werden. Sie machen jedem sein schwieriges Unternehmen leicht, und sein Talent reift schneller, wenn es durch das Lob der Welt gesteigert wird. Ja, Unzählige, die diese sehen, bemühen sich, den gleichen Lohn zu verdienen, den einer ihrer Mitbürger errungen hat. Im Altertum wurden daher ausgezeichnete Menschen mit Reichtümern belohnt oder durch Triumphzüge und Denkmäler geehrt. Weil aber das Talent häufig vom Neid verfolgt wird, muß man sich anstrengen, diesen durch größte Leistungen zu besiegen oder wenigstens stark und tapfer genug zu werden, um seine Stürme zu ertragen.

Dies vermochte durch Glück und Verdienst Lorenzo di Cione Ghiberti, auch di Bartoluccio genannt, der für würdig erachtet wurde, von den trefflichen Meistern Donato und Filippo di Brunelleschi an ihre Stelle gesetzt zu werden. Denn sie erkannten, daß er ein besserer Meister in Gußarbeiten war als sie selbst, obgleich sie vielleicht lieber das Gegenteil gesagt hätten. Solche Einsicht gereicht jenen zum Ruhm und vielen zur Beschämung, die sich groß dünken, an die Aufträge drängen und den Platz einnehmen, der den Vorzügen anderer zukommt. Auf ihm können sie keine Früchte ernten, wenn sie sich auch lange Jahre quälen, etwas zustande zu bringen, während sie dem Können und den Kenntnissen anderer hinderlich sind, die sie aus Neid und bösem Willen unterdrücken.

Lorenzo war ein Sohn von Bartoluccio Ghiberti, einem vortrefflichen Goldschmied, und lernte bei ihm von frühester Jugend an jene Kunst, die er bald so übte, daß er viel besser arbeitete als sein Vater. Mehr Freude jedoch machte ihm die Bildhauer- und Zeichenkunst. Deshalb bediente er sich bisweilen der Farben, bisweilen goß er kleine Bronzefiguren und vollendete sie mit Anmut. Auch vergnügte er sich, die Stempel der alten Münzen nachzuahmen, und bildete viele seiner Freunde nach dem Leben ab. – Während er in Florenz mit seinem Vater durch Goldarbeiten Geld zu erwerben suchte, kam im Jahre 1400 die Pest, und da außer ihr auch noch einige bürgerliche Zwistigkeiten und sonstige Not in der Stadt herrschten, sah er sich gezwungen, in Gesellschaft eines anderen Malers in die Romagna zu gehen. Dort malten sie in Rimini für den Herrn Pandolfo Malatesta ein Zimmer und sonst noch mancherlei mit vielem Fleiß und zur Zufriedenheit jenes Herrn, der noch jung war und an den Werken der Zeichenkunst große Freude hatte. – Lorenzo unterließ nichts, sich während dieser Zeit im Zeichnen, Wachsbossieren, in der Stukkatur und ähnlichen Techniken zu üben, weil er sehr wohl wußte, daß diese Art von kleinen erhabenen Arbeiten die Zeichenübungen der Bildhauer sind, ohne die sie nichts vollkommen zu Ende führen können.

Lorenzo war noch nicht lange von seiner Vaterstadt entfernt, als die Pest erlosch und die Signoria von Florenz gemeinsam mit der Zunft der Kaufleute beschloß, die beiden noch fehlenden Türen von San Giovanni, der ältesten und vornehmsten Kirche der Stadt, ausführen zu lassen, denn zu jener Zeit gab es viele vorzügliche Meister der Bildhauerei, fremde sowohl wie Florentiner. Von diesem Unternehmen war schon längere Zeit die Rede gewesen, und man kam nunmehr überein, es solle den besten Meistern Italiens bekanntgemacht werden, sie möchten nach Florenz kommen und eine Probearbeit ausführen, eine Bildtafel von Bronze, denen ähnlich, die Andrea bei der ersten Tür angebracht hatte. Bartoluccio berichtete seinem Sohne Lorenzo, der in Pesaro arbeitete, von diesem Beschluß und ermunterte ihn, nach Florenz zurückzukommen und einen Beweis seiner Geschicklichkeit zu bringen. Dies sei eine Gelegenheit, sich bekannt zu machen und sein Talent zu zeigen, auch könne er dabei so großen Vorteil gewinnen, daß sie beide nicht mehr nötig haben würden, Ohrgehänge zu arbeiten. Diese Worte Bartoluccios beunruhigten Lorenzo sehr, und trotz aller Liebenswürdigkeiten, die ihm von Pandolfo und dem Maler, ja vom ganzen Hof erzeigt wurden, verlangte er seine Entlassung. Ungern und widerstrebend wurde diese ihm zugestanden, da weder Versprechungen noch erhöhte Besoldung ihn zu halten vermochten. Lorenzo aber, den jede Stunde eine Ewigkeit dünkte, ehe er Florenz erreicht hatte, zog glücklich von dannen und kehrte in seine Heimat zurück. Eine Menge fremder Künstler war zu jener Zeit schon in Florenz angelangt und hatte sich bei den Obermeistern der Zünfte gemeldet, die von diesen allen sieben Meister auswählten, drei Florentiner, die anderen Toskaner. Man wies ihnen Geld an, und jeder sollte im Verlauf eines Jahres als Probestück ein Bronzerelief in der gleichen Größe wie das an der ersten Tür vollenden und darin die Opferung des Isaak durch Abraham darstellen. Denn man glaubte, jene Meister könnten hierin sehr wohl die Schwierigkeiten ihrer Kunst zeigen, könnten dabei Tiere und Landschaften, Gestalten mit und ohne Gewänder anbringen, die vordersten Figuren erhaben, die zweiten halberhaben und die letzten flach arbeiten. Bewerber bei diesem Werk waren die Florentiner Filippo Brunelleschi, Donato und Lorenzo di Bartoluccio, der Sienese Jacopo della Quercia, dessen Schüler Niccolò d'Arezzo, Francesco di Valdambrina und Simone da Colle, de' Bronzi genannt.Vasaris Angaben über die Teilnehmer an dem Wettbewerb sind ungenau. Alle diese versprachen den Obermeistern, in der bestimmten Zeit das Relief zu vollenden, und jeder begann das seinige mit großem Eifer und Fleiß und wandte alle Kraft und Kenntnisse auf, um den anderen zu übertreffen. Sie hielten dabei ihre Arbeiten ganz geheim, um nicht auf gleiche Gedanken zu geraten. – Nur Lorenzo, der Bartoluccio hatte, der ihn leitete, ihn keine Mühe scheuen und viele Modelle arbeiten ließ, ehe er sich entschloß eines auszuführen, veranlaßte die Bürger, zu ihm zu kommen, um ihre Meinung zu hören. Bisweilen lud er auch Fremde ein, die durchreisten, wenn sie etwas von seinem Gewerbe verstanden, und mit Hilfe dieser Urteile brachte er ein sehr gelungenes, ganz fehlerloses Modell zustande. Hierauf machte er die Form, goß sie in Bronze aus, was vortrefflich glückte, und ging daran, den Guß mit Hilfe seines Vaters mit großer Liebe und Geduld auszuputzen, so daß man es nicht besser hätte vollenden können. Inzwischen war die Zeit gekommen, da die Arbeiten zum Vergleich gestellt werden sollten, und so wurde sein Werk mit denen aller übrigen Meister der Zunft der Kaufleute zur Beurteilung übergeben. Da nun die Obermeister und viele andere Bürger diese in Augenschein genommen hatten, zeigten sich alsbald verschiedene Meinungen. Eine Menge Fremder, teils Maler, teils Bildhauer und einige Goldarbeiter waren in Florenz zusammengeströmt, und diese wurden von den Obermeistern berufen, mit anderen desselben Gewerbes, die in Florenz lebten, über jene Arbeiten ihr Urteil zu sprechen. Es war dies ein Gericht von vierunddreißig Personen, alle in ihrer Kunst wohlerfahren. Aber obgleich sie verschiedene Ansichten hatten, dem einen diese Art, dem anderen jene gefiel, so kamen doch alle darin überein, daß Filippo Brunelleschi und Lorenzo di Bartoluccio ihre Arbeiten besser gegliedert und reicher mit Figuren ausgestattet hätten als Donato, obwohl auch bei diesem die Zeichnung vorzüglich war. In dem Werke von Jacopo della Quercia fehlte den Figuren Zartheit, obgleich sie sonst gewiß gut, nach richtigem Verhältnis und mit Fleiß gearbeitet waren. Bei Francesco di Valdambrina waren die Köpfe lobenswert und alles war wohl ausgefeilt, in der Zusammenstellung aber verworren. Simone da Colle zeichnete sich durch den schönen Guß seines Probestückes aus, was seine eigentliche Kunst war; in der Zeichnung erschien es mangelhaft. Auch jenes von Niccolò d'Arezzo war mit Sorgfalt gearbeitet, hatte indes kurze Gestalten und war schlecht ausgeputzt. Nur das Bild von Lorenzo war in allen Teilen vollkommen, denn er hatte dieses ganze Werk nach schöner Zeichnung sehr wohl zusammengestellt. Die Figuren waren schlank, hatten Anmut und schöne Stellung, und das Ganze war mit solcher Sorgfalt ausgeführt, daß es nicht gegossen und mit dem Eisen geputzt, sondern geblasen zu sein schien.Die Probestücke des Ghiberti und Brunelleschi sind erhalten, sie befinden sich im Museo Nazionale in Florenz.

Als Donato und Filippo sahen, mit welcher Sorgfalt Lorenzo sein Werk vollendet hatte, traten sie beiseite, besprachen sich und kamen überein, Lorenzo müsse der Auftrag übergeben werden. Es schien ihnen, dem öffentlichen und privaten Wohl sei so am besten gedient, und Lorenzo, der noch sehr jung, noch nicht zwanzig Jahre alt war, werde bei Übung dieses Berufs die herrlichen Früchte ernten, die sein schönes Bild hoffen ließ, das er nach ihrem Urteil vollkommener als die anderen ausgeführt hatte. Ja sie sagten, es würde mehr eine Handlung des Neides sein, wenn sie es ihm nehmen wollten, als rühmlich, es ihm zu überlassen. Lorenzo begann demnach das Werk für die Tür und verfertigte für einen der Türflügel ein großes hölzernes Modell, genau wie es nachmals in Metall entstehen sollte, mit den Einfassungen und den Verzierungen der Köpfe und den Vierungen um die mit Figuren ausgefüllten Bilder samt den Friesen, die ringsumher laufen. Hierauf arbeitete er mit allem Fleiß die Form und mietete eine Werkstätte Santa Maria Nuova gegenüber. Dort baute er einen sehr großen Ofen, den ich mich erinnere, noch gesehen zu haben, und goß jenes Stück in Metall. Das Schicksal wollte, daß es nicht gut gelang. Lorenzo erkannte den Fehler und verfertigte, ohne zu erschrecken oder den Mut zu verlieren, schleunigst und ohne daß jemand davon wußte, eine neue Form, wiederholte den Guß und sah ihn trefflich gelingen. In dieser Weise setzte er die Arbeit fort, indem er jedes Feld für sich allein goß und es dann geputzt und gereinigt in seine Stelle einfügte. Die Verteilung der Bilder war der ähnlich, die Andrea Pisano bei der ersten Tür nach einer von Giotto verfertigten Zeichnung beobachtet hatte. Hier stellte Lorenzo zwanzig Begebenheiten aus dem Neuen Testament dar und in acht ähnlichen Füllungen Gegenstände, die mit jenen in Verbindung standen. Zuunterst sieht man die vier Evangelisten, zwei auf jedem Türflügel, und darüber die vier Kirchenlehrer, die in Stellung und Gewändern verschieden sind: einer liest, einer schreibt, die anderen denken nach, und wie jeder auf andere Weise sich zeigt, sind sie in ihrer Tätigkeit und ihrem Denken sehr wohl dargestellt. In den Friesen, die die Bildfelder umgeben, brachte er Zierat von Efeublättern und anderem Laubwerk an, dazwischen Simsglieder und auf jeder Ecke einen männlichen oder weiblichen Kopf, ganz erhaben gearbeitet; sie stellen Propheten und Sibyllen vor und geben durch ihre Schönheit und Mannigfaltigkeit den seltenen Geist Lorenzos kund. Dieses ganze Werk wurde mit dem größten Aufwand von Zeit und Kräften zu einer Vollendung geführt, wie sie einem Metallwerk nur irgend gegeben werden kann. Die Glieder der nackten Gestalten sind in allen Teilen schön, und obwohl die Gewänder ein wenig nach dem alten Stil des Giotto neigen, ist doch überall etwas darin, was sich der Art der Neueren nähert und den Figuren in dieser Größe eine gewisse zierliche Anmut gibt. Alle diese Bilder sind so wohlgeordnet und verteilt, daß Lorenzo das Lob, das Filippo zu Anfang über ihn ausgesprochen hatte, oder ein größeres wohl verdiente. – Von seinen Landsleuten deshalb ehrenvoll anerkannt, sah er sich von einheimischen und fremden Künstlern gleich sehr gerühmt. Dieses ganze Werk mitsamt den Türbekleidungen, die ebenfalls von Metall und mit erhabenen Fruchtgehängen und Tieren verschönt sind, kostete zweiundzwanzigtausend Gulden. Die Metalltüren aber wogen vierunddreißigtausend Pfund.

Als sie vollendet waren, hielten die Obermeister sich für sehr wohl bedient und beschlossen, Lorenzo, dem jedermann Lob zollte, den Auftrag zu geben, an einem Pfeiler an der Außenseite von Or San Michele für eine der Nischen, die den Tuchscherern gegenüber ist, eine Bronzestatue zu Ehren Johannes des Täufers zu arbeiten. Er fing dieses Werk sogleich an, ging nicht davon, bis er es vollendet hatte und brachte eine sehr gute, gerühmte Arbeit zustande. In den Mantel, der diese Figur umgibt, schnitt er seinen Namen. Mit dieser Statue, die 1414 aufgestellt wurde, begann der gute neue Stil. Diesen erkennt man an dem Haupte, an dem Arme, der die Fülle der Natur hat und Fleisch zu sein scheint, an den Händen wie an allen Bewegungen der Gestalt. Lorenzo war somit der erste, der anfing, die Werke der alten Römer nachzuahmen, die er eifrig studierte, wie ein jeder es muß, der Gutes zu vollbringen wünscht. Auf dem Giebel des Tabernakels versuchte er auch in Mosaik zu arbeiten und stellte daselbst in halber Figur einen Propheten dar.

Schon war der Ruf des kunstreichen Meisters in Gußarbeiten durch ganz Italien verbreitet, da gab die Signoria von Siena, die Jacopo della Fonte, den Sienesen Vecchietto und Donato einige Tafeln und Figuren aus Erz für den Taufbrunnen von San Giovanni hatte arbeiten lassen, nunmehr Lorenzo den Auftrag, zwei Begebenheiten aus dem Leben des heiligen Johannes des Täufers darzustellen. Auf der einen Tafel sieht man die Taufe Christi mit einer Menge Gestalten nackt und in Gewändern, auf der anderen wird der heilige Johannes gefangengenommen und vor Herodes gebracht. Lorenzo aber, der die Meister der anderen Bilder um vieles übertraf, wurde von den Sienesen und allen, die sie sahen, sehr gerühmt. Darauf wollten die Aufseher der Münze in Florenz in eine der Nischen an Or San Michele, dem Zunftgebäude der Leineweber gegenüber, eine Statue arbeiten lassen, einen heiligen Matthäus von der Größe des obengenannten Johannes. Sie übertrugen diese Arbeit Lorenzo, der die Statue sehr schön und weit mehr noch nach dem neuen Stil vollführte als den Johannes. Deshalb wurde sie noch höher als jene gepriesen und veranlaßte die Obermeister der Zunft der Leineweber, er solle an demselben Ort in der nächstfolgenden Nische wiederum eine Metallfigur in demselben Maße wie die beiden anderen ausführen: einen heiligen Stephanus, weil dieser ihr Schutzpatron war. Diese Statue vollendete Lorenzo ebenfalls und gab dem Erz einen sehr schönen Firnis, so daß sie allgemein ebenso Zufriedenheit erregte wie die früheren.

Die Werkmeister von Santa Maria del Fiore wünschten für den Leichnam des heiligen Zenobius, des Bischofs von Florenz, einen Sarg und ein Grabmal von Metall verfertigen zu lassen. Lorenzo vollendete dieses Werk mit aller Mühe, Anstrengung und Kunst, so daß es als ungewöhnlich schön sehr gerühmt wurde.Unter dem Altar einer Kapelle im Dom zu Florenz.

Im Jahre 1439 kam Papst Eugen nach Florenz, um ein Konzil wegen der Vereinigung der griechischen mit der römischen Kirche abzuhalten. Er sah dort die Werke Lorenzos, und weil diese ihm ebenso wohlgefielen wie die Persönlichkeit des Künstlers, ließ er ihn eine Mitra von Gold anfertigen im Gewicht von fünfzehn Pfund mit Perlen von fünfeinhalb Pfund, die zusammen mit den Edelsteinen, die ringsum angebracht waren, auf dreißigtausend Goldgulden geschätzt wurden. Unter diesen Perlen sollen sechs die Größe von Haselnüssen gehabt haben, und Lorenzo kamen die seltsamsten und schönsten Gedanken beim Fassen der Edelsteine und bei der Verteilung der vielen Putten und anderen Figuren, die zu mannigfaltigem und anmutigem Schmuck dienten, wie aus einer vorgefundenen Zeichnung des ganzen Werkes zu erkennen ist. Dafür erhielt er vom Papst viele Gnadenbezeigungen für sich und seine Freunde über die eigentliche Bezahlung hinaus.

Während die Arbeiten Lorenzos, der für unzählige Personen Werke in Bronze wie auch in Gold und Silber vollführte, seinem Namen immer mehr Ruhm erwarben, gelangte in die Hände Giovannis, des Sohnes von Cosimo de' Medici, ein ziemlich großer Karneol, auf dem in vertiefter Arbeit dargestellt war, wie Apollo den Marsyas schinden läßt. Dieser Stein hatte, wie man sagt, schon dem Kaiser Nero als Petschaft gedient, und da er wegen seiner Größe wie auch wegen des wunderbar schönen Schnittes eine Seltenheit war, gab Giovanni dem Meister Lorenzo den Auftrag, eine Verzierung von gegrabener Goldarbeit darum zu verfertigen. Dieser mühte sich darum viele Monate und vollendete mit dem Grabstichel eine Fassung, die ebenso schön genannt zu werden verdiente wie die gegrabene Arbeit in jenem Stein. Dadurch wurde veranlaßt, daß Lorenzo noch viele andere Dinge in Gold und Silber ausführte, die heute verloren sind. Unter anderem verfertigte er für Papst Martin einen goldenen Knopf, den er am Chormantel trug, mit ganz erhabenen Figuren, dazwischen Edelsteine von großem Wert, ein sehr vortreffliches Werk. Für denselben Papst verfertigte er eine wunderbar schöne päpstliche Mitra mit Laubwerk von durchbrochener Goldarbeit und vielen schönen ganz erhabenen Figuren, wofür er nicht nur Ruhm erntete, sondern dank der Freigebigkeit des Papstes auch großen Lohn erlangte.

Durch die trefflichen Werke jenes bedeutenden Künstlers wurde der Stadt Florenz viel Ehre zuteil, und die Obermeister der Zunft der Kaufleute beschlossen, die dritte Tür von San Giovanni wiederum von Lorenzo in Metall arbeiten zu lassen. Bei der ersten war er ihrer Vorschrift gefolgt und hatte sie samt der Verzierung, welche die Figuren einschließt, und dem Rahmen, der diese Türen umgibt, ähnlich der des Andrea Pisano ausgeführt. Nun aber, da die Obermeister sahen, wie weit er jenen Künstler übertroffen hatte, beschlossen sie, es solle die von Andrea gearbeitete Tür, die bisher als Mitteltür gedient hatte, weggenommen und der Misericordia gegenüber angebracht werden, und die neue des Lorenzo solle nun als Mitteltür dienen. Denn sie setzten voraus, er werde dabei keine Anstrengung scheuen, deren er nur irgend in seiner Kunst fähig sei. Deshalb legten sie die Arbeit auch ganz in seine Hände und sagten, sie geben ihm Freiheit, sie auszuführen, wie er wolle oder wie er glaube, sie so zierlich, reich und vollkommen arbeiten zu können, als überhaupt nur zu denken möglich sei. Er möge weder Zeit noch Kosten sparen, und wie er alle Bildhauer übertroffen habe, die bis dahin gelebt hätten, so möge er in diesem Werk all seine früheren Werke zu übertreffen suchen.

Lorenzo begann dieses Werk, indem er all sein Wissen anstrengte, um es wohl auszuführen. Er teilte die Tür in zehn Felder, jeden Flügel in fünf; ringsumher zur Verzierung des Rahmens, der die Bilder umschließt, sieht man Nischen, im ganzen zwanzig, und in jeder derselben eine fast ganz rund gearbeitete Figur, alle sehr schön. Zwölf Figuren in liegender Stellung brachte er in den Nischen an, die sich in den Querleisten befinden, an den Ecken in kreisförmigen Vertiefungen vierunddreißig verschiedene Köpfe von Frauen, von jungen und alten Männern, darunter in der Mitte der Tür dicht bei der Stelle, wo er seinen Namen eingeschnitten hat, einen alten Kopf, der seinen Vater Bartoluccio nach dem Leben darstellt, und einen jüngeren, der Lorenzo selbst ist, der Meister des Werkes. Zwischen allen diesen Dingen wußte er eine Menge Laubwerk, Gesimse und sonstige Zieraten zu verteilen, die er meisterhaft ausführte. Die Felder dieser Tür enthalten Begebenheiten aus dem Alten Testament. – Dies Werk läßt im einzelnen wie im ganzen erkennen, welch reiche Erfindung ein Bildhauer durch Begabung und Anstrengung im Zusammenstellen der Figuren zeigen kann. Die Arbeit ist wirklich in allen Dingen vollkommen und ist das schönste Kunstwerk dieser Art, das man bei den Alten und den Neueren gesehen hat. Ja, wie sehr Lorenzo gerühmt zu werden verdient, geht aus dem Urteil Michelangelos hervor, der eines Tages vor diesem Werk stand und gefragt würde, was er davon halte und ob diese Türen schön wären, und zur Antwort gab: »Sie sind so schön, daß sie wohl an den Pforten des Paradieses stehen könnten«, ein sicherlich treffendes und bemerkenswertes Lob und von jemand ausgesprochen, der das Werk wohl zu beurteilen verstand. Lorenzo aber vermochte sie so schön zu vollenden, weil er von seinem zwanzigsten Jahre an, da er sie begann, vierzig Jahre lang mit der größten Anstrengung daran arbeitete. Lorenzo begann nach diesem großartigen Werk die Bronzeverzierung um die Pforte derselben Kirche, die der Misericordia gegenübersteht, mit jenem wunderschönen Laubwerk, das er nicht vollenden konnte, weil er unvermutet starb, als er eben Anordnungen traf, die Tür umzuarbeiten, die vordem von Andrea Pisano verfertigt worden war.

Lorenzo beschäftigte sich während seines Lebens mit mancherlei Dingen. Es machte ihm Freude, zu malen und in Glas zu arbeiten, und von ihm sind die Fenster um die Kuppel von Santa Maria del Fiore, eines ausgenommen, das Donato ausführte und worin Christus die Madonna krönt. Von Lorenzo sind ebenfalls die drei Fenster über der Haupttür von Santa Maria del Fiore, alle jene in den Kapellen und Tribunen und das Fenster an der Fassade von Santa Croce.

Derselbe Lorenzo schrieb ein Werk in der Volkssprache, worin er von verschiedenen Dingen spricht, doch so, daß man wenig Vorteil davon hat. Einzig gut daran scheint mir, daß er – nach einer Würdigung vieler älterer Maler, besonders solcher, die Plinius nennt – Cimabue, Giotto und noch andere Meister jener Zeit erwähnt, jedoch in viel größerer Kürze als notwendig, und dies nur aus dem Grunde, um mit guter Art auf sich selbst zu kommen und aufs genaueste alle seine Arbeiten aufzuzählen. Auch will ich nicht verschweigen, daß er glauben macht, das Buch sei von einem anderen geschrieben – und dennoch, als er fortfährt, von sich selbst zu erzählen, spricht er gleich einem, der besser zeichnen, in Erz gießen und mit dem Meißel arbeiten als schreiben konnte, in der ersten Person, wie: »Ich tat, ich sagte, ich habe getan, habe gesagt.«Die Denkwürdigkeiten des Lorenzo Ghiberti (herausgegeben von Julius Schlosser, Berlin 1912) zerfallen in drei Teile: 1. einen allgemeinen über Kunst und Künstler, zum großen Teil unter Benutzung antiker Schriftsteller. 2. Biographien von Künstlern des 14. Jahrhunderts; sie schließen mit der Selbstbiographie Ghibertis. 3. eine Kunsttheorie mit wissenschaftlichen Erörterungen. Die Arbeit ist außerordentlich wertvoll und wurde auch von Vasari eingehend benutzt. Endlich, als er siebenundsiebzig Jahre alt geworden, starb er an einem langwierigen Fieber und hinterließ ein ewiges Andenken von sich in seinen Werken und in den Werken der Schriftsteller. Er wurde in Santa Croce ehrenvoll begraben.

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