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Künstler der Renaissance

Giorgio Vasari: Künstler der Renaissance - Kapitel 29
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authorGiorgio Vasari
titleKünstler der Renaissance
publisherTransmare Verlag Berlin
illustratorH. Tannhaeuser
editorFritz Schillmann
year1948
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Sebastiano del Piombo

Geboren um 1485 zu Venedig. Gestorben am 21. Juni 1547 zu Rom

SebastianosSein richtiger Name war Sebastiano Luciani. erster Beruf war nach verschiedenen Angaben nicht die Malerei, sondern die Musik, da er sich nicht nur mit Gesang, sondern mit dem Spiel verschiedener Instrumente, besonders mit der Laute vergnügte, auf der man ohne andere Begleitung alles ausführen kann. Diese Geschicklichkeit machte ihn der vornehmen Welt Venedigs einige Zeit sehr angenehm, und er hatte als Künstler mit ihr stets vertrauten Umgang. Da er aber schon in früher Jugend Neigung hatte, die Malerei zu betreiben, lernte er die ersten Anfangsgründe bei dem damals schon hochbetagten Giovanni Bellini. Als dann Giorgione aus Castelfranco die neue, im Kolorit sehr harmonische und feurige Weise nach Venedig brachte, trennte sich Sebastiano von Giovanni, ging zu Giorgione in die Schule und blieb lange genug bei ihm, um seinen Stil großenteils anzunehmen. So malte er in Venedig einige sehr ähnliche Bildnisse nach der Natur, darunter das des Franzosen Verdelotto, eines trefflichen Musikers, damals Kapellmeister in San Marco. In demselben Bilde stellte er dessen Gefährten, den Sänger Ubretto dar. Verdelotto aber nahm es mit nach Florenz, als er dort Kapellmeister von San Giovanni wurde. In derselben Zeit malte Sebastiano in San Giovanni Crisostomo zu Venedig eine Tafel mit einigen Figuren so sehr in Giorgiones Art, daß viele, die nicht volle Sachkenntnis besitzen, sie für eine Arbeit dieses Meisters halten.

Der Ruf Sebastianos verbreitete sich dadurch, und Agostino Chigi aus Siena, ein reicher Kaufmann, der in Venedig viele Geschäfte machte, hörte sein Lob in Rom und suchte ihn dahin zu ziehen, zumal es ihm besonders gefiel, daß er außer der Malerei die Kunst des Lautenspieles verstand und in der Unterhaltung anmutig und gefällig war. Es hielt nicht schwer, Sebastiano für die Reise nach Rom zu bestimmen. Er wußte, wie sehr es als eine gemeinsame Vaterstadt allen schönen Geistern sehr förderlich war, und ging sehr gern dorthin. Von Agostino sogleich mit Arbeit beauftragt, malte er zuerst die kleinen Bogen über der Loggia des Gartens in dem Palast in Trastevere, wo Baldassare von Siena die ganze Wölbung verziert hatte. In diesem Bogen stellte Sebastiano allerlei Phantasien in seiner von Venedig mitgebrachten Manier dar, die von der Art der damaligen bedeutenden Maler sehr verschieden war. Außerdem mußte er auf Wunsch Agostinos am gleichen Ort neben Raffaels Galatea einen Polyphem in Fresko malen, in dem er aus Wetteifer mit Baldassare von Siena – der Erfolg bleibe dahingestellt – sich selbst zu übertreffen suchte. Er malte auch einiges in Öl, das man in Rom schätzte, da er von Giorgione eine gewisse verschmolzene Art der Malerei gelernt hatte.

Während er diese Arbeiten vorwärts brachte, gewann Raffael solchen Ruf in der Malerei, daß seine Freunde und Anhänger behaupteten, seine Bilder wären mehr nach den Regeln der Kunst ausgeführt als die des Michelangelo, anmutig in der Farbgebung, in der Erfindung schön, im Ausdruck der Gesichtszüge lieblich und in der Zeichnung charakteristisch. Die Gemälde Michelangelos dagegen hätten mit Ausnahme der Zeichnung keinen jener Vorzüge, und Raffael sei deshalb in der Malerei wenn nicht trefflicher, doch mindestens Michelangelo gleich und in der Farbgebung ihm auf jeden Fall vorzuziehen. Diese Ansichten waren unter den Künstlern sehr verbreitet, die der Anmut Raffaels mehr huldigten als der Tiefe Michelangelos, und sie zeigten sich in ihrem Urteil aus verschiedenen Gründen Raffael günstiger als Michelangelo. Nicht so Sebastiano. Mit klarer Einsicht erkannte er die Vorzüge eines jeden. Dadurch gewann er das Herz Michelangelos, dem die Farbgebung und die Anmut seiner Bilder wohlgefielen. Er nahm ihn unter seinen besonderen Schutz, in dem Gedanken, daß er dem Sebastiano im Zeichnen Hilfe leiste und auf diese Weise, ohne selbst etwas in der Sache zu tun, die, welche die obige Meinung hatten, mundtot machen und hinter einem Dritten versteckt zeigen würde, wer von ihnen der Bessere sei.

Als nun die an sich wirklich schönen und rühmenswerten Arbeiten Sebastianos durch das Lob Michelangelos besonders hervorgehoben wurden, ließ irgendein Herr aus Viterbo, ein Günstling des Papstes, von Sebastiano für eine von ihm in San Francesco zu Viterbo errichtete Kapelle eine Tafel mit dem toten Christus und der Madonna malen, die ihn beweint. Der Künstler vollendete diese mit vielem Fleiß und brachte darauf eine Landschaft im Mondlicht an.Jetzt im Museo Communale in Viterbo. Erfindung und Karton dieses Werkes jedoch stammten von Michelangelo. Es galt allen, die es sahen, für sehr vorzüglich, erwarb Sebastiano großen Ruhm und bestätigte die Meinung derer, die ihn begünstigten.

In der Zeit, da Raffael für den Kardinal von Medici das Bild von der Verklärung malte, begann Sebastiano fast im Wetteifer mit Raffael eine Tafel in derselben Größe, eine Auferweckung des Lazarus, der vier Tage im Grabe gelegen. Sie war mit großer Sorgfalt gemalt, teilweise nach der Zeichnung und Anordnung Michelangelos.Die Auferweckung des Lazarus, jetzt in der National Gallery in London. Diese beiden Bilder wurden zum Vergleich öffentlich im Konsistorium ausgestellt und das eine wie das andere sehr gerühmt. Denn wenn auch das Gemälde Raffaels durch höchste Anmut und Schönheit jedes andere übertraf, so fanden gleichwohl die Mühen Sebastianos bei jedermann ehrenvolle Anerkennung. Er hatte durch dieses Werk dem Kardinal einen großen Dienst erwiesen und verdiente später während dessen Papsttum reichen Lohn. Bald nachher, als Raffael nicht mehr lebte, wurde dem Sebastiano durch die Empfehlung Michelangelos der erste Platz in der Malerei von allen zugestanden. Als daher Agostino Chigi nach Raffaels Entwurf die Kapelle mit seinem Grabmal in Santa Maria del Popolo errichten ließ, wurde er beauftragt, sie auszumalen. Die Verkleidung wurde aufgerichtet, und alles blieb verdeckt, ohne daß man etwas zu sehen bekam.In der Cappella Chigi in Santa Maria del Popolo malte er das Altarbild mit der Geburt der Maria und das Wandbild mit der Glorie Gottvaters. Durch Nachdunkeln nur noch schwach erkennbar. Erst im Jahre 1554, als Luigi, der Sohn Agostinos, daran dachte, was dem Vater nicht gelungen war, zu erreichen und das Werk beendet zu sehen, ließ er Tafel und Kapellen von Francesco Salviati malen. Dieser führte in kurzer Zeit durch, was die Saumseligkeit und Unentschlossenheit Sebastianos hatte liegen lassen, denn ihm war wenig daran gelegen, obgleich Agostino und seine Erben ihm weit mehr zahlten, als sie schuldig gewesen wären, wenn er sein Wort eingelöst hätte. Er aber tat es nicht, entweder weil er von den Anstrengungen der Kunst ermüdet war – oder weil er sich zu sehr den Gemächlichkeiten und Freuden des Lebens widmete. Gleiche Versäumnis ließ er sich gegen den Kammerklerikus Filippo aus Siena zuschulden kommen, in dessen Auftrag er über dem Hauptaltar der Kirche della Pace zu Rom ein Ölbild begann, ohne es je zu vollenden. Die Mönche, dadurch zur Verzweiflung gebracht, mußten das Gerüst fortnehmen, das sie am Gebrauch der Kirche hinderte, das Bild mit Leinwand verhängen und in Geduld warten, solange Sebastiano lebte. Nach seinem Tode deckten sie das Werk auf, und man erkannte, was vollendet war, als eine sehr schöne Arbeit. Unter anderem sind bei der Madonna, welche die heilige Elisabeth besucht, viele Frauen sehr lebendig und schön nach der Natur gezeichnet. Man sieht jedoch auch hier, daß Sebastiano bei allem, was er tat, große Mühe aufwenden mußte und nichts mit jener Leichtigkeit hervorbrachte, wodurch Talent und Studium bisweilen den belohnen, der sich unausgesetzt übt. Ein Beweis für diese Ansicht findet man in derselben Kirche della Pace in der Kapelle des Agostino Chigi. Raffael hatte dort die Sibyllen und Propheten gemalt. Um diese zu übertreffen, wollte Sebastiano in einer Nische darunter auf einer Mauer etwas ausführen; er ließ sie deshalb mit Peperino bekleiden und die Fugen mit gebranntem Stuck ausfüllen, brachte jedoch so lange mit Überlegungen zu, daß er sie nur gemauert hinterließ, denn nachdem sie zehn Jahre so dagestanden, starb er.

Leicht war es dagegen, von Sebastiano Bildnisse nach der Natur zu erhalten. Sie wurden ihm nicht schwer, und er vollendete sie schnell, während mit historischen Bildern und anderen Gestalten das Gegenteil der Fall war. In der Tat ist Porträtmalen sein einziger Beruf gewesen.Von seinen Porträts sind besonders hervorzuheben das des Papstes Clemens VII., bisher im Museum zu Neapel, und das des Andrea Doria im Palazzo Doria in Rom. Dieses erkennt man an dem Bildnis von Marcantonio Colonna, einem so wohlausgeführten Werk, daß es wie lebend erscheint, und an den Bildern von Ferdinando Marchese von Pescara und der Signora Vittoria Colonna, die beide gleich schön sind. Er malte Hadrian VI., als er nach Rom kam, und den Kardinal Nincofort, der wünschte, Sebastiano möge ihm eine Kapelle in Santa Maria dell' Anima zu Rom verzieren. Sebastiano hielt ihn jedoch von einem zum anderen Tag hin, und der Kardinal übertrug sie endlich seinem Landsmann, dem Flamen Michele, der dort in Fresko Begebenheiten aus dem Leben der heiligen Barbara darstellte und dabei unsere italienische Art sehr gut nachahmte.

Nachdem der Kardinal Giulio de' Medici als Clemens VII. zum Papst erwählt worden war, ließ er Sebastiano durch den Bischof von Vasona sagen: die Zeit, ihm Gutes zu erweisen, sei gekommen, er werde sie nicht nutzlos verstreichen lassen. Voller Hoffnung darauf malte Sebastiano viele Porträts nach der Natur, darunter das von Clemens, der damals keinen Bart trug, und ein zweites wiederum von seiner Heiligkeit. Das eine davon erhielt der Bischof von Vasona, das andere größere, worin er sitzend bis zum Knie dargestellt ist, befindet sich in Rom.

Unterdessen starb Mariano Fetti, Siegelbewahrer des Papstes. Da gedachte Sebastiano der Versprechungen, die ihm der Bischof von Vasona, Hausmeister Seiner Heiligkeit, gegeben hatte und bewarb sich um das erledigte Amt. Dieselbe Stelle verlangte Giovanni von Udine, jedoch zahlte der Papst diesem ein Gehalt von dreihundert Skudi. Mit dem Mönchskleid angetan, veränderte Sebastiano alsbald seinen Sinn, denn da er ohne den Pinsel zu rühren seine Wünsche befriedigen konnte, genoß er der Ruhe und erholte sich bei gemächlichem Einkommen von mühevollen Nächten und Tagen. Hatte er hinwiederum einmal Arbeit, so machte er sich mit einer Leidenschaft daran, als sollte es zum Sterben gehen.

Nachdem Sebastiano Frate del Piombo geworden war, malte er mit großer Mühe im Auftrag des Patriarchen von Aquileja einen Christus, der sein Kreuz trägt, in halber Figur auf Stein, ein sehr gerühmtes Werk, besonders Kopf und Hände. Bald nachher kam die Nichte des Papstes, die nachmalige Königin von Frankreich, nach Rom. Fra Sebastiano begann ihr Bildnis, doch blieb es unvollendet. Als kurz danach der Kardinal Hippolyt von Medici in die Signora Giulio Gonzaga verliebt war, die sich damals in Fondi aufhielt, sandte er Sebastiano mit vier leichten Pferden dorthin, um sie zu malen. Im Verlauf eines Monats vollendete er dieses Bildnis, das durch die himmlische Schönheit der Signora und die geschickte Hand des Künstlers ein wahrhaft glückliches Werk wurde. Nach Rom gebracht, erwarb es ihm reiche Belohnung des Kardinals, der es mit Recht als weit besser achtete als irgendeins der früheren Gemälde Sebastianos. Später erhielt es der König Franz von Frankreich und ließ es in Fontainebleau aufstellen.

Dieser Meister hatte eine neue Art erfunden, auf Stein zu malen, die den Leuten gefiel, weil es schien, als ob Malereien, denen weder durch Feuer noch durch Holzwürmer Gefahr drohe, ewige Dauer verliehen sei. Er begann deshalb auf solche Steine viele Bilder zu malen und umgab sie mit Verzierungen von anderen bunten Steinen, die, glänzend poliert, zu schönem Schmuck dienten. Dennoch blieb ein Nachteil, weil diese Malereien, sowohl Figuren als Ornamente, wegen ihres großen Gewichts sich nur mit Schwierigkeit bewegen und fortbringen lassen. Eine Menge Personen, von der Neuheit der Erfindung und dem Reiz der Kunst hingerissen, gaben ihm Handgeld, damit er Werke dieser Art für sie ausführe. Sebastiano aber, der lieber von diesen Dingen reden, als daran arbeiten wollte, schob alles auf die lange Bank. Bei alledem malte er einen toten Christus und die Madonna auf Stein im Auftrag von Don Ferrante Gonzaga, der das Werk samt einer Steinverzierung nach Spanien schickte, wo es für sehr schön galt; Sebastiano erhielt dafür fünfhundert Skudi ausgezahlt. Hierin nun war Sebastiano zu loben, denn während sein Landsmann Domenico, der zuerst in Öl auf der Mauer malte, Andrea del Castagno, Antonio und Pietro Pollaiuolo sich vergebens um eine Verfahrensweise bemüht hatten, ihre Figuren vor dem Nachdunkeln und frühen Verbleichen zu schützen, machte Sebastiano die Entdeckung, wie man dies erreichen könne. Sein Christus an der Säule in San Pietro in Montorio hat sich durchaus nicht verändert, hat dieselbe Frische und Farbe wie am ersten Tag, denn er übte bei diesen Dingen größte Sorgfalt, mischte den rohen Bewurf der Mauer mit Mastix und Harz, ließ diese Masse im Feuer brennen, auf die Mauer auftragen und dann mit einer im Feuer rot oder richtiger glühend gemachten Kelle glätten; dadurch konnten seine Malereien der Feuchtigkeit widerstehen und sich in der Farbe unverändert erhalten. Mit derselben Mischung arbeitete er auf Peperinostein, Marmor, Porphyr wie sonstigen harten Platten, auf denen Malereien sich lange zu erhalten pflegen, und lehrte dadurch auch, wie man auf Silber, Kupfer, Blei und andere Metalle malen könne.

Dieser Künstler fand so viel Vergnügen daran, zu grübeln und zu schwatzen, daß er sich dadurch tagelang von der Arbeit abhalten ließ. Ging er endlich ans Werk, so sah man, daß es ihm sehr schwer wurde, und dies mochte ihn wohl besonders zu der Meinung veranlassen, seine Arbeiten könnten durch keinen Preis bezahlt werden. Für den Kardinal von Aragona malte er ein ausnehmend kräftiges Bild von der heiligen Agatha, die nackt an den Brüsten gemartert wird. Damals, als sich Michelangelo zur Zeit des Papstes Clemens VII. in Florenz befand, wo er mit dem Bau der neuen Sakristei von San Lorenzo beschäftigt war, wollte Giuliano Bugiardini für Baccio Valori auf einem Bilde den Kopf des Papstes Clemens zusammen mit dem des Baccio malen; ein zweites Gemälde für Ottaviano de' Medici sollte denselben Papst und den Erzbischof von Capua darstellen. Auf Bitten Michelangelos malte daher Fra Sebastiano den Kopf des Papstes in Öl und schickte das Bild nach Florenz. Von allen Porträts, die Sebastiano schuf – und es gibt deren eine Menge –, ist dies der schönste und ähnlichste Kopf.

Fra Sebastiano hatte sich nahe der Kirche del Popolo ein gutes Haus gebaut, das er in großer Behaglichkeit bewohnte, ohne sich weiter um Malen und Arbeiten zu kümmern. Er pflegte oft zu sagen, es sei eine große Mühe, im Alter den Eifer zu mäßigen, zu dem in der Jugend Verlangen nach Gewinn, Ehre und Lohn die Künstler treibt. Nicht weniger klug sei es, in Ruhe zu leben, als im Leben sich wegen des Ruhmes nach dem Tode zu sorgen, da ja auch diese Mühen und alle Werke endlich einmal der Vernichtung anheimfielen. Diesen Worten gemäß war sein Tun, denn er suchte immer die besten Weine und kostbarsten Gerichte auf seinen Tisch zu bekommen und hielt vom Leben mehr als von der Kunst. Wurde er von einigen getadelt und mußte er hören, es sei eine Schande, daß er jetzt, wo er zu leben habe, nicht mehr arbeiten möge, so antwortete er: »Da ich genug zu leben habe, will ich nicht mehr arbeiten. Heutigen Tages gibt es Leute, die in zwei Monaten machen, wozu ich zwei Jahre brauchte, und lebe ich noch lange, so wird es nur kurze Zeit dauern, daß ich noch alles mögliche gemalt sehen werde, und da die anderen so viel machen, ist es ein Glück, daß es einen gibt, der nichts macht und ihnen den Lohn läßt.« Solche und ähnliche Scherze erzählte er, weil er fröhlich und kurzweilig war, und sicherlich gab es nie einen besseren Gesellschafter als Sebastiano. Michelangelo hatte ihn sehr lieb. Als er jedoch in der päpstlichen Kapelle die Wand mit dem Weltgericht malte, entstand zwischen ihnen einiger Streit, denn Sebastiano hatte den Papst beredet, er solle es Michelangelo in Öl ausführen lassen, während jener es nur in Fresko malen wollte. Michelangelo sagte weder ja noch nein, die Wand wurde nach dem Vorschlag Fra Sebastianos zubereitet, und Michelangelo ließ einige Monate verstreichen, ohne anzufangen. Endlich dazu ermahnt, erklärte er, daß er sie nur in Fresko malen werde; Ölmalen sei eine Kunst für Weiber und für bequeme und faule Leute wie Sebastiano. So wurde der Bewurf des Frate heruntergeschlagen und alles, zum Freskomalen eingerichtet. Michelangelo begann sein Bild, vergaß jedoch nie die Beleidigung, die er durch Sebastiano erfahren zu haben glaubte, und behielt einen Zorn auf ihn fast bis zu seinem Tode. Nachdem Sebastiano endlich so weit gekommen war, daß er weder arbeiten noch sonst etwas vornehmen wollte, als seinen Dienst als Frate und sonst ein gutes Leben zu führen, erkrankte er in seinem dreiundsechzigsten Jahr an einem bösartigen Fieber und bekam, weil er vollblütig und stark war, eine so heftige Entzündung, daß er nach wenigen Tagen seinen Geist aufgab. In seinem Testament hatte er verordnet, sein Körper solle ohne priesterliches Geleit und ohne Aufwand von Kerzen zu Grabe getragen, das Geld aber, das dies gekostet haben würde, zur Ehre Gottes an Arme verteilt werden. Dies geschah, und er wurde im Juli des Jahres 1547 in der Kirche del Popolo beigesetzt. Die Kunst verlor durch ihn nicht viel, denn einmal mit dem Mönchskleide angetan, konnte man ihn schon unter die Verlorenen zählen, wenn auch um seiner angenehmen Unterhaltungsgabe willen viele Freunde und Künstler seinen Tod beklagten.

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