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Künstler der Renaissance

Giorgio Vasari: Künstler der Renaissance - Kapitel 3
Quellenangabe
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authorGiorgio Vasari
titleKünstler der Renaissance
publisherTransmare Verlag Berlin
illustratorH. Tannhaeuser
editorFritz Schillmann
year1948
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correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Giovanni Cimabue

Geboren um 1240 in Florenz, gestorben nach 1302 daselbst

Durch die endlosen Verheerungen, die das unglückliche Italien zugrunde gerichtet und unterdrückt hatten, waren nicht nur alle Kunstdenkmäler zerstört, sondern, was noch schlimmer war, es gab auch gar keine Künstler. Da wurde im Jahre 1240 in der edlen Familie der Cimabue Giovanni Cimabue geboren,Sein richtiger Name war Cenni dei Pepi, genannt Cimabue., der nach dem Willen Gottes das erste Licht in der Kunst der Malerei wieder entzünden sollte. Dieser schien, nach dem Urteil seines Vaters und anderer, einen ausgezeichneten und klaren Verstand zu haben; deshalb sollte er die Wissenschaften erlernen und wurde, als er heranwuchs, von seinem Vater nach Santa Maria Novella zu einem Verwandten gebracht, der in jenem Kloster die Novizen die Grammatik lehrte. Doch anstatt sich in den Wissenschaften zu üben, brachte Cimabue den ganzen Tag damit zu, auf Bücher und Blätter Menschen, Pferde, Häuser und allerlei Phantasien zu zeichnen, und diese Neigung begünstigte das Glück. Die damaligen Befehlshaber der Stadt beriefen nämlich einige griechische Maler nach Florenz, welche die verlorene Kunst wiederherstellen sollten, und diese malten unter anderem auch die Kapelle der Gondi in Santa Maria Novella, deren Gewölbe und Wände nun fast ganz von der Zeit zerstört sind. Nachdem Cimabue die ersten Schritte in der Kunst, die ihm so gefiel, gemacht hatte, entlief er oft der Schule und sah den ganzen Tag diesen Malern zu. Deshalb glaubten sie und sein Vater, er sei zur Malerei geschickt, und man könne, wenn er sich ihr ganz widmete, auf eine ehrenvolle Zukunft hoffen. Daher wurde er zu seiner großen Freude zu diesen Künstlern in die Lehre gegeben und brachte es durch unablässige Übung und sein Talent bald dahin, daß er in Zeichnung und Farbgebung seine Lehrmeister weit übertraf. Denn diese arbeiteten nicht nach der schönen alten griechischen Manier, sondern, wie man das noch heute an ihren Werken sieht, in der groben und harten Weise jener Zeit, ohne daß sie danach gestrebt hätten, weiterzuschreiten.

Cimabue ahmte zwar jene Griechen nach, vervollkommnete aber die Kunst, da er ihr einen großen Teil jener rohen Manier nahm, so daß sein Name und seine Werke seiner Vaterstadt Ehre brachten. Hiervon zeugen viele Bilder, die er in Florenz malte, wie das Gemälde an der Vorderseite des Altars in Santa CeciliaDem sogenannten Cäcilienmeister vom Ende des 13. Jahrhunderts zugeschrieben, vielleicht Buonamico Buffalmaco, jetzt in den Uffizien. und ein Bild der Mutter Gottes in Santa Croce.Von einem sienesischen Maler des 14. Jahrhunderts. Jetzt im British Museum in London. Hierauf malte er auf Goldgrund einen heiligen Franziskus nach der Natur, so gut er es konnte, was in jenen Zeiten etwas Neues war, und ringsumher Geschichten aus seinem Leben in zwanzig Bilderchen voll kleiner Figuren auf Goldgrund.In der Cappella Bardi in Santa Croce.

Dann übernahm er für die Mönche von Vallombrosa in der Abtei von Santa Trinità zu Florenz eine große Tafel. Er verwendete dabei großen Fleiß, um dem Ruf zu entsprechen, den er sich erworben hatte, und zeigte bereits bessere Erfindung und schöne Stellungen. Es war eine Mutter Gottes mit dem Kind auf dem Arm und vielen Engeln umher, die ihr huldigen, auf Goldgrund.In den Uffizien. Als er dieses Werk vollendet hatte, mußte er für den Guardian, der ihm den Auftrag in Santa Croce gegeben hatte, ein großes Kruzifix auf Holz malen.Museo dell' Opera von Santa Croce. Autorschaft Cimabues angezweifelt.

Durch diese Arbeiten wurde der Name Cimabues immer bekannter, und man berief ihn nach Assisi, einer Stadt in Umbrien, wo er gemeinsam mit einigen griechischen Malern in der Unterkirche des heiligen Franziskus einen Teil des Gewölbes malte und auf den Wänden die Geschichte Christi und die des heiligen Franz, wobei er jene griechischen Maler weit übertraf. Dadurch wuchs ihm der Mut. Er begann die Oberkirche allein in Fresko auszumalen und stellte in der Haupttribüne über dem Chor in vier Feldern Szenen aus der Geschichte der Mutter Gottes dar, nämlich ihren Tod, dann ihre Himmelfahrt und schließlich ihre Krönung inmitten einer Schar von Engeln, wobei zu ihren Füßen eine Menge von Heiligen steht. Diese Bilder sind jetzt von der Zeit und vom Staube fast ganz verdorben. Auch in den fünf Kreuzgewölben derselben Kirche malte er viele Geschichten.

Als die Gewölbe vollendet waren, schmückte er auf der linken Seite der Kirche den ganzen oberen Teil der Wände in Fresko aus. Dieses sehr große, reiche und wahrhaft schön ausgeführte Werk muß meines Erachtens die Welt in Erstaunen gesetzt haben, in jener Zeit, in der die Kunst so lange in Blindheit gelegen hatte. Mir jedenfalls, der ich es im Jahre 1563 sah, schien es außerordentlich schön, zumal wenn ich bedachte, was es bedeutet, daß Cimabue in solcher Finsternis ein solches Licht sah.Cimabue hat in der Unter- wie in der Oberkirche von Assisi Fresken gemalt. Die Zuweisung der einzelnen Bilder ist unter den Kunsthistorikern stark umstritten.

Nach Florenz zurückgekehrt, malte Cimabue im Klostergang von Santo Spirito, wo von anderen Meistern die ganze Seite nach der Kirche zu auf griechische Weise verziert ist, drei Bogen mit Begebenheiten aus der Geschichte Christi, unbestreitbar von sehr schöner Zeichnung.Beim Neubau des Kreuzganges (16. Jahrhundert) zerstört. Nun machte er für die Kirche Santa Maria Novella das Bild der Mutter Gottes, das zwischen der Kapelle Ruccellai und der des Bardi da Vernio angebracht ist. Dieses Werk ist in größerem Maßstab ausgeführt als bisher irgendeine Figur, und einige Engel, die die Madonna umgeben, zeigen, wie er zwar noch in griechischer Manier arbeitete, in den Umrissen und in der Methode aber sich dem neueren Stil näherte.Die sogenannte Madonna Ruccellai in Santa Maria Novella, heute dem Sienesen Duccio zugeschrieben.. Man hatte bis dahin nichts Besseres gesehen, und dieses Bild erweckte daher solche Bewunderung, daß es mit viel Pracht und Trompetenschall in feierlicher Prozession vom Haus Cimabues nach der Kirche getragen, und er dafür reich belohnt und geehrt wurde. Auch erzählt man und liest es in einigen Nachrichten von alten Malern, daß, als Cimabue in einem Garten bei dem Tor von Sankt Peter dieses Bild malte, König Karl der Ältere von Anjou durch Florenz kam, und die Herren der Stadt, die ihm viel Höflichkeit erwiesen, ihn unter anderem auch das Gemälde Cimabues besichtigen ließen. Niemand hatte es noch bis dahin gesehen. Als es daher dem König gezeigt wurde, eilten alle Damen und Herren von Florenz in größtem Jubel und Gedränge dorthin, was den Nachbarn so viel Vergnügen bereitete, daß sie jene Vorstadt Borgo Allegri, das heißt »fröhliche Vorstadt« nannten.

Da nun alle diese Werke Cimabue zu seinem großen Nutzen einen berühmten Namen gemacht hatten, wurde er zugleich mit Arnolfo Lapi,Arnolfo di Cambio. der damals in der Baukunst sehr berühmt war, zum Baumeister von Santa Maria del Fiore in Florenz ernannt. Endlich aber, als er über sechzig Jahre alt geworden war, ging er im Jahre 1302 zu einem anderen Leben hinüber, nachdem er die Malerei, man kann fast sagen: vom Tode erweckt hatte. Er wurde in Santa Maria del Fiore begraben und bekam folgende Grabschrift:

Wie Cimabue geglaubt, die Feste der Malkunst zu halten,
Hielt er sie lebend auch; jetzt hält er die Sterne des Himmels.

Nicht unterlassen möchte ich zu sagen, daß, wenn die Größe Giottos nicht den Ruhm des Cimabue verdunkelt hätte, er viel berühmter geworden wäre, wie Dante in seiner Commedia zeigt, wo er im elften Gesange des Purgatorio auf die Grabschrift des Cimabue anspielt:

Als Maler sah man Cimabue blühen,
Jetzt sieht man über ihn Giotto ragen
Und jenes Glanz in trüber Nacht verglühen.

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